{"id":10965,"date":"2009-09-01T19:00:00","date_gmt":"2009-09-01T17:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/die-doppelte-oeffentlichkeit\/"},"modified":"2021-08-24T21:52:55","modified_gmt":"2021-08-24T19:52:55","slug":"die-doppelte-oeffentlichkeit","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/187-vorgaenge\/publikation\/die-doppelte-oeffentlichkeit\/","title":{"rendered":"Die doppelte \u00d6ffentlichkeit"},"content":{"rendered":"<p>Ursachen der Ost-West-Unterschiede bei der Mediennutzung<\/p>\n<p>aus: vorg\u00e4nge Nr. 187, Heft 3\/2009, S. 76-94<\/p>\n<p><i>SuperIllu <\/i>vs. <i>Spiegel<\/i>: Es gibt kaum ein besseres Bild f\u00fcr die unsichtbare Grenze zwischen dem Osten und dem Westen Deutschlands. Nachrichtenmagazine sowie \u00fcberregionale Zeitungen kommen in den &#8222;neuen&#8220; L\u00e4ndern nach wie vor auf deutlich geringere Reichweiten als im Alt-Bundesgebiet, und dass die Ostdeutschen anders fernsehen als die Westdeutschen, ist schon deshalb Teil der Allgemeinbildung geworden, weil dieser kleine Unterschied vor allem die Medienforscher in den \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten stark besch\u00e4ftigt hat (vgl. Spielhagen 1995, Darschin &amp; Zubayr 2000, Frey-Vor et al. 2002a, b). Die Intendanten Dieter Stolte (ZDF) und Hansj\u00fcrgen Rosenbauer (ORB) sprachen bereits vor knapp anderthalb Jahrzehnten von einer &#8222;doppelten \u00d6ffentlichkeit&#8220; (vgl. Stolte &amp; Rosenbauer 1995). Wie kann ein Land zusammenwachsen, wenn die Menschen auf der einen Seite &#8222;themenm\u00fcde&#8220; sind, &#8222;kritische Dinge&#8220; verweigern und stattdessen eine &#8222;Ostille&#8220; kaufen, die &#8222;auf Schicksale, Klatsch und Service setzt&#8220; (Bouhs 2009)? Wie soll Gemeinsamkeit entstehen und wie ein gemeinsames kulturelles Ged\u00e4chtnis, wenn die Ostdeutschen andere Informationsquellen nutzen und damit zwangsl\u00e4ufig andere Relevanzstrukturen entwickeln als die Westdeutschen? Und vor allem: Was bleibt an Begr\u00fcndungen, wenn man kaum noch der DDR die Schuld geben kann, weil die Unterschiede sehr stabil sind und auch in den Geburtskohorten auftreten, die nicht mehr in einer gelenkten und kontrollierten Medienumgebung aufgewachsen sind?<\/p>\n<p>Dieser Beitrag liefert zwei Deutungsangebote: Ostdeutsche nutzen Medien anders als Westdeutsche, weil sie erstens ihre soziale Position und ihre Aufstiegschancen schlechter einsch\u00e4tzen und weil die gesamtdeutschen Leitmedien zweitens ein Bild der DDR zeichnen, in dem sich viele einstige B\u00fcrger dieses Landes nicht wiederfinden und so auf andere Angebote ausweichen m\u00fcssen, um diesen Teil ihrer Identit\u00e4t angemessen bearbeiten zu k\u00f6nnen. Um diese beiden Thesen zu untermauern, werden zun\u00e4chst die aktuellen Muster der Mediennutzung skizziert sowie die Erkl\u00e4rungsversuche, die es f\u00fcr den Ost-West-Graben in diesem Bereich gibt. Es folgen die Befunde einer medienbiografischen Studie (vgl. Meyen 2003) und einer repr\u00e4sentativen Telefonbefragung zur Mediennutzung (vgl. Jandura &amp; Meyen 2009), die zeigen, dass die Frage nach regionalen Unterschieden in die Irre f\u00fchrt, weil Ost und West lediglich Synonyme f\u00fcr die soziale Position der Menschen sind.