{"id":10863,"date":"2017-08-17T17:00:00","date_gmt":"2017-08-17T15:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/historische-kriegsluegen-1\/"},"modified":"2021-08-30T15:42:27","modified_gmt":"2021-08-30T13:42:27","slug":"historische-kriegsluegen-1","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/218\/publikation\/historische-kriegsluegen-1\/","title":{"rendered":"Historische Kriegsl\u00fcgen*"},"content":{"rendered":"<p>in: vorg&auml;nge Nr. 218 (Heft 2\/2017), S. 5-16<\/p>\n<p><i>Hindenburgs Behauptung, das deutsche Heer sei im Felde unbesiegt geblieben, schuld an der Niederlage sei die Heimatbev&ouml;lkerung, die der k&auml;mpfenden Truppe einen Dolch in den R&uuml;cken gesto&szlig;en habe, d&uuml;rfte allgemein als wahrheitswidrig bekannt sein. Ebenso Hitlers Behauptung, seit 5.45 Uhr werde zur&uuml;ckgeschossen, womit er Polen zum Ausl&ouml;ser des 2. Weltkriegs machen wollte. Aber dies sind nicht die einzigen Kriegsl&uuml;gen. Wolfgang Wette Autor zeigt anhand einer Reihe weiterer F&auml;lle, dass die Eliten eines kriegf&uuml;hrenden Landes ihr Handeln rechtfertigen und durch Kriegspropaganda untermauern. Er kommt zu dem Ergebnis, dass die politischen Kriegsl&uuml;gen die Berufung auf den &#8222;gerechten Krieg&#8220; l&auml;ngst abgel&ouml;st haben und die Wahrheit bereits vor dem Beginn eines Krieges verf&auml;lscht wird, um die Legitimit&auml;t des eigenen Handels zu untermauern. <\/i><\/p>\n<p>Aischylos (525-456), der griechische Dichter und Sch&ouml;pfer der griechischen Trag&ouml;die, erkannte den Zusammenhang bereits in voller Klarheit: &#8222;Im Krieg ist die Wahrheit das erste Opfer.&#8220;[1] Diese Erkenntnis ist seitdem in verschiedenen Varianten vieltausendfach wiederholt worden. Das kann kein Zufall sein. Es muss damit zusammenh&auml;ngen, dass die historische Wirklichkeit den Sachverhalt immer wieder best&auml;tigt hat.<\/p>\n<p>Durch die leidvollen Erfahrungen in den Kriegen des 19. und 20. Jahrhunderts, jetzt auch schon des 21., sind wir allerdings mehr als einmal belehrt worden, dass die Weisheit des Aischylos einer Erweiterung bedarf: Die Wahrheit stirbt nicht erst &#8222;im Krieg&#8220;, sondern schon in der Entstehungsphase einer gewaltsamen Auseinandersetzung. W&auml;hrend eines Krieges waren die F&uuml;hrungseliten eines kriegf&uuml;hrenden Landes jeweils bestrebt, die Glaubw&uuml;rdigkeit ihrer Rechtfertigungsbehauptungen durch ihre Kriegspropaganda zu untermauern. Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges &#8211; um diesen Fall zu nehmen[2] &#8211; kam dann nicht etwa die Wahrheit auf den Tisch, sondern die Verschleierung der Wahrheit respektive der Kampf um die Wahrheit setzte sich weiter fort. Der in Deutschland nach 1918 erbittert gef&uuml;hrte Meinungskampf &uuml;ber die Kriegsschuldfrage bietet daf&uuml;r ein reiches Anschauungsmaterial.[3]<\/p>\n<h5><span id=\"kriegsmetaphysik-eine-traditionsreiche-verschleierungsstrategie\">Kriegs&shy;me&shy;ta&shy;physik &ndash; eine tradi&shy;ti&shy;ons&shy;reiche Verschlei&shy;e&shy;rungs&shy;stra&shy;tegie<\/span><\/h5>\n<p>Wenn der Begriff Kriegsl&uuml;ge f&auml;llt, denkt man gew&ouml;hnlich an einen Ausl&ouml;ser, einen konkreten Anlass wie zum Beispiel die Ermordung des &ouml;sterreichischen Thronfolgers im Juli 1914, der hernach zur Kriegsursache stilisiert wurde. Bei dieser Betrachtungsweise wird h&auml;ufig vergessen, dass es im damaligen zeitgen&ouml;ssischen Denken eine Weltsicht gab, die gleichsam als Humus diente, auf dem die aktuelle Kriegsl&uuml;ge erst gedeihen konnte. Gemeint ist ein bestimmtes Denken &uuml;ber &#8222;den&#8220; Krieg im Allgemeinen. Dieses Denken, das besonders im Deutschland des 19. und 20. Jahrhunderts weit verbreitet war, bezeichne ich als Kriegsmetaphysik. Gemeint sind die Vorstellungen, &#8222;der&#8220; Krieg sei &#8222;der Vater aller Dinge&#8220; oder ein Naturereignis, das ausbreche wie ein Vulkan und das von Menschen nicht geb&auml;ndigt werden k&ouml;nne; oder der Krieg sei von Gott gewollt, wom&ouml;glich ein &#8222;Gottesgericht&#8220;; oder aber &#8211; als linke Variante &#8211; er sei ein gleichsam &#8222;naturnotwendiges&#8220; Produkt des Kapitalismus beziehungsweise des Imperialismus.[4]<\/p>\n<p>In klassischer Weise formulierte zur Zeit des deutschen Kaiserreiches der preu&szlig;ische Generalstabschef Helmut von Moltke d. &Auml;. die zeitgen&ouml;ssische konservativ-militaristische Kriegsmetaphysik: &#8222;Der Friede ist ein Traum, und nicht einmal ein sch&ouml;ner, und der Krieg ein Glied in Gottes Weltordnung. [&#8230;] Ohne den Krieg w&uuml;rde die Welt im Materialismus versumpfen.&#8220;[5] S&auml;tze wie dieser f&uuml;hrten bei den Menschen zu der fatalistischen Grundhaltung, dass Kriege offenbar immer wiederkehren und daher nicht verhindert werden k&ouml;nnten.<\/p>\n<p>Sp&auml;testens seit der Einf&uuml;hrung der Allgemeinen Wehrpflicht im 19. Jahrhundert verfolgten Aggressoren das Ziel, die eigene Verantwortung f&uuml;r die Entfesselung kriegerischer Gewalt vor der eigenen Bev&ouml;lkerung zu verschleiern. Sie wussten, dass das eigene Lager nur durch eine Verteidigungsl&uuml;ge f&uuml;r den Krieg mobilisiert werden konnte. Der Krieg musste als eine gerechte Sache erscheinen, und als gerecht wurde nur die Verteidigung des eigenen Landes gegen einen Aggressor angesehen. Es galt also, das eigene Land als das angegriffene hinzustellen, den Feind ins Unrecht zu setzen und ihm die Kriegsschuld aufzub&uuml;rden. Wenn in der Regel alle kriegf&uuml;hrenden M&auml;chte die Menschen ihres Landes mit einer Verteidigungspropaganda mobilisierten, so bedeutete dies allerdings nicht, dass es sich dabei durchg&auml;ngig um Kriegsl&uuml;gen handelte. So befanden sich etwa die von Hitler-Deutschland &uuml;berfallenen L&auml;nder Europas zweifellos in einer Verteidigungssituation.