{"id":10193,"date":"2002-03-20T13:40:00","date_gmt":"2002-03-20T12:40:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/nichts-ist-so-unsicher-wie-der-krieg-wer-den-terror-besiegen-will-muss-das-recht-staerken-1\/"},"modified":"2020-08-03T07:53:15","modified_gmt":"2020-08-03T05:53:15","slug":"nichts-ist-so-unsicher-wie-der-krieg-wer-den-terror-besiegen-will-muss-das-recht-staerken-1","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/grundrechte-report\/2002\/publikation\/nichts-ist-so-unsicher-wie-der-krieg-wer-den-terror-besiegen-will-muss-das-recht-staerken-1\/","title":{"rendered":"Nichts ist so unsicher wie der Krieg. Wer den Terror besiegen will, muss das Recht st\u00e4rken"},"content":{"rendered":"<p>Ulrich Finckh<\/p>\n<p>Grundrechte-Report 2002, S. 27-35<\/p>\n<p>Wer den Terror besiegen will, m uss das Recht st\u00e4rk en<br \/>Die Bilder vom Einsturz des World Trade Center am 11. September<br \/>2001 haben betroffen gemacht. Was f\u00fcr ein monstr\u00f6ses Verbrechen!<br \/>Und wie bedrohlich! Wer hat nicht schon mit einem<br \/>leichten Schwindel von einem Hochhaus geschaut? Wer ist nicht<br \/>schon geflogen mit der bangen Frage, ob alle und alles richtig<br \/>funktionieren? Da bleibt das n\u00fcchterne Wissen auf der Strecke,<br \/>dass es nach wie vor gef\u00e4hrlicher ist, eine Hauptstra\u00dfe zu \u00fcberqueren<br \/>als ein Hochhaus zu besteigen oder mit dem Auto statt<br \/>mit dem Flugzeug von Hamburg nach M\u00fcnchen zu reisen. Die<br \/>Katastrophenbilder \u00fcberrennen unser n\u00fcchternes Wissen. Regierungen,<br \/>die seit Jahren ihre Macht ausbauen, beeilen sich,<br \/>dem Gef\u00fchl der Unsicherheit populistisch nachzugeben durch<br \/>das Versprechen von mehr Sicherheit, und das Milit\u00e4r behauptet:<br \/>\u00abWir produzieren Sicherheit.\u00bb In Wahrheit ist nichts so unsicher<br \/>wie Krieg.<\/p>\n<h5><span id=\"schock-ist-ein-schlechter-ratgeber\">Schock ist ein schlechter Ratgeber<\/span><\/h5>\n<p>Wenn schockierende Ereignisse verunsichern, besteht die Gefahr<br \/>folgenreicher Fehlentscheidungen. Das zeigt ein Blick in die Geschichte.<br \/>Der Schock \u00fcber den Mord an dem Habsburger Kronprinzenpaar<br \/>1914 f\u00fchrte in den Ersten Weltkrieg mit \u00fcber acht<br \/>Millionen Toten und ungez\u00e4hlten weiteren Opfern. Der Schock<br \/>des Reichstagsbrandes erm\u00f6glichte 1933 \u00fcber das \u00abGesetz zur<br \/>Behebung der Not von Volk und Reich\u00bb die Diktatur Hitlers mit<br \/>Zustimmung aller konservativen, christlichen und liberalen Abgeordneten.<br \/>Diesem Brand des Symbols folgte wenige Jahre sp\u00e4ter<br \/>ein Weltenbrand mit Millionen Ermordeten, insgesamt \u00fcber<br \/>55 Millionen Toten und vielen Millionen Vergewaltigter, Vertriebener<br \/>und Verkr\u00fcppelter.