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"mediennutzung-im-osten-unterhaltung-und-identitaet\">Medien&shy;nut&shy;zung im Osten: Unter&shy;hal&shy;tung und Identit&auml;t <\/span><\/h2>\n<p>In Ostdeutschland wird seit der Wiedervereinigung anders ferngesehen als in Westdeutschland. An den drei wichtigsten Unterschieden hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren wenig ge\u00e4ndert. Die Ostdeutschen sehen nach wie vor l\u00e4nger fern, sie bevorzugen andere Sender und sind dabei st\u00e4rker auf Regionalangebote fixiert als die Westdeutschen (vgl. Abbildungen 1 und 2). Die Dominanz von RTL im Osten hat sich in den letzten Jahren zwar etwas verringert, Das Erste und das ZDF sind aber trotzdem lediglich gesamtdeutsche Marktf\u00fchrer und nicht ostdeutsche. In dieses Bild passt, dass die Ostdeutschen den \u00f6ffentlich-rechtlichen Programmen deutlich weniger Nachrichtenkompetenz zuschreiben als die Westdeutschen und dass RTL hier sogar vor dem ZDF rangiert (vgl. Zubayr &amp; Geese 2009: 164).<\/p>\n<p>Abbildung 1: Fernsehnutzungsdauer in Ost und West (2008) <br \/>XXXXXX Tabelle<\/p>\n<p>Abbildung 2: TV-Marktanteile nach Programmen <br \/>XXXXXXX Tabelle<\/p>\n<p>Wenn man das Fernsehen insgesamt als Unterhaltungsmedium begreift und den kommerziellen Anbietern gerade auf diesem Gebiet eine besondere Kompetenz zuschreibt, dann lassen sich die Unterschiede zu dem Befund verdichten, dass Ostdeutsche st\u00e4rker unterhaltungsorientiert sind als Westdeutsche &#8211; ein Befund, der durch die Schwierigkeiten von (anstrengenden) Qualit\u00e4tsbl\u00e4ttern gest\u00fctzt wird, im Osten Leser zu erreichen. Dazu kommt eine zweite Besonderheit: die Suche nach einer regionalen (ostdeutschen) Identit\u00e4t, die keineswegs nur von der <i>SuperIllu <\/i>bedient wird &#8211; unter anderem durch Berichte \u00fcber DDR-Gr\u00f6\u00dfen und aktuelle Stars und Sternchen aus dem Osten sowie durch eine Haltung, die Chefredakteur Jochen Wolff auf die Formel &#8222;Respekt vor der Lebensleistung der Menschen in der DDR&#8220; bringt (Bouhs 2009). Wer immer sich im Westen \u00fcber die TV-und H\u00f6rfunkprogramme von MDR und RBB aufregt oder am\u00fcsiert (vgl. exemplarisch Tuma 2000): Genau wie die regionalen Abonnementzeitungen, die im Osten zwar mit Auflagenr\u00fcckg\u00e4ngen k\u00e4mpfen, aber kaum weniger Reichweite haben als ihre Pendants im Westen, spiegeln diese Sendungen offenbar die ostdeutschen Befindlichkeiten besser als die \u00f6ffentlich-rechtlichen TV-Hauptprogramme.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"den-unterschieden-auf-der-spur-erklaerungsversuche-in-der-literatur\">Den Unter&shy;schieden auf der Spur: Erkl&auml;&shy;rungs&shy;ver&shy;suche in der Literatur <\/span><\/h2>\n<p>Die Forschung bietet drei Erkl\u00e4rungen f\u00fcr die unterschiedliche Mediennutzung. Eine erste Gruppe von Studien argumentiert mit dem, was gesendet und gedruckt wird. Auf den Punkt gebracht: Die Ostdeutschen finden im Fernsehen weder ihre Probleme noch ihre Perspektiven, vor allem in den Sendungen nicht, die im Westen produziert werden, auch weil es zum Beispiel bei der <i>Tagesschau <\/i>in Hamburg nur wenige Journalisten mit ostdeutschen Wurzeln gibt. Inhaltsanalysen haben diese Behauptung zum Teil best\u00e4tigt, zum Teil aber auch deutlich differenziert, weil der Osten auch in den reichweitenstarken Unterhaltungsangeboten der kommerziellen Sender deutlich unterrepr\u00e4sentiert war (vgl. Fr\u00fch et al. 1999, Frey-Vor et al. 2002b, Fr\u00fch &amp; Stiehler 2002).<\/p>\n<p>Eine zweite Gruppe von Untersuchungen stellt eher soziodemografische Ursachen heraus. Auch hier wieder auf den Punkt gebracht: Im Osten Deutschlands sind die Bev\u00f6lkerungsgruppen st\u00e4rker vertreten, die \u00fcberall in Deutschland eher unterhaltungsorientiert sind &#8211; Arbeitslose, Rentner und Menschen mit wenig Geld, die ihre Freizeit vor allem daheim verbringen (vgl. Spielhagen 1995, Stolte &amp; Rosenbauer 1995, Schulz 1997, Darschin &amp; Zubayr 2000). Wolfgang Donsbach hat vermutet, das sich &#8222;das Fiktionale&#8220; hier als &#8222;Scheinwelt&#8220; anbiete &#8211; als Gegenpol &#8222;zur eigenen, oft negativ erlebten Realit\u00e4t&#8220;, aber auch als Gegenpol zu der Realit\u00e4t, die in \u00f6ffentlich-rechtlichen Nachrichtensendungen oder Politiktalks konstruiert werde (Donsbach 2007: 53f.).