{"id":8592,"date":"2018-08-01T22:10:00","date_gmt":"2018-08-01T20:10:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/professionalisierte-gewalt-1\/"},"modified":"2021-08-30T15:42:57","modified_gmt":"2021-08-30T13:42:57","slug":"professionalisierte-gewalt-1","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/223\/publikation\/professionalisierte-gewalt-1\/","title":{"rendered":"Professionalisierte Gewalt"},"content":{"rendered":"<p>Rechte Hooligans zwischen Fanszenen und Kampfsport. In: vorg&auml;nge Nr. 223 (3\/2018), S. 105-114<\/p>\n<p><i>Der Hooliganismus hat sich in seinen Gewaltformen in den letzten Jahrzehnten stark ver&auml;ndert: statt un&uuml;bersichtlicher Stra&szlig;enrandale pr&auml;gen heute verschiedene Formen organisierter Einzel- und Gruppenk&auml;mpfe die Szene, die sich &uuml;ber professionelle Kampfsportevents sowie Kleidungslabels finanziert und international vernetzt. Robert Claus beschreibt in diesem Beitrag neuere Entwicklungen im Kampfsport und eine zunehmende N&auml;he eines relevanten Teils der deutschen Szene zu rechtsextremen Bestrebungen. Dabei bezieht er auch internationale Entwicklungen und Einfl&uuml;sse ein. Er gibt einen &Uuml;berblick &uuml;ber die Organisation von Gewalt in der Szene, beschreibt das Leipziger Imperium Fighting Championship zwischen Hooliganismus und Politik, er&ouml;rtert die Landschaft der Mixed-Martial-Arts in Deutschland und geht auf die Verbindungen des russischen Neonazilabels &#8222;White Rex&#8220; zu K&ouml;lner Hooligans ein. Sein Fazit: Ohne einen Blick auf den Kampfsport ist die Hooliganszene nicht mehr zu erfassen. <\/i><\/p>\n<p>Flaschen und St&uuml;hle fliegen, un&uuml;bersichtliche Menschengruppen bestimmen das Bild. Menschen bleiben mit blutverschmierten Gesichtern am Boden liegen, chaotische Szenen spielen sich ab. Mit solchen Bildern wird die Gewalt von Hooligans gemeinhin medial assoziiert. Es ist Randale am Rande von Fu&szlig;ballevents oder in Stadien, die die &ouml;ffentliche Wahrnehmung von Hooliganismus &uuml;ber Jahrzehnte gepr&auml;gt hat. Hier treffen meist gro&szlig;e Gruppen von &uuml;ber hundert Menschen aufeinander, es geht chaotisch zu. Es gibt kaum Regeln, zuweilen werden Schlagwerkzeuge eingesetzt. Die Beteiligten sind froh, wenn sie halbwegs unbeschadet durchkommen, denn in der gro&szlig;en Gruppe wird es selbst f&uuml;r erfahrene Kampfsportler un&uuml;bersichtlich und somit gef&auml;hrlich.<\/p>\n<p>Doch haben sich &uuml;ber die Jahrzehnte &ndash; die ersten Hooligangruppen in Deutschland gr&uuml;ndeten sich Ende der 1970er Jahre &ndash; weitere Gewaltformate entwickelt, die sukzessive f&uuml;r eine &#8222;Sportisierung&#8220; (die formelle Organisation der Gewalt als Sportformat) sorgten: Als Pendant zu den Stra&szlig;enrandalen etablierten sich im Laufe der 1990er Jahre die Auseinandersetzungen an Drittorten, die sog. &#8222;Ackermatches&#8220; &ndash; auch um der Repression im Umfeld von Fu&szlig;ballspielen zu entgehen. Zumeist k&auml;mpfen kleinere Gruppen von weit weniger als 50 Menschen gegeneinander. Dabei gelten meist Regeln, z.B. Verbote f&uuml;r Schlagwaffen, die im Vorfeld vereinbart werden und sich im Laufe der Jahre etabliert haben (Althoff, Nijboer 2008; Claus 2017). Aber die Einhaltung dieser Regeln wird nicht immer durch ein unabh&auml;ngiges Schiedsgericht &uuml;berpr&uuml;ft. Zudem finden die K&auml;mpfe auf Wiesen und Feldwegen statt, das Verletzungsrisiko ist relativ gro&szlig;.<\/p>\n<p>Aus den illegalen &#8222;Ackermatches&#8220; heraus wurden in Osteuropa zu Beginn der 2010er Jahre die Teamfights entwickelt. Sie finden in regul&auml;ren Kampfringen statt und werden von &Auml;rzten begleitet. Oft k&auml;mpfen vier oder f&uuml;nf Personen gegeneinander, es gibt Gewichtsklassen und Schiedsrichter. Sp&auml;testens hier ist der Begriff des Sports angebracht, denn es geht um einen athletischen Wettkampf mit transparenten Regeln, die von Referees durchgesetzt werden. Die Teamfights bilden somit einen Mannschaftskampfsport im regul&auml;ren Betrieb. In Deutschland fand bisher kein solches Event statt.<\/p>\n<p>Letztlich ist es einer kleinen &#8222;Elite&#8220; an Hooligans vorbehalten, im (semi-)professionellen Einzelkampfsport anzutreten. Dies geschieht vor allem in Disziplinen wie Boxen, Kick-Boxen und Muay Thai sowie in den &uuml;bergreifenden Mixed Martial Arts. Hier findet eine professionelle Organisation in Verb&auml;nden statt, die Kampfregeln, Versorgung der K&auml;mpfer, Ring&auml;rzte und K&auml;mpfe etablieren.