{"id":10983,"date":"2009-06-01T15:00:00","date_gmt":"2009-06-01T13:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/die-zerrissene-mitte\/"},"modified":"2009-06-01T12:00:00","modified_gmt":"2009-06-01T10:00:00","slug":"die-zerrissene-mitte","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/186-vorgaenge\/publikation\/die-zerrissene-mitte\/","title":{"rendered":"Die zerrissene Mitte"},"content":{"rendered":"<p>Der Ort gesellschaftlichen Konfliktausgleichs ist zu einem neuen Konfliktzentrum geworden;<\/p>\n<p>aus: vorg\u00e4nge Nr. 186, Heft 2\/2009, S. 92-96<\/p>\n<p>Ein wirkm\u00e4chtiges Zeitalter wohlfahrtsstaatlicher Intervention und arbeitsgesellschaftlicher Integration vergeht. Die Konturen des Neuen &#8211; die Physiognomie der prek\u00e4ren Arbeitswelt und die Entwicklung des projektorientierten, gew\u00e4hrleistenden Wohlfahrtsstaats &#8211; bleiben an manchen Stellen noch unscharf. Umso klarer und deutlicher tritt uns daf\u00fcr die Erinnerung an eine Epoche sozialen Aufstiegs und beruflicher Mobilit\u00e4t vor Augen, die den Referenzrahmen des aktuellen staatlichen und gesellschaftlichen Wandels absteckt. Diese Epoche sorgte f\u00fcr die Individualisierung von Lebenswegen und \u00f6ffnete neue Handlungs- und Konsumspielr\u00e4ume. Wegbereiter und Garant dieser \u00c4ra wohl formierter Aufsteigergesellschaften war in weiten Teilen Europas die rechtstaatlich gerahmte und korporativ gestaltete Sozialverfassung des Wohlfahrtsstaates.[1]<\/p>\n<p>Hier konnte sich auf der einen Seite ein starkes soziales Bewusstsein und die Bereitschaft zu gegenseitiger Verantwortung bzw. Hilfe entfalten; auf der anderen Seite entwickelten sich auch Haltungen individualisierten Eigennutzes, Praktiken materieller Mitnahmeeffekte und Konkurrenzen beruflicher Selbstbehauptung. Die Effekte dieses Zeitalters &#8211; dieses &#8222;golden age of capitalism&#8220; oder dieser &#8222;trente glorieuse&#8220; &#8211; waren daher durchaus zwiesp\u00e4ltig und bei Weitem nicht so eindeutig &#8222;golden&#8220; oder &#8222;glorreich&#8220;, wie es manchen Betrachtern (aus der publizistischen, politischen oder auch wissenschaftlichen Wohlstandsmitte) im milden Licht einer auslaufenden Epoche erscheinen mag. Jedenfalls gilt, dass diese Verbindung von Wohlfahrtsstaat, Sozialpolitik und Erwerbsarbeit den Referenzpunkt f\u00fcr aktuelle Wohlstandskonflikte bildet und den Ma\u00dfstab f\u00fcr gesellschaftliche Integration und wohlfahrtsstaatliche Steuerungsf\u00e4higkeit liefert. Ihre besondere Energie bezog diese Gesellschaft aus der Dynamik der Aufstiegserm\u00f6glichung, der produktiven (aber oft auch ressentimentgeladenen) Spannung zwischen Mobilit\u00e4t und Sekurit\u00e4t, sowie aus neuen sozialen Perspektiven f\u00fcr viele und der Bereitschaft zur Sorge f\u00fcr alle. Das sozialstrukturelle und mentale Produkt dieser Zeit war die Etablierung einer breiten und stabilen Mittelklasse. Die umfangreiche und vielgestaltige Mitte der Gesellschaft ist das Ergebnis wohlfahrtsstaatlicher Politik, aber zugleich ist der Wohlfahrtsstaat fiskalisch, demographisch, kulturell und mental auf diese starke Mittelklasse als steuerkr\u00e4ftige Arbeitnehmerschaft angewiesen. Wohlstand und Statussicherheit der sozialen Mitte sind ebenso staatsbed\u00fcrftig wie die Leistungs- und F\u00fcrsorgesysteme des Wohlfahrtsstaates steuerbed\u00fcrftig sind. Dieses B\u00fcndnis wechselseitiger Abh\u00e4ngigkeit steht in Frage und hat viel von seiner Funktionsf\u00e4higkeit