{"id":10880,"date":"2017-05-04T17:53:00","date_gmt":"2017-05-04T15:53:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/islam-und-grundgesetz-1\/"},"modified":"2021-08-30T15:42:22","modified_gmt":"2021-08-30T13:42:22","slug":"islam-und-grundgesetz-1","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/217-vorgaenge\/publikation\/islam-und-grundgesetz-1\/","title":{"rendered":"Islam und Grundgesetz"},"content":{"rendered":"<p>in: vorg&auml;nge Nr. 217 (Heft 1\/2017), S. 5-9<\/p>\n<p><i>Im deutschen Recht sind zahlreiche Privilegien f&uuml;r Religionsgemeinschaften mit dem Status einer K&ouml;rperschaft verbunden. Eine in der Sache liegende Begr&uuml;ndung, warum dies so sein muss, gibt es nicht. Die Anerkennung islamischer Gemeinschaften als Tr&auml;ger korporierter Rechte stellt das deutsche Religionsverfassungsrecht deshalb vor neue Herausforderungen. Kirsten Wiese skizziert die Grundlagen des Religionsverfassungsrechts und benennt die Konfliktpunkte, an denen gegenw&auml;rtig um eine Gleichbehandlung islamischer Gemeinschaften mit den christlichen Kirchen bzw. um Anpassungen im Religionsrecht gestritten wird.<\/i><\/p>\n<p>Ein Islamgesetz fordern die CDU-PolitikerInnen Julia Kl&ouml;ckner und Jens Spahn im Wahljahr 2017. Dieses soll unter anderem regeln, dass Moscheen nicht mehr vom Ausland finanziert werden d&uuml;rfen und Predigten auf Deutsch gehalten werden m&uuml;ssen. Die Forderung erntet Zustimmung[1] wie Ablehnung[2]. Dass in Deutschland angesichts von f&uuml;r die T&uuml;rkei spionierenden Imamen, steigenden Salafistenzahlen und Berichten &uuml;ber Freitagspredigten, in denen die Mehrheitsgesellschaft abgelehnt werde,[3] weiterhin &uuml;ber den Umgang des Staates mit Muslim*innen gerungen wird, ist verst&auml;ndlich. Das Religionsverfassungsrecht des Grundgesetzes und die ausf&uuml;hrenden Gesetze bieten aber schon jetzt ein gutes Rechtsger&uuml;st f&uuml;r den Umgang mit diesen Fragen. Im folgenden Beitrag soll aufgezeigt werden, welche rechtlichen Vorgaben das Grundgesetz f&uuml;r das Verh&auml;ltnis des Staates zu Religionsgemeinschaften und die individuelle Religionsaus&uuml;bung macht, was diese Vorgaben f&uuml;r muslimische Religionsaus&uuml;bung und muslimisches Gemeindeleben bedeuten und inwieweit diese Vorgaben &uuml;berhaupt f&uuml;r Muslime in Deutschland passen.&nbsp;<\/p>\n<p>Das Grundgesetz garantiert in Artikel (Art.) 4 &#8222;die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religi&ouml;sen und weltanschaulichen Bekenntnisses&#8220; sowie die &#8222;ungest&ouml;rte Religionsaus&uuml;bung&#8220;, Art.&nbsp;3 verbietet eine Benachteiligung von Menschen aufgrund ihres Glaubens. Zudem wurden die Vorgaben der Weimarer Reichsverfassung (WRV) f&uuml;r das Verh&auml;ltnis von Staat und Religion &uuml;ber Art. 140 in das Grundgesetz inkorporiert. Dort hei&szlig;t es unter anderem: &#8222;Es besteht keine Staatskirche&#8220; (Art.&nbsp;137 I WRV) und &#8222;Jede Religionsgesellschaft ordnet und verwaltet ihre Angelegenheiten selbst&auml;ndig innerhalb der Schranken des f&uuml;r alle geltenden Gesetzes.&#8220; (Art.&nbsp;137 III WRV). Dar&uuml;ber hinaus regelt Art.