{"id":9070,"date":"2011-10-11T12:01:00","date_gmt":"2011-10-11T10:01:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/in-oder-out-die-facebook-frage\/"},"modified":"2021-08-30T15:41:12","modified_gmt":"2021-08-30T13:41:12","slug":"in-oder-out-die-facebook-frage","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/214\/publikation\/in-oder-out-die-facebook-frage\/","title":{"rendered":"In oder Out \u0096 die Facebook-Frage"},"content":{"rendered":"<p>Aus: Mitteilungen Nr. 214 (3\/2011), S. 15<\/p>\n<p>In der letzten Ausgabe der Mitteilungen (Nr. 213, S. 18\/19) hatte ich eine Diskussion um die Erneuerung des HU-Internetauftritts und die Nutzung von Web 2.0-Diensten wie Facebook oder Twitter angeregt. Angesichts der Verschiebung der Kommunikationsgewohnheiten &#8211; inzwischen verbringen die meisten OnlinerInnen mehr Zeit in solchen Netzwerken, als auf &#8222;normalen&#8220; Webseiten &#8211; sollte sich die HU &uuml;berlegen, ob und wie sie diese Dienste nutzen k&ouml;nne.<\/p>\n<p>Die Initiative rief &#8211; erwartungsgem&auml;&szlig; &#8211; die KritikerInnen auf den Plan. Alle kommerziell betriebenen, und damit reichweitenstarken Netzwerkdienste basieren auf der Auswertung und Vermarktung privater NutzerInnendaten. Aber: Soll die Humanistische Union deshalb abstinent bleiben, oder w&auml;re in diesen Netzwerken nicht gerade der passende Ort, um auf derlei Probleme aufmerksam zu machen?<\/p>\n<p>Die Diskussion setzen wir in dieser Ausgabe fort. Martin Rost vom Unabh&auml;ngigen Landeszentrum f&uuml;r Datenschutz in Kiel (ULD) vertritt die Position, dass der Umgang mit Facebook und Co. sich an den gesellschaftlichen, strukturellen Aufgaben des Datenschutzes orientieren m&uuml;sse. Dagegen stellt Julia Schramm, Netzaktivistin und Wortf&uuml;hrerin der datenschutzkritischen Spackeria, den Willen der mittlerweile &uuml;ber 700 Millionen NutzerInnen in den Vordergrund. Das Thema besch&auml;ftigte uns auch auf der diesj&auml;hrigen Delegiertenkonferenz. Hierbei &uuml;berwogen die kritischen Stimmen, die sich gegen eine HU-Fanpage bei Facebook aussprachen. Wir vereinbarten ein Moratorium und weitere Diskussionen um die Kommunikationsstrategie der HU im Netz.<br \/>Die Debatte um Facebook wurde mittlerweile durch einen Vorsto&szlig; des schleswig-holsteinischen Datenschutzbeauftragten beschleunigt. Am 19. August legte das ULD eine Analyse der Informationsverarbeitung des Netzwerkdienstes vor (soweit diese von au&szlig;en erkennbar ist) und erkl&auml;rte sie mit deutschem Datenschutzrecht f&uuml;r unvereinbar. BesucherInnen der Webseiten w&uuml;rden weder ausreichend &uuml;ber die Erhebung und Speicherung ihrer Nutzerdaten auf amerikanischen Servern informiert, noch finde eine wirksame Einwilligung statt. Da sich die amerikanische Firma einem direkten Regulierungszugriff durch deutsche Datenschutzbeh&ouml;rden entzieht, nimmt das ULD die hiesigen Webseitenbetreiber als Urheber einer Auftragsdatenverarbeitung in Haftung. Das ULD forderte alle Betreiber mit Sitz in Schleswig-Holstein auf, ihre Fanpages bzw. eingebundenen Facebook-Buttons bis Ende September abzuschalten, andernfalls drohe man mit Bu&szlig;geldern.