{"id":8856,"date":"2015-09-30T13:30:00","date_gmt":"2015-09-30T11:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/religionspolitik-der-hu-ueberlegungen-zur-weiteren-ausrichtung\/"},"modified":"2021-08-30T15:42:06","modified_gmt":"2021-08-30T13:42:06","slug":"religionspolitik-der-hu-ueberlegungen-zur-weiteren-ausrichtung","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/227-mitteilungen\/publikation\/religionspolitik-der-hu-ueberlegungen-zur-weiteren-ausrichtung\/","title":{"rendered":"Religionspolitik der HU: \u00dcberlegungen zur weiteren Ausrichtung"},"content":{"rendered":"<p>in: HU-Mitteilungen Nr. 227 (3\/2015), S. 11-15<\/p>\n<p>In Deutschland haben in j&uuml;ngerer Zeit das Bundesverfassungsgericht (Zeugen Jehovas, kirchliches Arbeitsrecht, Kopftuch einer Lehrerin) und das Bundesarbeitsgericht (kirchliches Arbeitsrecht, Kopftuch einer Krankenschwester) mehrfach zu religi&ouml;sen Sachverhalten entschieden. Die Humanistische Union (HU) hat darauf vereinzelt mit Pressemitteilungen reagiert. W&auml;hrend die Position der HU zu Sonderrechten der Religionsgemeinschaften wie dem kirchlichen Arbeitsrecht verbandsintern weitgehend ist, ist die Position der HU zum staatlichen Umgang mit individuellen religi&ouml;sen Handlungen wie dem Tragen des Kopftuches im &ouml;ffentlichen Dienst strittig.<\/p>\n<p>Hinsichtlich der Privilegien der Religionsgemeinschaften (sofern sie K&ouml;rperschaften des &ouml;ffentlichen Rechts sind) rege ich an, dass die HU wie bislang deren Abschaffung fordert und ggf. ein Religionsgemeinschaften-Gesetz entwirft.<\/p>\n<p>Hinsichtlich des Tragens des Kopftuches im &ouml;ffentlichen Dienst und vergleichbarer Handlungen rege ich an, dass hier&uuml;ber auf der Delegiertenkonferenz erneut diskutiert wird.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"1-diskussionsstand-zum-kopftuch\">1&nbsp; Diskus&shy;si&shy;ons&shy;s&shy;tand zum Kopftuch<\/span><\/h2>\n<p>Die HU begr&uuml;&szlig;te am 16. M&auml;rz 2015 in einer Pressemitteilung den j&uuml;ngsten Kopftuch-Beschluss des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG). Dieses hatte am 27. Januar 2015 entschieden, dass Lehrerinnen das Tragen von Kopft&uuml;chern im &ouml;ffentlichen Schuldienst nicht mehr grunds&auml;tzlich verboten werden d&uuml;rfe. Die HU begr&uuml;&szlig;te in einer Pressemitteilung vom 16.3.2015 diesen Beschluss als St&auml;rkung der Religionsfreiheit, mahnte aber zugleich die Trennung von Staat und Religion in der Schule an. Anl&auml;sslich dieser Pressemitteilung gab es Kritik einzelner HU-Mitglieder sowie zwei kritische Nachfragen.<\/p>\n<p>Eine andere Pressemitteilung der HU mit Kopftuchbezug vom September 2014 &ndash; die HU kritisierte darin eine Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts, dass die K&uuml;ndigung einer Krankenschwester mit Kopftuch durch den Tr&auml;ger eines evangelischen Krankenhauses best&auml;tigte &ndash; gab es vereinzelte kritische Mails und zwei Austritte aus der HU.<\/p>\n<p>Die letzte gro&szlig;e Kopftuch-Diskussion innerhalb der HU wurde auf dem Verbandstag 2004 in L&uuml;beck gef&uuml;hrt. Dem voraus ging eine Stellungnahme der HU zum ersten Verfahren vor dem BVerfG zur Zul&auml;ssigkeit des Kopftuchtragens im &ouml;ffentlichen Schuldienst, in der sich die HU daf&uuml;r ausgesprochen hatte. Ich rege an, auf der Delegiertenkonferenz die Position der HU zum Tragen des Kopftuches und anderer religi&ouml;ser und weltanschaulicher Symbole und Kleidungsst&uuml;cke im &Ouml;ffentlichen Dienst erneut zu diskutieren.