{"id":3527,"count":16,"description":"Identit\u00e4tspolitik bedeutet nicht nur ein <em>Kampf um Anerkennung<\/em> im Sinne von Axel Honneths gleichnamigen Buch, sondern ein sozialer Triggerpunkt, wie es j\u00fcngst Steffan Mau, Thomas Lux und Linus Westheuser in ihrem Buch <em>Triggerpunkte<\/em>\u00a0(Berlin 2023) beschrieben haben. H\u00e4ufig in der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit stehen dann Begriffe und Konzepte, die die Identit\u00e4tspolitik ber\u00fchren, wie \u201eWokeness\u201c, eine vermeintliche Cancel Culture, Diversit\u00e4t und in Deutschland der Genderstern und das Selbstbestimmungsgesetz. Wieso ist das so, und wieso triggert dies nicht nur rechte und konservative, sondern auch linke und liberale Personen und Gruppen? Das liegt daran, dass man, so Georg Auernheimer in seinem Buch Identit\u00e4t und Identit\u00e4tspolitik (K\u00f6ln 2020), Identit\u00e4tspolitik in dreierlei Hinsicht verstehen kann: erstens, als (neue) soziale Bewegung einer sich selbst zugeschriebenen oder akzeptierten Identit\u00e4t (wie Antirassismus- oder Homosexuellenbewegungen), zweitens als fundamentalistische Bewegung und drittens als rechtkonservative und rechtsextreme Politiken (wie die Bewegung der \u201eIdentit\u00e4ren\u201c). W\u00e4hrend Erstere als menschen- und b\u00fcrgerrechtliche Bewegung von Minderheiten eingestuft werden kann, ist das Dritte typisch reaktion\u00e4r, naturalistisch und negiert andere Identit\u00e4tspolitiken oder Rechte von Minderheiten. Die fundamentalistischen Bewegungen wiederum seien ideologisch, militant, missionarisch und emotional.\r\n\r\nDieses Spannungsverh\u00e4ltnis aus Antidiskriminierung und Selbstbestimmung einerseits und der Kritik gesellschaftlicher Spaltung und des Verlusts eines emanzipatorischen Potenzials m\u00fcssen auch menschen- und b\u00fcrgerrechtliche Organisationen, wie die Humanistische Union, untersuchen. Ohne sich den gegenw\u00e4rtigen polemischen Debatten zu ergeben, soll es daher im vorliegenden Heft der <strong>vor<\/strong><em>g\u00e4nge<\/em> aus b\u00fcrgerrechtlicher und gesellschaftspolitischer Perspektive darum gehen, ausgew\u00e4hlte Bestrebungen und Bed\u00fcrfnisse, die unter dem Begriff Identit\u00e4tspolitik subsumiert werden, zu analysieren und gesellschaftlich und juristisch zu kontextualisieren, um \u00fcber Fragen der Legitimit\u00e4t bestimmter Politiken und die grundrechtlichen Bez\u00fcge zu diskutieren \u2013 abgek\u00fchlt, aber dennoch b\u00fcrgerrechtlich engagiert. 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