<\/p>\n<p>Facebook reagierte auf diesen Vorsto&szlig; mit einigen Korrekturen&nbsp; an seinen Datenschutz-Einstellungen. Diese wurden etwas &uuml;bersichtlicher angeordnet. Zudem leugnet die Firma, Benutzerprofile jener BesucherInnen zu speichern, die als Nicht-Facebook-Kunde auf Webseiten mit den Social Plugins vorbeikommen. Aus der kritischen Perspektive sind das allenfalls kosmetische Korrekturen bzw. nicht nachvollziehbare Versprechungen. Das grunds&auml;tzlich vom ULD in den Blick genommene Problem &#8211; die &Uuml;bertragung von IP-Adressen resp. BenutzerInnendaten &#8211; reicht n&auml;mlich weit &uuml;ber Facebook hinaus und betrifft zahlreiche eingebundenen Drittinhalte in Webseiten (YouTube-Videos, Flickr-Bilder &#8230;). Nachdem das urspr&uuml;nglich vom ULD ausgesprochene Ultimatum verstrichen ist, die Kieler Staatskanzlei (!) ihre Facebook-Fanpage dennoch weiter betreibt, darf man gespannt sein, wie dieses Ringen um die Durchsetzung deutschen Datenschutzrechts am Ende ausgeht und wer sich hier wem anpassen muss.<\/p>\n<p>Kurz nach dem Vorsto&szlig; des ULD wurde eine Protestaktion des Wiener Jurastudent Max Schrems publik. Er hatte bei der in Irland ans&auml;ssigen Europa-Vertretung der Firma eine Auskunft &uuml;ber alle im Zusammenhang mit seinem Nutzerprofil gespeicherten Daten verlangt. Nachdem ihm Facebook die Daten aus seiner dreij&auml;hrigen Nutzungszeit &uuml;bermittelt hatte (es soll sich um 1.200 Druckseiten handeln), erstattete Schrems inzwischen 22 Anzeigen bei der zust&auml;ndigen irischen Aufsichtsbeh&ouml;rde. Seine Anzeigen richten sich v.a. gegen die Speicherpraktiken Facebooks, das beispielsweise s&auml;mtliche Postings und Nachrichten der NutzerInnen speichert, sogar wenn jene die Beitr&auml;ge l&auml;ngst gel&ouml;scht und selbst keinen Zugriff mehr darauf haben.<\/p>\n<p>Sven L&uuml;ders<\/p>\n<p>Themenseite des ULD: <a href=\"https:\/\/www.datenschutzzentrum.de\/facebook\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.datenschutzzentrum.de\/facebook\/<\/a><\/p>\n<p>&#8222;Datenschutz bei sozialen Netzwerken jetzt verwirklichen!&#8220;, Entschlie&szlig;ung der 82. Konferenz der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der L&auml;nder vom 28.\/29.9.2011 in M&uuml;nchen, <a href=\"http:\/\/www.bfdi.bund.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.bfdi.bund.de\/<\/a> SharedDocs\/Publikationen\/Entschliessungssammlung\/DSBundLaender\/82DSK_SozialeNetzwerke.pdf?__blob=publicationFile<\/p>\n<p>J&uuml;rgen Schmidt: 2 Klicks f&uuml;r mehr Datenschutz, <a href=\"http:\/\/heise.de\/-1333879\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/heise.de\/-1333879<\/a> [Skript des Heise-Verlags f&uuml;r &#8222;entsch&auml;rften&#8220; Like-Button, der das automatische User-Tracking durch Facebook deaktiviert]<\/p>\n<p>Max Schrems: Europe vs. Facebook, Kampagnenwebseite unter <a href=\"http:\/\/www.europe-v-facebook.org\/DE\/de.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.europe-v-facebook.org\/DE\/de.html<\/a>.<\/p>\n<p>Die abgebildeten Meinungen zum Facebook-Regulierungsversuch sind Postings von Twitter-Nutzern (<a href=\"http:\/\/www.twitter.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.twitter.com<\/a>).<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[696],"autoren":[139],"publikationen":[922],"class_list":["post-9070","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-datenschutz-sonstige","autoren-sven-lueders","publikationen-922"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>In oder Out \u0096 die Facebook-Frage - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/214\/publikation\/in-oder-out-die-facebook-frage\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"In oder Out \u0096 die Facebook-Frage - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Aus: Mitteilungen Nr. 214 (3\/2011), S. 15 In der letzten Ausgabe der Mitteilungen (Nr. 213, S. 18\/19) hatte ich eine Diskussion um die Erneuerung des HU-Internetauftritts und die Nutzung von Web 2.0-Diensten wie Facebook oder Twitter angeregt. 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