{"id":10984,"date":"2009-06-01T14:00:00","date_gmt":"2009-06-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/es-ist-zeit-fuer-einen-green-new-deal\/"},"modified":"2021-08-30T15:40:35","modified_gmt":"2021-08-30T13:40:35","slug":"es-ist-zeit-fuer-einen-green-new-deal","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/186-vorgaenge\/publikation\/es-ist-zeit-fuer-einen-green-new-deal\/","title":{"rendered":"Es ist Zeit f\u00fcr einen Green New Deal"},"content":{"rendered":"<p>aus: vorg&auml;nge Nr. 186, Heft 2\/2009, S. 97-106<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"i-katastrophenhilfe-ohne-veraenderungswillen\">I. Katas&shy;tro&shy;phen&shy;hilfe ohne Ver&auml;n&shy;de&shy;rungs&shy;willen <\/span><\/h2>\n<p>Angesichts der Wirtschaftskrise werden viele Rezepte ersonnen, um die Lage zu stabilisieren. Durchgesetzt hat sich bislang im politischen Vordergrund ein (phantasieloser) Ad-hoc-Keynsianismus, hinter dessen R&uuml;cken bereits die R&uuml;ckkehr zu &#8222;business as usual&#8220; vorbereitet wird. Die konzeptionellen Vorschl&auml;ge zur Bew&auml;ltigung der Finanz- und Wirtschaftskrise stammen &uuml;berwiegend aus dem (Denk)Milieu und den Akteursnetzwerken derer, die die Krise verursacht haben. Konsequenterweise gibt es trotz lauter Ank&uuml;ndigungen nur zaghafte Ans&auml;tze strengerer Regulierung, w&auml;hrend die &Uuml;bernahme enormer Kosten und Risiken der Privatwirtschaft durch den Staat im Sauseschritt erfolgt. Anstatt die Gestaltungsmacht des Staates endlich zu nutzen und dadurch zu st&auml;rken, legt die Bundesregierung ihren Nachfolgern mit diesem Schuldenberg die haushaltspolitischen Fesseln der Zukunft an. In der Folge k&ouml;nnte der Neoliberalismus[1] von seiner selbstverschuldeten Krise sogar noch dadurch profitieren, dass wegen des k&uuml;nftig massiveren Sparzwangs Forderung nach &#8222;B&uuml;rokratieabbau&#8220; eine vordergr&uuml;ndige Plausibilit&auml;t gewinnen. Der Neoliberalismus ist bislang der geheime Profiteur dieser Krise.<\/p>\n<p>Die allgemeine Emp&ouml;rung &uuml;ber das unmoralische Verhalten &#8222;der Manager&#8220; und deren Geh&auml;lter bzw. Bonuszahlungen ist zwar verst&auml;ndlich, trifft den Kern des im Wesentlichen regulatorischen Problems nicht und ist insbesondere aus dem Mund derer unredlich, die an den Grunds&auml;tzen der herrschenden &Ouml;konomik nie etwas auszusetzen hatten. Wenn Politiker ebenfalls das Problem einzig in der Ma&szlig;losigkeit bzw. Habgier von Teilen der Wirtschaftseliten oder gar nur einzelner &#8222;schwarzer Schafe&#8220; identifizieren, besteht die Gefahr, dass wesentliche Ursachen, n&auml;mlich die Regeln des Wirtschaftsleben, die genau dieses Verhalten hervorbringen und honorieren, unbeachtet bleiben. Tugendethische Emp&ouml;rung verebbt folgenlos und der Diskurs nimmt im Jahre 2009 ein neues &#8222;framing&#8220; an: Es geht jetzt darum, welche von Insolvenz und Konkurs bedrohten Firmen (nicht) mit Hilfe des Staates gerettet werden sollen (Opel, Arcandor, Quelle, Werften usw.). Die Rettungsaktionen bedeuten bislang allerdings keine St&auml;rkung des staatlichen Ordnungsrahmens. Vielmehr riskiert der Staat durch die Hilfen seine eigene finanzpolitische Gestaltungskraft[2]. Sobald der Staat seine Schuldigkeit getan hat, wird man wieder h&ouml;ren, dass er sich auf seine &#8222;Kernaufgaben&#8220; beschr&auml;nken m&ouml;ge. Die verebbende moralische Kritik an Habgier, die intakten Akteursnetzwerke der Wirtschaftseliten und das dominante Rettungs-&#8222;framing&#8220; sorgen im Vorwahlkampf daf&uuml;r, dass tiefer gehende Debatten &uuml;ber die Denkformen des Neoliberalismus, die Kontextualisierung der Wirtschaftskrise in andere politischen Rahmungen (Klimakrise, Armut usw.) und Regulierungsoptionen kaum noch die Filter medialer Aufmerksamkeit passieren. Die Bev&ouml;lkerung scheint mehrheitlich die der Krisenbew&auml;ltigung zu billigen. Wir leisten uns hier ein &#8222;dissenting vote&#8220;.