<\/p>\n<p>Die dritte Erkl\u00e4rung \u00fcberschneidet sich mit diesem letzten Punkt, denn das h\u00e4usliche Freizeitverhalten k\u00f6nnte in der DDR habitualisiert worden sein. Vor 1989 gab es dort zum einen deutlich weniger funktionale Alternativen zum Fernsehabend daheim (Sportpl\u00e4tze und Schwimmhallen, Gastst\u00e4tten, Autos und Telefone), und zum anderen war das Freizeitbudget insgesamt knapper als in der alten Bundesrepublik, weil in der DDR l\u00e4nger gearbeitet wurde, weil die Menschen l\u00e4nger unterwegs waren und weil die Mangelwirtschaft und der geringe Technisierungsgrad der Haushalte zus\u00e4tzlich Zeit kosteten (vgl. Donsbach 2007, Meyen 2003). Das Fernsehen dominierte den Feierabend der DDR-B\u00fcrger, weil Medienangebote und hier vor allem Fernsehsendungen besonders geeignet sind, wertlose Zeitl\u00f6cher zu stopfen, weil sie Entspannung bringen (vgl. Steinmetz &amp; Viehoff 2008) und weil es hier fast \u00fcberall im Land mit den Westprogrammen eine Alternative zu den DDR-Medien gab.<\/p>\n<p>Wie der Einfluss der Mediensozialisation interpretiert wird, h\u00e4ngt offenbar vom Auftraggeber ab. RTL-Vermarkter IP Deutschland (2000) pr\u00e4sentierte eine entsprechende Studie mit dem Slogan &#8222;Von den Ostdeutschen lernen, hei\u00dft genie\u00dfen lernen&#8220;. In der DDR habe man die Debatten um das duale Rundfunksystem nicht verfolgt und k\u00f6nne deshalb weit unverkrampfter zwischen \u00f6ffentlich-rechtlichen und privaten Sendern wechseln. Was im Westen als &#8222;Quotenjagd&#8220; oft verp\u00f6nt sei, werde im Osten als &#8222;direkte Zuschaueransprache&#8220; erlebt und honoriert. Der Informationsbegriff der Ostdeutschen sei au\u00dferdem weiter und schlie\u00dfe Seifenopern, Boulevardmagazine und Quizshows ein &#8211; Dom\u00e4nen der kommerziellen Stationen. ARD und ZDF h\u00e4tten dagegen schon bald nach 1990 das Image des &#8222;Staatsfernsehens&#8220; bekommen. Die \u00f6ffentlich-rechtlichen Medienforscher haben dagegen einen Nachholbedarf in Sachen Kommerz-Fernsehen vermutet und den Ostdeutschen unterstellt, in der politischen Kultur des Westens zu fremdeln. Man sei mit dem Informationsangebot \u00fcberfordert, weil in der DDR erlernte Nutzungstechniken (etwa das Lesen von hinten oder das Umschalten zum &#8222;Klassenfeind&#8220;) nicht mehr funktionieren w\u00fcrden, weil man Ironie und Sarkasmus nicht erkenne, Streit nicht gewohnt sei und sich vor den &#8222;Strippenziehern&#8220; aus Politik und Wirtschaft f\u00fcrchte. Au\u00dferdem w\u00fcrden sich die Ostdeutschen eher als Unterschichtangeh\u00f6rige wahrnehmen &#8211; als Menschen, f\u00fcr die Qualit\u00e4tsmagazine genau wie Qualit\u00e4tszeitungen nicht unbedingt bestimmt seien (vgl. Frey-Vor et al. 2002b).