{"id":7278,"date":"2010-07-15T17:30:00","date_gmt":"2010-07-15T15:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/thema\/zwei-jahre-videoueberwachung-im-oeffentlichen-personennahverkehr-in-berlin-eine-evaluation-die-den\/"},"modified":"2021-09-04T00:03:53","modified_gmt":"2021-09-03T22:03:53","slug":"zwei-jahre-videoueberwachung-im-oeffentlichen-personennahverkehr-in-berlin-eine-evaluation-die-den","status":"publish","type":"thema","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/thema\/zwei-jahre-videoueberwachung-im-oeffentlichen-personennahverkehr-in-berlin-eine-evaluation-die-den\/","title":{"rendered":"Zwei Jahre Video\u00fcberwachung im \u00d6ffentlichen Personennahverkehr in Berlin \u0096 eine Evaluation, die den Namen nicht verdient"},"content":{"rendered":"<p><i>Mitteilungen Nr. 208\/209 (1+2\/2010), S. 9<\/i><\/p>\n<div><span class=\"migrated-image\"><a href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/kamera_01.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-4130 size-medium\" src=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/kamera_01.jpg\" alt=\"Zwei Jahre Video&uuml;berwachung im &Ouml;ffentlichen Personennahverkehr in Berlin &ndash; eine Evaluation, die den Namen nicht verdient\" width=\"400\" height=\"304\"><\/a><\/span><\/p>\n<p class=\"news-single-imgcaption\">\n<\/div>\n<p>Bis zum 31. Januar 2010 hatte der Berliner Senat Zeit f&uuml;r einen Evaluationsbericht, in dem er &uuml;ber Art, Umfang und Erfolg der Video&uuml;berwachung im &Ouml;ffentlichen Personennahverkehr Auskunft geben sollte. Sowohl die Polizei als auch die BVG sind durch eine &Auml;nderung des Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetzes (ASOG) und des Datenschutzgesetzes seit November 2007 befugt, den &Ouml;ffentlichen Nahverkehr in der Hauptstadt mit Videokameras zu &uuml;berwachen. Davon sind t&auml;glich &uuml;ber eine Million Fahrg&auml;ste betroffen. Wegen erheblicher Zweifel an der Wirksamkeit und der Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeit der neuen Regelungen verpflichtete das Parlament den Senat zu der Evaluation, die angesichts des beispiellosen Kameranetzes dringend geboten ist.<\/p>\n<p>Dass es sich bei dem im Januar diesen Jahres vom Senat vorgelegten Bericht (Drucksache 16\/2958) um keine ernsthafte Auswertung oder gar Evaluation handelt, zeigt bereits der erste Blick. Der Bericht hat gerade einmal den Umfang von einer Seite. Selbst zusammen mit den Informationen, die sich aus zwei vom Abgeordneten Benedikt Lux eingereichten Kleinen Anfragen (Drucksachen 16\/13853 und 16\/13854) ergeben, kann der Senat den Nachweis, dass der Eingriff in die Grundrechte der B&uuml;rger gerechtfertigt ist, nicht erbringen. Deutlich wird aber durch die jetzt ver&ouml;ffentlichten Zahlen, in welchem Ausma&szlig; innerhalb der ersten beiden Jahre von den neuen Befugnissen Gebrauch gemacht wurde. Die Datenerhebung erfolgte schwerpunktm&auml;&szlig;ig durch die BVG. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass die Polizei die Video&uuml;berwachung gem. &sect; 24 b ASOG nur bei hinreichendem Anlass und zur Abwehr oder zum Erkennen von Straftaten von erheblicher Bedeutung nutzen darf. In den vergangenen zwei Jahren sah die Polizei diese Voraussetzungen lediglich in 12 F&auml;llen als gegeben und beobachtete Bahnh&ouml;fe und Fahrg&auml;ste in Echtzeit. Ohne weitere Analyse bewertet der Senat die Anwendung dieser Ma&szlig;nahmen relativ gro&szlig;z&uuml;gig als Erfolg. Im Bericht hei&szlig;t es dazu: <i>&#8222;Es ergab sich ein unauff&auml;lliges Bild der Lage an den beobachteten &ouml;ffentlich zug&auml;nglichen R&auml;umen der BVG. Diese Erkenntnis war f&uuml;r die weitere Lagebeurteilung hilfreich.&#8220;<\/i><\/p>\n<p>In den meisten F&auml;llen bedient sich die Polizei jedoch der durch die BVG angefertigten Videoaufzeichnungen. Anders als die Polizei darf die BVG gem. &sect; 31b Berliner Datenschutzgesetz Videoaufzeichnungen verdachtsunabh&auml;ngig und damit tagt&auml;glich und rund um die Uhr in allen U-Bahnh&ouml;fen, U-Bahnen, Bussen und Stra&szlig;enbahnen anfertigen. Aus dem Bericht ergibt sich, dass inzwischen alle 173 U-Bahnh&ouml;fe,&nbsp; 31 % der U-Bahnen, 68 % der Busse und 28 % der Trams mit&nbsp; Kameras ausgestattet sind. Insgesamt &uuml;berwacht die BVG ihre Fahrg&auml;ste mit 6.404 Kameras.