{"id":9528,"date":"2005-12-15T18:20:00","date_gmt":"2005-12-15T17:20:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/hu-protestiert-gegen-den-epass\/"},"modified":"2021-08-31T10:14:02","modified_gmt":"2021-08-31T08:14:02","slug":"hu-protestiert-gegen-den-epass","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/191\/publikation\/hu-protestiert-gegen-den-epass\/","title":{"rendered":"HU protestiert gegen den ePass"},"content":{"rendered":"<p>Mitteilungen Nr. 191, S.6-7<\/p>\n<p>In Deutschland werden seit dem 1. November 2005 bei der Beantragung neuer Reisep&auml;sse von den Antragstellern biometrische Daten erhoben und in einem in die H&uuml;lle des Passes integrierten Chip abgespeichert. Ab dem Jahr 2007 werden zus&auml;tzlich die Fingerabdr&uuml;cke beider Zeigefinger gescannt und die so gewonnenen biometrischen Daten ebenfalls auf dem Chip im Pass abgelegt. Diese Erweiterung der Personenmerkmale, die in den Reisepass, den Personalausweis sowie die Ausweisdokumente f&uuml;r in Deutschland lebende Ausl&auml;nder (siehe Infokasten) aufgenommen werden, ist durch das Terrorismusbek&auml;mpfungsgesetz vom 9. Januar 2002 erm&ouml;glicht worden.<\/p>\n<p>Durch die Erhebung biometrischer Personenmerkmale wird erheblich in das grundrechtlich gesch&uuml;tzte Recht auf informationelle Selbstbestimmung eingegriffen: Die Nutzungsm&ouml;glichkeiten biometrischer Daten f&uuml;r die Personenerkennung unterscheiden sich grunds&auml;tzlich von den bisher in den deutschen Ausweisdokumenten vermerkten Personenmerkmalen. Gespeichert wird nicht einfach eine elektronische Version des bekannten Passbildes. Vielmehr wird das bei der Beantragung des Passes abgegebene Bild systematisch vermessen. So wird eine mathematische Beschreibung des Gesichts erstellt. Diese mathematische Beschreibung, nicht die elektronische Version des Bildes, stellt das neue biometrische Merkmal dar. Exakte biometrische Daten sind die Voraussetzung f&uuml;r eine automatisierte Personenerkennung. Je nachdem, welche biometrischen Daten zur Verf&uuml;gung stehen, kann diese Personenerkennung nicht nur automatisch, sondern auch unbemerkt, z.B. mit Hilfe einer &Uuml;berwachungskamera, realisiert werden.<\/p>\n<p>Dar&uuml;ber hinaus enthalten bestimmte biometrische Daten, wie beispielsweise der Irishintergrund, weiterreichende Informationen, hier zum Gesundheitszustand. Diese Informationen werden nicht nur bei der Erhebung der Daten f&uuml;r die Herstellung des Ausweispapiers, sondern auch bei jeder &Uuml;berpr&uuml;fung der Identit&auml;t des Tr&auml;gers des Ausweises neu erhoben.<\/p>\n<p>Nach der jetzt geltenden Rechtslage sollen die Daten mit den Personenmerkmalen ausschlie&szlig;lich dezentral bei den Stellen aufbewahrt werden, die die Papiere ausstellen. Bei Personenkontrollen beispielsweise k&ouml;nnte damit kein automatischer Abgleich der biometrischen Daten mit Fahndungsdateien vorgenommen werden. Die biometrischen Daten st&auml;nden ausschlie&szlig;lich f&uuml;r die &Uuml;berpr&uuml;fung der Zusammengeh&ouml;rigkeit von Ausweis und Ausweistr&auml;ger zur Verf&uuml;gung. Eine Zusammenf&uuml;hrung der biometrischen Daten in einer zentralen Datenbank ist jedoch technisch ein Leichtes, sollte die Rechtsgrundlage daf&uuml;r beschlossen werden. Diese Bef&uuml;rchtung ist naheliegend. Sie wird bereits vom Bund Deutscher Kriminalbeamter vorgetragen. In die gleiche Richtung weist der Vorsto&szlig; von Innenminister Sch&auml;uble, die bei der Autobahn-Maut-Erfassung anfallenden Daten zu Fahndungszwecken zu nutzen. F&uuml;r den Aufbau von &Uuml;berwachungstechnik, die biometrische Personendaten verwendet, ist die Erhebung der Originaldaten der mit Abstand gr&ouml;&szlig;te Aufwand. Dieser Schritt wird jetzt getan. Die umfangreiche Nutzung der Daten wird nicht lange auf sich warten lassen. Die Bundesdruckerei wirbt auf ihrer Website bereits mit den neuen technischen M&ouml;glichkeiten.<\/p>\n<p>Ein weiteres Problemfeld ergibt sich aus der internationalen Verbreitung der biometrischen Daten in den Ausweispapieren, besonders dem Reisepass. Zuk&uuml;nftig werden an internationalen Grenzen Ger&auml;te vorhanden sein, mit deren Hilfe die biometrischen Daten aus den P&auml;ssen ausgelesen werden k&ouml;nnen. Die Zuordnung von Ausweistr&auml;ger und Ausweis l&auml;sst sich aber nur dann sicherstellen, wenn gleichzeitig die entsprechenden biometrischen Daten der Ausweistr&auml;ger aktuell erhoben und mit den auf dem Pass gespeicherten Daten abgeglichen werden. Die Grenzbeh&ouml;rden der Staaten erhalten hierdurch zweimal biometrische Daten der Personen, die die Grenze &uuml;bertreten m&ouml;chten. Aber auch Staaten, die auf einen Abgleich der aktuellen mit den gespeicherten biometrischen Daten verzichten, haben die M&ouml;glichkeit, die Daten aus den P&auml;ssen auszulesen und damit eigene Datenbanken anzulegen. Deren Nutzung kann durch den deutschen Gesetzgeber nicht mehr kontrolliert werden.