{"id":9138,"date":"2010-12-20T07:05:00","date_gmt":"2010-12-20T06:05:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/frankfurtmain-religionsunterricht-bekenntnis-oder-erkenntnisunterricht\/"},"modified":"2021-08-30T15:41:01","modified_gmt":"2021-08-30T13:41:01","slug":"frankfurtmain-religionsunterricht-bekenntnis-oder-erkenntnisunterricht","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/211\/publikation\/frankfurtmain-religionsunterricht-bekenntnis-oder-erkenntnisunterricht\/","title":{"rendered":"Frankfurt\/Main: Religionsunterricht &#8211; Bekenntnis- oder Erkenntnisunterricht?"},"content":{"rendered":"<p>Mitteilungen Nr. 211 (4\/2010), S. 22<\/p>\n<div><span class=\"migrated-image\"><a href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/ffm01f.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-4112 size-medium\" src=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/ffm01f.jpg\" alt=\"Frankfurt\/Main: Religionsunterricht - Bekenntnis- oder Erkenntnisunterricht?\" width=\"600\" height=\"402\" srcset=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/ffm01f.jpg 600w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/ffm01f-450x302.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/span><\/p>\n<p class=\"news-single-imgcaption\">\n<\/div>\n<p>(HPD\/AT) Als diesj&auml;hrigen Beitrag zu den Interkulturellen Wochen Frankfurt am Main luden die S&auml;kularen Humanisten Rhein-Main am 5. November 2010 Vertreter aus der hessischen Landespolitik sowie humanistisch gepr&auml;gter Organisation zu einer Podiumsdiskussion ein. Unter dem Titel &#8222;Religionsunterricht an hessischen Schulen &#8211; Bekenntnis- oder Erkenntnisunterricht?&#8220; konnten Frau Sarah Sorge MdL (B&uuml;ndnis 90\/Gr&uuml;ne), Frau Bettina Wiesmann MdL (CDU), Herr Johann-Albrecht Haupt (Humanistische Union) sowie Herr Jochen Beck (S&auml;kulare Humanisten Rhein-Main) unter der Moderation von Peter Menne als Diskutanten gewonnen werden. &#8230;<\/p>\n<p>Zu Beginn skizzierte Jochen Beck den Standpunkt der S&auml;kularen Humanisten, wonach der herk&ouml;mmliche bekenntnisgebundene Religionsunterricht durch ein integratives allgemeines Pflichtfach &#8222;Philosophie und Religionskunde&#8220; ersetzt werden sollte. Diesem Fach w&uuml;rden zwei Funktionen zukommen. Zum Einen sollten hier den Sch&uuml;lern die Werte nahegebracht werden, die f&uuml;r das Grundgesetz grunds&auml;tzlich verbindlich sind. Denn die weltanschauliche Neutralit&auml;t des Staates gilt nur in einem weiteren Sinne. Im engeren Sinne enth&auml;lt die Verfassung sehr wohl ein weltanschauliches Kernbekenntnis: Die Idee der unantastbaren Menschenw&uuml;rde, der unver&auml;u&szlig;erlichen Menschenrechte und das Demokratiegebot. Diese Wertkonstruktionen sind Produkte s&auml;kularer Philosophie, die gegen die Religion durchgesetzt werden mussten und sollten dann auch in einem Philosophieunterricht vorgestellt werden. Dar&uuml;ber hinaus sollte dieses Fach die weltanschauliche Bildung vermitteln, die den Sch&uuml;lern ein selbstst&auml;ndiges Urteil &uuml;ber Religionen und philosophische Weltanschauungen erm&ouml;glicht.<\/p>\n<p>Dagegen vertrat Frau Wiesmann unter dem Gesichtspunkt der christlichen Werteorientierung die Auffassung, dass ein Religionsunterricht stets die Pflicht zur Auseinandersetzung mit Bekenntnissen impliziert, an der eine Gesellschaft sich reiben kann und soll und deshalb die gegenw&auml;rtige Regelung des Grundgesetzes zu Recht den bekenntnisgebundenen Unterricht als ordentliches Lehrfach vorsieht.<\/p>\n<p>Frau Sorge sah den Zusammenhalt der Gesellschaft durch die Unterschiede der einzelnen Religionen gef&auml;hrdet und w&uuml;nschte sich, die Gemeinsamkeiten ethischer Punkte herauszuarbeiten, um einer Gerechtigkeitsl&uuml;cke zu entgehen, w&auml;hrend Herr Haupt schlie&szlig;lich den geltenden Verk&uuml;ndigungsauftrag der kirchlichen Religionsgemeinschaften unterstrich und die Auffassung vertrat, dass ein Religionsunterricht nicht durch den Staat, sondern die Religionsgemeinschaften selbst organisiert werden solle.