{"id":10602,"date":"2018-05-17T09:30:00","date_gmt":"2018-05-17T07:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/rechtsradikale-in-der-bundeswehr-im-geiste-der-freikorps\/"},"modified":"2021-08-30T15:42:49","modified_gmt":"2021-08-30T13:42:49","slug":"rechtsradikale-in-der-bundeswehr-im-geiste-der-freikorps","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/221-222\/publikation\/rechtsradikale-in-der-bundeswehr-im-geiste-der-freikorps\/","title":{"rendered":"Rechtsradikale in der Bundeswehr \u0096 im Geiste der Freikorps*"},"content":{"rendered":"<p>in: vorg&auml;nge Nr. 221\/222 (1-2\/2018), S. 197-211<\/p>\n<p><i>Soldaten mit rechtsradikalen Einstellungen sind weder ein Einzelfall, noch ein neues Problem der Bundeswehr. Wolfram Wette zeichnet im folgenden Beitrag die Geschichte rechter Haltungen in deutschen Armeen von den Freikorps und der Wehrmacht bis zu aktuellen Vorf&auml;llen der Bundeswehr nach. <\/i><\/p>\n<p><b>Rechtsradikalismus in Deutschland nach 1945. Was ist das?<\/b><\/p>\n<p>Gibt es in der Bundeswehr Rechtsradikalismus? Ist er wom&ouml;glich stark verbreitet? Oder tritt er nur in Einzelf&auml;llen hervor? Alte Streitfragen, die bekanntlich sehr unterschiedlich beantwortet werden! Wenn wir unser Thema ernsthaft und ohne vordergr&uuml;ndige Polemik behandeln wollen, so m&uuml;ssen wir mit der Frage beginnen: Welche Kriterien stehen uns zur Verf&uuml;gung, um Rechtsradikalismus in der Bundeswehr erkennen und beschreiben zu k&ouml;nnen?1<\/p>\n<p>Eine allgemein verbindliche Definition von Rechtsradikalismus und Rechtsextremismus gibt es nicht.2 Im allgemeinen Sprachgebrauch werden beide Begriffe synonym verwendet zur Kennzeichnung der Gesinnung, der Methoden und der Ziele der &auml;u&szlig;ersten Rechten. Im Folgenden verzichte ich auf eine weitergehende politikwissenschaftliche oder gar juristische Definition der Begriffe: Rechte, Rechtsnationale, Rechtspopulisten, Rechtsradikale, Rechtsextremisten und Neonazis unter Hinweis darauf, dass die Grenzen flie&szlig;end sind. Stattdessen m&ouml;chte ich inhaltliche Positionen der Rechtsextremisten benennen, um hernach rechtsradikales Denken im Milit&auml;r zu beleuchten, das einige Besonderheiten aufweist, die mit dem spezifischen Milieu zu tun haben. Dem milit&auml;rischen Rechtsradikalismus werde ich mich mit dem Blick des Historikers n&auml;hern, indem ich dem politischen Ort nachsp&uuml;re, den das Milit&auml;r in verschiedenen Phasen der j&uuml;ngeren deutschen Geschichte eingenommen hat.<\/p>\n<p>In der Bundesrepublik Deutschland bildete sich nach dem Kriegsende 1945 schrittweise eine neue, demokratische Kultur heraus.3 Ihr wichtigstes Kennzeichen bestand darin, dass die Nazi-Zeit &#8211; aus demokratischer Sicht &#8211; gleichsam als Negativfolie f&uuml;r die Gestaltung einer demokratischen Gegenwart und Zukunft galt.4 Immer mehr Menschen in unserem Land waren bereit, diesen Wandel mitzutragen5, weshalb Historiker sp&auml;ter feststellten, diesmal sei die deutsche Demokratie &#8222;gegl&uuml;ckt&#8220;.6<\/p>\n<p>Die zivilen Rechtsradikalen erkannte man daran, dass sie den Weg in die Demokratie nicht mitgingen, sondern stattdessen &#8211; ganz oder teilweise &#8211; in den Denkstrukturen der Nazi-Zeit verharrten. Als rechtsradikal galt infolgedessen in der Bonner Republik ein aggressiver Nationalismus und Antikommunismus, ein elit&auml;res, rassistisch gepr&auml;gtes Sendungsbewusstsein, die Idee eines politischen &#8222;F&uuml;hrertums&#8220;, das identisch war mit der Ablehnung der&nbsp; Demokratie sowie der Feindschaft gegen Ausl&auml;nder, Minderheiten, fremde V&ouml;lker und Staaten, aber auch gegen Andersdenkende in der Innenpolitik. Als rechtsradikal galten weiterhin der Antisemitismus und der v&ouml;lkische Rassismus, der sozialdarwinistisch hergeleitete Glaube an das Recht des St&auml;rkeren, schlie&szlig;lich die Bereitschaft zur Durchsetzung der erstrebten Ziele mittels Gewalt. Der deutsche Rechtsradikalismus gab sich auch durch die Relativierung oder Leugnung der Verbrechen und die anhaltende Verherrlichung des NS-Staates zu erkennen.7 Viele seiner Vertreter wollten zudem eine deutsche Kriegsschuld nicht anerkennen. Sie sahen im 8. Mai 1945 nicht &#8211; wie Richard v. Weizs&auml;cker &#8211; den Tag der Befreiung von der nationalsozialistischen Terrorherrschaft, sondern beklagten ihn als Tag der Niederlage und des Zusammenbruchs.<\/p>\n<p>Der milit&auml;rische Rechtsradikalismus teilte diese Sichtweisen und pflegte dar&uuml;ber hinaus das wahrheitswidrige Bild von einer &#8222;sauber&#8220; gebliebenen Wehrmacht. Die Rechtsradikalen in Uniform leugneten eine Beteiligung der Wehrmacht am Holocaust, ebenso die Verantwortung der Wehrmacht f&uuml;r das Massensterben von sowjetischen Kriegsgefangenen und die Ermordung von Millionen ziviler Sowjetb&uuml;rger. Schlie&szlig;lich rechtfertigten sie die Kollaboration, also jene politischen Kr&auml;fte in Europa, die mit Hitler-Deutschland zusammengearbeitet hatten.8 Damit wird erkennbar: Der Rechtsradikalismus in Deutschland nach 1945 definierte sich in starkem Ma&szlig;e durch seine N&auml;he zum Nationalsozialismus, zu den demokratiefeindlichen Traditionen und zum militaristischen Gewaltkult.<\/p>\n<h5><span id=\"der-ort-des-militaers-in-der-juengeren-deutschen-geschichte\">Der Ort des Milit&auml;rs in der j&uuml;ngeren deutschen Geschichte<\/span><\/h5>\n<p>In welchen milit&auml;rischen Traditionen steht die Bundeswehr? Ein Blick auf die j&uuml;ngere Geschichte des deutschen Milit&auml;rs vermag uns dar&uuml;ber Aufschluss zu geben. Der bekannte amerikanische Historiker Gordon A. Craig, der sich ein ganzes Wissenschaftlerleben lang mit der deutschen Geschichte auseinandergesetzt hat, traf einmal die aufschlussreiche Feststellung, &#8222;dass der Besitz einer Armee f&uuml;r Deutschland in seiner neueren Geschichte nicht zum Guten gewesen war und dass das Milit&auml;r [&#8230;] dazu tendiert hatte, ein Staat im Staate zu sein, der den sozialen Fortschritt und die Entwicklung liberaler und demokratischer Institutionen verhinderte&#8220;.9 Der franz&ouml;sische Staatsmann Mirabeau soll die Rolle des Milit&auml;rs in Preu&szlig;en so auf den Punkt gebracht haben: &#8222;Andere Staaten besitzen eine Armee, Preu&szlig;en ist eine Armee, die einen Staat besitzt.&#8220;10<\/p>\n<p>In der Revolution von 1848\/49 war aus dem Preu&szlig;ischen Kriegsministerium der Schlachtruf zu h&ouml;ren: &#8222;Gegen Demokraten helfen nur Soldaten!