<br \/>Den Schock des 11. September 2001 hat Pr\u00e4sident Bush in<br \/>einer Weise ausgenutzt, die den genannten Beispielen des Reagierens<br \/>auf eine Schocksituation nicht un\u00e4hnlich ist. Er sprach<br \/>sofort von einem Krieg, der den USA aufgezwungen werde, vom<br \/>Kampf des Guten gegen das B\u00f6se, von einem Kreuzzug und k\u00fcndigte<br \/>einen lang dauernden Krieg gegen den internationalen Terrorismus<br \/>an. Auf das schauerliche Verbrechen reagierte er nicht<br \/>mit rechtsstaatlichen Mitteln der Strafverfolgung, sondern mit<br \/>einer Kriegserkl\u00e4rung. Aber f\u00fcr den Kampf des Guten gegen das<br \/>B\u00f6se sind Religionsstifter zust\u00e4ndig. Wo Staaten das Gute organisieren<br \/>oder erk\u00e4mpfen wollten, endete das stets in Gesinnungsterror<br \/>und Diktatur. In Wahrheit treibt Pr\u00e4sident Bush ein<br \/>doppeltes Spiel. Wenn er Krieg f\u00fchrt, muss er die Gegner als<br \/>Kriegsgefangene korrekt nach den Rote-Kreuz-Konventionen<br \/>behandeln. Das geschieht aber nicht, sondern sie werden als<br \/>Verbrecher behandelt. Verbrechensbek\u00e4mpfung ist auf die Angemessenheit<br \/>der Mittel verpflichtet und darf nicht zum Luftkrieg<br \/>f\u00fchren. Was die USA in Afghanistan getan haben, ist mit<br \/>dem V\u00f6lkerrecht unvereinbar; der Anspruch Gut gegen B\u00f6se ist<br \/>\u00fcberzogen.<\/p>\n<h5><span id=\"terrorismus-die-unbestimmte-groesse\">Terrorismus, die unbestimmte Gr&ouml;&szlig;e<\/span><\/h5>\n<p>Terrorismus ist ein vager Begriff. Bisher gibt es zwar Konventionen<br \/>gegen Piraterie und Luftpiraterie, aber in vielen F\u00e4llen ist<br \/>Terrorismus sogar privilegiert. In Auslieferungsabkommen wer<br \/>den in der Regel politische Straftaten ausgenommen. Was die<br \/>einen Terrorismus nennen, ist f\u00fcr andere berechtigter politischer<br \/>Protest, Widerstand gegen staatlichen Terror oder Freiheitskampf<br \/>gegen Fremdherrschaft. Die separatistische und terroristische<br \/>U\u00e1&#128;\u00a1K im Kosovo wurde von der Nato unterst\u00fctzt. Die<br \/>kurdischen Parteien in der T\u00fcrkei werden als Terroristen verfolgt,<br \/>selbst wenn sie mit friedlichen Mitteln nur die Anerkennung<br \/>ihrer Sprache auch in Schulen und \u00c4mtern fordern. Ein anderes<br \/>Beispiel ist Tschetschenien. F\u00fcr Russland ist der Krieg ein<br \/>Kampf gegen Terroristen. F\u00fcr den Westen war es bis vor kurzem<br \/>der Freiheitskampf eines unterdr\u00fcckten Volkes. Aber nach der<br \/>Ann\u00e4herung Russlands an den Westen sollen wir das auf einmal<br \/>anders sehen. Was ist also Terrorismus? F\u00fcr Pazifisten ist das<br \/>klar, sie kritisieren jede kriegerische Gewalt. Aber f\u00fcr die, die<br \/>zum Einsatz milit\u00e4rischer Gewalt bereit sind, ist es schwierig.<br \/>Ihre Definition von Terrorismus wird von den eigenen Interessen<br \/>bestimmt und bleibt deshalb willk\u00fcrlich.<\/p>\n<h5><span id=\"durch-unrecht-zur-gerechtigkeit\">Durch Unrecht zur Gerech&shy;tig&shy;keit?