<\/p>\n<p>Die internationale Verteilung der im ePass gespeicherten Daten soll durch eine Verschl&uuml;sselung auf vertrauensw&uuml;rdige Staaten beschr&auml;nkt werden. Dieses Versprechen ist jedoch wenig tragf&auml;hig. Aus politischen Gr&uuml;nden wird es schwer sein, Verb&uuml;ndeten im Kampf gegen Terrorismus, wie Pakistan oder Saudi-Arabien, die Leseger&auml;te zu verweigern. Auch praktisch d&uuml;rfte der Zugriff auf die Daten im ePass kaum kontrollierbar sein. Leseger&auml;te k&ouml;nnen gestohlen oder nachgebaut, Verschl&uuml;sselungen &uuml;berwunden werden. Selbst wenn die Entwicklung der Technik zum Knacken der Datensicherungen einige Zeit in Anspruch nimmt, ist bei der Geschwindigkeit der technischen Entwicklung nicht damit zu rechnen, dass der Schutz lange h&auml;lt. Die Geltungsdauer der P&auml;sse betr&auml;gt zehn Jahre. Eine Anpassung der Schutzmechanismen ist deshalb nur in langen Zyklen m&ouml;glich.<\/p>\n<p>Die Humanistische Union hat aus diesen Gr&uuml;nden gegen die Einf&uuml;hrung der neuen P&auml;sse protestiert (s. Pressemitteilung vom 4. Oktober 2005) und&nbsp;&nbsp;anl&auml;sslich der Pressekonferenz der Bitcom zum ePass gemeinsam mit dem Chaos Computer Club (CCC), dem Forum InformatikerInnen f&uuml;r Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FifF) und den JungdemokratInnen\/Junge Linke auch demonstriert.<\/p>\n<p>Wieso aber veranstaltet die Bitcom &ndash; Deutschlands wichtigster I&amp;K-Industrieverband &ndash; eine Pressekonferenz zum ePass? Die Beantwortung dieser Frage erkl&auml;rt die Eile, mit der der ePass in Deutschland eingef&uuml;hrt wird. Die Einf&uuml;hrung wurde grunds&auml;tzlich von der EU-Innenministerkonferenz auf Dr&auml;ngen der USA beschlossen, um f&uuml;r EU-B&uuml;rger weiterhin eine visafreie Einreise in die USA zu erm&ouml;glichen. Pikant an der Forderung der US-Regierung ist, dass sie entsprechende Papiere im eigenen Land nicht einf&uuml;hrt. Die Frist, bis zu der die Ausgabe der neuen Ausweise begonnen haben soll, endet erst mit dem Ablauf des kommenden Jahres. Die vorfristige Einf&uuml;hrung des ePasses in Deutschland ist der wirtschaftspolitischen &Uuml;berlegung geschuldet, die fr&uuml;he Einf&uuml;hrung bringe den damit besch&auml;ftigten deutschen Unternehmen Wettbewerbsvorteile. Bei der Bitcom Pressekonferenz, bei der auch ein Vertreter des Innenministeriums sprach, war Sicherheit deshalb kein relevantes Thema. Im Zentrum der Veranstaltung standen die Wachstumsaussichten der Biometrieindustrie.<\/p>\n<p>Die Erfolgsaussichten einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht gegen den ePass werden vom Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar pessimistisch eingesch&auml;tzt. In der breiten &Ouml;ffentlichkeit hat die Einf&uuml;hrung des ePasses keine politisch relevanten Proteste hervorgerufen. Eine Chance f&uuml;r die Organisation eines breiteren politischen Widerstandes ergibt sich wahrscheinlich erst, wenn das Scannen der Fingerabdr&uuml;cke Teil der Beantragung eines neuen Passes wird.<\/p>\n<p><b>Weitere Informationen:<\/b><\/p>\n<p>Hintergrundinformationen zu den neuen Reisep&auml;ssen finden sich auf den Seiten der Bundesdruckerei und des Bundesamtes f&uuml;r Sicherheit in der Informationstechnik (BSI):<br \/><a href=\"http:\/\/www.bundesdruckerei.de\/de\/support\/download\/speci_pass.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.bundesdruckerei.de\/de\/support\/download\/speci_pass.pdf<\/a><br \/><a href=\"http:\/\/www.bsi.bund.de\/fachthem\/epass\/index.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.bsi.bund.de\/fachthem\/epass\/index.htm<\/a><\/p>\n<p>Kritisch setzen sich die Experten des Chaos Computer Clubs mit dem angeblichen Sicherheitsgewinn der neuen P&auml;sse auseinander:<br \/><a href=\"http:\/\/www.ccc.de\/epass\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.ccc.de\/epass\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[12,24],"tags":[662,671],"autoren":[318],"publikationen":[943],"class_list":["post-9528","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","category-datenschutz","category-innere-sicherheit","tag-datenschutz","tag-innere-sicherheit","autoren-christoph-bruch","publikationen-943"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>HU protestiert gegen den ePass - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/191\/publikation\/hu-protestiert-gegen-den-epass\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"HU protestiert gegen den ePass - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Mitteilungen Nr. 191, S.6-7 In Deutschland werden seit dem 1. 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