&nbsp;7 GG den konfessionellen Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach und die Freiheit, Bekenntnisschulen zu gr&uuml;nden. Diese religionsverfassungsrechtlichen Normen des Grundgesetzes wurden vom Bundesverfassungsgericht (BVerfG) in wenigen Leitentscheidungen ausgelegt. Danach erstreckt sich die Religionsfreiheit sowohl auf die innere Freiheit, einen Glauben zu haben, zu verschweigen und sich von seiner Religion loszusagen, als auch auf die &auml;u&szlig;ere Freiheit, den eigenen Glauben zu bekunden und zu verbreiten, f&uuml;r ihn zu werben und andere von ihrem Glauben abzuwerben. Umfasst sind dabei nicht nur kultische Handlungen und die Aus&uuml;bung religi&ouml;ser Gebr&auml;uche wie Gottesdienste, Muezzinrufe und Glockengel&auml;ute, sondern auch religi&ouml;se Erziehung und andere &Auml;u&szlig;erungen des religi&ouml;sen und weltanschaulichen Lebens wie religi&ouml;s motivierte Kleidung.<\/p>\n<p>Das BVerfG hat bereits 1968 statuiert, dass die Religionsfreiheit dem Einzelnen das Recht gebe, &#8222;sein gesamtes Verhalten an den Lehren seines Glaubens auszurichten und seiner inneren Glaubens&uuml;berzeugung gem&auml;&szlig; zu handeln&#8220;. Ob ein Verhalten eine Religionsaus&uuml;bung darstellt, ist dabei ma&szlig;geblich vom Selbstverst&auml;ndnis der jeweils betroffenen Individuen oder Gruppen abh&auml;ngig. Der Staat darf Glaubens&uuml;berzeugungen der B&uuml;rger_innen nicht als richtig oder falsch bezeichnen. Allerdings darf eine Person ebenso wenig g&auml;nzlich selbst bestimmen, dass ihr Verhalten unter die Religionsfreiheit f&auml;llt. Vielmehr kann der Staat entscheiden, ob die Glaubensmotivation f&uuml;r das entsprechende Verhalten plausibel und in den Vorgaben der Religionsgemeinschaft hinreichend verankert ist. Die Religionsfreiheit wird zudem nicht schrankenlos gew&auml;hrt. Sie endet dort, wo eine religi&ouml;se Handlung die Grundrechte Anderer oder mit Verfassungsrang ausgestattete Gemeinschaftsinteressen wie den staatlichen Schulauftrag oder den Tierschutz verletzt.<\/p>\n<p>Diese religionsverfassungsrechtlichen Vorgaben des Grundgesetzes gelten f&uuml;r alle Religionen und Weltanschauungen, aber auch f&uuml;r nicht religi&ouml;s oder weltanschaulich gebundene Menschen gleicherma&szlig;en. Sie bilden das Ger&uuml;st, entlang dessen Verwaltung und Gerichte L&ouml;sungen in religionsbezogenen Konflikten finden k&ouml;nnen. Die religi&ouml;se Vielfalt in Deutschland mit noch christlicher Mehrheit (ca. 60&nbsp;%), einem wachsenden Anteil an Muslim_innen und einem starken Anteil an Nicht-Religi&ouml;sen (ca. 30&nbsp;%) sowie die nicht klar vollzogene Trennung von Staat und Kirchen sorgen f&uuml;r eine Reihe von Konflikten. Gestritten wird um das Kopftuchtragen im &ouml;ffentlichen Dienst, die Beschneidung von Jungen oder den Bau von Moscheen, aber auch um Tanzverbote an Karfreitag oder kirchliches Arbeitsrecht. Allerdings m&uuml;ssen Muslim_ innen mehr Konflikte ausfechten als Christ_innen. W&auml;hrend das Christentum staatliche Normen und gesellschaftliche Vorstellungen davon, was hierzulande religi&ouml;s und letztlich auch kulturell normal ist, &uuml;ber Jahrhunderte gepr&auml;gt hat, m&uuml;ssen Muslim_ innen noch um Akzeptanz und Rechte ringen. So sind Kopft&uuml;cher von Lehrerinnen weit umstrittener als Kreuze an Halsketten,[4] und w&auml;hrend Kirchen bereits vor Jahrhunderten errichtet wurden, m&uuml;ssen f&uuml;r Moscheen jetzt Baugenehmigungen erteilt werden.