{"id":14396,"date":"2007-11-29T11:50:00","date_gmt":"2007-11-29T10:50:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/veranstaltungen\/termin\/grenzen-der-toleranz\/"},"modified":"2021-08-30T15:43:38","modified_gmt":"2021-08-30T13:43:38","slug":"grenzen-der-toleranz","status":"publish","type":"termin","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/veranstaltungsberichte\/2007\/grenzen-der-toleranz\/","title":{"rendered":"Grenzen der Toleranz?"},"content":{"rendered":"<p>Mitteilungen Nr. 199, Seite 22 &#8211; 24<\/p>\n<div><span class=\"migrated-image\"><a href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/HU-HH-Vortrag-MSS2.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-4257 size-medium\" src=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/HU-HH-Vortrag-MSS2-416x450.jpg\" alt=\"Grenzen der Toleranz?\" width=\"416\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/HU-HH-Vortrag-MSS2-416x450.jpg 416w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/HU-HH-Vortrag-MSS2-555x600.jpg 555w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/HU-HH-Vortrag-MSS2-312x337.jpg 312w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/HU-HH-Vortrag-MSS2.jpg 582w\" sizes=\"auto, (max-width: 416px) 100vw, 416px\" \/><\/a><\/span><\/p>\n<p class=\"news-single-imgcaption\">\n<\/div>\n<p><i>Ist Toleranz ein &bdquo;Wert an sich&#8220; oder ein blo&szlig; relativer Begriff? <br \/>Ist derjenige, der Intoleranz toleriert, tats&auml;chlich tolerant? <br \/>Wo liegen die Grenzen der Toleranz? Und ist Toleranz alleine vielleicht gar nicht ausreichend?&nbsp; M&uuml;ssen wir uns darum bem&uuml;hen, s&auml;mtliche Formen des Andersseins nicht blo&szlig; zu tolerieren, sondern zu akzeptieren? <\/i><\/p>\n<p>Michael Schmidt-Salomon referierte am 24. Oktober&nbsp; auf Einladung des Hamburger Landesverbandes der Humanistischen Union im Saal des Haus 73 im Schanzenviertel. Er fand ein gespannt zuh&ouml;rendes Publikum vor und begann mit wesentlichen Kl&auml;rungen: Toleranz, Akzeptanz, Ignoranz.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\">&bdquo;Damit wir uns nicht falsch verstehen&hellip;&ldquo;<\/h2>\n<p><b>Toleranz<\/b> sei eine Last. &bdquo;<i>Wer tolerant ist, der nimmt es hin, dass andere Menschen in unangenehmer Weise anders denken, handeln, empfinden. Im politischen Kontext zielt der Begriff der Toleranz auf die Gew&auml;hrleistung von Freiheitsr&auml;umen f&uuml;r Individuen oder Gruppen, deren Glaubens- und Lebensweisen vom etablierten religi&ouml;sen, weltanschaulichen oder gesellschaftlichen System abweichen<\/i>.&#8220; <br \/>Insofern sei dieses Toleranzgebot, das auch aufgrund der bitteren Erfahrungen der Glaubenskriege formuliert wurde, &bdquo;<i>eine der hervorragendsten Errungenschaften der Moderne, die es zu verteidigen gilt<\/i>&#8220; &ndash; allerdings mit der klaren Einschr&auml;nkung, dass es nicht bedeute, einer grenzenlosen, unbedingten Toleranz das Wort zu reden.<br \/><b>Akzeptanz<\/b> sei etwas v&ouml;llig anderes als Toleranz &ndash; auch wenn das eine mit dem anderen h&auml;ufig verwechselt werde. Was man akzeptiere, das toleriere man nicht nur, man sei mit ihm einverstanden &ndash; auch wenn man es f&uuml;r sein eigenes Leben nicht anwenden m&ouml;chte. <br \/>Der Referent zitierte dann einerseits Goethe: &bdquo;<i>Toleranz sollte nur eine vor&uuml;bergehende Gesinnung sein: sie muss zur Anerkennung f&uuml;hren. Dulden hei&szlig;t beleidigen<\/i>.