{"id":14588,"date":"1979-12-31T23:00:00","date_gmt":"1979-12-31T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/veranstaltungen\/termin\/ueber-schwangerschaftskonfliktberatungen\/"},"modified":"2020-08-03T07:52:45","modified_gmt":"2020-08-03T05:52:45","slug":"ueber-schwangerschaftskonfliktberatungen","status":"publish","type":"termin","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/veranstaltungen\/1979\/ueber-schwangerschaftskonfliktberatungen\/","title":{"rendered":"\u00dcber Schwangerschaftskonfliktberatungen"},"content":{"rendered":"<p>Klaus Waterstradt<\/p>\n<p>Bericht der Freien Frauen- und Familienberatung der Humanistischen Union Schleswig-Holstein in L\u00fcbeck. Aus: vorg\u00e4nge Nr. 42 (Heft 6\/1979), S. 135-138<\/p>\n<p>Unsere \u00e4rztliche Beratung arbeitet seit 1974.<\/p>\n<p>Bereits vor der Reform des \u00a7218 StGB, noch zur Zeit der Gutachterstellen, wurden Frauen in Schwangerschaftskonfliktsituationen, wie auch in Sexual-, Kontrazeptions- und Partnerschaftsfragen beraten. Die HU hatte 1970 die parlamentarische Behandlung dieses Strafrechtsparagraphen mit dem Ziel einer Fristenregelung initiiert, die nach vierj\u00e4hriger in der \u00d6ffentlichkeit emotional gef\u00fchrter Diskussion vom Bundestag mit Mehrheit verabschiedet wurde.<\/p>\n<p>Nach den bekannten Einspr\u00fcchen und \u00fcber einj\u00e4hriger Pr\u00fcfung durch das Bundesverfassungsgericht wurde 1975 gegen das Votum zweier Richter, der einzigen Frau, Rupp von Br\u00fcnneck und Richter Simon, die Unvereinbarkeit von Teilen des Strafrechts\u00e4nderungsgesetzes mit der Verfassung festgestellt. Die Rechtsunsicherheit in der Folgezeit f\u00fchrte zu erschreckender Zunahme der Ungleichbehandlung.<br \/>So erhielt am 21. 6. 1976 ein ge\u00e4nderter \u00a7 218 StGB Rechtswirksamkeit, der nicht als &#8222;zweitbeste&#8220; L\u00f6sung angesehen werden kann.<\/p>\n<p>Nach dem Willen des Gesetzgebers sollte die neue Gesetzesformulierung den vom Bundesverfassungsgericht belassenen engen Spielraum voll ausnutzen und den Frauen doch noch eine gewisse Hilfe bringen.<\/p>\n<p>Um jedoch &#8222;von der Schwangeren die Gefahr einer Notlage abzuwenden, die a) so schwerwiegt, da\u00df von der Schwangeren die Fortsetzung der Schwangerschaft nicht verlangt werden kann, und b) nicht auf eine andere f\u00fcr die Schwangere zumutbare Weise abgewendet werden kann&#8220; ( \u00a7 218a, Abs. 2 Nr. 3), wurden Zwangsberatungen verordnet, die das Recht auf Selbstbestimmung eines jeden Menschen, der sonst eine \u00e4rztliche Behandlung ablehnen kann, ein Krankenhaus verlassen kann und in einem Testament sein Recht auf ein menschenw\u00fcrdiges Sterben verlangen kann, au\u00dferacht lassen. Vom &#8222;Sachverstand&#8220; Dritter h\u00e4ngt das Erkennen und Anerkennen einer Notlage ab. Die bekannte Praxis f\u00fchrte wiederum dazu, da\u00df den Frauen in Not h\u00e4ufig Un-Recht widerf\u00e4hrt. Hinzu kommt, da\u00df nennenswerte prophylaktische Ma\u00dfnahmen zur rechtzeitigen und vorbeugenden Beratung bis zu dem Zeitpunkt nicht vorhanden waren und da\u00df sie bis heute unzureichend sind.<\/p>\n<p>Nachdem vor der Gesetzesreform in unserer \u00e4rztlichen Frauenberatung 5 \u00c4rzte zur Verf\u00fcgung standen &#8211; l Praktiker, l Kliniker, l Gyn\u00e4kologe und 2 Sozialmediziner &#8211; erforderte die Notlagen-Indikation eine Umstellung des Angebots.