{"id":9707,"date":"2002-06-20T19:30:00","date_gmt":"2002-06-20T17:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/zwei-anmerkungen-zu-den-mitteilungen-nr-177\/"},"modified":"2002-06-20T12:00:00","modified_gmt":"2002-06-20T10:00:00","slug":"zwei-anmerkungen-zu-den-mitteilungen-nr-177","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/177\/publikation\/zwei-anmerkungen-zu-den-mitteilungen-nr-177\/","title":{"rendered":"Zwei Anmerkungen zu den Mitteilungen Nr. 177"},"content":{"rendered":"<p>Mitteilungen Nr. 177, S.31<\/p>\n<p>Buchbesprechungen &#150; Max Kruse<\/p>\n<p>Die &#132;knappe Bilanz der Kulturgeschichte&#147; Max Kruses geht von der heute mit guten Gr\u00fcnden bestrittenen wissenschaftlichen Meinung fr\u00fcherer Jahrhunderte aus, da\u00df der &#132;Mensch des Menschen Wolf&#147; sei. Diese Auffassung vom &#132;Wilden&#147; pa\u00dfte nur zu gut zu den Zielen der wei\u00dfen Kolonisatoren.<br \/>Pal\u00e4ontologie, Arch\u00e4ologie und Ethnologie haben inzwischen ganz andere Erkenntnisse gewonnen (gut dargestellt in Jost Herbigs &#132;Am Anfang war das Wort&#147;). In den zun\u00e4chst \u00e4u\u00dferst d\u00fcnn bewohnten Gebieten waren die Menschen auf andere Menschen zum \u00dcberleben angewiesen. Das erste Werkzeug, meint Herbig, war wahrscheinlich nicht ein Steinmesser,\u00a0sondern ein Tragebeutel zum Transport gesammelter Nahrung, um sie mit den anderen im Lager zu teilen. Erfolgreiche Jagd verlangte Zusammenarbeit und Verst\u00e4ndigung.<br \/>Gastfreundschaft gilt und galt allen Naturv\u00f6lkern als hoher Wert. Und so weiter. Auch was wir \u00fcber heutige &#132;Steinzeitmenschen&#147; wissen, widerspricht der These vom &#132;Zerst\u00f6rungstrieb&#147;, der der Moral vorauseile.<br \/>Nein, ich f\u00fcrchte, unsere heutigen Probleme k\u00f6nnen wir nicht dem Steinzeitmenschen in uns anlasten. Wir sehen uns nicht mehr wie er als Teil der Natur; wir wollen nicht mehr teilen, sondern mehr haben als die anderen; als Gast empfangen wir nur, wen wir brauchen; unser Gott ist nicht ein Baumgeist, sondern das Geld. Und so weiter.<\/p>\n<p>Zu Frau Prof. Dr. Gisela Charlotte Fischers Vorschl\u00e4gen<\/p>\n<p>Einen gestaffelten Berufsausstieg haben wir schon. Auch im<br \/>\u00f6ffentlichen Dienst kann \u00fcber die 65-Jahre-Grenze hinaus gearbeitet<br \/>werden. Ob das allerdings angesichts so vieler arbeitsloser junger Leute w\u00fcnschenswert ist? Die Koppelung der Rente an eine verpflichtende ehrenamtliche T\u00e4tigkeit finde ich sehr problematisch:<br \/>1. erwirbt man ja durch seine jahrelangen Einzahlungen ein<br \/>Anrecht auf eine Rente;<br \/>2.wer soll die individuellen Kapazit\u00e4ten beurteilen? Der letzte<br \/>Arbeitgeber? Wieviele Menschen sind nicht froh, endlich<br \/>ihre ungeliebte T\u00e4tigkeit aufgeben zu k\u00f6nnen; sollen<br \/>sie trotzdem weiter verpflichtet werden? Oder wenigstens<br \/>Laub harken?