eingeb\u00fc\u00dft. Zugleich beobachten wir, dass sich Aufgabenzuschnitt und Selbstverst\u00e4ndnis wohlfahrtsstaatlicher Aktivit\u00e4ten zu ver\u00e4ndern beginnen. Dieser Prozess kommt in der institutionellen Fortbildung vom &#8222;sorgenden&#8220; zum &#8222;gew\u00e4hrleistenden&#8220; Staat zum Ausdruck und kann an den grundlegend ver\u00e4nderten T\u00e4tigkeitsfeldern der \u00f6ffentlichen Dienste sowie der Wohlfahrts- und Rechtspflege gut nachvollzogen werden. Auch die Lebensformen und Mentalit\u00e4ten, die Handlungsspielr\u00e4ume und Arbeitsweisen der Mittelklasse sind nicht mehr die alten. Prek\u00e4re Besch\u00e4ftigungsformen machen sich in den Bereichen qualifizierter Facht\u00e4tigkeit breit, staatliche Anspr\u00fcche an private Vorsorgeleistungen schm\u00e4lern das vorhandene Budget. In der Arbeitswelt und in den staatlichen Sorgeleistungen finden sich immer seltener Orte der Statussicherheit. Die Abstiegsangst der statusbewussten Mittelklasse ist mehr als ein Schlagwort. Das sozialstrukturelle Vokabular der &#8222;sozialen Verwundbarkeit&#8220; und des &#8222;prek\u00e4ren Wohlstands&#8220; bringt diese Entwicklungen auf den Begriff.<\/p>\n<p>Prekarit\u00e4t und soziale Verwundbarkeit sind die Signalw\u00f6rter neuer sozialer Ungleichheiten, die darauf hinweisen, dass bestimmte soziale Milieus, die in der Mitte der Gesellschaft situiert sind, unter Druck geraten sind &#8211; die Arbeitnehmerschaft der beruffachlich qualifizierten Facharbeiter und Fachangestellten im privaten wie \u00f6ffentlichen Sektor. Es sind freilich nicht nur deren eigene berufliche Perspektiven br\u00fcchig geworden, auch die Weitergabe ihres sozialen Erbes steht in Frage. Statusfragen sind immer auch Generationenfragen, Abstiegssorgen immer auch Sorgen um die Zukunft des eigenen Nachwuchses. Die gesellschaftspolitische Brisanz dieser biographischen Verunsicherungen und strukturellen Gef\u00e4hrdungen besteht darin, dass diesen Arbeitnehmermilieus in der Entwicklungsgeschichte europ\u00e4ischer Wohlfahrtsstaaten zentrale arbeitsgesellschaftliche Integrations- und Koh\u00e4sionsfunktionen zukommen. Sie repr\u00e4sentieren die Tr\u00e4gerschichten der Wohlstands\u00f6konomie und des politischen Gemeinwesens. Sie waren Profiteure und vorw\u00e4rtstreibende Kr\u00e4fte staatlicher Expansion, aber im Gegenzug auch Stabilit\u00e4tskerne in einer mobilen Sozialordnung.<\/p>\n<p>An diesen mittleren und zentralen Orten der Gesellschaft sind ein Gutteil der Steuerkraft, das Gros der Sozialversicherungsbeitr\u00e4ge und auch starke Potentiale b\u00fcrgerschaftlichen Engagements zu Hause. Doch die Befunde sind eindeutig: Am Beispiel zahlreicher empirischer Studien konnte in dieser Untersuchung die allm\u00e4hliche Erosion des gewerkschaftlich organisierten Milieus der industriellen und handwerklichen Facharbeiterschaft nachgezeichnet werden. Dieses Milieu war \u00fcber lange Jahrzehnte der Garant tarifvertraglicher Disziplin, gemeinwohlorientierter Mitbestimmung und kompromissbereiter Leistungsbereitschaft; zugleich deutet sich in den Berichten zum Wandel der \u00f6ffentlichen Besch\u00e4ftigung an, dass das Mittelklassemilieu \u00f6ffentlicher Dienste, das loyal den normativen Haushalt der Gesellschaft pflegt und bewirtschaftet und daf\u00fcr eine moderate, aber sichere Entlohnung sowie zukunftsfeste berufliche Laufbahngarantien erh\u00e4lt, in seiner institutionellen, rechtlichen und materiellen Existenzgrundlage bedroht ist. Wenn