<\/p>\n<p>Somit sind Hooligans f&auml;hig, ihre Gewalt verschieden zu organisieren. Wenn man die verschiedenen Kampf- und Gewaltformen nebeneinander betrachtet, steigt der Grad der der Regeln und der Regeldurchsetzung. W&auml;hrend bei den un&uuml;bersichtlichen Gruppenrandalen kaum Regeln gelten, sind Auseinandersetzungen im Team- oder Einzelkampfsport h&ouml;chst organisiert und vorbereitet. Je weniger K&auml;mpfer an der Gewalt beteiligt sind, desto elit&auml;rer wird es. Besonders ersichtlich wird dies an Hooligans, die sich in den Ranglisten der Mixed-Martial-Arts gek&auml;mpft haben.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"beispiel-leipzig-das-imperium-fight-team\">Beispiel Leipzig: Das Imperium Fight Team<\/span><\/h2>\n<p>Hunderte Menschen dr&auml;ngeln sich durch den schmalen Gang im Leipziger &#8222;Kohlrabizirkus&#8220; &ndash; einem ehemaligen Markt. Die Halle ist gut gef&uuml;llt, aber nicht ausverkauft. Scheinwerfer projizieren das Logo der &#8222;<i>Imperium Fight Championship<\/i>&#8220; (IFC) an die Decke der dunklen Kuppel. Knapp 1.500 Menschen starren gebannt auf den achteckigen K&auml;fig in der Mitte des Publikums. Dort k&uuml;ndigt der Ringsprecher gerade die beiden K&auml;mpfer an: den Halbschwergewichtler Timo Feucht aus Leipzig gegen Daniel D&ouml;rrer aus N&uuml;rnberg. Die Fans jubeln. Feucht tritt f&uuml;r das lokale &#8222;<i>Imperium Fight Team<\/i>&#8220; an, das als Namensgeber des Turniers und als Kampfsportstudio im Umfeld von Lokomotive Leipzig dient. Am Ring stehen rund 200 Ultras und Hooligans der &#8222;Lokisten&#8220;.<\/p>\n<p>Feucht ist ein kleiner Star in der Szene, wird seinerzeit auf Platz der Rangliste der Halbschwergewichte in Deutschland gef&uuml;hrt, und strotzt vor Kraft. Er tr&auml;gt ein Tattoo &#8222;<i>Blue-Yellow-Army<\/i>&#8220; auf dem Bauch, das Logo von Lok Leipzig auf der Hose und l&auml;uft unter krachender Rockmusik mit einer blau-wei&szlig;en Fahne auf dem R&uuml;cken ein. Auf der Fahne steht &#8222;VfB Hooligans&#8220;. VfB Leipzig hie&szlig; der Verein in der ersten H&auml;lfte des 20. Jahrhunderts sowie nach 1989 eine zeitlang. Dessen Fans jolen ihn zum Sieg: Zwei gro&szlig;e Fahnen werden geschwenkt, manche haben sich mit blau-gelben Masken vermummt. &#8222;<i>L-O-K&nbsp; L-O-K&nbsp; L-O-K<\/i>&#8220; schallt es durch die Halle, und &#8222;<i>Leipzig &ndash; Erfurt &ndash; Halle &ndash; Fu&szlig;ballkrawalle<\/i>&#8222;. Einer von ihnen koordiniert die Rufe, hat sich auf ein Gitter in Ringn&auml;he gestellt &ndash; Fu&szlig;ballfankultur im Kampfsport.<\/p>\n<p>Die Fanszene von Lokomotive Leipzig und das Imperium Fight Team sch&auml;tzen sich gegenseitig. Vor dem Event im August hielten Fans von Lok ein Transparent im Stadion hoch, auf dem sie f&uuml;r das vierte Event der IFC warben: <i>&#8222;Support your local MMA Team!&#8220; <\/i>stand darauf. Derlei Werbung hat Tradition: Schon 2012 ver&ouml;ffentlichte &#8222;Scenario Lok&#8220; ein Video, in dem sich Szenen aus Kampfsportturnieren, Trainings, Ackermatches und Fu&szlig;ball zu knarzigem &#8222;NS Hatecore&#8220; mischen. So macht auch der Chef der IFC, Benjamin Brinsa keinen Hehl aus seiner Herkunft. Er tr&auml;gt den Kampfnamen &#8222;The Hooligan&#8220; und ist der Bundesregierung kein Unbekannter: Sie sieht ihn in ihrer Antwort auf eine kleine Bundestagsanfrage zwischen 2006 und 2012 an rechtsextremen Aktivit&auml;ten beteiligt sowie als &#8222;F&uuml;hrungsfigur der im Jahr 2014 aufgel&ouml;sten Hooligan-Gruppierung &#8218;Scenario Lok'&#8220; (Bundesregierung 2017). Die Gruppe wurde vom s&auml;chsischen Verfassungsschutz beobachtet.<\/p>\n<p>Abermals zeigte sich die enge Verbindung zwischen Lok-Fans, Kampfsportlern des Imperium Fight Teams und der rechten Szene in Sachsen am 11. Januar 2016: Der lokale Ableger der &#8222;<i>Patriotischen Europ&auml;er gegen die Islamisierung des Abendlandes<\/i>&#8220; (PEgIdA) beging sein einj&auml;hriges Bestehen in der Leipziger Innenstadt &ndash; unterst&uuml;tzt von bundesweiter Szene-Prominenz. Die Hooligan-Band &#8222;Kategorie C&#8220; war angereist und bot ihren Song &#8222;<i>Hooligans gegen Salafisten<\/i>&#8220; zum Besten. Nahezu zeitgleich, leicht abseits des Aufzugs zogen bis zu 300 rechte Gewaltt&auml;ter durch Leipzig-Connewitz, zerst&ouml;rten knapp 20 L&auml;den. Neben rechter Politprominenz aus Sachsen wurden Hooligans aus fast allen Fanszenen der Region festgenommen. Szenekundige Beamte ordneten sie wie folgt zu: Lok Leipzig (41), Hallescher FC (1), Dynamo Dresden (16), Rot-Wei&szlig; Erfurt (4), Carl-Zeiss Jena (2), Chemnitzer FC (1), RB Leipzig (1).