<\/p>\n<h5><span id=\"eine-preussische-kriegsluege\">Eine preu&szlig;ische Kriegsl&uuml;ge<\/span><\/h5>\n<p>Friedrich II., K&ouml;nig von Preu&szlig;en, von seinen Bewunderern auch als &#8222;der Gro&szlig;e&#8220; bezeichnet, steht f&uuml;r den manipulativen Umgang mit der Lehre vom &#8222;gerechten Krieg&#8220;, anders ausgedr&uuml;ckt: f&uuml;r die Praxis der Kriegsl&uuml;gen im 18. Jahrhundert. Im Jahre 1740 gab er seiner Armee den Befehl zum Angriff auf Schlesien, das er, ganz der Machtpolitiker, dem preu&szlig;ischen Staat einverleiben wollte, bevor der Rivale &Ouml;sterreich zum Zuge kam. Das war der Beginn des sogenannten Ersten Schlesischen Krieges (1740-1742). W&auml;hrend die Angriffshandlungen bereits im Gange waren, schrieb Friedrich seinem Minister Heinrich Graf von Podewils: &#8222;Ich habe den Rubikon &uuml;berschritten, mit wehenden Fahnen und klingendem Spiel.&#8220; Nun sei es Sache des Ministers, sich im Nachhinein eine &#8222;justa causa&#8220; auszudenken, also einen &#8222;gerechten Grund&#8220;, ein Rechtfertigungsmotiv.[6] Im Hinblick auf die internationale &Ouml;ffentlichkeit konstruierte der Minister nun einen erbschaftsrechtlichen Anspruch, der mit der herrschenden Lehre vom gerechten Krieg nicht zu kollidieren schien. So wurde versucht, die aggressive und rechtswidrige Politik des preu&szlig;ischen K&ouml;nigs zu kaschieren.[7]<\/p>\n<h5><span id=\"deutsch-franzoesischer-krieg-187071\">Deutsch-&shy;Fran&shy;z&ouml;&shy;si&shy;scher Krieg 1870\/71<\/span><\/h5>\n<p>Der preu&szlig;ische Ministerpr&auml;sident Otto von Bismarck manipulierte im Jahre 1870 die &#8222;Emser Depesche&#8220; in der Weise, dass der franz&ouml;sische Kaiser Napoleon III. dadurch in die Rolle des Aggressors gedr&auml;ngt wurde und Deutschland den Krieg erkl&auml;rte.[8] In den Augen der deutschen &Ouml;ffentlichkeit ergab sich dadurch die Lage, dass Bismarck die angegriffenen Deutschen verteidigte. Verborgen blieb, dass er selbst es gewesen war, der auf den deutsch-franz&ouml;sischen Krieg hingearbeitet hatte, weil er ihn als ein geeignetes Mittel zur Herstellung des preu&szlig;isch-deutschen Nationalstaats brauchte.<\/p>\n<p>Wilhelm Liebknecht, neben August Bebel der bekannteste Sozialdemokrat seiner Zeit, zog in seinem Buch &uuml;ber die Emser Depesche (erschienen 1899) eine Verbindungslinie zwischen Friedrich II. und Bismarck: &#8222;Die V&ouml;lker sehen hier, wie Kriege gemacht werden. [&#8230;] Dass die Politik sich verbrecherischer Mittel bediente, das ist uralte Praxis. Dass sie der Verbrechen sich r&uuml;hmt [gemeint ist Bismarck, d. Verf.], das ist neu. Auch der &#8218;Alte Fritz&#8216; hat &Auml;hnliches verbrochen wie Bismarck. Allein er sch&auml;mte sich. [&#8230;] Bismarck ist stolz auf seine Verbrechen, er ist stolz auf die F&auml;lschung der Emser Depesche. [&#8230;] Jedes Mittel war ihm recht, das zum Ziel f&uuml;hrte; und er hat auch nicht, wie die Despoten des Altertums, seine Gegner mit Dolch und Gift auf dem Wege ger&auml;umt, so hat er sich nicht gescheut, Tausende und Hunderttausende von Menschen zu t&ouml;ten, wo es galt, seinem ma&szlig;losen Ehrgeiz Befriedigung zu sichern.&#8220;[9] Liebknechts Buch tr&auml;gt den Titel &#8222;Die Emser Depesche oder Wie Kriege gemacht werden&#8220;. Im Kontext des damals verbreiteten Denkens in den Kategorien einer Kriegsmetaphysik stellte es auch eine Aufforderung zu der Erkenntnis dar, dass Kriege von Menschen gemacht werden. Liebknecht, der Aufkl&auml;rer, nennt umstandslos &#8222;Ross und Reiter&#8220; und sagt in aller Klarheit, wer die Verantwortung f&uuml;r den Tod von Hunderttausenden von Menschen im deutsch-franz&ouml;sischen Krieg von 1870\/71 trug.<\/p>\n<h5><span id=\"erster-weltkrieg-mitten-im-frieden-ueberfaellt-uns-der-feind\">Erster Weltkrieg: &bdquo;Mitten im Frieden &uuml;berf&auml;llt uns der Feind&ldquo;<\/span><\/h5>\n<p>Der Erste Weltkrieg begann in Deutschland wiederum mit einer Verteidigungsl&uuml;ge. Weil die Mehrheit der Menschen durchaus friedliebend war, musste die Regierung, die den Krieg wollte, bestrebt sein, ihre politischen Absichten m&ouml;glichst vollst&auml;ndig zu verschleiern. Sie wandte in der Julikrise 1914 ihr ganzes diplomatisches Geschick auf, um vor der Bev&ouml;lkerung des eigenen Landes als unschuldig dazustehen. Aus diesem Grunde sagte die deutsche Reichsleitung 1914 nicht die Wahrheit. Am 31. Juli 1914 verk&uuml;ndete Kaiser Wilhelm II. die Verteidigungsl&uuml;ge: &#8222;Man dr&uuml;ckt uns das Schwert in die Hand.&#8220;[10] In seinem &#8222;Aufruf an das deutsche Volk&#8220; vom 6. August wiederholte er diese Behauptung: &#8222;Es muss das Schwert nun entscheiden. Mitten im Frieden &uuml;berf&auml;llt uns der Feind. Darum auf, zu den Waffen! Jedes Schwanken und jedes Z&ouml;gern w&auml;re Verrat am Vaterlande. Um Sein oder Nichtsein unseres Reiches handelt es sich.