&#8220; Andererseits g&auml;be es allerdings gute Gr&uuml;nde daf&uuml;r, dass wir mit bestimmten Formen des Andersdenkens und Andershandelns nicht einverstanden seien, dass wir sie nicht akzeptieren, sondern nur dulden k&ouml;nnen. Toleranz sei ein wichtiger Wert innerhalb pluraler Gesellschaften. Diese Toleranz m&uuml;sse gesellschaftlichen Gruppierungen, sofern sie nicht selbst dazu in der Lage sind, abverlangt werden. Akzeptanz hingegen kann man nicht einfordern, ohne die Grundlagen der pluralen Gesellschaft selbst zu untergraben. Der produktive Wettstreit der Ideen in unserer Gesellschaft entstehe ja gerade aus der Differenz von Toleranz und Akzeptanz. Dass Vorschl&auml;ge zur F&ouml;rderung der Toleranz h&auml;ufig kaum positiv aufgenommen werden, l&auml;ge nicht zuletzt in einer Denkhaltung begr&uuml;ndet, die ebenfalls leicht mit Toleranz verwechselt werden kann: der <b>Ignoranz<\/b>, d.h. Unwissenheit, Dummheit. <br \/>Insofern sei Ignoranz eine wesentliche Voraussetzung f&uuml;r falsche bzw. repressive Toleranz. Manch einer, der tolerant erschiene, sei in Wirklichkeit nur ignorant, bemerke also gar nicht die Lasten, die er vielleicht zu erdulden h&auml;tte oder gegen die er sich m&ouml;glicherweise sogar wehren m&uuml;sste. &bdquo;<i>Wer sich beispielsweise nicht darum k&uuml;mmert, was innerhalb islamistischer Gruppierungen geschieht, der neigt weit eher dazu, sich in repressiver Weise tolerant zu &auml;u&szlig;ern (&bdquo;Leben und Leben lassen: Lasst die Leute doch machen, was sie wollen!&#8220;), als diejenigen, die einen guten Einblick in die Szene haben.<\/i> &#8222;Auf keinen Fall d&uuml;rfe man es sich zu leicht machen und &bdquo;Toleranz f&uuml;r jeden und alles&#8220; fordern &ndash; Toleranz sei ein blo&szlig; relativer Begriff. Er werde komplett bedeutungslos, wenn man ihn absolut setze. In &Uuml;bertragung der von Ingenieuren definierten Toleranz als &bdquo;<i>zul&auml;ssige Abweichung vom Nennma&szlig;<\/i>&#8220; gilt auch in politisch-weltanschaulichen Fragen, dass Toleranz nur &uuml;ber Grenzen definiert werden k&ouml;nne. &bdquo;<i>Wenn wir also bewerten m&uuml;ssen, ob soziale Gruppierungen, Verhaltensweisen, Weltanschauungen tolerabel sind oder nicht, so m&uuml;ssen wir zun&auml;chst wissen, wo die Grenzwerte liegen, die nicht &uuml;berschritten werden k&ouml;nnen, ohne die Funktionalit&auml;t des Gesamtsystems zu gef&auml;hrden. Erst danach k&ouml;nnen wir &uuml;berpr&uuml;fen, ob der Ist-Wert einer Gruppierung, Verhaltensweise oder Weltanschauung innerhalb dieser Grenzwerte liegt, d.h. tolerabel ist, oder eben nicht<\/i>.&#8220;<br \/>Die gro&szlig;e Frage freilich sei, was Norm- und Grenzwerte auf gesellschaftlicher Ebene bedeuten w&uuml;rden. Ist es &uuml;berhaupt zul&auml;ssig, derartige Werte f&uuml;r die Gesellschaft zu definieren? Und wer definiert Grenzwerte?<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\">Die notwendige Beschr&auml;n&shy;kung der weltan&shy;schau&shy;li&shy;chen Neutralit&auml;t des Staates<\/h2>\n<p>Multikulti-Illusionen h&auml;tten lange Zeit den Blick daf&uuml;r getr&uuml;bt, dass sich in den westlichen Gesellschaft religi&ouml;se Parallelgesellschaften herausgebildet haben, die es darauf anlegen, selbst die fundamentalsten rechtsstaatlichen Prinzipien zu negieren. Als Beispiele nannte Michael Schmidt-Salomon den dogmatischen, evangelikalen Puritanismus russlanddeutscher Aussiedler oder die islamistischen Abschottungstendenzen innerhalb der religi&ouml;sen Migrantenszene mit t&uuml;rkischem Hintergrund.