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"ii-ursachenermittlung\">II. Ursache&shy;ner&shy;mitt&shy;lung <\/span><\/h2>\n<p>Beginnen wir mit einer Kritik an der Denkform des Neoliberalismus. Diese Denkform besteht aus bestimmten Grundannahmen und daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen: Individuen und Unternehmen, die (nur) so agieren, dass sie ihren individuellen Nutzen maximieren; M&auml;rkte als Koordinationsprinzip, was den Teilnehmern den gr&ouml;&szlig;ten Wohlstand verschafft und umso effizienter funktioniert, je weniger rechtliche Regulierung es gibt und je mehr Bereiche marktwirtschaftlich organisiert sind. Die Akteure d&uuml;rfen und sollen innerhalb der rechtlichen Rahmenordnung ihren Nutzen maximieren. Die Maximierung des eigenen Nutzens ist ex definitione &#8222;rational&#8220;. F&uuml;r die Vertreter dieser Denkform ist es demnach rational, in guten Jahren Profite zu privatisieren und in schlechten Jahren Verluste der Allgemeinheit aufzub&uuml;rden. Diese Strategie ist ebenso rational wie &#8222;moral-hazard&#8220;-Verhalten, wie &#8222;free riding&#8220; auf Kosten anderer und wie das Abw&auml;lzen externer Effekte. Es ist daher im Moment in diesem Sinne rational, m&ouml;glichst viele Folgekosten der Krise auf staatliche Haushalte, Arbeitnehmer und die nat&uuml;rliche Umwelt abzuw&auml;lzen.<\/p>\n<p>Ebenso rational ist es, in den Details der &#8222;bad-bank&#8220;-Konzeptionen versteckte Klauseln einzubauen, die den Banken nutzen und dem Staat schaden. Und man soll nicht vergessen, dass f&uuml;r die &ouml;konomische Rationalit&auml;t die menschliche Sprache nur ein Instrument intelligenter Nutzenmaximierung ist. Daher kann es bei passender Gelegenheit rational sein, zu rufen, dass &#8222;wir alle im gleichen Boot sitzen&#8220;. Alles in allem l&auml;sst sich aus der Finanzkrise soviel lernen, dass habitualisierte Nutzenmaximierer auch in Krisenzeiten ihren Verhaltensmaximen treu bleiben. Viel mehr als diese Erwartung in intelligentes strategisches Verhalten von Wirtschaftseliten ist von den Versprechungen des Neoliberalismus nicht &uuml;brig geblieben. Eine tiefer gehende Ver&auml;nderungsbereitschaft w&auml;re aus Sicht dieser Gruppen irrational und ist nicht zu erwarten.<\/p>\n<p>Man muss nat&uuml;rlich &uuml;ber eine Analyse der Denkform real&ouml;konomische Ursachen der Finanz- und Wirtschaftskrise identifizieren k&ouml;nnen, wenn man ernsthafte Therapievorschl&auml;ge unterbreiten m&ouml;chte. Plausibel scheint der marxistische Ansatz der &Uuml;berakkumulationskrise, die durch ges&auml;ttigte M&auml;rkte, &Uuml;berkapazit&auml;ten, zu geringe Massenkaufkraft in den wirtschaftlichen Zentren und die Ansammlung hoher Geldverm&ouml;gen gekennzeichnet ist. In neoklassischer Terminologie kann man von der &#8222;global-savingglut&#8220;- Hypothese ausgehen, wonach dieses Sparverm&ouml;gen auf der Suche nach lukrativen Renditen um den Globus zirkuliert. Die USA galten aufgrund ihrer Leitw&auml;hrung, des Konsumismus, des Finanzsystems usw. als &#8222;sicherer Hafen&#8220; f&uuml;r diese Geldstr&ouml;me. Durch den Zustrom dieser Geldanlagen und durch die hohen