<br \/>Jetzt k\u00f6nnen f\u00fcr jede erdenkliche Situation neben 3 \u00c4rzten, die ohnehin die \u00e4rztliche Beratung durchf\u00fchren, f\u00fcr die soziale Beratung zus\u00e4tzlich Psychologen, P\u00e4dagogen, Erzieher, Sozialarbeiter und Juristen herangezogen werden. Unsere ausf\u00fchrliche und pr\u00e4zise Indikationsstellung wird im Gegensatz zu fl\u00fcchtig unterstrichenen Vordrucken von der beachtlichen Zahl klinisch und ambulant t\u00e4tiger Gyn\u00e4kologen, die hilfsbereit mit uns zusammenarbeiten, sehr gesch\u00e4tzt. Sie sehen wie wir in der uns gegen\u00fcbersitzenden Frau den ungewollt in eine Notlage geratenen Menschen. Eine Modelleinrichtung, wie sie begr\u00fc\u00dfenswerterweise durch Pro Familia in Bremen eingerichtet wurde, ist bei uns deshalb nach dem derzeitigen Stand nicht vonn\u00f6ten.<\/p>\n<p>Insgesamt wurden bisher circa 1450 Beratungen durchgef\u00fchrt. Es handelte sich dabei um 538 Frauen und 87 M\u00e4nner. Jede Frau wurde mindestens zweimal beraten, viele kamen \u00f6fter. 344 Frauen konnten nach dem Abbruch weiter beraten werden, das sind 64 %. Wir lesen daraus ein gro\u00dfes Zutrauen zu der Richtigkeit und Wirksamkeit unserer Beratungen ab.<\/p>\n<p>Diese Frauen f\u00fchren die oft angef\u00fchrte These, eine Vielzahl von Frauen sei nach der Abtreibung depressiv und habe Schuldgef\u00fchle, ad absurdum. 3 von 344 Frauen \u00e4u\u00dferten hinterher Zweifel an der Richtigkeit ihres Entschlusses (0,9 %). Nach unserer Meinung k\u00f6nnen Schuldgef\u00fchle durch die Art der Beratung erzeugt werden. Frauen f\u00fchlen sich erleichtert und befreit, wenn sie aus ihrer trotz aller erdenklichen Verh\u00fctungsma\u00dfnahmen (was ist das allein schon f\u00fcr eine Belastung) unerw\u00fcnscht eingetretenen Situation wieder heraus sind.<\/p>\n<p>Zum zweitenmal kamen 37, zum drittenmal 2 Frauen zum Abbruch, das sind lediglich 7,2%. Auch hier waren also die Bef\u00fcrchtungen mancher Seiten von 1976 grundlos, die Frauen w\u00fcrden hemmungslos und gesundheitssch\u00e4digend die neue M\u00f6glichkeit in Anspruch nehmen. Damit entf\u00e4llt auch die Grundlage f\u00fcr &#8222;Abschreckungsmerkbl\u00e4tter&#8220; mancher \u00c4rztekammern. F\u00fcr Hinweise auf die m\u00f6glichen Gefahren ist die gesetzlich vorgeschriebene \u00e4rztliche Beratung zust\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Dagegen gelang es nur bei 7 von 538 Frauen (1,3%), sie zum Austragen der Schwangerschaft zu bewegen und sie davon zu \u00fcberzeugen, da\u00df eine Abtreibung ihrer psychischen und sozialen Lage nicht angemessen ist.<\/p>\n<p>Das durchschnittliche Alter betrug 26,6 Jahre (von 13 bis 45), davon<\/p>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" bordercolor=\"#000000\" cellpadding=\"2\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">\u00a0unter 18 Jahre<\/p>\n<\/td>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">\u00a0 37<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">\u00a018-27 Jahre<\/p>\n<\/td>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">274<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">\u00a028-37 Jahre\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">196\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">\u00a038-45 Jahre<\/p>\n<\/td>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">\u00a0 31\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">\u00a0zusammen:\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">538<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die durchschnittliche Schwangerschaftswoche lag bei 9,1 und zeigt sich seit 1977 von der 10. auf die 8. Woche r\u00fcckl\u00e4ufig. &#8211; Frauen mit Kindern hatten im Schnitt 2,15 Kinder, das bedeutet auf alle Frauen umgerechnet 1,41 Kinder.