<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"mediennutzung-in-der-ddr-unterhaltung-und-zweifel\">Medien&shy;nut&shy;zung in der DDR: Unter&shy;hal&shy;tung und Zweifel <\/span><\/h2>\n<p>In einer Serie von 100 medienbiografischen Interviews, die fast zeitgleich mit den gerade zitierten Studien gelaufen ist, war wenig zu sp\u00fcren von einer \u00dcberforderung durch das Informationsangebot. Nat\u00fcrlich wurde in diesen Gespr\u00e4chen \u00fcber die Medien geklagt, \u00fcber Gewalt und Sensationen, \u00fcber Klatsch und Tratsch, \u00fcber die vielen Werbespots und dar\u00fcber, dass die Zeitung heutzutage so dick sei, dass man sie beim besten Willen nicht schaffen k\u00f6nne. Vielleicht liegt das tats\u00e4chlich auch an der Gewohnheit von einst, getrost jede \u00dcberschrift ansehen zu k\u00f6nnen und trotzdem nach 15 Minuten mit den acht Seiten fertig zu sein. F\u00fcr fast alle Ostdeutschen geh\u00f6rten aber westliche Funkmedien genauso zur Sozialisation wie die SED-Presse. Die biographischen Interviews haben gezeigt, dass die meisten DDR-B\u00fcrger nicht unbedingt &#8222;umgeschaltet&#8220; haben, um Informationen zu suchen. Man hat die Nachrichten und Magazine mitgenommen, in erster Linie aber ging es um Unterhaltung und Entspannung. Anders als oft angenommen worden ist, sind ARD und ZDF au\u00dferdem keineswegs mit einem Glaubw\u00fcrdigkeitsbonus in die deutsche Einheit gestartet. In der DDR hat nur eine Minderheit ohne Einschr\u00e4nkungen den Nachrichtensendungen aus der Bundesrepublik vertraut &#8211; vor allem bestimmte Gruppen von K\u00fcnstlern und Intellektuellen sowie Menschen, die mit dem Staat und ihrem Leben insgesamt unzufrieden waren (wie Teile der technischen und medizinischen Eliten) oder dem System schon deshalb fern standen, weil sie engen Kontakt zur Kirche hatten. Selbst diese Mediennutzertypen, die, die SED-Medienpolitik ablehnten und sich vor allem im Westen orientierten, haben auch hinter den Informationen von der anderen Seite bestimmte Interessen vermutet und folglich mit Vorsicht und Skepsis reagiert (vgl. Meyen 2003).<\/p>\n<p>Der Uses-and-Gratifications-Approach, mit dem die Kommunikationswissenschaft Mediennutzung untersucht, geht davon aus, dass die Bedeutung der Medien ganz entscheidend von den Erfordernissen abh\u00e4ngt, die sich aus dem Alltag und aus der sozialen und aus der psychologischen Situation des Einzelnen ergeben. Zu dieser Situation geh\u00f6ren sicher immer auch erlernte Techniken im Umgang mit Medien, bei den DDR-B\u00fcrgern von einst etwa der Vergleich unterschiedlicher Quellen, das Suchen der &#8222;Wahrheit&#8220; in der Mitte und im Gespr\u00e4ch mit Nachbarn, Kollegen, Freunden. Die Bedeutung der sozialen Situation kann allerdings gar nicht \u00fcbersch\u00e4tzt werden. Wo weniger verdient wird[1], bleibt weniger Geld \u00fcbrig f\u00fcr m\u00f6gliche Alternativen zum Fernsehen &#8211; f\u00fcr Theater und f\u00fcr Gastst\u00e4tten, f\u00fcr Ausfl\u00fcge und f\u00fcr Freizeitsport. Vielleicht erschwert die von D\u00f6rfern und kleinen St\u00e4dten gepr\u00e4gte Siedlungsstruktur auch den Zugang zu solchen Freizeitm\u00f6glichkeiten. Und wo weniger verdient wird, gehen die Aktiven. Der Bev\u00f6lkerungsr\u00fcckgang in Ostdeutschland verteilt sich keineswegs gleichm\u00e4\u00dfig auf alle gesellschaftlichen Gruppen, sondern betrifft erneut, genau wie vor dem Mauerbau und wie vor dem Mauerfall, vor allem die Jungen, die Mobilen, die besser Ausgebildeten.<\/p>\n<p>Die DDR war ohnehin ein Land der &#8222;kleinen Leute&#8220;. Geh\u00f6rten die Ostdeutschen schon wegen ihrer Herkunft eher zu den unterhaltungsorientierten Mediennutzern, wurde diese Tendenz durch die Begleitumst\u00e4nde des Systemwechsels noch verst\u00e4rkt. Die Mehrheit der Ostdeutschen hat allein dadurch einen Statusverlust erlitten, dass sie sich pl\u00f6tzlich mit Schichten konfrontiert sahen, die es in der DDR nicht oder bestenfalls in Ans\u00e4tzen gegeben hatte. An die Spitze vieler Hierarchien sind Westdeutsche ger\u00fcckt, und die privaten Netzwerke, die sich die Ost-B\u00fcrger \u00fcber Jahrzehnte