{"id":10886,"date":"2017-05-04T15:18:00","date_gmt":"2017-05-04T13:18:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/distanzierung-vom-gewaltorientierten-islamismus-ansaetze-und-erfahrungen-etablierter-paedagogischer\/"},"modified":"2021-08-30T15:42:23","modified_gmt":"2021-08-30T13:42:23","slug":"distanzierung-vom-gewaltorientierten-islamismus-ansaetze-und-erfahrungen-etablierter-paedagogischer","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/217-vorgaenge\/publikation\/distanzierung-vom-gewaltorientierten-islamismus-ansaetze-und-erfahrungen-etablierter-paedagogischer\/","title":{"rendered":"Distanzierung vom gewaltorientierten Islamismus \u0096 Ans\u00e4tze und Erfahrungen etablierter p\u00e4dagogischer Praxis*"},"content":{"rendered":"<p>In: vorg&auml;nge Nr. 217 (Heft 1\/2017), S. 63-78<\/p>\n<p><i>Der islamistische Extremismus rekrutiert und findet seine Anh&auml;nger\/innen in Deutschland vor allem unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen. In Reaktion darauf wurden in den letzten Jahren p&auml;dagogische Spezialangebote entwickelt, die junge Menschen bei einer Distanzierung von dieser Ideologie und ihren Strukturen unterst&uuml;tzen sollen. Basierend auf einer Befragung von Praxisakteuren werden im Beitrag zentrale Ans&auml;tze vorgestellt, dahinterstehende Pr&auml;ventionslogiken analysiert und die jeweiligen Potenziale verschiedener Vorgehensweisen diskutiert. Es zeigt sich, dass mit dem etablierten Angebotsspektrum junge Menschen in unterschiedlichen Phasen der Hinwendung bzw. Einbindung in islamistische Szenen erreicht und unterst&uuml;tzt werden k&ouml;nnen &ndash; wobei die unterschiedlichen Ans&auml;tze hier je spezifische St&auml;rken und Begrenzungen aufweisen. Als eine Herausforderung wird erkennbar, das Spektrum bisher erreichter Zielgruppen zu verbreitern. Dazu gilt es unter anderem, die direkte Arbeit mit jungen Menschen, etwa durch den Ausbau sozialraum- und lebensweltorientierter Zug&auml;nge, zu st&auml;rken.<\/i><\/p>\n<p>Extremistische, gewaltorientierte politische Bewegungen, die sich auf den Islam bzw. eine bestimmte Islamauslegung berufen (1), verzeichnen in Deutschland seit einigen Jahren wachsenden Zulauf. Sp&auml;testens mit dem Aufkommen des sog. &bdquo;Islamischen Staates&ldquo; (IS) und den Ausreisewellen in die syrischen und irakischen Kampfgebiete wurde deutlich, dass diese Bewegungen und ihre Botschaften vor allem unter Jugendlichen und jungen Menschen ihre Anh&auml;nger\/innen finden. Vor allem der IS setzt in Europa auch sehr gezielt auf Jugendliche als Zielgruppe seiner Propaganda: mit professionellen, jugendgem&auml;&szlig; aufgemachten Videobotschaften, mit eigenen Modeaccessoires und Musikproduktionen sowie der individuellen Ansprache &uuml;ber Facebook und Youtube werden bewusst jugendspezifische Formen der Werbung und Rekrutierung gew&auml;hlt.<\/p>\n<p>In Reaktion auf diese Entwicklungen sind in den letzten Jahren zum einen p&auml;dagogische Angebote entstanden, die mit vorbeugender Zielstellung, d.h. bevor sich junge Menschen diesen Gruppen zuwenden, mit Jugendlichen und Erwachsenen zu diesen Themen arbeiten; zum anderen wurden verschiedene Spezialangebote aufgelegt, um junge Menschen, die bereits (unterschiedlich ausgepr&auml;gte) Affinit&auml;ten zum gewaltorientierten Islamismus zeigen, in einer Distanzierung von diesen Gruppierungen und ideologischen Positionen zu unterst&uuml;tzen. &Uuml;bergeordnete Zielstellung dieser Angebote ist es, eine (weitere) Hinwendung (2) Jugendlicher und junger Menschen zu extremistischen islamistischen Str&ouml;mungen und insbesondere ihre Ausreise in die IS-Kampfgebiete zu verhindern; vereinzelt betreuen Angebote auch F&auml;lle, in denen es um das Zur&uuml;ckholen ausgereister Jugendlicher geht, bei einzelnen Angeboten umfassen die Ziele der Arbeit auch die ideologische Deradikalisierung und gesellschaftliche Re-Integration von R&uuml;ckkehrenden.<\/p>\n<p>Diese Spezialangebote, ihre p&auml;dagogischen Antworten auf die Gef&auml;hrdung durch den gewaltorientierten Islamismus sowie die mit dieser Arbeit gewonnenen Erfahrungen sind das Thema des folgenden Beitrags. Die folgenden Ausf&uuml;hrungen konzentrieren sich hierbei auf eine &bdquo;erste Generation&ldquo; von Angeboten, die inzwischen einen gewissen Erfahrungsschatz zu dieser Arbeit aufweisen kann. (3)<\/p>\n<p>Um diese p&auml;dagogische Arbeit fachlich einordnen zu k&ouml;nnen, wird zun&auml;chst ein kurzer &Uuml;berblick &uuml;ber den Forschungsstand zum Ph&auml;nomen gegeben. Daran anschlie&szlig;end werden in den letzten Jahren erprobte Ans&auml;tze in ihren Grundz&uuml;gen skizziert, dazu vorliegende Erfahrungen diskutiert sowie erste Einsch&auml;tzungen zu Entwicklungsperspektiven und -bedarfen formuliert.<\/p>\n<h5><span id=\"i-stand-der-forschung\">I. Stand der Forschung <\/span><\/h5>\n<p>F&uuml;r die p&auml;dagogische Arbeit in diesem Handlungsfeld sind vor allem Studien von Interesse, die sich auf der sog. Mikro- und Mesoebene bewegen: Ansatzpunkte f&uuml;r p&auml;dagogische, d.h. auf individuelle Lern- und Ver&auml;nderungsprozesse ausgerichtete Interventionen lassen sich insbesondere aus Erkenntnissen zu Erfahrungshintergr&uuml;nden und Motivationen derjenigen ableiten, die sich gewaltorientierten islamistischen Gruppierungen anschlie&szlig;en bzw. wieder von ihnen distanzieren. Der Forschungsstand zu diesen Dimensionen des Ph&auml;nomens &bdquo;gewaltorientierter Islamismus&ldquo; ist allerdings noch sehr begrenzt. Das gilt in besonderem Ma&szlig;e f&uuml;r den deutschsprachigen Raum. Zu manchen relevanten Bereichen (wie z.B. zur Rolle fr&uuml;her familialer Erfahrungen) liegen bisher auch aus internationalen Studien keine eindeutigen empirischen Befunde vor; zu anderen Dimensionen, etwa dem Stellenwert sozio-&ouml;konomischer Marginalisierung oder der Bedeutung von Diskriminierungserfahrungen finden sich zwar in der internationalen wie in der deutschen Forschung eine Reihe von Hinweisen; doch ist die Forschungslage hier insgesamt nicht einheitlich bzw. die heterogenen Befunde verweisen darauf, dass entsprechende Belastungen nicht immer urs&auml;chlich sein m&uuml;ssen, wenn sich junge Menschen extremistischen islamistischen Str&ouml;mungen anschlie&szlig;en. (4)<br \/>Erkennbar wird in der Gesamtschau (5) allerdings, dass Erfahrungen der Nichtanerkennung und der Nichtzugeh&ouml;rigkeit, die aus unterschiedlichen Bereichen resultieren k&ouml;nnen, in vielen F&auml;llen eine Rolle spielen. Entsprechend lassen sich das Gemeinschaftsversprechen und die sozialen Gratifikationen, die extremistische Gruppierungen ihren Mitgliedern bieten, als ein zentrales Hinwendungsmotiv und Attraktivit&auml;tsmoment identifizieren. (6) Relativ gut belegt ist zudem, dass biografische Krisenerfahrungen eine Hinwendung zu diesen Ideologien und Szenen ausl&ouml;sen