<\/p>\n<p>Diese im Zusammenhang mit muslimischer Religionsaus&uuml;bung entstehenden Einzelfragen lassen sich aber gut &uuml;ber die Religionsfreiheit mit ihren Schranken sowie den sie ausf&uuml;hrenden einfachen Gesetzen (zum Beispiel im Baurecht, Arbeitsrecht oder &ouml;ffentlichen Dienstrecht) l&ouml;sen. Die f&uuml;r alle grunds&auml;tzlich gleicherma&szlig;en geltenden einfachen Gesetze geben auch die staatlichen Handlungen in den eingangs skizzierten aktuellen Problemen vor: Wer aufgrund seines Glaubens Gewalttaten ver&uuml;bt, macht sich nach dem Strafgesetzbuch strafbar und kann, wenn er keine deutsche Staatsangeh&ouml;rigkeit hat, ggf. nach dem Aufenthaltsgesetzbuch des Landes verwiesen werden; ebenso macht sich strafbar, wer f&uuml;r eine fremde Staatsmacht spioniert. Etwas komplexer ist die Stellung der muslimischen Religionsgemeinschaften im Staat. Das Grundgesetz verlangt keinerlei f&ouml;rmliche Anerkennung von Religionsgemeinschaften, damit diese die kollektive Religionsfreiheit in Anspruch nehmen k&ouml;nnen, also zum Beispiel gemeinsam &ouml;ffentlich beten oder religi&ouml;se St&auml;tten errichten k&ouml;nnen. Vielmehr sagt Art.&nbsp;140 GG in Verbindung mit (i.V.m.) Art.&nbsp;137 II WRV: &#8222;Die Freiheit der Vereinigung zu Religionsgesellschaften wird gew&auml;hrleistet.&#8220; Allerdings k&ouml;nnen Religionsgemeinschaften bestimmte Privilegien nur erlangen, wenn sie K&ouml;rperschaften des &ouml;ffentlichen Rechts nach Art.&nbsp;140 GG i.V.m. Art.&nbsp;137 V WRV werden. Die katholische und die evangelische Kirche sind historisch bedingt K&ouml;rperschaften des &ouml;ffentlichen Rechts. Daneben sind aber auch kleine Religionsgemeinschaften wie j&uuml;dische Synagogengemeinschaften, die Heilsarmee, und nach jahrelangem Rechtsstreit, der schlie&szlig;lich vom BVerfG entschieden wurde, auch die Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas. In vier Bundesl&auml;ndern (Baden-W&uuml;rttemberg, Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen) hat zudem der Humanistische Verband als Weltanschauungsgemeinschaft den Status einer K&ouml;rperschaft des &ouml;ffentlichen Rechts.<\/p>\n<p>Mit dem K&ouml;rperschaftsstatus ist eine Reihe von Rechten verbunden, die ihn auch f&uuml;r muslimische Vereinigungen attraktiv macht. So k&ouml;nnen Religionsgemeinschaften als K&ouml;rperschaften des &ouml;ffentlichen Rechts nach Art.&nbsp;140 i.V.m. Art.&nbsp;137 VI WRV von ihren Mitgliedern Steuern erheben. Zahlreiche weitere Privilegien f&uuml;r K&ouml;rperschaften des &ouml;ffentlichen Rechts finden sich in anderen Gesetzen, wie Steuerbefreiungen, Verg&uuml;nstigungen im Geb&uuml;hrenrecht und Teilhaberechte am &ouml;ffentlichen Leben (etwa Sitze in Rundfunkr&auml;ten).