{"id":9231,"date":"2009-09-11T19:00:00","date_gmt":"2009-09-11T17:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/der-kampf-ums-medium-sperrlisten-im-internet-als-rechtsdurchsetzung-oder-einstieg-in-die-zensur\/"},"modified":"2021-08-30T15:40:38","modified_gmt":"2021-08-30T13:40:38","slug":"der-kampf-ums-medium-sperrlisten-im-internet-als-rechtsdurchsetzung-oder-einstieg-in-die-zensur","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/205-206\/publikation\/der-kampf-ums-medium-sperrlisten-im-internet-als-rechtsdurchsetzung-oder-einstieg-in-die-zensur\/","title":{"rendered":"Der Kampf ums Medium. Sperrlisten im Internet als Rechtsdurchsetzung oder Einstieg in die Zensur?"},"content":{"rendered":"<p>Aus: Mitteilungen Nr. 205\/206 (2+3\/2009), S. 1-4<\/p>\n<div><span class=\"migrated-image\"><a href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/ausIMG_5228bw.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-4158 size-medium\" src=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/ausIMG_5228bw.jpg\" alt=\"Der Kampf ums Medium. Sperrlisten im Internet als Rechtsdurchsetzung oder Einstieg in die Zensur?\" width=\"600\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/ausIMG_5228bw.jpg 600w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/ausIMG_5228bw-450x300.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/span><\/p>\n<p class=\"news-single-imgcaption\">\n<\/div>\n<p>Wer sich dem Kampf gegen Kinderpornografie in den Weg stellt, sieht sich schnell mit dem Vorwurf konfrontiert, er oder sie sch&uuml;tze die T&auml;ter. Umso erstaunlicher, dass ein Gesetzentwurf zur Bek&auml;mpfung der Kinderpornografie im Internet so breiten Protest in der deutschen &Ouml;ffentlichkeit hervorruft, wie in diesem Jahr geschehen. Das von der Bundesfamilienministerin propagierte Vorhaben, den Zugang zu derartigen Webseiten bei den Internetprovidern zu sperren, rief landauf, landab Demonstrierende auf den Plan. Eine von der Webdesignerin Franziska Heine initiierte Petition gegen das Gesetz beim Deutschen Bundestag erreichte die Rekordbeteiligung von 134.000 Unterst&uuml;tzerInnen &#8211; und verhalf damit dem relativ neuen Instrument der Onlinepetition erstmals zu breiter Aufmerksamkeit.<\/p>\n<p>Die Kritiker des Gesetzes engagierten sich online wie offline gegen das Vorhaben: So gelang es ihnen innerhalb von 24 Stunden, 60 auf europ&auml;ischen Sperrlisten verzeichnete Webseiten mit mutma&szlig;lich kinderpornografischen Angeboten vom Netz nehmen zu lassen &#8211; allein indem sie die zust&auml;ndigen Provider anschrieben. Damit wollten sie die Behauptung widerlegen, man k&ouml;nne anders als mit nationalen Sperrlisten dem internationalen Netz nicht beikommen.&nbsp; <br \/>Auch wenn sie das Gesetz am Ende nicht verhindern konnten &#8211; der Bundestag verabschiedete es in seiner Sitzung am 18. Juni 2009 &#8211; zeichnen sich in der &ouml;ffentlichen Diskussion um die &Uuml;berwachung und Kontrolle des Internets neue Formen der politischen Diskussion und des Protests ab. Die Kritiker fanden sich im Arbeitskreis Zensur, organisierten sich dort mit Hilfe von Mailinglisten und Wikis. Mit dem AK Zensur entstand zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre aus dem Protest gegen ein Sicherheitsgesetz heraus eine neue Bewegung.