&#8220;[11] Zur Rechtfertigung des deutschen Krieges war damit die Legende von der &#8222;Vaterlandsverteidigung&#8220; in die Welt gesetzt. Sie sollte sich als &auml;u&szlig;erst wirksam und zugleich als &auml;u&szlig;erst z&auml;hlebig erweisen.<\/p>\n<p>Der Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg verbreitete in der Julikrise von 1914 durch geschickte Regie den Eindruck, Deutschland bleibe nichts anderes &uuml;brig, als auf die russische Generalmobilmachung zu reagieren und sich zu verteidigen. Mit dieser Manipulation dr&auml;ngte er die z&ouml;gernde Sozialdemokratie, die noch kurz zuvor Friedenskonferenzen und Friedensdemonstrationen organisiert hatte[12], dazu, eine Verteidigungssituation anzunehmen.<\/p>\n<p>Nicht nur die Konservativen, sondern auch die oppositionelle SPD-Reichstagsfraktion bewilligten daraufhin die Kriegskredite. Im Interesse der Landesverteidigung schloss die SPD einen sogenannten Burgfrieden mit dem Kaiser und seiner Regierung.[13] Der Chef des Marinekabinetts, Admiral Georg von M&uuml;ller, freute sich &uuml;ber den gelungenen Coup: &#8222;Stimmung gl&auml;nzend. Die Regierung hat eine gl&uuml;ckliche Hand gehabt, uns als die Angegriffenen hinzustellen.&#8220;[14]<br \/>General Erich v. Falckenhayn, 1914 preu&szlig;ischer Kriegsminister, war einer der st&auml;ndigen Kriegstreiber in der deutschen Milit&auml;rf&uuml;hrung[15] und in den letzten Julitagen &#8222;einer der entschiedensten Bef&uuml;rworter sofortigen Losschlagens&#8220;[16], obwohl er zumindest ahnte, dass Deutschland keineswegs mit einem raschen Sieg rechnen konnte. Am 4.&nbsp;August &auml;u&szlig;erte er eine Weltsicht, welche die zynische Geisteshaltung f&uuml;hrender deutscher Milit&auml;rs widerspiegelte und seine ganze &#8222;verbrecherische Verantwortungslosigkeit&#8220; offenbarte.[17] Er sagte: &#8222;Wenn wir auch dar&uuml;ber zugrunde gehen, sch&ouml;n war&#8216;s doch&#8220;.[18]<\/p>\n<h5><span id=\"kriegsende-1918-die-verleugnete-niederlage\">Kriegsende 1918: Die verleugnete Niederlage<\/span><\/h5>\n<p>Nach dem verlorenen Krieg behaupteten die milit&auml;rische und die politische F&uuml;hrung wahrheitswidrig, das deutsche Heer sei &#8222;im Felde unbesiegt&#8220; geblieben.[19] Am 12. November 1918 erlie&szlig; der Chef der Obersten Heeresleitung, Hindenburg, einen letzten Aufruf an die in die Heimat zur&uuml;ckflutende Armee. &#8222;Aufrecht und stolz&#8220;, lie&szlig; er die Soldaten wissen, &#8222;gehen wir aus dem Kampfe, den wir &uuml;ber vier Jahre gegen eine Welt von Feinden bestanden&#8220;.[20] Fortan galt die deutsche Armee als &#8222;im Felde unbesiegt&#8220;. Diese wahrheitswidrige Formel wurde nun landesweit bei der Heimkehr der Truppen von der Front wiederholt. Auch der Vorsitzende der Revolutionsregierung der Volksbeauftragten, der Sozialdemokrat Friedrich Ebert, benutzte sie sinngem&auml;&szlig; in seiner Ansprache an die heimkehrenden Truppen in Berlin am 11. Dezember 1918: &#8222;Kein Feind hat Euch &uuml;berwunden [&#8230;] Erst als die &Uuml;bermacht der Gegner an Menschen und Material immer dr&uuml;ckender wurde, haben wir den Kampf aufgegeben. [&#8230;] Erhobenen Hauptes d&uuml;rft ihr zur&uuml;ckkehren.&#8220;[21]<\/p>\n<p>Bereits seit Herbst 1918 wurde das in der Obersten Heeresleitung erfundene Ger&uuml;cht verbreitet, schuld an der Niederlage sei die Heimatbev&ouml;lkerung. Sie habe die k&auml;mpfende Front nicht hinreichend unterst&uuml;tzt, sondern ihr vielmehr &#8222;den Dolch in den R&uuml;cken gesto&szlig;en&#8220;. Mit dieser Dolchsto&szlig;legende versuchten die f&uuml;hrenden deutschen Milit&auml;rs, den negativen Kriegsausgang auf jene Kr&auml;fte der deutschen Gesellschaft abzuw&auml;lzen, die sich seit 1917 f&uuml;r einen Verst&auml;ndigungsfrieden eingesetzt hatten.[22] Hindenburg pr&auml;sentierte sich am 18. November 1919 &#8211; ein Jahr nach Kriegsende &#8211; selbstherrlich vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss, der den Ursachen der Niederlage nachgehen sollte. Der ehemalige Generalfeldmarschall t&ouml;nte dort: Wir mussten unterliegen, &#8222;wenn nicht die gesamte Heimat f&uuml;r den Sieg auf dem Schlachtfelde eingestellt wurde und die moralischen Kr&auml;fte nicht dauernd aus der Heimat erneuert wurden&#8220;. Aber die Heimat habe versagt: &#8222;Ich wollte kraftvolle und freudige Mitarbeit, und bekam Versagen und Schw&auml;che.&#8220; Und dann folgte das b&ouml;se Wort vom Dolchsto&szlig;: &#8222;So mussten unsere Operationen misslingen, es musste der Zusammenbruch kommen. [&#8230;] Ein englischer General[23] sagte mit Recht: &#8218;Die deutsche Armee ist von hinten erdolcht worden&#8216;. Den guten Kern des Heeres trifft keine Schuld.&#8220;[24]<\/p>\n<p>Es handelte sich um eine mehrschichtige Nachkriegsl&uuml;ge: In den K&ouml;pfen der Deutschen sollte sich festsetzen, dass die deutsche Milit&auml;rf&uuml;hrung den Krieg erstens nicht gewollt, zweitens ihn keineswegs verantwortungslos und ineffizient gef&uuml;hrt und ihn drittens milit&auml;risch nicht verloren habe. Das war eine folgenschwere Realit&auml;tsverweigerung. In nationalistischen Kreisen n&auml;hrte sie die Vorstellung, dass dieser Krieg nicht beendet, sondern eigentlich nur unterbrochen sei.