<\/p>\n<p>Es sollte ein Fanal werden: gegen die linke Szene in Leipzig, gegen die linksorientierte Fanszene des Lokalrivalen BSG Chemie Leipzig und gegen die Migrationspolitik der Bundesrepublik. Der Polizei gelang es letztlich, etwas mehr als 200 Randalierer festzusetzen &ndash; unter ihnen K&auml;mpfer des <i>Imperium Fight Teams <\/i>sowie jener Timo Feucht, semi-professioneller Mixed-Martial-Arts-K&auml;mpfer. Die trainierte Gewalt wird politisch auf die Stra&szlig;e getragen. Kaum &uuml;berraschend postete die IFC mehrfach Wahlwerbung f&uuml;r die AfD in den sozialen Medien kurz vor der Bundestagswahl im September 2017.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"mixed-martial-arts-in-deutschland\">Mixed Martial Arts in Deutschland<\/span><\/h2>\n<p>Mixed Martial Arts (MMA) &ndash; in Deutschland auch eine Zeit lang Freefight genannt &ndash; ist im Kommen. In Asien sowie S&uuml;d- und Nordamerika boomt der Markt seit Jahren. Dieser Kombinationssport hat in den USA mittlerweile das traditionelle Boxen in Bezug auf Preisgelder und Einschaltquoten &uuml;berholt. Dabei ist die Idee, Kampfsportdisziplinen zu mischen, schon sehr alt &ndash; sie wurde bereits in der Antike praktiziert. 648 v. Chr. wurde das sog. Pankration bei den 33. Olympischen Spielen olympisch. Dahinter verbarg sich die Idee, Boxer und Ringer in einem Wettbewerb gegeneinander antreten zu lassen, um herauszufinden, welcher Kampfsport sich durchsetze. Viele MMA-Schulen beziehen sich heute auf diese Geschichte.<\/p>\n<p>Dabei hat sich die Bandbreite der angewandten und miteinander vermischten Techniken enorm erweitert. Im Grunde besteht MMA als Vollkontaktsport aus drei Bereichen: Erstens brauchen K&auml;mpfer eine Standkampfart (z.B. Boxen). Zweitens m&uuml;ssen K&auml;mpfer &uuml;ber Wurf- und Grifftechniken verf&uuml;gen, um den Gegner zu Boden zu bewegen (z.B. Judo). Und drittens sollten K&auml;mpfer ebenso Techniken anwenden k&ouml;nnen, um den Gegner am Boden zu halten und durch Griffe zur Aufgabe zwingen zu k&ouml;nnen (z.B. Ringen oder Brazilian Jiu-Jitsu). Nicht wenige K&auml;mpfer haben einmal als Boxer, Judoka oder Ringer begonnen und sich danach weitere Kampfsportarten oder einzelne Elemente aus ihnen angeeignet. Neben den genannten kommen u.a. auch Kick-Boxen, Thai-Boxen, Taekwondo, Karate und Sambo zur Anwendung (vgl. Marquardt, Kuhn 2014; K&ouml;rner, Istas 2017). Im Unterschied zu allen anderen darf und soll im MMA auch am Boden geschlagen und getreten werden. MMA kommt damit den Hooligank&auml;mpfen auf abgelegenen Wiesen technisch am n&auml;chsten.<\/p>\n<p>Auch deshalb hat der Sport &uuml;ber die interessierten Kreise hinaus lange mit einem schlechten Image zu k&auml;mpfen. Es galt als sittenwidrig, auf blutende Gegner einzuschlagen. Der brutale Eindruck, den MMA teilweise hinterl&auml;sst, f&uuml;hrte u.a. dazu, dass in Deutschland zwischen 2010 und 2014 ein Sendeverbot im Free-TV herrschte. Letztlich sind die TV-&Uuml;bertragungen zwar nicht entscheidend: Die Plattform <a href=\"http:\/\/www.ranfighting.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.ranfighting.de<\/a> &uuml;bertr&auml;gt in Deutschland MMA-Turniere kostenpflichtig im Internet. Auch auf Youtube sind viele K&auml;mpfe zu finden &ndash; vom russischen Lokal- bis zum amerikanischen Mega-Event. Doch bewegt sich der Sport zwischen Ablehnung und Wachstum, teilweise extrem rechtem Publikum und l&uuml;ckenhaften sowie politisch erhitzten Debatten.<\/p>\n<p>Die Debatte um MMA wird in Deutschland erhitzt gef&uuml;hrt &ndash; wenn sie denn gef&uuml;hrt wird. Der renommierte Box-Kommentator Werner Schneyder &auml;u&szlig;erte sich in der &#8222;Frankfurter Allgemeinen Zeitung&#8220; im Mai 2009 beispielsweise so: &#8222;<i>Es werden Rippen eingetreten, wo sich einer schon nicht mehr wehrt. Man nimmt Kr&uuml;ppelhaftigkeit und Todesfolge in Kauf. Wenn eine Gesellschaft die &ouml;ffentliche Propagierung dieser Gewalt durch missverstandene Liberalit&auml;t in Kauf nimmt, dann macht sie sich schuldig. Es gibt nur eine M&ouml;glichkeit: Man muss diesen Wahnsinn verbieten.