aufgebaut hatten, waren pl\u00f6tzlich nur noch die H\u00e4lfte wert, weil die Kontaktpersonen nicht mehr weiterhelfen konnten und weil viele den Arbeitsplatz wechseln mussten. Mit dem Verlust von Positionen und sozialen Funktionen sind die Chancen auf ein sinnerf\u00fclltes Leben geschwunden, besonders f\u00fcr diejenigen, das haben die biographischen Interviews gezeigt, die sich um die Fr\u00fcchte ihres Tuns gebracht sahen. Diese Machteinbu\u00dfen haben nat\u00fcrlich zun\u00e4chst die Generationen betroffen, die 1989\/90 im Arbeitsleben standen, die Folgen aber sp\u00fcren auch die Nachwachsenden &#8211; wenn Vaters Beziehungen nicht reichen, eine Karriere anzubahnen oder wenigstens eine Lehrstelle zu besorgen, wenn es nur um &#8222;sozialvertr\u00e4glichen&#8220; Stellenabbau geht und nicht um Aufstiegsperspektiven f\u00fcr die Jugend. Jeder Wandel von Machtverh\u00e4ltnissen verunsichert die Betroffenen und beeinflusst das Selbstwertgef\u00fchl. Schlagworte wie &#8222;Besserwessis&#8220; oder &#8222;westdeutsche Besatzer&#8220; spiegeln diesen Prozess. In Sonntagsreden zur &#8222;inneren Einheit&#8220; wird ebenso wie in Debatten \u00fcber Politikverdrossenheit oder Fremdenfeindlichkeit ausgeblendet, dass sich viele der Ostb\u00fcrger, vielleicht die meisten, als &#8222;Deutsche zweiter Klasse&#8220; bewertet sehen. Verwundert da die Anziehungskraft der Fernseh-Unterhaltung, verwundert da die Beliebtheit der &#8222;Heimatsender&#8220;, zumal wenn diese sich zum Anwalt der Bev\u00f6lkerung machen und die wieder gefundene regionale Identit\u00e4t als Sachse oder Th\u00fcringerin bedienen?<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"soziale-position-aufstiegsmotivation-und-mediennutzung\">Soziale Position, Aufstiegs&shy;mo&shy;ti&shy;va&shy;tion und Medien&shy;nut&shy;zung <\/span><\/h2>\n<p>Die These, dass die Ostdeutschen Medien st\u00e4rker unterhaltungsorientiert nutzen als die Westdeutschen, weil sie (objektiv und subjektiv) im sozialen Raum weiter unten stehen und ihre Aufstiegschancen schlechter einsch\u00e4tzen, wurde in einer repr\u00e4sentativen Telefonbefragung gepr\u00fcft, die sich auf Pierre Bourdieu (1987) st\u00fctzt. Der franz\u00f6sische Soziologe setzt bei einem Menschen an, der sich von anderen abheben will und nach Kapital strebt, um seine Position zu verbessern. \u00dcber Mediennutzung lassen sich dabei zwei Kapitalformen akkumulieren:<\/p>\n<ul>\n<li>Kulturelles Kapital. Hier geht es vor allem um die F\u00e4higkeit, mitreden zu k\u00f6nnen, wenn \u00fcber Politiker- und Trainerschicksale gesprochen wird, \u00fcber Ausstellungen, Bauprojekte oder Trends auf dem Finanzmarkt. Wie jede Form der Kapitalakkumulation kostet diese F\u00e4higkeit Aufwand und M\u00fche. <\/li>\n<li>Symbolisches Kapital. In jeder Gesellschaft gibt es ein kollektives Wissen, welche Medienangebote mit Arbeit verbunden (und folglich anstrengend) sind und welche eher nicht. Dieses kollektive Wissen garantiert, dass Medienrepertoires und Medienwissen genau wie Automarke, Wohnform oder Kleidung signalisieren, welche soziale Position ein Mensch anstrebt und welcher Gruppe er sich verbunden f\u00fchlt, welche Einstellungen und Werte er teilt und welche nicht. <\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Versuch, \u00fcber Mediennutzung Kapital zu akkumulieren, macht nur dann Sinn, wenn es die reale Chance gibt, dadurch die eigene Position zu verbessern. Da in Bourdieus sozialem Raum \u00f6konomisches Kapital dominiert, d\u00fcrfte die Aufstiegsmotivation gering sein, wenn man wenig Geld hat und auch die anderen Voraussetzungen (etwa: das soziale