{"id":10901,"date":"2016-12-21T16:37:00","date_gmt":"2016-12-21T15:37:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/waechst-europa-an-seinen-rechtspopulistischen-feinden-1\/"},"modified":"2021-08-30T15:42:19","modified_gmt":"2021-08-30T13:42:19","slug":"waechst-europa-an-seinen-rechtspopulistischen-feinden-1","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/216\/publikation\/waechst-europa-an-seinen-rechtspopulistischen-feinden-1\/","title":{"rendered":"W\u00e4chst Europa an seinen rechtspopulistischen Feinden?"},"content":{"rendered":"<p>Europ&auml;ische wehrhafte Demokratie und Schutz der Grundwerte in der EU. In: vorg&auml;nge Nr. 216 (4\/2016), S. 47-67<\/p>\n<p><i>Der rechtspopulistische und rechtsextremistische Bewegungen und Parteien gewinnen zunehmend an Einfluss in der Europ&auml;ischen Union (EU). Das gilt f&uuml;r osteurop&auml;ische Staaten wie sog. alte Demokratien Westeuropas, gef&auml;hrdet die normativen und demokratischen Grundlagen der EU und beeintr&auml;chtigt deren au&szlig;enpolitische Handlungsf&auml;higkeit. J&ouml;rg Ukrow benennt in seinem Beitrag Ursachen dieser Entwicklung, beschreibt die Gefahren, die der Union nach innen wie au&szlig;en daraus erwachsen, und skizziert m&ouml;gliche politische wie rechtliche Schritte zur aktiven Bek&auml;mpfung der rechtspopulistischen Parteien, die bisher ungeachtet ihrer nationalistischen Ausrichtung enorm von der finanziellen F&ouml;rderung durch die EU profitieren. <\/i><\/p>\n<h5><span id=\"verstaerkte-europaeische-zusammenarbeit-der-rechtspopulisten-eine-dystopie\">Verst&auml;rkte europ&auml;ische Zusam&shy;me&shy;n&shy;a&shy;r&shy;beit der Rechts&shy;po&shy;pu&shy;listen &ndash; eine Dystopie*<\/span><\/h5>\n<p>24. M&auml;rz 2017: Am Vorabend der offiziellen Feiern zum 60. Jahrestag der Unterzeichnung der R&ouml;mischen Vertr&auml;ge kommen der neu gew&auml;hlte italienische Ministerpr&auml;sident Beppe Grillo, der ungarische Ministerpr&auml;sident Viktor Orban, der polnische Regierungschef Jaros?aw Kaczinski, der &ouml;sterreichische Bundespr&auml;sident Norbert Hofer und der designierte niederl&auml;ndische Ministerpr&auml;sident Geert Wilders zusammen und beschlie&szlig;en einen f&uuml;nf-Punkte-Plan f&uuml;r ein &#8222;Europa der Sicherheit und des Rechts&#8220;. Bestandteile eines kurzfristig umzusetzenden Aktionsplans sind die dauerhafte R&uuml;ckkehr zu Grenzkontrollen an den Au&szlig;engrenzen ihrer L&auml;nder, die Festlegung von Kontingenten f&uuml;r Muslime auf dem Arbeitsmarkt, die Begrenzung von Leistungen f&uuml;r Muslime innerhalb der sozialen Sicherungssysteme der EU-Mitgliedstaaten, die K&uuml;ndigung der Europ&auml;ischen Menschenrechtskonvention und der Genfer Fl&uuml;chtlingskonvention sowie die Aussetzung der Grundrechte-Charta der EU. &#8222;Wir wollen eine Absicherung der abendl&auml;ndischen Kultur und ihrer Werte. Die EU hat hierbei versagt. Wir bieten den &uuml;brigen Mitgliedstaaten der EU Verhandlungen &uuml;ber ein neues Projekt Europa an &#8211; ein Europa der Vaterl&auml;nder statt eines undemokratischen Superstaates. Sollten diese Verhandlungen keinen Erfolg haben, werden wir die EU gemeinsam verlassen&#8220;, hei&szlig;t es in der Abschluss-Erkl&auml;rung des neu eingerichteten &#8222;Gipfels der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts&#8220;. Der russische Pr&auml;sident Wladimir Putin begr&uuml;&szlig;t die Erkl&auml;rung gemeinsam mit dem US-Pr&auml;sidenten Donald Trump als &#8222;Grundlage f&uuml;r eine neue Ara der Kooperation und Sicherheit zwischen San Francisco und Wladiwostok&#8220;. Die Umfragewerte von Marine Le Pen signalisieren wenige Tage danach ihren Sieg im zweiten Wahlgang bei den franz&ouml;sischen Pr&auml;sidentschaftswahlen.<\/p>\n<p>Diese aus b&uuml;rgerrechtlicher Perspektive erschreckende Vision erscheint mit Blick auf j&uuml;ngste Entwicklungen nicht mehr v&ouml;llig abwegig. Sicherheit in ihren verschiedenen Facetten &#8211; innere Sicherheit, soziale Sicherheit, &auml;u&szlig;ere Sicherheit &#8211; ist aus Sicht vieler B&uuml;rger in der EU bedroht.1 Mit dieser Angst agieren rechtspopulistische Kr&auml;fte zunehmend erfolgreich. Die dramatische Ausbreitung anti-europ&auml;ischer wie anti-demokratischer Einstellungen bis in die gesellschaftliche Mitte von Mitgliedstaaten der EU2 ist eine Reaktion auf diese Angst und f&ouml;rdert zugleich den Erfolg von Rechtspopulisten. Ihr Aufstieg erfolgt zeitgleich mit einer Verallt&auml;glichung,3 ja einem Erodieren des Charismas der europ&auml;ischen Integration. Ein demokratisch vereintes Europa, wie z.B. in der Pr&auml;ambel des Grundgesetzes als Zielperspektive aufgezeigt,4 ist nach dem Brexit-Votum offenbar in weite Ferne ger&uuml;ckt. Erste politische Bem&uuml;hungen, dem desintegrativen Potential dieses Votums mit einer Initiative f&uuml;r ein b&uuml;rgern&auml;heres, demokratischeres und sozialeres Europa zu begegnen,5 drohen im Sande zu verlaufen. Ein st&auml;rker integriertes Europa scheint den Demokratie-Test nicht zu bestehen. Die gescheiterten Referenden zur geplanten Europ&auml;ischen Verfassung in Frankreich und den Niederlanden wirken hier als fortdauerndes Menetekel. Der Zeitgeist weist offenbar zunehmend zur&uuml;ck in eine nationalistische und anti-demokratische Richtung.6<\/p>\n<h5><span id=\"rechtspopulistische-grenzen-des-wachstums-fuer-ein-vereintes-europa\">Rechts&shy;po&shy;pu&shy;lis&shy;ti&shy;sche Grenzen des Wachstums f&uuml;r ein vereintes Europa?<\/span><\/h5>\n<p>Demokratie kann es in der EU als repr&auml;sentativ-demokratischem Staaten- und Verfassungsverbund7 nur als Mehrebenen-Demokratie8 geben. Vertiefung wie Erweiterung dieses Integrationsverbundes bed&uuml;rfen einer demokratischen Legitimation auf den Ebenen der Union wie der Mitgliedstaaten. Sp&auml;testens nach der prim&auml;rrechtlichen Verankerung dieses demokratischen Legitimationsverbundes in Art. 10 EUV folgt aus diesem Verbund, dass Gef&auml;hrdungen des demokratischen Prozesses auf einer der Ebenen unmittelbare Auswirkungen auf die Funktionsf&auml;higkeit des Verbundes insgesamt begr&uuml;nden k&ouml;nnen. Zudem ger&auml;t auch eine immer engere Union als Zielperspektive der EU9 ins Wanken, wenn das repr&auml;sentativ-demokratische Movens auf einer der beiden demokratischen Legitimationsebenen ins Stottern ger&auml;t.10<\/p>\n<p>F&uuml;r viele EU-B&uuml;rger ist die zunehmende Europ&auml;isierung des demokratischen Prozesses intransparent und l&ouml;st Zweifel an den eigenen Mitwirkungsm&ouml;glichkeiten aus.11 Die Zunahme der sozio&ouml;konomischen Ungleichheit, die Prekarisierung der unteren Schichten, der Bedeutungsverlust von Volksparteien, Gewerkschaften und anderen gro&szlig;en kollektiven Organisationen, die f&uuml;r die politische Sozialisation gerade des unteren Schichtungsdrittels der Gesellschaft eine wichtige Rolle im 20. Jahrhundert spielten, blockierte Aufstiegschancen und gebrochene Aufstiegsversprechen haben in der gesamten EU die Politik- und Demokratieverdrossenheit bildungsferner B&uuml;rger gen&auml;hrt12 und bef&ouml;rdern einen Prozess der &#8222;Aush&ouml;hlung&#8220; der europ&auml;ischen Demokratien.13<\/p>\n<p>Zus&auml;tzliche Gef&auml;hrdungen der demokratischen Legitimationsf&auml;higkeit einer Union Europas drohen durch eine politische Str&ouml;mung, die sowohl in der politikwissenschaftlichen Forschung als auch in der politischen und medialen &Ouml;ffentlichkeit als &#8222;Rechtspopulismus&#8220; bezeichnet wird.14 Zwar tritt diese Str&ouml;mung nicht als monolithischer gesamteurop&auml;ischer Block in Erscheinung. Die kulturelle und historische Vielfalt innerhalb der EU wirkt gerade bei Parteien, die sich auf das jeweilige nationale Erbe als Bezugspunkt fixieren, hemmend bei der Verdichtung rechtspopulistischer Vernetzung.<\/p>\n<p>So beziehen sich rechtspopulistische Kr&auml;fte in Ost- und Mitteleuropa aufgrund ihrer Traditionen meist auf autorit&auml;re Politikkonzepte aus der ersten H&auml;lfte des 20. Jahrhunderts. Dagegen inszenieren sich die Rechtspopulisten in den alten Demokratien mitunter als &#8222;wahre Vertreterin&#8220; der demokratischen Traditionen und Werte ihres Landes. Das Nebeneinander von gemeinsamer Abwehr-Haltung und nationalen Besonderheiten im Konzept der &#8222;Fremden&#8220;-Entrechtung zeigt sich auch im Identit&auml;tsverst&auml;ndnis der Rechtspopulisten: Von einem antisemitischen Grundkonsens kann keine Rede mehr sein, wohl aber von einem anti-muslimischen Kern von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. In Osteuropa erscheinen die &#8222;Feindgruppen&#8220; in der Regel anders und breiter gefasst als in Westeuropa, der Hass ist h&auml;ufig aggressiver und richtet sich vornehmlich gegen Juden, ethnische Minderheiten und Homosexuelle.15 Hier mag die kulturelle Pr&auml;gung von vier Jahrzehnten real existierender sozialistischer Moral ebenso fortwirken wie das orthodoxe, katholisch-verklemmte Erbe von Jahrhunderten. Auch die &Auml;ngste gegen&uuml;ber einer globalisierten Welt scheinen in osteurop&auml;ischen L&auml;ndern weiter verbreitet. Insofern wirkt sich m&ouml;glicherweise die versp&auml;tete Integration dieser L&auml;nder in den europ&auml;isch-transatlantischen Wirtschafts- und Werteverbund &auml;hnlich problematisch aus wie die versp&auml;tete Nationenbildung Deutschlands im 19. Jahrhundert: &Uuml;bersteigerter Nationalismus wirkt als Folge zu lange unterdr&uuml;ckten Selbst-Bewusstseins.<\/p>\n<p>Zwar unterscheiden sich historische Herkunft, politische Programmatik und W&auml;hlermilieus rechtspopulistischer Parteien in nicht unerheblichem Umfang. Bei den Positionierungen zu gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fragestellungen gibt es, je nach Thema, inhaltliche Schnittfl&auml;chen zu rechten wie linken Positionen im parteipolitischen Spektrum.16 Doch wenn rechtspopulistische Bewegungen in so unterschiedlichen L&auml;ndern wie D&auml;nemark, Frankreich, Italien, den Niederlanden, &Ouml;sterreich, Polen, der Slowakei, oder Ungarn immer st&auml;rker werden, muss es gemeinsame und (daher) systemische Ursachen geben. Diese w&uuml;rden durch die schwerpunktm&auml;&szlig;ige oder gar alleinige Betrachtung nationaler Erfolgsfaktoren ausgeblendet. Aus demokratischer Perspektive gibt es im organisierten Rechtspopulismus in Europa besorgniserregende &Uuml;bereinstimmungen, die ungeachtet des Gebots differenzierender Analyse eine gemeinsame Betrachtung rechtfertigen.