<br \/>In der Lobpreisung der &bdquo;<i>Abenteuer kultureller Vielfa<\/i>lt&#8220; &ndash; der enormen Bereicherung durch das &bdquo;Fremde&#8220; &ndash; sei schlicht &uuml;bersehen worden, dass man mit der t&uuml;rkischen Community nicht nur Kebab, Bauchtanz, orientalische Musik, Kunst und Lyrik importierte, sondern auch die ideologischen Keimlinge einer Religion, die bisher weit weniger als das europ&auml;ische Christentum gezwungen war, &bdquo;<i>durch die Dompteurschule der Aufkl&auml;rung<\/i>&#8220; zu gehen. Wenn man in Deutschland heute vor dem Scherbenhaufen einer gescheiterten Integrationspolitik stehe, dann nicht zuletzt deshalb, weil die demokratiefeindlichen Potentiale der Religionen ma&szlig;los untersch&auml;tzt worden seien. S&auml;mtliche Studien, die sich mit dem Thema eingehender besch&auml;ftigten, h&auml;tten gezeigt, dass die optimistische Erwartung, dass sich die Menschen gleichsam automatisch zu Demokraten entwickeln w&uuml;rden, wenn man ihnen rechtsstaatlich garantierte Grundrechte einr&auml;umt, hoffnungs- los naiv waren. Es sei an der Zeit &ndash; und damit kam Schmidt-Salomon auf den Kern seines Vortrages &ndash;, aus dieser Erkenntnis die richtigen politischen Schl&uuml;sse zu ziehen.&nbsp; Es w&auml;re ein Fehler, w&uuml;rde man die in der deutschen Verfassung verankerte Forderung nach einer weltanschaulichen Neutralit&auml;t des Staates als Verpflichtung zu staatlicher Wertindifferenz deuten. Das Gemeinwesen der B&uuml;rger beruhe auf klar benennbaren Verfassungswerten, die als Minimalkonsens das Zusammenleben der Menschen regeln sollen (den Grundrechten, der Gewaltenteilung, der richterlichen Unabh&auml;ngigkeit, dem Sozialstaatsprinzip, dem Schutz f&uuml;r Verfolgte usw.). Deshalb werde das Prinzip der weltanschaulichen Neutralit&auml;t des Staates (d. h. seine Verpflichtung zur Gleichbehandlung religi&ouml;s-weltanschaulicher Gruppen) sp&auml;testens dort aufgehoben, wo religi&ouml;s-weltanschauliche Gruppierungen im Widerspruch zu den ethischen Grundanforderungen der Verfassung stehen.<\/p>\n<p><b>Lehrpl&auml;ne m&uuml;ssen wissenschaftlichen <br \/>Standards entsprechen<\/b><\/p>\n<p>Neben dieser ethischen Begrenzung der Weltanschauungsneutralit&auml;t ist (vor allem) im Bildungsbereich ein weiterer Aspekt zu beachten, der zwar in der Debatte regelm&auml;&szlig;ig &uuml;bersehen wird, in der Praxis aber von gro&szlig;er Bedeutung ist: Die Lernziele und Lehrpl&auml;ne der Schulen werden nicht nur vom Ethos der Verfassung beeinflusst, sondern auch vom Forschungsstand der jeweiligen Fachdisziplinen. Lehrpl&auml;ne, Schulb&uuml;cher etc. m&uuml;ssen aktuellen wissenschaftlichen Standards gen&uuml;gen. Aussagen, die logischer oder empirischer &Uuml;berpr&uuml;fung nicht standhalten k&ouml;nnen, h&auml;tten im Curriculum der &ouml;ffentlichen Schulen nichts verloren. Nur deshalb k&ouml;nne ein Kreationist nicht einklagen, dass die Sch&ouml;pfungslehre im Biologieunterricht behandelt werden solle. Selbstverst&auml;ndlich w&uuml;rden sich die L&auml;nder, die f&uuml;r Bildung haupts&auml;chlich verantwortlich sind, keineswegs &bdquo;<i>weltanschaulich neutral<\/i>&#8220; verhalten, wenn sie die Evolutionstheorie als ernst zu nehmenden Ansatz privilegieren und kreationistische Theorien ausblenden. W&uuml;rden sie aber hinreichend widerlegte Ansichten nur aus dem Grund in den Lehrplan aufnehmen, weil bestimmte Gruppen dies ansonsten als &bdquo;Diskriminierung&#8220; betrachten w&uuml;rden, so h&auml;tte dies eine schwerwiegende Aush&ouml;hlung des Bildungsbegriffs zur Folge. Die unkritische Vermittlung von Behauptungen, die erwiesenerma&szlig;en falsch sind, ist n&auml;mlich gerade das Gegenteil von Bildung, ist &bdquo;<i>Verbildung<\/i>&#8220; &ndash; auch wenn bestimmte Gruppen sich durch die fehlende Ber&uuml;cksichtigung ihrer weltanschaulichen Irrt&uuml;mer benachteiligt f&uuml;hlen m&ouml;gen.