<\/i>&#8220; Die Debatte dreht sich um Brutalit&auml;t und Sittlichkeit &ndash; wie so oft, wenn es um Gewalt geht.<\/p>\n<p>W&auml;hrend die <i>Ultimate Fighting Championship <\/i>aus den USA international unumstritten die Nummer 1 unter den MMA-Veranstaltern ist, gestaltet sich die Szenerie in Deutschland ungleich un&uuml;bersichtlicher. Die UFC selbst mehrfach in Deutschland gastiert, zuletzt im Juli 2018 in Hamburg. Doch in ihrem Schatten existiert eine ganze Reihe an Turnierveranstaltern, die zum Teil auch eigene Wettk&auml;mpfe austragen. Die &#8222;<i>German MMA Championship<\/i>&#8220; (GMC) klingt nach der deutschen Meisterschaft, ist es formell aber nicht. Neben ihr organisieren Veranstalter wie &#8222;Fair FC&#8220; aus Nordrhein Westfalen, &#8222;Imperium FC&#8220; aus Leipzig, oder &#8222;Superior FC&#8220;[1] mit eigenen Titeln und Champions.<\/p>\n<p>Die deutschen MMA-Organisationen verteilen sich auf drei Verb&auml;nde, von denen keiner Mitglied im Deutschen Olympischen Sportbund ist (DOSB 2017). Vielmehr agieren alle Veranstalter und Gyms auf dem freien Markt jenseits der klassischen Sportstrukturen. So entsteht kaum eine Debatte, auch nicht in der Politik: &#8222;<i>Mixed Martial Arts stand bisher noch nicht auf der sportpolitischen Agenda. Die Debatte, ob und inwiefern es als Sport gelten kann, steht noch aus<\/i>&#8222;, sagt Monika Lazar, Bundestagsabgeordnete der Gr&uuml;nen und Obfrau im Sportausschuss (Claus 2017, S. 136).<\/p>\n<p>Doch nicht nur dies. MMA fiel in den vergangenen Jahren wiederholt durch rechtsextreme K&auml;mpfer und einschl&auml;giges Publikum auf. Nicht ohne Grund: Zwar ist ein Gro&szlig;teil der Athleten unbescholten, doch hat sich bis zum Jahr 2016 allein der Veranstalter &#8222;<i>We love MMA<\/i>&#8220; glaubhaft gegen Rechtsextreme und deren Teilnahme an seinen Events ausgesprochen. Die restliche MMA-Welt in Deutschland geht mit dem Thema mindestens blau&auml;ugig, manchmal v&ouml;llig verharmlosend um. Zumal Rechtsextreme aktiv ihren Platz in der Szene suchen und eigene Events veranstalten. Sie sind dabei bis nach Russland vernetzt, wie die Aktivit&auml;ten des russischen Neonazilabels &#8222;White Rex&#8220; in Deutschland und ihre Verbindungen in die K&ouml;lner Hooliganszene zeigen.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"rechtsextreme-eventkultur-und-kampfsport\">Rechts&shy;ex&shy;treme Eventkultur und Kampfsport<\/span><\/h2>\n<p>Samstag, 18. Januar 2014: Es ist ein k&uuml;hler Samstag in K&ouml;ln. Das Testspiel zwischen dem heimischen FC sowie dem FC Schalke 04 steht an, gleichzeitig findet an jenem Wochenende in Berlin ein Kongress von Fu&szlig;ballfans statt, um &uuml;ber die Rechte und die Vielfalt der Anh&auml;nger zu sprechen. Doch ger&auml;t all das schnell in den medialen Hintergrund: Denn in der K&ouml;lner Innenstadt kommt es zu schweren Randalen. Auf dem Rudolfplatz hatten sich &uuml;ber 200 Hooligans und gewaltaffine Ultras zu einem sogenannten Match verabredet. Die Polizei schreitet ein und beendet das Ganze vorzeitig. Eine Person wurde lebensgef&auml;hrlich am Kopf verletzt. Auf Seiten der K&ouml;lner k&auml;mpften auch Hooligans aus Dortmund sowie eine Schl&uuml;sselfigur des europ&auml;ischen Hooliganismus: Denis Nikitin, rechtsextremer Hooligan aus Moskau sowie Gr&uuml;nder der Neonazi- und Kampfsportmarke White Rex.<\/p>\n<p>&#8222;<i>Wir haben gewonnen. Leider wird die Sache vor Gericht ausgetragen, und ich geh&ouml;re zum Kreis der Verd&auml;chtigen. Aber es war ein geiler Tag. Die Schalker wollten selbst nicht auf den Acker, sondern wie fr&uuml;her in der Stadt k&auml;mpfen<\/i>&#8222;, plaudert Nikitin redselig im Interview mit der ukrainischen Webseite troublemakers.com zu Beginn des Jahres 2016 aus (dieses und alle weiteren Zitate: Troublemakers 2016). Er kennt die Hooligans aus der Domstadt nicht nur sporadisch. &#8222;<i>Heute k&auml;mpfe ich f&uuml;r die Leute in K&ouml;ln<\/i>&#8222;, sagt er weiter.