<\/p>\n<h5><span id=\"mediale-zuspitzung-und-offene-fragen\">Mediale Zuspitzung und offene Fragen<\/span><\/h5>\n<p>In der Diskussion um die Internetsperren wurde mit Zuspitzungen und gegenseitigen Vorw&uuml;rfen nicht gespart: Kritiker wandten immer wieder ein, dass die kinderpornografischen Abbildungen mit dem Zugangserschwerungsgesetz hinter einem Vorhang verschwinden (der leicht zur Seite geschoben werden k&ouml;nne), gegen das eigentliche &Uuml;bel der Kinderpornografie aber nicht eingeschritten werde. Dagegen meinten die Bef&uuml;rworter, man werde das Eine tun, ohne das Andere zu lassen. Welcher Weg zur Bek&auml;mpfung des Kindesmissbrauchs am Ende jedoch effektiver ist, blieb offen. Die Bef&uuml;rworter verwiesen ihrerseits auf die zahlreichen Entgleisungen, die im Netz zu finden sind, und warnten vor &#8222;rechtsfreien R&auml;umen&#8220;. Die Sperren w&uuml;rden sich ausschlie&szlig;lich gegen kinderpornografische Angebote richten, f&uuml;r die k&ouml;nne man unm&ouml;glich die Informationsfreiheit in Anspruch nehmen. Dagegen sprachen die Kritiker den meisten Politikern deren Medienkompetenz ab. Allein schon die Vorstellung, man w&uuml;rde bei jeder Gelegenheit und rein zuf&auml;llig auf Kinderpornografie im Netz sto&szlig;en, die sich mit einem &#8222;Stopp-Schild&#8220; ausblenden lasse, entspreche dem Medienverst&auml;ndnis von &#8222;Internetausdruckern&#8220;. Schnell hatte Ursula von der Leyen, welche das Vorhaben zwar propagierte aber letztlich gar nicht federf&uuml;hrend daf&uuml;r verantwortlich war, den Spitznamen &#8222;Zensursula&#8220; weg. Die Personalisierung des Konflikts war sicherlich hilfreich f&uuml;r die Protestbewegung und deren mediale Wahrnehmung &#8211; ob sie in der Sache angemessen war, ist eine andere Frage.<\/p>\n<p>Auf der Strecke blieben viele Vermutungen und Behauptungen &uuml;ber das, was das Gesetz zu bek&auml;mpfen vorgab: den sexuellen Missbrauch von Kindern. Allein schon der Blick auf die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) l&auml;sst Zweifel daran aufkommen, ob der Kampf gegen Kinderpornografie im Netz wirklich der geeignete Hebel ist, um diesen Missbrauch einzud&auml;mmen. W&auml;hrend die Familienministerin und der Chef des Bundeskriminalamtes immer wieder auf rasant steigende Fallzahlen hinwiesen, zeigt ein Blick in die PKS, dass die meisten &Uuml;bergriffe nicht im Zusammenhang mit kinderpornografischen Darstellungen stehen und zudem aus dem Umfeld der Opfer erfolgen &#8211; wo vom Internet weit und breit keine Spur ist.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Daten zum sexuellen Missbrauch lt. PKS 2008\" height=\"339\" alt=\"Daten zum sexuellen Missbrauch lt. PKS 2008\" hspace=\"0\" src=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/PKS-Grafik2.jpg\" width=\"413\" border=\"0\"><\/p>\n<p>Die Regierung betonte dagegen, dass der Kampf gegen Kinderpornografie ein Kampf gegen einen kriminellen Schwarzmarkt sei. Mit den Abbildungen missbrauchter Kinder w&uuml;rden Millionen umgesetzt, und es gelte, dieser Schattenwirtschaft den Absatzmarkt zu entziehen. Inwiefern es wirklich eine industrielle Vermarktung des Kindesmissbrauchs gibt, blieb jedoch offen. Einziger Beleg war eine 2004 von der britischen National High Tech Crime Unit ver&ouml;ffentliche Zahl, wonach damals w&ouml;chentlich 1,3 Mio. US-Dollar auf Konten eingingen, die mit Kinderpornografie in Zusammenhang gebracht wurden. Dagegen stehen Experteneinsch&auml;tzungen wie die der Medienwissenschaftlerin Korinna Kuhnen, wonach sich die Kinderpornografie im Netz eher durch eine &#8222;versteckte Pr&auml;senz&#8220; auszeichne und kaum frei auf Webseiten zug&auml;nglich sei. Sie werde in