{"id":9073,"date":"2011-10-11T11:55:00","date_gmt":"2011-10-11T09:55:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/die-humanistische-union-wird-50-und-ist-kein-bisschen-muede\/"},"modified":"2021-08-30T15:41:13","modified_gmt":"2021-08-30T13:41:13","slug":"die-humanistische-union-wird-50-und-ist-kein-bisschen-muede","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/214\/publikation\/die-humanistische-union-wird-50-und-ist-kein-bisschen-muede\/","title":{"rendered":"Die Humanistische Union wird 50 \u0096 und ist kein bisschen m\u00fcde"},"content":{"rendered":"<p>Empfang des Regionalverbandes M&uuml;nchen-S&uuml;dbayern zum 50. Geburtstag am 8. Juli 2011. Aus: Mitteilungen Nr. 214 (3\/2011), S. 23\/24<\/p>\n<div><span class=\"migrated-image\"><a href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/bayern.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-4080 size-medium\" src=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/bayern-600x400.jpg\" alt=\"Die Humanistische Union wird 50 &#8211; und ist kein bisschen m&uuml;de\" width=\"600\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/bayern-600x400.jpg 600w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/bayern-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/bayern-450x300.jpg 450w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/bayern.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/span><\/p>\n<p class=\"news-single-imgcaption\">\n<\/div>\n<p>Die Gr&uuml;ndung der Humanistischen Union am 26. August 1961 liegt nunmehr ein halbes Jahrhundert zur&uuml;ck. Dieses Jubil&auml;um gab den Rahmen f&uuml;r ein Zusammensein in entspannter Atmosph&auml;re, um an die Vergangenheit zu erinnern, aber den Blick auch in die Zukunft zu richten. Da der Verein sich in M&uuml;nchen konstituierte und die Bundesgesch&auml;ftsstelle bis Ende 1997 dort sa&szlig;, schien es dem Regionalverband M&uuml;nchen-S&uuml;dbayern angemessen &#8211; in Erg&auml;nzung zur Hauptfeier in Berlin &#8211; auch einen festlichen Empfang vor Ort auszurichten. Als geeignete Umgebung hierf&uuml;r bot sich die Seidlvilla im M&uuml;nchner Stadtteil Schwabing an, welche vielen Mitgliedern schon aus fr&uuml;heren Veranstaltungen gut bekannt ist.<\/p>\n<p>Den Weg zur Veranstaltung am 8. Juli 2011 fanden viele HU-Mitglieder, insbesondere mit Frau Dr. Lotte K&ouml;hler auch ein Gr&uuml;ndungsmitglied, und nicht wenige Interessierte. Unter den Teilnehmern waren HU-Beir&auml;te, Preistr&auml;gerinnen des &#8222;Aufrechten Ganges&#8220;, Vertreter der SPD, der LINKEN, der Gr&uuml;nen, der Piraten und der Neuen Richtervereinigung. Das Programm setzte sich zusammen aus einer bunten Mischung von Beitr&auml;gen, die einen aussagekr&auml;ftigen Einblick in die Bet&auml;tigungsfelder der Humanistischen Union erm&ouml;glichten.<\/p>\n<p>Das ehemalige Vorstandsmitglied Prof. Dr. Tim Hering &uuml;bernahm die Begr&uuml;&szlig;ung des Publikums und stellte die Hintergr&uuml;nde der beiden danach verlesenen Texte vor: des Gr&uuml;ndungsaufrufs von 1961 und des &#8222;Memorandums zum Kernbereich des Rechtsstaats&#8220; von 1978. In gebotener K&uuml;rze erweckte er die gesellschaftliche Situation von 1961 zum Leben und f&uuml;hrte so in den zeitlichen Kontext der Gr&uuml;ndung der Humanistischen Union ein. Auch den von Angst um die Innere Sicherheit gepr&auml;gten Zeitgeist von 1978, welcher zur Abfassung des genannten Memorandums f&uuml;hrte, umriss er in knappen, pr&auml;zisen Worten. Im Anschluss wies er noch auf andere wichtige Stellungnahmen der Humanistischen Union hin, welche gedruckt auslagen.