Gewinnerwartungen wurde das US-amerikanische Finanzsystem unter Druck gesetzt, immer neue &#8222;innovative&#8220; Finanzprodukte zu generieren. Um diese Strategie ausreizen zu k&ouml;nnen, wurden unter der Bush-Administration die rechtlichen Rahmen, beispielsweise durch die Aufhebung des Glass Steagall Act, so gelockert, dass immer neue &#8222;innovative&#8220; Finanzprodukte generiert werden konnten. Die Gesch&auml;fte mit allerlei verbrieften Anleihen, Kreditderivaten und Zertifikaten entwickelten sich zu einer Finanz-Alchemie, deren Details keiner mehr verstehen konnte, besser: sollte und deren Risiken immer un&uuml;berschaubarer wurden. Viele Risiken wurden durch die Gr&uuml;ndung von Zweckgesellschaften bilanztechnisch verschleiert. Andere L&auml;nder und Institutionen, darunter deutsche Landesbanken und Kommunen (durch das sog. cross border leasing) stiegen in dieses System der wunderbaren, aber immer weniger zu durchschauenden Reichtumsvermehrung ein.<\/p>\n<p>Die reale Intransparenz wurde von der Doktrin effizienter M&auml;rkte gerechtfertigt, die impliziert, dass alle verf&uuml;gbaren Informationen in Preisen und Kursen enthalten seien. Die Vermischung von idealen Modellm&auml;rkten und realen M&auml;rkten geh&ouml;rt zur &#8222;Trickkiste&#8220; des Neoliberalismus. In der Praxis f&uuml;hrte die reale Intransparenz zu faulen Wertpapieren und spekulativen Blasen, deren Platzen wir beobachten mussten.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"iii-staatstheorie\">III. Staats&shy;the&shy;orie <\/span><\/h2>\n<p>Bereits Hegel hatte in der Rechtsphilosophie ein Argument zugunsten staatlicher Regulierungspraxis entwickelt: Je mehr die b&uuml;rgerliche Wirtschaftsgesellschaft vom Prinzip des Eigennutzes durchdrungen ist, desto unverzichtbarer wird die staatliche Regulierung und Administration. Das Komplexit&auml;tsniveau der Regulierung darf dabei hinter dem der Auswirkungen &ouml;konomischer Aktivit&auml;ten nicht zur&uuml;ckbleiben. D.h. ein demokratisch legitimierter Rechtsrahmen weist den Egoismus der Wirtschaftssubjekte in die Schranken. Alle &Ouml;konomen sind sich einig, dass es einer rechtlichen Rahmenordnung bedarf. Die Frage ist nur, welche spezifischen Regeln in diesem Netz aus einzelnen Regelwerken gelten oder nicht, d.h. welche Handlungsweisen jeweils bedingt oder unbedingt geboten, erlaubt oder verboten sind. Dar&uuml;ber befinden in diskursethischer Sicht letztlich die Staatsb&uuml;rgerinnen, die Parlamentarier demokratisch erm&auml;chtigen, diesen Ordnungsrahmen zu programmieren. Wird allerdings, wie in den &ouml;konomischen Demokratietheorien, davon ausgegangen, dass es nicht die am Gemeinwohl interessierten Staatsb&uuml;rger, sondern die eigennutzorientierten Wirtschaftsb&uuml;rger sind, die sich &uuml;ber die staatliche Rahmenordnung verst&auml;ndigen, ist es nahe liegend, dass das politische Leitbild das einer gr&ouml;&szlig;tm&ouml;glichen Freiheit der erfolgsorientierten Wirtschaftsb&uuml;rger ist. Der Neoliberalismus favorisiert damit Verh&auml;ltnisse, in der mit Ressourcen gut ausgestattete Industrien einer personell ausged&uuml;nnten und mit schwachen Kompetenzen ausgestatteten Administration gegen&uuml;ber stehen.