<\/span><\/h5>\n<p>Terrorismus kann ein Ausma\u00df annehmen, dass er den Frieden<br \/>bedroht. Der Sicherheitsrat der Uno hat das im Blick auf den<br \/>11. September festgestellt und in zwei Resolutionen polizeiartige<br \/>Ma\u00dfnahmen beschlossen.1 Die USA haben sich damit aber nicht<br \/>begn\u00fcgt, sondern das Selbstverteidigungsrecht des Art. 51 UNCharta<br \/>\u00fcber jedes vern\u00fcnftige Ma\u00df hinaus in Anspruch genommen.<br \/>Weil sie den Anstifter Osama bin Laden in Afghanistan<br \/>vermuteten, haben sie unter Kriegsdrohung seine Auslieferung<br \/>verlangt, sich aber nicht darauf eingelassen, seine Schuld zu beweisen,<br \/>um ihn vor ein Gericht zu stellen.<br \/>Statt die Uno und das internationale Recht zu st\u00e4rken, haben<br \/>die USA sich f\u00fcr kriegerische Machtpolitik entschieden und daf\u00fcr<br \/>Verb\u00fcndete gesucht. Dass viele Verb\u00fcndete mit Menschenrechten,<br \/>Rechtsstaat und Demokratie nicht das Geringste zu tun<br \/>haben wollen, wird geflissentlich \u00fcbersehen. Andererseits wird<br \/>die Erinnerung an den 11. September zelebriert. Noch nach Monaten<br \/>haben amerikanische Fernsehnachrichten dicke Titel-Balken<br \/>\u00abAMERICA at WAR\u00bb oder \u00abWAR against TERROR\u00bb.<br \/>Der Nationalismus wird dabei in einer f\u00fcr uns schwer nachvollziehbaren<br \/>Weise angeheizt. Aber niemand fragt, ob die hohe<br \/>Zahl von fast 3000 Opfern der Anschl\u00e4ge unvermeidbar war.<br \/>Warum haben die Geheimdienste und die Passagierkontrollen so<br \/>versagt? Warum sind in so gewaltigen Hochh\u00e4usern nicht zwei<br \/>m\u00f6glichst weit voneinander getrennt liegende Treppenh\u00e4user<br \/>vorgeschrieben? Warum wurden Feuerwehrleute in die T\u00fcrme<br \/>geschickt, deren Instabilit\u00e4t bei einem solchen Brandinferno<br \/>Fachleuten bewusst sein musste? Jetzt werden die toten Firefighter<br \/>als Helden verehrt (was sie subjektiv ja auch waren). Die<br \/>vielen Opfer dienen als Rechtfertigung f\u00fcr rigorose Einschr\u00e4nkungen<br \/>von Menschenrechten, f\u00fcr die Errichtung von unfairen<br \/>Kriegsgerichten, f\u00fcr die unkontrollierte \u00c4chtung von Menschen<br \/>und Firmen auf Terroristenlisten, f\u00fcr Geheimdienstvollmachten<br \/>bis hin zu Mordaktionen &#150; und eben f\u00fcr Krieg.<\/p>\n<h5><span id=\"krieg-als-mittel-der-politik\">Krieg als Mittel der Politik<\/span><\/h5>\n<p>Auch deutsches Milit\u00e4r wurde f\u00fcr den Krieg bereitgestellt, den<br \/>der Sicherheitsrat der UN weder gebilligt noch gar gefordert<br \/>hat. Den Bundestagsbeschluss dazu hat der Bundeskanzler<br \/>durch die Verbindung mit der Vertrauensfrage erwirkt, die aus<br \/>der Sachentscheidung eine Machtentscheidung gemacht hat.<br \/>Damit erscheint der kriegerische Einsatz von Milit\u00e4r als norma<br \/>les Mittel der Politik, sofern man nur Vertrauen zur Regierung<br \/>hat. Neben dem vom Sicherheitsrat inzwischen beschlossenen<br \/>Milit\u00e4rkontingent zur Sicherung der afghanischen Hauptstadt<br \/>Kabul sind Seestreitkr\u00e4fte ins Seegebiet vor Somalia und Jemen<br \/>entsandt und ABC-Abwehrkr\u00e4fte bereitgestellt worden. Niemand<br \/>wei\u00df, welche kriegerischen Verwicklungen daraus entstehen.