<\/p>\n<p>Aus den vorgelegten Daten ergibt sich, dass nur ein Bruchteil der Bilderflut f&uuml;r die Strafverfolgung verwertbar ist. Im Jahr 2008 wurden 1.383 Aufzeichnungen an die Polizei oder andere Strafverfolgungsbeh&ouml;rden weitergegeben. In 246 F&auml;llen ergaben die Bilder irgendeinen Anhaltspunkt auf die T&auml;ter, in 141 F&auml;llen &bdquo;unterst&uuml;tzten&ldquo; die Bilder angeblich die Ermittlung oder Identifizierung von T&auml;tern. Im Jahr 2009 stieg die Zahl bereits auf 1.823 &Uuml;bermittlungen an, die 325 T&auml;teranhalte lieferten und in 124 F&auml;llen die Ermittlungen oder die Identifizierung unterst&uuml;tzten. Damit wird deutlich: W&auml;hrend die Nachfrage nach den Videobildern von einem zum anderen Jahr deutlich anstieg, halfen die von der BVG gelieferten Bilder der Polizei immer seltener bei der Ermittlung oder Identifizierung von Tatverd&auml;chtigen. So dr&auml;ngt sich die Vermutung auf, dass das Anfordern von Videobildern immer mehr zum selbstverst&auml;ndlichen Ermittlungsinstrument wird &ndash; unabh&auml;ngig von deren zu erwartenden Nutzen.<\/p>\n<p>Bei der vom Senat vorgelegten &bdquo;Evaluation&ldquo; bleiben viele Fragen offen: Wie oft die Identifizierung der T&auml;ter auch auf andere Weise h&auml;tte erreicht werden k&ouml;nnen? Wie oft f&uuml;hrten die Ermittlungen zu&nbsp; Gerichtsverfahren und Verurteilung. In welchem Umfang werden Daten an die Strafverfolgungsbeh&ouml;rden &uuml;bermittelt? F&uuml;r die Aufkl&auml;rung welcher Straftaten wurden die Bilder ausgewertet? Konnte die Video&uuml;berwachung in irgendeiner Form kriminalpr&auml;ventive Wirkungen entfalten? Antworten auf all diese Fragen w&auml;ren wichtig, um grundlegend beurteilen zu k&ouml;nnen, ob die Video&uuml;berwachung zur Kriminalit&auml;tsbek&auml;mpfung geeignet, erforderlich und im Verh&auml;ltnis zu dem mit ihr verbundenen Eingriff in das informationelle Selbstbestimmungsrecht auch angemessen ist.<\/p>\n<p>Trotz der mageren Erkenntnisse &uuml;ber die Wirkung der Video&uuml;berwachung schreitet der Ausbau der &Uuml;berwachungsanlagen z&uuml;gig voran. Wie aus der Antwort auf die zweite Anfrage des Abgeordneten Lux deutlich wird, plant der Senat alle Fahrzeuge (U-Bahnen, Busse, Trams) mit Kameras auszustatten. Das w&uuml;rde nach Berechnung der Humanistischen Union zu einer Verdopplung auf ca. 12.000 Kameras f&uuml;hren, die rund um die Uhr Bilder aller Fahrg&auml;ste aufzeichnen.<\/p>\n<p><i>Anja Heinrich<br \/>ist Landesgesch&auml;ftsf&uuml;hrerin der HU Berlin-Brandenburg<\/i><\/p>\n<p>Drucksache 16\/2958 &#8211; Evaluationsbericht des Senats von Berlin<\/p>\n<p>Drucksachen 16\/13853 und 16\/13854 &#8211; Antworten des Senats auf die Kleinen Anfragen des Abgeordneten B. Lux und der Fraktion B&uuml;ndnis 90\/Die Gr&uuml;nen<\/p>\n<p>HU Berlin-Brandenburg: Pressemitteilungen vom 16.1. und 24.1.2010<\/p>\n<p>Mareike Schmale: So weit die Kamera reicht. Schwierigkeiten einer Evaluation der Video&uuml;berwachung am Beispiel der Berliner Verkehrsbetriebe. Mitteilungen Nr. 204 (1\/2009), S. 5-7.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":4130,"template":"","categories":[63],"tags":[],"class_list":["post-7278","thema","type-thema","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-videoueberwachung"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Zwei Jahre Video\u00fcberwachung im \u00d6ffentlichen Personennahverkehr in Berlin \u0096 eine Evaluation, die den Namen nicht verdient - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/thema\/zwei-jahre-videoueberwachung-im-oeffentlichen-personennahverkehr-in-berlin-eine-evaluation-die-den\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Zwei Jahre Video\u00fcberwachung im \u00d6ffentlichen Personennahverkehr in Berlin \u0096 eine Evaluation, die den Namen nicht verdient - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Mitteilungen Nr. 208\/209 (1+2\/2010), S. 9 Bis zum 31. 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