{"id":9438,"date":"2007-07-12T11:43:00","date_gmt":"2007-07-12T09:43:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/nach-den-iii-berliner-gespraechen-wie-geht-es-weiter\/"},"modified":"2021-08-31T10:14:14","modified_gmt":"2021-08-31T08:14:14","slug":"nach-den-iii-berliner-gespraechen-wie-geht-es-weiter","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/197\/publikation\/nach-den-iii-berliner-gespraechen-wie-geht-es-weiter\/","title":{"rendered":"Nach den III. Berliner Gespr\u00e4chen &#8211; wie geht es weiter?"},"content":{"rendered":"<p>Mitteilungen Nr. 197, S. 17<\/p>\n<div><span class=\"migrated-image\"><a href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/bg3_haupt.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-4271 size-medium\" src=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/bg3_haupt-597x450.jpg\" alt=\"Nach den III. 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Sicher gibt es auch hier gelegentlich wissenschaftlichen Streit, aber dabei geht es in der Regel um Nuancen, Feinheiten und &#8211; wie auch in anderen Bereichen &#8211; um Eitelkeiten. Insgesamt halten &#8211; konfessions&uuml;bergreifend &#8211; die Meinungsf&uuml;hrer (Axel von Campenhausen, Hermann Heckel, Alexander Hollerbach, Josef Isensee, Wolfgang R&uuml;fner, um nur einige zu nennen) ihre Herde beisammen und sorgen daf&uuml;r, dass in ihrem Kreise grunds&auml;tzliche Fragen verfassungsrechtlicher wie verfassungspolitischer Art jedenfalls in kritischer Absicht nicht er&ouml;rtert werden. Und erst recht nicht wird dort die doch zweifellos nahe liegende Frage gestellt: Hat die eigene Religionszugeh&ouml;rigkeit, hat die pers&ouml;nliche N&auml;he oder Distanz zum Gegenstand etwas mit der (wissenschaftlichen?) Auffassung zum Thema zu tun?<br \/>Podium der sich immer wieder selbst erzeugenden und best&auml;tigenden &bdquo;herrschenden Meinung&#8220; sind die allj&auml;hrlichen &bdquo;Essener Gespr&auml;che zum Thema Staat und Kirche&#8220;, die von der Di&ouml;zese Essen veranstaltet werden und deren Ergebnisse in einer vom Verlag Aschendorff (M&uuml;nster) herausgegebenen Schriftenreihe publiziert werden, die mittlerweile (im Jahre 2007) 41 B&auml;nde umfasst.<br \/>Nat&uuml;rlich gibt es abweichende Auffassungen, Au&szlig;enseiter, die sich nicht einf&uuml;gen wollen. Ein gro&szlig;er Name aus den Reihen der Humanistischen Union war Erwin Fischer, weitere Namen &#8211; auch aus dem Umkreis der Humanistischen Union &#8211; sind z.B. Ludwig Renck, Gerhard Czermak, Johannes und Ursula Neumann. Aber die werden im Zirkel derer, die das Sagen haben, nicht oder nur abf&auml;llig rezipiert. Eine Einladung zu den Essener Gespr&auml;chen haben sie vermutlich nicht erhalten und w&uuml;rden sie auch nicht erhalten.<br \/>&nbsp;II.<br \/>Diese schwer ertr&auml;gliche Einseitigkeit im rechtswissenschaftlichen Raum etwas aufzulockern, das war f&uuml;r die Humanistische Union einer der Beweggr&uuml;nde, die Berliner Gespr&auml;che zum Verh&auml;ltnis von Staat, Religion und Weltanschauung zu initiieren, die bisher dreimal stattgefunden haben:<br \/>1. &nbsp;im November 2002 im Wissenschaftszentrum Berlin mit den Themen &bdquo;Das Selbstbestimmungsrecht der Kirchen und seine Schranken&#8220; sowie &bdquo;Das kirchliche Arbeitsrecht und die Grundrechte der