wir sehen, wie selbstverst\u00e4ndlich mittlerweile der Einsatz von Leiharbeitern und befristet Besch\u00e4ftigten in der Industrie geworden ist, wie konzessionsbereit sich Arbeiter und Angestellte in nahezu allen Branchen gegen\u00fcber den &#8222;Anforderungen des Marktes&#8220; zeigen, und wie weit die Verminijobbung der \u00f6ffentlichen Dienste bereits vorangeschritten ist, dann scheint die Rede von der Verunsicherung der Mittelklasse tats\u00e4chlich zu blass zu sein. Alles deutet darauf hin, dass in der Mitte der Gesellschaft nicht nur neue Spaltungen aufbrechen, sondern auch echte Verluste und neue Belastungen zu verkraften sind. Die Sorge, wenig gewinnen, aber viel verlieren zu k\u00f6nnen, ist nicht nur ein vages Gef\u00fchl der Bedrohung, sondern eine reale wirtschaftliche, berufliche und soziale Erfahrung. Arbeitnehmer, die vor Jahren noch davon ausgehen konnten, dass sie aufgrund ihrer beruflichen Fertigkeiten und professionellen Erfahrungen auf der sicheren Seite des gesellschaftlichen Wandels stehen, sehen sich nun bedroht und gef\u00e4hrdet, erleben Verluste und Deklassierungen.<\/p>\n<p>Das gilt keineswegs an allen, aber an immer mehr Orten der Gesellschaft. Die Zentralkonflikte der gesellschaftlichen Entwicklung werden sich in Zukunft immer intensiver auch an Statusfragen und Wohlstandschancen entz\u00fcnden. Der Konfliktort ist die Mitte, die Kontrahenten sind die, die ihren Wohlstand festigen bzw. vermehren k\u00f6nnen, und die, die um seinen Bestand mehr und mehr k\u00e4mpfen m\u00fcssen. In der Mitte der Gesellschaft ist mithin der prek\u00e4re Wohlstand der unsicher Besch\u00e4ftigten vom parzellierten Wohlstand kreditbelasteter Eigenheimbesitzer und vom Scheinwohlstand derer, die auf Pump leben, zu unterscheiden.<\/p>\n<p>Auf die Tatsache, dass die mittleren Lebensbedingungen und M\u00f6glichkeiten der Lebensf\u00fchrung ungleicher werden, weisen insbesondere die Indikatoren der Einkommensverteilung hin. Zugleich machen arbeitssoziologische Befunde klar, dass sich die mittleren Arbeitsfelder und Professionen in ihren arbeitsrechtlichen Sicherungen und tariflichen Entlohnungen stark differenzieren. Die homogenisierenden und stabilisierenden Kr\u00e4fte der Sozialversicherung, des Rahmentarifvertrags und der kollektiven Daseinsvorsorge &#8211; mithin die formativen Klammern der Mittelklasse &#8211; werden schw\u00e4cher und wirken normativ ersch\u00f6pft. Diese Entwicklung ist nicht allein Ausdruck \u00f6konomischer Zwangsl\u00e4ufigkeiten. In ihr kommen auch ver\u00e4nderte politische Ordnungsvorstellungen des Sozialen bzw. des gesellschaftlich Allgemeinen zum Tragen. Diese Ordnungsvorstellungen sind keineswegs nur abstrakte Gebilde des Staats- oder Verwaltungsrechts. Sie konkretisieren, ja materialisieren sich in der Gestaltung und Justierung der \u00f6ffentlichen Dienste, der Wohlfahrtspflege und der sozialen wie technischen Daseinsvorsorge.<\/p>\n<p>Diese Arbeitsfelder, die normative G\u00fcter bereitstellen und denen die \u00f6ffentlichen Angelegenheiten anvertraut sind, unterliegen einem allm\u00e4hlichen, aber anhaltenden Prozess der Entwertung und Demontage. Diese Entwicklungen korrespondieren mit der Aufwertung des Privaten, das die partikularen Interessen der betriebswirtschaftlichen Rechnungslegung als universale Prinzipien gesellschaftlicher Gestaltung erscheinen l\u00e4sst. Die zweifelsfreie Notwendigkeit kostenbewussten Wirtschaftens vermengt sich auf problematische Weise mit den je