<\/p>\n<h5><span id=\"rechtspopulistische-erfolge-in-der-eu-eine-zwischenbilanz\">Rechts&shy;po&shy;pu&shy;lis&shy;ti&shy;sche Erfolge in der EU &ndash; eine Zwischen&shy;bi&shy;lanz<\/span><\/h5>\n<p>Nicht nur in &Ouml;sterreich (Freiheitliche Partei &Ouml;sterreichs, FP&Ouml;), den Niederlanden (Partij voor de Vrijheid, PVV), im Baltikum (z.B. Lettland: Te?vzemei un Bri?vi?bai\/LNNK) und in Skandinavien (z.B. Schweden: Sverigedemokraterna, SD; D&auml;nemark: Dansk Folkeparti, DF) ist rechtspopulistischen Parteien inzwischen &#8211; z.&nbsp;T. schon wiederholt &#8211; der Sprung in die jeweiligen nationalen Parlamente gelungen. In Finnland (Perussuomalaiset, kurz Perus; deutsch seit 2012: Die Finnen), Polen (Prawo i Sprawiedliwos?c?, PiS), Ungarn (Fidesz17 &#8211; Magyar Polg&aacute;ri Sz&ouml;vets&eacute;g; deutsch: Fidesz &#8211; Ungarischer B&uuml;rgerbund), in der Slowakei und in Kroatien sind rechtspopulistische Kr&auml;fte sogar seit einiger Zeit Teil von Regierungskoalitionen.18<\/p>\n<p>Wahlerfolge haben Rechtspopulisten aber nicht nur auf der Ebene der Mitgliedstaaten der EU vorzuweisen. Ungeachtet ihrer Fundamental-Kritik an der EU ist es rechtspopulistischen Kr&auml;ften auch gelungen, ihre Stellung innerhalb des Europ&auml;ischen Parlaments (EP) auszubauen und finanzielle F&ouml;rderungen seitens der EU zu aktivieren.<\/p>\n<p>Rechtspopulistische und -extremistische Parteien und W&auml;hlergruppen konnten bei den Wahlen zum EP im Mai 2014 rund 140 von 751 Sitzen erobern. In Frankreich wurde der Front National (FN) mit 26&nbsp;% der Stimmen st&auml;rkste Kraft, im Vereinigten K&ouml;nigreich wurde dies die United Kingdom Independent Party (UKIP) mit sogar 28&nbsp;% der Stimmen. In Ungarn errang die rechtspopulistische Fidesz-Partei von Regierungschef Viktor Orban 51,5&nbsp;% der Stimmen, die rechtsextreme Partei Jobbik erzielte hier zudem 14,7&nbsp;%. In Polen gewann die rechtspopulistische PiS (deutsch: Recht und Gerechtigkeit) 31,78&nbsp;% der Stimmen und der Kongres Nowej Prawicy (KNP, deutsch: Kongress der Neuen Rechten) 7,2 % der Stimmen. In D&auml;nemark wurde die DF mit 23&nbsp;% der Stimmen st&auml;rkste Partei, in &Ouml;sterreich erzielte die rechtspopulistische FP&Ouml; fast 8&nbsp;% Zuwachs und landete mit 20,5&nbsp;% auf dem dritten Platz. Gleiches gelang der rechtspopulistischen Partei Die Finnen mit fast 13&nbsp;% der Stimmen.<\/p>\n<p>Allerdings konnten rechtspopulistische Parteien nicht &uuml;berall in Europa Stimmengewinne verzeichnen. In Belgien, Italien und den Niederlanden verloren der Vlaams Belang (VB), die Lega Nord (LN) und die Partij voor de Vrijheid (PVV) zwischen drei und sechs Prozent. Auch in den von der Wirtschafts- und Finanzkrise seit 2007\/2008 besonders betroffenen EU-Mitgliedstaaten Griechenland und Spanien blieben rechtspopulistische Parteien ohne besondere Wahlerfolge. Es gibt zudem auch weiterhin Mitgliedstaaten wie Irland oder Portugal, in denen rechtspopulistische oder -extremistische Parteien zumindest seit deren EU-Mitgliedschaft keine Rolle mehr spielen.19<\/p>\n<p>Ob der politische Erfolg von rechtspopulistischen Parteien wie des FN &uuml;ber das Mehrheitswahlrecht wie in Frankreich auch weiterhin einged&auml;mmt werden kann, erscheint offen. Aber selbst wenn es weiterhin &#8222;republikanische&#8220; Absprachen zur Vermeidung von rechtspopulistischen Erfolgen in Stichwahlen geben sollte,20 zeichnet sich doch eine Pr&auml;gung der politisch-programmatischen Agenda f&uuml;hrender Repr&auml;sentanten anderer Parteien durch Anleihen bei rechtspopulistischen Positionen ab.21 Insbesondere in Referenden wie z.B. der Abstimmung in den Niederlanden zum EU-Ukraine-Assoziierungsabkommen (am 6. April 2016)22 gewinnen rechtspopulistische Positionen ein erhebliches Gewicht.<\/p>\n<p>Dies mag eine weitere programmatische Gemeinsamkeit rechtspopulistischer Bewegungen in Europa bef&ouml;rdern: Sie k&auml;mpfen f&uuml;r eine St&auml;rkung der plebiszit&auml;ren Demokratie im Verfassungsgef&uuml;ge ihrer Heimatl&auml;nder. Wo sie &#8211; wie in Ungarn &#8211; an der Macht sind, bedienen sie sich dabei auch des Instruments der manipulativen Befragung, um anti-humanit&auml;re und anti-pluralistische Ressentiments zus&auml;tzlich zu bef&ouml;rdern.23<\/p>\n<p>Nach den Wahlen vom Mai 2014 haben sich im EP acht Fraktionen24 gebildet, von denen zwei ein rechtspopulistisches Profil aufweisen: Die Fraktion &#8222;Europa der Freiheit und der direkten Demokratie&#8220; mit aktuell 45 Abgeordneten und die Fraktion &#8222;Europa der Nationen und Freiheit&#8220; mit aktuell 38 Fraktionsmitgliedern.<\/p>\n<p>St&auml;rkste Kr&auml;fte innerhalb der Fraktion &#8222;Europa der Freiheit und der direkten Demokratie&#8220; sind die britische United Kingdom Independent Party25 mit derzeit 22 und die italienische F&uuml;nf-Sterne-Bewegung mit 17 Abgeordneten. Weitere Abgeordnete kommen aus Schweden, Frankreich, Litauen, Polen und Tschechien.<\/p>\n<p>St&auml;rkste Kraft innerhalb der Fraktion &#8222;Europa der Nationen und Freiheit&#8220; ist der franz&ouml;sische Front National (FN) mit 20 MdEP. Der Fraktion geh&ouml;ren ferner 5 Mitglieder der italienischen Lega Nord, je vier Mitglieder der &ouml;sterreichischen FP&Ouml; und der niederl&auml;ndischen Partei f&uuml;r die Freiheit (PVV) sowie Abgeordnete des polnischen KNP, des belgischen Vlaams Belang (VB), aus dem Vereinigten K&ouml;nigreich und Rum&auml;nien an.<\/p>\n<p>Mit Blick auf die inhaltlich-programmatischen Schnittmengen zwischen diesen Fraktionen erscheint weder eine thematische noch eine organisatorische Ann&auml;herung von vornherein ausgeschlossen.26 Einen gewissen Schutz vor einer solchen Ann&auml;herung bietet allerdings die offene F&uuml;hrungsfrage in einer solchen kooperativen Verdichtung.<\/p>\n<p>Als besonderes Problem f&uuml;r eine aktive Eind&auml;mmungspolitik gegen&uuml;ber dem Einfluss rechtspopulistischer Kr&auml;fte auf die EU erweist sich im &Uuml;brigen, dass einzelne Parteifamilien des konservativ-liberalen Spektrums bereit waren und sind, entsprechende Parteien in ihrer Parteifamilie bzw. in ihrer EP-Fraktion aufzunehmen. Die fortdauernde Mitgliedschaft der Fidesz-Partei in der EVP und deren EP-Fraktion sowie das gelegentliche Hofieren dieser Partei auch mit Blick auf innerstaatliche Debatten behindert die konsequente Auseinandersetzung mit Rechtspopulismus auf der Ebene eines Konsenses wertegebundener Demokraten. Gleiches gilt f&uuml;r die Mitgliedschaft der Dansk Folkeparti in der Fraktion der &#8222;Europ&auml;ischen Konservativen und Reformer (EKR)&#8220;, einer Abspaltung der EVP-Fraktion unter F&uuml;hrung der britischen Tories. Rechtspopulisten sind im parlamentarischen Alltag des EP salonf&auml;hig geworden.<\/p>\n<h5><span id=\"rechtspopulismus-in-europa-ursachen-und-kennzeichen-bei-europaeisch-vergleichender-betrachtung\">Rechts&shy;po&shy;pu&shy;lismus in Europa &ndash; Ursachen und Kennzeichen bei europ&auml;isch verglei&shy;chender Betrachtung<\/span><\/h5>\n<p>F&uuml;nf miteinander verwobene Mobilisierungsstrategien rechtspopulistischer Bewegungen sind bei einer europ&auml;isch vergleichenden Betrachtung besonders bedeutsam:27 Diese bem&uuml;hen sich, (1.) sich mit Tabubr&uuml;chen gegen &#8222;political correctness&#8220; als Sprachrohr einer &#8222;schweigenden Mehrheit&#8220; zu profilieren, (2.) soziale und &ouml;konomische Probleme als Ausfluss des Versagens etablierter, auf Pluralismus und repr&auml;sentativer Demokratie gest&uuml;tzter politischer Prozesse zu brandmarken und hierdurch f&uuml;r sich zu nutzen, (3.) die etablierten politischen Akteure als per se korrupt und machtversessen zu diskreditieren, (4.) eine nationale Identit&auml;tszuschreibung als attraktiv und zukunftsgerichtet zu kennzeichnen sowie (5.) die Mechanismen medialer Skandalisierung28 zur Profilierung undifferenzierter politischer L&ouml;sungsans&auml;tze f&uuml;r gesellschaftliche Konflikte zu bef&ouml;rdern.29 Dabei profitieren die Bewegungen von aktuellen gesellschafts-, sozial- und wirtschaftspolitischen Krisen: einer Verteilungs- und Zugangskrise, einer Repr&auml;sentationskrise der Politik sowie einer Identit&auml;tskrise. Allen diesen Krisenph&auml;nomenen ist eigen, dass sie durch die jahrzehntelange Ausbreitung des Neoliberalismus in Wissenschaft, Medien und Politik seit den 1970er Jahren bef&ouml;rdert wurden.30 Der Aufstieg des Rechtspopulismus wurde insoweit auch durch einen Politikansatz bef&ouml;rdert, der auf &#8222;marktkonforme Demokratie&#8220;31 statt auf eine demokratische und soziale B&auml;ndigung der Marktkr&auml;fte im Interesse von Wohlstand f&uuml;r alle setzt.