<\/p>\n<p>Der aus Funk und Fernsehen bekannte Wolf Euba trug den Gr&uuml;ndungsaufruf von Dr. Gerhard Szczesny in n&uuml;chterner wie einf&uuml;hlsamer Diktion vor. Beim H&ouml;ren dieses Textes wurde klar, welche Haltung die Bildung der Humanistischen Union motiviert hatte: die Ablehnung eines &#8222;totalen Machtanspruchs einer christlichen Sprach-, Denk- und Verhaltensregelung&#8220; f&uuml;r &#8222;eine Gesellschaft, die nur zu einem Teil aus gl&auml;ubigen Christen besteht&#8220;. Gemeint war damit nicht etwa eine Leugnung des &#8222;Recht[s] des gl&auml;ubigen Christen, sich um die Verbreitung seines Glaubens zu bem&uuml;hen&#8220;, sondern die unzul&auml;ssige Einflussnahme der Kirche mittels staatlicher Stellen auf die &Ouml;ffentlichkeit. Die vollumf&auml;ngliche Trennung von Staat und Kirche ist bis heute Teil des Aufgabenspektrums der Humanistischen Union geblieben, obgleich viele weitere b&uuml;rgerrechtliche Themen hinzu gekommen sind. Szczesnys Aufruf war aber keine rein ablehnende Stellungnahme, sondern enthielt vielmehr das humanistisch konnotierte Verst&auml;ndnis eines lebensf&auml;higen Gemeinwesens als positiven Gegenentwurf, dessen &#8222;Pluralit&auml;t der Prinzipien von der Solidarit&auml;t der Personen getragen&#8220; werden m&uuml;sse.<\/p>\n<p>Die Journalistin Corinna Spies trug danach als ein Beispiel f&uuml;r die Auseinandersetzungen der Humanistischen Union mit gesellschaftspolitischen Zeitfragen einen Text aus dem Jahr 1978 vor. Dessen vollst&auml;ndiger Titel lautet: &#8222;Die Humanistische Union fragt Bundesregierung und Bundestag: Wo beginnt der Kernbereich des Rechtsstaats?&#8220; Der Vergleich mit dem zuvor verlesenen Text zeigte, wie sich der Aktionsradius der Vereinigung seit den Anf&auml;ngen vergr&ouml;&szlig;ert hatte. Die Bundesregierung hatte &#8211; so der historische Hintergrund &#8211; an die UNO einen &#8222;Staatenbericht &uuml;ber b&uuml;rgerliche und politische Rechte&#8220; geleitet, in welchem sie zu einem positiven Ergebnis gelangt war. Geradezu ins Gegenteil verkehrt fiel dagegen die Bewertung der Humanistischen Union aus: in der Bundesrepublik werden &#8222;die b&uuml;rgerlichen und politischen Rechte zunehmend eingeschr&auml;nkt&#8220;. Stichhaltig wurde diese dem Hauptteil des Textes vorangestellte These anhand einer Vielzahl von Beispielen nachgewiesen und so die Behauptung der Bundesregierung widerlegt. Vieles kam dem Publikum aus j&uuml;ngster Zeit wohlbekannt vor. Beispielsweise k&ouml;nnten die datenschutzbezogenen Ausf&uuml;hrungen nahezu wortw&ouml;rtlich in gegenw&auml;rtige Publikationen &uuml;bertragen werden. Gel&auml;chter entstand beim Verlesen einer Auswahl von damaligen Unterzeichnern, als der Name Otto Schilys &#8211; damals Vorstandsmitglied der HU &#8211; fiel.<\/p>\n<p>In den H&auml;nden von Heide Hering lag es, die Rolle der Frauen in der Humanistischen Union ins rechte Licht zu r&uuml;cken. Mit viel Humor berichtete sie von ihren pers&ouml;nlichen Erfahrungen in der Humanistischen Union als &#8222;absolute Quotenfrau&#8220;, von welcher sie sich zu einer engagierten Streiterin f&uuml;r die weibliche Emanzipation entwickelte. Untrennbar damit verwoben waren die Aktivit&auml;ten der HU f&uuml;r die Abschaffung des Abtreibungs-Paragraphen 218 und auf dem Gebiet der Gleichstellungspolitik. Heide Hering warf hierbei Schlaglichter auf die Beratungen zum Entwurf eines Antidiskriminierungsgesetzes der HU, das unter Federf&uuml;hrung des damaligen FDP-Innenministers Gerhart Baum vor dem Regierungswechsel beinahe noch verwirklicht worden w&auml;re. Erst im Nachgang der Wiedervereinigung gl&uuml;ckte die verfassungsrechtliche Verankerung einer Rechtsgrundlage f&uuml;r die aktive F&ouml;rderung der tats&auml;chlichen Gleichberechtigung von Mann und Frau (Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG). Mit der von Heide Hering und anderen gegr&uuml;ndeten Initiative &#8222;Frauen in bester Verfassung&#8220; konnte sie die Innovationskraft der Humanistischen Union eindrucksvoll st&auml;rken. In bester Tradition standen daher die rechtspolitischen Vorschl&auml;ge, welche ihren Vortrag abrundeten.