Kapital) vergleichsweise schlecht sind. Die Dispositionen eines Menschen erfasst Bourdieu mit dem Habitus-Konzept. Der Habitus ist dabei nicht angeboren, sondern speist sich aus den Erfahrungen, die ein Mensch in seinem Leben macht. Diese (individuellen und kollektiven) Erfahrungen wiederum h\u00e4ngen in erster Linie von der sozialen Position ab und f\u00fchren zu &#8222;Systemen dauerhafter Dispositionen&#8220;, die als &#8222;strukturierende Strukturen&#8220; wirken (Bourdieu 1976: 165) und damit helfen k\u00f6nnen, Mediennutzung zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>In einer repr\u00e4sentativen Telefonbefragung (Januar 2008, Grundgesamtheit: erwachsene Deutsche, N=479) wurden Habitus und soziale Position (Kapital) als unabh\u00e4ngige Variablen konzeptualisiert und Mediennutzung sowie Medienbewertung als abh\u00e4ngige. Es ist hier weder der Ort, die Operationalisierungen der komplexen Grundbegriffe Bourdieus sowie des Medienverhaltens im Detail vorzustellen, noch k\u00f6nnen die Ergebnisse in ganzer Breite diskutiert werden (vgl. Jandura &amp; Meyen 2009).<\/p>\n<p>Abbildung 3: Soziale Position in Ost- und Westdeutschland <br \/>XXXXXXX Tabelle<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst best\u00e4tigen die Daten das bekannte Bild &#8211; sowohl zur regionalen Verteilung der Schichtzugeh\u00f6rigkeit (Abbildung 3) als auch zu den Mustern der Mediennutzung. Befragte mit hoher sozialer Position meiden genau wie Westdeutsche unterhaltende Angebote und nutzen Medien deutlich st\u00e4rker zur Distinktion (zur Akkumulation von kulturellem und symbolischem Kapital) als Befragte mit einer niedrigen sozialen Position und Ostdeutsche.<\/p>\n<p>Da die Differenzen zwischen Ost- und Westdeutschland sowie zwischen Personen mit niedrigem und hohem sozialen Status sehr \u00e4hnlich waren, wurde mit einer multiplen hierarchischen Regression untersucht, was die soziale Position besser erkl\u00e4rt: Herkunft oder soziale Position. Grundlage war ein Modell, in dem die Dauer der Fernsehnutzung sowie die Zuwendung zu Medieninhalten, die sich zur Kapitalakkumulation eignen (abh\u00e4ngige Variablen), von zahlreichen unabh\u00e4ngigen Variablen beeinflusst werden. Gefragt wurde dabei, welche Gruppen unabh\u00e4ngiger Variablen die Varianz der abh\u00e4ngigen Variablen besser erkl\u00e4ren k\u00f6nnen. Die Befunde sind eindeutig: Alle Variablen-Bl\u00f6cke haben Einfluss &#8211; bis auf die regionale Herkunft. Bei der TV-Dauer zum Beispiel erkl\u00e4ren Soziodemographie und soziale Position zusammen 60 Prozent der Varianz, die Nutzungsmotive neun Prozent, die Bedeutung der Medien f\u00fcr die Befragten 16 Prozent und die regionale Herkunft gerade einmal zwei Prozent.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"fazit-und-ausblick\">Fazit und Ausblick<\/span><\/h2>\n<p>Dass die Ostdeutschen ihre Aufstiegschancen schlechter einsch\u00e4tzen und dass sich hier 50 Prozent der Arbeiterschicht zuordnen (im Westen: 31 Prozent) sowie nur drei Prozent der Mittel- und Oberschicht (West: 13 Prozent, vgl. Gesis 2009: 16), k\u00f6nnte neben den objektiven Gegebenheiten auch mit dem subjektiven Blick auf den Einheitsdiskurs zu tun haben. &#8222;Stellen wir gleich eingangs das Selbstverst\u00e4ndliche klar&#8220;, schrieb zum Beispiel Peter Paul Kubitz zum Thema &#8222;50 Jahre deutsches Fernsehen&#8220; Ende 2002. &#8222;Jawohl, das DDR-Fernsehen war zu 70, nein 80, 90 (oder sogar 99?) Prozent Propaganda&#8220; (Kubitz 2002: 24f.). Solche &#8222;Selbstverst\u00e4ndlichkeiten&#8220; vernebeln den Blick daf\u00fcr, dass viele der Sendungen aus Berlin-Adlershof sehr wohl