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"2-stellung-der-hu-zur-religions-und-weltanschauungsfreiheit-und-zum-verhaeltnis-von-staat-und-religions-und-weltanschauungsgemeinschaften\">2&nbsp; Stellung der HU zur Religions- und Weltan&shy;schau&shy;ungs&shy;frei&shy;heit und zum Verh&auml;ltnis von Staat und Religions- und Weltan&shy;schau&shy;ungs&shy;ge&shy;mein&shy;schaften<\/span><\/h2>\n<p>Nach &sect; 2 der Satzung der HU gilt:<\/p>\n<p>&bdquo;<i>Es ist der Zweck und die Aufgabe des Vereins, alle Bestrebungen zu f&ouml;rdern, welche <\/i><\/p>\n<p><i>1. die ungehinderte Entfaltung aller weltanschaulichen, religi&ouml;sen, philosophischen, wissenschaftlichen und k&uuml;nstlerischen Auffassungen in gegenseitiger Achtung gew&auml;hrleisten, <\/i><\/p>\n<p><i>2. es jeder B&uuml;rgerin und jedem B&uuml;rger gestatten, von den im Grundgesetz garantierten Rechten der individuellen Lebensgestaltung, der Glaubens-, Gewissens- und Bekenntnis-, der Meinungs-, Informations- und Koalitionsfreiheit ohne Furcht vor Nachteilen Gebrauch zu machen, <\/i><\/p>\n<p><i>3. die Unabh&auml;ngigkeit des Staates und seiner Einrichtungen sowie aller Bereiche, in denen gesamtgesellschaftliche und sachliche Aufgaben zu l&ouml;sen sind, gegen&uuml;ber Machtanspr&uuml;chen konfessioneller und weltanschaulicher Gruppen zu wahren suchen, [&hellip;]<\/i>&ldquo;<\/p>\n<p>Die HU verpflichtet sich demnach sowohl auf den Schutz der individuellen Religions- und Weltanschauungsfreiheit wie auch darauf, den Einfluss konfessioneller und weltanschaulicher Gruppen auf den Staat zu minimieren; mit anderen Worten: die Trennung von Staat und Religionsgemeinschaften, insbesondere den christlichen Kirchen, durchzusetzen.<\/p>\n<p>Die Gr&uuml;ndung der HU 1961 war insbesondere davon bestimmt, der Verstrickung von Staat und christlichen Kirchen entgegenzuwirken. So schreibt Gerhard Szczesny in seinem Gr&uuml;ndungsaufruf 1961:<\/p>\n<p>&bdquo;<i>Es ist hier nicht die Rede vom Recht des gl&auml;ubigen Christen, sich um die Verbreitung seines Glaubens zu bem&uuml;hen. Es ist die Rede von dem immer unverh&uuml;llter und anma&szlig;ender zu Tage tretenden Versuch, eine Gesellschaft, die nur zu einem Teil aus gl&auml;ubigen Christen besteht, dem totalen Machtanspruch einer christlichen Sprach-, Denk- und Verhaltensregelung zu unterwerfen. Die im Grundgesetz der deutschen Bundesrepublik verankerten Rechte der freien Pers&ouml;nlichkeitsentfaltung, der Glaubens-, Gewissens- und Bekenntnisfreiheit, der freien Meinungs&auml;u&szlig;erung, Information und Forschung sind l&auml;ngst durch eine christlich-konfessionalistische Regierungspraxis ausgeh&ouml;hlt, wenn nicht au&szlig;er Kraft gesetzt. Wo es nicht gelingt, die Aufsicht der Kirchen durch die Konfessionalisierung staatlicher und kommunaler Einrichtungen sicherzustellen, spielt man konfessionellen Verb&auml;nden oder konfessionell gebundenen Pers&ouml;nlichkeiten die Macht zu.<\/i>&ldquo;<\/p>\n<p>Auch das weitere Wirken der HU richtet sich insbesondere auf die Entflechtung von Staat und Kirchen, so zum Beispiel die Forderungen nach der Abl&ouml;sung der Staatsleistungen, der Aufgabe der Konkordatslehrst&uuml;hle und nach Abschaffung des kirchlichen Sonderarbeitsrechts. Diese Forderungen sind meiner Kenntnis nach in der HU weitgehend unumstritten.<\/p>\n<p>Muslimische Frauen, die mit Kopftuch an &ouml;ffentlichen Schulen unterrichten wollen, fordern die HU aber ebenso heraus wie die Beschneidung von Jungen durch einige Muslime und Juden. In beiden F&auml;llen geht es vor allem um die Aus&uuml;bung individueller Religionsfreiheit, die jedoch mit anderen verfassungsrechtlichen Vorgaben kollidiert &ndash; staatliche &bdquo;Neutralit&auml;t&ldquo; in religi&ouml;s-weltanschaulichen Belangen im Fall des Kopftuches und Schutz der k&ouml;rperlichen Unversehrtheit im Fall der Beschneidung. Hinsichtlich der Beschneidung hat die HU sich 2012 nach m&uuml;hsamen Diskussionen und einigen Vereinsaustritten dazu durchgerungen, f&uuml;r das Recht auf Beschneidung einzutreten, wenngleich gesetzliche Vorgaben f&uuml;r die Durchf&uuml;hrung der Beschneidung gefordert wurden.