<\/p>\n<p>In der reinen &ouml;konomischen Modellwelt taucht das Recht als Restriktionsfunktion auf. In der Realit&auml;t der Wirtschaftspolitik b&uuml;ndeln Wirtschaftsb&uuml;rger ihre gemeinsamen Interessen zu Verb&auml;nden und Lobbys und versuchen an den Peripherien des politischen Systems den rechtlichen Rahmen zu ihren Gunsten zu modifizieren. Dessen Erfolge lassen sich in der Chemikalien-, Energie-, Gesundheits-, Medien-, Agrar-, Verkehrspolitik etc. registrieren. Die parlamentarische Demokratie verblasst, denn Gesetzesinitiativen werden h&auml;ufig nicht mehr zwischen den Organen der Zivilgesellschaft und der Legislative debattiert, sondern zwischen Vertretern der Lobbys und der Administration.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"iv-multiple-krisen\">IV. Multiple Krisen <\/span><\/h2>\n<p>Die Finanz- und Wirtschaftskrise ist nicht isoliert zu sehen. Sie verbindet sich mit einer Krise des Wachstumsparadigmas, einer strukturellen Armuts- und Entwicklungskrise und einer umfassenden Natur- und Klimakrise. Deren Syndrome wie Zerst&ouml;rung von &Ouml;kosystemen, Unterern&auml;hrung, Kriegen um Ressourcen, Enteignung und Vertreibung, Fl&uuml;chtlingsstr&ouml;me, Artensterben und Klimawandel greifen zunehmend ineinander &uuml;ber. Das neoliberale Projekt hat zwar die &ouml;konomische Globalisierung vorangetrieben und dabei in seinen Zentren ungeheuren Reichtum angeh&auml;uft, aber keine der eigentlichen Schicksalsfragen der Menschheit gel&ouml;st.<\/p>\n<p>Obwohl die Brisanz der Klimaproblematik von der Welt&ouml;ffentlichkeit erkannt ist und die Warnungen der Wissenschaft immer eindringlicher werden, steigen die globalen Emissionen weiter an und die internationale Politik verharrt bislang noch in einer gegenseitigen Blockade, die sich durch die Politik der neuen US-Administration allerdings zu lockern beginnt. Auch in Bezug auf den Klimawandel ist die herrschende &Ouml;konomik Teil des Problems, nicht Teil der L&ouml;sung gewesen. Die Berechnungen der ma&szlig;geblichen &Ouml;konomen haben die Gefahren des Klimawandels herunter und die Kosten herauf gerechnet, wozu jedes &ouml;konomische Modell M&ouml;glichkeiten bietet (Diskontrate, Schadensfunktion, Monetarisierung &ouml;kologischer Sch&auml;den, Wert eines statistischen Menschenlebens usw.)[3]. Es ist bezeichnend, dass einige Kreise in den USA, die noch vor Kurzem die anthropogen verursachte Erderw&auml;rmung bestritten und die internationale Klimapolitik sabotiert haben, mittlerweile die Option eines (m&ouml;glicherweise unilateralen) Geo-Engineering als &#8222;effiziente L&ouml;sung&#8220; des Klimaproblems propagieren. <br \/>Wir sehen derzeit absolute Armut im globalen S&uuml;den, einen wachsenden &#8222;planet of slums&#8220; jenseits der postmodernen Glitzerfassaden, neokoloniale Praktiken der Rohstofferzeugung, Zerst&ouml;rung und Nivellierung nat&uuml;rlicher Systeme, Raubbau an tropischen W&auml;ldern und Fischbest&auml;nden, Intensivierung der Landnutzung zugunsten westlicher Konsumstile, Aneignung fruchtbaren Bodens durch finanzstarke Investoren (&#8222;landgrab&#8220;), drohende strukturelle Nahrungsmittelknappheiten, steigende Anzahl von Umweltfl&uuml;chtlingen, massive Umweltkosten von Wirtschaftswachstum in den sog. Schwellenl&auml;ndern sowie die Gefahren einer imperialen Geopolitik zur Sicherung der Rohstoffversorgung.<\/p>\n<p>Die l&auml;cherlich niedrigen Schwellen der Weltbank zur Berechnung extremer Armut (1,24 US Dollar Kaufkraftparit&auml;t im Jahr 1993) k&ouml;nnen nicht dar&uuml;ber hinweg t&auml;uschen, dass absolute Armut global zugenommen hat. In Wirklichkeit lebt fast die H&auml;lfte der Menschheit von 2-3 US Dollar t&auml;glich und damit immer noch in absoluter Armut. Die Syndrome der Krisen greifen zunehmend ineinander. Eine politische Debatte m&uuml;sste die spezifischen Zusammenh&auml;nge innerhalb dieser Syndromverflechtung analytisch pr&auml;zise und normativ klar herstellen. Die praktische Philosophie, sofern sie sich mit den Fragen eines verantwortbaren Naturumgangs befasst (&#8222;Umweltethik&#8220;), tendiert aufgrund objektiver Entwicklungen in die Richtung hin zu einer kosmopolitischen &Ouml;konomik eines nachhaltigen und schonenden Naturumgangs.