{"id":6381,"date":"2015-02-27T15:19:00","date_gmt":"2015-02-27T14:19:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/thema\/mainz-verbaendeanhoerung-zum-neuen-zdf-staatsvertrag-staatsferne-bei-der-besetzung-der-aufsichtsgre\/"},"modified":"2025-08-15T14:56:47","modified_gmt":"2025-08-15T12:56:47","slug":"mainz-verbaendeanhoerung-zum-neuen-zdf-staatsvertrag-staatsferne-bei-der-besetzung-der-aufsichtsgre","status":"publish","type":"thema","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/thema\/mainz-verbaendeanhoerung-zum-neuen-zdf-staatsvertrag-staatsferne-bei-der-besetzung-der-aufsichtsgre\/","title":{"rendered":"Mainz: Verb\u00e4ndeanh\u00f6rung zum neuen ZDF-Staatsvertrag \u0096 Staatsferne bei der Besetzung der Aufsichtsgremien"},"content":{"rendered":"<p><i>Die Ministerpr\u00e4sidenten der L\u00e4nder einigten sich im Januar 2015 auf den Entwurf eines neuen ZDF-Staatsvertrags, der vor allem die Zusammensetzung der beiden Aufsichtsgremien des Senders neu regelt. Die Reform war nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts (vom 25.3.2014) notwendig, das eine zu hohe Staatsn\u00e4he in diesen Gremien feststellte. Die HU kritisiert die vorgeschlagenen \u00c4nderungen als unzureichend &#8211; die geforderte Staatsferne werde damit nicht erreicht.<\/i><\/p>\n<div>\n<p><span class=\"migrated-image\"><a href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/koepkerstin2009-2-1.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-3501 size-medium\" src=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/koepkerstin2009-2-1.jpg\" alt=\"Mainz: Verb\u00e4ndeanh\u00f6rung zum neuen ZDF-Staatsvertrag \u2013 Staatsferne bei der Besetzung der Aufsichtsgremien \" width=\"100\" height=\"133\" \/><\/a><\/span><\/p>\n<p class=\"news-single-imgcaption\">\n<\/div>\n<p>Das Bundesverfassungsgericht hatte mit seiner Entscheidung einer Beschwerde der beiden Bundesl\u00e4nder Rheinland-Pfalz und Hamburg statt gegeben (1 BvF 1\/11 und 1 BvF 4\/11) und u.a. die Zusammensetzung der ZDF-Aufsichtsgremien (Fernsehrat und Verwaltungsrat) kritisiert: in ihnen sei der Anteil staatlicher bzw. staatsnaher Vertreter_ innen zu hoch, was gegen das Gebot der Staatsferne des Rundfunks (Art.\u00a05 Abs.\u00a01 Satz\u00a02 GG) versto\u00dfe.<\/p>\n<p>In seiner Entscheidung benannte das BVerfG zwei Kriterien, denen die Besetzung der ZDF-Gremien Gen\u00fcge leisten muss: Die Zusammensetzung der Gremien habe sicher zu stellen, dass die Vielfalt gesellschaftlicher Interessen(-gruppen) angemessen ber\u00fccksichtigt werde. Dazu sei es geboten, neben gr\u00f6\u00dferen Verb\u00e4nden und Interessengruppen (wie Kirchen oder Gewerkschaften) auch kleinere Organisationen sowie \u201enicht koh\u00e4rent organisierte Perspektiven\u201c zu beteiligen (Leitsatz 1a). Dar\u00fcber hinaus sei das Gebot der Staatsferne des Rundfunks zu beachten. Um dies durchzusetzen, beschr\u00e4nkte die Mehrheit der Richter\/innen den Anteil der staatlichen bzw. staatsnahen Mitglieder in den ZDF-Gremien auf 1\/3 und legte fest, dass die \u00fcbrigen Mitglieder \u201ekonsequent staatsfern\u201c zu besetzen sind, was durch gesetzliche Inkompatibilit\u00e4tsregeln sowie dadurch sicherzustellen ist, dass die Exekutive keinen bestimmenden Einfluss auf die Auswahl jener staatsfernen Mitglieder haben d\u00fcrfe (Leitsatz 2). Der Verfassungsrichter Paulus forderte in seinem abweichenden Votum zur Entscheidung eine weitergehende Staatsferne durch einen kompletten Ausschluss von Vertretern der Exekutive aus den ZDF-Gremien. Der Fernsehrat und damit