{"id":7119,"date":"2012-06-04T16:41:00","date_gmt":"2012-06-04T14:41:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/thema\/wie-weiter-mit-den-hinweisen-zu-hinweisgebern\/"},"modified":"2021-09-04T00:03:30","modified_gmt":"2021-09-03T22:03:30","slug":"wie-weiter-mit-den-hinweisen-zu-hinweisgebern","status":"publish","type":"thema","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/thema\/wie-weiter-mit-den-hinweisen-zu-hinweisgebern\/","title":{"rendered":"Wie weiter mit den Hinweisen zu Hinweisgebern?"},"content":{"rendered":"<p><i>Eine parlamentarische Anh\u00f6rung zu einem Whistleblower-Gesetz. Mitteilungen Nr. 215\/216 (Heft 1\/2012), S. 12<\/i><\/p>\n<p>Nach dem Urteil des Europ&auml;ischen Gerichtshofs f&uuml;r Menschenrechte vom 21. Juli 2011 zur Meinungs&auml;u&szlig;erungsfreiheit einer Arbeitnehmerin (so genanntes Heinisch-Urteil, erfochten von einer Altenpflegerin, die Missst&auml;nde bei ihrem Arbeitgeber zun&auml;chst intern, dann &ouml;ffentlich angeprangert hatte und daraufhin gek&uuml;ndigt wurde) ist die immer wieder angefachte und doch letztlich stecken gebliebene Diskussion &uuml;ber mehr Demokratie in privaten und &ouml;ffentlichen Unternehmen im allgemeinen und einen gesetzlichen Schutz von Hinweisgebern \/Whistleblowern im besonderen neu belebt worden. Die drei Oppositionsparteien im Deutschen Bundestag sind mit unterschiedlich ausgearbeiteten L&ouml;sungsvorschl&auml;gen an die &Ouml;ffentlichkeit gegangen. In der BT-Drucksache 17\/8567 legte die SPD-Fraktion am 7.2.2012 einen Gesetzentwurf vor, bereits am 6. Juli 2011 ver&ouml;ffentlichte die Fraktion der Linken einen Antrag an die Bundesregierung (BT-Drs. 17\/6492). Die Fraktion B&uuml;ndnis 90\/Die Gr&uuml;nen stellt seit November 2011 einen Gesetzentwurf zur Diskussion (<a href=\"http:\/\/www.gruener-gesetzentwurf.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.gruener-gesetzentwurf.de<\/a>). Im Ausschuss f&uuml;r Arbeit und Soziales fand am 5. M&auml;rz eine &ouml;ffentliche Anh&ouml;rung statt. Im Folgenden geht es um eine Sichtung der schriftlichen Stellungnahmen (A-Drs. 17(11)783 vom 1.3.2012). Eingeladen waren f&uuml;nf Verb&auml;nde und sieben Einzelsachverst&auml;ndige.<\/p>\n<p>Die Fronten sind unverr&uuml;ckbar verh&auml;rtet: Trotz der jahrelangen Auseinandersetzungen &uuml;ber Skandale und Korruptionsf&auml;lle, trotz eines ersten gesetzlichen Anlaufs durch drei Bundesministerien im Jahr 2008 und trotz der Zustimmung der Bundeskanzlerin zu einer Aufforderung des G 20-Gipfels in Seoul im November letzten Jahres, &bdquo;<i>bis Ende 2012 Regeln zum Whistleblower-Schutz zu erlassen und umzusetzen, um Hinweisgeber, die gutgl&auml;ubig einen Verdacht auf Korruption melden, vor Diskriminierung und Vergeltungsma&szlig;namen zu sch&uuml;tzen<\/i>&#8222;. Die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverb&auml;nde (BDA), die Siemens AG, der Bund der Richterinnen und Richter der Arbeitsgerichtsbarkeit sowie der (nicht eingeladene ) Handelsverband Deutschland lehnten eine gesetzliche Regelung als &bdquo;<i>&uuml;berfl&uuml;ssig<\/i>&#8222;, &bdquo;sch&auml;dlich&#8220;, &bdquo;<i>nicht erforderlich<\/i>&#8220; ab. Kurz und knapp fasst zum Beispiel der Handelsverband zusammen: &bdquo;<i>Die Einf&uuml;hrung eines Whistleblowing-Systems muss der autonomen Entscheidung der Unternehmen &uuml;berlassen werden.<\/i>&#8220; Auf eine Selbstregulierung setzt auch die Siemens AG mit dem globalen Argument: &bdquo;<i>Eine rein deutsche Regelung w&uuml;rde der Komplexit&auml;t international t&auml;tiger Unternehmen nicht gerecht, sie tr&auml;te &uuml;berdies m&ouml;glicherweise in Konflikt mit bereits bestehenden internationalen Regelungen, an die diese Unternehmen gebunden sind.