k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Die bisherige Befundlage legt au&szlig;erdem nahe, dass eine Hinwendung zum gewaltorientierten Islamismus nicht als lineare Folge einer besonders intensiv praktizierten Religiosit&auml;t gedeutet werden kann: diejenigen, die sich diesen Str&ouml;mungen zuwenden, stammen h&auml;ufig aus eher s&auml;kularisierten Elternh&auml;usern, waren selbst zuvor kaum oder nicht religi&ouml;s (oder sind Konvertiten) und verf&uuml;gen oft nur &uuml;ber begrenztes religi&ouml;ses Wissen. (7)<\/p>\n<p>Deutlich wird zudem eine spezifische Bedeutung der Jugendphase f&uuml;r diese Prozesse, sowohl das Alter als auch die Motivlagen betreffend. So wird das Einstiegsalter in diese Szenen von Sicherheitsbeh&ouml;rden und feldkundigen Expert\/innen auf 16-19 Jahre (mit sich verj&uuml;ngender Tendenz) gesch&auml;tzt. (8) Aber auch unter denjenigen, die sich tats&auml;chlich zur Ausreise in den &bdquo;Dschihad&ldquo; entschlie&szlig;en, ist ein deutliche Mehrheit im Jugend- oder Jungerwachsenenalter; die j&uuml;ngsten aus Deutschland Ausgereisten waren sicherheitsbeh&ouml;rdlichen Erkenntnissen zufolge erst 13 und 14 Jahre alt.<\/p>\n<p>Dar&uuml;ber hinaus zeigt sich auch eine Relevanz von Motiven und Faktoren, die in der Jugendphase einen besonderen Stellenwert haben. Zu nennen ist hier zum einen eine bewusst provokative Abgrenzung von der Elterngeneration und der Mehrheitsgesellschaft sowie eine Suche nach Grenzerfahrungen und Abenteuer (vor allem bei jungen M&auml;nnern auch die Faszination des K&auml;mpfens selbst); zum anderen wird erkennbar, dass die islamistische Ideologie mit ihren strikten Vorgaben und klaren Gut-B&ouml;se-Dichotomien sowie ihren vermeintlich h&ouml;heren Zielen bei manchen Jugendlichen aus einer adoleszenzspezifischen Orientierungs- und Sinnsuche heraus ihre spezifische Attraktivit&auml;t zu entfalten vermag. (9) Neben idealistischen Motiven wie der Unterst&uuml;tzung der syrischen Zivilbev&ouml;lkerung erweist sich hier v.a. bei jungen M&auml;nnern das Bild des heroischen K&auml;mpfers f&uuml;r eine edle Sache als bedeutsam.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt verweisen die vorliegenden, unterschiedliche Aspekte und Ursachenkonstellationen beleuchtenden Studien auf die Vielschichtigkeit und individuelle Spezifik von Hinwendungs- und Radikalisierungsverl&auml;ufen.<\/p>\n<p>Prozesse der L&ouml;sung von extremistisch-islamistischen Ideologien, Gruppierungen und Verhaltensweisen (sog. kognitive und habituelle Deradikalisierung (10)) sind bisher noch deutlich weniger erforscht. Die Forschung zu Rechtsextremismus liefert jedoch Hinweise, dass f&uuml;r Losl&ouml;sungsprozesse das zunehmende Alter der Akteure, Ersch&ouml;pfung und der Wunsch nach Normalit&auml;t eine Rolle spielen k&ouml;nnen; als bedeutsam erweisen sich hier auch berufliche Perspektiven, famili&auml;re Gr&uuml;nde oder auch die Wahrnehmung von Widerspr&uuml;chen zwischen den propagierten Zielen der Bewegung und dem Verhalten ihrer Protagonisten bzw. den Mitteln, die zum Verfolgen dieser Ziele eingesetzt werden. Die vorliegende Forschung zu Ausstiegen aus extremistischen Szenen verweist au&szlig;erdem darauf, dass der Aufbau bzw. die Reaktivierung alternativer Sozialbez&uuml;ge, Anerkennungserfahrungen in anderen Kontexten, aber auch der konsequente Abbruch von Szenekontakten sowie habituelle Ver&auml;nderungen (z.B. das Ablegen von szenetypischer Kleidung) Distanzierungsprozesse bef&ouml;rdern k&ouml;nnen. (11) Vereinzelt finden sich Hinweise, dass das religi&ouml;se Moment im Islamismus, insbesondere die Jenseitsorientierung und die damit verkn&uuml;pften Versprechungen bzw. Drohungen, eine Losl&ouml;sung zu erschweren vermag und insofern ein &#8211; im Vergleich mit anderen Extremismen &#8211; spezifisches Distanzierungshindernis sein k&ouml;nnte. (12)<\/p>\n<h5><span id=\"ii-paedagogische-antworten-der-distanzierungsarbeit\">II. P&auml;dago&shy;gi&shy;sche Antworten der Distan&shy;zie&shy;rungs&shy;a&shy;r&shy;beit <\/span><\/h5>\n<p>Dieser Komplexit&auml;t und individuellen Unterschiedlichkeit von Hinwendungs- und Distanzierungsdynamiken begegnen Angebote, die junge Menschen bei einer Distanzierung vom gewaltorientierten Islamismus unterst&uuml;tzen wollen, mit Ans&auml;tzen und Methoden, die an den je spezifischen Fallkonstellationen ansetzen. Dabei lassen sich in der bisher etablierten Angebotslandschaft im Wesentlichen zwei Typen von Angeboten unterscheiden, die mit unterschiedlichen Hauptzielgruppen arbeiten:<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"bodytext\">a) &nbsp;die Arbeit mit dem sozialen Nahfeld (potenziell) gef&auml;hrdeter Personen und\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">b) &nbsp;die direkte Arbeit mit Jugendlichen und jungen Menschen. <\/p>\n<\/blockquote>\n<p>In der Praxis vermischen sich diese beiden Angebotstypen insofern, als einige Angebote beide Ans&auml;tze verfolgen. Dar&uuml;ber hinaus bieten viele Angebote zus&auml;tzlich zu ihren Kernaufgaben Fortbildungen f&uuml;r Multiplikator\/innen und Informationsveranstaltungen an, die der Bekanntmachung der Angebote dienen, mit denen sie de facto aber auch generelle Aufkl&auml;rungs- und Sensibilisierungsfunktionen im Themenfeld &uuml;bernehmen (sog. &bdquo;Universalpr&auml;vention&ldquo;).<br \/>Dennoch zeigt sich in den einzelnen Angeboten meist eine deutliche Schwerpunktsetzung in der Arbeit entweder mit dem sozialen Nahfeld oder mit den Jugendlichen (13) selbst. Diese beiden Angebotstypen sollen im Folgenden in ihren wesentlichen Handlungslogiken und Vorgehensweisen skizziert werden.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"praeventionslogiken\">Pr&auml;ventionslogiken<\/span><\/h2>\n<p>Bei Angeboten, die mit dem sozialen Nahfeld arbeiten, bilden die sozialen und hier insbesondere die famili&auml;ren Beziehungen der Jugendlichen den zentralen Ansatzpunkt der Arbeit. Zum einen gelten sie als Ressource im Distanzierungsprozess: Sie werden als bedeutsames &bdquo;emotionales Band&ldquo; erachtet, das genutzt werden kann, um Jugendliche vor einer st&auml;rkeren Verstrickung in diese Szenen oder gar vor einer Ausreise zu bewahren (bzw. bei Jugendlichen, die bereits ausgereist sind, R&uuml;ckkehrimpulse zu setzen). Zum anderen werden sie aber auch als potenzieller Bestandteil des Ursachengeflechts gesehen, aus dem heraus eine Anf&auml;lligkeit f&uuml;r islamistischen Extremismus erwachsen kann. Interpersonale, speziell famili&auml;re Konflikte und hinwendungsf&ouml;rdernde Beziehungsdynamiken werden deshalb, sofern sie in der Begleitung erkennbar werden, selbst zum Gegenstand der Beratungsarbeit.