das entscheidende Gremium f\u00fcr die Programmaufsicht sei in der Vergangenheit zum \u201eSpielfeld von Medienpolitikern aus den L\u00e4ndern\u201c geworden, die \u201eihre medienpolitischen Konzepte in Fernseh- und Verwaltungsrat zu verwirklichen suchen&#8220;. (Rn. 119)<\/p>\n<p>In ihrer Stellungnahme vom 27.2.2015 kritisiert die Humanistische Union den Entwurf als v\u00f6llig unzureichend, weil er die gebotene Staatsferne in der Kontrolle des \u00f6ffentlich-rechtlichen Senders keineswegs umsetze: \u201eZwar wird die Anzahl der staatlichen VertreterInnen im Fernsehrat reduziert, aber die Pr\u00e4senz der beiden gr\u00f6\u00dften Parteien bleibt gesichert. Nach Auffassung der HU sorgt die im neuen Staatsvertrag getroffene L\u00f6sung f\u00fcr die Gremienbesetzung nicht f\u00fcr weniger \u201aStaatsn\u00e4he\u2019 und auch nicht f\u00fcr mehr politische Vielfalt.\u201c (S. 4) Die B\u00fcrgerrechtsorganisation fordert deshalb (in Anlehnung an das abweichende Votum des Verfassungsrichters Paulus), keine Vertreter der Exekutive in den Gremien des ZDF zuzulassen. Alternativ sollte der ZDF-Fernsehrat nach dem Vorbild der Rundfunkr\u00e4te von WDR und NDR gestaltet werden, in denen Vertreter_innen des Parlaments, nicht aber der Landesregierung sitzen.<\/p>\n<p>Daneben gebe die Zusammensetzung der sonstigen Interessengruppen nicht die gesellschaftliche Pluralit\u00e4t wieder, wenn etwa der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) keinen festen Sitz im Fernsehrat habe, die Kirchen und Religionsgemeinschaften aber \u00fcberproportional vertreten seien und atheistische Gruppierungen ganz fehlten. Der starre Schl\u00fcssel bei der Besetzung der Interessenvertreter_innen im Fernsehrat lasse zudem jene Flexibilit\u00e4t und Beteiligung kleiner Gruppen vermissen, die das Bundesverfassungsgericht zur Gew\u00e4hrleistung der Vielfalt gefordert hatte. Die HU schlie\u00dft sich deshalb dem Vorschlag der Bundestagsabgeordneten Tabea R\u00f6\u00dfner (B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen) an, die eine unabh\u00e4ngige Kommission fordert, welche geeignete Kriterien f\u00fcr die Besetzung der Interessensgruppen-Sitze entwickeln soll.<\/p>\n<p>Den ausf\u00fchrlichen Text der Stellungnahme finden Sie im Anhang.<\/p>\n<p>Bezug:<br \/>\nEntwurf der Ministerpr\u00e4sidenten der L\u00e4nder zu einem neuen Staatsvertrag f\u00fcr das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) vom Januar 2015<\/p>\n","protected":false},"featured_media":3501,"template":"","categories":[47,2974,40],"tags":[],"class_list":["post-6381","thema","type-thema","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-lebensweisen-pluralismus","category-pressefreiheit","category-rechtspolitische-gutachten"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Mainz: Verb\u00e4ndeanh\u00f6rung zum neuen ZDF-Staatsvertrag \u0096 Staatsferne bei der Besetzung der Aufsichtsgremien - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/thema\/mainz-verbaendeanhoerung-zum-neuen-zdf-staatsvertrag-staatsferne-bei-der-besetzung-der-aufsichtsgre\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Mainz: Verb\u00e4ndeanh\u00f6rung zum neuen ZDF-Staatsvertrag \u0096 Staatsferne bei der Besetzung der Aufsichtsgremien - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Die Ministerpr\u00e4sidenten der L\u00e4nder einigten sich im Januar 2015 auf den Entwurf eines neuen ZDF-Staatsvertrags, der vor allem die Zusammensetzung der beiden Aufsichtsgremien des Senders neu regelt. 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