{"id":9467,"date":"2006-12-14T22:40:00","date_gmt":"2006-12-14T21:40:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/die-hu-auf-dem-weg-nach-europa\/"},"modified":"2021-08-31T10:14:10","modified_gmt":"2021-08-31T08:14:10","slug":"die-hu-auf-dem-weg-nach-europa","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/195\/publikation\/die-hu-auf-dem-weg-nach-europa\/","title":{"rendered":"Die HU auf dem Weg nach Europa"},"content":{"rendered":"<p>Workshop zur B&uuml;rgerrechtsarbeit in Europa am 2.\/3. September in Berlin<\/p>\n<p>Mitteilungen Nr. 195, S. 22-23<\/p>\n<div><span class=\"migrated-image\"><a href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/eu1a.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-4289 size-medium\" src=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/eu1a-600x347.jpg\" alt=\"Die HU auf dem Weg nach Europa\" width=\"600\" height=\"347\" srcset=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/eu1a-600x347.jpg 600w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/eu1a-2048x1185.jpg 2048w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/eu1a-450x260.jpg 450w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/eu1a-768x445.jpg 768w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/eu1a-1000x579.jpg 1000w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/eu1a-1536x889.jpg 1536w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/eu1a-800x463.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/span><\/p>\n<p class=\"news-single-imgcaption\">\n<\/div>\n<p>Am ersten September-Wochenende fand in Berlin der Workshop &bdquo;Die Europ&auml;ische Union als Raum der B&uuml;rgerrechtspolitik&ldquo; statt. 15 aktive HU-MitstreiterInnen waren der Einladung des Bundesverbandes und des nordrhein-westf&auml;lischen Bildungswerkes der HU gefolgt, um sich zu Fragen des Grundrechtsschutzes in Europa, des institutionellen Aufbaus der Europ&auml;ischen Union und der Finanzierungs- und Kooperationsm&ouml;glichkeiten einer europ&auml;isch ausgerichteten B&uuml;rgerrechtsarbeit zu informieren. Erfreulich war, dass unter den TeilnehmerInnen nicht nur &bdquo;altbekannte&ldquo; Gesichter, sondern auch einige bisher &bdquo;stille&ldquo; Mitglieder zu finden waren. Das dichte Programm des Workshops wurde am Samstag mit einem Vortrag von Martin Kutscha &uuml;ber die &bdquo;Rechtsquellen europ&auml;ischer B&uuml;rger- und Grundrechte&ldquo; er&ouml;ffnet. Sein &Uuml;berblick &uuml;ber die gerichtlichen M&ouml;glichkeiten eines Grundrechtsschutzes in Europa begann mit einer ern&uuml;chternden Bilanz: In der Europ&auml;ischen Union stehen die Fragen eines gemeinsamen Wirtschafts- und Handelsraumes immer noch im Vordergrund, der Schutz der Grund- und B&uuml;rgerrechte der EU-B&uuml;rgerInnen spiele dagegen eine nachgeordnete Rolle. Nach dem (vorl&auml;ufigen) Scheitern des europ&auml;ischen Verfassungsprojektes gibt es keine verbindliche Grundrechte-Charta und damit auch keinen rechtsverbindlichen Grundrechte-Katalog. Die Rechtsprechung des Europ&auml;ischen Gerichtshofes (EuGH) in Den Haag sei in Bezug auf den Grundrechtsschutz nur rudiment&auml;r, direkte Klagen von EU-B&uuml;rgern vor dem EuGH nicht vorgesehen. Der EuGH k&ouml;nne sich nur auf &bdquo;gemeinsame Verfassungstraditionen&ldquo; der europ&auml;ischen Staaten berufen. Anhand zahlreicher beispielhafter Entscheidungen verdeutlichte Martin Kutscha das grundrechtliche Profil des EuGH, etwa in Fragen des freien Zugangs zum Beruf und der Gleichstellung. Anschlie&szlig;end ging Martin Kutscha auf die Bedeutung von Europ&auml;ischer Menschenrechtskonvention (EMRK) und Europ&auml;ischem Gerichtshof f&uuml;r Menschenrechte (EuGHMR) f&uuml;r