<\/p>\n<p>Die Arbeit beinhaltet deshalb zum einen ganz konkrete Verhaltenstipps, wie &ndash; in welcher Weise und mit welchen Inhalten &ndash; das Gespr&auml;ch mit den betroffenen Jugendlichen aufrechterhalten bzw. wieder aufgenommen werden kann (diese Fragen sind vor allem bei ausgereisten Jugendlichen sowie bei Jugendlichen, die als konkret ausreisegef&auml;hrdet gelten, von gro&szlig;er Bedeutung). Ein Schwerpunkt liegt aber auch darauf, gemeinsam mit den Beratungssuchenden bestehende Konflikte und problematische Beziehungsdynamiken herauszuarbeiten, L&ouml;sungen f&uuml;r einen alternativen Umgang zu entwickeln und die Kommunikation zwischen den Beteiligten wieder zu verbessern &ndash; und auf diese Weise das emotionale Band zwischen den Akteuren zu st&auml;rken. Dies kann auch bedeuten, dass Angeh&ouml;rige lernen, streng religi&ouml;se (aber nicht extremistische) Orientierungen und Praxen von Jugendlichen zu akzeptieren und einen konstruktiven Umgang damit zu finden.<\/p>\n<p>Zum Teil fungieren Beratungssuchende aus dem sozialen Nahfeld zudem als &bdquo;Mittelspersonen&ldquo;, mit deren Hilfe tragf&auml;hige Alternativen (Freizeitangebote, Hilfen beim Einstieg in Ausbildung und Beruf etc.) f&uuml;r die Jugendlichen identifiziert und &ndash; unter Einbindung entsprechender Kooperationspartner &ndash; erschlossen werden. Anders als in der direkten Arbeit mit den Jugendlichen (s.u.) stehen derartige Unterst&uuml;tzungsaktivit&auml;ten jedoch nicht im Vordergrund der Arbeit. <br \/>Gearbeitet wird hier vor allem mit Eltern (insbesondere M&uuml;ttern) und anderen Familienangeh&ouml;rigen, aber auch mit Freunden und in Einzelf&auml;llen &ndash; wenn eine enge Beziehung zu den Jugendlichen besteht &ndash; auch mit professionellen Akteurinnen\/Akteuren (v.a. Lehrer\/innen, Schulsozialarbeiter\/innen) aus dem Umfeld der Jugendlichen.<\/p>\n<p>In der direkten Arbeit mit Jugendlichen bildet die Annahme, dass jugendliche Hinwendungen zum gewaltorientierten Islamismus spezifische Bed&uuml;rfnisse erf&uuml;llen und aus je spezifischen biografischen Erfahrungen und Konstellationen heraus erkl&auml;rt werden m&uuml;ssen, einen wesentlichen Ausgangspunkt der Arbeit. Als relevante Einfl&uuml;sse werden hier neben famili&auml;ren Belastungen vor allem gesellschaftliche Marginalisierung und Diskriminierungserfahrungen, aber auch adoleszente Sinnsuche erachtet. Dementsprechend wird es als wesentlich angesehen, diese Bed&uuml;rfnisse und Erfahrungen den Jugendlichen bewusst zu machen bzw. sie im gemeinsamen Gespr&auml;ch zu bearbeiten. Davon ausgehend sollen Ver&auml;nderungen angeregt und &ndash; auch unter Einbindung anderer professioneller Akteure &ndash; unterst&uuml;tzt werden. Ma&szlig;nahmen k&ouml;nnen hier &ndash; je nach konkreter Fallkonstellation &ndash; die Erarbeitung sozialer Alternativen (z.B. Aufbau bzw. Reaktivierung von Beziehungen jenseits der Szene), das Erschlie&szlig;en von Zukunftsperspektiven (Unterst&uuml;tzung beim &Uuml;bergang in Ausbildung und Beruf) sowie die Aufarbeitung biografischer Belastungen und erlebter Diskriminierungen umfassen. Weiteres Ziel und Bestandteil der Arbeit ist die Schw&auml;chung der ideologischen Bindung der Jugendlichen. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist hier die Beobachtung, dass die Jugendlichen in religi&ouml;sen Fragen h&auml;ufig unwissend sind. Durch Informationen &uuml;ber den Islam, Aufzeigen von verk&uuml;rzten Auslegungen, Konfrontation mit Widerspr&uuml;chen im eigenen Verhalten (&bdquo;Einpflanzen von Paradoxen&ldquo;) sollen Unsicherheit und Zweifel ausgel&ouml;st und so Distanzierungsimpulse gesetzt bzw. verst&auml;rkt werden.<\/p>\n<p>Zielgruppen sind junge Menschen, die sich in unterschiedlichsten Phasen der Hinwendung zu bzw. Involviertheit in gewaltorientierte, islamistische Str&ouml;mungen befinden bzw. die von ihrer Umwelt entsprechend wahrgenommen werden (es deshalb aber nicht zwangsl&auml;ufig auch sind!). Relevante Bezugspersonen und Akteure aus dem sozialen Umfeld in die Arbeit einzubeziehen, ist h&auml;ufig auch (angestrebter) Bestandteil der Arbeit, aber im Zentrum steht die Arbeit mit den Jugendlichen selbst.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"gemeinsame-grundprinzipien-und-kernelemente-der-arbeit\">Gemeinsame Grund&shy;prin&shy;zi&shy;pien und Kernele&shy;mente der Arbeit<\/span><\/h2>\n<p>Trotz verschiedener Zielgruppen und damit verbundener unterschiedlicher Schwerpunktsetzungen in Ursachenannahmen und Vorgehensweisen sind f&uuml;r die bisher etablierten Angebote eine Reihe gemeinsamer Kernelemente und Grundprinzipien kennzeichnend.<\/p>\n<p>So sehen sich alle Angebote vor der Aufgabe zu entscheiden, ob in einem Fall, der ihnen zur Kenntnis gelangt, tats&auml;chlich eine Hinwendung- und Radikalisierungsgefahr besteht, die eine l&auml;ngerfristige Begleitung durch ein entsprechendes Spezialangebot erforderlich macht. Bei dieser Falleinsch&auml;tzung st&uuml;tzen sich die Akteure auf im Projekt vorhandenes (z.T. schriftlich fixiertes) Erfahrungswissen zu Gef&auml;hrdungs- und Radikalisierungshinweisen, wobei die Einsch&auml;tzung jeweils unter Einbeziehung der aktuellen Lebensumst&auml;nde wie auch der biografischen Hintergr&uuml;nde erfolgt. Standardisierte Verfahren wie Checklisten kommen nicht zum Einsatz; in den etablierten Angeboten besteht Konsens dar&uuml;ber, dass keine eindeutigen Indikatoren bestimmbar seien und es stets der vertieften Betrachtung der konkreten Einzelfallkonstellation bedarf, um m&ouml;gliche Hinweise einordnen zu k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Damit Beratungswillige in eine Fallbetreuung aufgenommen werden, m&uuml;ssen allerdings nicht in allen Angeboten bereits inhaltliche Affinit&auml;ten oder soziale Bez&uuml;ge der Jugendlichen zu problematischen Szenen erkennbar sein. In einigen Angeboten, die mit dem sozialen Nahfeld arbeiten, gilt eine f&uuml;r eine Betreuung relevante Gef&auml;hrdungskonstellation auch dann als gegeben, wenn Jugendliche sich (nicht extremistischen) islamischen &Uuml;berzeugungen und Glaubenspraxen zuwenden und ihr Umfeld, vor allem die Eltern, mit Ablehnung reagieren.<\/p>\n<p>In der Fallbetreuung selbst haben in beiden Arbeitsfeldern biografisch orientierte Arbeitsweisen einen hohen Stellenwert. Die Auseinandersetzung mit den individuellen bzw. famili&auml;ren Biografien der Beratungsnehmenden dient dabei zum einen der Analyse von Erfahrungshintergr&uuml;nden und Problemkonstellationen, die im konkreten Fall die Hinwendung zum gewaltorientierten Islamismus beg&uuml;nstigt und bef&ouml;rdert haben (bzw. bef&ouml;rdern k&ouml;nnten). Darauf aufbauend werden, ausgerichtet auf den jeweiligen Einzelfall, die Schwerpunkte der Betreuung einschlie&szlig;lich der evtl. Einbindung externer Hilfen (s.u.) bestimmt. Zum anderen ist die gemeinsame Thematisierung und Reflexion biografischer Erfahrungen ein zentraler Aspekt der Distanzierungsarbeit selbst: Durch das Bewusstmachen problematischer Erfahrungen und ihrer Zusammenh&auml;nge mit aktuellen Hinwendungsprozessen soll der Weg zu alternativen Umgangsweisen miteinander (Arbeit mit dem sozialen Nahfeld) bzw. zu weniger selbst- und fremdsch&auml;digenden Anerkennungsquellen und Zugeh&ouml;rigkeitsoptionen (direkte Arbeit mit jungen Menschen) freigelegt werden.