&#8220; Die von Craig angesprochene, gegen Demokratie und sozialen Fortschritt gerichtete Tendenz des preu&szlig;isch-deutschen Milit&auml;rs gab es nicht nur im alten Preu&szlig;en und im kaiserlichen Deutschland, sondern auch in der Weimarer Republik und schlie&szlig;lich in der Zeit des Nationalsozialismus. Mit anderen Worten, das Milit&auml;r stand in Deutschland schon immer rechts. Nach seinem Selbstverst&auml;ndnis war das Offizierskorps nicht nur die bewaffnete St&uuml;tze des Staates. Das Credo der Offiziere lautete vielmehr: Wir sind der Staat! Wenn das Milit&auml;r in Staat und Gesellschaft tonangebend ist, sprechen wir von Militarismus.11<\/p>\n<p>Auf den Ersten Weltkrieg folgten die Revolutionszeit 1918\/19 und die unruhigen Nachkriegsjahre, die zugleich die fr&uuml;hen, gef&auml;hrdeten Jahre der Weimarer Republik waren. In dieser Zeit des Umbruchs verk&ouml;rperte das Milit&auml;r in idealtypischer Weise einerseits die r&uuml;ckw&auml;rtsgewandte Reaktion und andererseits den nach vorne blickenden politischen Rechtsradikalismus. Milit&auml;rs bek&auml;mpften die Revolution, die demokratischen Parteien und die junge Republik, sie b&auml;umten sich auf gegen die Abr&uuml;stungsbestimmungen des Versailler Friedensvertrages und sie griffen immer wieder in die Politik ein. In den Jahren 1919\/20 waren es die sogenannten Freikorps, die reichsweit im Auftrag Gustav Noskes alle revolution&auml;ren Regungen zusammenschossen, was mehr als 3000 Menschen das Leben kostete. Bei den Freikorps handelte es sich um milit&auml;rische Freiwilligenverb&auml;nde. Freiwillig meldeten sich damals haupts&auml;chlich jene Weltkrieg-I-Soldaten, die nicht ins zivile Leben zur&uuml;ckfanden. Jemand hat einmal behauptet, sie h&auml;tten der Idee angehangen: &#8222;Es lebe der Krieg, denn der Frieden wird f&uuml;rchterlich!&#8220; Die jahrelang im Krieg nach au&szlig;en praktizierte Gewalt wurde nun also in die deutsche Innenpolitik hineingetragen.<\/p>\n<p>Junge rechtsradikale Freikorpsoffiziere unternahmen es seinerzeit, aus eigener Machtvollkommenheit in die politischen Geschehnisse einzugreifen, indem sie das taten, was sie im Krieg gelernt hatten, n&auml;mlich bewaffnete Gewalt auszu&uuml;ben, zu schie&szlig;en. Von einem aggressiven Nationalismus angetrieben, ermordeten sie prominente Politiker, die in ihren Augen &#8222;innere Feinde&#8220; waren. Insgesamt wurden 354 Menschen Opfer der Morde &#8222;von rechts&#8220;.12 Ein rechtsradikaler Offizier ermordete den bayerischen Ministerpr&auml;sidenten Kurt Eisner (USPD), weil er ein Linker und ein Pazifist war und sich f&uuml;r die Anerkennung der deutschen Kriegsschuld ausgesprochen hatte. Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wurden Opfer rechter Offiziere, weil sie vor und w&auml;hrend des Weltkriegs als Gegner des V&ouml;lkermordens hervorgetreten waren. Matthias Erzberger (Zentrumspartei) hassten sie, weil er einer der Initiatoren der Friedensresolution des Reichstages von 1917 gewesen war und weil er im Auftrag der Regierung den Waffenstillstand von Compi&egrave;gne unterschrieben hatte. Er wurde, nachdem er in der Republik zum Reichsfinanzminister aufgestiegen war, von Angeh&ouml;rigen der rechtsextremistischen Organisation Consul ebenso umgebracht wie der wegen seiner j&uuml;dischen Herkunft verfolgte Politiker Walter Rathenau, seines Zeichens Reichsau&szlig;enminister. Attentatsversuche gab es gegen die sozialdemokratischen Spitzenpolitiker Hugo Haase und Philipp Scheidemann. Ermordet wurde auch Kapit&auml;nleutnant der kaiserlichen Kriegsmarine, Hans Paasche, Sohn eines vormaligen Reichstagvizepr&auml;sidenten, weil er zum Pazifismus konvertiert war.<\/p>\n<p>Wenn die Freikorps-Offiziere vom &#8222;j&uuml;dischen Bolschewismus&#8220; redeten, meinten sie gar nicht in erster Linie Kommunisten, sondern Kriegsgegner, Demokraten, Pazifisten, Verst&auml;ndigungspolitiker &#8211; und nat&uuml;rlich die Juden, also pauschal jene Deutschen, die Hitler sp&auml;ter als &#8222;Novemberverbrecher&#8220; verunglimpfen sollte. Die Freikorps-Offiziere selbst stilisierten sich zu Vork&auml;mpfern einer Neuauflage kriegerischer deutscher Machtpolitik.<\/p>\n<p>Der Kapp-L&uuml;ttwitz-Putsch vom M&auml;rz 1920 war im Kern ein Milit&auml;rputsch gegen die junge Republik. In der Stunde der Gefahr f&uuml;r die legale Reichsregierung weigerte sich die F&uuml;hrung der Reichswehr, gegen den eidbr&uuml;chigen General Walther Freiherr v. L&uuml;ttwitz und die Putschtruppen vorzugehen und die Regierung des sozialdemokratischen Reichskanzlers Gustav Bauer zu sch&uuml;tzen. &#8222;Reichswehr schie&szlig;t nicht auf Reichswehr!&#8220; lie&szlig; Generaloberst Hans v. Seeckt verlauten, der Chef der Heeresleitung (1920-1926) und damals rangh&ouml;chste deutsche Soldat. Aus demokratischer Sicht stellte seine folgenschwere Weigerung, seine Pflicht zu tun, eine republikfeindliche Handlung dar. Sie war geeignet, den Bestand der Republik zu bedrohen. Die Reichswehr, der &#8222;Staat im Staate&#8220;, bestimmte selbst, was im Falle eines Milit&auml;rputschs zu tun war.<\/p>\n<p>Das bedeutet: Es gab in der Weimarer Republik nicht nur den individuellen Rechtsterrorismus der Freikorps-Leute, sondern auch einen institutionalisierten Rechtsextremismus der Reichswehr. Diese hatte Verb&uuml;ndete in der politischen Justiz sowie in Teilen der Wirtschaft, der B&uuml;rokratie und einigen Massenorganisationen, also in jenem nationalistisch eingestellten Teil der deutschen Gesellschaft, der sich selbst als &#8222;Mitte&#8220; verstand. Seit 1924 betrieb die Reichswehrf&uuml;hrung &#8211; hinter dem R&uuml;cken der Politik &#8211; R&uuml;stungsplanungen, die als Vorbereitungen f&uuml;r einen Zukunftskrieg angesehen werden m&uuml;ssen. Sie unterst&uuml;tzte au&szlig;erdem geheime, rechtswidrige R&uuml;stungen. Gleichzeitig bek&auml;mpfte sie nach Kr&auml;ften die Verst&auml;ndigungspolitik der republikanischen Regierungen &#8211; so wie ihre Gesinnungsgenossen sp&auml;ter, in den 1970er Jahren, die Friedens- und Entspannungspolitik der sozial-liberalen Koalition bek&auml;mpfen sollten. <br \/>Nach den Reichstagswahlen von 1930 wurde die NSDAP zum Sammelbecken f&uuml;r die Feinde der Republik. Jetzt gingen die Nazis mit den Deutschnationalen, den Rechtsliberalen, mit Teilen der Wirtschaft, mit dem Frontsoldatenbund &#8222;Stahlhelm&#8220; und mit der Reichswehr zusammen. Man nannte sich &#8222;Harzburger Front&#8220;. Was die F&uuml;hrer und Mitglieder dieser Organisationen verband, waren ein &uuml;bersteigerter Nationalismus, die Republikfeindschaft und die Idee einer neuen Machtpolitik mit kriegerischen Mitteln. Man sang &#8222;Deutschland, Deutschland &uuml;ber alles in der Welt&#8220; und bekundete den gemeinsamen politischen Willen, die &#8222;Ketten von Versailles&#8220; notfalls mit Gewalt zu sprengen. Mit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler 1933 waren die Rechtsradikalen an der Macht. Jetzt befand sich die deutsche Regierung in den H&auml;nden des organisierten deutschen Rechtsradikalismus. Die NSDAP nutzte ihre Macht zur Abschaffung der Demokratie und zur Gleichschaltung des politischen und gesellschaftlichen Lebens, zum Aufbau einer Diktatur, zur neuerlichen Militarisierung der Gesellschaft und zu einer systematischen Kriegsvorbereitung, weiterhin zur Schaffung einer deutschen &#8222;Volksgemeinschaft&#8220;, die rassistisch definiert war und deren wichtigstes Kennzeichen in der Ausgrenzung und sp&auml;teren Ermordung von rassisch definierten Minderheiten wie den Juden bestand. Welches Unheil der in den Besitz der Staatsmacht gelangte deutsche Rechtsextremismus in den Jahren 1939 bis 1945 mit Krieg und Holocaust &uuml;ber Europa, die Welt und nicht zuletzt auch &uuml;ber Deutschland brachte, ist bekannt.