<br \/>Eine muslimische Gemeinschaft muss allerdings einige Voraussetzungen erf&uuml;llen, um den Status einer K&ouml;rperschaft des &ouml;ffentlichen Rechts zu haben. Art. 140 GG i.V.m. Art. 137 V WRV setzt voraus, dass die Religionsgesellschaft &#8222;durch ihre Verfassung und die Zahl ihrer Mitglieder die Gew&auml;hr der Dauer bietet&#8220;. Als ungeschriebene Voraussetzung verlangt das BVerfG au&szlig;erdem die Rechtstreue. Eine Religionsgemeinschaft, die K&ouml;rperschaft des &ouml;ffentlichen Rechts werden will, muss das geltende Recht beachten und Gew&auml;hr daf&uuml;r bieten, dass ihr k&uuml;nftiges Verhalten die fundamentalen Prinzipien der deutschen Verfassung und die Grundrechte Dritter nicht gef&auml;hrdet. Ma&szlig;geblich ist dabei nicht der Glaube oder die Lehre der Religionsgemeinschaft, sondern ihr tats&auml;chliches Verhalten. Nicht jeder einzelne Versto&szlig; gegen ein Gesetz stellt die Rechtstreue in Frage. Eine korporierte Religionsgemeinschaft muss aber grunds&auml;tzlich bereit sein, Recht und Gesetz zu achten und sich in die verfassungsm&auml;&szlig;ige Ordnung einzuf&uuml;gen.<\/p>\n<p>In Deutschland ist von muslimischer Seite bislang nur die Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) in Hessen als K&ouml;rperschaft des &ouml;ffentlichen Rechts anerkannt worden. Damals sah der Vorsitzende der Vereinigung in Deutschland, Abdullah Uwe Wagishauser, die Anerkennung als Signal an alle Muslim_innen in Deutschland. Die rechtliche Gleichstellung mit den gro&szlig;en christlichen Kirchen motiviere die Muslim_innen, sich noch st&auml;rker in die Gesellschaft zu integrieren.[5] Andere muslimische Gemeinschaften scheitern in ihrem Wunsch, K&ouml;rperschaft des &ouml;ffentlichen Rechts zu werden, m&ouml;glicherweise daran, dass sie keine festen Organisationsstrukturen haben. Da Organisationen im Islam theologisch gesehen keine wichtige Rolle spielen, fehlt es oft an klaren Vorschriften zur pers&ouml;nlichen Mitgliedschaft. Muslim_innen sind in Deutschland vor allem in ihrer jeweiligen Moschee organisiert, zum Teil geh&ouml;ren sie zus&auml;tzlich einem der vier gro&szlig;en islamischen Verb&auml;nde an (DITIB, Zentralrat der Muslime, Islamrat, Verband der Islamischen Kulturzentren). Insgesamt sind jedoch nur ca. 20 Prozent der in Deutschland lebenden ca. 4 Millionen Muslim_innen als Mitglieder in religi&ouml;sen Vereinen und Gemeinden organisiert.<\/p>\n<p>Rechtlich ist fraglich, ob die Dachverb&auml;nde Religionsgesellschaften im Sinne des Art.&nbsp;137 WRV sind. Nach der Rechtsprechung kann zwar auch ein Dachverband Religionsgemeinschaft sein, wenn diese Religionsgemeinschaft durch ein organisatorisches Band zusammen gehalten wird, das vom Dachverband an der Spitze bis hinunter zum einfachen Gemeindemitglied reicht. Bisher wurde diese Frage nur im Zusammenhang mit dem konfessionellen Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach entschieden, nicht jedoch f&uuml;r die Frage des K&ouml;rperschaftsstatus nach Art.&nbsp;137 V WRV. Nach Art.&nbsp;7 GG ist der Religionsunterricht in den &ouml;ffentlichen Schulen mit Ausnahme der bekenntnisfreien Schulen ordentliches Lehrfach. &#8222;Unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechtes wird der Religionsunterricht in &Uuml;bereinstimmung mit den Grunds&auml;tzen der Religionsgemeinschaften erteilt.&#8220; 2005 entschied das Bundesverwaltungsgericht, dass der Zentralrat der Muslime eine Religionsgemeinschaft im Sinne des Art.&nbsp;7 GG sei und deshalb Anspruch darauf habe, dass er den Inhalt des Islamunterrichts in Nordrhein-Westfalen mitbestimmen k&ouml;nne.