<br \/>3.wer in h\u00f6herem Alter richtig arbeitet, mu\u00df auch richtig<br \/>daf\u00fcr bezahlt werden; viele Menschen m\u00fcssen n\u00e4mlich<br \/>heute schon ihre Rente durch Arbeit aufbessern, um \u00fcber<br \/>die Runden zu kommen;<br \/>4. die finanziellen Engp\u00e4sse in den Kommunen sind politisch<br \/>gemacht (durch Umverteilung der Steuern von Kommunen<br \/>zu L\u00e4ndern zum Bund). Diese Entwicklung mu\u00df<br \/>zur\u00fcckgedreht und nicht durch den Einsatz von Rentnern<br \/>noch unterst\u00fctzt werden;<br \/>5.wenn Rentner unentgeltlich au\u00dferhalb des Stellenplans<br \/>arbeiten statt notwendige Ausweitungen der Stellenpl\u00e4ne<br \/>politisch zu unterst\u00fctzen,werden die jungen Arbeitslosen<br \/>ihnen das, mit Recht, kaum danken.<br \/>6. Umfragen zeigen eine hohe Bereitschaft der Bev\u00f6lkerung,<br \/>Beitragserh\u00f6hungen in Kauf zu nehmen, wenn sich dadurch<br \/>die gesundheitliche Versorgung verbessert.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die &#132;\u00f6ffentliche Diskussion&#147; soll wahrscheinlich die Privatisierung des Gesundheitswesens vorbereiten, die unsere Regierung als n\u00e4chsten Schritt nach der Riester-Rente durchsetzen will. Die richtige Antwort darauf scheint mir nicht, \u00e4ltere Leute ehrenamtlich auf m\u00f6gliche Arbeitspl\u00e4tze j\u00fcngerer zu setzen, sondern politisch gegen diese Pl\u00e4ne zu k\u00e4mpfen.<br \/>Selbstverst\u00e4ndlich stimme ich der Autorin zu, da\u00df es f\u00fcr die<br \/>Lebensqualit\u00e4t und Gesundheit \u00e4lterer Menschen wichtig ist, etwas Sinnvolles zu tun zu haben. Ich halte es f\u00fcr eine gute Idee, durch steuerliche und vor allem sonstige Verg\u00fcnstigungen f\u00fcr ehrenamt-liche T\u00e4tigkeiten zu werben. Aber es darf sich nur um echte ehrenamtliche T\u00e4tigkeiten handeln und nicht um verkappte Arbeitspl\u00e4tze, also zum Beispiel Mitarbeit in der Friedens- oder \u00d6kologiebewegung, nachbarschaftliche Hilfe, gr\u00fcne Damen, Schulaufgabenhilfe, interkulturelle Gespr\u00e4chskreise, Tauschringe oder Beratung von Existenzgr\u00fcnderInnen. Und es mu\u00df ohne finanzielle Einbu\u00dfen m\u00f6glich bleiben, endlich noch mal seinen gesamten Shakespeare zu lesen, finnisch zu lernen, sein eigenes Gem\u00fcse zu z\u00fcchten oder eine Weltreise zu machen.<\/p>\n<p>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Antonie Brinkmann<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[],"autoren":[313],"publikationen":[957],"class_list":["post-9707","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","autoren-antonie-brinkmann","publikationen-957"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Zwei Anmerkungen zu den Mitteilungen Nr. 177 - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/177\/publikation\/zwei-anmerkungen-zu-den-mitteilungen-nr-177\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Zwei Anmerkungen zu den Mitteilungen Nr. 177 - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Mitteilungen Nr. 177, S.31 Buchbesprechungen &#150; Max Kruse Die &#132;knappe Bilanz der Kulturgeschichte&#147; Max Kruses geht von der heute mit guten Gr\u00fcnden bestrittenen wissenschaftlichen Meinung fr\u00fcherer Jahrhunderte aus, da\u00df der &#132;Mensch des Menschen Wolf&#147; sei. 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