den Grundrechtsschutz ein. Durch einen verbindlichen Grundrechts-Katalog und die M&ouml;glichkeiten einer Individualbeschwerde vor dem EuGHMR b&ouml;ten diese beiden Institutionen einen wesentlich ausgepr&auml;gteren Schutz der Grundrechte als der EuGH. Jedoch sei die EMRK nur eingeschr&auml;nkt wirksam &ndash; in Deutschland etwa komme ihr nur der Rang einfachen Rechts zu. Obwohl alle Mitgliedsstaaten der EU die Konvention unterzeichnet haben, entfalte die EMRK als Produkt des Europarates keine unmittelbare Wirkung im europ&auml;ischen Raum. Die unterzeichnenden Staaten seien zwar v&ouml;lkerrechtlich an die Urteile des Europ&auml;ischen Gerichtshofes f&uuml;r Menschenrechte gebunden, jedoch w&uuml;rden sie nicht die durch nationale Instanzen gef&auml;llten Urteile aufheben. Nicht zuletzt habe auch das Bundesverfassungsgericht f&uuml;r Deutschland eine m&ouml;gliche Abweichung nationaler Gesetze von den Entscheidungen des EuGHMR zugelassen. Nach dieser europarechtlichen Tour de Force &uuml;bernahm Bj&ouml;rn Schreinermacher die Aufgabe, den Aufbau der grundlegenden Institutionen der EU und ihrer Entscheidungswege zu erl&auml;utern. Zun&auml;chst stellte er dazu die drei S&auml;ulen der europ&auml;ischen Zusammenarbeitvor: die Zusammenarbeit in Wirtschaftsfragen(EG), die Gemeinsame Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik(GASP) sowie die Zusammenarbeitin Fragen der Justiz undder Inneren Sicherheit.W&auml;hrend die HU auf nationaler Ebene relativ systematisch die Entwicklung neuer Vorschl&auml;ge, Gesetzesinitiativen und Entscheidungen beobachtet und verfolgt, stellt sich dies auf europ&auml;ischer Ebene wesentlich schwieriger dar. Es entsprach wohl der Erfahrung vieler TeilnehmerInnen, dass wir Entwicklungen auf europ&auml;ischer Ebene h&auml;ufig erst dann wahrnehmen, wenn die entsprechenden Entscheidungen bereits gefallen sind. Insofern war es besonders hilfreich, dass Bj&ouml;rn Schreinermacher in seiner Darstellung der institutionellen Strukturen darauf einging, an welchen Stellen innerhalb des EU-Entscheidungsgeflechtes eine europ&auml;ische B&uuml;rgerrechtsarbeit einsetzen sollte. Hierbei hob er besonders den Ausschuss der St&auml;ndigen Vertreter (COREPER) hervor, der die Sitzungen des Rates der EU vorbereite. In diesem in Br&uuml;ssel angesiedelten Kreis von L&auml;ndervertretern f&auml;nden die entscheidenden Abstimmungs- und Aushandlungsprozesse statt, weshalb eine systematische Beobachtung seiner Arbeit wertvolle Hinweise &uuml;ber bevorstehende Entscheidungen geben k&ouml;nne. Im weiteren Verlauf gab Bj&ouml;rn Schreinermacher einen &Uuml;berblick &uuml;ber die Formen der Rechtssetzung auf europ&auml;ischer Ebene (Verordnungen, Richtlinien, Rahmenbeschl&uuml;sse), &uuml;ber das Verh&auml;ltnis von Kommission und Parlament und die Grenzen der parlamentarischen Beteiligung sowie die Formen des Rechtsschutzes beim EuGH. Nach diesen umfangreichen Informationen sollte das neue Wissen gleich praktisch genutzt werden: In einer ersten Gruppenarbeitsphase wurden deshalb am Beispiel der EU-Richtlinie &uuml;ber die Vorratsdatenspeicherung die Entscheidungswege und -zeitr&auml;ume rekonstruiert. Die Internet-Recherchen zeigten, dass es nicht so einfach ist, &uuml;ber die Webseiten der EU an alle notwendigen Ratsdokumente und Protokolle zu gelangen. Immerhin konnte aber ein Protokoll des Ausschusses der St&auml;ndigen Vertreter vom 5. Oktober 2005 gefunden werden, aus dem das Scheitern der Verhandlungen um einen Rahmenbeschluss hervorging. Die anschlie&szlig;ende Umorientierung auf eine neue Rechtsgrundlage (Richtlinie statt Rahmenbeschluss) und die Aushandlung ihrer Inhalte verlief dann sehr schnell &ndash; bereits