<\/p>\n<p>Das Kopftuchtragen fordert die HU insofern ganz besonders heraus, als hier zwei Werte im Widerspruch stehen, auf deren Schutz sich die HU verpflichtet hat: Einerseits die individuelle Religionsfreiheit der muslimischen Frau, die das Kopftuch tragen m&ouml;chte und andererseits, da die Frau das Kopftuch ja in einer staatlichen Schule tragen will, der Schutz staatlichen Einrichtungen vor dem &bdquo;Machtanspr&uuml;chen konfessioneller Gruppen&ldquo;.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"3-verfassungsrechtliche-vorgaben\">3&nbsp; Verfas&shy;sungs&shy;recht&shy;liche Vorgaben<\/span><\/h2>\n<p>Das Grundgesetz (GG) gibt f&uuml;r diesen Konflikt keine eindeutige L&ouml;sung vor. Durch Artikel 4 Absatz 1 und 2 GG wird die Religions- und Weltanschauungsfreiheit gesch&uuml;tzt. Zudem werden durch die &uuml;ber Artikel 140 GG inkorporierten Artikel&nbsp; 136 &ndash; 141 der Weimarer Reichsverfassung Vorgaben f&uuml;r das Verh&auml;ltnis von Staat und B&uuml;rger*innen, sowie Staat und Religionsgesellschaften gemacht. Dort hei&szlig;t es insbesondere in Artikel 137 Absatz 1 WRV: &bdquo;<i>Es besteht keine Staatskirche.<\/i>&ldquo; Art. 4 Absatz 1 und 2, Artikel 140 GG, sowie Artikel 7 GG, in dem Religionsunterricht an &ouml;ffentlichen Schulen als ordentliches Lehrfach bestimmt wird, wurden zuvor zusammenfassend als Staatskirchenrecht bezeichnet, w&auml;hrend seit einigen Jahren eher von Religionsverfassungsrecht gesprochen wird.<\/p>\n<p>Das BVerfG liest aus den Artikeln 3 Abs. 3, 4, 33 Abs. 3 und 140 GG in Verbindung mit&nbsp; Artikel 137 Abs. 1 WRV eine Pflicht des Staates zu Neutralit&auml;t in religi&ouml;s-weltanschaulichen Dingen, und begr&uuml;ndet diese rechtspolitisch. &bdquo;Der Staat, in dem Anh&auml;nger unterschiedlicher oder gar gegens&auml;tzlicher religi&ouml;ser und weltanschaulicher &Uuml;berzeugungen zusammenleben, kann die friedliche Koexistenz nur gew&auml;hrleisten, wenn er selber in Glaubensfragen Neutralit&auml;t bewahrt.&#8220; (BVerfGE 93, 1 (16) &#8211; Kruzifix).<\/p>\n<p>Im Grundgesetz sind allerdings hinsichtlich des Verh&auml;ltnisses von Staat-Religion keine Prinzipien explizit festgeschrieben, weder ist von Neutralit&auml;t, S&auml;kularit&auml;t oder Laizismus die Rede. Jegliche L&ouml;sungen f&uuml;r den Umgang mit religi&ouml;s-weltanschaulichen Handlungen im Privaten, im &ouml;ffentlichen Raum und in staatlichen Einrichtungen m&uuml;ssen deshalb aus den religionsverfassungsrechtlichen Vorschriften und den im Einzelfall entgegenstehenden Verfassungsrechten herausgelesen werden.<\/p>\n<p>Diese religionsverfassungsrechtlichen Artikel stehen der Interpretation offen. In der rechtswissenschaftlichen Literatur wird dar&uuml;ber gestritten, was die richtige Auslegung der religionsverfassungsrechtlichen Normen des Grundgesetzes ist. Die Auslegungsvorschl&auml;ge reichen von strikter\/ausgrenzender\/distanzierender\/negativer (staatlicher) Neutralit&auml;t gegen&uuml;ber Religion und Weltanschauung &uuml;ber religionsfreundliche Trennung von Staat und Religion im Sinn von deren grunds&auml;tzlich organisatorischer Trennung hin zu einem Verh&auml;ltnis von Staat und Kirche als solches der unvollst&auml;ndigen oder hinkenden Trennung oder freundlichen Kooperation. Die jeweilige Auslegung wird in der Regel mit bestimmten gesellschaftspolitischen oder verfassungshistorischen Annahmen begr&uuml;ndet.