<\/p>\n<p>In der anschlie&szlig;enden Diskussionsrunde stellte sich zun&auml;chst die Frage, in welcher Form sich der heutige Religionsunterricht pr&auml;sentiert und welchen Nutzen er bereitstellen kann. Es kristallisierte sich f&uuml;r das gut informierte Publikum im weiteren Verlaufe heraus, dass wir es bei der Frage nach der inhaltlichen Ausgestaltung des Religionsunterrichtes mit einer Monopolstellung der christlichen Kirchen zu tun haben, die &uuml;berdies, wie Frau Sorge und Herr Haupt bemerkten, von Finanzstr&ouml;men profitiere, f&uuml;r die der gemeine Steuerzahler aufkomme &#8211; g&auml;nzlich unabh&auml;ngig davon, ob er religi&ouml;s gebunden ist oder nicht. Erkl&auml;ren l&auml;sst sich nach Herrn Haupt die Glaubensvermittlung des kirchenfreundlichen Staates und die Aufteilung der Sch&uuml;ler in Christen und Nicht-Christen nur mit dem bis heute geltenden stillschweigenden gesellschaftlichen Einverst&auml;ndnis der Kirche als Werteagentur. Dies ist allerdings kaum mit der deutsch-geschichtlich wohlbegr&uuml;ndbaren Zur&uuml;ckhaltung des Staates, der eine Werteordnung vorgibt, in Einklang zu bringen, wenn er in dieser Angelegenheit nun die Kirchen privilegiere, wie Frau Wiesmann selbstkritisch anmerkte.<\/p>\n<p>Nach der kontroversen Diskussion der Podiumsteilnehmer\/-innen wurde das Publikum eingebunden, welches sich rege beteiligte. So wurde festgestellt, dass der relativ kleinen Anzahl von B&uuml;rgern mit muslimischem Hintergrund (4%) eine eher freundliche Hofierung widerf&auml;hrt, w&auml;hrend die vergleichsweise sehr hohe Anzahl von nicht-konfessionsgebundenen Menschen (40 Prozent) eher beil&auml;ufig genannt und ber&uuml;cksichtigt werden, verbunden mit der Frage: Wo bleiben die Humanisten, wo bleiben die Menschen, die ethisch handeln, ohne einen R&uuml;ckgriff auf einen Gott zu ben&ouml;tigen, in der &ouml;ffentlichen Wahrnehmung? Die im Verlaufe der Veranstaltung eher als Gemeinpl&auml;tze einzustufenden Feststellungen, dass Kritik an Vers&auml;umnissen willkommen sei, l&auml;sst vermuten, dass die Brisanz des Themas auf der politischen Agenda schlechterdings nicht vorhanden ist und die s&auml;kulare Szene &#8211; trotz aller Unstimmigkeiten &#8211; auch in dieser Frage dazu aufgerufen ist, gemeinsame Positionen herauszuarbeiten und insbesondere geschlossen aufzutreten.<\/p>\n<p><i>Gek&uuml;rzte Fassung eines Berichts von Alexander Tschierse, vollst&auml;ndige Fassung unter <\/i><a href=\"http:\/\/hpd.de\/node\/10636\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><i>http:\/\/hpd.de\/node\/10636<\/i><\/a>.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":4112,"template":"","categories":[2634],"tags":[750],"autoren":[1607],"publikationen":[926],"class_list":["post-9138","publikation","type-publikation","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-veranstaltungsberichte","tag-frankfurt-veranstaltungsberichte","autoren-alexander-tschierse","publikationen-926"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Frankfurt\/Main: Religionsunterricht - Bekenntnis- oder Erkenntnisunterricht? - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/211\/publikation\/frankfurtmain-religionsunterricht-bekenntnis-oder-erkenntnisunterricht\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Frankfurt\/Main: Religionsunterricht - Bekenntnis- oder Erkenntnisunterricht? - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Mitteilungen Nr. 211 (4\/2010), S. 22 (HPD\/AT) Als diesj&auml;hrigen Beitrag zu den Interkulturellen Wochen Frankfurt am Main luden die S&auml;kularen Humanisten Rhein-Main am 5. 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