<\/p>\n<p>Auch das nationalistisch verengte &#8222;K&uuml;mmerer&#8220;-Image, um das sich rechtspopulistische Kr&auml;fte im Zeichen (neo-)liberaler Verweise auf die Selbstverantwortung jedes Einzelnen bem&uuml;hen, d&uuml;rfte f&uuml;r diesen Aufstieg hilfreich sein: Rechtspopulistische wie -extremistische Parteien rekurrieren auf Abstiegs-, Verlust- und Bedrohungs&auml;ngste weiter Teile der Bev&ouml;lkerung in den Mitgliedstaaten der EU, betonen ihre Anteilnahme an den Sorgen von Krisenverlierern um ihre Zukunft und verhei&szlig;en soziale W&auml;rme in der nationalen (Volks-)Gemeinschaft.32<br \/>Dieser Appell an latente &Auml;ngste, Vorurteile und Ressentiments,33 verbunden mit der Ansprache weitverbreiteter Aversionen und Ressentiments gegen&uuml;ber Arbeitsmigranten, Asylbewerbern und Ausl&auml;ndern34 generell, hat mit dem Abbau wohlfahrtsstaatlicher Strukturen seit den 1990er Jahren,35 verst&auml;rkt nochmals seit der Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2007\/200836 und der Fl&uuml;chtlingskrise 2015 zus&auml;tzlichen Resonanzboden in einer Vielzahl von EU-Mitgliedstaaten gefunden. Insofern kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich ohne wirksame Gegenstrategien der Aufstieg des Rechtspopulismus auch in Westeuropa fortsetzt und es ihnen gelingt, W&auml;hler aus der Mittelschicht anzusprechen.37<\/p>\n<p>Eine solche Selbstentfesselung des Rechtspopulismus kann bef&ouml;rdert werden durch die Betonung politisch-kultureller B&uuml;rgerlichkeit:38 Von einer &#8222;autorit&auml;ren Bewegung mit menschlichem Antlitz&#8220; kann man bei rechtspopulistischen Kr&auml;ften insoweit sprechen, als der Ruf nach einer starken F&uuml;hrungsfigur sowie nach der Einschr&auml;nkung von Pluralismus und bestimmten Minderheitenrechten einhergeht mit dem Bem&uuml;hen um zivile, b&uuml;rgerliche Umgangsformen, der Betonung einer vermeintlichen Werteorientierung des eigenen politischen Handelns sowie der Selbstinszenierung als &#8222;Anwalt des kleinen Mannes&#8220;.39<\/p>\n<p>Allen Ausformungen rechtspopulistischer Str&ouml;mungen ist aus dem Blickwinkel eines freiheitlich-demokratischen, an den menschenrechtlich fundierten Grundwerten des modernen westlichen Verfassungsstaates orientierten Gesellschafts- und Staatsverst&auml;ndnisses eigen, dass sie Politik nicht als pragmatisches Handeln zu sittlichen Zwecken40 verstehen, sondern als eine auf Ausgrenzung und Mobilisierung von Affekten ausgerichtete Angelegenheit. Nicht zuletzt mit Blick auf verschiedene Facetten des Prozesses der Europ&auml;isierung41 und Globalisierung42 bem&uuml;hen sich Rechtspopulisten um Profilierung als Feinde einer offenen, grenzenlosen Gesellschaft, die nicht f&uuml;r die Freiheit, sondern f&uuml;r die Sicherheit planen.43 Insoweit kann man von einem anti-pluralistischen44 wie einem anti-integrativen Grundkonsens der Rechtspopulisten in der EU sprechen. In osteurop&auml;ischen Staaten wird die scharfe Ablehnung der EU vielfach auch noch durch den Widerwillen bef&ouml;rdert, die nach dem Ende des Ostblocks 1989\/90 wiedergewonnene Souver&auml;nit&auml;t gleich wieder nach Br&uuml;ssel, Luxemburg und Stra&szlig;burg abzugeben.45<\/p>\n<p>In Abgrenzung zu rechtsextremistischen Positionen verzichten rechtspopulistische Kr&auml;fte zwar auf die Leugnung nazistischer und faschistischer Menschheitsverbrechen.46 Sie beteiligen sich vergangenheitspolitisch allerdings an apologetischen Tendenzen, das Erbe der Unmenschlichkeit zu entsorgen47 und totalit&auml;re Fehlwege in der Geschichte der Nationen als Vergangenheit vergehen zu lassen.48 An die Stelle einer differenzierten, auch selbstkritischen Befragung der Nationalgeschichte soll der uneingeschr&auml;nkte Stolz auf das historische Erbe treten. In Abgrenzung zu Rechtsextremisten verzichten Rechtspopulisten auf die Bef&uuml;rwortung von Gewalt zur Durchsetzung ihrer Ziele sowie auf die Aufforderung zum Umsturz der bestehenden Verfassungsordnung.49 Rechtspopulistische Parteien wollen sich in Wahlen bew&auml;hren. Sie setzen nicht auf die Abschaffung des formalen Wahlakts, wohl aber auf die Schaffung von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die den demokratischen Wechsel zu ihren Lasten erheblich erschweren.<\/p>\n<p>Der freiheitliche, s&auml;kularisierte Staat lebt nach dem sog. B&ouml;ckenf&ouml;rde-Diktum50 von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann. Rechtspopulistische Kr&auml;fte zielen auf die Erosion dieser Voraussetzungen. Sie bem&uuml;hen sich insbesondere um die Schaffung von medialen, zivilgesellschaftlichen und staatsorganisatorischen Rahmenbedingungen, die einen dauerhaften Abschied vom freiheitlich-pluralen Staatsverst&auml;ndnis in der politischen Praxis erm&ouml;glichen.<br \/>Hinsichtlich dieser Schritte in Richtung auf eine &#8222;Versteinerung der politischen Verh&auml;ltnisse &uuml;ber die Legislaturperiode hinaus&#8220;51 sind die &Uuml;berg&auml;nge zwischen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus teilweise flie&szlig;end.52 Beide eint eine programmatische Ausrichtung, die durch ein Freund-Feind-Denken, die Ablehnung und die Forderung nach Ausschluss von &#8222;Fremdem&#8220; sowie eine nationalistische resp. v&ouml;lkische Ausrichtung der Wirtschafts- und Sozialpolitik gepr&auml;gt ist. Als &#8222;Schuldige&#8220; f&uuml;r aktuelle wie andauernde Krisen und damit als &#8222;Feinde&#8220; werden &#8222;die da oben&#8220;, insbesondere &#8222;die Kaste&#8220;, &#8222;das Finanzkapital&#8220;, die &#8222;Altparteien&#8220;, die &#8222;L&uuml;genpresse&#8220;, etc. und eben auch die EU, sowie &#8222;unten&#8220; Muslime, Fl&uuml;chtlinge, Fremde etc. identifiziert.53 Gem&auml;&szlig; dieser rechtspopulistischen Abgrenzungstheorie muss das &#8222;Fremde&#8220; aus Staat und Gesellschaft ausgeschlossen werden, um das &Uuml;berleben der eigenen Nation und damit des eigenen Selbst zu sichern. Wie weit diese Forderung nach Exklusion von Menschen reicht, die anderen Ethnien, Religionen oder gesellschaftlichen Randgruppen angeh&ouml;ren (z.&nbsp;B. Behinderte, Obdachlose oder Arbeitslose), differiert zwischen den rechtspopulistischen Programmen in Europa &#8211; das Grundprinzip bleibt indessen unber&uuml;hrt.<\/p>\n<p>Rechtspopulistische Parteien z&auml;hlen in der EU zu den entschiedensten Kritikern von Neoliberalismus, Globalisierung und Wohlfahrtsstaatsabbau &#8211; allerdings mit einer klaren nationalistischen Note.54 Insofern k&ouml;nnen W&auml;hlerwanderungen von fr&uuml;heren W&auml;hlern linker Parteien, namentlich von Arbeitern mit einem relativ niedrigen formalen (Aus-)Bildungsstand55 hin zu rechtspopulistischen Parteien nicht &uuml;berraschen.56 Insbesondere in den skandinavischen L&auml;ndern, in denen soziale Gerechtigkeit traditionell ein hoher Wert ist,57 kritisieren rechtspopulistische Parteien offensiv den aktuellen Abbau des Sozialstaates. Beim Auf- und Ausbau des Wohlfahrtsstaates bis in die 1960er-Jahre hinein sei der starke gesellschaftliche Zusammenhalt und die nationale Solidarit&auml;t nur m&ouml;glich gewesen, weil es kaum Migranten\/-innen in der Gesellschaft gegeben habe. Kern dieses zentralen Bestandteils der rechtspopulistischen Programmatik ist ein umfassender, auf wirtschaftliche, soziale und kulturelle Fragen ansprechender Protektionismus, der auf den Schutz und die Bevorzugung des eigenen Volks58 und preference nationale59 gerichtet ist.60<\/p>\n<p>Aus &ouml;konomisch-sozialer Perspektive l&auml;sst sich der Aufstieg rechtspopulistischer Kr&auml;fte in Europa als ein Aufstand der Modernisierungsverlierer kennzeichnen. Dieser richtet sich sowohl gegen die wachsenden Einkommensunterschiede, Massenarbeitslosigkeit und relative Marginalisierungstendenzen,61 als auch gegen das bisherige Unverm&ouml;gen sowie den vielfach fehlenden Willen der etablierten Parteien (einschlie&szlig;lich der sozialdemokratischen) und Eliten, diesen Prozessen wirksam entgegenzusteuern. Auf die zunehmenden sozialen Unterschiede reagieren Rechtspopulisten nicht mit Bem&uuml;hungen um eine soziale Korrektur des Europ&auml;isierungs- und Globalisierungsprozesses, sondern mit der vollst&auml;ndigen Ablehnung &ouml;konomischer Globalisierungs- und Modernisierungsprozesse als solcher.62<\/p>\n<p>Soziale und &ouml;konomische Motive allein k&ouml;nnen den Aufstieg rechtspopulistischer Parteien und Parteienb&uuml;ndnisse nicht erkl&auml;ren.63 Globalisierungskritisch sind Rechtspopulisten auch deshalb, weil es ihnen nach der Programmatik ihrer Parteien um die Bewahrung und den Schutz der eigenen kulturellen und nationalen Identit&auml;t geht,64 wobei sie an eine kulturelle Verunsicherung in weiten Teilen der Bev&ouml;lkerung ankn&uuml;pfen k&ouml;nnen65. Insoweit setzt die rechtspopulistische Programmatik auf politische, und kulturelle Selbstverteidigung gegen&uuml;ber dem &#8222;Fremden&#8220;, sei dieses &#8222;Fremde&#8220; die europ&auml;ische Integration, Migration oder der wachsende islamische Bev&ouml;lkerungsanteil. Auch in der Mitgliedschaft rechtspopulistischer Parteien scheint die anti-islamische Einstellung von besonderer Bedeutung.66 Die Verteidigung des &#8222;Rechts auf kulturelle Differenz&#8220;67 und des &#8222;Rechts auf Identit&auml;t&#8220; sowie deren Bewahrung vor Multikulturalismus und Globalisierung weisen einen klaren integrationsfeindlichen Akzent auf. Rechtspopulisten offerieren die ethnisch homogene Gesellschaft als Identifikationsm&ouml;glichkeit, indem sie Begriffe wie &#8222;Nation&#8220; und &#8222;Volk&#8220; &uuml;berh&ouml;hen.68 Integrationsprojekte wie der Euro und Schengen stellen aus Sicht von Rechtspopulisten deshalb besonders aggressiv zu bek&auml;mpfende Fehlentwicklungen dar, weil sie auf freiheitliche und solidarische &Uuml;berwindung nationalstaatlichen Denkens gerichtet sind. Umgekehrt drohen Entsolidarisierungseffekte innerhalb der EU im Zuge der aktuellen Krisen rechtspopulistisches Denken weiter zu bef&ouml;rdern. Das Brexit-Votum hat sowohl in seiner plebiszit&auml;ren wie in seiner anti-solidarischen Bedeutung diesen Politikansatz weiter gest&auml;rkt.<\/p>\n<p>Die &#8222;Erkl&auml;rungstheorien&#8220; rechtspopulistischer Kr&auml;fte f&uuml;r politische, &ouml;konomische und soziale Missst&auml;nde sind durch ihre einfache und dichotome Sichtweise gepr&auml;gt: Sie trennen zwischen Gut und B&ouml;se, zwischen Freund und Feind &#8211; und nehmen nicht selten den Charakter von Verschw&ouml;rungstheorien an.69 Undifferenzierte Pauschalurteile &uuml;ber &#8222;den Islam&#8220;, die ihn tendenziell mit dem politisch ideologisierten Islam (Islamismus) oder gar islamistischem Terrorismus gleichsetzen, sind neben der EU-Kritik ein Markenkern des Rechtspopulismus.70 Generell wird &#8222;dem Islam&#8220; dabei vorgeworfen, er stehe &#8222;abendl&auml;ndischen&#8220; Grundwerten und Normen wie der Trennung von Kirche und Staat, Demokratie, der Gleichwertigkeit von Mann und Frau, der Freiheit der Religion und der Meinungs&auml;u&szlig;erung sowie dem Respekt vor Minderheiten diametral entgegen. Mit dieser islamophoben Grundrichtung wird zugleich den rechtspopulistischen Forderungen nach &#8222;nationaler Pr&auml;ferenz&#8220; in Bezug auf Arbeitspl&auml;tze und wohlfahrtsstaatliche Leistungen ein ideologischer Unterbau verliehen.71<\/p>\n<p>Nicht nur gemeinsame &#8222;Feindbilder&#8220; im gesellschaftlichen Raum, sondern auch eine gemeinsame medien- und netzpolitische Konzeption f&ouml;rdert Aufstieg wie Zusammenarbeit rechtspopulistischer Kr&auml;fte in Europa. Dazu z&auml;hlen die Kritik an der &#8222;Systempresse&#8220; und die Aus- oder Gleichschaltung bisheriger vielfaltssichernder Organisationsformen im Bereich der Medien bei eigener Regierungs&uuml;bernahme, sowie die offensive Nutzung neuer Medien. Insoweit wiederholt sich durchaus ein aus autorit&auml;ren und totalit&auml;ren Systemen bekanntes Muster der Parallelit&auml;t von gestrigem Inhalt und moderner Darbietungsform.72<\/p>\n<h5><span id=\"rechtspopulistische-herausforderungen-fuer-die-werteorientierung-der-eu\">Rechts&shy;po&shy;pu&shy;lis&shy;ti&shy;sche Heraus&shy;for&shy;de&shy;rungen f&uuml;r die Werte&shy;o&shy;ri&shy;en&shy;tie&shy;rung der EU<\/span><\/h5>\n<p>Die EU war von Beginn an mehr als eine blo&szlig;e Wirtschaftsgemeinschaft. Die Werteorientierung des europ&auml;ischen Integrationsprozesses hat nunmehr in Art. 2 EUV eine normative Verankerung gefunden.73 Je st&auml;rker allerdings die pluralistische Vielfalt (auch normativ) fixiert wurde, um so bedeutsamer wurde das Beharren auf traditionellen Werteorientierungen als Scho&szlig; rechtspopulistischen Wachstums. An die Stelle eines auf die Verkn&uuml;pfung von Erbe und Austausch, von Bewahrung und Offenheit f&uuml;r Neues gerichteten kulturellen Ansatzes, wie er das kulturelle Verst&auml;ndnis der EU pr&auml;gt,74 tritt ein hermetisches kulturelles Selbst-Verst&auml;ndnis, in dem Fremdes nicht als Chance, sondern als Gefahr wahrgenommen wird.