<\/p>\n<p>Die HU hat bislang die religionsverfassungsrechtlichen Vorgaben immer eher im Sinne einer strikten staatlichen Neutralit&auml;t gegen&uuml;ber Religionen (bzw. Religionsgemeinschaften) interpretiert.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"4-notwendigkeit-eines-ueberdenkens-der-bisherigen-hu-position-zum-tragen-des-kopftuches\">4&nbsp; Notwen&shy;dig&shy;keit eines &Uuml;berdenkens der bisherigen HU-Position zum Tragen des Kopftuches<\/span><\/h2>\n<p>Roland Otte schrieb in den Mitteilungen 2004 &uuml;ber die Diskussion zum Kopftuch auf dem Verbandstag in L&uuml;beck 2004:<\/p>\n<p>&bdquo;<i>Die Diskussion wird weitergehen &ndash; nicht nur, weil die Landesgesetze absehbar wieder in Karlsruhe vorliegen werden, sondern auch, weil das weiterreichende Thema, die Integration von Muslimen in einem (unvollst&auml;ndig) s&auml;kularisierten Rechtsstaat, auch in Zukunft grundrechtliche Fragen aufwerfen wird. Um Antworten darauf zu entwickeln, werden wir pr&uuml;fen m&uuml;ssen, inwiefern die Positionen, die wir in Auseinandersetzung mit einem hegemonialen Staatskirchentum entwickelt haben, anwendbar sind auf die minorit&auml;ren und ganz anders als die Kirchen organisierten (und damit weitgehend von Privilegien ausgeschlossenen) islamischen Gemeinschaften. Als zugleich freiheitlich-rechtsstaatliche und gesellschaftlich-emanzipatorische Kraft kann die HU dazu wichtige Diskussionsstr&auml;nge b&uuml;ndeln und Impulse geben.<\/i>&ldquo;<\/p>\n<p>Diese Aussage gilt immer noch. 11 Jahre sp&auml;ter ist einerseits die Integration von Muslim*innen in Deutschland noch keinesfalls abgeschlossen und hat sich andererseits im Verh&auml;ltnis von Staat und christlichen Kirchen wenig ge&auml;ndert. Hier m&uuml;ssen weiterhin die alten HU-Forderungen nach Abl&ouml;sung der Staatsleistungen etc. erhoben werden. Die HU sollte versuchen auf die unterschiedlichen Fragen, die sich durch religi&ouml;s motiviertes Verhalten im Staat stellen, Antworten zu finden. Dabei ist sie weder durch das Grundgesetz, dem sie sich verpflichtet f&uuml;hlt, noch durch ihre eigene Satzung in den Antworten festgelegt. Vielmehr gilt f&uuml;r die HU wie f&uuml;r alle gesellschaftspolitischen Einrichtungen in einer demokratischen Gesellschaften, dass Antworten immer wieder neu ausgehandelt werden m&uuml;ssen.<\/p>\n<p>F&uuml;r das Kopftuchtragen im &ouml;ffentlichen Schuldienst lassen sich nach dem Grundgesetz und der Satzung der HU gegens&auml;tzliche L&ouml;sungen vertreten: Sowohl die L&ouml;sung, dass Lehrerinnen mit Hinweis auf eine staatliche Neutralit&auml;t in Glaubensdingen die Einschr&auml;nkung ihrer Religionsfreiheit hinnehmen m&uuml;ssen, als auch dass die Religionsfreiheit &uuml;berwiegt, weil die Gef&auml;hrdung der staatlichen Neutralit&auml;t in Glaubensdingen durch das Kopftuchtragen nicht hinreichend nachgewiesen werden kann.<\/p>\n<p>Ich finde die L&ouml;sung, nach der Kopftuchtragen mit Blick auf die individuelle Religionsfreiheit im Schuldienst grunds&auml;tzlich erlaubt wird, &uuml;berzeugender. Sie entspricht dem freiheitswahrenden Charakter des Grundgesetzes und zugleich der integrationspolitischen Notwendigkeit, auch den Musliminnen, die sich st&auml;rker an ihrem Glauben orientieren wollen, den Zugang zum Aufstiegsberuf Lehramt zu erm&ouml;glichen. Die von einer kopftuchtragenden Lehrerin ausgehenden Gefahren &ndash; m&ouml;gliche religi&ouml;se Beeinflussung von Sch&uuml;ler*innen; Zurschaustellung einer Frauen unterdr&uuml;ckenden Geschlechterordnung; Best&auml;rken von Eltern, die ihre T&ouml;chter unters Kopftuch zwingen wollen; Gef&auml;hrdung der schulischen Neutralit&auml;t in Glaubensfragen &#8211; sind in meinen Augen nicht hinreichend genug, um das Kopftuchtragen grunds&auml;tzlich zu untersagen.