{"id":7594,"date":"2011-05-20T11:00:00","date_gmt":"2011-05-20T09:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/thema\/stellungnahme-gesetzentwuerfe-beschaeftigtendatenschutz\/"},"modified":"2021-09-04T00:04:08","modified_gmt":"2021-09-03T22:04:08","slug":"stellungnahme-gesetzentwuerfe-beschaeftigtendatenschutz","status":"publish","type":"thema","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/thema\/stellungnahme-gesetzentwuerfe-beschaeftigtendatenschutz\/","title":{"rendered":"Stellungnahme zu den Gesetzentw\u00fcrfen zum Besch\u00e4ftigtendatenschutz (Kurzfassung)"},"content":{"rendered":"<p><i>Anl\u00e4sslich der \u00f6ffentlichen Anh\u00f6rung im Innenausschuss des Deutschen Bundestages am 23. Mai 2011 zum Besch\u00e4ftigtendatenschutz hat die Humanistische Union, vereinigt mit der Gustav Heinemann-Initiative eine Stellungnahme zu den vorliegenden Gesetzentw\u00fcrfen der Bundesregierung, der Fraktion von B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen sowie der Fraktion der SPD vorgelegt.<\/i><\/p>\n<h2 align=\"center\">Stellung&shy;nahme der Humanis&shy;ti&shy;schen Union<\/h2>\n<h3 align=\"center\">zu den Gesetz&shy;ent&shy;w&uuml;rfen der Bundes&shy;re&shy;gie&shy;rung (Drs. 17\/4230), der Fraktion B&uuml;ndnis 90\/Die Gr&uuml;nen (Drs. 17\/4853) und der Fraktion der SPD (Drs. 17\/69)<br \/>zum Datenschutz f&uuml;r Besch&auml;f&shy;tigte<\/h3>\n<p>anl&auml;sslich der &ouml;ffentlichen Anh&ouml;rung im Innenausschuss<br \/>des Deutschen Bundestages am 23. Mai 2011<br \/>&ndash; Kurzfassung &ndash;<\/p>\n<p>Dem Bundestag liegen drei Gesetzentw&uuml;rfe zum Besch&auml;ftigtendatenschutz vor. Der von der Bundesregierung vorgelegte Entwurf (Bundestags-Drucksache 17\/4230) ist aus b&uuml;rgerrechtlicher Sicht abzulehnen, weil er lediglich das Bundesdatenschutzgesetz aufbl&auml;ht, ohne den Grundsatz der informationellen Selbstbestimmung der Besch&auml;ftigten im Arbeitsverh&auml;ltnis wirklich einzul&ouml;sen. Vorrang hat in diesem Gesetzentwurf der Ansatz der &bdquo;compliance&ldquo; (Befolgung der Regeln eines Unternehmens) und der Kampf gegen Korruption sowie &Uuml;berwachung der Arbeitnehmer\/innen. Erneut lehnt die Bundesregierung die seit Jahrzehnten erhobene Forderung nach einem eigenst&auml;ndigen Gesetz f&uuml;r die Besch&auml;ftigten in der Privatwirtschaft und bei &ouml;ffentlichen Stellen ab. Die von der Regierung vorgelegten Erg&auml;nzungen des Bundesdatenschutzgesetzes st&auml;rken nicht die Schutzrechte der Besch&auml;ftigten, sondern die Kontrollm&ouml;glichkeiten des Arbeitsgebers.<\/p>\n<p>Aus b&uuml;rgerrechtlicher Sicht sind in dem vorliegenden <b>Gesetzentwurf der Bundesregierung<\/b> insbesondere abzulehnen:<\/p>\n<ol>\n<li>Die weitreichenden Regelungen zugunsten der Arbeitgeber bei der Bewerbung und Einstellung der Besch&auml;ftigten. Insbesondere der neue Paragraph 32 Absatz 4 bis 6 er&ouml;ffnet dem Arbeitgeber ein unzul&auml;ssig breites Feld, bei der Bewerbung intimste pers&ouml;nliche Daten und Informationen zu sammeln. Aus Sicht der Humanistischen Union ist es unzul&auml;ssig, dass ein kirchlicher Arbeitgeber zum Beispiel &bdquo;die religi&ouml;se &Uuml;berzeugung&ldquo; oder die &bdquo;religi&ouml;se Weltanschauung&ldquo; testen und Daten dar&uuml;ber sammeln darf. Auch die M&ouml;glichkeiten f&uuml;r einen politischen