<\/p>\n<p>Mit dem Anwachsen rechtspopulistischer Str&ouml;mungen innerhalb der EU und ihrer Mitgliedstaaten gewinnt die Frage nach der Handlungs- und Abwehrf&auml;higkeit der EU als Wertegemeinschaft zunehmendes Gewicht.75 Denn der Umstand, dass eigene Mitgliedstaaten fundamentale Grunds&auml;tze der Achtung der Menschenw&uuml;rde, der Rechtsstaatlichkeit, der Wahrung der Menschenrechte, des Pluralismus und der Toleranz missachten, stellt die Glaubw&uuml;rdigkeit der EU im Innern wie nach au&szlig;en76 in Frage: Ein Dulden wertemissachtenden Verhaltens der Regierungen von EU-Mitgliedstaaten provoziert Nachahmungseffekte in weiteren Mitgliedstaaten und beeintr&auml;chtigt die F&auml;higkeit der EU, glaubhaft die Einhaltung dieser Werte auch in Drittstaaten einzufordern. Die Unterst&uuml;tzung rechtspopulistischer Kr&auml;fte durch die russische Regierung entspringt erkennbar auch dem Bem&uuml;hen um eine Schw&auml;chung des Wertefundaments der EU.77 Die Frage, wie wehrhaft die europ&auml;ische Demokratie ist,78 ber&uuml;hrt mithin die Entwicklungs- und Gestaltungsperspektiven der EU nach innen wie nach au&szlig;en.<\/p>\n<p>Mit Blick auf die Wehrhaftigkeit der europ&auml;ischen Demokratie erscheint jede Finanzierung rechtspopulistischer Kr&auml;fte durch die EU als Widerspruch in sich. Eine solche F&ouml;rderung findet nicht nur &uuml;ber die beiden genannten, offen rechtspopulistischen Fraktionen sowie die Mitwirkung in anderen Fraktionen statt, die sich zu ihrer Gr&uuml;ndung auf Kompromisse bei einem konsequenten Kampf gegen Rechtspopulismus in der EU einlie&szlig;en.. Rechtspopulistische Parteien werden auch auf der Grundlage des Art.&nbsp;224 AEUV gef&ouml;rdert.79 Finanzierungsf&auml;hig ist eine solche Partei nach geltender Rechtslage zwar nur, wenn ihr Programm und ihre T&auml;tigkeiten im Einklang mit den Werten stehen, auf die sich die Union gem&auml;&szlig; Artikel 2 EUV gr&uuml;ndet. Dessen ungeachtet erfahren aktuell F&ouml;rderung aus EU-Mitteln:<\/p>\n<ul>\n<li>die im Oktober 2009 gegr&uuml;ndete und im Februar 2012 vom EP anerkannte &#8222;Europ&auml;ische Allianz der nationalen Bewegungen&#8220; (Alliance of European National Movements, AENM). Ihr geh&ouml;ren als Mitgliedsparteien die ungarische Jobbik sowie weitere rechtsextreme Parteien aus Belgien, Bulgarien, Italien, Polen, Portugal, Slowenien, Spanien und dem Vereinigten K&ouml;nigreich an. <\/li>\n<li>die im Herbst 2010 gegr&uuml;ndete und im Februar 2011 durch das EP anerkannte &#8222;Europ&auml;ische Allianz f&uuml;r Freiheit&#8220; (European Alliance for Freedom, EAF), der u.a. f&uuml;hrende Politiker von FN, FP&Ouml; und VN angeh&ouml;ren. <\/li>\n<li>die im Oktober 2014 gegr&uuml;ndete und im Dezember 2014 anerkannte &#8222;Bewegung f&uuml;r ein Europa der Nationen und der Freiheit&#8220; (Mouvement pour l&#8217;Europe des nations et des libert&eacute;s, MENL). Ihr geh&ouml;ren als Mitgliedsparteien der FN,80 die FP&Ouml;, der VB, die Lega Nord und die tschechische Svoboda a p?&iacute;m&aacute; demokracie an.81 <\/li>\n<\/ul>\n<h5><span id=\"rechtspopulismus-als-moeglicher-katalysator-einer-wehrhaften-europaeischen-demokratie-und-rechtsstaatlichkeit\">Rechts&shy;po&shy;pu&shy;lismus als m&ouml;glicher Katalysator einer wehrhaften europ&auml;&shy;i&shy;schen Demokratie und Rechts&shy;s&shy;taat&shy;lich&shy;keit<\/span><\/h5>\n<p>Es ist eine beunruhigende Entwicklung, dass in Mitgliedstaaten, in denen rechtspopulistische Parteien f&uuml;hrend an der Regierung beteiligt sind, die Politik dieser Regierungen zunehmend autokratische Z&uuml;ge aufweist. Besonderes Kennzeichen sind insbesondere Schritte zu einer Politik der Machtkonzentration und -absicherung nicht zuletzt durch Einschr&auml;nkung der Medienfreiheit sowie der Unabh&auml;ngigkeit der Justiz.82<\/p>\n<p>Um Fehlentwicklungen des demokratischen Prozesses, die dessen Bestand gef&auml;hrden, unterbinden zu k&ouml;nnen, hat sich w&auml;hrend und nach den Erfahrungen mit totalit&auml;ren und autorit&auml;ren politischen Systemen nicht nur in Deutschland,83 sondern auch in anderen EU-Mitgliedstaaten84 das Konzept der wehrhaften Demokratie entwickelt: Durch eine gesellschaftliche und politische Auseinandersetzung, aber auch mit Mitteln des Rechts soll die Demokratie gegen Feinde und Gef&auml;hrder verteidigt werden. In Deutschland erlebt dieses Konzept mit Blick auf das laufende NPD-Parteiverbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht eine aktuelle Bew&auml;hrungsprobe (s. dazu den Beitrag von Will in diesem Heft).<\/p>\n<p>Auch in der EU als demokratischem Integrationsverbund ist wehrhafte Demokratie im Werden. M&ouml;gliche Adressaten entsprechender Abwehrma&szlig;nahmen gegen demokratie- und pluralismusgef&auml;hrdende Aktivit&auml;ten sind sowohl rechtspopulistisch regierte Mitgliedstaaten als auch rechtspopulistische europ&auml;ische politische Parteien.<\/p>\n<p>Das sch&auml;rfste Schwert, dass der EU-Vertrag gegen Mitgliedstaaten zur Verf&uuml;gung stellt, die sich gegen das Wertefundament des europ&auml;ischen Demokratie- und Verfassungsverbundes stellen, ist dessen Artikel 7.85 Indessen ist die Aktivierung dieses Instruments materiell- und verfahrensrechtlich an hohe H&uuml;rden gekoppelt: Auf begr&uuml;ndeten Vorschlag eines Drittels der Mitgliedstaaten der EU, des EP oder der Europ&auml;ischen Kommission kann der Rat nach Art. 7 Abs. 1 EUV mit der Mehrheit von vier F&uuml;nfteln seiner Mitglieder nach Zustimmung des EP86 feststellen, dass die eindeutige Gefahr einer schwerwiegenden Verletzung der in Art. 2 EUV genannten Werte durch einen Mitgliedstaat besteht. Bei gleicher Ausgestaltung des Initiativrechts sowie des Mitwirkungsrechts des EP kann der Europ&auml;ische Rat nach Art. 7 Abs. 2 EUV (nur) einstimmig feststellen, dass eine schwerwiegende und anhaltende Verletzung der in Art. 2 EUV genannten Werte durch einen Mitgliedstaat vorliegt. Wurde die Feststellung nach Art.&nbsp;7 Abs.&nbsp;2 EUV getroffen, so kann der Rat gem&auml;&szlig; Art. 7 Abs. 3 EUV mit qualifizierter Mehrheit beschlie&szlig;en, bestimmte Rechte auszusetzen, die sich aus der Anwendung der Vertr&auml;ge auf den betroffenen Mitgliedstaat herleiten, einschlie&szlig;lich der Stimmrechte des Vertreters der Regierung dieses Mitgliedstaats im Rat.<\/p>\n<p>F&uuml;r beide Feststellungen &#8211; sowohl die Gefahr als auch das tats&auml;chliche Vorliegen einer schwerwiegenden Verletzung der in Art. 2 EUV genannten Werte durch einen Mitgliedstaat &#8211; besteht ein Beurteilungsspielraum.87 Er kann ebenso wie das Ermessen, ob gegen einen Mitgliedstaat eingeschritten wird, in einer am Grundsatz &#8222;im Zweifel f&uuml;r die Wahrung von Demokratie und Pluralismus&#8220; ausgerichteten Weise ausge&uuml;bt werden. Gem&auml;&szlig; Art. 354 Abs. 1 AEUV wirkt der betroffene Mitgliedstaat bei den entsprechenden Abstimmungen in Rat und Europ&auml;ischem Rat nicht mit, bei der Berechnung des Drittels oder der vier F&uuml;nftel der Mitgliedstaaten nach Art. 7 Abs. 1 und 2 EUV wird er au&szlig;erdem nicht ber&uuml;cksichtigt. <br \/>Allerdings existieren divergierende Einsch&auml;tzungen der politischen Akteure dar&uuml;ber, ob ein Eingreifen in einem rechtspopulistisch regierten Mitgliedstaat notwendig ist, und &uuml;ber welche generellen Mittel die EU in solchen F&auml;llen verf&uuml;gen soll. Ob sich die EU &uuml;ber Art. 7 EUV als eigenst&auml;ndiger Akteur bei der Verteidigung normierter gemeinsamer Werte gegen renitente Mitgliedstaaten profilieren kann, bleibt deshalb offen.88 Gegen eine solche Profilierungsm&ouml;glichkeit sprechen nicht zuletzt die erforderlichen Quoren in Rat und Europ&auml;ischem Rat: Je mehr rechtspopulistische Kr&auml;fte auf das Regierungshandeln von Mitgliedstaaten Einfluss nehmen k&ouml;nnen, um so schwerer ist bereits die Aktivierung des Schutzmechanismus nach Art. 7 Abs. 1 EUV. Schon hier kann sich &#8211; i.&nbsp;S. einer &#8222;Koalition der Betroffenen&#8220;89 &#8211; eine Sperrminorit&auml;t von Regierungen von Mitgliedstaaten etablieren, die von rechtspopulistischen Kr&auml;ften mitgetragen werden oder zumindest auf deren Tolerierung angewiesen sind. Dies gilt erst recht f&uuml;r die Beschlussfassung im Europ&auml;ischen Rat. Mit Blick auf den erreichten Einfluss rechtspopulistischer Bewegungen auf Regierungen einerseits und den Grad ihrer Zusammenarbeit andererseits d&uuml;rften sich beim derzeitigen Stand der Dinge Art.&nbsp;7 Abs.&nbsp;2 und 3 EUV als stumpfes Schwert im Kampf gegen rechtspopulistische Gef&auml;hrdungen und Verletzungen der Werteordnung der EU erweisen.<\/p>\n<p>Der juristische Instrumentenkasten f&uuml;r einen solchen Kampf ist indes nicht auf Art.&nbsp;7 EUV begrenzt: Die Europ&auml;ische Kommission (auf der Grundlage von Art.