{"id":9001,"date":"2012-07-11T14:30:00","date_gmt":"2012-07-11T12:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/humanistische-union-ein-markenzeichen-fuer-buergerrechtsarbeit\/"},"modified":"2012-07-11T12:00:00","modified_gmt":"2012-07-11T10:00:00","slug":"humanistische-union-ein-markenzeichen-fuer-buergerrechtsarbeit","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/217\/publikation\/humanistische-union-ein-markenzeichen-fuer-buergerrechtsarbeit\/","title":{"rendered":"&#8222;Humanistische Union&#8220; \u0096 ein Markenzeichen f\u00fcr B\u00fcrgerrechtsarbeit?"},"content":{"rendered":"<p>Mitteilungen Nr. 217 (Heft 2\/2012), S. 26<\/p>\n<p>Das von der Delegiertenkonferenz 2011 bestimmte Gremium favorisiert als neuen Vereinsnamen &#132;Humanistische Union f\u00fcr B\u00fcrgerrechte&#8220; (HU-Mitteilungen Nr. 215\/216, S. 34). In der Begr\u00fcndung wird ausgef\u00fchrt, die Humanistische Union sei ein<i> &#132;als Marke erkennbarer Begriff&#8220;. <\/i>An anderer Stelle hei\u00dft es: <i>&#132;Von Belang ist auch die Au\u00dfenwahrnehmung unseres eingef\u00fchrten Namens. Der Begriff &#130;Humanistische Union&#8216; ist schlie\u00dflich nicht nur in der B\u00fcrgerrechtsszene bekannt, sondern weit dar\u00fcber hinaus, gerade auch in den Medien &#8230;&#8220;. <\/i><\/p>\n<p>Nach jahrzehntelanger Mitarbeit in der HU scheint mir diese Einsch\u00e4tzung mehr Wunschdenken zu sein, als der Wirklichkeit zu entsprechen.<\/p>\n<p>Wenn es noch eines Beweises f\u00fcr den Bekanntheits- bzw. Unbekanntheitsgrad der HU bed\u00fcrfte, dann war es das 50-j\u00e4hrige Jubil\u00e4um der HU. Von den \u00fcberregionalen Tages- und Wochenzeitungen berichtete lediglich das Neue Deutschland vom 26.9.2011 \u00fcber den Festakt in der Akademie der K\u00fcnste in Berlin. Ferner erschien in der Zweiwochenschrift Ossietzky in den &#132;Antworten&#8220; eine kurze W\u00fcrdigung unserer 50-j\u00e4hrigen B\u00fcrgerrechtsarbeit (Nr. 18\/2011, S. 697f.). Auch Internet-Recherchen der Bundesgesch\u00e4ftsstelle der HU haben keine weitere Medienresonanz ergeben.<\/p>\n<p>In Meldungen der Nachrichtenagenturen kommt die HU so gut wie nicht vor. Auch die \u00fcberregionalen Tages- und Wochenzeitungen ber\u00fccksichtigen bei ihrer Berichterstattung nur selten die Pressemitteilungen, die ihnen von der Bundesgesch\u00e4ftsstelle unmittelbar zugehen. Als Beispiel sei die von zwei Tagungen begleitete Initiative der HU zur Legalisierung der aktiven Sterbehilfe erw\u00e4hnt, die &#8211; soweit mir bekannt &#150; nirgendwo erw\u00e4hnt wurde. Auch die Berliner Gespr\u00e4che \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von Staat, Religion und Weltanschauung fanden nur sp\u00e4rliche Medienresonanz.<\/p>\n<p>Seit Jahren versuche ich, in Teilbereichen die \u00d6ffentlichkeitsarbeit der Bundesgesch\u00e4ftsstelle zu unterst\u00fctzen. Durch Telefongespr\u00e4che mit Journalistinnen und Journalisten, durch Gespr\u00e4chsangebote mit Bundesvorstandsmitgliedern oder der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung, durch Hinweise auf Tagungen und vorhandene HU-Materialien, durch Aktualisierung des Presseverteilers der HU. Von wenigen Journalistinnen und Journalisten abgesehen, zu denen schon lange ein Kontakt besteht oder aufgebaut wurde, muss ich dabei erst einmal erl\u00e4utern, was die Organisation mit dem Namen Humanistische Union \u00fcberhaupt ist &#150; oder manchmal auch, was sie nicht ist, also keine Weltanschauungsgemeinschaft.<\/p>\n<p>Bei meinen Bem\u00fchungen, das Verfassungsgebot zur Abl\u00f6sung der Staatsleistungen an die Kirchen in den Medien zu thematisieren, sagte mir der Leiter der Berliner Redaktion einer gro\u00dfen Regionalzeitung, die HU sei nicht so bedeutend, als das man dar\u00fcber unbedingt berichten m\u00fcsste.