geschlossenen Chatrooms oder Tauschb&ouml;rsen verbreitet, wogegen die Zugangssperren wirkungslos sind. Hinter dem umstrittenen Punkt, ob das Netz hier als Wirtschaftsplattform funktioniere oder ob es &#8222;nur&#8220; ein Kommunikationsmedium sei, stehen divergierende Vorstellungen von einer Regulierung des Netzes &#8211; Markt oder Medium? Die Entscheidung f&auml;llt aufgrund des &ouml;ffentlichen Halbwissens nicht leicht. Zumindest ist der normale Ausweg des m&uuml;ndigen B&uuml;rgers versperrt, sich selbst &uuml;ber den Sachverhalt zu informieren. Vor einer gezielten Suche kinderpornografischer Webseiten kann nur dringend gewarnt werden, denn schlie&szlig;lich beginnt bereits mit dem Aufruf der Seiten im Webbrowser der strafbare Besitz. Die Diskussion um den Umgang mit Kinderpornografie landete in einem demokratischen Dilemma, weil B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger, ja selbst die von ihnen gew&auml;hlten Abgeordneten die Angaben der Experten nicht mehr nachpr&uuml;fen k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Das Vertrauen in den Gesetzgeber litt allerdings noch mehr, als weitere Fakten ins Wanken gerieten: Das Zugangssperren notwendig seien, wurde von Frau von der Leyen immer wieder damit begr&uuml;ndet, dass ein L&ouml;schen der Seiten oft nicht m&ouml;glich sei, weil das kinderpornografische Material&nbsp; auf Rechnern in fernen L&auml;ndern&nbsp; lagere, wo die L&ouml;schung der Seiten nicht durchsetzbar sei. Als Beispiele f&uuml;hrte die Ministerin mehrfach Afrika, aber auch Indien an. Der Einordnung Indiens in die &#8222;Koalition der Unwilligen&#8220; widersprach der Botschafter Indiens in Deutschland vehement und verwies auf die seit 1973 bestehenden und erst im letzten Jahr versch&auml;rften Strafvorschriften. Das Familienministerium musste sich schlie&szlig;lich f&uuml;r den diplomatische Fauxpas entschuldigen. Aber auch der Fingerzeig nach Afrika entsprach nicht den Tatsachen: Alvar Freude vom AK Zensur wertete mit Hilfe eines Skriptes die Sperrlisten Australiens, Finnlands und der Schweiz aus. Dabei kam er zu dem &uuml;berraschenden Ergebnis, dass auf keiner der drei Sperrlisten Rechner aus Afrika verzeichnet waren. Die &uuml;berwiegende Mehrheit befand sich in Nordamerika und Europa, nicht wenige in Deutschland selbst &#8211; also durchaus in Gegenden, wo L&ouml;schungsaufforderungen deutscher Beh&ouml;rden durchsetzbar w&auml;ren. Schlie&szlig;lich r&auml;umte die Bundesregierung in ihrer Antwort vom 11. Juni 2009 auf eine Kleine Anfrage der FDP ein, dass sie weder genaue Angaben &uuml;ber die Standorte der Server mit den kinderpornografischen Daten machen k&ouml;nne, noch wisse, in welchen L&auml;ndern eigentlich Kinderpornografie straffrei sei (BT-Drs. 16\/13347).<\/p>\n<h5><span id=\"zugestaendnisse-erfolge-der-kritik\">Zugest&auml;nd&shy;nisse &ndash; Erfolge der Kritik? <\/span><\/h5>\n<p>Wie so oft konnten die KritikerInnen den Gesetzgeber nicht &uuml;berzeugen. Die breite Ablehnung der Internetsperren hinterlie&szlig; dennoch Spuren im Parlament. Diese findet man etwa im Protokoll der Sachverst&auml;ndigenanh&ouml;rung, die der Ausschuss f&uuml;r Wirtschaft und Technologie am 27. Mai 2009 abhielt (Protokoll 16\/96); die dort gezeigte Sachlichkeit und Aufmerksamkeit der Abgeordneten w&uuml;rde man sich in anderen Anh&ouml;rungen w&uuml;nschen. So war es auch wenig &uuml;berraschend, dass die Koalition &#8211; einen Tag vor der Verabschiedung des Gesetzes im Plenum &#8211; einige Zugest&auml;ndnisse pr&auml;sentierte, mit denen Bedenken der Kritiker zerstreut werden sollten (s. BT-Drs. 16\/13411).