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\">Zentrales Verfas&shy;sungsgut<\/h2>\n<p>Zwar sei die &bdquo;weltanschauliche Neutralit&auml;t&#8220; des Staates ein zentrales Verfassungsgut, da nur ein Staat, der seinen B&uuml;rgern nicht in umfassendem Sinne vorschreibe, was sie zu denken oder zu glauben haben, b&uuml;rgerliche Freiheiten gew&auml;hrleisten k&ouml;nne. &bdquo;<i>Und doch ist das Prinzip der weltanschaulichen Neutralit&auml;t des Staates &uuml;ber weite Strecken Fiktion<\/i>.&ldquo; Die weltanschauliche Neutralit&auml;t sei n&auml;mlich notwendigerweise zweifach beschr&auml;nkt:<\/p>\n<ul>\n<li>erstens durch die ethischen Prinzipien der Verfassung (wenn eine religi&ouml;se Gruppierung gegen die Gleichberechtigung von Mann und Frau, z. B. Zwangsheirat, oder aber gegen den Schutz der Tierwelt verst&ouml;&szlig;t, kann und darf der Staat sich dazu nicht neutral verhalten);<\/li>\n<li>zweitens durch die Verpflichtung des Staates und der L&auml;nder zur F&ouml;rderung seri&ouml;ser Bildung, die sich nach soliden wissenschaftlichen Wahrheitskriterien richten muss und nicht nach den Partikularinteressen bestimmter religi&ouml;s-weltanschaulicher Gruppierungen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das hei&szlig;t: &bdquo;Weltanschaulich neutral&#8220; k&ouml;nne sich der Staat nur dort verhalten, wo weder die humanistischen, auf den Menschenrechten beruhenden ethischen Prinzipien des Grundgesetzes noch die Seriosit&auml;t des Bildungsauftrags auf dem Spiel stehen.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\">Grenzen der Toleranz<\/h2>\n<p>Ein weit schwerwiegenderes Problem entstehe nun, wenn Personen oder Gruppierungen die Grenzwerte einer aufkl&auml;rerisch-humanistischen Streitkultur &uuml;berschreiten und somit das fruchtbare Zusammenspiel der gesellschaftlichen Kr&auml;fte gef&auml;hrden w&uuml;rden. Die Grenzen der Toleranz seien sp&auml;testens dann &uuml;berschritten, wenn Eltern ihre Kinder vom Schulunterricht abmelden, um sie kreationistisch zu indoktrinieren, wenn Rechtsextremisten ihre Umgebung terrorisieren, um &bdquo;ausl&auml;nderfreie Zonen&#8220; zu etablieren, wenn Islamisten Abtr&uuml;nnige mit Todesdrohungen belegen, &bdquo;Ehrenmorde&#8220; legitimieren und &ouml;ffentlich zu Gewalt aufrufen oder gar selbst Gewalttaten begehen, um ihrem Wahn zum gesellschaftlichen Durchbruch zu verhelfen. Wer Derartiges toleriere, begehe Verrat an den Prinzipien der Aufkl&auml;rung. <br \/>Schmidt-Salomon betonte: &bdquo;<i>Es gibt keine allgemeine Richtschnur f&uuml;r den Umgang mit inakzeptablen oder gar nicht-tolerierbaren Haltungen. Man muss sich schon jedes Problem und jeden einzelnen Probleml&ouml;sungsversuch im Detail anschauen, um angemessen urteilen zu k&ouml;nnen. Bei all dem geht es allerdings nicht nur um eine subversive St&auml;rkung des Rechts auf individuelle Selbstbestimmung, sondern letztlich auch um den Erhalt des Projekts einer offenen Gesellschaft. Wir sollten nicht so ignorant sein, weiterhin im Sinne der S&auml;kularisierungshypothese davon auszugehen, dass die Religionen absterben oder immer aufgekl&auml;rtere Z&uuml;ge annehmen w&uuml;rden. Es hat sich vielmehr gezeigt, dass gerade die fundamentalistischen Varianten des religi&ouml;sen Glaubens zunehmend Attraktivit&auml;t entfalten<\/i>.