<br \/>Was der fr\u00fchere Verteidigungsminister R\u00fche mit der Aufstellung<br \/>der Krisenreaktionskr\u00e4fte vorbereitete, ist damit unerwartet<br \/>schnell zur st\u00e4ndigen Praxis geworden.<br \/>Den handelnden Politikern ist zuzustimmen, dass es bei der Auseinandersetzung<br \/>mit den terroristischen Verbrechen des 11. September<br \/>auch um freiheitliches Leben und friedliches Miteinander<br \/>der Menschen und Staaten \u00fcber politische, religi\u00f6se und<br \/>andere Grenzen hinweg geht. Wie kann dies aber bewahrt werden,<br \/>wenn man es als Erstes aufgibt? Und wie k\u00f6nnen die Spielregeln<br \/>friedlichen, rechtsstaatlichen und demokratischen Lebens<br \/>verteidigt werden, wenn man sie selbst nicht beachtet?<br \/>Afghanistan wurde von den USA, Saudi-Arabien und Pakistan<br \/>erst den Mudschaheddin, dann den Taliban mit viel Geld<br \/>und Waffen in die H\u00e4nde gespielt, obwohl diese die Menschenrechte,<br \/>besonders die der Frauen, mit F\u00fc\u00dfen traten und zu den<br \/>schlimmsten Drogenbossen geh\u00f6rten. Da ging es nicht um Freiheit<br \/>und Recht, sondern um das Zur\u00fcckdr\u00e4ngen der UdSSR in<br \/>der Zeit des Kalten Krieges und um den Zugang zu den Erd\u00f6lund<br \/>Erdgasfeldern Mittelasiens. Das Land wurde durch die<br \/>K\u00e4mpfe verw\u00fcstet und die lebenswichtige Arbeit der Hilfsorganisationen<br \/>wurde immer wieder fatal gest\u00f6rt.<\/p>\n<h5><span id=\"der-andere-11-september-150-anlass-zum-nachdenken\">Der andere 11. September &#150; Anlass zum Nachdenken?<\/span><\/h5>\n<p>Das Datum der Attentate in New York und Washington erinnert<br \/>an den 11. September vor 28 Jahren. Damals hat, von den<br \/>USA gefordert und gef\u00f6rdert, General Pinochet in Chile gegen<br \/>den demokratisch gew\u00e4hlten Pr\u00e4sidenten Allende geputscht.<br \/>Tausende fielen den M\u00f6rdern und Folterknechten seiner Diktatur<br \/>zum Opfer. Unrecht und Terror haben die USA verschiedentlich<br \/>unterst\u00fctzt. Beispiele waren die Unterst\u00fctzung des<br \/>v\u00f6lkerrechtswidrigen Angriffs- und Eroberungskrieges von<br \/>Saddam Hussein gegen den Iran (trotz Giftgaseinsatzes) oder<br \/>von Savimbi in Angola oder von Todesschwadronen in Mittelamerika.<br \/>Der Nobelpreistr\u00e4ger Erzbischof Tutu meint: Die<br \/>Amerikaner haben viele Frankensteins geschaffen.2 Aber die<br \/>von ihnen mitgegr\u00fcndete Uno und ihre Unterorganisationen<br \/>werden von ihnen viel zu wenig unterst\u00fctzt. Gegen internationales<br \/>Recht sperren die USA sich. In letzter Zeit haben sie die<br \/>\u00dcberpr\u00fcfung der Konvention gegen Biowaffen platzen lassen.