<\/i>&#8220;<\/p>\n<p>Doch auch die Unterst&uuml;tzer einer gesetzlichen Regelung (unter anderen der Richter am Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, Dieter Deiseroth und besonders ausf&uuml;hrlich, gr&uuml;ndlich und quellenbest&uuml;ckt Guido Strack vom Whistleblower Netzwerk e.V.) decken die Unsch&auml;rfen, L&uuml;cken, Ungereimtheiten und Unklarheiten in den vorliegenden Texten auf. Vor allem der SPD-Gesetzentwurf wird zwar im Ansatz begr&uuml;&szlig;t, weil er dokumentiere, dass eine gesetzliche Regelung machbar sei. Insgesamt aber wird er als zu eng eingestuft, nicht zuletzt weil er die Beamten ausnimmt und eine berufsethische Verantwortung (zum Beispiel auch in der Wissenschaft) gar nicht erst erw&auml;hnt.<\/p>\n<p>Die teilweise ausf&uuml;hrlich ausformulierten Gegenvorschl&auml;ge durch Sachverst&auml;ndige wie Dieter Deiseroth oder die detaillierten Hinweise auf britische wie US-amerikanische Beispiele (Cathy James), aber auch die ausf&uuml;hrlichen Vorschl&auml;ge des Verbandes der&nbsp; Besch&auml;ftigten der obersten und oberen Bundesbeh&ouml;rden machen deutlich, dass aus b&uuml;rgerrechtlicher Sicht konkretere Diskussionen notwendig sind: nicht &uuml;ber das <i>Ob<\/i>, sondern &uuml;ber das <i>Wie<\/i> und das <i>Wie weit<\/i>. Offen blieb auch in der Anh&ouml;rung (nach den schriftlich vorgelegten Stellungnahmen), ob Whistleblowing, Besch&auml;ftigtendatenschutz und Korruptionsbek&auml;mpfung nicht in einem Gesetzentwurf zusammen geregelt werden sollten.<\/p>\n<p>Nach Informationen aus den ber&uuml;hmten gut unterrichteten Kreisen wird der Gesetzentwurf der Bundesregierung zu Korruptionsbek&auml;mpfung und Besch&auml;ftigtendatenschutz, der in den zust&auml;ndigen Aussch&uuml;ssen des Bundestags h&auml;ngen geblieben ist, in dieser Legislaturperiode nicht mehr verabschiedet. F&uuml;r die HU haben Sarah Thom&eacute; und ich diesen Gesetzentwurf scharf kritisiert (siehe Mitteilungen Nr. 211, S. 2-4 sowie HU-Pressemitteilung vom 16.8.2010). Sollte dieser Entwurf tats&auml;chlich &bdquo;versenkt&#8220; werden, b&ouml;te sich f&uuml;r die HU die Chance, den Zusammenhang von Besch&auml;ftigtendatenschutz, Whistleblowing und demokratischen Grundrechten im Unternehmen (in Beh&ouml;rden, Hochschulen, Instituten) deutlicher zu machen, als dies bisher in den vorliegenden Texten der Fall ist. Dies k&ouml;nnte auf einer Tagung gelingen, die sich auf das <i>Wie<\/i> konzentriert und auch gelungene Beispiele vorstellt. An der gesellschaftspolitischen Bedeutung einer Regelung zweifelt kaum jemand, auch die Arbeitgeber nicht. Zweifel bestehen dagegen, &bdquo;<i>ob ein noch so gutes Hinweisgeberschutzgesetz dazu geeignet sein wird, eine Kultur des Umdenkens, des sich Einmischens und der gest&auml;rkten pers&ouml;nlichen Verantwortungsbereitschaft in der deutschen Gesellschaft zu bef&ouml;rdern<\/i>&#8222;, gibt der Verband der Besch&auml;ftigten der obersten und oberen Bundesbeh&ouml;rden zu bedenken. Sich an einer solchen Kultur des Umdenkens aktiv zu beteiligen, sollte eine Herausforderung f&uuml;r eine B&uuml;rgerrechtsorganisation wie die HU sein.<\/p>\n<p><i>Jutta Roitsch-Wittkowsky<br \/>ist Mitglied des Bundesvorstands der Humanistischen Union<\/i><\/p>\n<p><i>Die Stellungnahmen der Sachverst&auml;ndigen sind auf der Webseite des Deutschen Bundestags dokumentiert: <\/i><a href=\"http:\/\/www.bundestag.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><i>http:\/\/www.bundestag.de\/<\/i><\/a><i>bundestag\/ausschuesse17\/a11\/anhoerungen\/Archiv\/17_11_783.pdf.<\/i><\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-7119","thema","type-thema","status-publish","hentry","category-sozialpolitik"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Wie weiter mit den Hinweisen zu Hinweisgebern? - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/thema\/wie-weiter-mit-den-hinweisen-zu-hinweisgebern\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Wie weiter mit den Hinweisen zu Hinweisgebern? - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Eine parlamentarische Anh\u00f6rung zu einem Whistleblower-Gesetz. 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