<\/p>\n<p>Beim Thema Staat\/Kirche kann man auch sonst Bemerkenswertes feststellen. So schrieb der Rheinische Merkur einmal, die HU w\u00fcrde Jugendweihen veranstalten. In einem Bericht \u00fcber den Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden sprach die Frankfurter Rundschau vom\u00a0 4.6.2011 von einem &#132;Vertreter der HU&#8220;, der &#132;bekennender Atheist&#8220; sei. Tats\u00e4chlich handelte es sich um einen Vertreter des Humanistischen Verbands Deutschland. Die Monatszeitschrift Herder Korrespondenz brachte einen l\u00e4ngeren Beitrag <i>&#132;Klein &#150; aber einflussreich. Anspruch und Wirklichkeit kirchenkritischer Organisationen&#148;<\/i> (Nr. 2\/2011, S. 77ff.). Die HU kam darin nicht vor.<\/p>\n<p>Wenn die HU die strikte Trennung von Staat und Kirche einfordert, wird sie in den Medien vielfach als &#132;atheistische&#8220; Vereinigung bezeichnet, In dem Artikel &#132;Wer hat, dem wird gegeben&#8220; in der Welt am Sonntag vom 4.9.2011 hei\u00dft es: <i>&#132;Waren jene Millionen (gemeint sind die Staatsleistungen an die Kirchen) fr\u00fcher ein Steckenpferd atheistischer Gruppen, wie der Humanistischen Union, so wird das Geld nun auch in den Kirchen als Problem erkannt.&#8220; <\/i>K\u00f6nnte eine solche Charakterisierung der HU bei Leserinnen und Lesern auch dann unreflektiert durchgehen, wenn die HU statt eines &#132;weltanschauungsnahen&#8220; Namens einen &#132;b\u00fcrgerrechtlichen&#8220; Vereinsnamen h\u00e4tte, also zum Beispiel B\u00fcrgerrechtsunion statt Humanistische Union?<\/p>\n<p>Die Wahrnehmung der aktiven Mitglieder in den Regionalgliederungen der HU \u00fcber den Bekanntheitsgrad der HU unterscheidet sich wesentlich von der Wahrnehmung durch die Medien und die breite \u00d6ffentlichkeit. Ich habe von 1971 bis 1980 im Ortsverband Hannover und im Landesverband Niedersachsen der HU mitgearbeitet. Nat\u00fcrlich freuten wir uns, wenn unsere monatlichen Gespr\u00e4chskreise auch von Nichtmitgliedern besucht wurden, wenn \u00f6ffentliche Veranstaltungen im Lokalteil der Tageszeitungen angek\u00fcndigt wurden. Unsere damaligen Aktionen gegen den Abtreibungsparagrafen 218 Strafgesetzbuch fanden Resonanz in den beiden hannoverschen Tageszeitungen.<\/p>\n<p>Diese auch heute erfolgreiche und wertvolle Arbeit in den Regionalgliederungen sollte jedoch nicht den Blick daf\u00fcr verstellen, dass die HU \u00fcberregional als B\u00fcrgerrechtsorganisation weitgehend unbekannt ist.<\/p>\n<p>Bei Bahnfahrten, im Urlaub, bei Veranstaltungen anderer Organisationen treffe ich verschiedentlich auf Menschen, die f\u00fcr Themen wie Telekommunikations\u00fcberwachung, Datenschutz, Staat\/Kirche-Verh\u00e4ltnis usw. durchaus ansprechbar sind. Wenn ich dann frage, ob sie schon einmal etwas von der Humanistischen Union geh\u00f6rt haben, dann ist die Antwort meistens negativ. Nun ist meine private &#8222;Befragung&#8220; sicher nicht repr\u00e4sentativ. Vor der ersten Urabstimmung \u00fcber einen neuen Vereinsnamen hatte der Bundesvorstand der HU aber auf eine von Amnesty International 2008 in Auftrag gegebene repr\u00e4sentative Untersuchung hingewiesen (HU-Mitteilungen Nr. 209, S. 23). Auf die Frage <i>&#132;K\u00f6nnen Sie mir Organisationen nennen, die sich f\u00fcr die Menschenrechte einsetzen?&#8220;, <\/i>wurde die HU innerhalb des Bekanntheitsspektrums von 30% (Amnesty International) bis 2% (Kinderhilfsorganisationen) gar nicht genannt. Ob und mit welchem Prozent- oder Promillesatz die HU unter &#132;Sonstige&#8220; genannt wurde, geht aus der Untersuchung von Infratest dimap nicht hervor.