<br \/>Wie die Milzbrandbriefe zeigten, hatten sie die Konvention<br \/>nicht eingehalten. Sie haben den internationalen Strafgerichtshof<br \/>abgelehnt, der jetzt n\u00f6tig w\u00e4re. Sie haben den ABM-Vertrag<br \/>gek\u00fcndigt, aber sie wundern sich, dass die meisten Menschen<br \/>ihre Politik kritisieren, die zwischen amerikanischen und<br \/>anderen Opfern so unterscheidet, dass das alle Welt als ungerecht<br \/>empfinden muss, weil die eigenen moralischen Anspr\u00fcche<br \/>nicht beachtet werden.<\/p>\n<h5><span id=\"zauberlehrlinge\">Zauberlehrlinge<\/span><\/h5>\n<p>Verbrechen wie am 11. September 2001 entstehen vermutlich<br \/>auch aus Gewalt und Unrecht und antworten darauf.3<br \/>Osama bin Laden, sein Netzwerk Al-Qaida und die Mudschaheddin<br \/>wurden von den USA und anderen gef\u00f6rdert, ausger\u00fcstet<br \/>und zum Partisanenkrieg gegen die als Unrecht empfundene<br \/>Besetzung Afghanistans durch die UdSSR ermutigt &#150; nach<br \/>heutigem Sprachgebrauch also als \u00abTerroristen\u00bb zu agieren. Als<br \/>die Warlords sich gegenseitig bekriegten, wurden die Taliban gegen<br \/>sie gef\u00f6rdert und mit ihnen wieder bin Laden und Al-Qaida.<br \/>Aus den gesch\u00e4ftlichen Kontakten seiner Familie kannte bin Laden<br \/>ohne Zweifel die Erd\u00f6l- und Erdgasinteressen der USA in<br \/>Mittelasien. Aber die USA verstanden anscheinend nicht, dass er<br \/>und seine islamistischen Mitarbeiter fremde Gro\u00dfmachtanspr\u00fcche<br \/>grunds\u00e4tzlich ablehnen. F\u00fcr fundamentalistische Moslems<br \/>sind die USA ebenso \u00abwestlich \u00bb gottlos und unmoralisch wie<br \/>fr\u00fcher die UdSSR. Hinzu kommt in der Dritten Welt die Emp\u00f6rung<br \/>dar\u00fcber, wie die Industriestaaten ihre Macht gebrauchen,<br \/>um Zug\u00e4nge zu Rohstoffen zu sichern, unfaire Handelsbedingungen<br \/>durchzusetzen und willf\u00e4hrige Diktatoren zu inaugurieren<br \/>oder im Amt zu halten. Und in der islamischen Welt ist<br \/>Islamismus oft auch Protest gegen Regierungen, die als Kollaborateure<br \/>angesehen werden, und er ist im Schutz der Berufung auf<br \/>die Religion verst\u00e4ndlicher Protest, wo andere Proteste mit Gewalt<br \/>unterdr\u00fcckt werden.<br \/>Im Westen wird kaum nach dem N\u00e4hrboden terroristischer<br \/>Verbrechen gefragt, um Abhilfe zu schaffen und k\u00fcnftigen Verbrechen<br \/>m\u00f6glichst vorzubeugen. Die Auskunft, bin Laden sei<br \/>doch Multimillion\u00e4r, es k\u00f6nne nicht um Ungerechtigkeit gehen,<br \/>greift zu kurz. Emp\u00f6rung \u00fcber Ungerechtigkeit gibt es nicht nur<br \/>bei den selbst Betroffenen, wie man seit Dr. Karl Marx und dem<br \/>Unternehmer Friedrich Engels wissen sollte. Und das Ausnutzen<br \/>von Unzufriedenheit hat schon Julius C\u00e4sar praktiziert, der<br \/>wahrlich nicht zur Unterschicht geh\u00f6rte. Es geht deshalb darum,<br \/>sowohl selbstkritisch nach Vers\u00e4umnissen des reichen Westens<br \/>zu fragen als auch positiv Frieden, weltweiten sozialen Ausgleich<br \/>und das internationale Recht zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<h5><span id=\"neue-wertungen\">Neue Wertungen<\/span><\/h5>\n<p>Deutschland macht beim Krieg gegen den Terrorismus mit.