<\/p>\n<p>Die Einbindung externer Akteure in die Fallbetreuung sowie die damit verbundene Netzwerkpflege ist ein weiteres zentrales Element beider Ans&auml;tze. Bedeutsamen Stellenwert hat in beiden Angebotstypen die Zusammenarbeit mit therapeutischen Akteuren und Jugend&auml;mtern; vor allem dort, wo mit Jugendlichen gearbeitet wird, sind zudem Kooperationen mit Schulen, Berufsberatungsstellen und Sportvereinen sowie mit religi&ouml;sen Autorit&auml;ten (Imamen, Moscheegemeinden) von hoher Relevanz. Sofern m&ouml;glich und verf&uuml;gbar werden au&szlig;erdem (ideologisch nicht belastete) Freunde und andere Vertrauenspersonen involviert.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"zielgruppengewinnung\">Zielgruppengewinnung<\/span><\/h2>\n<p>Deutliche Unterschiede zeigen sich dagegen in den angewandten Strategien der Zielgruppenansprache.<\/p>\n<p>Ans&auml;tze, die mit dem sozialen Nahfeld arbeiten, sind darauf angewiesen, dass sich die Beratungssuchenden selbst &ndash; per Telefon oder E-Mail &ndash; bei ihnen melden, teilweise existieren Hotlines, die f&uuml;r mehrere Angebote eine Anlauf- und Weitervermittlungsfunktion &uuml;bernehmen. Um das Angebot bekannt zu machen, ist &Ouml;ffentlichkeitsarbeit in Form von Internetauftritten, Flyern und gezielter Medienarbeit, aber auch durch Vernetzung mit lokalen Akteuren des Bildungs- Jugendhilfe und Sozialsystems und mit Sicherheitsbeh&ouml;rden ein wichtiger Bestandteil dieser Arbeit.&nbsp;<\/p>\n<p>Auch in der direkten Arbeit mit jungen Menschen ist die Kontaktaufnahme durch die Ratsuchenden selbst ein m&ouml;glicher Weg der Zielgruppengewinnung. Angebote, die auf diesen Zugang setzen, bieten in der Regel ein breiteres Beratungs- und Hilfespektrum jenseits der Extremismusproblematik (z.B. Beratung zu Diskriminierungserfahrungen oder zu Religion allgemein) an, um f&uuml;r junge Menschen als Ansprechpartner attraktiv zu sein. Au&szlig;erdem sind sie bestrebt, das Angebot &uuml;ber eine Pr&auml;senz im Sozialraum potenzieller Zielgruppen, etwa &uuml;ber Aktivit&auml;ten der Jugendsozialarbeit (durch das Angebot selbst oder durch seinen Tr&auml;ger) bekannt zu machen. Eine weitere praktizierte Strategie ist eine pro-aktive Ansprache von Jugendlichen durch die Angebote. In diesen F&auml;llen treten die Mitarbeitenden eines Beratungsangebots an Jugendliche heran, die ihnen &ndash; seitens des sozialen Umfelds, aber auch von Sicherheitsbeh&ouml;rden &ndash; als &bdquo;problematisch&ldquo; gemeldet werden und versuchen, diese f&uuml;r eine Zusammenarbeit zu gewinnen.<\/p>\n<h5><span id=\"iii-erfahrungen\">III. Erfahrungen<\/span><\/h5>\n<p>Aufgrund der Erfahrungen, die mit den skizzierten Ans&auml;tzen gesammelt wurden, lassen sich erste Schlussfolgerungen in Bezug auf gelingende Aspekte dieser Arbeit wie auch auf ungel&ouml;ste Herausforderungen bzw. Begrenzungen aktueller Vorgehensweisen ziehen.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"zielgruppenerreichung\">Zielgruppenerreichung<\/span><\/h2>\n<p>Die in den Interviews gemachten Angaben und geschilderten F&auml;lle verweisen darauf, dass mit den aktuell praktizierten Zug&auml;ngen Jugendliche in unterschiedlichen Phasen der Affinisierung und Einbindung in islamistische Szenen sowohl indirekt &ndash; &uuml;ber die Arbeit mit dem sozialen Nahfeld &ndash; als auch direkt erreicht werden. (14)<\/p>\n<p>So verzeichnen Angebote, die mit dem sozialen Nahfeld arbeiten, inzwischen ein sehr hohes Meldeaufkommen. Meldungen erfolgen zudem fr&uuml;hzeitiger bzw. aufgrund weniger spezifischer Hinweise als in der Anfangszeit der Arbeit, als F&auml;lle h&auml;ufig erst gemeldet wurden, wenn Ausreisen kurz bevorstanden oder bereits stattgefunden hatten. <br \/>Zug&auml;nge gelingen aber auch &uuml;ber beide praktizierten Wege in der direkten Arbeit mit Jugendlichen. Dabei hat es sich in verschiedener Hinsicht als bedeutsam erwiesen, dass die Angebote bzw. die Mitarbeitenden bei der Ansprache der Jugendlichen Bez&uuml;ge zu deren Lebenswelten aufweisen oder herzustellen verm&ouml;gen.<\/p>\n<p>So ist es f&uuml;r einen gelingenden Erstkontakt und f&uuml;r den Vertrauensaufbau f&ouml;rderlich, wenn Jugendliche bei Projektmitarbeitenden einen gemeinsamen Erfahrungshorizont wahrnehmen bzw. voraussetzen k&ouml;nnen. Besonders betonen die Befragten in diesem Zusammenhang die Bedeutung eines Migrationshintergrundes oder muslimischen Hintergrundes von Fachkr&auml;ften; einzelnen Akteuren zufolge vermag aber auch eine lebensweltliche N&auml;he aufgrund von Alter und (jugendkulturellem) Habitus entsprechende Br&uuml;cken zu schlagen. Das Geschlecht der Mitarbeitenden ist erfahrungsgem&auml;&szlig; im Zugang zu m&auml;nnlichen Jugendlichen nicht entscheidend; als hoch relevant erweist sich jedoch f&uuml;r die Erreichung von (und Arbeit mit) M&auml;dchen und jungen Frauen, dass es weibliche Ansprechpartnerinnen in den Angeboten gibt.<\/p>\n<p>Zudem gelingt es mit der Strategie einer bed&uuml;rfnis- und lebensweltorientierten Ansprache (breiteres Beratungsspektrum, Pr&auml;senz im Sozialraum) dass sich Jugendliche auch aus eigener Initiative an die Angebote wenden. D.h. mit entsprechend ausgerichteten Angeboten k&ouml;nnen Jugendliche auch ohne Vermittlung &uuml;ber hinweisgebende Dritte erreicht werden. (15) Im Gesamtfeld der etablierten Angebotspraxis wird dieser Zugang allerdings nur von einer Minderheit von Angeboten praktiziert; der Gro&szlig;teil der &#8211; direkt oder indirekt &ndash; betreuten F&auml;lle kommt &uuml;ber Fallmeldungen von Dritten zustande.<\/p>\n<p>Insgesamt wird im Rahmen der etablierten Ans&auml;tze den Interviewangaben zufolge ein Spektrum von (potenziell) Einstiegsgef&auml;hrdeten &uuml;ber st&auml;rker Involvierte und Ausreisewillige bis hin zu R&uuml;ckkehrern erreicht. Zu den jeweiligen Anteilen dieser Gruppen sind f&uuml;r die Arbeit mit dem sozialen Nahfeld keine Angaben verf&uuml;gbar; in der direkten Arbeit mit Jugendlichen zeigt sich ein st&auml;rkerer Schwerpunkt auf Jugendlichen im Ann&auml;herungsprozess (u.a. auch deshalb, weil ein Teil der Angebote nicht mit R&uuml;ckkehrern, z.T. auch nicht mit stark Involvierten arbeitet).<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"distanzierungserfolge\">Distan&shy;zie&shy;rungs&shy;er&shy;folge <\/span><\/h2>\n<p>Nicht immer gelingt es allerdings, nach einer Kontaktaufnahme auch produktive Arbeitsbeziehungen aufzubauen. So sind einige Eltern nicht bereit, sich auf eine (kritische) Thematisierung der eigenen Familienstrukturen einzulassen und brechen die Beratung ab; umgekehrt beenden in manchen F&auml;llen auch Berater\/innen eine Fallbetreuung, wenn aus ihrer Sicht keine ausreichende Mitwirkungs- und Ver&auml;nderungsbereitschaft bei den Angeh&ouml;rigen besteht. Auch k&ouml;nnen dort, wo Arbeitsbeziehungen etabliert wurden, nicht immer Ausreisen verhindert oder sonstige Stabilisierungs- und Distanzierungsprozesse erreicht werden.