<\/p>\n<p>Fortan benutzten die deutschen Nationalisten die von Hindenburgs Autorit&auml;t gedeckte Dolchsto&szlig;legende als innenpolitische Propagandawaffe gegen Sozialdemokraten, Juden und Pazifisten, die Hitler sp&auml;ter summarisch als &#8222;Novemberverbrecher&#8220; diffamieren sollte. Nach 1933 stellte die nationalistisch verf&auml;lschte Interpretation des Kriegsendes 1918 ein wichtiges Motiv f&uuml;r das Hitler-Regime dar, schon in den Jahren der Kriegsvorbereitung alle potentiellen Kriegsgegner aus dem politischen Leben gewaltsam auszuschalten. Als Reaktion auf die Kriegsniederlage von 1918 entfesselten das NS-Regime und die Wehrmacht am Ende des Zweiten Weltkrieges einen systematischen Terror gegen alle Deutschen, die des Def&auml;tismus verd&auml;chtig waren, und verhinderten so, dass sich ein Widerstand gegen den Krieg organisieren konnte.<\/p>\n<h5><span id=\"zweiter-weltkrieg-krieg-gegen-polen\">Zweiter Weltkrieg: Krieg gegen Polen<\/span><\/h5>\n<p>Am 1. September 1939 er&ouml;ffnete das im Danziger Hafen liegende deutsche Linienschiff &#8222;Schleswig-Holstein&#8220; ohne jede Kriegserkl&auml;rung mit seinen schweren Gesch&uuml;tzen das Feuer auf die polnische Westerplatte. Gleichzeitig lie&szlig; Hitler einen Angriff polnischer Soldaten auf den oberschlesischen Sender Gleiwitz vort&auml;uschen. Deutsche Staatsb&uuml;rger in polnischen Uniformen griffen die Radiostation an, um den NS-Propagandisten Stoff f&uuml;r ihre Ablenkungspropaganda zu liefern. Hitler verk&uuml;ndete noch am selben Tag in einer Reichstagsrede seine Verteidigungsl&uuml;ge, deren Kerns&auml;tze lauteten: &#8222;Polen hat nun heute Nacht zum ersten Mal auf unserem eigenen Territorium auch durch regul&auml;re Soldaten geschossen. Seit 5.45 Uhr wird jetzt zur&uuml;ckgeschossen! Und von jetzt ab wird Bombe mit Bombe vergolten.&#8220;[25]<\/p>\n<p>Hitler hatte diesen Krieg von langer Hand geplant, seine Ziele aber vor der deutschen &Ouml;ffentlichkeit verborgen, indem er zwischen 1933 und 1938 &#8211; zur allgemeinen Irref&uuml;hrung &#8211; eine geschickte Friedenspropaganda betrieben hatte.[26] Der deutsche Angriff auf Polen ist das vielleicht bekannteste Beispiel f&uuml;r das sehr viel &auml;ltere Ablenkungsman&ouml;ver, durch das sich der eigentliche Angreifer zum Angegriffenen machen m&ouml;chte.<\/p>\n<h5><span id=\"ueberfall-auf-die-sowjetunion-praeventivkriegsluege\">&Uuml;berfall auf die Sowje&shy;t&shy;u&shy;nion: Pr&auml;ven&shy;tiv&shy;kriegs&shy;l&uuml;ge<\/span><\/h5>\n<p>Am 22. Juni 1941 &uuml;berfiel die deutsche Wehrmacht in einer St&auml;rke von drei Millionen Mann die Sowjetunion, die sich aufgrund des Hitler-Stalin-Paktes von 1939 in Sicherheit wiegte. Hitler und sein Propagandaminister Joseph Goebbels pr&auml;sentierten an diesem Tage wiederum eine Verteidigungsl&uuml;ge. Die Sowjetunion, so behaupteten sie, habe eine aggressive Politik betrieben. Sie habe ihre Armeen an ihrer Westgrenze aufmarschieren lassen, habe damit die Abmachungen des Freundschaftsvertrages mit Deutschland gebrochen und &#8222;in erb&auml;rmlicher Weise verraten&#8220;. &#8222;Heute&#8220;, behauptete Hitler, &#8222;stehen rund 150 russische Divisionen an unserer Grenze. [&#8230;] Damit aber ist nunmehr die Stunde gekommen, in der es notwendig wird, diesem Komplott der j&uuml;disch-angels&auml;chsischen Kriegsanstifter und der ebenso j&uuml;dischen Machthaber der bolschewistischen Moskauer Zentrale entgegenzutreten.&#8220; Nun sei das Schicksal Europas, des Deutschen Reiches und des deutschen Volkes in die Hand der deutschen Soldaten gelegt. Damit war die Pr&auml;ventivkriegslegende geboren.[27] Glaubte man der NS-Propaganda, hatte Deutschland wieder einmal nur &#8222;zur&uuml;ckgeschossen&#8220;.<\/p>\n<h5><span id=\"der-amerikanische-vietnamkrieg-1964-1975\">Der ameri&shy;ka&shy;ni&shy;sche Vietnam&shy;krieg 1964-1975 <\/span><\/h5>\n<p>Auch der amerikanische Vietnamkrieg von 1964 bis 1975 begann mit einer L&uuml;ge. Die amerikanische Administration unter dem demokratischen Pr&auml;sidenten Lyndon B. Johnson suchte und fand einen Vorwand, um in den Krieg gegen Nordvietnam einzutreten. Es handelte sich um den sogenannten Tonkin-Zwischenfall vom 2. und 4. August 1964. Angeblich hatten nordvietnamesische Kriegsschiffe im Golf von Tonkin (vor Nordvietnam) zwei US-Zerst&ouml;rer beschossen. Nun ordnete Pr&auml;sident Johnson sogenannte Vergeltungsbombardements gegen Ziele in Nordvietnam an. Hernach lie&szlig; er sich vom amerikanischen Kongress eine Generalvollmacht zur Ausweitung des Krieges geben. Dieser sollte bis 1975 dauern und mit einem Sieg Nordvietnams enden.[28] Die amerikanischen Soldaten mussten gedem&uuml;tigt und fluchtartig das Land verlassen.<\/p>\n<h5><span id=\"der-erste-golfkrieg-1980-89\">Der erste Golfkrieg 1980-89<\/span><\/h5>\n<p>Der iranisch-irakische Krieg von 1980 bis 1988 wird als Erster Golfkrieg bezeichnet. In diesem Krieg unterst&uuml;tzten die Regierungen der westlichen L&auml;nder insgeheim den irakischen Diktator Saddam Hussein. Als die irakische Armee im Jahre 1990 in Kuwait einmarschierte, antworteten die USA und einige Verb&uuml;ndete mit dem Zweiten Golfkrieg. Um diesen Krieg vor der &Ouml;ffentlichkeit zu legitimieren und&nbsp; im eigenen Lager Kriegsbereitschaft zu mobilisieren, erfand die US-amerikanische Administration unter Pr&auml;sident George Bush sen. nun eine neue Sprachstrategie: die D&auml;monisierung des Gegners.[29] Der irakische Diktator und vormalige Verb&uuml;ndete Saddam Hussein wurde jetzt als &#8222;Hitler des Orients&#8220; bezeichnet. Pr&auml;sident Bush sen. selbst war der Stichwortgeber. In einer Rede vom 8. November 1990 sagte er, die irakischen Truppen h&auml;tten sich in Kuwait &#8222;ungeheuerliche Akte der Barbarei&#8220; zuschulden kommen lassen, &#8222;die nicht einmal Adolf Hitler begangen hat&#8220;.