bestimmte Bed\u00fcrfnisse der Zuschauer erf\u00fcllt haben. <i>Der Polizeiruf <\/i>oder <i>Ein Kessel Buntes <\/i>geh\u00f6rten in der DDR genauso zum Alltag wie <i>Radio DDR<\/i>, die SED-Bezirkszeitung, die <i>Wochenpost <\/i>und f\u00fcr nicht wenige auch die <i>Junge Welt <\/i>oder das <i>Neue Deutschland <\/i>&#8211; Dinge, die da sind, die einen hin und wieder \u00e4rgern, \u00fcber die man sich ansonsten aber nicht sehr viele Gedanken macht. Der Systemwechsel hat auch diesen Teil des Alltags ver\u00e4ndert &#8211; eine Ver\u00e4nderung, die in diesem Ausma\u00df niemand ohne Not von sich aus ansto\u00dfen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Der Mensch braucht in seinem Tagesablauf Fixpunkte zur Orientierung, Gewohnheiten und Routinen. Die Stimme im Radio, die Sportmeldungen zu einer bestimmten Zeit, die Zeitung aus dem Kasten holen, die Kolumne der Lieblingsautorin. Es ist kein Zufall, dass die regionalen Tageszeitungen im Osten nach wie vor sehr viele Leser erreichen. In dem Bereich, in dem es formal die wenigsten Umstellungen gab (l\u00e4ngst nicht alle SED-Bl\u00e4tter haben den Namen gewechselt, und je unattraktiver der Standort f\u00fcr westdeutsche Journalisten war, desto gr\u00f6\u00dfer ist der Anteil der Redakteure mit Ost- und zum Teil mit Bezirkszeitungs-Herkunft), in diesem Bereich sind die Unterschiede am geringsten, und das, obwohl die wirtschaftliche Lage im Osten die Familien viel eher zwingt, \u00fcber den Sinn eines Zeitungsabonnements nachzudenken.<\/p>\n<p>Man mag Argwohn hegen gegen die &#8222;alten Seilschaften&#8220; in der Presse und man kann die Anzeigenbl\u00e4tter, die in den neuen L\u00e4ndern hohe Reichweiten haben und vielen Lesern inzwischen die Tageszeitung ersetzen, als &#8222;ein Refugium f\u00fcr alte SED-Journalisten&#8220; beschreiben, wie der Filmregisseur Konrad Wei\u00df, der die Unzufriedenheit im Osten als ein Produkt der &#8222;permanenten ideologischen Diversion&#8220; gesehen hat (vgl. Holzwei\u00dfig 2002: 178f.). Man kann aber auch fragen, ob B\u00fcrgerrechtler und Journalisten aus der Bundesrepublik die Menschen genauso h\u00e4tten erreichen k\u00f6nnen. Den Medien aus dem anderen Teil des Landes ist oft vorgeworfen worden, zu wenig \u00fcber den Osten zu berichten und wenn, dann eher einseitig, durch die &#8222;Westbrille&#8220; (vgl. Fr\u00fch et al. 1999). Bei allem Bem\u00fchen und bei ehrlichem Wollen d\u00fcrfte es Menschen, die in der alten Bundesrepublik sozialisiert worden sind, nicht m\u00f6glich sein, den Erfahrungshorizont der Ostdeutschen zu treffen, erst recht nicht von denen, die sich in der DDR eingerichtet hatten, dort zufrieden oder gar gl\u00fccklich waren. Diese Situation d\u00fcrfte sich nicht &#8222;biologisch&#8220; \u00e4ndern lassen, sondern nur \u00fcber einen Wohlstandsschub. &#8222;Die Unterschiede in der Mediennutzung zwischen Ost- und Westdeutschland&#8220; werden so lange &#8222;bestehen&#8220; bleiben (Zubayr 2009: 112), wie die sozialen Positionen in Ost und West unterschiedlich verteilt sind.<\/p>\n<p>[1] Monatliches Haushaltseinkommen in Ost und West 2008. Unter 1500 Euro: 50,2 vs. 36,6 Prozent; 1500 bis 2600 Euro: 33,0 vs.<\/p>\n<p>32,9 Prozent, \u00fcber 2600 Euro: 16,5 vs. 29,9 Prozent. Quelle: Statistisches Bundesamt.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"literatur\">Literatur <\/span><\/h2>\n<p><i>Bouhs, Daniel <\/i>2009: Super brisant: Boulevard aus dem Osten, in: taz vom 12. August.<\/p>\n<p><i>Bourdieu, Pierre<\/i> 1976 : Entwurf einer Theorie der Praxis auf der ethnologischen Grundlage der kabylischen Gesellschaft, Frankfurt.