<\/p>\n<p>Doch k&ouml;nnen alle Befragten von positiven Entwicklungen und Erfolgen berichten, zu denen es im Rahmen von Fallbetreuungen kam. Genannt werden Ann&auml;herungen an problematische Gruppierungen und Personen, die unterbrochen wurden sowie Ausreiseabsichten, die (bisher) nicht realisiert wurden, aber auch die Verbesserung potenziell hinwendungsf&ouml;rdernder Konfliktsituationen. In Einzelf&auml;llen konnte auch das Zur&uuml;ckholen ausgereister Jugendlicher erfolgreich unterst&uuml;tzt werden.<\/p>\n<p>Hinsichtlich der Stabilit&auml;t der erreichten Distanzierungserfolge sind die Aussagen allerdings insgesamt eher zur&uuml;ckhaltend. So wird in der Regel nicht von &bdquo;abgeschlossenen&ldquo;, sondern nur von &bdquo;ruhenden&ldquo; F&auml;llen gesprochen, in denen f&uuml;r den gegenw&auml;rtigen Zeitpunkt nicht von einer Selbst- und Fremdgef&auml;hrdung ausgegangen werden muss.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"familien-als-ressource\">Familien als Ressource<\/span><\/h2>\n<p>Als bedeutsame Ressource f&uuml;r die Arbeit in diesem Handlungsfeld haben sich die Familien, vor allem Eltern (und hier insbesondere M&uuml;tter) erwiesen. Sie sind zum einen die gr&ouml;&szlig;te fallmeldende Gruppe und damit sowohl in der Arbeit mit dem sozialen Nahfeld wie auch in Angeboten, die Jugendliche aufgrund von Fallmeldungen kontaktieren, von entscheidender Bedeutung f&uuml;r den Zielgruppenzugang. Zum anderen zeigen Familienangeh&ouml;rige in diesem Arbeitsfeld &ndash; anders als etwa in der Arbeit zu Rechtsextremismus, wo die Familie h&auml;ufig als nicht verf&uuml;gbare Ressource geschildert wird &ndash; eine relativ hohe Mitwirkungsbereitschaft. Sie sind deshalb auch ein wichtiger Ansatzpunkt und Partner in der Fallbetreuung selbst. Als besonders bedeutsam erweisen sich der Zugang &uuml;ber die Familie und die Arbeit &uuml;ber die famili&auml;re Bindung bei ausgereisten Jugendlichen, die &uuml;ber andere Wege nicht mehr erreichbar sind.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"begrenzungen-und-schwierigkeiten\">Begren&shy;zungen und Schwie&shy;rig&shy;keiten<\/span><\/h2>\n<p>Die zentrale Rolle, die Familien im Zugang spielen, verweist zugleich auf Zielgruppen, die durch das etablierte Angebotsspektrum bisher weniger gut erreicht werden. Dazu geh&ouml;ren Jugendliche, deren Familien kein Problem mit ihren Orientierungen haben (diese ggf. sogar teilen) oder &ndash; wie etwa im Fall unbegleiteter minderj&auml;hriger Fl&uuml;chtlinge &ndash; in ihrem Leben nicht (mehr) pr&auml;sent sind. Der Ansatz, &uuml;ber die Familien indirekt jugendliche Distanzierungsprozesse zu unterst&uuml;tzen, st&ouml;&szlig;t dar&uuml;ber hinaus dort an Grenzen, wo Familien nicht bereit oder (z.B. aufgrund kultureller, sprachlicher, schichtbedingter Barrieren) nicht in der Lage sind, sich auf den &#8211; f&uuml;r die Arbeit mit dem sozialen Nahfeld zentralen &#8211; Ansatz der (kritischen) Reflexion eigener famili&auml;rer Verh&auml;ltnisse einzulassen.<\/p>\n<p>Zudem gilt die gute Erreichbarkeit von Angeh&ouml;rigen nicht f&uuml;r alle Bev&ouml;lkerungsgruppen. So sind unter den Meldenden Eltern von Konvertiten stark &uuml;berproportional vertreten, d.h. Jugendliche aus muslimischen Familien werden &uuml;ber diesen Zugang deutlich weniger erreicht. M&ouml;gliche Gr&uuml;nde hierf&uuml;r k&ouml;nnten sprachliche Zugangsbarrieren sein, aber auch h&ouml;here Hemmschwellen seitens muslimischer Familien, Hilfsangebote zu diesem Thema zu nutzen &ndash; zumal, wenn diese durch die Mehrheitsgesellschaft offeriert werden. (16)<\/p>\n<p>Aber auch in der Fallbetreuung weist die Arbeit &uuml;ber Familien &ndash; neben den genannten St&auml;rken des Ansatzes &ndash; spezifische Begrenzungen auf. So beinhaltet die &uuml;ber die Elternperspektive vermittelte Sicht auf den Jugendlichen bzw. auf die Fallkonstellation eben auch, dass andersgelagerte Problematiken jenseits des famili&auml;ren Rahmens, ebenso wie andere Perspektiven und Relevanzsetzungen der Jugendlichen, weniger gut in den Blick geraten.<\/p>\n<p>Au&szlig;erdem erscheint der Ansatz, Distanzierungen von extremistischen Milieus &uuml;ber eine St&auml;rkung famili&auml;rer Bindungen und die Re-Integration in famili&auml;re Systeme zu erreichen, zwar in akuten Gef&auml;hrdungssituationen plausibel; doch steht diese Zielstellung auch in einem Spannungsverh&auml;ltnis zu adoleszenten Abl&ouml;sungsdynamiken und -notwendigkeiten, weshalb sie m&ouml;glicherweise nicht in allen F&auml;llen die geeignetste Antwort darstellt.<\/p>\n<p>Diese Schwierigkeiten stellen sich in Ans&auml;tzen, die direkt mit Jugendlichen arbeiten, so nicht. Diese Ans&auml;tze k&ouml;nnen zudem, sofern sie Wege der Ansprache jenseits des Elternhauses nutzen, Zug&auml;nge auch zu anderen, &uuml;ber den elternzentrierten Ansatz bisher weniger gut erreichten Zielgruppen er&ouml;ffnen. Das gilt insbesondere dann, wenn sie in Sozialr&auml;umen mit entsprechenden Bev&ouml;lkerungsgruppen angesiedelt sind. Allerdings ist anzunehmen, dass diese Ans&auml;tze eine vergleichsweise kleinere betreuungsrelevante Zielgruppe erreichen bzw. diese zu erreichen im Rahmen dieser Ans&auml;tze vergleichsweise zeit- und ressourcenintensiver ist. (17) Die bisher in der Arbeit mit jugendlichen Zielgruppen praktizierten Ans&auml;tze geraten au&szlig;erdem dort an Grenzen, wo Jugendliche nicht im lokalen Sozialraum erreichbar sind &ndash; entweder weil sie &ouml;ffentliche R&auml;ume und &ouml;ffentlich zug&auml;ngliche Angebote (noch) nicht nutzen oder nur wenig nutzen (M&auml;dchen aus traditionellen, streng religi&ouml;sen Familien, jugendliche Fl&uuml;chtlinge), oder weil sie in diesen R&auml;umen nicht mehr erreichbar sind (Ausgereiste).<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"spezifische-herausforderungen-des-handlungsfeldes\">Spezifische Heraus&shy;for&shy;de&shy;rungen des Handlungs&shy;feldes<\/span><\/h2>\n<p>Vergleicht man die bisher entwickelten Ans&auml;tze in diesem Handlungsfeld mit der seit vielen Jahren praktizierten Distanzierungs- und Ausstiegsarbeit im Feld des Rechtsextremismus, dann zeigen sich deutliche Parallelen hinsichtlich Pr&auml;ventionslogiken und zu bearbeitender Herausforderungen. (18) Die Arbeit kann deshalb in verschiedener Hinsicht von den Erfahrungen profitieren, die in der Arbeit mit rechtsextrem orientierten bzw. gef&auml;hrdeten Jugendlichen gesammelt wurden. (19) Allerdings ist dieses Handlungsfeld auch durch Spezifika gepr&auml;gt, die Praktiker\/innen vor eigene Herausforderungen stellen.