[30] Damit verschaffte Bush dem Saddam-Hitler-Vergleich eine weltweite Resonanz. In Deutschland f&uuml;hrte dieser Vergleich, der auf eine Gleichsetzung hinauslief, zu gro&szlig;en Irritationen.[31]<\/p>\n<h5><span id=\"der-kosovo-krieg-1999-und-der-hufeisenplan\">Der Kosovo-&shy;Krieg 1999 und der &bdquo;Hufei&shy;sen&shy;plan&ldquo;<\/span><\/h5>\n<p>54 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges k&auml;mpften erstmals wieder deutsche Soldaten im Ausland, n&auml;mlich gegen das serbische Rest-Jugoslawien. Dies geschah im Rahmen der Nato, aber ohne UNO-Mandat. Es handelte sich um einen Angriffskrieg, der weder vom V&ouml;lkerrecht noch vom Grundgesetz (Artikel 26) gedeckt war. Rest-Jugoslawien hatte Deutschland weder angegriffen noch ging von ihm eine Bedrohung aus. Der damalige Au&szlig;enminister Joschka Fischer (B&uuml;ndnis 90\/Die Gr&uuml;nen), legitimierte den deutschen Milit&auml;reinsatz, der &#8211; in historischer Perspektive betrachtet &#8211; einen schwerwiegenden Tabubruch darstellte, mit Erfahrungen aus der NS-Zeit. Nur brachte er diese jetzt ganz anders als bislang &uuml;blich ins Spiel.[32] Er habe nicht nur gelernt &#8222;Nie wieder Krieg!&#8220;, argumentierte er im Deutschen Bundestag, sondern auch &#8222;Nie wieder Auschwitz!&#8220; Das war eine historisch unhaltbare, aber politisch wirkungsm&auml;chtige historische Analogie.[33] Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) pr&auml;sentierte der internationalen &Ouml;ffentlichkeit seinerzeit einen &#8222;Hufeisenplan&#8220;, wonach die serbische Regierung angeblich die Albaner systematisch aus dem Kosovo vertreiben wolle. Tats&auml;chlich war dieser Plan frei erfunden.[34] Es handelte sich also um eine der &uuml;blichen Kriegsl&uuml;gen.[35]<\/p>\n<p>Diese Wende in der Kriegsbegr&uuml;ndung wurde sp&auml;ter als &#8222;Menschenrechts-Bellizismus&#8220; bezeichnet, als Krieg f&uuml;r die Menschenrechte. Aus dieser Erfahrung wurde dann die politische Strategie der &#8222;Schutzverantwortung&#8220; (Responsibility to Protect) entwickelt, die 2005 die Zustimmung fast aller Mitgliedsl&auml;nder der Vereinten Nationen fand.[36] Wegen der im internationalen Milit&auml;reinsatz gegen Libyen 2011 erwiesenen Missbrauchsgefahr hat sich diese Strategie jedoch bereits als problematisch erwiesen.<\/p>\n<h5><span id=\"der-dritte-golfkrieg-erlogene-massenvernichtungswaffen\">Der Dritte Golfkrieg: Erlogene Massen&shy;ver&shy;nich&shy;tungs&shy;waffen<\/span><\/h5>\n<p>Der Dritte Golfkrieg von 2003 wurde seitens der Regierung Bush jun. zun&auml;chst als milit&auml;rische Antwort auf den terroristischen Angriff auf das World Trade Center am 11. September 2001 gerechtfertigt (&#8222;War on Terror&#8220;), obwohl das eine mit dem anderen nichts zu tun hatte. Sp&auml;ter zog die amerikanische Regierung, wie schon 1990\/91, die grausame Diktatur des irakischen Pr&auml;sidenten Saddam Hussein zur Begr&uuml;ndung heran. Pr&auml;sident George W. Bush f&uuml;hrte im Gefolge des Irak-Kriegs auch die Begriffe &#8222;Schurkenstaat&#8220; und &#8222;Achse des B&ouml;sen&#8220; ein. Damit machte er einmal mehr seine dichotomische Weltsicht deutlich: Hier die Guten und Willigen, dort die B&ouml;sen, die notfalls bekriegt werden m&uuml;ssen. Um die Gef&auml;hrlichkeit von Saddam Hussein weltweit zu verdeutlichen, r&uuml;ckte die US-Propaganda erneut Saddam-Hitler-Vergleiche in das Blickfeld der Welt&ouml;ffentlichkeit. Schlie&szlig;lich operierte die US-Propaganda mit der Behauptung, Saddam Hussein verf&uuml;ge &uuml;ber Massenvernichtungswaffen und sei daher eine Bedrohung f&uuml;r die ganze Welt. Auch diese Behauptung sollte sich sp&auml;ter als L&uuml;ge zum Zwecke der (pr&auml;ventiven) Kriegf&uuml;hrung entpuppen.<\/p>\n<h5><span id=\"das-systematische-beschoenigen-oder-totschweigen-der-kriegswirklichkeit\">Das syste&shy;ma&shy;ti&shy;sche Besch&ouml;nigen oder Totschweigen der Kriegs&shy;wirk&shy;lich&shy;keit<\/span><\/h5>\n<p>Zum Komplex der Kriegsl&uuml;gen geh&ouml;rt seit jeher auch die Besch&ouml;nigung, Heroisierung oder Ausblendung der Kriegswirklichkeit in der Berichterstattung der Kriegf&uuml;hrenden wie auch in den meisten Feldpostbriefen der k&auml;mpfenden Soldaten.<\/p>\n<p>Kriege sind eine extrem lebensfeindliche Angelegenheit. In ihnen f&uuml;gen sich Menschen, die sich nicht kennen, den denkbar schwersten Schaden zu. Sie nehmen sich &#8211; und vielen nicht k&auml;mpfenden Zivilisten &#8211; gewaltsam Leben und Gesundheit. Wer als Staatsmann oder Milit&auml;r eine kriegerische Auseinandersetzung plant oder in Kauf zu nehmen bereit ist, h&auml;lt die Darstellung der Kriegswirklichkeit f&uuml;r einen subversiven Akt. Das musste Erich Maria Remarques mit seinem Buch &#8222;Im Westen nichts Neues&#8220; ebenso erfahren wie der Hamburger Lehrer Wilhelm Lamszus mit seinem 1912 erschienenen Zukunftsroman &#8222;Das Menschenschlachthaus&#8220;.[37] Lamszus wurde von der reaktion&auml;ren Presse als &#8222;schlechter Deutscher&#8220; und als &#8222;vaterlandsloser Geselle&#8220; verunglimpft. Der Kronprinz verlangte seine Entlassung aus dem Schuldienst. Auf Remarque prasselten w&uuml;tende Reaktionen der nationalistischen Presse nieder. Der Kriegsschriftsteller Franz Schauwecker qualifizierte seinen Roman als &#8222;Kriegserlebnis eines Untermenschen&#8220; und dessen Gesinnungsgenosse Georg Friedrich J&uuml;nger meinte herablassend, der Roman ergehe sich &#8222;in schw&auml;chlichen Klagen gegen den Krieg&#8220;.