Arbeitnehmer&#8220;<br \/>2. &nbsp;im Januar 2005 bei und in Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin zum Thema &bdquo;Religionsgemeinschaften in Deutschland &#8211; ihre politische Ethik im Kontext der Verfassung&#8220;<br \/>3. &nbsp;im April 2007 in Kooperation mit der Brandenburgischen Landeszentrale f&uuml;r politische Bildung in der Staatskanzlei in Potsdam zum Thema &bdquo;Das Verh&auml;ltnis der Religionen und Weltanschauungen zu den Grundrechten in der pluralistischen Gesellschaft&#8220;.<br \/>Die Zahl der Teilnehmenden schwankte um 50. Dazu geh&ouml;rten sowohl &bdquo;einfache&#8220; sachkundige und interessierte HU-Mitglieder als auch namhafte Vertreter aus dem Kreise der Rechtswissenschaft sowie ehemalige und amtierende Richter des Bundesverfassungsgerichts. <br \/>Der Ertrag dieser Veranstaltungen muss als unterschiedlich eingesch&auml;tzt werden. Die erste erfuhr allgemeine Anerkennung. Unter dem Titel &bdquo;Selbstbestimmung der Kirchen und B&uuml;rgerrechte&#8220; wurden die Referate und die kontroversen Diskussionen in einem 2004 im Nomos-Verlag erschienenen Band dokumentiert. Die beiden anderen Veranstaltungen, deren Beitr&auml;ge bisher nicht dokumentiert sind, boten ebenfalls bemerkenswerte Einsichten: Vertreter christlicher, muslimischer, j&uuml;discher Religionsgemeinschaften kamen ebenso zu Wort wie Anh&auml;nger humanistischer Weltanschauungen und Atheisten. Allerdings herrschte insgesamt bei diesen Veranstaltungen der Eindruck vor, dass die Akteure sich bem&uuml;hten, ihre jeweils eigene Position darzustellen und zu rechtfertigen. Das mag darauf zur&uuml;ckzuf&uuml;hren sein, dass angesichts allgemein formulierter Themen die Konzentration auf eine zentrale Fragestellung fehlte.<br \/>III. Soll es weitergehen &#8211; wie soll es weitergehen?<br \/>Zu den Hauptanl&auml;ssen f&uuml;r die Gr&uuml;ndung der Humanistischen Union z&auml;hlten in den fr&uuml;hen sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts &bdquo;die kirchlichen Anma&szlig;ungen auf kulturellem und politischem Gebiet&#8220;, so Johannes und Ursula Neumann in ihrem historischen R&uuml;ckblick im Sonderheft &bdquo;40 Jahre B&uuml;rgerrechtsbewegung&#8220; der vorg&auml;nge (Heft 155, Sept. 2001). Daher halte ich es f&uuml;r nahe liegend, dass f&uuml;r die HU das Thema auf der Tagesordnung bleibt. <br \/>Die &bdquo;kirchlichen Anma&szlig;ungen&#8220; nehmen trotz schwindender Mitgliederzahlen und d&uuml;rftiger werdender Verankerung in der Gesellschaft nicht ab. Man k&ouml;nnte meinen, sie nehmen noch zu: Verankerung des konfessionellen Unterrichts in den ostdeutschen L&auml;ndern, Ausweitung konfessioneller Kindertagesst&auml;tten und&nbsp; Privatschulen, Beharren auf christlicher Dominanz in Europa. <br \/>Die Zahl der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger, die bewusst keiner Glaubensgemeinschaft angeh&ouml;ren, w&auml;chst zwar, sie finden aber f&uuml;r ihre Interessen kein &ouml;ffentlich beachtetes Podium. Ein Podium f&uuml;r sie, aber auch f&uuml;r alle anderen an dem Thema &bdquo;Staat, Gesellschaft und Religionsgemeinschaften&#8220; Interessierten und mit diesem Thema Befassten bilden derzeit nur die &bdquo;Berliner Gespr&auml;che&#8220;. Was Not tut, ist, ihnen Kontinuit&auml;t und Profil zu verleihen.