spezifischen Anforderungen staatlicher oder gemeinwohlorientierter Dienste. Diese Formver\u00e4nderungen der wohlfahrtsstaatlichen Architektur, der Rede \u00fcber das \u00d6ffentliche und die politische Selbstbehauptungsf\u00e4higkeit bleiben nicht ohne gesellschaftliche Folgen. F\u00fcr die Struktur, die Lebensf\u00fchrung, die Erwerbsbedingungen und die Mentalit\u00e4t der Mittelklasse sind sie von unmittelbarer Bedeutung. Denn deren steuerliche, berufliche, famili\u00e4re und normative Leistungskraft kann nicht unabh\u00e4ngig von der k\u00fcnftigen Entwicklung des staatlichen Gef\u00fcges gedacht werden. Die Wohlstandskonflikte sind unmittelbar mit der Ver\u00e4nderung von Staatlichkeit verkn\u00fcpft.<\/p>\n<p>Sicher, im Spannungsfeld von &#8222;Minusvisionen&#8220; und neuen Gelegenheiten in der Mitte der Gesellschaft k\u00f6nnen wir auch sehen, dass die Ver\u00e4nderungen von Wohlfahrtsstaat und Arbeitsgesellschaft keineswegs nur Verlierer und Absteiger hervorbringen. Die Dekonstruktionen der Arbeitswelt, die Neujustierung staatlicher Sicherung und Sorgeleistung, die Gef\u00e4hrdungen erreichter Statuslagen und die Entwertung bestimmter professioneller Milieus industrieller Facharbeit oder \u00f6ffentlicher Dienste &#8211; das ist eine starke Entwicklungsrichtung gesellschaftlicher Ver\u00e4nderung. Doch selbstverst\u00e4ndlich erschlie\u00dfen sich in jeder Ver\u00e4nderung der Strukturen, Organisationsformen und Anforderungen der Berufwelt neue berufliche und soziale Perspektiven. Exemplarisch gilt das f\u00fcr diejenigen, die in der wachsenden Verschr\u00e4nkung von \u00f6ffentlichem Sektor und privatem Betrieb das Wasser der Ver\u00e4nderung auf ihre M\u00fchlen lenken k\u00f6nnen. F\u00fcr zahlreiche beratende, organisierende, gestaltende und therapierende Dienstleistungen \u00f6ffnen sich neue M\u00e4rkte und Karrieren &#8211; gerade in den Bereichen der Arbeitswelt, in denen sich der Wohlfahrtsstaat in seiner neuen Rolle der Gew\u00e4hrleistung, Projektierung und Vertraglichung formiert. Keine Stagnation und auch kein Zerfall des Sozialen, nirgends. Alles in allem kann keine Rede davon sein, dass die Mittelklasse grunds\u00e4tzlich an Dynamik oder Ver\u00e4nderungsf\u00e4higkeit verliert. Schon gar nicht droht ihr Verschwinden.<\/p>\n<p>Wenig spricht daf\u00fcr, dass wir auf eine Gesellschaft zusteuern, die nur noch Arme und Reiche, Ausgeschlossene und Privilegierte kennt. Dennoch: Die strukturellen, die materiellen und die normativen Substanzverluste der Wohlstandsmitte sind erheblich. Die Gesellschaft beginnt sich ohne Zweifel nicht nur von ihren Randlagen der Armut und Dauerarbeitslosigkeit, sondern immer st\u00e4rker auch aus ihrer Mitte heraus zu ver\u00e4ndern. Insbesondere mit der politisch forcierten Strukturver\u00e4nderung der \u00f6ffentlichen Dienste droht der strukturelle und normative Kern demokratischer, auf sozialen Ausgleich, Gemeinwohl und Vorsorge bedachter Gesellschaften br\u00fcchig zu werden. Der Ort des gesellschaftlichen Konfliktausgleichs ist zu einem neuen beruflichen, materiellen und symbolischen Konfliktzentrum geworden. Ob diese Konflikte um die Neubestimmung von Wohlstandsfragen und Wohlstandsqualit\u00e4ten allein destruktive Wirkungen entfalten, oder ob sie auch eine konstruktive Seite entwickeln k\u00f6nnen, ist freilich nicht von vorneherein ausgemacht. Die M\u00f6glichkeiten zur Belebung der \u00f6ffentlichen Dienste, zur Anpassung sozial- und arbeitsrechtlicher Schutzkreise an ver\u00e4nderte soziale Bed\u00fcrfnisse und zur Neubestimmung der Kommunalit\u00e4t gesellschaftlicher Gestaltung werden wichtige Anhaltspunkte und Ma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr die Zukunft nicht nur der &#8222;Wohlstandsmitte&#8220; sein.