&nbsp;258 AEUV) sowie dritte Mitgliedstaaten (auf der Grundlage von Art. 259 AEUV) k&ouml;nnen gegen einen Mitgliedstaat, der die Werteordnung des Art. 2 EUV verletzt, ein Vertragsverletzungsverfahren vor dem EuGH einleiten. Ein solches Verfahren kann nicht nur auf eine Verletzung von sekund&auml;rem Unionsrecht wie z.B. dem Anti-Diskriminierungsrecht gest&uuml;tzt werden.90 Vielmehr ist auch Art. 2 EUV selbst ein geeigneter Pr&uuml;fungsma&szlig;stab f&uuml;r die Beurteilung der Frage, ob ein Mitgliedstaat seinen unionsrechtlichen Pflichten gen&uuml;gt. Es widerspr&auml;che dem sog. effet utile dieser Regelung, wenn man sie nicht auch zum Bezugspunkt f&uuml;r Vertragsverletzungsverfahren machen k&ouml;nnte.91 Dieses Instrumentarium zu nutzen ist beim derzeitigen Stand der Judikatur des EuGH keine Frage un&uuml;berwindbarer Rechtshindernisse, sondern der rechtspolitischen Bereitschaft, im Kampf gegen rechtspopulistische Gef&auml;hrdungen der Werteordnung auch juristische Risiken einzugehen.<\/p>\n<p>Diesen Mut zum juristischen Risiko bei der wehrhaft-demokratischen Bew&auml;ltigung rechtspopulistischer Herausforderungen braucht es auch beim Kampf gegen Verletzungen der Werteordnung durch rechtspopulistische Parteien. Zwar scheidet ein Verbot rechtspopulistischer Parteien in der EU regelm&auml;&szlig;ig wegen der engen Grenzen, die einem solchen Verbot nicht zuletzt mit dem Grundsatz der Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeit durch Art. 11 EMRK in der Auslegung durch den Europ&auml;ischen Gerichtshof f&uuml;r Menschenrechte gesetzt sind,92 aus. Ob durch das Europ&auml;ische Parlament anerkannte politische Parteien i.&nbsp;S. der EU-Verordnung Nr. 1141\/2014 &uuml;berhaupt tauglicher Adressat mitgliedstaatlicher Verbotsma&szlig;nahmen sein k&ouml;nnen, erscheint rechtlich fraglich. Auch hier w&uuml;rde gelten, dass die M&ouml;glichkeiten eines Parteiverbotes zeitlich eng begrenzt sind. Mit Aussicht auf Erfolg initiierbar w&auml;re ein solches Verbot nur innerhalb eines engen Zeitkorridors, wenn die Partei ein Mindestma&szlig; an politischer Relevanz bereits erreicht hat, dann aber nur solange, wie sie noch nicht an der Regierung eines EU-Mitgliedstaates beteiligt ist oder diese unterst&uuml;tzt.<br \/>Nicht wahrgenommen wurden bislang die M&ouml;glichkeiten auf der Grundlage der EU-Verordnung Nr. 1141\/2014, einer europ&auml;ischen politischen Partei die Eintragung nach Art. 3 dieser Verordnung und damit auch die Grundlage f&uuml;r ihre Finanzierung aus EU-Mitteln zu entziehen. Ein solches Controling im Interesse wehrhafter europ&auml;ischer Demokratie ist sowohl von Amts wegen als auch auf Initiative des EP, des Rates und der Kommission der EU m&ouml;glich. Zum einen hat die Beh&ouml;rde f&uuml;r europ&auml;ische politische Parteien und europ&auml;ische politische Stiftungen gem&auml;&szlig; Art. 10 Abs.1 dieser Verordnung von Amts wegen regelm&auml;&szlig;ig zu pr&uuml;fen, ob die eingetragenen Parteien die Beachtung der Grundwerte des Art. 2 EUV in ihrer Programmatik wie in ihrem Handeln weiterhin erf&uuml;llen. Zum anderen k&ouml;nnen das EP, der Rat oder die Kommission gem&auml;&szlig; Art. 10 Abs. 2 der Verordnung die Beh&ouml;rde auffordern zu pr&uuml;fen, ob eine bestimmte europ&auml;ische politische Partei die Grundwerte wahrenden Voraussetzungen gem&auml;&szlig; Art. 3 Abs. 1 Buchst. c erf&uuml;llt. In solchen F&auml;llen ersucht die Beh&ouml;rde den gem&auml;&szlig; Art. 11 eingerichteten Ausschuss unabh&auml;ngiger Pers&ouml;nlichkeiten diesbez&uuml;glich um eine Stellungnahme. Unter Ber&uuml;cksichtigung dieser Stellungnahme entscheidet die Beh&ouml;rde, ob sie der betreffenden Partei durch L&ouml;schen aus dem in Art. 7 der Verordnung geregelten Register die Anerkennung entzieht. Eine solche L&ouml;schung darf aber gem&auml;&szlig; Art. 10 Abs. 3 der Verordnung nur im Falle eines offensichtlichen und schwerwiegenden Versto&szlig;es gegen die Werteordnung des Art. 2 EUV erfolgen &#8211; insoweit besteht ein Beurteilungsspielraum der Akteure.<\/p>\n<h5><span id=\"abkehr-von-europaeischer-konsensdemokratie-und-entwicklung-einer-europaeischen-oeffentlichkeit-in-reaktion-auf-die-rechtspopulistische-herausforderung\">Abkehr von europ&auml;&shy;i&shy;scher Konsens&shy;de&shy;mo&shy;kratie und Entwicklung einer europ&auml;&shy;i&shy;schen &Ouml;ffent&shy;lich&shy;keit in Reaktion auf die rechts&shy;po&shy;pu&shy;lis&shy;ti&shy;sche Heraus&shy;for&shy;de&shy;rung?<\/span><\/h5>\n<p>Offen bleibt, wie jenseits des Einsatzes rechtlicher Instrumente politisch erfolgreich gegen rechtspopulistische Gef&auml;hrdungen der europ&auml;ischen Werteordnung agiert werden kann. Eine Politik der Entzauberung durch Regierungsbeteiligung, wie sie z.&nbsp;B. Fran&ccedil;ois Mitterand in Bezug auf die PCF w&auml;hrend seiner Pr&auml;sidentschaft gelang,93 ist nach den bisherigen Erfahrungswerten zumindest kein sicherer Weg, um das Erstarken rechtspopulistischer Parteien einzud&auml;mmen.<\/p>\n<p>Ob ein dezentraler Demokratieschutz &uuml;ber b&uuml;rgerschaftliches Engagement allein ein geeignetes Instrument zur Wertewahrung sein kann,94 erscheint in mehrfacher Hinsicht fraglich: Eine solche dezentrale Kontrolle der Wertewahrung setzt eine rechtsstaatliche Substanz in den Mitgliedstaaten voraus, die bei einer politischen Entscheidungsgewalt von Rechtspopulisten gerade nicht mehr besteht. Zudem droht zivilgesellschaftliche Konfliktbereitschaft gegen&uuml;ber rechtspopulistischen Kr&auml;ften ins Leere zu laufen, solange nicht gleichzeitig reale Ursachen des rechtspopulistischen Aufstiegs bek&auml;mpft werden. Dazu geh&ouml;ren nicht zuletzt auch Antworten auf die Frage, wie eine grundwerte-geleitete Wirtschafts-, Sozial- und Bildungspolitik auf nationaler und europ&auml;ischer Ebene i.&nbsp;S. einer &#8222;guten Gesellschaft&#8220; k&uuml;nftig gestaltet und vermittelt werden sollte.95<\/p>\n<p>Der Ansatz des EU-Kommissionspr&auml;sidenten Juncker, der im Vorfeld der Stichwahl um das Amt des &ouml;sterreichischen Bundespr&auml;sidenten behauptete, &#8222;mit den Rechtspopulisten (sei) weder eine Debatte noch ein Dialog m&ouml;glich&#8220;,96 vermag im Lichte der bisherigen Erfahrungen in Europa ebenso wenig zu &uuml;berzeugen wie die &Uuml;bernahme rechtspopulistischer Rhetorik, etwa der Ablehnung des Multikulturalismus und &#8222;exzessiver&#8220; Zuwanderung oder die propagierte R&uuml;ckkehr zu christlich-abendl&auml;ndischen Wurzeln im politischen Handeln.97<\/p>\n<p>Rechtspopulistische Parteien verlieren nicht an Zustimmung durch Ausgrenzung oder Anbiederung, sondern durch offensive Auseinandersetzung mit ihren Themen und Akteuren. Zu einer solchen Bereitschaft, offen f&uuml;r die Werteordnung des Art. 2 EUV einzutreten, sollte auch der Mut z&auml;hlen, aktiv und konsequent die Verrohung der politischen Sprache und Kultur in alten wie neuen Medien zu thematisieren. Klammheimliche Freunde des Rechtspopulismus sind auch solche Journalisten, die unkritisch, undifferenziert und unreflektiert Vorurteile &uuml;ber Politiker und Politik im Allgemeinen und die EU, ihre Organen, Strukturen, Arbeitsprozesse und ihren Output im Besonderen bedienen. Zu einer medialen Gegenstrategie gegen die anti-europ&auml;ischen Affekte des Rechtspopulismus geh&ouml;rt gr&ouml;&szlig;ere Pr&auml;senz und Transparenz der Berichterstattung &uuml;ber EU und Globalisierung ebenso wie die Bereitschaft von Medienakteuren, sich jenseits klassischer Qualit&auml;tsmedien mit dem Rechtspopulismus auseinander zu setzen.<\/p>\n<p>Gefordert sind mit Blick auf das rechtspopulistische Feindbild EU aber nicht nur Dritte, sondern auch die Organe der EU selbst. Die Abkehr von einem operativen wie kommunikativen TINA-Ansatz (&#8222;There is no alternative&#8220;) bei Tempo und Schwerpunkten der europ&auml;ischen Integration k&ouml;nnte die Attraktivit&auml;t f&uuml;r Rechtspopulisten deutlich senken. Ein entsprechender Neustart m&uuml;sste allerdings im Zweifel auch den strategischen Ansatz einer gro&szlig;en Koalition im Europ&auml;ischen Parlament und in der Europ&auml;ischen Kommission kritisch hinterfragen.98<br \/>Das offene Austragen von Streitthemen in der EU, wie es sich z.B. beim Umgang mit der Euro-Krise, in der Fl&uuml;chtlingspolitik und den Freihandelsabkommen in j&uuml;ngster Zeit verst&auml;rkt abzeichnet, k&ouml;nnte die Wurzeln einer gemeinsamen demokratischen Identit&auml;t auf europ&auml;ischer Ebene st&auml;rken. Auch der innereurop&auml;ische Diskurs &uuml;ber den Umgang mit rechtspopulistischen Herausforderungen kann erkennbar als Katalysator f&uuml;r das Entstehen einer europ&auml;ischen &Ouml;ffentlichkeit wirken &#8211; einer &Ouml;ffentlichkeit, ohne deren Bestehen aus Sicht des Bundesverfassungsgerichts99 weitere vertiefende Integrationsschritte in Europa ausgeschlossen sind.<\/p>\n<p>Abschlie&szlig;end k&ouml;nnte man in Ankn&uuml;pfung an Arturo Ui mit Blick auf m&ouml;gliche ungewollte rechtspopulistische Impulse f&uuml;r die Perspektive eines demokratisch vereinten Europa festhalten: &#8222;Der Scho&szlig;, aus dem dies kroch, ist fruchtbar schon.&#8220;<\/p>\n<p><b>DR.&nbsp;J&Ouml;RG&nbsp;UKROW<\/b><i>&nbsp;&nbsp; war viele Jahre lang Rundfunkreferent in der Saarl&auml;ndischen Staatskanzlei sowie als Lehrbeauftragter am Europa-Institut, Sektion Rechtswissenschaft t&auml;tig. Seit 2011 ist er Landesvorsitzender der Europa-Union Saar sowie seit diesem Jahr gesch&auml;ftsf&uuml;hrendes Vorstandsmitglied des Instituts f&uuml;r Europ&auml;isches Medienrecht (EMR). <\/i><\/p>\n<h5><span id=\"anmerkungen\">Anmerkungen<\/span><\/h5>\n<p>* Das Manuskript dieses Beitrags wurde am 25.9.2016 abgeschlossen &#8211; die Bedingungen f&uuml;r die Dystopie haben sich mit dem Ausgang der &ouml;sterreichischen Bundespr&auml;sidenten-Wahl ge&auml;ndert.<\/p>\n<p>1 Migration und Terrorismus erweisen sich nach den Ergebnissen des j&uuml;ngsten Standard-Eurobarometers 85 vom Fr&uuml;hjahr 2016 als mit deutlichem Abstand dringlichste Sorgen der B&uuml;rger auf EU-Ebene.<\/p>\n<p>2 Vgl. hierzu Stollreiter, Ist Europa auf dem &#8222;rechten&#8220; Weg?, 2011, S. 1.<\/p>\n<p>3 Vgl. zur Verallt&auml;glichung charismatischer Herrschaft Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, 5. rev. Aufl., 1980, S. 661.<\/p>\n<p>4 Vgl. hierzu Calliess, Staatsrecht III &#8211; Bez&uuml;ge zum V&ouml;lker- und Europarecht, 2014, S. V, 200 f.; R&uuml;&szlig;, Vereintes Europa &#8211; das unerreichbare Staatsziel?, 2005, S. 19 ff.