<\/p>\n<p>Mit ihrem Partner kamen zur Beratung 119 Frauen (22,2%). &#8211; Von den Partnern im Stich gelassen wurden 87 Frauen (16,2%). &#8211; 69 Ausl\u00e4nderinnen entsprechen 12,8%. Von allen Frauen waren\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" bordercolor=\"#000000\" cellpadding=\"3\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">ledig<\/p>\n<\/td>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">184<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">verheiratet\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">231= 42,9%<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">geschieden<\/p>\n<\/td>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">\u00a0 84<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">getrennt lebend <\/p>\n<\/td>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">\u00a0 31<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">verwitwet\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">\u00a0\u00a0\u00a08<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">zusammen:<\/p>\n<\/td>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">538\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Angaben \u00fcber die Anwendung verschiedener Verh\u00fctungsma\u00dfnahmen:<\/p>\n<p>Keine Verh\u00fctung wurde nur von 8 Frauen angegeben (gr\u00f6\u00dftenteils beim ersten Verkehr) =1,5%.<\/p>\n<p>1 Frau war durch Eileiterkauterisierung &#8222;sterilisiert&#8220;;<br \/>2 Frauen \u00fcbten Selbstbeobachtung;<br \/>6 Frauen wurden bei liegendem IUP (Spirale oder Kupfer-T) schwanger;<br \/>24 Frauen \u00fcbten Coitus interruptus (davon 20 Ausl\u00e4nderinnen);<br \/>26 Frauen ma\u00dfen die Basaltemperatur (zum Teil neben anderen Methoden);<br \/>109 Frauen benutzten Kondome (im Wechsel oder neben anderen Methoden);<br \/>116 Frauen richteten sich nach dem Kalender (unter anderem);<br \/>158 Frauen nahmen die Pille;<br \/>253 Frauen hatten sich auf chemische Verh\u00fctungsmittel verlassen:<br \/>695 (157 Doppelangaben).<\/p>\n<p>110 Frauen w\u00fcnschten Sterilisation, das sind 20,5% (dazu 21 M\u00e4nner). Eine zus\u00e4tzliche medizinische Indikation bestand gleichzeitig bei:<\/p>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" bordercolor=\"#000000\" cellpadding=\"3\" background=\"\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">143 Frauen = 26,5%<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">eugenische bei\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">\u00a0 49 Frauen = 9,2%<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">kriminologische bei\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">\u00a0\u00a0\u00a0 2 Frauen = 0,37%<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Eine Wandlung ist ebenfalls eingetreten in der Art und Technik der Abbr\u00fcche. Bei den 538 Frauen wurden 273 station\u00e4re und 265 ambulante Schwangerschaftsabbr\u00fcche durchgef\u00fchrt. Dabei stiegen die ambulanten Eingriffe in den daf\u00fcr zugelassenen Praxiseinrichtungen stetig an.<\/p>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" bordercolor=\"#000000\" cellpadding=\"3\" background=\"\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">1977<\/p>\n<\/td>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">1978<\/p>\n<\/td>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">1979 (bis Sept.)