<\/p>\n<h5><span id=\"von-der-wehrmacht-zur-bundeswehr-personelle-kontinuitaeten\">Von der Wehrmacht zur Bundeswehr &ndash; personelle Konti&shy;nu&shy;i&shy;t&auml;ten<\/span><\/h5>\n<p>Nach 1945 wurde angeblich alles anders, besonders in der Milit&auml;rpolitik. Tats&auml;chlich kam Westdeutschland in dem Jahrzehnt zwischen 1945 und 1955 ganz ohne Milit&auml;r aus. Aber bereits seit 1949 gab es in der Bundesrepublik unter der Regierung Konrad Adenauer (CDU) &Uuml;berlegungen und Planungen f&uuml;r den Aufbau neuer Streitkr&auml;fte, der dann 1955 offiziell begann. Tats&auml;chlich stellten die verfassungsrechtlichen und gesetzlichen Festlegungen zum Einbau des Milit&auml;rs in den demokratischen Staat ein Novum in der deutschen Milit&auml;rgeschichte dar.<\/p>\n<p>Aber gleichzeitig ging damals das Wort von der &#8222;neuen Wehrmacht&#8220; um, woran sich ablesen l&auml;sst, wie selbstverst&auml;ndlich die Kontinuit&auml;tslinie zur alten Wehrmacht gezogen wurde. Bei der Auswahl des Personals f&uuml;r die &#8222;neue Wehrmacht&#8220; half, was die oberen R&auml;nge von Obristen und Gener&auml;len betraf, ein von der Bundesregierung eingesetzter &#8222;Personalgutachterausschuss&#8220;.13 Parallel dazu bearbeitete eine Annahmeorganisation des Verteidigungsministeriums die R&auml;nge bis hinauf zum Oberstleutnant. Wie nicht anders zu erwarten war, stammten s&auml;mtliche Unteroffiziere und Offiziere, die f&uuml;r den Aufbau der &#8222;neuen Wehrmacht&#8220; ausgew&auml;hlt wurden, aus der alten Wehrmacht und &#8211; nicht zu vergessen &#8211; aus der Waffen-SS. Sie sorgten daf&uuml;r, dass der &#8222;alte Geist&#8220; auch unter den neuen demokratischen Rahmenbedingungen stets pr&auml;sent blieb.14<\/p>\n<p>Einer, der ihn von der Vergangenheit in die Gegenwart transportierte, war der erste Generalinspekteur der Bundeswehr, General Adolf Heusinger. Seine Vita spricht f&uuml;r sich: Heusinger hatte vor seiner Karriere in der Bundeswehr&nbsp; ein bewegtes Leben im deutschen Milit&auml;r hinter sich, n&auml;mlich in den Streitkr&auml;ften der Kaiserzeit, in der Reichswehr der Weimarer Republik, in der Wehrmacht des NS-Staates und jetzt in der Bundeswehr. In den Jahren 1940-1944 hatte er im Oberkommando des Heeres (OKH) die Aufgabe eines Chefs der Operationsabteilung inne. Praktisch hie&szlig; das, dass er in dieser Zeit neben Hitler am Kartentisch stand und sich an der Leitung des Vernichtungskrieges im Osten beteiligte. Jetzt war er der oberste Soldat der zweiten deutschen Republik. Bis heute gibt es &uuml;brigens in Hammelburg eine General-Heusinger-Kaserne.<\/p>\n<h5><span id=\"kasernenbenennungen-im-geiste-der-wehrmacht\">Kaser&shy;nen&shy;be&shy;nen&shy;nungen im Geiste der Wehrmacht<\/span><\/h5>\n<p>Wie die Offiziere der neu gegr&uuml;ndeten Bundeswehr politisch und milit&auml;risch dachten, l&auml;sst sich eindr&uuml;cklich an den Kasernenbenennungen in den sp&auml;ten 1950er und fr&uuml;hen 1960er Jahren ablesen. Dazu muss man wissen, dass die Namen nicht von der milit&auml;rischen Spitze verf&uuml;gt wurden, sondern dezentral in den Standorten ausgew&auml;hlt werden konnten. Die Kommandeure und Kasernenkommandanten griffen daf&uuml;r auf eine Liste von Namen zur&uuml;ck, die 1937\/38 auf Weisung Hitlers zusammengestellt worden war. Auf ihr befanden sich die Namen von Schlachten und Helden des &#8222;Gro&szlig;en Krieges&#8220; von 1914-1918. In der Traditionsoffensive von 1964\/65 w&auml;hlten sie von dieser Liste die Kriegshelden der Wehrmacht als Namensgeber f&uuml;r ihre jeweiligen milit&auml;rischen Liegenschaften aus. Auf diese Weise kamen nun langfristig Wehrmachtsoffiziere zu Ehren, unter denen sich bekennende Nationalsozialisten der ersten Stunde und Kriegsverbrecher befanden, zum Beispiel General Werner Freiherr v. Fritsch, Oberst Werner M&ouml;lders, Generalfeldmarschall Erwin Rommel, Generalmajor Adalbert Schulz, General Hasso von Manteuffel, Generaloberst Eduard Dietl und General Ludwig K&uuml;bler.15 Mit diesen Namensgebungen wurde ein Traditionsstrang zur Wehrmacht gezogen, der ganze Generationen von Bundeswehrsoldaten pr&auml;gen sollte.<\/p>\n<p>Es hat Jahrzehnte gedauert, bis Anst&ouml;&szlig;e aus der Zivilgesellschaft dazu f&uuml;hrten, dass zumindest einige dieser Namen wieder getilgt wurden. Aber bis heute haben sich einige problematische Namen erhalten, trotz des fortschrittlichen Traditionserlasses von Verteidigungsminister Hans Apel (SPD) aus dem Jahre 1982, dessen zentrale Aussage lautete, ein Unrechtsregime wie das Dritte Reich k&ouml;nne Tradition nicht begr&uuml;nden. Damit sollte zugleich gesagt werden, dass auch die Wehrmacht keine traditionsstiftende Rolle f&uuml;r die demokratische Armee der Republik spielen k&ouml;nne.16 Der Erlass wurde damals von den Traditionalisten massiv angefeindet. Minister Manfred W&ouml;rner (CDU) wollte ihn kippen, scheitere jedoch mit seinem Vorhaben. Teile der Truppe haben sich an die Ministerweisung von 1982, die sp&auml;ter mehrfach bekr&auml;ftigt wurde (unter anderem von Minister Volker R&uuml;he, CDU), einfach nicht gehalten. Ein durchaus bemerkenswerter Vorgang in einer hierarchisch aufgebauten Organisation!<\/p>\n<h5><span id=\"persoenliche-erfahrungen-mit-rechtsradikalismus-in-der-bundeswehr\">Pers&ouml;nliche Erfahrungen mit Rechts&shy;ra&shy;di&shy;ka&shy;lismus in der Bundeswehr <\/span><\/h5>\n<p>Es gab zahlreiche rechtsradikale Aff&auml;ren in der Bundeswehr. Sie sind verbunden mit den Namen Trettner, Panitzki, Franke, Schnez, den Hauptleuten von Unna, Rudel, Grashey, Budde und etlichen anderen. Was sie verband, war erstens die Frontstellung gegen das demokratische Konzept der &#8222;Inneren F&uuml;hrung&#8220; mit seinem Kernelement, dass es Aufgabe des Milit&auml;rs sei, dem politischen Ziel der Kriegsverh&uuml;tung zu dienen.17 Zweitens propagierten diese traditionalistisch eingestellten Offiziere das soldatische K&auml;mpfer- und Heldentum, aus dem sie den Anspruch able&iacute;teten, im Machtgef&uuml;ge des Staates eine herausgehobene Stellung einzunehmen (sui generis-Ideologie). Ich kann besagte F&auml;lle hier nicht im Einzelnen ausbreiten. Interessierte k&ouml;nnen sie unschwer nachlesen in dem empfehlenswerten Taschenbuch meines Kollegen Detlef Bald.18<\/p>\n<p>Stattdessen m&ouml;chte ich ein paar pers&ouml;nliche Erfahrungen einf&uuml;gen, die geeignet sind, die Pr&auml;senz rechtsradikaler Einstellungen in dem Milieu Bundeswehr zu belegen. Sie leuchten in die Grauzone zwischen dem eher seltenen Rechtsextremismus und dem sehr viel h&auml;ufigeren Rechtsnationalismus hinein.