<\/p>\n<p>Seit Jahrzehnten versucht die HU vergeblich, in Pressemitteilungen usw. durch Voranstellen des Wortes &#132;B\u00fcrgerrechtsorganisation&#8220; (&#132;Die B\u00fcrgerrechtsorganisation Humanistische Union fordert &#8230; begr\u00fc\u00dft &#8230; protestiert &#8230;&#147;) den Arbeitsbereich der HU zu umschreiben und damit den Bekanntheitsgrad zu erh\u00f6hen. Die Medien sprachen &#150; wenn sie die HU \u00fcberhaupt erw\u00e4hnten &#150; in der Regel nur von der Humanistischen Union und nicht von der B\u00fcrgerrechtsorganisation Humanistische Union. Bei Leserinnen und Lesern konnte daher eine gedankliche Verbindung &#8218;Humanistische Union = B\u00fcrgerrechte&#8216; nicht entstehen.<\/p>\n<p>Nachdem das Wort &#132;B\u00fcrgerrechtsorganisation&#147; vor dem Vereinsnamen Humanistische Union nicht den gew\u00fcnschten Erfolg brachte, ist f\u00fcr mich nicht ersichtlich, warum die Worte &#132;f\u00fcr B\u00fcrgerrechte&#8220; <i>hinter<\/i> Humanistische Union erfolgreicher sein sollten. Die Medien w\u00fcrden weiterhin nur von der Humanistischen Union sprechen und es nicht als ihre Aufgabe ansehen, den erl\u00e4uternden Zusatz &#132;f\u00fcr B\u00fcrgerrechte&#8220; zu erw\u00e4hnen. F\u00fcr einen aussagekr\u00e4ftigen Vereinsnamen, der bei Leserinnen und Lesern ankommen soll, m\u00fcssen wir schon selbst sorgen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich wei\u00df ich, dass es auch au\u00dferhalb des Beirats der HU Wissenschaftler, Datenschutzbeauftragte, Juristen, Politiker, sogar Verfassungsrichter gibt, die die HU kennen und ihre Arbeit sch\u00e4tzen. Auch langj\u00e4hrigen Mitgliedern der Justizpressekonferenz ist die HU durch die Pr\u00e4sentation des Grundrechte-Reports bekannt. Ein neuer Vereinsname k\u00f6nnte diesem Personenkreis leicht vermittelt werden.<\/p>\n<p>Von einem neuen Vereinsnamen sind keine Wunder zu erwarten. Wenn dadurch aber die Fehldeutungen unserer Arbeit etwas verringert und die B\u00fcrgerrechtsarbeit in der \u00d6ffentlichkeit etwas sichtbarer w\u00fcrden, w\u00e4re schon viel gewonnen. Es l\u00e4ge an uns, einen neuen Vereinsnamen medienwirksam zu pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend m\u00f6chte ich zu dem Namensvorschlag des Gremiums <i>(&#132;Humanistische Union f\u00fcr B\u00fcrgerrechte&#8220;) <\/i>noch folgendes bemerken: In der Pr\u00e4ambel und im \u00a7 5 des Verschmelzungsvertrags zwischen der Humanistischen Union und der Gustav Heinemann-Initiative (HU-Mitteilungen Nr. 205\/206, S. 26) ist <i>nicht<\/i> davon die Rede, dass der bisherige Vereinsname Humanistische Union um einen Zusatz erg\u00e4nzt werden sollte. Vielmehr sollten sich die Mitglieder von HU und GHI nach dem Zusammenschluss in einer Urabstimmung auf einen neuen Namen verst\u00e4ndigen. Da wir uns als B\u00fcrgerrechtsorganisation stets f\u00fcr die Einhaltung rechtsstaatlicher Prinzipien im staatlichen Bereich einsetzen, sollten wir auch verbandsintern den Rechtsgrundsatz <i>&#132;pacta sunt versanda&#8220; <\/i>beachten &#150; Vertr\u00e4ge sind einzuhalten.<br \/><i>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Gerhard Saborowski, Hannover<\/i><\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[770],"autoren":[498],"publikationen":[919],"class_list":["post-9001","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-verbandsnachrichten","autoren-gerhard-saborowski","publikationen-919"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>&quot;Humanistische Union&quot; \u0096 ein Markenzeichen f\u00fcr B\u00fcrgerrechtsarbeit? - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/217\/publikation\/humanistische-union-ein-markenzeichen-fuer-buergerrechtsarbeit\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"&quot;Humanistische Union&quot; \u0096 ein Markenzeichen f\u00fcr B\u00fcrgerrechtsarbeit? - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Mitteilungen Nr. 217 (Heft 2\/2012), S. 26 Das von der Delegiertenkonferenz 2011 bestimmte Gremium favorisiert als neuen Vereinsnamen &#132;Humanistische Union f\u00fcr B\u00fcrgerrechte&#8220; (HU-Mitteilungen Nr. 215\/216, S. 34). 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