\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">ambulant<\/p>\n<\/td>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">27%\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">49%<\/p>\n<\/td>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">61%<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">station\u00e4r<\/p>\n<\/td>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">73%<\/p>\n<\/td>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">51%<\/p>\n<\/td>\n<td>\n<p class=\"bodytext\">39%<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Nach den uns zur Verf\u00fcgung stehenden Informationen ist die Komplikationsrate bei den ambulanten Abbr\u00fcchen geringer als bei den station\u00e4ren. Dies liegt offensichtlich daran, da\u00df der ambulante Eingriff zwischen der 6. bis 10. Woche mit Schwerpunkt in der 8. Woche durchgef\u00fchrt wird, w\u00e4hrend station\u00e4r mehr Risikof\u00e4lle von der 8. bis zur 12. Woche anfallen.<\/p>\n<p>Die Absaugmethode setzt sich immer mehr durch und wurde bei den von uns betreuten Frauen im letzten Jahr in 59% aller F\u00e4lle durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Auch aus unserer Kenntnis der klinischen Abbr\u00fcche best\u00e4tigt sich die Mitteilung verschiedener Autoren, da\u00df durch die Legalisierung des Eingriffs die Zahl der prognostisch ung\u00fcnstigen und kostentr\u00e4chtigen langwierigen Komplikationen der fr\u00fcheren sogenannten &#8222;kriminellen&#8220; Aborte in den Kliniken eklatant zur\u00fcck gegangen ist. W\u00e4hrend die legalen Abbr\u00fcche einen station\u00e4ren Aufenthalt zwischen 3 und 7 Tagen ben\u00f6tigen, lagen die fr\u00fcheren fieberhaften Abort-Personen oft 5 bis 7 Wochen im Krankenhaus. Dieser Faktor hat nicht nur weitreichende prophylaktische und gesundheitspolitische Bedeutung, sondern auch \u00f6konomische.<\/p>\n<p>Sch\u00e4tzungen der Abtreibungszahlen vor der Reform lagen bei Ber\u00fccksichtigung aller Dunkelwerte weit \u00fcber den heutigen Abbruchzahlen der Bundesstatistik. Damals wurden Elend, lebenslanges Siechtum und Todesfolgen nicht von denen beklagt, die heute wieder das Rad der Entwicklung zur\u00fcckdrehen wollen und die damit die Frauen wieder in die Illegalit\u00e4t abdr\u00e4ngen. Sechs Jahre lang mu\u00dfte in der Phase vor der letzten Verabschiedung der Reform gek\u00e4mpft werden, um menschlichen Gesichtspunkten gegen arrogante patriarchalische Bevormundung zu einem so geringen Erfolg zu verhelfen.<\/p>\n<p>Bei den Sch\u00e4tzungen des Sachverst\u00e4ndigen der Bundesregierung vor dem Bundesverfassungsgericht von 200.000 bis 300.000 illegalen Aborten pro Jahr zeigt die Zahl von 70.000 legalen Notlagen-Indikationen lediglich, wie viele Hindernisse noch dazu beitragen, da\u00df die Zahl nicht \u00fcber 100.000 steigt. Und solange noch Tausende von Frauen nach Holland fahren m\u00fcssen, ist die Absicht des Gesetzes, die Eingriffe aus der Illegalit\u00e4t in die Legalit\u00e4t zu verlagern, nicht gelungen. Wer steigende Zahlen der legalen Abbr\u00fcche beklagt, verschweigt, da\u00df \u00fcber doppelt so viele zu erwarten waren und da\u00df sie seit zwei Jahren erstmalig erfa\u00dft werden. Daran gemessen kann es bei zunehmender Aufkl\u00e4rung und Information zum R\u00fcckgang der Abtreibungen kommen.<\/p>\n<p>Ebenso wie die mangelhafte Aufkl\u00e4rung zur Familienplanung und zu Verh\u00fctungsma\u00dfnahmen nicht nur durch unzureichende Beratungsstellen, sondern auch durch nicht ausreichend informierte \u00c4rzte zu beklagen ist, mu\u00df auch bedauert werden, wenn Repr\u00e4sentanten \u00f6ffentlicher \u00c4mter inkompetente Verlautbarungen geben und Geburtenr\u00fcckgang, &#8222;Pillenknick&#8220; und Schwangerschaftsabbr\u00fcche in einen Topf werfen (von ideologisch begr\u00fcndeter Diffamierung ganz zu schweigen). Alle Kenner der Sachlage wissen, da\u00df prim\u00e4r der fehlende Wunsch nach Kindern bzw. Nachkommenschaft und erst sekund\u00e4r die entsprechenden Verhinderungsma\u00dfnahmen wirksam wurden.