<\/p>\n<p>Der erste Vorschlag wollte ein zentrales Defizit der Sperrlisten beheben, ihre Unkontrollierbarkeit. Der Gesetzentwurf verwendet schlie&szlig;lich viel M&uuml;he darauf, die Liste der zu sperrenden Internetseiten geheim zu halten. So sollten die Sperren nur f&uuml;r gro&szlig;e Provider (ab 10.000 Kunden) verbindlich sein, was bedeutet, dass neben den BKA-Beamten nur eine Handvoll Mitarbeiter gro&szlig;er TK-Unternehmen die Liste einsehen w&uuml;rde. Um dieses Kontrolldefizit zu beheben, schlug die Koalition jetzt ein neues Expertengremium vor. Dessen f&uuml;nf Mitglieder, vom Bundesbeauftragten f&uuml;r den Datenschutz zu bestellen, sollen die gelisteten Seiten stichprobenartig kontrollieren, mindestens einmal im Quartal. Abgesehen davon, dass Peter Schaars Beh&ouml;rde bisher &uuml;ber keinerlei Erfahrungen mit der Indizierung jugendgef&auml;hrdender oder gar kinderpornografischer Dokumente verf&uuml;gt, ist er zugleich auch Beauftragter f&uuml;r die Informationsfreiheit. Wie er den m&ouml;glichen Zielkonflikt l&ouml;st, der sich aus seiner Aufgabenbeschreibung und der neuen Doppelfunktion als Kontrolleur und Legitimator eines Internet-Sperrmechanismus ergibt, bleibt ihm &uuml;berlassen.<\/p>\n<p>Zu den Zugest&auml;ndnissen geh&ouml;rte ferner eine Vorrangklausel: Demnach soll innerhalb Deutschlands und der Reichweite der EU-Richtlinie &uuml;ber den elektronischen Binnenmarkt (RL 2000\/31\/EG) die L&ouml;schung inkriminierter Webseiten vorrangig sein, bevor es zu Sperrma&szlig;nahmen komme. So weit die Ank&uuml;ndigung. Die Regel &#8211; L&ouml;schen geht vor Sperren &#8211; findet sich im Gesetz jedoch deutlich abgeschw&auml;cht wieder. In &sect; 1 Absatz 2 hei&szlig;t es dort: &#8222;Die Aufnahme in die Sperrliste erfolgt nur, soweit &#8230; [L&ouml;schversuche] nicht oder nicht in angemessener Zeit erfolgversprechend sind.&#8220; Zu Deutsch: Das Bundeskriminalamt muss die L&ouml;schung nicht tats&auml;chlich versuchen, es reicht auch, wenn die Beamten eine L&ouml;schung f&uuml;r nicht erfolgversprechend halten, um die entsprechende Seite in die Sperrliste aufzunehmen. F&uuml;r eine derartige Abschw&auml;chung der Vorrangklausel bestand eigentlich kein Anlass: Dass eine vom BKA ausgehende Aufforderung zur L&ouml;schung von Webangeboten in Deutschland nicht durchsetzbar w&auml;re, dieser Fall ist eigentlich nur bei jener Minderheit von Webseitenanbietern denkbar, die ihre Server selbst kontrollieren. Kommerzielle Anbieter von Webservern nehmen erfahrungsgem&auml;&szlig; inkriminierte Webseiten sofort vom Netz, sofern sich jemand bei Ihnen meldet. Das hat im vergangenen Jahr nicht nur die Humanistische Union mit ihrem Anonymisierungsdienst erfahren m&uuml;ssen, sondern demonstrierte auch die oben zitierte Aktion des Arbeitskreises gegen Zensur.<\/p>\n<p>Und selbst f&uuml;r den Fall, dass ein Betreiber seinen eigenen Server unter Kontrolle hat und dann noch &uuml;ber die Chuzpe verf&uuml;gt, der Aufforderung des BKA zu widersprechen &#8211; etwa weil er der Auffassung ist, dass seine Angebote legal seien &#8211; w&auml;re es rechtsstaatlich geboten, wenn das BKA die Stillegung der Seite mit entsprechenden Rechtsmitteln erzwingt. Unstimmigkeiten zwischen den Internetkontrolleuren und betroffenen Anbietern sind n&auml;mlich keinesfalls ausgeschlossen, sondern zu erwarten. So r&auml;umte der Vertreter