<\/p>\n<p>5 Vgl. Gabriel\/Schulz, Europa neu gr&uuml;nden, 24.06.2016; Verhofstadt, Draft Report on possible evolutions of and adjustments to the current institutional set-up of the European Union (2014\/2248(INI)).<\/p>\n<p>6 Zur ideengeschichtlichen Traditionslinie solcher Ans&auml;tze vgl. z.B. Sontheimer, Antidemokratische Denkens in der Weimarer Republik, 1962.<\/p>\n<p>7 Zur Einordnung der EU durch das Bundesverfassungsgericht als Staatenverbund vgl. BVerfGE 89, 155 (181, 184) sowie z.B. Calliess (Hrsg.), Verfassungswandel im europ&auml;ischen Staaten- und Verfassungsbund, 2007.<\/p>\n<p>8 Vgl. hierzu di Fabio, Mehrebenendemokratie in Europa, 2001(abrufbar unter <a href=\"http:\/\/www.whi-berlin.eu\/documents\/difabio.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.whi-berlin.eu\/documents\/difabio.pdf<\/a>); Maurer, Mehrebenendemokratie und Mehrebenenparlamentarismus: Das Europ&auml;ische Parlament und die nationalen Parlamente nach Lissabon, in: Kadelbach (Hrsg.), Europ&auml;ische Integration und parlamentarische Demokratie, 2009, S. 19 ff.<\/p>\n<p>9 Nach Art. 1 Abs. 2 EUV stellt dieser Vertrag &#8222;eine neue Stufe bei der Verwirklichung einer immer engeren Union der V&ouml;lker Europas dar, in der die Entscheidungen m&ouml;glichst offen und m&ouml;glichst b&uuml;rgernah getroffen werden&#8220;.<\/p>\n<p>10 Vgl. auch Franzius, Ist Ungarn &uuml;berall? Merkmale und Entwicklungen der Demokratiegef&auml;hrdungen in Europa, 2013, S. 14 (abrufbar unter <a href=\"http:\/\/adb.de\/node\/178\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/adb.de\/node\/178<\/a>).<\/p>\n<p>11 Vgl. hierzu Bastgen, Die Demokratisierungspotenziale europ&auml;ischer NGOs, 2015, S. 47 ff.<\/p>\n<p>12 Vgl. Merkel, Ist die Krise der Demokratie eine Erfindung?, in: ders. (Hrsg.), Krise der Demokratie &#8211; Wahrheit oder Mythos, 2015, S. 473 ff.<\/p>\n<p>13 Vgl. Mair, Ruling The Void: The Hollowing Of Western Democracy, 2013.<\/p>\n<p>14 Vgl. Albrecht (Hrsg.), Europa rechtsau&szlig;en. Rechtsextremisten und Rechtspopulisten im Europ&auml;ischen Parlament, 3. Aufl. 2015; Bathke\/Spindler (Hrsg.), Neoliberalismus und Rechtsextremismus in Europa. Zusammenh&auml;nge &#8211; Widerspr&uuml;che &#8211; Gegenstrategien, 2006; Bauer, Rechtspopulismus in Europa. Verg&auml;ngliches Ph&auml;nomen oder auf dem Weg zum politischen Mainstream?, 2010; H&auml;usler\/ Roeser, Rechtspopulismus in Europa und die rechtspopulistische L&uuml;cke in Deutschland, 2014; Hartleb, Nach ihrer Etablierung. Rechtspopulistische Parteien in Europa. Begriff &#8211; Strategie &#8211; Wirkung, 2011; Langenbacher\/Schellenberg (Hrsg.), Europa auf dem &#8222;rechten&#8220; Weg? Rechtsextremismus und Rechtspopulismus in Europa, 2011; van Kessel, The populist cat-dog: applying the concept of populism to contemporary European party systems, Journal of Political Ideologies 19 (2014), S. 99 ff.; ders., Populist Parties in Europe. Agents of Discontent?, 2015; ders.\/Pirro, Discontent on the Move: Prospects for Populist Radical Right Parties in the 2014 European Parliament Election, Intereconomics 49 (2014), S. 4 ff.<\/p>\n<p>15 Vgl. Schellenberg, in: Stollreiter, Ist Europa auf dem &#8222;rechten&#8220; Weg?, 2011, S. 4.<\/p>\n<p>16 Vgl. Hillebrand, Die populistische Herausforderung &#8211; Eine Einf&uuml;hrung, in: ders. (Hrsg.), Rechtspopulismus in Europa, 2015, 7 (9).<\/p>\n<p>17 Fidesz ist die Abk&uuml;rzung von Fiatal Demokrat&aacute;k Sz&ouml;vets&eacute;ge, dem &#8222;Bund Junger Demokraten&#8220;, der 1988 gegr&uuml;ndet wurde und aus dem die Partei hervorging.<\/p>\n<p>18 Gleiches gilt au&szlig;erhalb der EU, aber in einer f&uuml;r die europ&auml;ische Debatte dennoch bedeutsamen Weise f&uuml;r die Schweizerische Volkspartei (SVP) sowie die norwegische Fremskrittspartiet (FrP; deutsch: Fortschrittspartei).<\/p>\n<p>19 Vgl. hierzu auch Bogumil, Erfolg und Misserfolg der populistischen radikalen Rechten in Deutschland und Europa. Eine Ursachenanalyse, MIP 21 (2015), 40 (40).<\/p>\n<p>20 Vgl. hierzu f&uuml;r die 2. Runde der franz&ouml;sischen Regionalwahlen am 13. Dezember 2015 z.B. Althoff, Kr&auml;ftig durchgesch&uuml;ttelt: Frankreichs Parteiensystem im Umbruch, 15.12.2015 (abrufbar unter <a href=\"https:\/\/www.boell.de\/de\/2015\/12\/15\/kraeftig-durchgeschuettelt-frankreichs-parteiensystem-im-umbruch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.boell.de\/de\/2015\/12\/15\/kraeftig-durchgeschuettelt-frankreichs-parteiensystem-im-umbruch<\/a>).<\/p>\n<p>21 Vgl. Blume, R&uuml;ckkehr unter alter Fahne, 24.08.2016 (abrufbar unter <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2016-08\/frankreich-nikolas-sarkozy-kandidatur-analyse\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2016-08\/frankreich-nikolas-sarkozy-kandidatur-analyse<\/a>); zur Wandelung der &ouml;sterreichischen Fl&uuml;chtlingspolitik in Reaktion auf steigende Umfragewerte der FP&Ouml; s. Kr&auml;mer\/Solveen, Der Vormarsch der Euro-Gegner, Commerzbank &#8211; Woche im Fokus v. 20. Mai 2016, 2 (2 f.).<\/p>\n<p>22 Der Vorsitzende der PVV, Geert Wilders, bezeichnete das gescheiterte Referendum als &#8222;Anfang vom Ende der EU&#8220;; vgl. z.B. <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/europa\/niederlaender-stimmen-gegen-eu-ukraine-assoziierungsabkommen-14164948.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/europa\/niederlaender-stimmen-gegen-eu-ukraine-assoziierungsabkommen-14164948.html<\/a>.<\/p>\n<p>23 Das Europ&auml;ische Parlament hat in einer Entschlie&szlig;ung vom 10. Juni 2015 (2015\/2700(RSP), Tz. 5) die von der ungarischen Regierung eingeleitete &ouml;ffentliche Befragung zum Thema Migration und die damit zusammenh&auml;ngende landesweite Plakataktion verurteilt und betont, dass Inhalt und Sprache dieser konkreten Befragung in Ungarn zu den Themen Immigration und Terrorismus in h&ouml;chstem Ma&szlig;e irref&uuml;hrend, mit Vorurteilen behaftet und unausgewogen sind und einen auf Vorurteilen beruhenden und unmittelbaren Bezug zwischen Migration und Bedrohungen f&uuml;r die Sicherheit herstellen.<\/p>\n<p>24 Zur Bildung einer Fraktion im EP sind nach Art. 32 der geltenden Gesch&auml;ftsordnung des EP mindestens 25 Abgeordnete erforderlich, und in jeder Fraktion m&uuml;ssen Abgeordnete aus wenigstens einem Viertel der (derzeit 28) EU-Mitgliedstaaten, d.h. aktuell aus sieben Mitgliedstaaten vertreten sein.<\/p>\n<p>25 Die UKIP-Abgeordneten werden wie s&auml;mtliche MdEP des Vereinigten K&ouml;nigreichs im Zuge des Brexit aus dem Europ&auml;ischen Parlament ausscheiden. Wann dies geschieht, ist mit Blick auf die noch ausstehende Mitteilung nach Art. 50 Abs. 2 EUV wie mit Blick auf die erst danach startenden Verhandlungen &uuml;ber die Rahmenbedingungen des Ausscheidens des Vereinigten K&ouml;nigreichs aus der EU noch offen. Zwar w&uuml;rde die Fraktion &#8222;Europa der Freiheit und der direkten Demokratie&#8220; innerhalb der laufenden Legislaturperiode des EP nach dem Ausscheiden der UKIP-Mitglieder die notwendige Mindestanzahl von 25 Abgeordneten nicht mehr erreichen. Allerdings sieht Art. 32 Abs. 3 der Gesch&auml;ftsordnung des EP vor, dass, falls die Zahl der Mitglieder einer Fraktion unter die vorgeschriebene Schwelle zur&uuml;ckgeht, der Pr&auml;sident des EP mit Zustimmung der Konferenz der Pr&auml;sidenten, die aus ihm und den Vorsitzenden der Fraktionen im EP besteht (Art. 26 der Gesch&auml;ftsordnung des EP) ihr Weiterbestehen bis zur n&auml;chsten konstituierenden Sitzung des Parlaments gestatten, sofern die Mitglieder weiterhin mindestens ein F&uuml;nftel der Mitgliedstaaten vertreten und die Fraktion bereits l&auml;nger als ein Jahr besteht. Beides w&auml;re bei der Fraktion &#8222;Europa der Freiheit und der direkten Demokratie&#8220; nach einem Ausscheiden der UKIP-Mitglieder der Fall. Allerdings wendet der Pr&auml;sident diese Ausnahmeregelung nicht an, wenn es hinreichend Anhaltspunkte f&uuml;r die Vermutung gibt, dass sie missbr&auml;uchlich in Anspruch genommen wird. Rechtsstreitigkeiten sind hier nicht ausgeschlossen<\/p>\n<p>26 Vgl. Schmidtke, Das Europ&auml;ische Parlament &#8211; Hochburg der Rechtspopulisten?, 2016; dies.\/Oppelland, Parlamentsaktivit&auml;ten der Rechtsau&szlig;enparteien im Europ&auml;ischen Parlament, 2015.<\/p>\n<p>27 Vgl. zum Folgenden Bauer, Rechtspopulismus in Europa, 2010, S. 7 ff.; Langenbacher\/Schellenberg, Einleitung: Ein Sammelband zu Erscheinungsformen und Entwicklung der radikalen Rechten in Europa, in: dies. (Hrsg.), Europa auf dem &#8222;rechten&#8220; Weg? Rechtsextremismus und Rechtspopulismus in Europa, 2011, S. 11 ff.<\/p>\n<p>28 Vgl. hierzu Kepplinger, Die Mechanismen der Skandalisierung, 3. Aufl. 2012.<\/p>\n<p>29 Vgl. zu Letzterem auch Meyer, Populismus und Medien, in: Decker (Hrsg.), Populismus, 2006, 81 (82).<\/p>\n<p>30 Vgl. Bathke\/Spindler (Hrsg.), Neoliberalismus und Rechtsextremismus in Europa. Zusammenh&auml;nge &#8211; Widerspr&uuml;che &#8211; Gegenstrategien, 2006; Schulmeister, Der Scho&szlig; ist fruchtbar noch, Freitag, 26.05.2016<\/p>\n<p>31 Der Begriff geht zur&uuml;ck auf ein Statement von Angela Merkel, wonach Wege zu finden seien, &#8222;wie die parlamentarische Mitbestimmung so gestaltet wird, dass sie trotzdem auch marktkonform ist&#8220;; vgl. Institut f&uuml;r Sprach- und Literaturwissenschaft der TU Darmstadt, Unwort des Jahres 2011, <a href=\"http:\/\/www.unwortdesjahres.net\/fileadmin\/unwort\/download\/pressemitteilung_unwort2011_01.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.unwortdesjahres.net\/fileadmin\/unwort\/download\/pressemitteilung_unwort2011_01.pdf<\/a>, S. 2.<\/p>\n<p>32 Vgl. zu dieser Gemeinsamkeit auch Betz, Rechtspopulismus in Westeuropa: Aktuelle Entwicklungen und politische Bedeutung, &Ouml;ZP 2002, 251 (252); Schulmeister, Der Scho&szlig; ist fruchtbar noch, Freitag, 26.05.2016.<\/p>\n<p>33 Vgl. zur Pr&auml;senz solche rechtspopulistischer wie -extremistische Positionen f&ouml;rdernder Einstellungen in der Bev&ouml;lkerung von EU-Mitgliedstaaten z.B. Zick\/K&uuml;pper\/H&ouml;vermann, Die Abwertung der Anderen. Eine europ&auml;ische Zustandsbeschreibung zu Intoleranz, Vorurteilen und Diskriminierung, 2011.