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"v-zur-notwendigkeit-der-wachstumskritik\">V. Zur Notwen&shy;dig&shy;keit der Wachs&shy;tums&shy;kritik <\/span><\/h2>\n<p>Zu einer solchen &Ouml;konomik z&auml;hlt eine Reflexion auf die Messgr&ouml;&szlig;e des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Das BIP ist nur ein Ma&szlig; f&uuml;r diejenigen wirtschaftlichen Aktivit&auml;ten, die &uuml;ber M&auml;rkte abgewickelt werden; es ist kein Ma&szlig; f&uuml;r Wohlfahrt und Lebensqualit&auml;t. Es misst, um ein Wort von Robert Kennedy aufzugreifen, alles au&szlig;er allem, wof&uuml;r es sich zu leben lohnt. Es sprechen starke Indizien aus dem Bereich der Gl&uuml;cksforschung f&uuml;r die Hypothese, wonach oberhalb bestimmter Schwellenwerte im Pro-Kopf-Einkommen das BIP-Wachstum keinen Zugewinn an Lebensqualit&auml;t mehr mit sich bringt. Neueren Studien zufolge tr&auml;gt eine aktive politische Teilhabe in reichen L&auml;ndern mehr zur Lebensqualit&auml;t bei als steigende Kaufkraft. Die Kennziffer BIP hat daher als Ma&szlig; f&uuml;r erfolgreiche Politik ausgedient. Der Schrecken eines Nullwachstums l&auml;ge darin, j&auml;hrlich mit 2300 Mrd. Euro bei sinkender Bev&ouml;lkerung auskommen zu m&uuml;ssen. Wachstumskritik ist wahrlich nicht mehr originell, da die wesentlichen Argumente seit 40 Jahren bekannt sind, aber sie ist dringender als je.<\/p>\n<p>Die Rechtfertigung der Notwendigkeit st&auml;ndigen BIP-Wachstums mit der Schaffung und dem Erhalt von Arbeitspl&auml;tzen[4], mit der Erhaltung des sozialen Friedens und mit einem kontinuierlich hohen Steueraufkommen sind allerdings funktionalistisch. Funktionalistische Argumente lassen Debatten &uuml;ber funktionale &Auml;quivalente, d.h. &uuml;ber Alternativen zu, die unter dem Stichpunkt &#8222;Zukunft der Arbeit&#8220;[5] und einer &ouml;kologisch-sozialen Steuerreform diskutiert werden sollten. Der sozialstaatliche Kompromiss der Nachkriegszeit im Westen Deutschlands und die gewachsenen &ouml;konomischen Disparit&auml;ten des vereinigten Deutschlands m&uuml;ssen insofern &#8222;beyond growth&#8220; neu verhandelt werden. Dies k&ouml;nnte und sollte ein anderer Diskurs sein als die inszenierte Debatte dar&uuml;ber, welche Opfer der Bev&ouml;lkerung abverlangt werden m&uuml;ssen, damit &#8222;die Wirtschaft wieder w&auml;chst&#8220;. Es k&ouml;nnte ein Diskurs sein, der auch gemeinsame Ziele von Umweltverb&auml;nden und Gewerkschaften identifiziert.<\/p>\n<p>Gegenw&auml;rtig befinden wir uns in einem g&uuml;nstigen Zeitfenster f&uuml;r grundlegend neue Regelwerke. Eine langfristig angelegte und tief greifende wirtschaftspolitische Reformstrategie w&auml;re ein echter &#8222;Green New Deal&#8220; f&uuml;r entwickelte Volkswirtschaften. Es geht hierbei nicht nur um die Regulierung von Finanzm&auml;rkten und um staatliche Investitionen, sondern um ein umfassendes Konzept f&uuml;r eine in mehreren Hinsichten gerechtere und nachhaltige Wirtschaftsweise. Diese Idee reicht daher sehr viel weiter als bis hin zu Absch&auml;tzungen, wie viele Prozent eines Konjunkturprogramms einen Umweltbezug haben m&ouml;gen. Ma&szlig;gabe m&uuml;ssen Ziele und Grunds&auml;tze sein, die nicht der Logik von Effizienz und Nutzenmaximierung entstammen, sondern aus der Zivilgesellschaft kommen. Die Orientierungsvokabel &#8222;Green New Deal&#8220; ist mittlerweile in aller Munde; was noch fehlt, ist ihre programmatische Untersetzung. Dazu wollen wir im Folgenden Vorschl&auml;ge unterbreiten.