<\/p>\n<p>Ganz andere Einflu\u00dfnahmen auf die Herstellung einer menschenw\u00fcrdigen Lebensqualit\u00e4t sind vonn\u00f6ten, um bei den Menschen den Wunsch nach mehr Kindern hervorzurufen. Mit Zwangsaustragungen nach ungewollten Konzeptionen kann einem Bev\u00f6lkerungsr\u00fcckgang nicht begegnet werden, der zudem gegenw\u00e4rtig sicher keine Katastrophe bedeutet.<\/p>\n<p>Als diskriminierend m\u00fcssen ver\u00f6ffentlichte Vorschl\u00e4ge aus manchen Beratungen gewertet werden, die Frau solle doch ein Kind, wenn sie es schon nicht selbst haben k\u00f6nne, in ein Heim geben und zur Adoption freigeben. Eine solche inhumane Zumutung degradiert die Frau vollends zur Geb\u00e4rmaschine. &#8211; Alle von uns beratenen 538 Frauen wiesen diesen Gedanken zur\u00fcck.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens geben nicht wenige Frauen heute an, da\u00df die Angst vor einer ungewissen Zukunft aus \u00f6kologischer Sicht sie hindert, dem Wunsch nach Kindern nachzugeben. Sie f\u00fcrchten f\u00fcr die kommende Generation eine Zunahme der Umweltverseuchung bei den bekannt mangelhaften Kontrollm\u00f6glichkeiten und sie bangen vor dem Risiko der Strahlenverseuchung. Wer kann ihnen solche Angst nehmen?<\/p>\n<p>Es hilft uns nicht weiter, darauf hinzuweisen, da\u00df die von der Humanistischen Union 1970 vertretene Fristenregelung der bessere Weg zur Reform des \u00a7 218 gewesen w\u00e4re. Am 21.6.76 hat die HU erkl\u00e4rt, da\u00df sie sich gegen alle Versuche wenden werde, die geringen neuen Chancen zur Hilfe f\u00fcr Frauen in Not durch Umgehung und Au\u00dferachtlassung der gesetzlichen Regelung zunichte zu machen.<\/p>\n<p>Zur Einhaltung der Gesetze sind nicht nur die B\u00fcrger, sondern auch die Beh\u00f6rden und \u00f6ffentlichen Einrichtungen verpflichtet. Dies gilt in der pluralistischen Gesellschaft auch f\u00fcr gro\u00dfe Religionsgemeinschaften, die nach dem Grundgesetz kein Recht haben, auf der allgemeinverbindlichen human-ethischen Basis Priorit\u00e4tsanspr\u00fcche f\u00fcr ihre Moralvorstellung zu erheben.<\/p>\n<p>Prof. Dr. Ulrich Klug, der Vorsitzende der Humanistischen Union, wies am 19.5.79 in L\u00fcbeck darauf hin, da\u00df das Bundesverfassungsgericht in seinem \u00a7 218-Urteil gegen die Fristenregelung im 4. Leitsatz und in der Begr\u00fcndung zum Ausdruck brachte, die Strafverfolgung durch den Staat sei keineswegs unabdingbar. &#8211; So scheint sich also als bester Ausweg aus dem Dilemma des umstrittenen und ungl\u00fccklichen \u00a7 218 StGB seine ersatzlose Streichung anzubieten. Als Entscheidungshilfe bliebe dem hilfsbereiten Arzt, der betroffenen Frau und ihrem Partner die schwere Last der eigenen Gewissenserforschung.<\/p>\n<p>Dr. med. Klaus Waterstradt<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[2617,2645],"tags":[],"autoren":[],"class_list":["post-14588","termin","type-termin","status-publish","hentry","category-2617","category-fritz-bauer-preis"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>\u00dcber Schwangerschaftskonfliktberatungen - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/veranstaltungen\/1979\/ueber-schwangerschaftskonfliktberatungen\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"\u00dcber Schwangerschaftskonfliktberatungen - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Klaus Waterstradt Bericht der Freien Frauen- und Familienberatung der Humanistischen Union Schleswig-Holstein in L\u00fcbeck. 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