<\/p>\n<p>Es sind gewachsene Netzwerke, denn seit Jahren pflegen die K&ouml;lner enge Kontakte in die russische Neonaziszene. Die Fahne der &#8222;Hooligans K&ouml;ln&#8220; h&auml;ngt am Zaun der rechtsextremen Hooligangruppen &#8222;N-Troops&#8220;, der &#8222;Warriors&#8220; von ZSKA Moskau sowie der neofaschistischen &#8222;Einfach-Jugend&#8220;. Vor Runen, Totenk&ouml;pfen und Keltenkreuzen wimmelt es nur so, auch gibt es Wein mit Hitlers Konterfei auf dem Etikett. Schon im Herbst 2013 nahmen Hooligans aus K&ouml;ln an einem extrem rechten Fu&szlig;ballturnier in Moskau teil. Nach dem Turnier wurde noch ein &#8222;Match&#8220; durchgef&uuml;hrt. Acht K&ouml;lner traten gegen den sogenannten Kindergarten aus Moskau an und wurden &uuml;bel verpr&uuml;gelt. Der Anf&uuml;hrer der K&ouml;lner ging schnell k.o., ein anderer erlitt Br&uuml;che im Gesicht &ndash; Freizeitspa&szlig; f&uuml;r rechte Hooligans. Auf Seiten der K&ouml;lner k&auml;mpfte auch Nikitin.<\/p>\n<p>Er besucht die Domstadt mehrmals j&auml;hrlich, spricht flie&szlig;end deutsch. In seiner Kontaktliste auf Facebook finden sich viele Personen, deren Namen und Profilbilder auf einen Ko?lner Hintergrund hinweisen. Sie posieren zum Teil in Kampfsportmontur vor Fahnen des FC sowie in T-Shirts der Ultragruppe &#8222;Boyz&#8220;. Ein anderer tr&auml;gt ein Shirt, auf dem in drei Sprachen &#8222;Ultragewalt&#8220; steht; es geh&ouml;rt zum Repertoire von White Rex. &#8222;<i>Mit den Jungs aus K&ouml;ln und Dortmund ist eine echte M&auml;nnerfreundschaft entstanden. Uns verbinden die nationalistischen Ideen<\/i>&#8222;, beschreibt Nikitin seine Verbindung nach Deutschland. Der Bezug zum Fu&szlig;ball schwinde jedoch Schritt f&uuml;r Schritt, so Nikitin weiter.<\/p>\n<p>Politisch st&uuml;nden sie derweil weit rechts und unterst&uuml;tzten die AfD, sagt er. So sind auch die gewaltvoll ausgetragenen Konflikte innerhalb der K&ouml;lner Fanszene kein Zufall. &Uuml;ber mehrere Jahre hinweg hatten sich Ultras des FC mit Choreographien gegen Rassismus engagiert, im April 2017 mit einem Spruchband &#8222;<i>Heute f&uuml;r den FC, morgen gegen die AfD<\/i>&#8220; gegen deren Parteitag in K&ouml;ln protestiert. Doch teilte dies nicht die ganze Kurve, die Gruppe &#8222;Coloniacs&#8220; wurde massiv angefeindet und mit Gewalt bedroht, so dass sie von weiteren Spruchb&auml;ndern vorerst Abstand nahm (Faszination Fankurve 2017). Der politische Rechtsruck findet auch in den Fankurven statt &ndash; in K&ouml;ln unterst&uuml;tzt von extrem rechten russischen Kampfsportlern.<\/p>\n<p>Nikitin gr&uuml;ndete 2008 die Neonazi- und Kampfsportmarke White Rex. Europaweit hat er seither Kampfsportturniere f&uuml;r die rechtsextreme Szene aufgebaut, erst in Russland, sp&auml;ter auch in Italien, Ungarn oder Griechenland. Es begann 2011 mit den MMA-Qualifikationsturnieren namens &#8222;Kriegergeist&#8220;. Die ersten Veranstaltungen fanden u.a. in Woronesch und Noworossijsk statt, fernab der russischen Gro&szlig;metropolen, zum Teil noch in kleinen R&auml;umen mit zehn K&auml;mpfern und zwanzig Zuschauern. Dort konnten sich die K&auml;mpfer f&uuml;r die finalen Turniere in Sankt Petersburg und Moskau qualifizieren. Es sind Turniere f&uuml;r rechtsextreme Schl&auml;ger. Im Interview plaudert Denis Nikitin offen &uuml;ber seine rassistische Gesinnung: &#8222;<i>Ich gebe wei&szlig;en Jungs (und jungen Frauen) die M&ouml;glichkeit, ihre Kr&auml;fte zu messen. Du musst selber ges&uuml;nder und st&auml;rker werden<\/i>&#8222;, sagt er. Nikitin k&ouml;nnte man als &#8222;asketischen Gesundheitsnazi&#8220; bezeichnen. Weitere Turnierreihen Nikitins waren die Events &#8222;Birth of a Nation&#8220; &ndash; woran auch der Dortmunder Hooligan Timo &#8222;Fritz&#8220; K. im Oktober 2013 teilnahm &ndash; sowie die &#8222;Jung Sturm League&#8220;, in der sich Nachwuchsk&auml;mpfer beweisen konnten. Die Events werden gut besucht, bis zu 1.500 Zuschauer f&uuml;llen die Hallen.<\/p>\n<p>Dabei agiert White Rex &auml;u&szlig;erst professionell, bewirbt seine Veranstaltungen mit dramaturgisch gut gemachten Videos und modernen Designs. Nikitin ist gleicherma&szlig;en Neonazi und Gesch&auml;ftsmann. Er will auch Menschen jenseits der eigenen Szenen erreichen und verfolgt einen Businessplan, der sich nicht auf Sportevents beschr&auml;nkt. Zu White Rex geh&ouml;ren auch die &#8222;Vandals&#8220;, eine rechtsextreme Wandergruppe, die Outdoormaterial verkauft. &#8222;<i>Meine Aufgabe ist global, ich muss alle Lebensbereiche eines modernen Menschen abdecken<\/i>&#8222;, f&uuml;hrt Nikitin aus. &#8222;<i>White Rex ist eine alternative Lebenseinstellung, die ich zu 100% schaffen m&ouml;chte. Mit Kleidung, Turnieren, Sportnahrung und Fitnessstudios.