<br \/>Manche Kommentatoren nennen das \u00aberwachsen werden\u00bb.<br \/>Krieg und Gewalt als Kriterium f\u00fcr das Erwachsensein ist pubert\u00e4rer<br \/>Irrglaube. Damit arbeiten zwar weltweit die Werber<br \/>f\u00fcrs Milit\u00e4r, wenn sie sich an 16-, 17-J\u00e4hrige wenden, um deren<br \/>pubert\u00e4re Unsicherheit auszunutzen und ihnen einzureden, als<br \/>Soldaten seien sie richtige M\u00e4nner. Erwachsen ist man(n) jedoch<br \/>erst, wenn man(n) solche Pseudom\u00e4nnlichkeit nicht mehr n\u00f6tig<br \/>hat und Konflikte auf rechtsstaatliche, m\u00f6glichst friedliche<br \/>Weise l\u00f6sen kann. Deshalb sind solche Kommentare ebenso unsinnig<br \/>wie die Rede von den neuen, nichtstaatlichen Konflikten.<br \/>Stehen nicht hinter den meisten innerstaatlichen Konflikten andere<br \/>Staaten, die auf diese Weise ihre Interessen mit m\u00f6glichst<br \/>geringem eigenem Einsatz verfolgen, oder nationalistische<br \/>Ideen, die Staaten zur eigenen Konstituierung hegen und pflegen?<br \/>H\u00f6chst problematisch ist ebenso die Behauptung, nun seien<br \/>die Deutschen in der Realit\u00e4t angekommen. Das gilt allenfalls,<br \/>wenn man als Realit\u00e4t ansieht und akzeptiert, dass der Zugang<br \/>zu Erd\u00f6l und Erdgas Kriege und Komplizenschaft mit Mafia<br \/>und \u00fcblen Diktatoren rechtfertigt. Wir weigern uns, das als<br \/>rechtens zu sehen, und bleiben bei dem, was das Grundgesetz<br \/>fordert: Frieden, Rechtsstaat, Achtung von Grund- und Menschenrechten,<br \/>Ernstnehmen des internationalen Rechts, wie wir<br \/>es nach 1945 von den USA, Gro\u00dfbritannien und Frankreich gelernt<br \/>haben und wie es auch heute von den Menschenrechtsgruppen<br \/>und Friedenskirchen in den USA gegen die derzeitige<br \/>Kriegspolitik vehement vertreten wird. Auch f\u00fcr die Au\u00dfenpolitik<br \/>gilt, dass Frieden und Gerechtigkeit nur gef\u00f6rdert werden<br \/>k\u00f6nnen, wenn alle, auch die reichen und m\u00e4chtigen Staaten, sich<br \/>dem internationalen Recht im Rahmen der Uno unterordnen<br \/>und die gemeinsamen Institutionen unterst\u00fctzen.<\/p>\n<h5><span id=\"anmerkungen\">Anmerkungen<\/span><\/h5>\n<p>1 Resolutionen 1368 und 1373<br \/>2 Magazin der Frankfurter Rundschau vom 12. Januar 2002<br \/>3 Chalmers Johnson:\u00bb Ein Imperium verf\u00e4llt\u00bb, M\u00fcnchen 2001, analysiert die Problematik<br \/>der US-Politik vor allem am Beispiel Ostasiens und begr\u00fcndet damit<br \/>die Gefahr von \u00abR\u00fcckst\u00f6\u00dfen\u00bb (\u00abBlowback\u00bb &#150; englischer Titel)<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[],"autoren":[],"publikationen":[1022],"class_list":["post-10193","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","publikationen-1022"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Nichts ist so unsicher wie der Krieg. 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