<\/p>\n<p>In meiner Zeit als Historiker im Freiburger Milit&auml;rgeschichtlichen Forschungsamt (1971-1995) konnte ich rechtsradikales Denken bei einigen der dort t&auml;tigen Historikerkollegen kennenlernen. Sie lehnten es beispielsweise ab, die deutschen Angriffskriege gegen die europ&auml;ischen Nachbarl&auml;nder als gro&szlig;e Verbrechen anzusehen. Speziell den deutschen &Uuml;berfall auf die Sowjetunion betrachteten sie nicht als einen v&ouml;lkerrechtswidrigen Angriffskrieg, sondern rechtfertigten ihn als einen Pr&auml;ventivkrieg. So hatte es die Nazi-Propaganda schon 1941 dargestellt. Sie behaupteten wider besseres Wissen, dass es in der Wehrmacht keinen Kommissar-Befehl gegeben habe, und wenn es ihn gegeben habe, dann sei er nicht befolgt worden. Sie bestritten oder relativierten die Existenz von verbrecherischen Befehlen des Oberkommandos der Wehrmacht und des Oberkommandos des Heeres. Sie bestritten die Beteiligung der Wehrmacht am Holocaust oder spielten sie zu einzelnen Entgleisungen herunter. Sie hielten an der Legende von der &#8222;sauber&#8220; gebliebenen Wehrmacht auch dann noch fest, als sie wissenschaftlich l&auml;ngst widerlegt war. Sie behaupteten, die Soldaten der Wehrmacht h&auml;tten unter schwersten Bedingungen tapfer und ritterlich gem&auml;&szlig; den gegebenen Befehlen gek&auml;mpft. Sie h&auml;tten sich nichts zu Schulden kommen lassen und daher sei ihnen auch nichts vorzuwerfen.<\/p>\n<p>Au&szlig;erdem m&ouml;chte ich hier &uuml;ber zwei konkrete Erlebnisse berichten. Erstens: Irgendwann in den 1970er Jahren, nach einer dienstlichen Sportstunde beim Bier in einer Runde von einem halben Dutzend &#8222;Sportskameraden&#8220;, ging mich ein Major mit Doktortitel mit der Drohung an: &#8222;Solche Leute wie Sie muss man im Ernstfall sofort umlegen.&#8220; Aus seiner Sicht geh&ouml;rte ich wegen meiner Mitgliedschaft in der &#8222;Arbeitsgemeinschaft f&uuml;r Friedens- und Konfliktforschung&#8220; zu den &#8222;inneren Feinden&#8220;. Bei einer sp&auml;teren Anh&ouml;rung durch den Disziplinarvorgesetzten mochte sich keiner der Fu&szlig;ball-&#8222;Kameraden&#8220; an den Vorfall zu erinnern. Ihr Korpsgeist verhinderte, dass es zur Aufkl&auml;rung des Sachverhalts und einer disziplinarischen Ahndung des Vorfalls kam.<\/p>\n<p>Zweiter Fall: Bei einem Mittagessen in einer Freiburger Kantine &#8211; Mitte der 1980er Jahre &#8211; berichtete ich aus meinen laufenden Forschungen &uuml;ber den sozialdemokratischen Reichswehrminister Gustav Noske und &auml;u&szlig;erte mich in diesem Zusammenhang auch zu den politischen Morden an den Spartakus-F&uuml;hrern Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg durch Freikorps-Offiziere.19 Sagte ein am Tisch sitzender Major, ebenfalls promoviert, vormals Kommandeur eines Artilleriebataillons: &#8222;Was hei&szlig;t da politische Morde! Das war doch nur die Beseitigung von Umweltverschmutzung!&#8220; Der Offizier war der &Uuml;berzeugung, sich eine solche rechtsradikale &Auml;u&szlig;erung leisten zu k&ouml;nnen, und er rechnete wiederum mit dem Korpsgeist der Anwesenden. Generell gibt es in der Bundeswehr die ungeschriebene Regel, dass nichts nach au&szlig;en dringen darf, was etwa in den Offizierskasinos geredet wird. Zum Geheimnis wird gemacht, was sich nicht sehen lassen kann, darunter rechtsradikale Gesinnungen.<\/p>\n<p>Die Badische Zeitung vom 23. August 2017 ver&ouml;ffentlichte einen aufschlussreichen Bericht &uuml;ber die politischen Ansichten der Belegschaft einer Mannschaftsstube der Bundeswehr im th&uuml;ringischen Gotha.20 Es handelte sich &#8211; infolge der Aussetzung der Wehrpflicht im Jahre 2011 &#8211; durchweg um Freiwillige. Einblick in dieses Milieu gab ein bekennender Nazi namens Christian Wei&szlig;gerber. Er kam als Rekrut zur Bundeswehr, verheimlichte dort seine politische Einstellung in keiner Weise, stieg dann sp&auml;ter aus der rechtsradikalen Th&uuml;ringer Nazi-Szene aus und berichtete sp&auml;ter dem Journalisten Sebastian Leber &uuml;ber seine Erfahrungen: Seine Stube in Gotha habe er sich mit sieben M&auml;nnern geteilt. &#8222;<i>Einer von ihnen bezeichnete sich selbst als Nationalsozialist, einer geh&ouml;rte einem rechtskonservativen M&auml;nnerchor an. Ein Dritter riss rassistische Witze, ein Vierter war Antisemit. Die anderen seien &#8218;eher neutral eingestellt&#8216; gewesen. Sagt Wei&szlig;gerber. Das hei&szlig;t, sie blieben stumm, als die anderen die H&auml;nde &uuml;bereinanderlegten und scherzhaft einen Pakt schlossen. &#8218;Wir schworen uns gegenseitig, dass wir das Weltjudentum vernichten werden.<\/i>&#8220;21<\/p>\n<p>Niemand vermag genau zu sagen, ob es sich bei den geschilderten Vorkommnissen um Einzelf&auml;lle handelt oder ob sie f&uuml;r einen Teil des milit&auml;rischen Milieus typisch sind. Viele Verfehlungen werden nicht gemeldet oder kommen schon gar nicht an die &Ouml;ffentlichkeit. Auch der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages erf&auml;hrt wohl nur ein Segment der Wirklichkeit.<\/p>\n<h5><span id=\"die-faelle-kaufhold-franco-a-und-der-nationalsozialistische-untergrund-nsu\">Die F&auml;lle Kaufhold, Franco A. und der natio&shy;nal&shy;so&shy;zi&shy;a&shy;lis&shy;ti&shy;sche Untergrund (NSU)<\/span><\/h5>\n<p>Die aktuelle Debatte &uuml;ber Rechtsradikale in der Uniform der Bundeswehr ist mit dem Namen des Oberleutnants Franco A. verbunden.22 Die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) machte den Fall durch einen Alarmruf bekannt. Sie sagte &ouml;ffentlich, von Einzelf&auml;llen k&ouml;nne nun nicht mehr die Rede sein; die Probleme gingen tiefer; es gebe in der Truppe einen falsch verstandenen Korpsgeist und wom&ouml;glich ein rechtsradikales Netzwerk.<\/p>\n<p>Der Hilferuf der Ministerin war mutig. Denn aus der deutschen Milit&auml;rgeschichte wei&szlig; man, dass sich die f&uuml;r das Milit&auml;r zust&auml;ndigen Minister h&auml;ufig als &#8222;Soldatenv&auml;ter&#8220; verstanden, die es als ihre vordringliche Aufgabe ansahen, das anerkennungss&uuml;chtige Milit&auml;r vor &ouml;ffentlicher Kritik zu sch&uuml;tzen. So agierten schon die Reichswehrminister der Weimarer Republik, Gustav Noske (SPD) undsein Nachfolger Otto Ge&szlig;ler (DDP). Auch in der Geschichte der Bundesrepublik verharrte so mancher Verteidigungsminister in dieser traditionellen Rolle. Man denke etwa an Georg Leber (SPD), der an dem Image des f&uuml;rsorglichen &#8222;&Uuml;bervaters&#8220; Gefallen fand. Aber es gab auch Minister, die sich nicht auf der Nase herumtanzen lie&szlig;en. Helmut Schmidt zum Beispiel feuerte einmal demonstrativ eine ganze Reihe von Gener&auml;len.<\/p>\n<p>Bei Oberleutnant Franco A. haben wir es mit einem gewaltbereiten Mann von v&ouml;lkischer und rassistischer Gesinnung zu tun. Das wussten seine Vorgesetzten sp&auml;testens seit seiner Masterarbeit von 2013, die er an der franz&ouml;sischen Milit&auml;rakademie Saint-Cyr einreichte.23 Der franz&ouml;sische Schulkommandeur h&auml;tte ihn am Liebsten gefeuert. Vor diesem Hintergrund ist es besonders bemerkenswert, dass die deutschen Vorgesetzten hernach das Verfahren gegen Franco A. einstellten, weil er im milit&auml;rischen Bereich Bestnoten produzierte. Kein Rausschmiss, keine Bestrafung, kein Eintrag in die Personalakte, eine kleine Verwarnung &#8211; wenig sp&auml;ter, am 9. Juli 2015, Ernennung zum Berufssoldaten! Damit gibt die Karriere des jungen Offiziers einen tiefen Einblick in die spezielle &#8222;Normalit&auml;t&#8220; des milit&auml;rischen Milieus. Es lie&szlig; diesem v&ouml;lkisch und rassistisch tickenden Mann in der Folgezeit die Freir&auml;ume, die er nutze, um nach Aktionsm&ouml;glichkeiten gegen die von ihm ins Visier genommenen &#8222;inneren Feinde&#8220; Ausschau zu halten.