<\/i>&#8220; Nikitin will den ganz gro&szlig;en Wurf, eine Art nationalsozialistischer Komplettausr&uuml;ster werden.<\/p>\n<p>Nikitin kommt aus der Moskauer Hooliganszene und ist international bestens vernetzt. Mit 22 Jahren kam er in die Szene und wurde vier Jahre sp&auml;ter Mitglied bei der Hooligangruppe &#8222;Jaroslawka&#8220; im Umfeld von ZSKA Moskau. &#8222;<i>Das war reiner Zufall. Ich mag keinen Fu&szlig;ball, ich liebe den Faustkampf. Am Supporten, Mitfiebern liegt mir nicht viel. Mir gefallen das Adrenalin, die Verfolgungsjagden durch die Stadt, Ackermatches, die Action, die dahintersteckt. Das ist meins<\/i>!&#8220;, beschreibt Nikitin seine Motivation. Er ist in der russischen Hooliganszene tief verankert (Parkin 2018). Gemeinsam fuhren sie nach Marseille zur Fu&szlig;ball-EM 2016 und begannen die Krawalle am dortigen Hafen. Nikitin f&uuml;hrte dabei eine Kleingruppe an.<\/p>\n<p>Nikitin bietet auch Kurse zu Selbstverteidigung und Messerkampf an &ndash; nicht nur in Russland. Nach Informationen des Blogs &#8222;Ukrainianpolicy.com&#8220; wurde er 2014 als Redner zu einem Treffen der &#8222;London New Right&#8220;-Bewegung eingeladen. Schon zuvor hatte Nikitin Fitnesskurse auf einem Trainingscamp britischer Neonazis in Wales geleitet. Zudem verf&uuml;gt er &uuml;ber Kontakte in die Fanszenen von Legia Warschau sowie Sparta Prag. Auch zu seinen ukrainischen Kameraden h&auml;lt Nikitin engen Kontakt, veranstaltete bereits ein Turnier in Kiew. All dies teilt der freiz&uuml;gig in den Sozialen Medien.<\/p>\n<p>Mit seiner Mischung aus nationalsozialistischem Business, modernen Wehrsportangeboten und internationalen Netzwerken avanciert Nikitin zu einer zentralen Schl&uuml;sselfigur des rechtsextremen Hooliganismus in Europa. Dabei versucht er Hooligans an die Naziszene zu binden &ndash; mit einer Eventkultur, die Gewalt, Zusammengeho?rigkeit und politischen Hass zu einem gescha?ftlich eintra?glichen Festival macht. Er ist auch auf dem deutschen Markt aktiv. Gemeinsam mit Partnern wie dem Dresdner Label &#8222;Greifvogel&#8220; und der franz&ouml;sischen Marke &#8222;Pride France&#8220; sponsert er das extrem rechte Kampfsportevent &#8222;Kampf der Nibelungen&#8220; (KdN). Dort trat er bei Boxk&auml;mpfen und als Redner auf (Kampf der Nibelungen 2017).<\/p>\n<p>Im Zentrum der Veranstaltung stehen ein faschistisches K&ouml;rperideal, Werte wie H&auml;rte und Selbstdisziplin sowie die Feindschaft zum demokratischen System. &#8222;<i>W&auml;hrend bei den meisten &#8222;Fight Nights&#8220; im bundesweiten Raum die Teilnahme des jeweiligen Sportlers allzu oft mit dem abverlangten Bekenntnis zur freien demokratischen Grundordnung steht oder f&auml;llt, will der Kampf der Nibelungen den Sport nicht als Teil eines faulenden politischen Systems verstehen, sondern diesen als fundamentales Element einer Alternative zu eben jenem etablieren und in die Breite tragen<\/i>&#8222;, hei&szlig;t es auf der Homepage. &#8222;<i>Umso mehr sehen wir den Schl&uuml;ssel zum Erfolg und zur Erreichung der pers&ouml;nlichen Zielsetzung &ndash; egal ob im sportlichen, politischen oder pers&ouml;nlichen Sinne &ndash; in den Faktoren Wille, Disziplin und Flei&szlig;<\/i>&#8220; &#8211; so werden die eigenen Werte beschrieben.<\/p>\n<p>Der &#8222;Kampf der Nibelungen&#8220; ist ein wichtiger Treffpunkt f&uuml;r rechte Hooligans, Neonazi-Kader und Teile der internationalen faschistischen Kampfsportprominenz. Es dient der Vernetzung, der Gewaltaus&uuml;bung sowie der Finanzierung der Szene. Die letzten Events fanden im Geheimen am 14. Oktober 2017 im sauerl&auml;ndischen Kirchhundem sowie auf einem Festival im s&auml;chsischen Ostritz am 20. und 21. April 2018 statt. Die Besucher_innenzahlen sind zuletzt auf weit &uuml;ber 500 angestiegen. Es ist gut m&ouml;glich, dass die Kampfsportveranstaltung noch gr&ouml;&szlig;er wird und sich weiter kommerzialisiert, zumal der KdN im Sommer 2017 beim Deutschen Patent- und Markenamt registriert wurde. Man will wohl auf den freien Markt.