des BKA bei der parlamentarischen Anh&ouml;rung mit Verweis auf die d&auml;nischen Sperrlisten ein, dass es im internationalen Vergleich erhebliche Unterschiede in der Klassifikation kinderpornografischer Abbildungen gebe. Aber selbst in einem &#8222;einheitlichen Rechtsraum&#8220; wie der Bundesrepublik Deutschland sind Meinungsverschiedenheiten bei der Indizierung nicht ausgeschlossen. So soll die redaktionell gepflegte Sperrliste einer von der Kommission f&uuml;r Jugendschutz (KJM) f&uuml;r einen Testversuch zugelassenen Software (&#8222;JusProgs&#8220;) so dubiose Adressen wie die tageszeitung, den Juso-Bundesverband und den CDU Bezirksverband Neuss enthalten haben (s. BT-Drs. 16\/13744).<\/p>\n<table cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\" border=\"1\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<p class=\"bodytext\"><strong>Was sich alles noch im Internet sperren l&auml;sst &#8211; die Wunschliste<\/strong><\/p>\n<p>&#8226;&nbsp;<strong><a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/politik\/schwerpunkt-ueberwachung\/artikel\/1\/internetsperren-auch-fuer-jugendpornos\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Jugendpornografie<br \/><\/a><\/strong>Caren Marks, jugendpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion<\/p>\n<p>&#8226;&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/Medienrechtsforum-Forderungen-nach-Ausweitung-von-Internetsperren--\/meldung\/136764\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Gl&uuml;cksspiele<\/strong><\/a><br \/>Heinrich Sievers, Leiter des Referats Gl&uuml;cksspiel im Hessischen Innenministerium<\/p>\n<p>&#8226;&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.abgeordnetenwatch.de\/thomas_strobl-650-5740--f193477.html#q193477\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Gewaltspiele<\/strong><\/a><br \/>Thomas Strobl, Generalsekret&auml;r der CDU in Baden-W&uuml;rttemberg<\/p>\n<p>&#8226;&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.dphv.de\/index.php?cHash=ad0a1c79e5&amp;id=20&amp;tx_ttnews%5BbackPid%5D=16&amp;tx_ttnews%5Bpointer%5D=1&amp;tx_ttnews%5Btt_news%5D=230\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Pro-Magersucht und Pro-Bulimie-Seiten<br \/><\/strong><\/a>Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbandes&nbsp; <\/p>\n<p>&#8226;&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/Medienrechtsforum-Forderungen-nach-Ausweitung-von-Internetsperren--\/meldung\/136764\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Urheberrechtsverletzungen<br \/><\/strong><\/a>u.a. Christian Sprang, Leiter der Rechtsabteilung des B&ouml;rsenvereins des Deutschen Buchhandels<\/p>\n<p>&#8226;&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.kjm-online.de\/public\/kjm\/downloads\/KJM%20Dritter%20Bericht.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Verst&ouml;&szlig;e gegen den Jugendmedienschutz<br \/><\/strong><\/a>Ank&uuml;ndigung der Umsetzung durch die Kommission f&uuml;r Jugendmedienschutz (KJM)<\/p>\n<p>&#8226;&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/politik\/2009\/08\/15\/csu\/will-neo-nazi-seiten-im-internet-sperren.