<\/p>\n<p>Gerade noch rechtzeitig wurde im April 2017 entdeckt, wie potenziell gef&auml;hrlich er und seine Gesinnungsgenossen waren. Es ist von einem rechtsradikalen Netzwerk in der Bundeswehr die Rede. Franco A. und Co. beschafften sich Waffen, Munition und interne Informationen &uuml;ber die deutsche Fl&uuml;chtlingsb&uuml;rokratie. Nach dem, was bis jetzt bekannt geworden ist, planten sie Anschl&auml;ge gegen fremdenfreundliche Politikerinnen und Politiker, die als Terrorakte von Fl&uuml;chtlingen verschleiert werden sollten. Die Staatsanwaltschaft wirft Franco A. die Planung und Vorbereitung einer &#8222;schweren staatsgef&auml;hrdenden Straftat&#8220; vor.24 Er hatte eine Liste m&ouml;glicher Anschlagsopfer angelegt, auf der sich die Namen des vormaligen Bundespr&auml;sidenten Joachim Gauck, des Bundesjustizministers Heiko Maas (SPD), der Gr&uuml;nen-Politikerin Claudia Roth, des th&uuml;ringischen Ministerpr&auml;sidenten Bodo Ramelow (Die Linke) und anderen finden. Auch der Zentralrat der Juden und der Zentralrat der Muslime stehen auf der Todesliste.<\/p>\n<p>An dieser Stelle ist es sinnvoll, auf eine Parallele zum neonazistischen Mordtrio &#8222;Nationalsozialistischer Untergrund&#8220; (NSU) hinzuweisen. Uwe Mundlos, Uwe B&ouml;hnhardt und Beate Zsch&auml;pe wird vorgeworfen, zwischen 2001 und 2007 zehn willk&uuml;rlich ausgew&auml;hlte Ausl&auml;nder ermordet und 15 Raub&uuml;berf&auml;lle begangen zu haben.25 Nach den Worten von Bundesanwalt Helmut Diemer handelten sie aus einer &#8222;rechtsextremen Ideologie&#8220; heraus und waren in dem &#8222;Wahn von einem ausl&auml;nderfreien Land&#8220; gefangen.26 Ein anderer Staatsanwalt attestierte B&ouml;hnhardt und Mundlos einen &#8222;abgrundtiefen Hass gegen Staat und Gesellschaft, gegen Juden, Linke und in Deutschland lebende Migranten&#8220;. Mit der Ermordung der Ausl&auml;nder h&auml;tten sie &#8222;f&uuml;r die rassische Reinerhaltung des deutschen Volkes&#8220; gek&auml;mpft.27 &Uuml;ber Uwe Mundlos wissen wir, dass er in den 1990er Jahren in der Bundeswehr ganz unbehelligt gedient hatte, ohne seine rechtsradikale Einstellung zu verschweigen. Da Mundlos ein guter Soldat war, dr&uuml;ckte man die Augen zu, stellte ihm ein passables Zeugnis aus und wollte ihn sogar noch f&uuml;r den Milit&auml;rischen Abschirmdienst anwerben.28 &Auml;hnlich lief es bei Franco A.<\/p>\n<p>Nationalistisch-v&ouml;lkisches Denken und rassistisch motivierte Fremdenfeindlichkeit sind sowohl bei den NSU-Terroristen als auch bei den potentiellen Bundeswehr-Terroristen um Franco A. festzustellen. Gemeinsam sind ihnen die Motive (Fremdenfeindlichkeit und Rassismus) wie auch das Mittel (terroristische T&ouml;tungsgewalt), um einen Politikwechsel zu erzwingen.<\/p>\n<p>Sucht man in der deutschen Milit&auml;rgeschichte nach vergleichbaren, politisch motivierten Inidividual-Morden, so f&auml;llt der Blick unweigerlich auf die Freikorps-M&ouml;rder der fr&uuml;hen 1920er Jahre. Die Soldaten der Wehrmacht dagegen handelten nicht aus eigenem Antrieb. Sie wurden &#8222;von oben&#8220;, durch die milit&auml;rischen Befehle von OKW und OKH, auf die Linie des rassenideologischen Vernichtungskrieges eingeschworen. Gewaltt&auml;tiger Rassismus war sowohl in den Freikorps als auch in der Wehrmacht ein handlungsleitendes Motiv.<\/p>\n<p>In der Bundeswehr gab es vor Jahren (2008) schon einmal Anlass, an die Geschichte des gewaltt&auml;tigen Rechtsterrorismus der Freikorps zu erinnern. Damals griff ein Bundeswehroffizier namens Daniel Kaufhold, seines Zeichens Hauptmann im Kommando Spezialstreitkr&auml;fte (KSK) in Calw, einen anderen Offizier massiv an, der ihn darauf hingewiesen hatte, dass sich anstelle von Milit&auml;reins&auml;tzen in der Regel auch zivile L&ouml;sungen anbieten.29 Kaufhold schrieb damals an seinen Kontrahenten, den Oberstleutnant J&uuml;rgen Rose: &#8222;<i>Ich beurteile Sie als Feind im Innern und werde mein Handeln danach ausrichten, diesen Feind im Schwerpunkt zu zerschlagen.<\/i>&#8220; Das entspricht exakt dem Ton der rechtsradikalen Freikorpsk&auml;mpfer aus den fr&uuml;hen Jahren der Weimarer Republik, die sp&auml;ter bei der NSDAP und bei der SS landeten. Kaufhold drohte seinem &#8222;Kameraden&#8220;: &#8222;<i>Sie werden beobachtet, nein nicht von impotenten instrumentalisierten Diensten [gemeint ist wohl der Milit&auml;rische Abschirmdienst MAD, W.W.], sondern von Offizieren einer neuen Generation, die handeln werden, wenn es die Zeit erforderlich macht.<\/i>&#8220; Umso mehr &uuml;berrascht es, dass die Vorgesetzten auch diesen Fall niedrig h&auml;ngten und den durchgeknallten Freikorps-Adepten mit einer geringf&uuml;gigen Disziplinarma&szlig;nahme mehr deckten als bestraften.<\/p>\n<h5><span id=\"schule-der-gewalt-strukturelle-unterschiede-von-militaer-und-zivilgesellschaft\">Schule der Gewalt: Struk&shy;tu&shy;relle Unter&shy;schiede von Milit&auml;r und Zivil&shy;ge&shy;sell&shy;schaft<\/span><\/h5>\n<p>Wer in der Vergangenheit die Frage stellte, ob die Bundeswehr ein Problem mit dem Rechtsradikalismus habe, erhielt seitens des Verteidigungsministeriums regelm&auml;&szlig;ig die Antwort, die Bundeswehr sei &#8222;ein Spiegelbild der Gesellschaft&#8220;. Hier wie dort g&auml;be es eben auch Rechtsradikale. Die Aussage &#8222;Spiegelbild&#8220; traf zwar nicht die Realit&auml;t, aber sie hatte in der Zeit der allgemeinen Wehrpflicht eine gewisse Plausibilit&auml;t. Seit deren Aussetzung im Jahre 2011 scheint die Bundeswehr f&uuml;r rechtsextrem eingestellte junge M&auml;nner noch attraktiver zu werden. Hierarchien, Waffen und Uniformen, so der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Hans-Peter Bartels (SPD), z&ouml;gen manchen Bewerber an, den die Bundeswehr eigentlich gar nicht haben wolle. Daher habe die Bundeswehr heute st&auml;rker als andere Bereiche der Gesellschaft ein Problem mit Rechtsextremismus.30<\/p>\n<p><i>Man wei&szlig; seit langem: Freiwillige Soldaten und Offiziere geh&ouml;ren &uuml;berwiegend zum national-konservativ denkenden Teil unserer Gesellschaft. Es handelt sich um Menschen, die sich leicht unterordnen k&ouml;nnen, denen es nicht schwer f&auml;llt, sich in das Befehl-Gehorsam-System einzuf&uuml;gen, die eine starke F&uuml;hrung w&uuml;nschen, um selbst Halt zu gewinnen, und die deshalb auch die &#8211; von oben verordnete &#8211; milit&auml;rische Kameradschaft als eine psychische St&uuml;tze dankbar wahrnehmen. Sekund&auml;rtugenden wie Ordnung, P&uuml;nktlichkeit, Sauberkeit und Disziplin liegen ihnen n&auml;her als Individualit&auml;t, Mitbestimmung und Zivilcourage. Zur Bundeswehr geht jemand, der eine Affinit&auml;t zu Waffen hat, der sich vorstellen kann, zu schie&szlig;en, zu t&ouml;ten, f&uuml;r den also die Aus&uuml;bung von bewaffneter Gewalt nichts Ungew&ouml;hnliches ist, zumindest nichts ethisch Verwerfliches. Tats&auml;chlich ist die Bundeswehr &#8211; nicht anders als das Milit&auml;r anderer Staaten auch &#8211; eine Schule der Gewalt. In ihr wird effektives T&ouml;ten und Zerst&ouml;ren mit dem jeweils modernsten Kriegsger&auml;t gelernt. In der Ausbildung geht es nicht zuletzt darum, das &Uuml;berwinden von T&ouml;tungshemmungen einzu&uuml;ben.31 <\/i><\/p>\n<p><i>Unter dem Zivilisten, dem demokratischen Staatsb&uuml;rger ohne Uniform, stellen wir uns das genaue Gegenteil des Soldaten vor. Idealiter lernt der junge Mensch in unserer Gesellschaft von Kindesbeinen an, Konflikte gewaltfrei und nach bestimmten Spielregeln auszutragen. Er sucht die Mitverantwortung und sch&auml;tzt die Freiheit, sich selbst entscheiden zu k&ouml;nnen. Es gibt also einen unaufl&ouml;sbaren Strukturunterschied zwischen ziviler Gesellschaft beziehungsweise dem demokratischem System und dem Milit&auml;r.