{"id":8597,"date":"2018-08-01T18:00:00","date_gmt":"2018-08-01T16:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/ein-schonungsloser-rueckblick\/"},"modified":"2018-08-01T12:00:00","modified_gmt":"2018-08-01T10:00:00","slug":"ein-schonungsloser-rueckblick","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/223\/publikation\/ein-schonungsloser-rueckblick\/","title":{"rendered":"Ein schonungsloser R\u00fcckblick"},"content":{"rendered":"<p>in: vorg\u00e4nge Nr. 223 (3\/2018), S. 153\/154<\/p>\n<p><i>Ursula Neumann: Der Kirchenrechtsprofessor nimmt Vernunft an, wird mit mir gl\u00fccklich und stirbt. Norderstedt: Books on Demand 2017. 402 S., 17.80 &#128; (9.99 &#128; als eBook)<\/i><\/p>\n<p>Mittlerweile f\u00fcnf Jahre ist es her, dass Johannes Neumann verstarb.[1] Der gelernte Theologe, der nach der Ausbildung mit &#132;seiner&#147; Kirche brach und sich in der Folge zu einem ihrer st\u00e4rksten Kritiker entwickelte, pr\u00e4gte \u00fcber viele Jahre hinweg die religionspolitische Arbeit der Humanistischen Union (HU). Sein 1991 ver\u00f6ffentlichtes Buch &#132;<i>Zur religi\u00f6sen Legitimation der Staatsgewalt in der Bundesrepublik Deutschland<\/i>&#147; zeichnet die politische Haltung und den problematischen Einfluss der Katholischen Kirche in der jungen Bundesrepublik nach; die Essenz seiner Kritik findet sich in den 10 Thesen zur Trennung von Staat und Kirche, die die HU 1995 ver\u00f6ffentlichte und an denen Neumann ma\u00dfgeblich mitwirkte (HU-Schriften 21). Dass die Neumanns sich oft gemeinsam engagierten, war bekannt &#150; etwa durch ihre gemeinsame Klage gegen das verpflichtende Ersatzfach Ethik in Baden-W\u00fcrttemberg (1998) oder ihr gemeinsames Wirken in der Humanistischen Union. 2000 wurden sie daf\u00fcr mit dem Erwin-Fischer-Preis des IBKA geehrt.<\/p>\n<p>Wie eng dieses gemeinsame Engagement von Johannes und Ursula Neumann war, und wie sehr es ihr Leben bestimmte, dokumentiert das vorliegende Buch. Darin gew\u00e4hrt Ursula Neumann einen intimen Einblick in das Leben der beiden. Anhand von Tagebucheintr\u00e4gen und Briefen werden die verschiedenen Phasen ihres Kennenlernens und Zusammenkommens, das junge Paar, die Trennung von der theologischen Laufbahn, Liebschaften und Familiengr\u00fcndung bis zum Zusammenleben im hohen Alter rekapituliert. Dieses Leben hat es in sich: nicht nur wegen der darin auftauchenden Prominenz (u.a. Ratzinger, K\u00fcng), sondern auch der zentrale Konflikt mit der Katholischen Kirche, von der sich Johannes Neumann St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck entfernte, bis er 1977 seine theologische Lehrbefugnis zur\u00fcckgab. Die dahinterstehenden Zweifel, die dar\u00fcber infrage gestellten Freundschaften mit vermeintlich Gleichgesinnten und Gef\u00e4hrten machen den Band zu einem interessanten zeitgeschichtlichen Dokument. Wer solche Umbr\u00fcche einmal miterlebt hat, wei\u00df, dass die moralische Integrit\u00e4t der Beteiligten keineswegs davon abh\u00e4ngt, welcher Fraktion des ideologisch\/weltanschaulichen Konflikts sie angeh\u00f6ren. So auch hier.<\/p>\n<p>Das Buch ist dabei weniger als klassische Nachlass-Ver\u00f6ffentlichung angelegt, sondern Teil eines autobiografischen Projekts der Herausgeberin, in dem sie ihr (gemeinsames) Leben res\u00fcmiert. So taucht im ersten Kapitel (&#132;Vorspiel&#147;) Johannes Neumann nur am Rande auf, daf\u00fcr erf\u00e4hrt der\/die Leser*in viel \u00fcber das Vor-Leben der sp\u00e4teren Geliebten und Ehefrau. H\u00e4ufiger finden sich auch Wechsel in der Zeitebene der Erz\u00e4hlung, zwischen Texten aus den 1970er Jahren finden sich Einsprengsel aus der Gegenwart, in der die Dokumente gesichtet und verarbeitet wurden (2014-2016).<\/p>\n<p>Diese Zeit- und Perspektivenwechsel sind <i>per se <\/i>nicht verkehrt, gerade weil es sich in weiten Teilen um ein gemeinsames Lebensprojekt von Johannes und Ursula Neumann handelt. Jedoch leidet die Lesbarkeit bzw. Verst\u00e4ndlichkeit des Bandes an manchen Stellen dadurch, dass alle Texte von ihm bzw. Briefe Dritter von der Herausgeberin (psychoanalytisch) erl\u00e4utert und kommentiert werden &#150; hier w\u00e4re weniger Erl\u00e4uterung manchmal mehr gewesen. Die (psycho-) analytischen Zwischenbemerkungen k\u00f6nnen jedoch insofern als integraler Bestandteil dieser Geschichte gelesen werden, als die Psychoanalyse die &#132;Leitwissenschaft&#147; der Achtundsechziger darstellt und die Lebensgeschichte der Neumanns genau in diesem kulturellen Umbruch angesiedelt ist. Allen, die sich f\u00fcr die inneren Umbr\u00fcche jener Zeit interessieren, sei dieses Buch zur Lekt\u00fcre empfohlen.<\/p>\n<p><b>Anmerkung<\/b><\/p>\n<p>1. Zwei Nachrufe finden sich in <b>vor<\/b><i>g\u00e4nge<\/i> Nr. 203 (3\/2013): Udo Kau\u00df, Zur Erinnerung an Johannes Neumann, einen sanften Revolution\u00e4r (S. 149); Johann-Albrecht Haupt, Johannes Neumann &#150; f\u00fcr eine Befreiung des Menschen von obrigkeitlicher Bevormundung (S. 149-151).<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[139],"publikationen":[880],"class_list":["post-8597","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-sven-lueders","publikationen-880"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Ein schonungsloser R\u00fcckblick - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/223\/publikation\/ein-schonungsloser-rueckblick\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Ein schonungsloser R\u00fcckblick - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"in: vorg\u00e4nge Nr. 223 (3\/2018), S. 153\/154 Ursula Neumann: Der Kirchenrechtsprofessor nimmt Vernunft an, wird mit mir gl\u00fccklich und stirbt. 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