am 14. Dezember 2005 wurde dem Europaparlament der fertige Entwurf der Richtlinie zur Beschlussfassung vorgelegt. Weitere Gruppenrecherchen widmeten sich am Sonntag m&ouml;glichen Kooperationspartnern auf europ&auml;ischer Ebene und Finanzierungsquellen f&uuml;r eine europ&auml;ische B&uuml;rgerrechtsarbeit. Auch hier wurde schnell die Un&uuml;bersichtlichkeit des Informationsangebotes der EU deutlich. Zum einen ist es aufwendig, ein passendes F&ouml;rderprogramm zu finden, zum anderen sind die Anforderungen an die Antragsteller zum Teil un&uuml;berwindbar hoch. Viele praktische Anregungen, um sich im &bdquo;EU-Dschungel&ldquo; zurechtzufinden, gab ein Vortrag von Ben Hayes, der die Arbeit der britischen NGO statewatch vorstellte. Die 1991 als Reaktion auf den Maastrichter Vertrag (wieder)gegr&uuml;ndete Gruppe hat sich die Beobachtung und Dokumentation von politischen Entscheidungsprozessen in der EU zur Aufgabe gemacht. Statewatch versteht sich vordergr&uuml;ndig als Informationsdienst , der haupts&auml;chlich auf die Ver&ouml;ffentlichung von Dokumenten der EU spezialisiert ist und nur zu ausgew&auml;hlten sicherheitspolitischen Themen inhaltliche Dossiers und Analysen anbietet. Wie die TeilnehmerInnen des Workshops bei ihren eigenen Recherchen erfahren mussten, ist die Zug&auml;nglichkeit von Dokumenten der EU-Gremien durch un&uuml;bersichtliche Webangebote, aber auch durch zahlreiche verschlossen gehaltene Dokumente stark eingeschr&auml;nkt. Nach Einsch&auml;tzung von statewatch betrifft dies etwa 40 Prozent aller Dokumente aus dem Council Document Repository , dem offiziellen Dokumentenverzeichnis der EU. Wie Ben Hayes an ausgew&auml;hlten Themen zeigen konnte, bietet der Webauftritt von statewatch eine fundierte Informationsquelle , die entsprechend viele Interessenten f&uuml;r ihre Arbeit nutzen. Der Workshop hat nach Meinung aller TeilnehmerInnen viel Neues gebracht: sowohl die sehr gut vorbereiteten Referate , aber auch die eigene Recherchearbeit haben dazu beigetragen , die b&uuml;rgerrechtliche Arbeit k&uuml;nftig st&auml;rker europ&auml;isch auszurichten. Viele der TeilnehmerInnen waren sich darin einig, dass dieses lehrreiche Wochenende nur ein erster Anfang sein kann und eine Fortsetzung w&uuml;nschenswert ist. Mit einer Vertiefung auf europ&auml;ische Finanzierungsm&ouml;glichkeiten wurde auch schon das Thema einer m&ouml;glichen Fortsetzung im n&auml;chsten Jahr gefunden. Europa-Interessierte, die sich in die Fortf&uuml;hrung dieser Arbeit einbringen wollen, k&ouml;nnen sich gern an die Bundesgesch&auml;ftsstelle wenden. Die Vortr&auml;ge des Workshops sowie die Ergebnisse der Gruppenrecherchen zu Finanzquellen und europ&auml;ischen Kooperationspartnern sind demn&auml;chst &uuml;ber die Homepage unter <a href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/europa\/\">www.humanistische-union.de\/europa\/<\/a> abrufbar.<\/p>\n<p>Martina Kant<\/p>\n","protected":false},"featured_media":4289,"template":"","categories":[69],"tags":[663,695],"autoren":[219],"publikationen":[918],"class_list":["post-9467","publikation","type-publikation","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-europa","tag-europa","tag-veranstaltungen-berichte","autoren-martina-kant","publikationen-918"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die HU auf dem Weg nach Europa - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/195\/publikation\/die-hu-auf-dem-weg-nach-europa\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Die HU auf dem Weg nach Europa - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Workshop zur B&uuml;rgerrechtsarbeit in Europa am 2.\/3. 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