Arbeitgeber verletzen den Grundsatz der Meinungs- und Koalitionsfreiheit sowie den Grundsatz eines sparsamen Umgangs mit pers&ouml;nlichen Daten: er darf die &bdquo;politische Meinung&ldquo; erfragen und die Gewerkschaftszugeh&ouml;rigkeit. Abzulehnen ist auch der Zugriff des Arbeitgebers auf die &bdquo;sozialen Netzwerke&ldquo;. Hier sieht der Gesetzentwurf der Bundesregierung in einer sehr schwammigen Formulierung vor: &bdquo;Bei Daten aus sozialen Netzwerken, die der elektronischen Kommunikation dienen, &uuml;berwiegt das schutzw&uuml;rdige Interesse des Besch&auml;ftigten; dies gilt nicht f&uuml;r soziale Netzwerke, die zur Darstellung der beruflichen Qualifikation ihrer Mitglieder bestimmt sind&ldquo;. Die Interpretation, wie weit das schutzw&uuml;rdige Interesse &uuml;berwiegt, liegt also beim Arbeitgeber. Dem Bewerber\/der Bewerberin werden in dem Gesetzentwurf keinerlei Rechte auf Einsicht oder Widerspruch einger&auml;umt.<\/li>\n<li>In der Praxis gehen Arbeitgeber vor allem in den Gro&szlig;unternehmen der Privatwirtschaft heute davon aus, dass Bewerbungen &uuml;ber das Internet erfolgen. Hier sind Datenschutzregelungen besonders gefordert. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung geht auf diese Praxis nicht ein. Aus b&uuml;rgerrechtlicher Sicht ist eine Regelung erforderlich, wie sie der Gesetzentwurf der Fraktion B&uuml;ndnis 90\/Die Gr&uuml;nen (Bundestags-Drucksache 17\/4853) im Paragraph 6 (vor allem im Absatz 3) vorsieht.<\/li>\n<li>Schwammig, weitreichend und vieldeutig sind auch die Regelungen zur Video&uuml;berwachung (&sect;&nbsp;32f) und zu den Ortungssystemen(&sect;&nbsp;32g). Die Zul&auml;ssigkeit der Video&uuml;berwachung zum Beispiel &bdquo;zur Abwehr von Gefahren f&uuml;r die Sicherheit des Betriebs&ldquo; ist eine Generalvollmacht. Bei den Ortungssystemen hat der Besch&auml;ftigte kein eigenst&auml;ndiges Auskunfts- und Informationsrecht: Erkennbarkeit und Auswertung des Ortungssystems liegt allein beim Arbeitgeber.<\/li>\n<li>Die Gesetzentw&uuml;rfe der SPD-Fraktion (Bundestags-Drucksache 17\/69) und von B&uuml;ndnis 90\/Die Gr&uuml;nen sehen umfangreiche Einsichts-, Auskunfts- und Korrekturrechte des Besch&auml;ftigten\/der Besch&auml;ftigten vor. Sie fehlen im Gesetzentwurf der Bundesregierung, damit wird das Mitwirkungs- und das Transparenzgebot verletzt. Diese geh&ouml;ren aber zu den Kernbestandteilen eines wirksamen Besch&auml;ftigtendatenschutzes.<\/li>\n<li>Aus b&uuml;rgerrechtlicher Sicht erforderlich ist auch ein Ma&szlig;regelungsverbot, wie es unter anderem der Gesetzentwurf der SPD-Fraktion vorsieht (&sect;&nbsp;24).<\/li>\n<li>Im Gesetzentwurf der Bundesregierung fehlt ein Beauftragter (eine Beauftragte) f&uuml;r den Besch&auml;ftigtendatenschutz. Er ist in den beiden Alternativentw&uuml;rfen enthalten.<\/li>\n<li>V&ouml;llig inakzeptabel ist aus Sicht der Humanistischen Union der geplante &sect;&nbsp;32l im Gesetzentwurf der Bundesregierung (Einwilligung, Geltung f&uuml;r Dritte, Rechte der Interessenvertretungen, Beschwerderecht, Unabdingbarkeit). &sect; 32l verst&ouml;&szlig;t gegen Artikel 28 Absatz 4 der Richtlinie 95\/46\/EG zum Schutz nat&uuml;rlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten und zum freien Datenverkehr (Datenschutzrichtlinie). Die in Absatz 4 des Entwurfs getroffene Regelung, dass sich