&#8220;<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\">Unbequeme Grenz&shy;zie&shy;hungen und schmale Grate<\/h2>\n<p>Eine repressive Toleranz nach kulturrelativistischem Gusto (&bdquo;Lasst die Leute doch denken oder handeln, wie sie wollen, solange sie mich damit nicht st&ouml;ren!&#8220;) w&uuml;rde auf Dauer fatale Folgen haben. Wer Bedingungen schaffen wolle, die sich nachhaltig g&uuml;nstig auf die Verbreitung aufgekl&auml;rten Denkens auswirken, der d&uuml;rfe sich nicht scheuen, unbequeme Grenzziehungen vorzunehmen. Der Grat, den man dabei gehe, ist bekanntlich &auml;u&szlig;erst schmal: Einerseits k&ouml;nne und d&uuml;rfe ein von liberalen Grunds&auml;tzen ausgehender Staat seinen B&uuml;rgern nicht vorschreiben, was sie zu denken haben, andererseits sei es f&uuml;r den Erhalt der offenen Gesellschaft dringend erforderlich, dass sich kulturelle und politische Bestrebungen, die letztlich auf eine Abschaffung der Errungenschaften der Aufkl&auml;rung hinauslaufen, im gesellschaftlichen Spiel der Kr&auml;fte nicht durchsetzen k&ouml;nnen. <br \/>Der Vortrag schloss mit einem Zitat von Karl Popper: &bdquo;Im Namen der Toleranz sollten wir uns das Recht vorbehalten, die Intoleranz nicht zu ignorieren.&#8220; Dies gelte &ndash; so Schmidt-Salomon &ndash; heute vielleicht in noch st&auml;rkerem Ma&szlig;e als je zuvor.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\">In der Diskussion<\/h2>\n<p>In der anschlie&szlig;enden Diskussion &ndash; die von einer generellen Zustimmung getragen war &ndash; wurde vor allem die Frage behandelt, wer oder wie Kriterien entwickelt werden k&ouml;nnten. Neben der &Uuml;berraschung des Referenten, dass er selber &ndash; mit einem libert&auml;ren Hintergrund &ndash;, f&uuml;r ein st&auml;rkeres Eingreifen des Staates pl&auml;diere, gab es ein Beharren, dass der Staat sich in diesen Fragen zur&uuml;ckhalten solle &ndash; die Zivilcourage sei der Weg. Das fand jedoch auch Widerspruch, da dieses w&uuml;nschenswerte Verhalten der B&uuml;rger zu oft in den Belastungen des Alltags inaktiv bleibe. Wo liegt also der &bdquo;dritte Weg&#8220; zwischen einem &uuml;berm&auml;chtigen Staat und einer nicht realisierten Zivilcourage? Hinsichtlich vieler Gedanken und Fragen, die er den Zuh&ouml;rern &uuml;bermittelt hatte, war es ein bemerkenswerter Vortrag &ndash; und Zuschauer fragten, ob er auch in gedruckter Form vorliegen werde.<\/p>\n<p>Carsten Frerk<br \/>ist verantwortlicher Redakteur des Humanistischen Pressedienstes (<a href=\"http:\/\/www.hpd-online.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.hpd-online.de<\/a>) und Mitglied des Hamburger Landesvorstandes der Humanistischen Union.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":4257,"template":"","categories":[2634],"tags":[804,680,656],"autoren":[365],"class_list":["post-14396","termin","type-termin","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-veranstaltungsberichte","tag-hamburg-veranstaltungsberichte","tag-pluralismus","tag-religion","autoren-carsten-frerk"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Grenzen der Toleranz? - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/veranstaltungsberichte\/2007\/grenzen-der-toleranz\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Grenzen der Toleranz? - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Mitteilungen Nr. 199, Seite 22 &#8211; 24 Ist Toleranz ein &bdquo;Wert an sich&#8220; oder ein blo&szlig; relativer Begriff? 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