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>rechtsextreme Propaganda<br \/><\/strong><\/a>Joachim Herrmann (CSU), Innenminister des Landes Bayern<\/p>\n<p>&#8226;&nbsp;<a href=\"http:\/\/blogs.sueddeutsche.de\/schaltzentrale\/2009\/08\/05\/fuenf-thesen-gert-weisskirchen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>antisemitische &Auml;u&szlig;erungen<\/strong><\/a><br \/>Gert Weisskirchen, au&szlig;enpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion<\/p>\n<p>&#8226;&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/Ausweitung-der-Web-Sperren-auf-Hasspropaganda-gefordert--\/meldung\/141770\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Hass-Seiten<\/strong><br \/><\/a>Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma <\/p>\n<p>&#8226;&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.dwdl.de\/story\/21477\/rttgers_liebeserklrung_sentimentalitt_statt_argumente\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>alle umstrittenen Seiten im Internet<\/strong><\/a><br \/>J&uuml;rgen R&uuml;ttgers (CDU), Ministerpr&auml;sident des Landes Nordrhein-Westfalen<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h5><span id=\"nebenwirkungen-und-folgen\">Neben&shy;wir&shy;kungen und Folgen <\/span><\/h5>\n<p>Mangelnde Effizienz ist ein Problem, kontraproduktive L&ouml;sungen ein viel gr&ouml;&szlig;eres: Die KritikerInnen wandten in der Diskussion nicht nur ein, dass die Zugangssperren weitgehend wirkungslos seien und direkte L&ouml;schanfragen mehr Erfolg zeigen, nein sie behaupteten auch, dass die neue Infrastruktur die Verfolgung der T&auml;ter gef&auml;hrden k&ouml;nne. Seien die &#8222;Stopp-Schilder&#8220; n&auml;mlich erst einmal installiert, k&ouml;nnten die Betreiber diese nutzen, um die Erreichbarkeit ihrer Webseiten automatisch zu pr&uuml;fen. Dazu gen&uuml;ge ein kleines Testskript, dass st&auml;ndig die Erreichbarkeit ihrer Seite pr&uuml;fe. Sobald dieses Skript melde, dass ihre Seite auf einer Sperrliste enthalten sei, k&ouml;nnten sie mit ihren Inhalten auf einen neuen Server umziehen und die Zeit nutzen, um ihre Spuren zu verwischen. Zugangssperren k&ouml;nnten eine effektive Strafverfolgung der Anbieter verhindern.<\/p>\n<p>Jenseits der technischen Fragen finden sich auch grunds&auml;tzliche Bedenken gegen eine Filterinfrastruktur. F&uuml;r die Sicherheitspolitik einer demokratischen Gesellschaft gilt schlie&szlig;lich: Zweck und Mittel verhalten sich nicht neutral zueinander. Das hehre Ziel &#8211; der Kampf gegen Kinderpornografie &#8211; darf nicht mit beliebigen Mitteln verteidigt werden. Die Kritiker des Gesetzes haben von Beginn an auf die zu erwartenden Folgen hingewiesen: Ist die Sperrung kinderpornografischer Seiten erst einmal beschlossen, werden weitere Vorschl&auml;ge zur S&auml;uberung des Netzes nicht lang auf sich warten lassen; inzwischen liegen zahlreiche Vorschl&auml;ge auf dem Tisch (s. Infokasten). Dass es dazu kommen w&uuml;rde, verdankt sich wohl zweier Mechanismen. Zum einen ist es die beliebte Salami-Taktik von Sicherheitspolitikern, neue Kontrolltechniken zun&auml;chst gegen die schlimmsten der Schlimmen anzuwenden, um sie dann Schritt f&uuml;r Schritt auf andere Bedrohungen auszuweiten. Daneben spielt aber auch ein aus dem Publikum herr&uuml;hrender Mechanismus demokratischer Diskurse eine wichtige Rolle: Werden die schutzbed&uuml;rftigen Interessen einer Gruppe mit besonderen Sanktionen anerkannt, fordern andere Betroffene nat&uuml;rlich den gleichen vermeintlichen Schutz ein. Mit jeder Sanktion wird also ein Wettlauf um die Anerkennung als zu sch&uuml;tzende Gruppe angeheizt, werden die bestehenden Gleichgewichte zwischen allgemeinen und besonderen, zwischen freiheitlichen und repressiven Interessen in Bewegung gesetzt.