[38]<\/p>\n<p>Da sich die grausame Wirklichkeit des Krieges &ouml;ffentlich nicht sehen lassen kann, muss sie versteckt werden. Milit&auml;rs schotten ihr T&auml;tigkeitsfeld seit jeher mit einem fast undurchdringlichen Gestr&uuml;pp von Geheimhaltungsvorschriften ab. Sie behaupten, die Geheimhaltung sei eine &#8222;Kriegsnotwendigkeit&#8220;. Der Feind m&uuml;sse im Unklaren gelassen werden &uuml;ber die eigenen Absichten und M&ouml;glichkeiten. F&uuml;r die Mobilisierung und Aufrechterhaltung von Kriegsbereitschaft in der Bev&ouml;lkerung des eigenen Landes ist die Verschleierung der Kriegsrealit&auml;t von zumindest ebenso gro&szlig;er Bedeutung.<\/p>\n<p>In den Kriegen des 19. und 20. Jahrhunderts &uuml;bernahm die Milit&auml;rzensur die Aufgabe, die Weitergabe kriegsrelevanter Informationen sowie die Berichterstattung &uuml;ber die Kriegsrealit&auml;t m&ouml;glichst vollst&auml;ndig zu unterbinden. So durften beispielsweise Bilder von get&ouml;teten deutschen Soldaten sowohl im Ersten als auch im Zweiten Weltkrieg nicht ver&ouml;ffentlicht werden.<\/p>\n<h5><span id=\"die-folgenschwere-ausnahme-freie-berichterstattung-im-vietnamkrieg\">Die folgen&shy;schwere Ausnahme: Freie Bericht&shy;er&shy;stat&shy;tung im Vietnam&shy;krieg<\/span><\/h5>\n<p>Im Hinblick auf die Verschleierung der Kriegsrealit&auml;t nimmt der amerikanische Vietnamkrieg (1964-1975) eine Sonderstellung ein. Er war der einzige Krieg, &uuml;ber den die westlichen Kriegsberichterstatter offen und unzensiert schreiben durften. Das hatte einen juristischen Hintergrund: Weil die US-Regierung keine f&ouml;rmliche Kriegserkl&auml;rung ausgesprochen hatte, trat auch das Gesetz &uuml;ber die Milit&auml;rzensur nicht in Kraft.[39] Daher konnte in diesem Krieg auch &uuml;ber die Verluste der amerikanischen Streitkr&auml;fte berichtet werden, unterst&uuml;tzt durch beeindruckende Filmszenen und Fotos. Diese Berichterstattung zerst&ouml;rte die Moral der amerikanischen Heimatfront. Ein Gro&szlig;teil der Bev&ouml;lkerung der USA entzog der Regierung schlie&szlig;lich ihre Unterst&uuml;tzung. So wurde dieser Krieg &#8211; bildlich gesprochen &#8211; in erster Linie in den amerikanischen Fernsehzimmern verloren. Seit den Erfahrungen des Vietnamkriegs gaben die Milit&auml;rs das Informationsmonopol nie mehr aus der Hand. Sie bestimmten nun wieder allein, was die Medien berichten und was die Bev&ouml;lkerung erfahren durfte wohl wissend, dass Berichte &uuml;ber das T&ouml;ten und die Todesangst von den Menschen ferngehalten werden m&uuml;ssen, wenn die Moral nicht zusammenbrechen soll.<\/p>\n<h5><span id=\"kriegsverhuetung-durch-gerechten-krieg\">Kriegs&shy;ver&shy;h&uuml;&shy;tung durch &bdquo;gerechten Krieg&ldquo;?<\/span><\/h5>\n<p>Zum &auml;ltesten Repertoire der politischen Kriegsrechtfertigungen geh&ouml;rt die Lehre vom gerechten Krieg. Sie entstand als kirchliche Theorie im 5. Jahrhundert n. Chr. (s. dazu den Beitrag von U. Frey in diesem Heft). Die Intention der damaligen Theologen war es, kriegerische Gewalt m&ouml;glichst einzud&auml;mmen, indem ihre Inanspruchnahme an ganz bestimmte Voraussetzungen gebunden wurde. Tausend Jahre sp&auml;ter begann das entstehende V&ouml;lkerrecht, die kirchliche Lehre vom gerechten Krieg abzul&ouml;sen. In der ersten H&auml;lfte des 20. Jahrhunderts kam es zu einer Reihe v&ouml;lkerrechtlicher Vertr&auml;ge, die das Recht der Staaten auf Krieg umf&auml;nglich beschnitten. Nur das Recht der Selbstverteidigung gegen einen Angriff blieb als &#8222;nat&uuml;rliches&#8220; Recht unber&uuml;hrt.<\/p>\n<p>Schon in den Jahrhunderten zuvor hatten es die Kriegsherren strikt vermieden, den Eindruck aufkommen zu lassen, als f&uuml;hrten sie einen &#8222;ungerechten&#8220; Krieg. Jetzt, seit dem Eintritt einer demokratischen &Ouml;ffentlichkeit in das politische Leben der europ&auml;ischen Nationen, bem&uuml;hte sich die politische Leitung kriegf&uuml;hrender Staaten jeweils darum, im Kriegsfall die eigene Nation als die Angegriffene erscheinen zu lassen. Keine kriegf&uuml;hrende Regierung gab jemals zu, einen &#8211; illegitimen &#8211; Angriffskrieg f&uuml;hren zu wollen oder gef&uuml;hrt zu haben. Die Kriegspropaganda verbreitete L&uuml;gengeschichten, die vom einzelnen B&uuml;rger oder Soldaten kaum zu durchschauen waren. Im Strudel der Legenden, die den Krieg der Aggressoren vertuschen oder rechtfertigen sollten, ging gelegentlich die &#8211; unbestreitbare &#8211; Tatsache unter, dass es auch echte Verteidigungsf&auml;lle gab. Denken wir nur an die Beispiele Belgien 1914, Polen 1939 und Sowjetunion 1941.<\/p>\n<p>In der Propaganda kriegf&uuml;hrender Staaten ist die Berufung auf die Lehre vom &#8222;gerechten Krieg&#8220; l&auml;ngst abgel&ouml;st worden von den politischen Kriegsl&uuml;gen. Vor dem Hintergrund der j&uuml;ngeren Geschichte muss bef&uuml;rchtet werden, dass eine Revitalisierung dieser Lehre das F&uuml;hren von Kriegen eher beg&uuml;nstigen w&uuml;rde als dass sie zu ihrer Verh&uuml;tung beitragen k&ouml;nnte. Eine Politik der Kriegsverhinderung und der Deeskalation von Konflikten braucht keine Lehre vom gerechten Krieg.