<\/p>\n<p>Schlie&szlig;lich trug die Bundesvorsitzende Prof. Dr. Rosemarie Will ihre &Uuml;berlegungen zu den Zukunftsperspektiven der Humanistischen Union vor. Im Vordergrund standen hierbei weniger deren inhaltlichen Themen, welche in den vorangegangen Beitr&auml;gen gew&uuml;rdigt worden waren, sondern die Ver&auml;nderung der Mitgliederstruktur im Laufe der vergangenen Jahrzehnte. Die Vorsitzende hob die Beendigung des Mitgliederschwundes seit dem Jahr 2006 hervor. Dies machte sie zum Ausgangspunkt ihrer &Uuml;berlegungen, wie sich die Vereinigung in Zukunft fortentwickeln m&uuml;sse, genauer welche Anforderungen diese zu erf&uuml;llen habe, um weiterhin effektiv B&uuml;rgerrechtsarbeit betreiben zu k&ouml;nnen. Zur &Uuml;bergabe des metaphorischen Staffelstabs an die n&auml;chste Generation von Aktiven gab Will eine vorsichtig optimistische Prognose ab: &#8222;Dass jemand zum &Uuml;bergeben da ist, scheint gew&auml;hrleistet zu sein&#8220;.<\/p>\n<p>Nach Beendigung des offiziellen Teils verblieb die Gesellschaft dann noch eine Weile f&uuml;r angeregte Gespr&auml;che in der Seidlvilla. Nicht wenige Impulse d&uuml;rften von den verschiedenen Beitr&auml;gen ausgegangen sein. Zieht man ein Res&uuml;mee, ist festzuhalten: Mit Stolz kann die Humanistische Union auf ihr gesellschaftspolitisches Engagement in den ersten f&uuml;nfzig Jahren ihres Bestehens zur&uuml;ckblicken. Will sie in Zukunft aber weiterhin einen erklecklichen Beitrag zu b&uuml;rgerrechtlichen Angelegenheiten in der Bundesrepublik leisten, darf sie sich auf solchen Lorbeeren aber nicht ausruhen.<\/p>\n<p><i>Felix Grollmann<br \/>ist im Vorstand des Regionalverbandes M&uuml;nchen-S&uuml;dbayern aktiv.<\/i><\/p>\n<p><i>Die Reden und Bilder des M&uuml;nchner Empfangs finden sich auf der <\/i><a href=\"http:\/\/suedbayern.humanistische-union.de\/veranstaltungen\/2011\/50_jahre_humanistische_union\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><i>Webseite des Regionalverbandes<\/i><\/a><i>.<\/i><\/p>\n<p><i>Heide Hering: &#8222;Es war manchmal auch schwierig f&uuml;r mich, mit Juristen und M&auml;nnern zusammen zu arbeiten.&#8220; , in: Humanistische Union (Hg.), B&uuml;rgerrechtliche Argumente. Dokumente zu 50 Jahren Humanistische Union, S. 315-320.<\/i><\/p>\n","protected":false},"featured_media":4080,"template":"","categories":[],"tags":[2525],"autoren":[1599],"publikationen":[922],"class_list":["post-9073","publikation","type-publikation","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","tag-verband-hu-geschichte","autoren-felix-grollmann","publikationen-922"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die Humanistische Union wird 50 \u0096 und ist kein bisschen m\u00fcde - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/214\/publikation\/die-humanistische-union-wird-50-und-ist-kein-bisschen-muede\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Die Humanistische Union wird 50 \u0096 und ist kein bisschen m\u00fcde - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Empfang des Regionalverbandes M&uuml;nchen-S&uuml;dbayern zum 50. 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