<\/i><\/p>\n<p><i>Dieser Unterschied wird auch von den Milit&auml;rs selbst so wahrgenommen und in ihrem sui-generis-Denken ideologisch &uuml;berh&ouml;ht. In der deutschen Milit&auml;rgeschichte k&ouml;nnen wir seit dem 19. Jahrhundert beobachten, dass die Offiziere einen besonderen gesellschaftlichen und politischen Status f&uuml;r sich beanspruchen, weil die Aus&uuml;bung des Soldatenberufs den Einsatz des eigenen Lebens erfordern kann. Zum sui-generis-Denken geh&ouml;rt die milit&auml;rtypische Distanz zum demokratischen Pluralismus. Der milit&auml;rische Apparat, so sagen sie, ticke anders, n&auml;mlich nach dem Befehlsprinzip. Der soldatische K&auml;mpfer werde durch pluralistisches politisches Denken nur verunsichert.<\/i><\/p>\n<p>Den K&auml;mpferkult hat es in allen deutschen Streitkr&auml;ften gegeben, auch in der Bundeswehr der Bonner Republik. Allerdings hat er durch den Wandel der deutschen Au&szlig;en- und Milit&auml;rpolitik nach 1989\/90 einen erheblichen Auftrieb erhalten. Gemeint ist der grundlegende Wandel von der Verteidigungsarmee zu einer Interventionsarmee mit&nbsp; &#8222;out of area&#8220;-Eins&auml;tzen. Was kaum bekannt ist: Dieser Wandel f&uuml;hrte dazu, dass nicht wenige Offiziere aus der Zeit der Bonner Republik, die sich der Idee der Landesverteidigung verpflichtet f&uuml;hlten und mit dem neuen Milit&auml;rinterventionismus nichts zu tun haben wollten, nach 1990 den Dienst quittierten.<\/p>\n<p>Die Auslandseins&auml;tze selbst f&uuml;hrten zu einer Renaissance der K&auml;mpferideologie. Jetzt blies auch die milit&auml;rische Spitze in das reaktion&auml;re Horn. Kein Geringerer als der vormalige Inspekteur des deutschen Heeres, Generalmajor Hans-Otto Budde, exponierte sich &ouml;ffentlich als Verfechter eines neuen K&auml;mpferkults, als er im Jahre 2004 verk&uuml;ndete: &#8222;Wir brauchen den archaischen K&auml;mpfer und den, der den High-Tech-Krieg f&uuml;hren kann.&#8220;32 Bei einigen j&uuml;ngeren Offizieren der Kampftruppen, die bereits Einsatzerfahrungen haben, ist die Botschaft des Generals l&auml;ngst angekommen, wie man zwei neuen Publikationen entnehmen kann. Die eine tr&auml;gt den sprechenden Titel &#8222;Soldatentum. Auf der Suche nach Identit&auml;t und Berufung der Bundeswehr heute&#8220; (2013)33, die andere hei&szlig;t &#8222;Armee im Aufbruch. Zur Gedankenwelt junger Offiziere in den Kampftruppen der Bundeswehr&#8220; (2014).34 In diesen Wortmeldungen von jungen Offizieren, die sich ausdr&uuml;cklich als &#8222;Generation Einsatz&#8220; verstehen, wird als oberstes Ziel milit&auml;rische &#8222;Professionalit&auml;t&#8220; proklamiert, wohinter sich &#8211; bei n&auml;herem Hinsehen &#8211; nichts Anders versteckt als das alte &#8222;sui-generis&#8220;-Denken.<\/p>\n<p><i>Mit der Verwandlung der Bundeswehr in eine &#8222;Armee im Einsatz&#8220; r&uuml;ckte die Wehrmacht verst&auml;rkt als ein m&ouml;gliches Vorbild in das Blickfeld von Bundeswehrsoldaten.35 Sie folgen der latent schon immer vorhandenen Versuchung, die Verbrechen der Wehrmacht abzuspalten und an die solcherma&szlig;en ges&auml;uberte Wehrmacht als einer vermeintlich honorigen Kampftruppe anzukn&uuml;pfen. Der Wehrmachtsoldat erscheint so als ein Vorbild, an dem sich die Bundeswehrsoldaten in ihren Kampfeins&auml;tzen &#8222;out of area&#8220; orientieren k&ouml;nnen. Diese Entwicklung brachte es mit sich, dass sich in den Streitkr&auml;ften eine neue Hierarchie des Ansehens herausbildete: Wer einen oder mehrere Auslandseins&auml;tze mitgemacht hat, genie&szlig;t &#8211; unabh&auml;ngig vom milit&auml;rischen Dienstgrad &#8211; hohes Ansehen. Ihm wird mehr Anerkennung zuteil als jenen, die &uuml;ber solche Erfahrungen nicht verf&uuml;gen. Gleichzeitig wird &uuml;ber die mangelnde Wertsch&auml;tzung der Soldaten durch die &#8222;postheroische&#8220; deutsche &Ouml;ffentlichkeit geklagt.<\/i><\/p>\n<p><i>Nicht die Aussetzung der Wehrpflicht, sondern der Milit&auml;rinterventionismus der letzten 25 Jahre ist es, der in der Bundeswehr zu einer folgenschweren Bewusstseinsver&auml;nderung f&uuml;hrte. Wir k&ouml;nnen den Wandel am besten erfassen, wenn wir uns an das bekannte Diktum des fr&uuml;heren Bundespr&auml;sidenten Gustav W. Heinemann von 1969 erinnern: Nicht der Krieg, sondern der Frieden ist der Ernstfall, in dem wir alle uns zu bew&auml;hren haben.36 Das Baudissinsche Konzept der &#8222;Inneren F&uuml;hrung&#8220; korrespondierte mit diesem Satz, der eine der gr&ouml;&szlig;ten Errungenschaften der Bonner Republik auf den Punkt brachte. Die neue Konzeption der &#8222;Armee im Einsatz&#8220; ist geeignet, sowohl das Diktum Heinemanns als auch das Milit&auml;rkonzept Baudissins zu entwerten. In den Auslandseins&auml;tzen sind jetzt wieder die Kriegst&uuml;chtigkeit und der K&auml;mpferkult gefragt. Damit verlor auch der seit 1982 g&uuml;ltige Traditionserlass von Minister Hans Apel an Bindekraft. In der Truppenpraxis geht man ohnehin l&auml;ngst andere Wege.<\/i><\/p>\n<h5><span id=\"was-tun-ein-fazit\">Was tun? Ein Fazit<\/span><\/h5>\n<p>Was ist aus alledem zu lernen? Wie die meisten Armeen der Welt steht die Bundeswehr am rechten Rand des politischen Spektrums. Die gro&szlig;e Mehrheit der Offiziere denkt nationalkonservativ. Der Soldat akzeptiert die Armee als Schule der Gewalt. Er wei&szlig;, dass es ums K&auml;mpfen, T&ouml;ten, Zerst&ouml;ren und &#8211; schlimmstenfalls &#8211; auch ums Sterben geht. Das Milit&auml;r ist ein strukturell totalit&auml;res Gebilde, das anders tickt als die zivile Gesellschaft. Pluralistisches Denken wird als systemwidrig und effizienzmindernd angesehen.<\/p>\n<p>Noch nie war die Bundeswehr ein wirkliches &#8222;Spiegelbild der Gesellschaft&#8220;. Mit dem Wandel zur &#8222;Armee im Kriegseinsatz&#8220; und der Aussetzung der Wehrpflicht ist die Bundeswehr noch ein St&uuml;ck weiter nach rechts ger&uuml;ckt. Rechtslastigkeit und Korpsgeist erkl&auml;ren auch das stillschweigende Gew&auml;hrenlassen von rechtsradikalen Soldaten, wie wir es an den F&auml;llen Kaufhold und Franco A. beobachten konnten. In der Grauzone der Beschwichtigung und Abwiegelung bewegen sich die vielen rechten Mitl&auml;ufer, ohne die der Rechtsradikalismus in der Bundeswehr gar nicht aufkommen k&ouml;nnte.