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"fazit-anerkennung-und-praevention-fuer-den-kampfsport-noetig\">Fazit &ndash; Anerkennung und Pr&auml;vention f&uuml;r den Kampfsport n&ouml;tig<\/span><\/h2>\n<p>Rechte Hooligans bilden eine sehr lernf&auml;hige Szene, die sich &uuml;ber die Jahre professionalisiert und zum Teil kommerzialisiert hat. Doch w&auml;re es falsch, die Landschaft des Kampfsportes in Deutschland pauschal als rechts zu bezeichnen. Dies ist bei weitem nicht der Fall. Vielmehr lassen sich die Veranstalter in Bezug auf das Thema Rechtsextremismus in drei Kategorien fassen (Claus 2017, S. 178):<\/p>\n<ul>\n<li><em>Popkultur<\/em>: Veranstalter wie &#8222;<em>We love MMA<\/em>&#8220; wollen ein Event bieten, das auch Kampfsportfans jenseits einschl&auml;giger Milieus erreicht und distanzieren sich deutlich von rechtsextremen K&auml;mpfern;<\/li>\n<li><em>Gewaltmilieu<\/em>: Veranstalter wie die &#8222;<em>German MMA Championship<\/em>&#8220; oder die &#8222;<em>Fair Fighting Championship<\/em>&#8220; stammen selber zum Teil aus Milieus der T&uuml;rsteher, Hooligans und Rocker. Das bedeutet nicht zwangsl&auml;ufig, dass sie selber rechtsextrem sind, jedoch zeigen sie oftmals wenige Ber&uuml;hrungs&auml;ngste mit rechtsextremen K&auml;mpfern. Proteste gegen Neonazis auf den Fightcards waren zuweilen erfolgreich;<\/li>\n<li><em>Rechtsextremismus<\/em>: Veranstalter wie die &#8222;<em>Imperium Fighting Championship<\/em>&#8220; aus Leipzig entstammen selber zum Teil rechtsextremen Hooliganszenen. Ihre Events werden zu gro&szlig;en Teilen von Hooligans, Rockern und Neonazis besucht. Sie dienen der Vernetzung, Finanzierung und Rekrutierung der eigenen Strukturen. Ein besonderer Fall ist der &#8222;<em>Kampf der Nibelungen<\/em>&#8222;, welcher seit 2013 u.a. von Dortmunder Neonazis konspirativ in Rheinland-Pfalz, NRW und Hessen organisiert wird.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dar&uuml;ber hinaus existiert eine Reihe von spezifischen Marken, die bei Rechtsextremen beliebt sind. Neben dem Vertrieb von Kleidung sponsern diese Labels Veranstaltungen und rechtsextreme K&auml;mpfer, auch auf &#8222;Fight Nights&#8220; im l&auml;ndlichen Raum (Claus 2017; vgl. Bund der deutschen Landjugend 2017, S. 174 ff.)<\/p>\n<p>Eine intensive Besch&auml;ftigung mit dem Thema in den sportpolitischen Gremien des Deutschen Bundestages hat bis heute nicht stattgefunden. Dabei ist eine solche Debatte dringend notwendig, denn MMA erf&uuml;llt die Kriterien von Sport: Es ist ein athletischer Wettbewerb mit transparenten Regeln, die von einer unabh&auml;ngigen dritten Instanz &ndash; den Schiedsrichtern &ndash; durchgesetzt werden. Zudem w&auml;chst der Markt, immer mehr Kampfsportstudios bieten MMA an. Dar&uuml;ber hinaus f&uuml;hren Verbote kaum weiter, zumal die Untersagung von TV-&Uuml;bertragungen durch das Internet schlichtweg wirkungslos wird.<\/p>\n<p>Um die weitere Ausbreitung von rechtsextremen Hooligans und Neonazis im Kampfsport zu verhindern, br&auml;uchte es eine intensive Besch&auml;ftigung mit dem Thema aus verschiedenen Perspektiven: Einerseits w&auml;re es notwendig, eine breite gesellschaftlich-politische Debatte um Kampfsport im allgemein und MMA im speziellen zu f&uuml;hren. Hierbei geht es darum, dem Sport und seine einzelnen Disziplinen anerkennend zu begegnen und ernst zu nehmen, wie attraktiv er f&uuml;r Teile dieser Gesellschaft ist. Im zweiten Schritt w&auml;re eine politische Diskussion &uuml;ber Sponsoren, Hausordnungen und Stellungnahmen bez&uuml;glich rechtsextremer Akteure zu f&uuml;hren. Bundesweite Netzwerke gegen Diskriminierung und Neonazis im Kampfsport sind ebenso denkbar wie eine verst&auml;rkte Einbindung Sozialer Arbeit in das Feld. Wenn sich die Arbeit gegen Rechtsextremismus diesem Feld nicht st&auml;rker zuwendet, werden Teile der Kampfsportwelt noch mehr zu einem R&uuml;ckzugs- und &Uuml;bungsraum f&uuml;r gewaltt&auml;tige Neonazis werden, zumal dort eine professionalisierte Gewaltkompetenz vermittelt wird.<\/p>\n<p>Zudem br&auml;uchte es auch innerhalb der Kampfsportszene eine gr&ouml;&szlig;ere Sensibilit&auml;t: Noch greifen die Nachrichtenblogs das Thema zu selten auf und berichten zu unkritisch &uuml;ber diskriminierendes Verhalten von K&auml;mpfern. Dabei w&auml;re es im Interesse vieler Anh&auml;nger, den Sport aus der &#8222;Schmuddelecke&#8220; zu holen, in der er gegenw&auml;rtig steht. Der Fu&szlig;ball hat einst vorgemacht, wie es gehen k&ouml;nnte.