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"vi-regeln-und-regelwerke\">VI. Regeln und Regelwerke <\/span><\/h2>\n<p><i><b>Bereich A: Wirtschaft <\/b><\/i><\/p>\n<p>Die Festlegung der Besteuerung der B&uuml;rger ist eine zentrale Aufgabe einer Demokratie. Steuersysteme sind historisch gewachsen (&#8222;Alte Steuer, gute Steuer!&#8220;), stehen aber grundlegenden Reformen im Rahmen der verfassungsm&auml;&szlig;igen Grenzen offen. Entscheidend sind die normativen Ma&szlig;st&auml;be eines Steuersystems, die auch unter den B&uuml;rgern konsensf&auml;hig sein m&uuml;ssen, die durch das Steuersystem wom&ouml;glich st&auml;rker belastet werden. Die Grundz&uuml;ge eines Steuersystems sollten u. E. so beschaffen sein, dass auf gerechte Weise ein dauerhaft hohes Staatsaufkommen erzielt wird, ohne dass dabei die nat&uuml;rliche Umwelt und die menschlichen Lebensqualit&auml;t gesch&auml;digt werden. Unter der titelartigen &Uuml;berschrift &#8222;&ouml;kologische Steuerreform&#8220; liegen hierzu viele Vorschl&auml;ge vor.<\/p>\n<p>Ein Element eines solchen umfassend gerechten Systems k&ouml;nnte ein zul&auml;ssiges H&ouml;chsteinkommen sein. Wenn die wirtschaftliche T&auml;tigkeit von Menschen zwar monet&auml;rer Anreize, aber nicht eines unbegrenzt hohen Einkommens bedarf, sprechen ethische Gr&uuml;nde f&uuml;r eine 100prozentige Besteuerung ab einer festzulegenden H&ouml;he des Einkommens. Dazu gibt es verschiedene Ans&auml;tze, darunter den, dass das Monatsgehalt eines Spitzenverdieners nicht das Jahresgehalt eines Durchschnittsverdieners &uuml;berschreiten sollte. Eine gerechte Erbschaftssteuer sollte so bemessen sein, dass die Verm&ouml;genden zum Aufbau zukunftsf&auml;higer Infrastrukturen und zur &ouml;kologischen Modernisierung beitragen und dass zugleich das Recht geachtet wird, legal erworbenes und bereits versteuertes Eigentum auf die Nachkommen zu &uuml;bertragen. Die Erbschaftssteuer dient auch als ein Korrektiv f&uuml;r ungleiche Chancen zum Verm&ouml;gensaufbau, wie sie bspw. durch die Teilung Deutschlands nach 1945 entstanden sind. Durch das zul&auml;ssige H&ouml;chsteinkommen und die Erbschaftssteuer er&uuml;brigt sich eine zus&auml;tzliche Verm&ouml;genssteuer. Jedoch k&ouml;nnte man f&uuml;r gro&szlig;e Geldverm&ouml;gen die Pflicht einf&uuml;hren, dass ein bestimmter geringer Anteil des Verm&ouml;gens in niedrig verzinste staatliche Anleihen, die hohe Sicherheit bei wenig Risiko bieten, angelegt werden muss. Dieser moderate Eingriff l&auml;sst sich leichter rechtfertigen und breitere Akzeptanz erwarten.<\/p>\n<p>Die Erwerbsarbeit sollte durch eine Reduzierung der Wochenstunden, Teilzeitarbeit, Jobsharing, Sabbaticals, Arbeitszeitkonten usw. auf mehr Schultern verteilt werden. Ziel sollte sein, den Arbeitenden mehr Zeitwohlstand und mehr Arbeitslosen Teilhabe an der Arbeitsgesellschaft zu erm&ouml;glichen. Durch Anrechnung von ehrenamtlichen T&auml;tigkeiten, Mindestl&ouml;hne (ca. 7 Euro\/h), Eind&auml;mmung der Leiharbeit und der Scheinselbstst&auml;ndigkeit und eine negative Einkommenssteuer f&uuml;r den Niedriglohnsektor soll geleistete Arbeit angemessener gew&uuml;rdigt werden. Zwischen dem zul&auml;ssigem H&ouml;chsteinkommen und der negativer Einkommenssteuer spricht vieles f&uuml;r einen einheitlichen Steuersatz und Streichung