<\/p>\n<p><b>WOLFRAM&nbsp;WETTE<\/b><i>&nbsp;&nbsp; Prof. i.R., Dr. phil., geb. 1940, Historiker, 1971-95 Milit&auml;rgeschichtliches Forschungsamt, dann Albert-Ludwigs-Universit&auml;t Freiburg, Mitbegr&uuml;nder der Historischen Friedensforschung (AHF); Mitherausgeber der Reihen &#8222;Geschichte und Frieden&#8220; und &#8222;Frieden und Krieg&#8220;, Ehrenprofessor der russischen Universit&auml;t Lipezk. J&uuml;ngste Ver&ouml;ffentlichung: Ernstfall Frieden. Lehren aus der deutschen Geschichte seit 1914. Bremen: Donat 2017, mit dem einschl&auml;gigen Abschnitt: Weil sich die Wahrheit nicht sehen lassen kann: Das System der Kriegsl&uuml;gen, S. 293-356.<\/i><\/p>\n<h5><span id=\"anmerkungen\">Anmerkungen:<\/span><\/h5>\n<p>* Beim vorliegenden Text handelt es sich um die erweiterte Fassung meines Aufsatzes &#8222;Historische Kriegsl&uuml;gen&#8220;, erschienen in: Wissenschaft &amp; Frieden, Heft 1\/2013, Dossier Nr. 72, zum Thema &#8222;Nichts als die Wahrheit &#8211; &Uuml;ber die Kreativit&auml;t der Unwahrheit im Kontext von Krieg und Gewalt&#8220;, S. 3-5, <a href=\"http:\/\/www.wissenschaft-und-frieden.de\/seite.php?dossierID=076#b\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.wissenschaft-und-frieden.de\/seite.php?dossierID=076#b<\/a><\/p>\n<p>1 <a href=\"http:\/\/www.zitate.de\/autor\/Aischylos\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.zitate.de\/autor\/Aischylos\/<\/a>.<\/p>\n<p>2 Vgl. Hellmut von Gerlach: Die gro&szlig;e Zeit der L&uuml;ge. Der Erste Weltkrieg und die deutsche Mentalit&auml;t (1871-1921). Bremen 1994.<\/p>\n<p>3 Wolfram Wette: Seit hundert Jahren umk&auml;mpft: Die Kriegsschuldfrage. In: Bl&auml;tter f&uuml;r deutsche und internationale Politik, 59. Jg., Heft 9\/2014, S. 91-101. S. auch: <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kriegsschuldfrage\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kriegsschuldfrage<\/a>.<\/p>\n<p>4 Vgl. Wolfram Wette: Kriegstheorien deutscher Sozialisten. Marx, Engels, Lassalle, Bernstein, Kautsky, Luxemburg. Stuttgart 1971.<\/p>\n<p>5 Gesammelte Schriften und Denkw&uuml;rdigkeiten des General-Feldmarschalls Grafen Helmut v. Moltke. Berlin 1892\/93, Bd. III, S. 154. Zum historischen Kontext, vgl. Wolfram Wette: Militarismus in Deutschland. Geschichte einer kriegerischen Kultur. Frankfurt\/M. 2008, S. 102 f.<\/p>\n<p>6 Vgl. Reiner Steinweg (Hrsg.): Der gerechte Krieg. Christentum, Islam, Marxismus. Frankfurt\/M. 1980.<\/p>\n<p>7 Theodor Schieder: Friedrich der Gro&szlig;e. Ein K&ouml;nigtum der Widerspr&uuml;che. Berlin 1983, S. 144 f.<\/p>\n<p>8 S. im Einzelnen Eberhard Kolb: Der Kriegsausbruch 1870. Politische Entscheidungsprozesse und Verantwortlichkeiten in der Julikrise 1870. G&ouml;ttingen 1970.<\/p>\n<p>9 Wilhelm Liebknecht: Die Emser Depesche oder Wie Kriege gemacht werden. Mit einem Nachtrag: Bismarck nackt. 1899. Zit. nach Wette, Ernstfall Krieg. Lehren aus der deutschen Geschichte seit 1914. Bremen 2017, S. 297.<\/p>\n<p>10 Ansprache Wilhelms II. vom 31.7.1914, in: Schulthess&acute; Europ&auml;ischer Geschichtskalender. Neue Folge. 30. Jg. 1914. Hrsg. v. Wilhelm Stahl. Erste H&auml;lfte. Berlin 1917, S. 370.<\/p>\n<p>11 Aufruf Kaiser Wilhelms II. &#8222;An das deutsche Volk!&#8220; vom 6.8.1915. Text in: Schulthess&acute; Europ&auml;ischer Geschichtskalender. Neue Folge. 30. Jg. 1914, S. 388; Originalton in: <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=_ientIq9uUI\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=_ientIq9uUI<\/a>.<\/p>\n<p>12 Wolfram Wette: Ernstfall Krieg., Kap.: Der Weg der Sozialdemokratie von Basel 1912 bis zur Kriegskreditbewilligung 1914, S. 61-80.<\/p>\n<p>13 Vgl. Susanne Miller: Burgfrieden und Klassenkampf. Die deutsche Sozialdemokratie im Ersten Weltkrieg. D&uuml;sseldorf 1974 und Lothar Wieland: Die Verteidigungsl&uuml;ge. Pazifisten in der deutschen Sozialdemokratie 1914-1918. Bremen 1998.<\/p>\n<p>14 Notiz Admiral v. M&uuml;llers vom 1.8.1914, zit. nach Dieter Groh: Negative Integration und revolution&auml;rer Attentismus. Die deutsche Sozialdemokratie am Vorabend des Ersten Weltkrieges, Frankfurt\/M., Berlin, Wien 1973, S. 672.<\/p>\n<p>15 Holger Afflerbach: Falkenhayn. Politisches Denken und Handeln im Kaiserreich. M&uuml;nchen 1994.<\/p>\n<p>16 Stig F&ouml;rster: Russische Pferde. Die deutsche Armeef&uuml;hrung und die Julikrise 1914. In: Das ist Milit&auml;rgeschichte! Probleme &#8211; Projekte &#8211; Perspektiven. Hrsg. v. Christian Th. M&uuml;ller u. Matthias Rogg. Paderborn u.a. 2013, S. 63-82 (S. 78 f.).<\/p>\n<p>17 So Stig F&ouml;rster: Der deutsche Generalstab und die Illusion des kurzen Krieges, 1871-1914. Metakritik eines Mythos. In: Milit&auml;rgeschichtliche Mitteilungen 54 (1996), H. 1, S. 61-95, S. 95.<\/p>\n<p>18 Kurt Riezler: Tageb&uuml;cher, Aufs&auml;tze, Dokumente. Hrsg. v. Karl Dietrich Erdmann. G&ouml;ttingen 1972, S. 228. Zit. nach F&ouml;rster, Russische Pferde (Anm. 16), S. 71, und ders., Illusion ( Anm. 17), S. 95.<\/p>\n<p>19 Ulrich Heinemann: Die verdr&auml;ngte Niederlage. Politische &Ouml;ffentlichkeit und Kriegsschuldfrage in der Weimarer Republik. G&ouml;ttingen 1983; Thomas Flemming\/Bernd Ulrich: Heimatfront. Zwischen Kriegsbegeisterung und Hungersnot &#8211; wie die Deutschen den Ersten Weltkrieg erlebten, Epilog &#8211; &#8222;Dolchsto&szlig;-Legende&#8220;, S. 270-277. Siehe auch den gut informierten Eintrag zur Dolchsto&szlig;legende<br \/>in: <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dolchsto%C3%9Flegende\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dolchsto%C3%9Flegende<\/a>.