<\/p>\n<p>Zu nennen ist hier zun&auml;chst die territoriale Distanz der IS-Kampfgebiete, die Praxisakteure nicht nur mit spezifischen Schwierigkeiten konfrontiert, wenn Jugendliche ausgereist und somit nicht mehr direkt erreichbar sind (s.o.). Die r&auml;umliche Entfernung, verbunden mit der starken Abschottung und Kontrolle dorthin Ausgereister, stellt auch eine besondere Schwierigkeit in der inhaltlichen Auseinandersetzung mit gef&auml;hrdeten Jugendlichen dar, da sie den Wahrheitsgehalt der IS-Propaganda &uuml;ber die dortigen Lebensbedingungen nur schwer &uuml;berpr&uuml;fbar macht. In den sozialen Medien verbreitete positive Berichte &uuml;ber das Leben unter IS-Herrschaft genie&szlig;en unter den Jugendlichen h&auml;ufig hohe Glaubw&uuml;rdigkeit, zumal wenn sie von gleichaltrigen Ausreisenden verfasst wurden. Praktiker\/innen f&auml;llt es demgegen&uuml;ber schwer, diese Aussagen zu entkr&auml;ften, da ihnen keine vergleichbare Authentizit&auml;t zugebilligt wird.<\/p>\n<p>Als besondere Herausforderung und Distanzierungshemmnis erweist sich zudem der Jenseitsbezug der Ideologie, da sich die in Aussicht gestellten Belohnungen bzw. Bestrafungen in einem &bdquo;Leben nach dem Tod&ldquo; ebenfalls einer &Uuml;berpr&uuml;fung und damit m&ouml;glichen Widerlegung entziehen. Insbesondere zu diesen Themen hat es sich als hilfreich erwiesen, wenn Fachkr&auml;fte entweder selbst &uuml;ber fundiertes religi&ouml;ses Wissen verf&uuml;gen oder aber dieses Wissen durch Externe einbinden, um die Legitimit&auml;t islamistischer Islamauslegungen glaubhaft hinterfragen zu k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt ist als ein Spezifikum eine im Vergleich zum Rechtsextremismus erh&ouml;hte Gef&auml;hrdungswahrnehmung zu nennen, die dieses Handlungsfeld pr&auml;gt. Diese speist sich aus der Ausreiseoption und den damit verbundenen Gefahren f&uuml;r die Jugendlichen, aus einer erh&ouml;hten (auch medial vermittelten) gesellschaftlichen Bedrohungswahrnehmung infolge der j&uuml;ngsten Terroranschl&auml;ge, aber auch aus aktuell stark polarisierten Debatten um &bdquo;Einwanderung&ldquo; und &bdquo;Islam&ldquo;, die dieses Wahrnehmung mit befeuern und denen viele Fachkr&auml;fte im Hinblick auf Hinwendungs- und Radikalisierungsprozesse zugleich selbst ein hohes Gef&auml;hrdungspotenzial zuweisen. Diese hohe Gef&auml;hrdungswahrnehmung schl&auml;gt sich einerseits in einem erh&ouml;hten Meldeverhalten und einer vergleichsweise gr&ouml;&szlig;eren Mitwirkungsbereitschaft bestimmter Akteure nieder; sie erzeugt andererseits aber auch einen erh&ouml;hten Verantwortungs- und Handlungsdruck gegen&uuml;ber den Angeboten bzw. ihren Mitarbeitenden.(20)<\/p>\n<h5><span id=\"iv-fazit-und-ausblick\">IV. Fazit und Ausblick <\/span><\/h5>\n<p>In relativ kurzer Zeit haben sich in diesem hoch komplexen Handlungsfeld Angebotsstrukturen entwickelt, in denen mit oft begrenzten Ressourcen ein insgesamt beachtliches Aufgabenspektrum bew&auml;ltigt wird. Angebote der Distanzierungsarbeit leisten De-Eskalationsarbeit in famili&auml;ren Situationen, die problematische Entwicklungen vorantreiben k&ouml;nnten, setzen sich mit Jugendlichen selbst, ihren &Uuml;berzeugungen und Erfahrungen auseinander, unterst&uuml;tzen bei sozialer und beruflicher Integration, leisten akute Krisenintervention bei Ausreisegef&auml;hrdeten, begleiten Bem&uuml;hungen, Ausgereiste zur&uuml;ckzuholen und betreuen Familien, deren ausgereiste Kinder umgekommen sind. Dar&uuml;ber hinaus leisten sie durch Aufkl&auml;rungs- und Informationsarbeit einen Beitrag zu Bestrebungen, f&uuml;r problematische Entwicklungen zu sensibilisieren, aber auch unbegr&uuml;ndete Bef&uuml;rchtungen sowie Vorbehalte gegen&uuml;ber dem Islam abzubauen.&nbsp;<\/p>\n<p>Die mit dieser Arbeit gewonnenen Erfahrungen zeigen, dass es unterschiedlicher Ans&auml;tze und Zug&auml;nge bedarf, um die verschiedenen in diesem Handlungsfeld relevanten Zielgruppen zu erreichen und den divergierenden Anforderungen in der Arbeit mit diesen Rechnung zu tragen. Die in den letzten Jahren etablierten Ans&auml;tze der Arbeit mit dem sozialen Nahfeld und der direkten Arbeit mit Jugendlichen besitzen hier je spezifische St&auml;rken und k&ouml;nnen jeweils mit Blick auf ihre Zielstellungen Erfolge aufweisen.<\/p>\n<p>Als Herausforderung f&uuml;r die zuk&uuml;nftige Arbeit kristallisiert sich vor allem heraus, Zug&auml;nge zu bestimmten, bisher weniger gut erreichten Zielgruppen zu verbessern. In der Arbeit mit dem sozialen Nahfeld gilt es zu diesem Zweck, Zugangsbarrieren und bestehende Hemmschwellen muslimischer Familien bzw. von Familien mit Migrationshintergrund gegen&uuml;ber den Angeboten weiter abzubauen. M&ouml;gliche Ansatzpunkte k&ouml;nnten eine verst&auml;rkte Vernetzung mit religi&ouml;sen und ethnischen Communities und die Einbindung sogenannter &bdquo;Br&uuml;ckenpersonen&ldquo; in der Ansprache sein oder auch die Realisierung von Tandemprojekten mit Akteuren aus diesen Communities. Auch w&auml;re zu pr&uuml;fen, ob die Auffindbarkeit von Angeboten im Internet bei Suchen in nichtdeutscher Sprache ggf. noch verbessert werden k&ouml;nnte. In der direkten Arbeit mit Jugendlichen w&auml;ren zum einen solche Ans&auml;tze breiter auszubauen und l&auml;ngerfristiger zu verankern, die (potenziell) gef&auml;hrdete Zielgruppen &uuml;ber andere jugendliche Sozialisationsr&auml;ume jenseits des Elternhauses (Freizeit- und peer-Kontexte; Moscheegemeinden) zu erreichen suchen. (21) Um Zielgruppen zu erreichen, die &uuml;ber diese Ans&auml;tze nicht ansprechbar sind, erscheint es zudem lohnend, Ans&auml;tze zu erproben, die aufsuchende Zug&auml;nge &uuml;ber das Internet ausloten und diese mit Betreuungsformaten im nicht-virtuellen Raum verkn&uuml;pfen (22). Gefragt sind au&szlig;erdem Ans&auml;tze, mit denen jugendliche Fl&uuml;chtlinge erreicht werden k&ouml;nnen und die einerseits den spezifischen Anforderungen dieser Zielgruppe Rechnung tragen, andererseits der Stigmatisierungsgefahr, die mit einer gezielten Adressierung verbunden sein kann, konzeptionell Rechnung tragen.<\/p>\n<p>Derartige Ans&auml;tze der direkten Arbeit mit jungen Menschen st&auml;rker auszubauen, k&ouml;nnte nicht nur ein Beitrag sein, um Zugang zu bisher weniger gut erreichten Zielgruppen zu erhalten; es erscheint auch deshalb lohnenswert, weil diese Arbeit andere Handlungsoptionen im Umgang mit adoleszenzspezifischen Dynamiken birgt. <br \/>Um den medialen Versprechungen der IS-Propaganda glaubw&uuml;rdig entgegentreten zu k&ouml;nnen, k&ouml;nnten au&szlig;erdem die Erfahrungen von R&uuml;ckkehrenden eine m&ouml;gliche Ressource sein. Angesichts widerspr&uuml;chlicher Erfahrungen mit der Einbindung rechtsextremer Aussteiger in die Distanzierungsarbeit (23) w&auml;re allerdings zu pr&uuml;fen, ob und wie solche Erfahrungsberichte in die p&auml;dagogische Arbeit mit gef&auml;hrdeten Jugendlichen eingebunden werden k&ouml;nnen.