<\/p>\n<p>Es darf dabei kein Zweifel dar\u00fcber bestehen, dass bestimmte Gruppen und Milieus (nicht nur in der Mitte der Gesellschaft) k\u00fcnftig entsprechend ihrer Leistungsm\u00f6glichkeiten und ihrer F\u00e4higkeit zur Selbstsicherung st\u00e4rker in Anspruch genommen werden m\u00fcssen. Sie sind zahlungskr\u00e4ftig, sie konnten von staatlichen Einrichtungen und Vorsorgesystemen profitieren und sind die Tr\u00e4gergruppen aktueller Ver\u00e4nderungen privatwirtschaftlichen wie \u00f6ffentlichen Wirtschaftens. Als Gewinner sozialen Wandels bed\u00fcrfen sie weit weniger staatlicher Unterst\u00fctzung, als sie das selbst oft f\u00fcr sich reklamieren. Doch f\u00fcr eine wachsende Zahl von Personen und insbesondere f\u00fcr Familien in der Mittelklasse sind die Ver\u00e4nderungen in der Arbeitswelt und in der Wohlfahrtspflege immer schwieriger zu verkraften. Sie sind staatsbed\u00fcrftig, sie erwarten eine Politik, die kl\u00fcger, gerechter und ungleichheitssensibler ist als leere Marktrhetorik und sie lehnen ein Gesellschaftsmodell ab, das sich in seinen wirtschaftlichen Zielsetzungen und seiner politischen Programmatik von einer Gewinner-Verlierer-Mentalit\u00e4t leiten l\u00e4sst. Wohlstandskonflikte sind nicht nur materieller Natur. Sie enthalten auch Wertma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr die Qualit\u00e4t des gesellschaftlichen Zusammenlebens und f\u00fcr eine tragf\u00e4hige sowie verantwortungsvolle wirtschaftliche, \u00f6kologische, soziale und rechtliche Ordnung, die die n\u00e4chste Generation und ihre Lebensbedingungen respektiert und in ihre \u00dcberlegungen mit einbezieht. In den Wohlstandskonflikten von heute spiegeln sich die gesellschaftlichen Zukunftsfragen von morgen. Als Zukunftsfragen fordern sie die soziologische Diagnostik gegenw\u00e4rtiger Konflikte heraus. Deren Quelle entspringt in der Mitte der Gesellschaft.<\/p>\n<p><b>* <\/b>Der Autor hat zu den &#8222;sozialen Fragen, die aus der Mitte kommen&#8220; ein Buch mit dem Titel &#8222;Wohlstandskonflikte&#8220; verfasst. Es wurde bei der Hamburger Edition verlegt.<\/p>\n<p>[1] Vgl. Kaelble, Sozialgeschichte Europas, sowie die aktuellen und weiterf\u00fchrenden Beitr\u00e4ge der international vergleichenden Wohlfahrtsstaatsforschung, u.a. bei Rieger\/Leibfried, Limits to globalization oder bei Scharpf\/Schmidt, Welfare and Work in the Open Economy.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[1880],"publikationen":[2821],"class_list":["post-10983","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-berthold-vogel","publikationen-186-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die zerrissene Mitte - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/186-vorgaenge\/publikation\/die-zerrissene-mitte\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Die zerrissene Mitte - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Der Ort gesellschaftlichen Konfliktausgleichs ist zu einem neuen Konfliktzentrum geworden; aus: vorg\u00e4nge Nr. 186, Heft 2\/2009, S. 92-96 Ein wirkm\u00e4chtiges Zeitalter wohlfahrtsstaatlicher Intervention und arbeitsgesellschaftlicher Integration vergeht. 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