<\/p>\n<p>34 Vgl. hierzu Betz, Rechtspopulismus in Westeuropa: Aktuelle Entwicklungen und politische Bedeutung, &Ouml;ZP 2002, 251 (253); Camus, Frankreichs Front National auf dem Weg an die Macht?, in: Hillebrand (Hrsg.), Rechtspopulismus in Europa, 2015, 24 (26).<\/p>\n<p>35 Vgl. hierzu Swank\/Betz, Globalization, the welfare state and right-wing populism in Western Europe, Socio-Economic Review 2003, 215 ff.<\/p>\n<p>36 Vgl. hierzu Kriesi\/Pappas (Hrsg.), European populism in the shadow of the great recession, 2015.<\/p>\n<p>37 Vgl. zum Anwachsen der W&auml;hlerschaft des FN bei Facharbeitern und ungelernten Angestellten im Handel, bei Handwerkern, Gesch&auml;ftsinhabern und Unternehmern Camus, Frankreichs Front National auf dem Weg an die Macht?, in: Hillebrand (Hrsg.), Rechtspopulismus in Europa, 2015, 24 (28).<\/p>\n<p>38 Vgl. zum Konzept Fest, B&uuml;rgerlichkeit als Lebensform, 2007, 9 (12 ff.).<\/p>\n<p>39 Vgl. zur Abgrenzung von Rechtspopulismus und Rechtsextremismus auch Bryant, Rechtspopulismus = Rechtsextremismus?, in: Stiftung SPI (Hrsg.), &#8222;Das wird man ja wohl noch sagen d&uuml;rfen &#8230;!&#8220; Zur Auseinandersetzung mit rechtspopulistischen Argumentationsweisen, 2011, 8 (10 ff.).<\/p>\n<p>40 Vgl. hierzu Schmidt, Maximen politischen Handelns, 1981, S. 20.<\/p>\n<p>41 Zur Bedeutung von Globalisierung und Europ&auml;isierung f&uuml;r das demokratische Gemeinwesen vgl. Calliess, Staatsrecht III &#8211; Bez&uuml;ge zum V&ouml;lker- und Europarecht, 2014, S. 2 ff.; Grimm, Die Zukunft der Verfassung II &#8211; Auswirkungen von Europ&auml;isierung und Globalisierung, 2012; Marschall, Das politische System Deutschlands, 2. Aufl. 2011, S. 241 ff.<\/p>\n<p>42 Zur Bedeutung von Globalisierung und Europ&auml;isierung das Anwachsen rechtspopulistischer Str&ouml;mungen in Europa vgl. Hillebrand, Die populistische Herausforderung &#8211; Eine Einf&uuml;hrung, in: ders. (Hrsg.), Rechtspopulismus in Europa, 2015, 7 (7 f.).<\/p>\n<p>43 &#8222;Wir m&uuml;ssen f&uuml;r die Freiheit planen und nicht f&uuml;r die Sicherheit, wenn auch vielleicht aus keinem anderen Grund als dem, dass nur die Freiheit die Sicherheit sichern kann&#8220;, Popper, Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, Bd. II, 8. Aufl.2003, S. 224.<\/p>\n<p>44 Vgl. hierzu auch Rosenberger, Rechtspopulismus, in: Fr&ouml;lich-Steffen u.a. (Hrsg.), Populisten an der Macht, 2005, 35 (46).<\/p>\n<p>45 Vgl. auch Franzius, Ist Ungarn &uuml;berall? Merkmale und Entwicklungen der Demokratiegef&auml;hrdungen in Europa, 2013, S. 14 (abrufbar unter <a href=\"http:\/\/adb.de\/node\/178\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/adb.de\/node\/178<\/a>).<\/p>\n<p>46 Beim Front National unter der F&uuml;hrung von Marine Le Pen z&auml;hlt diese Abkehr von der Verharmlosung der NS-Verbrechen durch den fr&uuml;heren FN-Vorsitzenden, ihren Vater Jean-Marie Le Pen, der z.B. die NS-Gaskammern wiederholt als &#8222;Detail der Geschichte&#8220; bezeichnet hat, zur Politik der &#8222;Entd&auml;monisierung&#8220; des FN; vgl. hierzu Camus, Frankreichs Front National auf dem Weg an die Macht?, in: Hillebrand (Hrsg.), Rechtspopulismus in Europa, 2015, 24 (25); Mayer, From Jean-Marie to Marine Le Pen: Electoral Change on the Far Right, Parliamentary Affairs, 66. Jg. H. 1 (2013), 160 ff.<\/p>\n<p>47 Zu geschichtspolitischen Ankn&uuml;pfungspunkten im sog. Historikerstreit vgl. Habermas, Eine Art Schadensabwicklung. Die apologetischen Tendenzen in der deutschen Zeitgeschichtsschreibung, ZEIT v. 11. Juli 1986.<\/p>\n<p>48 Zu geschichtspolitischen Ankn&uuml;pfungspunkten im sog. Historikerstreit vgl. Nolte, Vergangenheit, die nicht vergehen will, FAZ v. 6. Juni 1986.<\/p>\n<p>49 Ausdruck der fortbestehenden Abgrenzung ist z.B., dass die klar rechtsextremen Vertreter der griechischen Partei &#8222;Goldenen Morgenr&ouml;te&#8220; und der ungarischen Partei &#8222;Jobbik&#8220; (deutsch: Bewegung f&uuml;r ein besseres Ungarn) sowie Udo Voigt von der NPD, die bei den Wahlen zum Europ&auml;ischen Parlament 2014 ein Mandat errungen haben, auch von rechtspopulistisch gepr&auml;gten Fraktionen nicht aufgenommen wurden, sodass diese Abgeordneten als Fraktionslose innerhalb des EP weitgehend isoliert sind.<\/p>\n<p>50 B&ouml;ckenf&ouml;rde, Staat, Gesellschaft, Freiheit, 1976, S. 60.<\/p>\n<p>51 Vgl. zur Entwicklung in Ungarn Franzius, Ist Ungarn &uuml;berall? Merkmale und Entwicklungen der Demokratiegef&auml;hrdungen in Europa, 2013, S. 14 (abrufbar unter <a href=\"http:\/\/adb.de\/node\/178\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/adb.de\/node\/178<\/a>).<\/p>\n<p>52 Dies spricht gegen die These, Populismus und Extremismus seien einander ausschlie&szlig;ende Kategorien. Vgl. zu dieser These Bogumil, Erfolg und Misserfolg der populistischen radikalen Rechten in Deutschland und Europa. Eine Ursachenanalyse, MIP 21 (2015), 40 (41); Mudde, Populist Radical Right Parties in Europe, 2007, S. 23 ff.<\/p>\n<p>53 Vgl. Schulmeister, Der Scho&szlig; ist fruchtbar noch, Freitag, 26.05.2016<\/p>\n<p>54 Vgl. FN, Notre Projet. Programme Politique du Front National, o.J., S. 47 ff.; PVV, H&uacute;n Brussel, &oacute;ns Nederland, 2012, S. 10 ff.; VB, Uw stok achter de deur, 2014, S. 9 ff.<\/p>\n<p>55 Vgl. hierzu Andersen\/Bj&oslash;rklund, Radical right-wing populism in Scandinavia: from tax revolt to neo-liberalism and xenophobia, in: Hainsworth (Hrsg.): The Politics of the Extreme Right, 2000, 193 (216 f.); dies., Scandinavia and the Far Right, in: Davies\/Jackson (Hrsg.), The Far Right in Europe. An Encyclopedia, 2008, 147 ff.; Betz, Entre succ&egrave;s et &eacute;chec: l.extr&ecirc;me droite &agrave; la fin des ann&eacute;es quatre-vingt-dix, in: Perrineau (Hrsg.): Les crois&eacute;s de la soci&eacute;t&eacute; ferm&eacute;e, 2001, 407 (413 f.); Mayer, Ces Fran&ccedil;ais qui votent FN, 1999, S. 224 f.; Ulram, Sozialprofil und Wahlmotive der FP&Ouml;-W&auml;hler: Zur Modernit&auml;t des Rechtspopulismus am Beispiel des Ph&auml;nomens Haider, in: Loch\/Heitmeyer (Hrsg.): Schattenseiten der Globalisierung, 2001, 206 (216).<\/p>\n<p>56 Vgl. auch Hillebrand, Die populistische Herausforderung &#8211; Eine Einf&uuml;hrung, in: ders. (Hrsg.), Rechtspopulismus in Europa, 2015, 7 (9 f.).<\/p>\n<p>57 Vgl. hierzu Koler,hler, Det svenska folkhem &#8211; vom schwedischen &#8222;Volksheim&#8220; zum Wohlfahrtsstaat Schweden, Zeitschrift fu]r ausla]ndisches und internationales Arbeits- und Sozialrecht 1987, 203 ff.<\/p>\n<p>58 Vgl. Fischer, &#8222;Eigen volk eerst&#8220; &#8211; rechtspopulistische Diskursstrategien am Beispiel des belgischen Vlaams Belang, 2009; Jean-Marie Le Pen, &#8222;les fran&ccedil;ais d&#8217;abord&#8220; (1984) oder der Slogan des FP&Ouml;-Parteiprogramms: &#8222;&Ouml;sterreich zuerst&#8220;.<\/p>\n<p>59 Vgl. die Pressemitteilung des FN-Generalsekret&auml;rs Nicolas Bay v. 18.9.2015: &#8222;Face &agrave; la priorit&eacute; &eacute;trang&egrave;re, la pr&eacute;f&eacute;rence nationale !&#8220;.<\/p>\n<p>60 Vgl. hierzu Betz, Rechtspopulismus in Westeuropa: Aktuelle Entwicklungen und politische Bedeutung, &Ouml;ZP 2002, 251 (257).<\/p>\n<p>61 Vgl. hierzu Atkinson, Ungleichheit, 2016; Kuhn\/van Elsas\/Hakhverdian\/van der Brug (2016), An ever wider gap in an ever closer Union. Rising inequalities and euroscepticism in 12 West European democracies, 1976-2008, Socio-economic review 14. Jg. H. 1 (2016), 27 ff.<\/p>\n<p>62 Vgl. hierzu Betz, Rechtspopulismus in Westeuropa: Aktuelle Entwicklungen und politische Bedeutung, &Ouml;ZP 2002, 251 (258); Decker, Parteien unter Druck. Der neue Rechtspopulismus in den westlichen Demokratien, 2000, S. 33 ff. 70 ff., 329 ff.; Ignazi, The silent counter-revolution. Hypotheses on the emergence of extreme right-wing parties in Europe, European Journal of Political Research, 22. Jg. H. 1 (1992), 3 ff.<\/p>\n<p>63 Vgl. hierzu Betz, Rechtspopulismus in Westeuropa: Aktuelle Entwicklungen und politische Bedeutung, &Ouml;ZP 2002, 251 (258 ff.); Minkenberg, The Renewal of the Radical Right: Between Modernity and Anti-modernity,in: Government and Opposition, 35 Jg. H. 2 (2000), 170 ff.; van der Brug\/Fennema\/Tillie, Anti-immigrant parties in Europe: Ideological or protest vote?, in: European Journal of Political Research, 37. Jg. H. 1 (2000), 77 ff.<\/p>\n<p>64 Vgl. hierzu Veugelers, Right-Wing Extremism in Contemporary France: A &#8220;silent counter-revolution&#8221;? The sociological quarterly 41. Jg. H. 1 (2000), 19 ff.<\/p>\n<p>65 Vgl. hierzu Bouvet, L&#8217;insecurit&eacute; culturelle, 2015, S. 127 f.<\/p>\n<p>66 Vgl. hierzu Berbuir, Das politische Selbstverst&auml;ndnis von Mitgliedern rechtspopulistischer Parteien als Indikator f&uuml;r eine Verortung im politischen Spektrum &#8211; eine qualitative Analyse, MIP 19 (2013), 63 (71).<\/p>\n<p>67 Vgl. hierzu Betz, Rechtspopulismus in Westeuropa: Aktuelle Entwicklungen und politische Bedeutung, &Ouml;ZP 2002, 251 (253); Hafez, Islamophober Populismus, 2010, S. 42.<\/p>\n<p>68 Vgl. Schellenberg, in: Stollreiter, Ist Europa auf dem &#8222;rechten&#8220; Weg?, 2011, S. 4.<\/p>\n<p>69 Vgl. Sottopietra, Ph&auml;nomen Rechtspopulismus, 1998, S. 7.<\/p>\n<p>70 Bryant\/Chuing, Einleitung, in: Stiftung SPI (Hrsg.), &#8222;Das wird man ja wohl noch sagen d&uuml;rfen &#8230;!&#8220; Zur Auseinandersetzung mit rechtspopulistischen Argumentationsweisen, 2011, 4 (4).<\/p>\n<p>71 Vgl. auch Betz, Rechtspopulismus in Westeuropa: Aktuelle Entwicklungen und politische Bedeutung, &Ouml;ZP 2002, 251 (254).<\/p>\n<p>72 Vgl. zur Medienstrategie rechtspopulistischer Parteien auch Barlen\/Brandstetter, Fremdenfeindlich 2.0 &#8211; Rechtsextremismus und Rechtspopulismus in der digitalen Welt, in: Decker\/Henningsen\/Jakobsen, (Hrsg.), Rechtspopulismus und Rechtsextremismus in Europa: Die Herausforderung der Zivilgesellschaft durch alte Ideologien und neue Medien, 2015, 303 ff.