<\/p>\n<p><b>MICHAELA&nbsp;GLASER<\/b><i>&nbsp;&nbsp; Jahrgang 1966, studierte Soziologie und Politik in Freiburg. Nach ihrem Studium war sie freie Mitarbeiterin u.a. beim SPD-Landesverband Berlin und der Heinrich-B&ouml;ll-Stiftung, von 2000 bis 2003 Wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Institut f&uuml;r Stadtplanung und Sozialforschung Weeber+Partner in Berlin. Seit 12\/2003 ist sie wissenschaftl. Referentin im Deutschen Jugendinstitut, Au&szlig;enstelle Halle, wo sie seit Januar 2011 die Projektleitung der Arbeits- und Forschungsstelle Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit inne hat.<\/i><\/p>\n<p><b>CARMEN&nbsp;FIGLESTAHLER<i>&nbsp;&nbsp; <\/i><\/b><i>studierte Soziologie, Ethnologie und VWL an der Martin-Luther-Universit&auml;t Halle-Wittenberg. Von 2010 bis 2015 hielt sie ein Promotionsstipendium an der Universit&auml;t Kassel. Seit 2015 ist sie wissenschaftliche Referentin am Deutschen Jugendinstitut in Halle.<\/i><\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"literaturverzeichnis\">Literaturverzeichnis<\/span><\/h2>\n<p>Arbeits- und Forschungsstelle Rechtsextremismus und Radikalisierungspr&auml;vention (2015): Expertenfachgespr&auml;ch &sbquo;Politische Extremismen im Netz &ndash; Herausforderungen f&uuml;r die Jugendhilfe&lsquo; &#8211; erste Ergebnisse, abrufbar unter <a href=\"http:\/\/www.dji.de\/fileadmin\/user_upload\/bibs2016\/Fachgespr%C3A4ch_Politische_Extremismen_im_Netz_Erste\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.dji.de\/fileadmin\/user_upload\/bibs2016\/Fachgespr%C3A4ch_Politische_Extremismen_im_Netz_Erste<\/a> _Thesen.pdf.<\/p>\n<p>Bundesamt f&uuml;r Verfassungsschutz\/Bundeskriminalamt\/Hessisches Informations- und Kompetenzzentrum gegen Extremismus (2014): Analyse der den deutschen Sicherheitsbeh&ouml;rden vorliegenden Informationen &uuml;ber die Radikalisierungshintergr&uuml;nde und -verl&auml;ufe der Personen, die aus islamistischer Motivation aus Deutschland in Richtung Syrien ausgereist sind, abrufbar unter <a href=\"http:\/\/www.innenministerkonferenz.de\/IMK\/DE\/termine\/to-beschluesse\/14-12-11_12\/anlage-analyse.pdf?__blob=publica\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.innenministerkonferenz.de\/IMK\/DE\/termine\/to-beschluesse\/14-12-11_12\/anlage-analyse.pdf?__blob=publica<\/a> tionFile&amp;v=2 (04.08.2016).<\/p>\n<p>De Koning, M. (2009): Changing Worldviews and Friendship. An exploration of the life stories oft two female salafists in the Netherlands. In: Meijer, R. (Hrsg.), Global salafism. Islam&rsquo;s new religious movement. London: Hurst &amp; Co, S. 372-392.<\/p>\n<p>Glaser, M. (2016a): Gewaltorientierter Islamismus im Jugendalter. Eine Diskussion vorliegender Erkenntnisse zu Hinwendungsmotiven und Attraktivit&auml;tsmomenten f&uuml;r junge Menschen. In: Kinder- und Jugendschutz in Wissenschaft und Praxis (KJug), 61. Jg., H. 1, S. 3-7.<\/p>\n<p>Glaser, M. (2016b): Was ist &uuml;bertragbar, was ist spezifisch? Rechtsextremismus und islamistischer Extremismus im Jugendalter und Schlussfolgerungen f&uuml;r die p&auml;dagogische Arbeit, in: bpb-Infodienst Radikalisierungspr&auml;vention, abrufbar unter <a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/politik\/extremismus\/radikalisierungspraevention\/239365\/rechtsextremismus-und-islamistischer-extremismus-im-jugendalter\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.bpb.de\/politik\/extremismus\/radikalisierungspraevention\/239365\/rechtsextremismus-und-islamistischer-extremismus-im-jugendalter<\/a>.<\/p>\n<p>Glaser, M.\/Herding, M.\/K&ouml;nig, F.\/Langner, J.\/Leistner, A. (2015): Glossar zum Thema &bdquo;Politische Gewalt im Jugendalter&ldquo; In: DJI-Impulse. Jung und radikal. Politische Gewalt im Jugendalter. Nr. 109\/H. 1, abrufbar unter: <a href=\"http:\/\/www.dji.de\/fileadmin\/user_upload\/bulletin\/d_bull_d\/bull109_d\/DJI_1_15_Web.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.dji.de\/fileadmin\/user_upload\/bulletin\/d_bull_d\/bull109_d\/DJI_1_15_Web.pdf<\/a>.<\/p>\n<p>Glaser, M.\/Hohnstein, S.\/Greuel, F. (2014): Ausstiegshilfen in Deutschland. Ein vergleichender &Uuml;berblick &uuml;ber Akteure und Vorgehensweisen. In: Rieker, Peter (Hrsg.): Hilfe zum Ausstieg? Ans&auml;tze und Erfahrungen professioneller Angebote zum Ausstieg aus dem Rechtsextremismus. Weinheim\/Basel: Beltz Juventa, S. 45-76.<\/p>\n<p>Hemmingsen, A.-S. (2010): The Attractions of Jihadism. An identity approach to three Danish terrorism cases and the gallery of characters around them. University of Copenhagen, abrufbar unter <a href=\"http:\/\/www.nyidanmark.dk\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.nyidanmark.dk<\/a> (29.04.2015).<\/p>\n<p>Herding, M., Langner, J., Glaser, M. (2015). Junge Menschen und gewaltorientierter Islamismus. Forschungsbefunde zu Hinwendungs- und Radikalisierungsfaktoren. (bpb Infodienst Radikalisierungspr&auml;vention), abrufbar unter <a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/politik\/extremismus\/radikalisierungspraevention\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.bpb.de\/politik\/extremismus\/radikalisierungspraevention\/<\/a> (04.08.2016).<\/p>\n<p>Hohnstein, S. \/Greuel, F., unter Mitarbeit von M. Glaser (2015): Einstiege verhindern, Ausstiege begleiten. P&auml;dagogische Ans&auml;tze und Erfahrungen im Handlungsfeld Rechtsextremismus. Band 12. Halle (Saale): DJI.<\/p>\n<p>Horgan, J. (2008): Deradicalization or disengagement? A process in need of clarity and a counterterrorism initiative in need of evaluation, in: Perspectives on Terrorism II, S.&nbsp;3&ndash;8.<\/p>\n<p>Langner, J. (2016): Hinwendung und Radikalisierung junger Menschen zum gewaltorientierten Islamismus. Aufarbeitung des Forschungsstandes, Halle: DJI. (unver&ouml;ff. Manuskript).<\/p>\n<p>Neumann, P. (2013): Radikalisierung, Deradikalisierung und Extremismus. In: Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ), Heft 29&ndash;31\/2013, S. 4&nbsp;ff.<\/p>\n<p>Pisoiu, D., Koehler, D. (2013). Individuelle Losl&ouml;sung von Radikalisierungsprozessen. Stand der Forschung und eine &Uuml;berpr&uuml;fung bestehender Theorien anhand eines Ausstiegsfalls aus dem militanten Salafismus. In: Journal Exit-Deutschland. Zeitschrift f&uuml;r Deradikalisierung und demokratische Kultur, S. 241&ndash;274.<\/p>\n<p>Schmid, A.P. (2013). Radicalisation, De-Radicalisation, Counter-Radicalisation: A conceptual discussion and literature review. International Center for Counter-Terrorism. Den Haag.<\/p>\n<p>Sinclair, K. (2010): The Caliphate as Homeland: Hizb ut-Tahrir in Denmark and Britain. University of South Denmark, abrufbar unter <a href=\"http:\/\/static.sdu.dk\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/static.sdu.dk<\/a> (29. 