<\/p>\n<p>Der HU kann in diesem Konflikt die Rolle zukommen, einerseits auf die Wahrung der Religionsfreiheit hinzuweisen und andererseits darauf zu pochen, dass die Schule als Institution weiterhin neutral sein muss, mit der Folge, dass der Staat selbst nicht religi&ouml;s handeln darf, also keine Kruzifixe aufh&auml;ngen, keine Schulgebete sprechen etc.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"5-religionsgemeinschaften-gesetz-erste-gedanken\">5&nbsp; Religi&shy;ons&shy;ge&shy;mein&shy;schaf&shy;ten-&shy;Ge&shy;setz &ndash; Erste Gedanken<\/span><\/h2>\n<p>Die Religionsgemeinschaften haben nach Art. 140 GG in Verbindung mit Art. 137 Abs. 5 WRV die M&ouml;glichkeit, K&ouml;rperschaften des &ouml;ffentlichen Rechts zu bleiben (katholische und evangelische Kirche) oder zu werden (z.B. Zeugen Jehovas). Nach Art. 137 Abs. 6 WRV haben die Religionsgemeinschaften, die K&ouml;rperschaften des &ouml;ffentlichen Rechts sind, das Recht, Steuern zu erheben. Weitere Privilegien werden den Religionsgemeinschaften &ndash; jenseits des Rechts zur Mitbestimmung der Inhalte des Religionsunterrichts (nach Art. 7 Abs. 3 GG) &ndash; durch das Grundgesetz nicht einger&auml;umt. Allerdings sind ihnen in allerlei Gebieten &ndash; Datenschutz, Steuerrecht, Medienrecht etc. &ndash; Sonderrechte einger&auml;umt. Zum Teil sind Privilegien auch durch Staatsvertr&auml;ge mit den einzelnen Kirchen festgelegt. Die HU k&ouml;nnte ihre Position nach Abschaffung dieser Privilegien mit einem Gesetzesvorschlag untermauern. Dies k&ouml;nnte entweder ein Vorschlag f&uuml;r ein eigenes Religionsgemeinschaften-Gesetz sein, in dem ggf. auch die Voraussetzungen f&uuml;r die Verleihung des Status einer K&ouml;rperschaft des &ouml;ffentlichen Rechts gekl&auml;rt werden, als auch ein Vorschlag f&uuml;r ein Artikel-Gesetz, in dem f&uuml;r jedes Gesetz, in dem den Kirchen Privilegien einger&auml;umt sind, die Streichung der entsprechenden Vorschrift festgelegt wird.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"zum-thema\">Zum Thema:<\/span><\/h2>\n<p>Johann-Albrecht Haupt: Diskussion um Kopftuch, in: HU-Mitteilungen Nr. 226, S. 5<\/p>\n<p>Roland Otte: Lebhafte Diskussionen zum Kopftuch auf dem Verbandstag der HU, in: HU-Mitteilungen Nr. 187, S. 14\/15<\/p>\n<p>Till M&uuml;ller-Heidelberg \/ Humanistische Union: Stellungnahme zur Verfassungsbeschwerde der Frau Fereshta Ludin &ndash; BvR 1436\/02, abrufbar unter <a href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/themen\/srw\/\">https:\/\/www.humanistische-union.de\/themen\/srw\/<\/a> symbole\/browse\/1\/.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[656],"autoren":[168],"publikationen":[910],"class_list":["post-8856","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-religion","autoren-kirsten-wiese","publikationen-227-mitteilungen"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Religionspolitik der HU: \u00dcberlegungen zur weiteren Ausrichtung - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/227-mitteilungen\/publikation\/religionspolitik-der-hu-ueberlegungen-zur-weiteren-ausrichtung\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Religionspolitik der HU: \u00dcberlegungen zur weiteren Ausrichtung - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"in: HU-Mitteilungen Nr. 227 (3\/2015), S. 11-15 In Deutschland haben in j&uuml;ngerer Zeit das Bundesverfassungsgericht (Zeugen Jehovas, kirchliches Arbeitsrecht, Kopftuch einer Lehrerin) und das Bundesarbeitsgericht (kirchliches Arbeitsrecht, Kopftuch einer Krankenschwester) mehrfach zu religi&ouml;sen Sachverhalten entschieden. 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