[6]<\/p>\n<p>Diskutieren lie&szlig;e sich zwar, ob die organisationalen Anforderungen an den K&ouml;rperschaftsstatus gesenkt werden k&ouml;nnen, um muslimischen Gemeinschaften den Zugang zu erleichtern. Dagegen spricht aber aus b&uuml;rgerrechtlicher Sicht, dass der privilegierte Status der religi&ouml;sen K&ouml;rperschaften des &ouml;ffentlichen Rechts ohnehin eher abgeschafft als ausgeweitet geh&ouml;rt; denn in einer freiheitlich-demokratischen und s&auml;kularen Republik ist wenig verst&auml;ndlich, warum der Staat Religionsgemeinschaften, insbesondere den christlichen Kirchen, im Vergleich zu anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen Privilegien einr&auml;umt, sie finanziell f&ouml;rdert und mit ihnen in besonderer Weise kooperiert. Zu nennen sind hier die M&ouml;glichkeit der Religionsgemeinschaften mit K&ouml;rperschaftsstatus, Dienstverh&auml;ltnisse &ouml;ffentlich-rechtlicher Natur zu begr&uuml;nden, die nicht dem Arbeits- und Sozialversicherungsrecht unterliegen (Dienstherrenf&auml;higkeit), die Staatsleistungen an die Kirchen oder ein besonderer zivilrechtlicher Eigentumsschutz. Zivilgesellschaftliche Gruppen wie Amnesty International oder Greenpeace erhalten demgegen&uuml;ber keinen besonderen Rechtsschutz, keine pauschale finanzielle Unterst&uuml;tzung und weniger Mitspracherechte in Rundfunkr&auml;ten und bei Gesetzgebungsprozessen.<\/p>\n<p>Allen Religionsgemeinschaften steht des Weiteren die M&ouml;glichkeit offen, sich als Verein nach dem B&uuml;rgerlichen Gesetzbuch eintragen zu lassen. Das hat den Vorteil, dass f&uuml;r die im Rahmen der Religionsaus&uuml;bung anfallenden Gesch&auml;ftsvorg&auml;nge, etwa die Verwaltung von Spendeneinnahmen, die Anmietung von R&auml;umen oder das Einholen von Baugenehmigungen, eine juristische Person verf&uuml;gbar ist. F&uuml;r den Staat wiederum stehen mit den Vereinsvorst&auml;nden Ansprechpartner_innen zur Verf&uuml;gung, zum Beispiel um Pr&auml;ventions- und Deradikalisierungsstrategien f&uuml;r Jugendliche, die sich dem Salafismus zuwenden, zu besprechen. Vereine k&ouml;nnen vom Staat nach dem Vereinsgesetz verboten werden, wenn ihre Zwecke dem Strafgesetzbuch zuwiderlaufen. Von dieser M&ouml;glichkeit haben die L&auml;nder mehrfach bei muslimischen Vereinen Gebrauch gemacht, wenn deren Mitglieder als gewaltbereit eingesch&auml;tzt wurden.[7]<\/p>\n<p>Die Ausweitung der Rechte von Muslim_innen entspricht dem grundgesetzlichen Gleichbehandlungsgebot und dem vorherrschenden Neutralit&auml;tsverst&auml;ndnis einer freundlichen Kooperation von Staat und Religionsgemeinschaften. Zugleich mehren sich aber auch Stimmen, die angesichts zunehmender Konflikte im Zusammenhang mit Muslim_innen und religi&ouml;ser Radikalisierungstendenzen ein st&auml;rkeres Zur&uuml;ckdr&auml;ngen der Religion in den privaten Bereich und eine striktere Trennung von Staat und Religionsgemeinschaften fordern. Die Humanistische Union muss die Diskussion um das Verh&auml;ltnis von Staat und Religion mit besonderem Blick auf folgende Aspekte weiter f&uuml;hren: Wie k&ouml;nnen einerseits Muslim_innen unter Anerkennung ihrer Religion und Gew&auml;hrung von Gleichbehandlung mit anderen Religi&ouml;sen integriert werden, und wie kann andererseits die grundgesetzlich vorgegebene Trennung von Staat und Kirchen \/ Religion umgesetzt und die ausreichende Ber&uuml;cksichtigung aller Nicht-Religi&ouml;sen erreicht werden?