<\/p>\n<p><i>Bourdieu, Pierre<\/i> 1987: Die feinen Unterschiede, Frankfurt.<\/p>\n<p><i>Darschin, Wolfgang; Zubayr, Camille<\/i> 2000: Warum sehen die Ostdeutschen anders fern als die Westdeutschen? in: Media Perspektiven, S. 249-257.<\/p>\n<p><i>Donsbach, Wolfgang<\/i> 2007: M\u00f6glichkeiten der Ver\u00e4nderung des politischen Klimas in den neuen L\u00e4ndern. In: Borchard, Michael (Hrsg.) Politische Kultur in den Neuen L\u00e4ndern., Sankt Augustin, Berlin, S. 43-59.<\/p>\n<p><i>Frey-Vor, Gerlinde; Gerhard, Heinz; Mende, Annette<\/i> 2002a: Daten der Mediennutzung in Ost-und Westdeutschland. Ergebnisse von 1992 bis 2001 im Vergleich, in: Media Perspektiven, S. 54-69.<\/p>\n<p><i>Frey- Vor, Gerlinde; Gerhard, Heinz; Mohr, Inge <\/i>2002b: Mehr Unterschiede als Ann\u00e4herung? Informationsnutzung in Ost- und Westdeutschland, in: Media Perspektiven, S. 70-76.<\/p>\n<p><i>Fr\u00fch, Werner; Hasebrink, Uwe; Krotz, Friedrich; Kuhlmann, Christoph; Stiehler, Hans-J\u00f6rg<\/i> (1999): Ostdeutschland im Fernsehen, M\u00fcnchen.<\/p>\n<p><i>Fr\u00fch, Werner; Stiehler, Hans-J\u00f6rg <\/i>2002: Fernsehen in Ostdeutschland. Eine Untersuchung zum Zusammenhang zwischen Programmangebot und Rezeption, Berlin.<\/p>\n<p><i>Holzwei\u00dfig, Gunter<\/i> 2002: Die sch\u00e4rfste Waffe der Partei. Eine Mediengeschichte der DDR, K\u00f6ln<\/p>\n<p>IP Deutschland 2000: Deutschland &#8211; einig Fernsehland? K\u00f6ln.<\/p>\n<p><i>Jandura, Olaf; Meyen, Michael<\/i> 2009: Warum sieht der Osten anders fern? Eine repr\u00e4sentative Studie zum Zusammenhang zwischen sozialer Position und Mediennutzung. Unver\u00f6ffentlichtes Manuskript (bei Bedarf bei den Autoren anzufordern).<\/p>\n<p><i>Kubitz, Peter Paul<\/i> 2002: DDR-Fernsehen birgt viele verlorene Sch\u00e4tze, in: Tendenz, H. 4, S. 24f.<\/p>\n<p><i>Meyen, Michael <\/i>2003: Denver Clan und Neues Deutschland. Mediennutzung in der DDR, Berlin.<\/p>\n<p><i>Schulz, Winfried<\/i> 1997: Vielseher im dualen Rundfunksystem. Sekund\u00e4ranalyse zur Langzeitstudie Massenkommunikation, in: Media Perspektiven, S. 92-102.<\/p>\n<p><i>Spielhagen, Edith <\/i>1995: Ergebnisse der Oststudie der ARD\/ZDF-Medienkommission, in: Media Perspektiven, S. 362-392.<\/p>\n<p><i>Steinmetz, R\u00fcdiger; Viehoff, Reinhold <\/i>2008: Deutsches Fernsehen Ost, Berlin.<\/p>\n<p><i>Stolte, Dieter; Rosenbauer, Hansj\u00fcrgen<\/i> 1995: Die doppelte \u00d6ffentlichkeit, in: Media Perspektiven, S. 358-361.<\/p>\n<p><i>Tuma, Thomas<\/i> 2000: Mach dich raus! Die DDR lebt &#8211; zumindest im TV-Programm des Mitteldeutschen Rundfunk, in: Der Spiegel, H. 20, S. 118-121.<\/p>\n<p><i>Zubayr, Camille; Geese, Stefan<\/i> 2009: Die Informationsqualit\u00e4t der Fernsehnachrichten aus Zuschauersicht, in: Media Perspektiven, S. 158-173.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[1862,1863],"publikationen":[2822],"class_list":["post-10965","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-michael-meyen","autoren-olaf-jandura","publikationen-187-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die doppelte \u00d6ffentlichkeit - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/187-vorgaenge\/publikation\/die-doppelte-oeffentlichkeit\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Die doppelte \u00d6ffentlichkeit - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Ursachen der Ost-West-Unterschiede bei der Mediennutzung aus: vorg\u00e4nge Nr. 187, Heft 3\/2009, S. 76-94 SuperIllu vs. Spiegel: Es gibt kaum ein besseres Bild f\u00fcr die unsichtbare Grenze zwischen dem Osten und dem Westen Deutschlands. 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