<\/p>\n<p>Genau an diesem Punkt zeigt sich die fatale Wirkung des Systems der Zugangssperren: Sie besteht im Aufbau einer Infrastruktur bei den Internetprovidern und der Etablierung organisatorischer und technischer Standards f&uuml;r die Abwicklung des Zensurprozesses. Sind diese erst einmal in der Welt, entfalten sie eine gewisse Eigendynamik. Man kennt dies bereits aus anderen Diskussionen: Warum d&uuml;rfen die LKW-Mautdaten nicht genutzt werden, wenn die Polizei auf der Suche nach einem mutma&szlig;lichen Vergewaltiger ist? Wieso d&uuml;rfen wir den Verd&auml;chtigen nicht mit Hilfe seiner Handy-Standortdaten orten, wenn die ohnehin beim Telefonanbieter gespeichert sind? Kurzum: Warum sollten wir nicht tun, was technisch machbar ist?<\/p>\n<p>Gegen derartige faktizistische Plausibilit&auml;t haben einzelne Betroffene, haben die Verteidiger eines freien Internets kaum eine Chance. Nachdem die D&uuml;sseldorfer Bezirksregierung jahrelang recht erfolglos mit Sperrverf&uuml;gungen gegen vermeintliche rechtsradikale Propaganda im Netz vorgegangen ist, setzt das Zugangserschwerungsgesetz eine neue Dynamik in Gang. Was am Ende von der Meinungs- und Rezipientenfreiheit des Internets &uuml;brig bleiben wird, ist derzeit offen.<\/p>\n<p>Was also k&ouml;nnen die Verteidiger des freien Internets tun? Auf die Einsicht des Gesetzgebers zu vertrauen, w&auml;re naiv. Die im Gesetz angek&uuml;ndigte Evaluation wird kaum helfen, die Internetsperren wieder zu entfernen. Bei der beschlossenen &#8222;Evaluation&#8220; handelt es sich ohnehin nur um einen &#8222;Bericht &uuml;ber die Anwendung des Gesetzes&#8220;, der nicht einmal ansatzweise Neutralit&auml;t und wissenschaftliche Rationalit&auml;t f&uuml;r sich beanspruchen kann. Mittlerweile wurde eine Verfassungsbeschwerde gegen das Gesetz eingereicht, &uuml;ber deren Erfolgsaussichten man nur spekulieren kann. Letztlich wird es davon abh&auml;ngen, ob die in diesem Jahr entstandene Bewegung um dem AK Zensur politische wie technische Perspektiven f&uuml;r ein freies Internet entwickelt.<\/p>\n<p><i>Sven L&uuml;ders<br \/>ist Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der Humanistischen Union<\/i><\/p>\n<p><i>Hintergrund:<\/i><\/p>\n<p><i>Wie einfach das L&ouml;schen inkriminierter Webseiten veranlasst werden kann, dokumentiert der AK Zensur: <\/i><a href=\"http:\/\/ak-zensur.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><i>http:\/\/ak-zensur.de<\/i><\/a><i>.<\/i><\/p>\n<p><i>Eine kritische Lekt&uuml;re der von der Bundesfamilienministerin verbreiteten Zahlen zur Kinderpornografie bietet der &#8222;Verein der Missbrauchsopfer gegen Internetsperren&#8220; (Mogis): <\/i><a href=\"http:\/\/mogis.wordpress.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><i>http:\/\/mogis.wordpress.com<\/i><\/a><i>.<\/i><\/p>\n<p><i>Die Vorgeschichte von Sperrverf&uuml;gungen im nordrhein-westf&auml;lischen Internet schildert Alvar Freude: <\/i><a href=\"http:\/\/odem.org\/informationsfreiheit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><i>http:\/\/odem.org\/informationsfreiheit\/<\/i><\/a><i>.<\/i><\/p>\n","protected":false},"featured_media":4158,"template":"","categories":[31],"tags":[688],"autoren":[139],"publikationen":[929],"class_list":["post-9231","publikation","type-publikation","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-informationsfreiheit","tag-informationsfreiheit","autoren-sven-lueders","publikationen-205-206"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Der Kampf ums Medium. 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