<\/p>\n<p><b>KIRSTEN&nbsp;WIESE<\/b>&nbsp;<i>&nbsp; Dr. jur., Jahrgang 1972, Juristin, promovierte 2008 mit einer Arbeit zur Zul&auml;ssigkeit eines muslimisch motivierten Kopftuches im &ouml;ffentlichen Dienst. Sie lehrt gegenw&auml;rtig an der Hochschule f&uuml;r &ouml;ffentliches Recht in Bremen und ist Mitglied im Bundesvorstand der Humanistischen Union.<\/i><\/p>\n<p><b>Anmerkungen<\/b><\/p>\n<p>1 Z.B. Jasper von Altenbockum in Frankfurter Allgemeine vom 4.4.2017, <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/harte-bretter\/kommentar-zum-islamgesetz-islam-chinesisch-14955883.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/harte-bretter\/kommentar-zum-islamgesetz-islam-chinesisch-14955883.html<\/a> (letzter Aufruf am 19.4.2017).<\/p>\n<p>2 Z.B. Matthias Dobrinski in S&uuml;ddeutsche Zeitung vom 4.4.2017, <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/islamgesetz-naiv-falsch-gefaehrlich-1.3450173\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/islamgesetz-naiv-falsch-gefaehrlich-1.3450173<\/a> (letzter Aufruf am 19.4.2017).<\/p>\n<p>3 S. Constantin Schreiber, Inside Islam, 2017; zur Kritik an Schreibers Buch s. u.a. Eren G&uuml;vercin, Deutschlandradio Kultur vom 10.4.2017, <a href=\"http:\/\/www.deutschlandradiokultur.de\/kritik-an-constantin-schreibers-inside-islam-angeprangert.1005.de.html?dram:article_id=383463\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.deutschlandradiokultur.de\/kritik-an-constantin-schreibers-inside-islam-angeprangert.1005.de.html?dram:article_id=383463<\/a> (letzter Aufruf am 19.4.2017).<\/p>\n<p>4 Allerdings wurde aufgrund des Berliner Neutralit&auml;tsgesetzes in Berlin wohl auch einer evangelischen Lehrerin das Tragen einer Halskette verboten, s. FAZ vom 8.4.2017.<\/p>\n<p>5 S. Claudia Krieg, Steuern werden nicht erhoben. Hessische Ahmadiyya-Gemeinde wird K&ouml;rperschaft des &ouml;ffentlichen Rechts, in: vorg&auml;nge Nr. 203 (3\/2013), S. 103.<\/p>\n<p>6 BVerwG, Urteil vom 23.2.2005, 6 C 2.04.<\/p>\n<p>7 Siehe z.B. zum Verbot des &#8222;Fussilet&#8220;-Moscheevereines in Berlin im Februar 2017: <a href=\"https:\/\/www.rbb-online.de\/politik\/beitrag\/2017\/02\/fussilet-moscheeverein-berlin-verboten.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.rbb-online.de\/politik\/beitrag\/2017\/02\/fussilet-moscheeverein-berlin-verboten.html<\/a> (letzter Aufruf am 24.4.2017).<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[656,667],"autoren":[168],"publikationen":[1094],"class_list":["post-10880","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-religion","tag-vorgaenge-artikel","autoren-kirsten-wiese","publikationen-217-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Islam und Grundgesetz - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/217-vorgaenge\/publikation\/islam-und-grundgesetz-1\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Islam und Grundgesetz - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"in: vorg&auml;nge Nr. 217 (Heft 1\/2017), S. 5-9 Im deutschen Recht sind zahlreiche Privilegien f&uuml;r Religionsgemeinschaften mit dem Status einer K&ouml;rperschaft verbunden. 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