<\/p>\n<p>Was ist zu tun? Nat&uuml;rlich d&uuml;rfen rechtsradikale Vorkommnisse nicht ohne disziplinarische und ggf. strafrechtliche W&uuml;rdigung bleiben. Nat&uuml;rlich ist die lange vernachl&auml;ssigte historisch-politische Bildung der Soldaten zu verbessern. Nat&uuml;rlich muss der Traditionserlass aus dem Jahre 1982 aktualisiert werden. Ebenso darf man die &#8222;Innere F&uuml;hrung&#8220; nicht schleifen lassen. Doch die Erfolge der internen Bundeswehr-Reformen d&uuml;rften &uuml;berschaubar bleiben. Worauf es ankommt, sind die politischen Rahmenbedingungen. Solange die Politik die zweifellos gewachsene Verantwortung des geeinten Deutschlands in der Welt verst&auml;rkt in milit&auml;rischen Kategorien buchstabiert, muss sie sich nicht wundern, dass die rechten Traditionalisten Morgenluft wittern und dass in der Bundeswehr ein K&auml;mpfer- und Heldenkult um sich greift, der auch an fr&uuml;here Phasen der deutschen Milit&auml;rgeschichte ankn&uuml;pft.<\/p>\n<p>Ich m&ouml;chte abschlie&szlig;end auf die Verantwortung der Politik verweisen. Ich tue dies mit den Worten eines Mannes, der ma&szlig;geblich dazu beigetragen hat, dass der Kalte Krieg beendet und die deutsche Einigung herbeigef&uuml;hrt werden konnte, mit den Worten von Michael Gorbatschow: &#8222;Politiker&#8220;, sagt er, &#8222;die meinen, Probleme und Streitigkeiten k&ouml;nnten durch Anwendung milit&auml;rischer Gewalt gel&ouml;st werden &#8211; und sei es auch nur als letztes Mittel &#8211; sollten von der Gesellschaft abgelehnt werden, sie sollten die politische B&uuml;hne r&auml;umen.&#8220;37<\/p>\n<p>Auf unser Thema angewendet, bedeutet das: Solange Politiker auf milit&auml;rische Gewalt setzen, werden wir es auch mit rechtsradikalen Tendenzen im Milit&auml;r zu tun haben. Die &#8222;Generation Einsatz&#8220; &#8211; speziell die jungen Offiziere &#8211; entwickeln mit ihrem K&auml;mpferkult ein neues Selbstverst&auml;ndnis. Es kn&uuml;pft an fr&uuml;here Phasen der deutschen Milit&auml;rgeschichte an und f&auml;llt hinter die friedenspolitischen Einsichten von Reformern wie Graf Baudissin oder Politikern wie Gustav W. Heinemann zur&uuml;ck, die den Frieden zum Ernstfall erkl&auml;rten und die Streitkr&auml;fte nur noch zur Kriegsverh&uuml;tung akzeptierten.<\/p>\n<p><i>WOLFRAM WETTE&nbsp;&nbsp; Prof. i.R., Dr. phil., geb. 1940, Historiker, 1971-95 Milit&auml;rgeschichtliches Forschungsamt, dann Albert-Ludwigs-Universit&auml;t Freiburg, Mitbegr&uuml;nder der Historischen Friedensforschung (AHF); Mitherausgeber der Reihen &#8222;Geschichte und Frieden&#8220; und &#8222;Frieden und Krieg&#8220;, Ehrenprofessor der russischen Universit&auml;t Lipezk. J&uuml;ngste Ver&ouml;ffentlichung: Ernstfall Frieden. Lehren aus der deutschen Geschichte seit 1914. Bremen 2017.<\/i><\/p>\n<p><b>Anmerkungen:<\/b><\/p>\n<p>* Der Artikel ist die &uuml;berarbeitete Fassung eines Vortrags, den der Autor auf Einladung der Humanistischen Union Baden-W&uuml;rttemberg, des Instituts f&uuml;r Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht sowie des Arbeitskreises kritischer Jurist_innen am 11.1.2018 in Freiburg hielt.<\/p>\n<p>1 F&uuml;r wertvolle Anregungen danke ich Helmut Donat (Bremen), Jakob Knab (Kaufbeuren) und J&uuml;rgen Rose (M&uuml;nchen).<\/p>\n<p>2 Zur Einf&uuml;hrung Gabriele Nandlinger: Wann spricht man von Rechtsextremismus, Rechtsradikalismus oder Neonazismus&#8230;?, s. <a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/politik\/extremismus\/rechtsextremismus\/41312\/was-ist-rechtsextrem?p=all\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.bpb.de\/politik\/extremismus\/rechtsextremismus\/41312\/was-ist-rechtsextrem?p=all<\/a>; Wolfgang Benz (Hrsg.): Rechtsextremismus in der Bundesrepublik. Voraussetzungen, Zusammenh&auml;nge, Wirkungen. Frankfurt\/M.. 1993 (besonders den Beitrag von W. Benz).<\/p>\n<p>3 S. Wolfram Wette: Ernstfall Frieden. Lehren aus der deutschen Geschichte seit 1914, Bremen 2017, besonders Kap. 17: Eine stille Revolution. Vom preu&szlig;isch-deutschen Militarismus zur zivilen Gesellschaft, S. 391-419.<\/p>\n<p>4 Wolfram Wette: Perspektiven f&uuml;r eine Erinnerungskultur. Die NS-Zeit als Negativfolie f&uuml;r eine humane und friedliche Gesellschaft. In: Monika Rappenecker (Hrsg.), Nazi-Terror gegen Jugendliche. Verfolgung, Deportation und Gegenwehr in der Region Freiburg. Katalog zur Ausstellung. Heidelberg u.a. 2016, S. 13-23<\/p>\n<p>5 Konrad Jarausch: Die Umkehr. Deutsche Wandungen 1945-1995. M&uuml;nchen 2004.<\/p>\n<p>6 Edgar Wolfrum: Die gegl&uuml;ckte Demokratie. Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von ihren Anf&auml;ngen bis zur Gegenwart. Stuttgart 2006\/Bonn (Bundeszentrale f&uuml;r politische Bildung) 2007.<\/p>\n<p>7 In Anlehnung an Wolfgang Benz: Hintergr&uuml;nde und Umfeld rechtsextremen Denkens. In: Friedwart Maria Rudel (Hrsg.), Rechtsextremismus bek&auml;mpfen. Aufkl&auml;rung und Selbstvergewisserung. Essen 1995, S. 31-48, hier: S. 37.<\/p>\n<p>8 Hinsichtlich der Themenschwerpunkte der sog. Revisionisten beziehe ich mich auf meine Untersuchung: Verbrechen des NS-Gewaltregimes. Relativierungen und Besch&ouml;nigungen durch die alte und die neue Rechte. In: Hans-Jochen Vogel\/Rita S&uuml;ssmuth (Hrsg.), Mahnung und Erinnerung. M&uuml;nchen 1998 (= Jahrbuch des Vereins &#8222;Gegen Vergessen &#8211; F&uuml;r Demokratie&#8220;, Bd. 2), S. 9-25 (12 ff.)<\/p>\n<p>9 Gordon A. Craig: &Uuml;ber die Deutschen. M&uuml;nchen 1983, Kap. 10: Milit&auml;r, hier: S. 273.<\/p>\n<p>10 Die Autorenschaft ist strittig, die Aussage selbst wird jedoch immer wieder zitiert. Siehe:<br \/><a href=\"https:\/\/de.wikiquote.org\/wiki\/Honor%C3%A9_Gabriel_de_Mirabeau\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/de.wikiquote.org\/wiki\/Honor%C3%A9_Gabriel_de_Mirabeau<\/a><\/p>\n<p>11 Wolfram Wette: Militarismus in Deutschland. Geschichte einer kriegerischen Kultur. Frankfurt\/M. 2002.<\/p>\n<p>12 Der Mathematiker und Statistiker Emil Julius Gumbel, ein engagierter Pazifist, zog damals das erschreckende Fazit: W&auml;hrend die deutsche Justiz 354 rechtsradikale M&ouml;rder systematisch schonte<br \/>und laufen lie&szlig;, wurden 10 der 22 linksradikal eingestellten M&ouml;rder mit dem Tode bestraft. Weiterhin zeigte Gumbel auf, wie viele der M&ouml;rder damals ungeschoren blieben. Die Justiz war damals auf dem rechten Auge weitgehend blind. In seinem Buch &#8222;Vier Jahre politischer Mord&#8221; (Berlin 1922) pr&auml;sentierte Gumbel die folgende Statistik: &#8222;354 Morde von rechts; Gesamts&uuml;hne 90 Jahre, 2 Monate Einsperrung,<br \/>730 Mark Geldstrafe und 1 lebensl&auml;ngliche Haft.&#8221; Demgegen&uuml;ber: &#8222;22 Morde von links, Gesamts&uuml;hne: 10 Erschie&szlig;ungen, 248 Jahre, 9 Monate Einsperrung, 3 lebensl&auml;ngliche Zuchthausstrafen.&#8220;; vgl. auch<br \/>Wette, Ernstfall Frieden (s. Anm. 3), S. 233-237.