der Sonderregelungen. Die Mehrwertsteuer sollte anhand &ouml;kologischer und sozialer Kriterien gestaffelt werden. Klimasch&auml;dliche Produkte sollten durch 100prozentige Versteigerung der CO2-Lizenzen verteuert werden und die Erl&ouml;se aus der Versteigerung je zur H&auml;lfte bedingungslos an die B&uuml;rger und an einen internationalen Adaptionsfonds ausgesch&uuml;ttet werden. Ebenso sollte die KfZ-Steuer nur anhand der CO2-Emission bemessen werden. Die Pendlerpauschale ist durch Anreize zu umweltfreundlicherer Mobilit&auml;t, wie bspw. eine Monatskarte f&uuml;r den &Ouml;PNV und Betriebsr&auml;der, zu ersetzen. Staatliche F&ouml;rderung sollte generell an soziale und &ouml;kologische Ziele gebunden sein und umweltsch&auml;dliche Subventionen abgebaut werden.<\/p>\n<p>Um die Dominanz des Finanzsektors einzud&auml;mmen und ihm wieder eine dienende Rolle gegen&uuml;ber der Realwirtschaft zu geben, um Steuerflucht bei gleichzeitiger Inanspruchnahme von staatlichen Institutionen und Infrastrukturen zu unterbinden, sind neue, strengere Regeln und eine sch&auml;rfere Aufsicht erforderlich. Gesch&auml;fte au&szlig;erhalb der Bilanz, Zweckgesellschaften, Handel mit nicht-b&ouml;rsennotierten Papieren durch Banken und Gesch&auml;fte zugunsten von Personen und Instituten, die in &#8222;Steueroasen&#8220; registriert sind, sollten verboten werden. Neue Finanzprodukte sollten durch Zulassungsverfahren gepr&uuml;ft und solche, die nur der Spekulation dienen untersagt werden. Die Gr&ouml;&szlig;e einzelner Banken sollte beschr&auml;nkt werden und die Inanspruchnahme staatlicher Unterst&uuml;tzung an die Bedingung gekn&uuml;pft werden, dass sie sich aus den Steueroasen zur&uuml;ckziehen. Dar&uuml;ber hinaus pl&auml;dieren wir f&uuml;r eine Einf&uuml;hrung von B&ouml;rsenumsatz- und Tobin-Steuer.<\/p>\n<p>Die Modellfigur eines rationalen und souver&auml;nen Verbrauchers ist widerlegt und wir sehen es als gerechtfertigt an, konsumpolitische Anreize f&uuml;r einen nachhaltigen Konsumstil zu setzen. Voraussetzung daf&uuml;r ist eine klare Kennzeichnung der &ouml;kologischen und sozialen Aspekte von Produkten und deren Herstellung und eine St&auml;rkung der Verbraucherinstitutionen, die auch durch eine Besteuerung von Werbung finanziert werden sollten.<\/p>\n<p>In der Ern&auml;hrungspolitik sollte das Leitbild einer giftarmen, regionalen, saisonalen und damit energiesparenden und naturschonenden Ern&auml;hrungsweise gelten. Hierzu sind steuerliche Anreize und p&auml;dagogische Ans&auml;tze beispielsweise f&uuml;r eine Verringerung des Fleischkonsums, Entlastung des Gesundheitswesens und der Schutz der Nahrungssicherheit f&uuml;r L&auml;nder des S&uuml;dens sinnvoll und notwendig.<\/p>\n<p>Aufgrund &ouml;kologischer und &ouml;konomischer Dringlichkeiten sollten industriepolitische Stimuli so gesetzt werden, dass so rasch wie m&ouml;glich auf Ressourcen schonende Techniken umger&uuml;stet wird und &#8222;gr&uuml;ne&#8220; Innovationen die Wirtschaft nachhaltig st&auml;rken. Dazu sind die derzeitigen Anreize zu schwach und bed&uuml;rfen einer deutlichen Nachbesserung. Dynamisierte Standards, wie beim Top Runner Modell, die &Ouml;ko Design-Richtlinie und das EEG sind geeignete Instrumente, die gesch&auml;rft, genutzt und weiterentwickelt werden sollten. In der Bauplanung soll der Energieverbrauch der gesamten Lebenszeit bilanziert und ber&uuml;cksichtigt werden, insbesondere bei &ouml;ffentlichen Auftr&auml;gen. Strukturen wie das Schienennetz, Trinkwasserversorgung usw. geh&ouml;ren in &ouml;ffentliche H&auml;nde und sollten &ouml;kologisch saniert werden.