Arbeitnehmer\/innen erst an eine zust&auml;ndige Beh&ouml;rde wenden k&ouml;nnen, wenn der Arbeitgeber einer entsprechenden Beschwerde nicht abgeholfen hat, verst&ouml;&szlig;t gegen europ&auml;isches Recht. Denn gem&auml;&szlig; Artikel 28 Absatz 4 der Datenschutzrichtlinie muss jeder Person vorbehaltlos das Recht einger&auml;umt werden, sich mit der Bitte, die Rechtm&auml;&szlig;igkeit einer Datenverarbeitung &uuml;berpr&uuml;fen zu lassen, an eine Kontrollstelle wenden zu k&ouml;nnen. Die in der Richtlinie enthaltenen Vorgaben stellen eine Mindestanforderung dar, an die der deutsche Gesetzgeber gebunden ist. <br \/>Der Humanistischen Union ist es wichtig, diese Vorschrift in Zusammenhang mit &sect; 32e des Entwurfs zu setzen (Datenerhebung ohne Kenntnis des Besch&auml;ftigten zur Aufdeckung und Verhinderung von Straftaten und anderen schwerwiegenden Pflichtverletzungen im Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnis). W&auml;hrend &sect; 32e dem Arbeitgeber die M&ouml;glichkeit gibt, Besch&auml;ftigte bei Verdacht einer Straftat heimlich zu &uuml;berwachen, sollen Besch&auml;ftigte verpflichtet werden, ihren Arbeitgeber zu informieren, wenn sie das Gef&uuml;hl haben, dass dieser sie &uuml;berwacht. Liest ein Arbeitgeber aber zum Beispiel unberechtigt die privaten E-Mails eines Besch&auml;ftigten, so stellt dies ebenfalls eine Straftat dar (&sect; 202a StGB &ndash; Aussp&auml;hen von Daten).<\/li>\n<\/ol>\n<p>Links<\/p>\n<dd>\n<p class=\"bodytext\"><a href=\"http:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/17\/042\/1704230.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gesetzentwurf der Bundesregierung, BT-Drs. 17\/4230 v. 15.12.2010<\/a>\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><a href=\"http:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/17\/048\/1704853.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gesetzentwurf der Fraktion B&uuml;ndnis 90\/Die Gr&uuml;nen, BT-Drs. 17\/4853 v. 22.2.2011<\/a>\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><a href=\"http:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/17\/000\/1700069.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gesetzentwurf der Fraktion der SPD, BT-Drs. 17\/69 v. 25.11.2009<\/a>\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><a href=\"http:\/\/www.bundestag.de\/bundestag\/ausschuesse17\/a04\/Anhoerungen\/Anhoerung08\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&Ouml;ffentliche Anh&ouml;rung im Innenausschuss des Deutschen Bundestages zum Besch&auml;ftigtendatenschutz, 23.5.2011 &#8211; Dokumente<\/a><\/p>\n<\/dd>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-7594","thema","type-thema","status-publish","hentry","category-datenschutz"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Stellungnahme zu den Gesetzentw\u00fcrfen zum Besch\u00e4ftigtendatenschutz (Kurzfassung) - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/thema\/stellungnahme-gesetzentwuerfe-beschaeftigtendatenschutz\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Stellungnahme zu den Gesetzentw\u00fcrfen zum Besch\u00e4ftigtendatenschutz (Kurzfassung) - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Anl\u00e4sslich der \u00f6ffentlichen Anh\u00f6rung im Innenausschuss des Deutschen Bundestages am 23. 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