<\/p>\n<p>13 S. dazu meinen Beitrag: Die Bundeswehr im Banne des Vorbildes Wehrmacht. In: Detlef Bald\/ Johannes Klotz\/ Wolfram Wette: Mythos Wehrmacht. Nachkriegsdebatten und Traditionspflege. Berlin 2001, S. 66-115, hier: S. 70 ff.<\/p>\n<p>14 Vgl. auch Wolfram Wette: Neue Form, alter Geist. Die Gr&uuml;ndungsgeschichte der Bundeswehr erkl&auml;rt, warum es unserer Armee so schwer f&auml;llt, sich aus der Wehrmachtstradition zu l&ouml;sen. In: DIE ZEIT Nr. 12, 18. M&auml;rz 1999, S. 88.<\/p>\n<p>15 Zu deren Biographien siehe Jakob Knab: Falsche Glorie. Das Traditionsverst&auml;ndnis der Bundeswehr. Berlin 1995, S. 72-93. Zur Vertiefung auch Ralph Giordano: Die Traditionsl&uuml;ge. Vom Kriegerkult in der Bundeswehr. K&ouml;ln 2000.<\/p>\n<p>16 Die &#8222;Richtlinien zum Traditionsverst&auml;ndnis und zur Traditionspflege in der Bundeswehr&#8220; von 1982 (kurz. Traditionserlass) sind im Internet abrufbar unter: <a href=\"https:\/\/suche.t-online.de\/fast-cgi\/tsc?context=internet-tab&amp;dia=suche&amp;mandant=toi&amp;ptl=std&amp;q=Traditionserlass+1982&amp;sb=top&amp;tstmp=1516187554646\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/suche.t-online.de\/fast-cgi\/tsc?q=Traditionserlass+1982&amp;tstmp=1516187554646&amp;mandant=toi&amp;dia=suche&amp;context=internet-tab&amp;ptl=std&amp;sb=top<\/a><\/p>\n<p>17 S. dazu J&uuml;rgen Rose: Die Wiederkehr des Heldenkultus und das Ende der &#8218;Inneren F&uuml;hrung&#8216;. Anmerkungen zu Deutschlands neuer Wehrmacht. In: Neue Rheinische Zeitung v. 28.10.2015 \/ 4.11.2015.<\/p>\n<p>18 Detlef Bald: Die Bundeswehr. Eine kritische Geschichte 1955-2005. M&uuml;nchen 2005.<\/p>\n<p>19 Vgl. Wolfram Wette: Gustav Noske. Eine politische Biographie. D&uuml;sseldorf 2. Aufl. 1987.<\/p>\n<p>20 Sebastian Leber: Unter Kameraden. Christian Wei&szlig;gerber war fr&uuml;her eine Gr&ouml;&szlig;e in der Th&uuml;ringer Nazi-Szene &#8211; und gleichzeitig Bundeswehrsoldat. Die Hakenkreuztattoos, sagt er, h&auml;tten keinen gest&ouml;rt. In: Badische Zeitung, 23.8.2017, S. 3.<\/p>\n<p>21 Ebda.<\/p>\n<p>22 Wolfram Wette: Bundeswehr: Franco A. und die anderen. In der Bundeswehr existiert ein strukturelles Problem mit rechtem Gedankengut. Die Pl&auml;ne von Franco A. erinnern an die Freikorps-Offiziere der Weimarer Republik. In: ZEIT Online 10.5.2017. S. <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/kultur\/2017-05\/bundeswehr-franco-a-terrorgruppe-wehrmacht-weimarer-republik\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.zeit.de\/kultur\/2017-05\/bundeswehr-franco-a-terrorgruppe-wehrmacht-weimarer-republik<\/a>.<\/p>\n<p>23 So das Gutachten des Milit&auml;rhistorikers J&ouml;rg Echternkamp, zit. nach dem Beitrag von Florian Flade: Die rassistische Masterarbeit. In: Die Welt kompakt, 4.5.2017, S. 2 und 3: Thema des Tages.<\/p>\n<p>24 Zit. nach Christoph Hickmann: Ministerin kritisiert ihre Truppe. In: S&uuml;ddeutsche Zeitung Nr. 100, 2.5.2017, S. 5.<\/p>\n<p>25 S. den Eintrag: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nationalsozialistischer_Untergrund\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nationalsozialistischer_Untergrund<\/a>.<\/p>\n<p>26 Zit. nach Annette Ramelsberger: Eine Frage der Logik. S&uuml;ddeutsche Zeitung Nr. 176, 2.8.2917, S. 3.<\/p>\n<p>27 Staatsanwalt Weingarten im NSU-Prozess, ebd.<\/p>\n<p>28 S. den Eintrag: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Uwe_Mundlos\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Uwe_Mundlos<\/a><\/p>\n<p>29 S. Wolfram Wette: Der Feind im Innern. Ein KSK-Hauptmann schreibt einen Hetzbrief an einen Oberstleutnant der Bundeswehr und reiht sich damit in eine unselige Vergangenheit ein. Eine historische Einordnung. In: Frankfurter Rundschau 4.4.2008, S. 10 (&#8222;Dokumentation&#8220;); Nachdruck u.d.T.: Der Feind im Innern (mit reichhaltiger Bebilderung). In: Gegen Vergessen &#8211; F&uuml;r Demokratie<br \/>Nr. 54, Mai 2008, S. 10-15; sowie u.d.T: Der Hassbrief des KSK-Hauptmanns. Eine historische Einordnung f&uuml;r die Zukunft. In: FriedensForum. Zeitschrift der Friedensbewegung, 21. Jg., Nr. 3\/2008 (Juni\/Juli 2008), S. 21-22.<\/p>\n<p>30 So Hans-Peter Bartels im Kontext des Falles Franco A. gegen&uuml;ber der &#8222;Welt am Sonntag&#8220;, zit. nach MDR 1.5.2017: Wehrbeauftragter: Bundeswehr attraktiv f&uuml;r Rechtsextremisten.<\/p>\n<p>31 Unter Verwendung der Analyse von Helmut Prie&szlig;: Bundeswehr und Rechtsextremismus. Analyse, Bewertung und Ma&szlig;nahmen zur Bek&auml;mpfung. Positionspapier des &#8222;Darmst&auml;dter Signals&#8220; vom<br \/>April 1998. In: FriedensForum 3\/1998.<\/p>\n<p>32 Zit. nach J&uuml;rgen Rose: Hohelied auf den archaischen K&auml;mpfer. Der &#8222;Staatsb&uuml;rger in Uniform&#8220; hat ausgedient. In: Freitag Nr. 15, 2.4.2005, S. 4. Ausf&uuml;hrlicher ders., Die Wiederkehr des Heldenkultus und das Ende der &#8218;Inneren F&uuml;hrung&#8216;. Anmerkungen zu Deutschlands neuer Wehrmacht. In: Neue Rheinische Zeitung, 28.10.2015 und 4.11.2015.<\/p>\n<p>33 Martin B&ouml;cker\/Larsen Kempf\/Felix Springer (Hrsg.): Soldatentum. Auf der Suche nach Identit&auml;t und Berufung der Bundeswehr heute. M&uuml;nchen 2013.<\/p>\n<p>34 S. den Sammelband von Marcel Bohnert\/Lukas J. Reitstetter (Hrsg.): Armee im Aufbruch. Zur Gedankenwelt junger Offiziere in den Kampftruppen der Bundeswehr. Berlin 2014. Kritisch dazu der Sprecher des &#8222;Darmst&auml;dter Signals&#8220;, Florian Kling: &#8222;Wenn niemand sich mehr traut, den Mund aufzumachen, ist die &#8218;Innere F&uuml;hrung&#8216; als Leitbild am Ende&#8220;. In: vorg&auml;nge 218. Zeitschrift f&uuml;r B&uuml;rgerrechte und Gesellschaftspolitik, Nr. 2\/2017, S. 79 ff.<\/p>\n<p>35 Vgl. Wolfram Wette: Wehrmachtstraditionen und Bundeswehr. Deutsche Machtphantasien im Zeichen der neuen Milit&auml;rpolitik und des Rechtsradikalismus. In: Johannes Klotz (Hrsg.), Vorbild Wehrmacht? Wehrmachtsverbrechen, Rechtsextremismus und Bundeswehr. K&ouml;ln 1998, S. 126-154.<\/p>\n<p>36 Zum Kontext s. mein Buch: Ernstfall Frieden (s. Anm. 3).<\/p>\n<p>37 Michael Gorbatschow: Kommt endlich zur Vernunft &#8211; Nie wieder Krieg!: Ein Appell von Michail Gorbatschow an die Welt, Hrsg. von Franz Alt. Salzburg\/M&uuml;nchen 4. Aufl. 2017, S. 12 f.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[1788],"publikationen":[1090],"class_list":["post-10602","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-wolfram-wette","publikationen-221-222"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Rechtsradikale in der Bundeswehr \u0096 im Geiste der Freikorps* - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/221-222\/publikation\/rechtsradikale-in-der-bundeswehr-im-geiste-der-freikorps\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Rechtsradikale in der Bundeswehr \u0096 im Geiste der Freikorps* - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"in: vorg&auml;nge Nr. 221\/222 (1-2\/2018), S. 197-211 Soldaten mit rechtsradikalen Einstellungen sind weder ein Einzelfall, noch ein neues Problem der Bundeswehr. 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