{"id":10041,"date":"1998-12-01T17:50:00","date_gmt":"1998-12-01T16:50:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/contra-enge-zustimmungsloesung\/"},"modified":"1998-12-01T12:00:00","modified_gmt":"1998-12-01T11:00:00","slug":"contra-enge-zustimmungsloesung","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/164\/publikation\/contra-enge-zustimmungsloesung\/","title":{"rendered":"Contra Enge Zustimmungsl\u00f6sung"},"content":{"rendered":"<p>Der von Till M\u00fcller-Heidelberg in seinem Artikel &#132;Die W\u00fcrde des Menschen im Sterben&#147; (Grundrechte-Report 1998) vertretenen Position pro enge Zustimmungsl\u00f6sung widerspricht HU-Mitglied Hermann Kraus, F\u00fcrth:<\/p>\n<p>Mitteilungen Nr. 164, S. 115<\/p>\n<p>&#132;Wer sich ethisch nicht zu sehr nach Meinungen Prominenter und auch nicht nach ver\u00e4nderlichen juristischen Gegebenheiten richten m\u00f6chte, sondern vorwiegend nach dem Genesungswunsch kranker, noch heilbarer Menschen, sollte sich meiner Meinung nach f\u00fcr die Widerspruchsl\u00f6sung entscheiden. Unter anderem aus folgenden Gr\u00fcnden:<\/p>\n<p>1) Welcher Entscheidung ist der gr\u00f6\u00dfere ethische Wert zuzusprechen (meine Meinung: A statt B)?: A) Durch mehr Organverpflanzungen, wie sie bei der Widerspruchsl\u00f6sung mit Sicherheit zu erwarten sind, werden mehr kranke Menschen geheilt, ja vor einem fr\u00fchzeitigen Tod gerettet. Oder B): durch weniger Organverpflanzungen, wie sie bei der noch dazu engen Zustimmungsl\u00f6sung mit ebensolcher Sicherheit zu erwarten sind, m\u00fcssen zwar viele Menschen ungeheilt bleiben und fr\u00fchzeitig sterben; daf\u00fcr wird vermieden, da\u00df auch solchen hirntoten Menschen Organe entnommen werden, die &#150; vor ihrem Tod ausdr\u00fccklich befragt &#150; dem vielleicht nicht zugestimmt h\u00e4tten. Und das, obwohl eine Reanimierung derart ausgeschlossen ist, da\u00df die lebens-, realistischerweise: sterbenserhaltenden Maschinen abgeschaltet werden k\u00f6nnen &#8211; d.h. eine passive Sterbehilfe geleistet werden kann, die von einer aktiven Sterbehilfe gar nicht mehr wesentlich zu unterscheiden ist.<\/p>\n<p>2) Die aktive Sterbehilfe wurde indirekt schon in dem Anzeigenaufruf in den N\u00fcrnberger Tageszeitungen vom 1.12.1976 mit anvisiert, durch den sich die &#132;Initiative f\u00fcr humanes Sterben nach Wunsch der Sterbenden&#147; etablierte. Diese Initiative wurde in der Zielsetzung unterst\u00fctzt von antifaschistischen \u00f6rtlichen Organisationen wie der Humanistischen Union (HU), dem Bund f\u00fcr Geistesfreiheit (bfg) und der Deutschen Friedensgesellschaft &#150; Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG &#8211; VK) sowie von Einzelpers\u00f6nlichkeiten wie Gewerkschaftssekr\u00e4teren. Ausdr\u00fccklich wurde dabei positiv Bezug genommen auf Euthanasie in dem urspr\u00fcnglich guten Sinn dieses sch\u00f6nen Wortes. Diese Sterbehilfe-Initiative wandelte sich im Bund f\u00fcr Geistesfreiheit (bfg) N\u00fcrnberg um in die &#132;Gesellschaft f\u00fcr Humanes Sterben&#147; (DGHS), deren bemerkenswert starkes Auf und Ab und nun dauerhaftes Auf allgemein bekannt sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>3) Nachdem der Hirntod auf Wunsch des sterbenden Menschen durch aktive Sterbehilfe herbeigef\u00fchrt oder spontan eingetreten w\u00e4re, k\u00f6nnte im \u00fcbrigen von einer weiteren Sterbehilfe sinnvoll kaum mehr die Rede sein: Als Person ist der betreffende Mensch bereits gestorben &#150; kann doch z.B. niemals mehr etwas w\u00fcnschen oder nicht w\u00fcnschen. Wenn dem Personenbegriff des au\u00dferhalb der Bundesrepublik sehr angesehenen atheistischen Moralphilosophen Peter Singer jemals zuzustimmen ist, dann hier. Denn hier sind gesellschaftlich wie individual vorrangig ethisch positive Auswirkungen (vermehrte Organspenden zur ethisch hochwertigen Lebenserhaltung) zu erwarten. Wo dagegen eher negative Auswirkungen zu erwarten sind, wegen negativer gesellschaftlicher Bedingungen, ist die Anwendung des singerschen Personenbegriffs &#150; aus gesellschaftlichen Gr\u00fcnden! &#150; meiner Meinung nach abzulehnen.<\/p>\n<p>4) Einem Menschen, dem die Entscheidung pro oder contra seine Organspende derart wenig bedeutet, da\u00df er sich nicht mal zu einem Widerspruch aufrafft, kann in Anbetracht der hoch-, ja h\u00f6chstwertigen Rettung von vom Tod bedrohten Patienten als Organspender\/in angesehen werden. Im Zweifel f\u00fcr die Lebenden!&#147;<\/p>\n<p>Hermann Kraus<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[32],"tags":[743],"autoren":[1677],"publikationen":[970],"class_list":["post-10041","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","category-sterbehilfe","tag-sterbehilfe","autoren-hermann-kraus","publikationen-970"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Contra Enge Zustimmungsl\u00f6sung - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/164\/publikation\/contra-enge-zustimmungsloesung\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Contra Enge Zustimmungsl\u00f6sung - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Der von Till M\u00fcller-Heidelberg in seinem Artikel &#132;Die W\u00fcrde des Menschen im Sterben&#147; 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