<br \/>Kontinuit&auml;t bedeutet nicht, dass allj&auml;hrlich ein Routinetermin stattfindet, sondern dass in gewissen Abst&auml;nden (alle zwei bis drei Jahre) in einer bedeutsamen Veranstaltung die Kr&auml;fte geb&uuml;ndelt werden. Profil hei&szlig;t: kontroverse Positionen zur Darstellung zu bringen, und zwar unter Einschluss von Vertreterinnen und Vertretern des anfangs erw&auml;hnten staats-kirchlichen Kartells, aber eben nicht unter Beschr&auml;nkung auf diese. Es sollten Fachleute des kritischen Spektrums innerhalb wie au&szlig;erhalb der Humanistischen Union gewonnen werden. <br \/>Dabei bietet es sich an, bis auf weiteres die Themen aufzugreifen, die mit dem Privilegiencharakter der christlichen Religionsgemeinschaften in zahlreichen Lebensbereichen zu tun haben, der mit den Gleichheitsgrunds&auml;tzen der Verfassung unvereinbar ist und auch internationalen Standards nicht entspricht. Dazu geh&ouml;ren z.B.<br \/>&middot;&nbsp;die Stellung der Kirchen als &bdquo;K&ouml;rperschaften des &ouml;ffentlichen Rechts&#8220;, <br \/>&middot;&nbsp;der staatliche Kirchensteuereinzug, <br \/>&middot;&nbsp;die Staatsleistungen, <br \/>&middot;&nbsp;der staatliche Religionsunterricht, <br \/>&middot;&nbsp;die theologischen Fakult&auml;ten an den staatlichen Hochschulen, <br \/>&middot;&nbsp;die Milit&auml;rseelsorge.<br \/>Jeder solchen Veranstaltung sollte die Konzentration auf eine zentrale Fragestellung eigen sein.<br \/>IV. <br \/>&Uuml;ber den so beschriebenen Numerus Clausus des staatskirchenrechtlichen Fragenkreises hinaus sollten (daneben oder zu einem sp&auml;teren Zweitpunkt?) die Berliner Gespr&auml;che Fragen von globaler Bedeutung thematisch machen:<br \/>Die zunehmende quantitative Ausbreitung des Islam und anderer nichtchristlicher Religionen, aber auch evangelikaler Bewegungen in Deutschland und in aller Welt d&uuml;rfte zur Folge haben, dass der &bdquo;Kampf der Religionen&#8220; &uuml;berall an Bedeutung gewinnt. In den Konflikten allerorten rund um den Globus, in Kriegen, Fluchtbewegungen und Hungersn&ouml;ten, zeigt sich t&auml;glich, dass Religionen deren Ursache oder Mitursache sind und nicht etwa geeignete Mittel zu ihrer Abhilfe.&nbsp; Trotzdem wird in der Regel die Frage &bdquo;Warum &uuml;berhaupt Religion(sgemeinschaften)?&#8220; nicht gestellt oder verdr&auml;ngt.<br \/>Die gesellschaftlich desintegrierende, polarisierende, Konflikte verursachende&nbsp; Wirkung der Religionen zeigt sich nicht nur in den islamischen L&auml;ndern mit ihren verschiedenen &bdquo;Fraktionen&#8220; des moslemischen Glaubens, sondern nach dem Zerfall des Ostblocks auch in Russland und anderen osteurop&auml;ischen Staaten.<br \/>An Stoff wird es den Berliner Gespr&auml;chen nicht mangeln. Und an Mut, die Themen aufzugreifen, sollte es unserer B&uuml;rger- und Menschenrechtsbewegung auch nicht mangeln.<br \/>Johann-Albrecht Haupt<\/p>\n","protected":false},"featured_media":4271,"template":"","categories":[4],"tags":[723],"autoren":[183],"publikationen":[938],"class_list":["post-9438","publikation","type-publikation","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-berliner-gespraeche","tag-berliner-gespraeche","autoren-johann-albrecht-haupt","publikationen-938"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Nach den III. 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