<\/p>\n<p>73 Danach sind &#8222;(d)ie Werte, auf die sich die Union gr&uuml;ndet, &#8230; die Achtung der Menschenw&uuml;rde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte einschlie&szlig;lich der Rechte der Personen, die Minderheiten angeh&ouml;ren. Diese Werte sind allen Mitgliedstaaten in einer Gesellschaft gemeinsam, die sich durch Pluralismus, Nichtdiskriminierung, Toleranz, Gerechtigkeit, Solidarit&auml;t und die Gleichheit von Frauen und M&auml;nnern auszeichnet&#8220;. Vgl. hierzu z.B. Herdegen, Die Europ&auml;ische Union als Wertegemeinschaft, in: Festschrift f&uuml;r Rupert Scholz, 2007, S. 139 ff.; Mandry, Europa als Wertegemeinschaft, 2009; Niedobitek\/Sommermann (Hrsg.), Die Europ&auml;ische Union als Wertegemeinschaft, 2013.<\/p>\n<p>74 Vgl. Ress\/Ukrow, in: Grabitz\/Hilf\/Nettesheim (Hrsg.).Das Recht der Europ&auml;ischen Union, 2016, Art. 167 AEUV Rn. 85 ff.<\/p>\n<p>75 Vgl. hierzu Hau, Sanktionen und Vorfeldma&szlig;nahmen zur Absicherung der europ&auml;ischen Grundwerte. Rechtsfragen zu Art. 7 EU, 2002; Hummer\/Obwexer, Die Wahrung der &#8222;Verfassungsgrunds&auml;tze&#8220; der EU, EuZW 2010, 485; Klamt, Die Europ&auml;ische Union als Streitbare Demokratie. Rechtsvergleichende und europarechtliche Dimensionen einer Idee, 2012; Niedobitek, Die Europ&auml;ische Union als Wertegemeinschaft, in: Neuss u.a. (Hrsg.): Kooperationsbeziehungen in der neuen Europ&auml;ischen Union, 2012, 205; Sandfort, Der Schutz der gemeinsamen Werte (Art. 2 EUV) innerhalb der EU am Beispiel Ungarns, 2014; Serini, Sanktionen der Europ&auml;ischen Union bei Versto&szlig; eines Mitgliedstaats gegen das Demokratie- oder Rechtsstaatsprinzip, 2009; Tr&auml;bert, Sanktionen der Europ&auml;ischen Union gegen ihre Mitgliedstaaten. Die Sanktionsverfahren nach Art. 228 Abs. 2 EGV und Art. 7 EUV, 2010, S. 16.<\/p>\n<p>76 Vgl. Ukrow, Grundrechte und die Gemeinsame Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik der Europ&auml;ischen Union, in: Br&ouml;hmer (Hrsg.), Der Grundrechtsschutz in Europa, 2002, S. 139 ff.<\/p>\n<p>77 Vgl. hierzu Perger, Die neue Dimension des Populismus: Die europ&auml;ische Rechte und die eurasische Herausforderung der liberalen Demokratie, in: Hillebrand (Hrsg.), Rechtspopulismus in Europa, 2015, 128 (133 f.).<\/p>\n<p>78 Vgl. Benz, Wie wehrhaft ist die europ&auml;ische Demokratie, 2016.<\/p>\n<p>79 Aktuell erfolgt die entsprechende Finanzierungsregelung auf dieser Grundlage durch die Verordnung (EU, Euratom) Nr. 1141\/2014 des Europ&auml;ischen Parlaments und des Rates vom 22. Oktober 2014 &uuml;ber das Statut und die Finanzierung europ&auml;ischer politischer Parteien und europ&auml;ischer politischer Stiftungen, Amtsblatt EU 2014 v. 4.11.2014 Nr. L 317\/1. Vgl. zur Fortentwicklung des europ&auml;ischen Parteienrechts durch diese Verordnung Merten, Neue Impulse im europ&auml;ischen Parteienrecht, MIP 19 (2013), S. 30 ff.; Motika, Kontrolle und Sanktionen im System der Finanzierung der Europarteien, in: Poguntke u.a. (Hrsg.), Auf dem Weg zu einer europ&auml;ischen Parteiendemokratie, 2013, S. 69 ff.<\/p>\n<p>80 Der FN geh&ouml;rte zuvor der Europ&auml;ischen Allianz der nationalen Bewegungen (englisch Alliance of European National Movements, AENM, franz&ouml;sisch Alliance europ&eacute;ens des mouvements nationaux, AEMN) an, einem Sammelbecken von Parteien, die als rechtsextrem eingestuft werden k&ouml;nnen. Auch dieser europ&auml;ischen politischen Partei hat das EP f&uuml;r die Zeit von 2012 bis 2015 Parteienfinanzierung in H&ouml;he von insgesamt fast 1,5 Mio. &#8364; zuerkannt. Dem EP geh&ouml;rt aus diesem Kreis nur noch Abgeordnete der ungarischen Jobbik-Partei an. Aufgel&ouml;st ist inzwischen nach &ouml;ffentlich gewordenen Unregelm&auml;&szlig;igkeiten die Bewegung f&uuml;r ein Europa der Freiheit und der Demokratie (engl. Movement for a Europe of Liberties and Democracy, franz. Mouvement pour l&#8217;Europe des libert&eacute;s et de la d&eacute;mocratie, MELD). Ihr geh&ouml;rten zeitweise u.a. die Dansk Folkeparti und die Lega Nord an.<\/p>\n<p>81 Der AENM wurde f&uuml;r 2012 bis 2015 jeweils zwischen 289 und 454 T&#8364; , der EAF f&uuml;r 2011 bis 2013 jeweils zwischen 360 und 385 T&#8364;, f&uuml;r 2014 ca. 521 T&#8364; und f&uuml;r 2015 ca. 496 T&#8364; und der MENL f&uuml;r 2015 1,17 Mio. Euro als Parteienfinanzierung zuerkannt; vgl. <a href=\"http:\/\/www.europarl.europa.eu\/pdf\/grants\/Grant_amounts_parties%2003-2015_new%20logo.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.europarl.europa.eu\/pdf\/grants\/Grant_amounts_parties%2003-2015_new%20logo.pdf<\/a>.<\/p>\n<p>82 In Ungarn hat diese Entwicklung zwischenzeitlich durch die eine Verfassungs&auml;nderung erm&ouml;glichenden parlamentarischen Mehrheitsverh&auml;ltnisse eine Absicherung erfahren, die &uuml;ber die Unw&auml;gbarkeiten demokratischen Regierungswechsels im Zuge von Wahlen hinausreichen. Vgl. hierzu die kritische Haltung der sog. Venedig-Kommission des Europarates, <a href=\"http:\/\/www.venice.coe.int\/webforms\/documents\/?pdf=CDL-AD%282013%29012-e\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.venice.coe.int\/webforms\/documents\/?pdf=CDL-AD%282013%29012-e<\/a>.<\/p>\n<p>83 Vgl. Thiel, Wehrhafte Demokratie, 2003.<\/p>\n<p>84 Vgl. Klamt, Die Europ&auml;ische Union als Streitbare Demokratie. Rechtsvergleichende und europarechtliche Dimensionen einer Idee, 2012, S. 36 ff.<\/p>\n<p>85 Vgl. zu diesem Sanktionsverfahren Klamt, Die Europ&auml;ische Union als Streitbare Demokratie. Rechtsvergleichende und europarechtliche Dimensionen einer Idee, 2012, S. 311 ff.; Sandfort, Der Schutz der gemeinsamen Werte (Art. 2 EUV) innerhalb der EU am Beispiel Ungarns, 2014, S. 26 ff.<\/p>\n<p>86 F&uuml;r die Zwecke des Art. 7 EUV beschlie&szlig;t das Europ&auml;ische Parlament nach Art. 354 Abs. 4 AEUV mit der Mehrheit von zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen und mit der Mehrheit seiner Mitglieder.<\/p>\n<p>87 Vgl. Schorkopf, in: Grabitz\/Hilf\/Nettesheim (Hrsg.), Das Recht der Europ&auml;ischen Union, 2016, Art. 7 EUV Rdnr. 21, 29 ff.<\/p>\n<p>88 Vgl. Benz, Wie wehrhaft ist die europ&auml;ische Demokratie, 2016, S. 58 ff., 99 ff.<\/p>\n<p>89 Schorkopf, in: Grabitz\/Hilf\/Nettesheim (Hrsg.), Das Recht der Europ&auml;ischen Union, 2016, Art. 7 EUV Rdnr. 21.<\/p>\n<p>90 Vgl. hierzu EuGH, Rs. C-286\/12, Kommission\/Ungarn, ECLI:EU:C:2012:687; dazu z.B. Vincze, The ECJ as the Guardian of the Hungarian Constitution, (2013) 19 European Public Law 19 (2013), S. 489 ff.<\/p>\n<p>91 So aber f&uuml;r die Rechtslage vor dem Vertrag von Lissabon, vgl. Frowein, Die rechtliche Bedeutung des Verfassungsprinzips der parlamentarischen Demokratie f&uuml;r den europ&auml;ischen Integrationsprozess, Europarecht 18 (1983), 301 (310 f.); Hau, Sanktionen und Vorfeldma&szlig;nahmen zur Absicherung der europ&auml;ischen Grundwerte. Rechtsfragen zu Art. 7 EU. 2002, S. 54 ff.; wie hier z.B. auch Murswiek, Die heimliche Entwicklung des Unionsvertrages zur europ&auml;ischen Oberverfassung. Neue Zeitschrift f&uuml;r Verwaltungsrecht 28 (2009), 481 (482); Sandfort, Der Schutz der gemeinsamen Werte (Art. 2 EUV) innerhalb der EU am Beispiel Ungarns, 2014, S. 21 ff.<\/p>\n<p>92 Nach der Rechtsprechung des EGMR muss ein Parteiverbot gesetzlich vorgesehen sein, ein legitimes Ziel verfolgen, und es muss eine &#8222;dringende gesellschaftliche Notwendigkeit&#8220; geben, die Partei zu verbieten; vgl. hierzu z.B. EGMR, Urteil v. 13.2.2003 (GK), Wohlfahrtspartei u.a., Nr. 41340\/98 u.a.; Urteil v. 30.10.2005, United Macedonian Organisation Ilinden &#8211; Pirin u.a., Nr. 59489\/00 sowie Emek, Parteiverbote und Europ&auml;ische Menschenrechtskonvention, 2007, S. 133 ff.; Pabel, Parteiverbote auf dem europ&auml;ischen Pr&uuml;fstand, Zeitschrift f&uuml;r ausl&auml;ndisches &ouml;ffentliches Recht und V&ouml;lkerrecht 63 (2003), 921 (925 ff.).<\/p>\n<p>93 Vgl. hierzu D&ouml;rr, Fran&ccedil;ois Mitterrand und der PCF &#8211; Die Folgen der r&eacute;&eacute;quilibrage de la gauche f&uuml;r den Parti Communiste Fran&ccedil;ais, MIP 17 (2011) S. 43 ff.<\/p>\n<p>94 Vgl. zu einem solchen Ansatz Franzius, Ist Ungarn &uuml;berall? Merkmale und Entwicklungen derDemokratiegef&auml;hrdungeninEuropa, 2013, S. 17, abrufbar unter abrufbar unter <a href=\"http:\/\/adb.de\/node\/178\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/adb.de\/node\/178<\/a>).<\/p>\n<p>95 Vgl. Decker\/Henningsen\/Jakobsen, Revolte von rechts, in: dies. (Hrsg.), Rechtspopulismus und Rechtsextremismus in Europa: Die Herausforderung der Zivilgesellschaft durch alte Ideologien und neue Medien, 2015, 13 (24).<\/p>\n<p>96 &laquo;Avec l&#8217;extr&ecirc;me droite, il n&#8217;y a ni d&eacute;bat ni dialogue possible &raquo;, zitiert nach <a href=\"http:\/\/www.lemonde.fr\/europe\/article\/2016\/05\/20\/la-france-a-une-idee-de-l-europe-a-defendre_4922934_3214.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.lemonde.fr\/europe\/article\/2016\/05\/20\/la-france-a-une-idee-de-l-europe-a-defendre_4922934_3214.html<\/a><\/p>\n<p>97 Vgl. zu entsprechenden Tendenzen z.B. Camus, Frankreichs Front National auf dem Weg an die Macht?, in: Hillebrand (Hrsg.), Rechtspopulismus in Europa, 2015, 24 (27).<\/p>\n<p>98 Vgl. im Ansatz auch Grabbe\/Lehne, Can the EU Survive Populism?, 14. Juni 2016, <a href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/http%3A\/carnegieeu\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/carnegieeu<\/a> rope.eu\/2016\/06\/14\/can-eu-survive-populism\/j1vb (&#8222;over the longer term the grand coalition could increase voters&#8217; frustration&#8221;).<\/p>\n<p>99 Vgl. BVerfGE 123, 267 (359); kritisch zur These des BVerfG z.B. Ukrow, Von Luxemburg lernen hei&szlig;t Integrationsgrenzen bestimmen, Zeitschrift f&uuml;r europarechtliche Studien 17 (2014), 119 (124).<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[1514],"publikationen":[1093],"class_list":["post-10901","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-joerg-ukrow","publikationen-1093"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>W\u00e4chst Europa an seinen rechtspopulistischen Feinden? - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/216\/publikation\/waechst-europa-an-seinen-rechtspopulistischen-feinden-1\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"W\u00e4chst Europa an seinen rechtspopulistischen Feinden? - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Europ&auml;ische wehrhafte Demokratie und Schutz der Grundwerte in der EU. 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