04.2015)<\/p>\n<p>Wiktorowicz, Q. (2005): Radical Islam Rising: Muslim extremism in the West. Lanham: Rowman &amp; Littlefield.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"anmerkungen\">Anmerkungen<\/span><\/h2>\n<p>1 Bisher besteht kein Konsens, wie extremistische, gewaltbef&uuml;rwortende Str&ouml;mungen, die sich &uuml;ber eine bestimmte Auslegung des Islams legitimieren, angemessen zu bezeichnen sind. In der Diskussion sind u. a. Begriffe wie (Neo)Salafismus, Dschihadismus, religi&ouml;s begr&uuml;ndeter Extremismus, die allerdings mit je spezifischen Engf&uuml;hrungen und Ungenauigkeiten verbunden sind. Mangels &uuml;berzeugender Alternativen wird hier der Begriff &bdquo;gewaltorientierter Islamismus&ldquo; verwendet &ndash; auch wenn die N&auml;he zum &bdquo;Islam&ldquo;-Begriff ebenfalls Schwierigkeiten birgt (zu den unterschiedlichen Begriffen siehe auch Glaser et al. (2015).<\/p>\n<p>2 Im Folgenden verwenden wir den Begriff &raquo;Radikalisierung&laquo; &ndash; in Orientierung an etablierten Definitionen (vgl. Schmid 2013) &ndash; f&uuml;r jene Prozesse der Ann&auml;herung an radikale und extremistische Str&ouml;mungen, die bei Individuen mit einer Ausbildung beziehungsweise &Uuml;bernahme polarisierter Einstellungen und\/oder gewalthaltiger Handlungsweisen einhergehen. Davon unterscheiden wir Ann&auml;herungen an entsprechende Gruppierungen, die aus anderen (etwa sozialen) Motiven und Intentionen heraus erfolgen und (noch) nicht ideologisch-weltanschaulich begr&uuml;ndet sind bzw. mit erh&ouml;hter Gewaltbereitschaft einhergehen. Um diese Dimensionen mit zu erfassen, wird im Folgenden f&uuml;r die Gesamtheit der diskutierten Ann&auml;herungsbewegungen der &ndash; hinsichtlich der Motive offenere &ndash; Begriff &raquo;Hinwendungsprozesse&laquo; verwendet.<\/p>\n<p>3 Dieser Beitrag st&uuml;tzt sich auf Interviews, die in 2015 und 2016 mit Praxisakteuren im Handlungsfeld gef&uuml;hrt wurden. Befragt wurden Akteure, die zum Interviewzeitpunkt bereits mindestens zwei Jahre in diesem Arbeitsfeld aktiv waren. An der Erhebung wirkte au&szlig;er den Autorinnen Maruta Herding mit, Alexander Leistner steuerte Interviews bei. Die folgende Darstellung des Forschungsstandes zum Ph&auml;nomen st&uuml;tzt sich in relevanten Teilen auf eine Aufarbeitung desselben, die von Joachim Langner geleistet wurde (vgl. Langner 2016).<\/p>\n<p>4 Vgl. auch Glaser 2016a.<\/p>\n<p>5 Eine Darstellung der hier relevanten Studien w&uuml;rde den Umfang dieses Beitrags sprengen. Die folgenden Autorenangaben sind deshalb sehr selektiv, f&uuml;r einen etwas ausf&uuml;hrlicheren &Uuml;berblick vgl. Herding\/Langner\/Glaser 2015 sowie Glaser 2016.<\/p>\n<p>6 Vgl. z.B. De Koning 2009<\/p>\n<p>7 Vgl. z.B. Wictorowicz 2005<\/p>\n<p>8 Bundesamt f&uuml;r Verfassungsschutz u.a. 2014<\/p>\n<p>9 Vgl. De Koning 2009; Sinclair 2010; Hemmingsen 2010<\/p>\n<p>10 Vgl. Horgan 2008, Neumann 2013<\/p>\n<p>11 Vgl. Schmid 2013; Pisoiu\/K&ouml;hler 2013<\/p>\n<p>12 Vgl. Sinclair 2010<\/p>\n<p>13 Das Altersspektrum der direkt oder indirekt durch die Arbeit erreichten (potenziell) gef&auml;hrdeten Personen umfasst in beiden Angebotstypen eine Spanne von ca. 12 bis 30 Jahren, d.h. es reicht von Kindern bis zu jungen Erwachsenen. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf Jugendlichen, die zwischen 15 und 19 Jahren alt sind. Aus Gr&uuml;nden der Lesbarkeit wird im Folgenden deshalb f&uuml;r die adressierten bzw. erreichten Zielgruppen der Begriff &bdquo;Jugendliche&ldquo; verwendet.<\/p>\n<p>14 Konkrete Fallzahlen lassen sich auf der Datengrundlage nicht benennen. Das liegt zum Teil an unterschiedlichen Z&auml;hlweisen der Angebote (die Differenzierung zwischen Fallmeldungen bzw. Beratungsanfragen und l&auml;ngerfristigen Fallbetreuungen betreffend); zum Teil waren Angaben &uuml;ber Fallzahlen auch nicht verf&uuml;gbar.<\/p>\n<p>15 Bei Angeboten, die in ihrem Beratungsfokus enger auf die Problematik ausgerichtet sind und vor allem auf klassische Formen der &Ouml;ffentlichkeitsarbeit setzen, melden sich Jugendliche dagegen kaum oder gar nicht.<\/p>\n<p>16 Der hohe Anteil von Meldungen aus Familien von Konvertiten d&uuml;rfte allerdings auch durch eine erh&ouml;hte Meldebereitschaft nicht-muslimischer Eltern zumindest mit bedingt sein. So finden sich in dieser Meldegruppe auch Eltern, die sich an die Beratungsstellen wenden, weil ihr Kind Interesse an (nicht extremistischer) muslimischer Religiosit&auml;t zeigt.<\/p>\n<p>17 Diese Einsch&auml;tzung st&uuml;tzt sich auf Erfahrungswerte aus dem Handlungsfeld &bdquo;Rechtsextremismus&ldquo; zur Kooperationsbereitschaft von Jugendlichen in der Hinwendungsphase, aber auch auf den Umstand, dass die erfolgversprechenden Wege der Ansprache in diesem Handlungsfeld sehr viel aufwendiger sind.<\/p>\n<p>18 Vgl. Glaser 2016b.<\/p>\n<p>19 Vgl. zu dieser Arbeit Glaser\/Greuel\/Hohnstein 2014 sowie Hohnstein\/Greuel 2015.<\/p>\n<p>20 Dies d&uuml;rfte auch mit ein Grund daf&uuml;r sein, dass viele Akteure in diesem Handlungsfeld gro&szlig;e Zur&uuml;ckhaltung zeigen, wenn es darum geht, Personen als &bdquo;nicht gef&auml;hrdet&ldquo; oder F&auml;lle als &bdquo;nicht mehr betreuungsrelevant&ldquo; einzustufen.<\/p>\n<p>21 Vereinzelt werden entsprechende Ans&auml;tze im 2015 neu aufgelegten Bundesprogramm &bdquo;Demokratie Leben!&ldquo; realisiert: einige Modellprojekte, die mit (potenziell) gef&auml;hrdeten bzw. bereits affinen Jugendlichen arbeiten, versuchen dort gezielt, Zug&auml;nge zu diesen Jugendlichen beispielsweise &uuml;ber Moscheegemeinden oder jugendhilfliche Kontexte aufzubauen.<\/p>\n<p>22 Vgl. Arbeits- und Forschungsstelle Rechtsextremismus und Radikalisierungspr&auml;vention 2015<\/p>\n<p>23 Vgl. Glaser\/Hohnstein\/Greuel 2014<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[1836,1835],"publikationen":[1094],"class_list":["post-10886","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-carmen-figlestahler","autoren-michaela-glaser","publikationen-217-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Distanzierung vom gewaltorientierten Islamismus \u0096 Ans\u00e4tze und Erfahrungen etablierter p\u00e4dagogischer Praxis* - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/217-vorgaenge\/publikation\/distanzierung-vom-gewaltorientierten-islamismus-ansaetze-und-erfahrungen-etablierter-paedagogischer\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Distanzierung vom gewaltorientierten Islamismus \u0096 Ans\u00e4tze und Erfahrungen etablierter p\u00e4dagogischer Praxis* - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"In: vorg&auml;nge Nr. 217 (Heft 1\/2017), S. 63-78 Der islamistische Extremismus rekrutiert und findet seine Anh&auml;nger\/innen in Deutschland vor allem unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen. 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