<\/p>\n<p>Letztlich wird an diesen Schilderungen und Analysen deutlich: Der organisierte Kampfsport hat sich zum zweiten Standbein der Szene entwickelt &ndash; neben den Fanszenen des Fu&szlig;balls. So muss eine Arbeit gegen Rechtsextremismus und Gewalt im Sport das Feld ganzheitlich und systematisch denken sowie angehen. Denn rechte Hooligans haben ihre Gewalt erheblich professionalisiert: durch einen hohen Grad an Organisation, eigene Kampfsportevents und Trainingsstrukturen. Zudem tragen sie ihre rassistische Gewalt auf die Stra&szlig;e, &uuml;ben politischen Druck auf progressive Teile der Fu&szlig;ballfanszene aus. Sie entscheiden am Ende dar&uuml;ber, welche Spruchb&auml;nder gezeigt werden d&uuml;rfen und welche politischen Statements erlaubt sind. Der in den vergangenen Jahren vollzogene politische Rechtsruck der Bundesrepublik findet sich mittlerweile auch im Kampfsport und seinen Fanszenen wieder.<\/p>\n<p><b>ROBERT&nbsp;CLAUS<\/b><i>&nbsp;&nbsp; Jahrgang 1983, Magister der Europ&auml;ischen Ethnologie und Gender Studies, Mitarbeiter der &#8222;Kompetenzgruppe Fankulturen und Sport bezogene Soziale Arbeit&#8220; (KoFaSgGmbH); letzte Buchver&ouml;ffentlichung: Hooligans. Eine Welt zwischen Fu&szlig;ball, Gewalt und Politik (G&ouml;ttingen 2017).<\/i><\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"literatur\">Literatur<\/span><\/h2>\n<p>Althoff, Martina; Nijboer, Jan (2008): Fu&szlig;ball, Spiel und Kampf. Zur politischen Dimension des Hooliganismus. In: Klein, Gabriele; Meuser, Michael (Hg.): Ernste Spiele. Bielefeld, S. 135-154.<\/p>\n<p>Bundesregierung (2017): Antwort auf die Kleine Anfrage &bdquo;Verbindungen von Mixed-Martial-Arts-Kampfsportlern zur rechtsextremen Szene&ldquo;, BT-Drs. 18\/12644.<\/p>\n<p>Bund der deutschen Landjugend (2017): Rechtsextremismus im l&auml;ndlichen Raum. Berlin.<\/p>\n<p>Claus, Robert (2017): Hooligans. G&ouml;ttingen.<\/p>\n<p>DOSB (2017): Organisation und Mitgliedschaften. In: <a href=\"http:\/\/www.dosb.de\/de\/organisation\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.dosb.de\/de\/organisation\/<\/a> mitgliedsorganisationen (Datum des Zugriffs: 21.08.2017).<\/p>\n<p>Faszination Fankurve (2017): Coloniacs erkl&auml;ren Spruchband gegen die AfD. Abrufbar unter: <a href=\"http:\/\/www.faszination-fankurve.de\/index.php?folder=sites&amp;head=Coloniacs-erklaeren-Spruchband-gegen-die-AfD&amp;news_id=15612&amp;site=news_detail\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.faszination-fankurve.de\/index.php?head=Coloniacs-erklaeren-Spruchband-gegen-die-AfD&amp;folder=sites&amp;site=news_detail&amp;news_id=15612<\/a>, zuletzt eingesehen am 01.05.2018.<\/p>\n<p>K&ouml;rner, Swen; Istas, Leo (2017): Martial Arts and Society. Zur gesellschaftlichen Bedeutung von Kampfkunst, Kampfsport und Selbstverteidigung. Hamburg.<\/p>\n<p>Marquardt, Anja; Kuhn, Peter (2014): Von K&auml;mpfern und K&auml;mpferinnen &ndash; Kampfkunst und Kampfsport aus der Genderperspektive &ndash; Kampfkunst und Kampfsport in Forschung und Lehre. Hamburg.<\/p>\n<p>Parkin, Simon (2018): The rise of Russia`s neo-Nazi football hooligans. The Guardian v. 24.4.2018, abrufbar unter: <a href=\"http:\/\/www.theguardian.com\/news\/2018\/apr\/24\/russia-neo-nazi\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.theguardian.com\/news\/2018\/apr\/24\/russia-neo-nazi<\/a> -football-hooligans-world-cup<\/p>\n<p>Troublemakers (2016): Das gro&szlig;e Interview mit Denis Nikitin. Abrufbar unter: <a href=\"http:\/\/www.troublemakers.com.ua\/2017\/05\/09\/bolshoe-intervyu-s-denisom-nikitinym-white-rex-csk\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.troublemakers.com.ua\/2017\/05\/09\/bolshoe-intervyu-s-denisom-nikitinym-white-rex-csk<\/a><\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"anmerkungen\">Anmerkungen:<\/span><\/h2>\n<ol>\n<li>FC steht jeweils f&uuml;r &bdquo;Fighting Championship&ldquo;.<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[1531],"publikationen":[880],"class_list":["post-8592","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-robert-claus","publikationen-880"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Professionalisierte Gewalt - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/223\/publikation\/professionalisierte-gewalt-1\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Professionalisierte Gewalt - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Rechte Hooligans zwischen Fanszenen und Kampfsport. 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