<\/p>\n<p>20 Hindenburgs Aufruf an die Armee vom 12.11.1914, u.a. in: Gerd Krumeich: Die Dolchsto&szlig;-Legende. In: Etienne Francois\/Hagen Schulze (Hrsg.), Deutsche Erinnerungsorte, Bd. 1. M&uuml;nchen 2009, S. 585-599.<\/p>\n<p>21 Rede Friedrich Eberts in Berlin vom 11.12.1918. In: Ursachen und Folgen. Vom deutschen Zusammenbruch 1918 und 1945 bis zur staatlichen Neuordnung Deutschlands in der Gegenwart. Hrsg. von Herbert Michaelis u. Ernst Schraepler, Bd. 3, Berlin 1958, S. 504 f.; sowie in: Die deutsche Revolution 1918\/19. Dokumente. Hrsg. Gerhard A. Ritter u. Susanne Miller. 2. Aufl. Frankfurt\/M. 1983, S. 139-142.<\/p>\n<p>22 Wolfram Wette: Die Dolchsto&szlig;legende &#8211; eine deutsche Kriegsl&uuml;ge von 1918\/19 und ihre schwerwiegenden Folgen. In: Aachener Friedensmagazin, L&uuml;gengeschichte des Monats November 2014. <a href=\"http:\/\/aixpaix.de\/muenchhausen\/dolchstoss.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/aixpaix.de\/muenchhausen\/dolchstoss.html<\/a>.<\/p>\n<p>23 Gemeint war der englische General Frederik Maurice, den ein Schweizer Journalist bereits am 17.12.1918 in der &#8222;Neuen Z&uuml;rcher Zeitung&#8220; mit der &#8211; sp&auml;ter dementierten &#8211; Aussage zitierte, die deutsche Armee sei &#8222;von der Zivilbev&ouml;lkerung von hinten erdolcht&#8220; worden. Siehe Barth, Dolchsto&szlig;legenden und politische Desintegration. Das Trauma der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg 1914 &#8211; 1918. D&uuml;sseldorf 2003, S. 324.<\/p>\n<p>24 Hindenburg am 18.11.1919. Zit. nach Boris Barth: Dolchsto&szlig;legenden (Anm. 23), S. 322.<\/p>\n<p>25 Hitlers Rundfunkrede vom 1.9.1939. In: Max Domarus: Hitler. Reden 1932 bis 1945, Bd. II, Erster Halbband: 1939-1940, Wiesbaden 1973, S. 1315.<\/p>\n<p>26 Vgl. meinen Beitrag: Die propagandistische Mobilmachung f&uuml;r den Krieg. In: Wilhelm Deist \/ Manfred Messerschmidt \/ Hans-Erich Volkmann \/ Wolfram Wette: Ursachen und Voraussetzungen der deutschen Kriegspolitik. Frankfurt\/M. 1989, S. 117-161.<\/p>\n<p>27 Vgl. Gerd R. Uebersch&auml;r\/ Lev A. Bezymenskij (Hrsg.): Der deutsche Angriff auf die Sowjetunion 1941. Die Kontroverse um die Pr&auml;ventivkriegsthese. Darmstadt 1998; Bianka Pietrow-Ennker (Hrsg.): Pr&auml;ventivkrieg? Der deutsche Angriff auf die Sowjetunion. Frankfurt\/M. 2011.<\/p>\n<p>28 Bernd Greiner: Aus gegebenem Anlass. Ein Krieg, der mit einer L&uuml;ge begann und im Desaster enden musste. In: Mittelweg 36, 5\/2007, S. 4 -16; ders.: Krieg ohne Fronten. Die USA in Vietnam, Hamburg 2007.<\/p>\n<p>29 Wolfram Wette: Ein Hitler des Orients? NS-Vergleiche in der Kriegspropaganda von Demokratien. In: Gewerkschaftliche Monatshefte, 4\/2003, S. 231-242.<\/p>\n<p>30 Zit. nach John R. MacArthur: Schlacht der L&uuml;gen. Wie die USA den Golfkrieg verkauften. M&uuml;nchen 1993, S. 83.<\/p>\n<p>31 Vgl. Wette, Hitler des Orients? (Anm. 29), S. 234-236.<\/p>\n<p>32 Vgl. Michael Schwab-Trapp: Kriegsdiskurse. Die politische Kultur des Krieges im Wandel 1991-1999. Opladen 2002; und ders.: Der Nationalsozialismus im &ouml;ffentlichen Diskurs &uuml;ber milit&auml;rische Gewalt. &Uuml;berlegungen zum Bedeutungswandel der deutschen Vergangenheit. In: Wolfgang Bergem (Hrsg.), Die NS-Diktatur im deutschen Erinnerungsdiskurs. Opladen 2003, S. 171-185.<\/p>\n<p>33 Vgl. dazu Egbert Jahn: Nie wieder Krieg! Nie wieder V&ouml;lkermord! Der Kosovo-Konflikt als europ&auml;isches Problem. Mannheim 1999.<\/p>\n<p>34 Vgl. Heinz Loquai: Der Kosovo-Konflikt. Wege in einen vermeidbaren Krieg. Die Zeit von Ende November 1997 bis M&auml;rz 1999. Baden-Baden 2000.<\/p>\n<p>35 S. die WDR-Dokumentation von Jo Angerer\/Mathias Werth: Es begann mit einer L&uuml;ge. 2001.<\/p>\n<p>36 S. <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schutzverantwortung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schutzverantwortung<\/a>.<\/p>\n<p>37 Wilhelm Lamszus: Das Menschenschlachthaus. Bilder vom kommenden Krieg. Hamburg, Berlin 1912.<\/p>\n<p>38 Nachweise bei Wette, Ursachen (Anm. 26), S. 96.<\/p>\n<p>39 Winfried Scharlau: Wie realistisch schildern Medien den Krieg, die T&auml;ter und die Opfer? In: Thomas K&uuml;hne\/ Horst Gleichmann (Hrsg.), Massenhaftes T&ouml;ten. Krieg und Genocide im 20. Jahrhundert. Essen 2004, S. 383-393, S. 390.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[1788],"publikationen":[1089],"class_list":["post-10863","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-wolfram-wette","publikationen-1089"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Historische Kriegsl\u00fcgen* - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/218\/publikation\/historische-kriegsluegen-1\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Historische Kriegsl\u00fcgen* - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"in: vorg&auml;nge Nr. 218 (Heft 2\/2017), S. 5-16 Hindenburgs Behauptung, das deutsche Heer sei im Felde unbesiegt geblieben, schuld an der Niederlage sei die Heimatbev&ouml;lkerung, die der k&auml;mpfenden Truppe einen Dolch in den R&uuml;cken gesto&szlig;en habe, d&uuml;rfte allgemein als wahrheitswidrig bekannt sein. 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