<\/p>\n<p>Verkehrspolitik sollte danach streben, mehr Mobilit&auml;t f&uuml;r die gesamte Bev&ouml;lkerung bei weniger Verkehr zu erreichen. Deutschland verf&uuml;gt &uuml;ber das zweitl&auml;ngste Stra&szlig;ennetz der Welt. Weiterer Ausbau ist unn&ouml;tig, zerschneidet und versiegelt Landschaften und b&uuml;rdet zuk&uuml;nftigen Steuerzahlern hohe Unterhaltungskosten auf. Der Bundesverkehrswegeplan sollte daher abgeschafft werden, eine Maut sowie ein Tempolimit von 130 km\/h auf Autobahnen eingef&uuml;hrt werden und als eine nahe liegende Konsequenz die Motoren bei 160 km\/h abgeriegelt werden. F&uuml;r den Flottenverbrauch sollte ein EU-weites Lizenzhandelssystem eingef&uuml;hrt werden. Inner&ouml;rtlich sollte die Regelgeschwindigkeit 30 km\/h betragen und es sollten Stra&szlig;en zugunsten von B&uuml;rgersteigen und Radwegen zur&uuml;ckgebaut werden. Die Lebensqualit&auml;t der St&auml;dte l&auml;sst sich erh&ouml;hen, wenn das verfehlte Leitbild der autogerechten Stadt nicht nur nicht fortgesetzt, sondern seine baulichen Resultate behoben werden.<\/p>\n<p>F&uuml;r innereurop&auml;ische Fl&uuml;ge ist eine Kerosinsteuer &uuml;berf&auml;llig und innerdeutsche Fl&uuml;ge sollten unattraktiver gemacht werden. Vom B&ouml;rsengang der Deutschen Bahn sollte Abstand genommen werden und statt Prestigeobjekten sollte ein fl&auml;chendeckendes, kosteng&uuml;nstiges Angebot gef&ouml;rdert werden. Die weitere Umwandlung von Fl&uuml;ssen zu Wasserstra&szlig;en sollte verhindert werden und Schiffen mit hoher Schadstoffemission und einwandigen Tankern sollte der Zugang zu deutschen H&auml;fen bald verwehrt werden.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"bereich-b-oekologie\">Bereich B: &Ouml;kologie <\/span><\/h2>\n<p>Ziel einer weitsichtigen Politik ist der Aufbau eines Systems differenzierter Landnutzung, das das vernetzte Ensemble der Naturkapitalien umfassend und vorsorglich sichert (hierzu Ott &amp; D&ouml;ring 2008). In der Agrarpolitik sind radikale Umschichtung der Mittel der ersten in die zweite S&auml;ule der Agrarf&ouml;rderung und wirkungsvolle Anreize f&uuml;r Agrarumweltprogramme und den &ouml;kologischen Landbau erforderlich. Produktionsintegrierter Naturschutz sollte ausgebaut, das Umbrechen von Gr&uuml;nland abgewendet und eine extensive Weidewirtschaft bevorzugt werden. Industrielle Fleischmast sollte mit strengen Auflagen bedacht werden, um die externen Kosten f&uuml;r Mensch, Tier und Umwelt zu ber&uuml;cksichtigen. Neue Massentierhaltungsanlagen sollten nicht mehr genehmigt werden k&ouml;nnen. Pestizide sollten nur befristet zugelassen und gegebenenfalls ausgemustert werden und synthetische D&uuml;ngemittel mit einer Abgabe versehen werden, um die Eutrophierung zu verringern. Gentechnikfreie Landwirtschaft muss weiterhin m&ouml;glich sein. Die Vielfalt von Haus- und Nutztierrassen und -sorten sollte bewahrt werden.<\/p>\n<p>Der Anbau von Biomasse ist mit erheblichen sozialen und &ouml;kologischen Risiken verbunden, die durch obligatorische Zertifizierung mit entsprechenden Standards vermieden oder verringert werden m&uuml;ssen. Extensive Anbausysteme, wie Niederwald- und Schilfnutzung auf nassen Standorten sollte gef&ouml;rdert werden. Der Einsatz von Bio-Kraftstoffen im Verkehrssektor ist wegen seiner Ineffizienz abzulehnen und die Beimischungsquote daher abzuschaffen.<\/p>\n<p>In der Wald- und Forstwirtschaft ist der Druck in Richtung gr&ouml;&szlig;ere Wettbewerbsf&auml;higkeit sp&uuml;rbar, was mit einer Intensivierung der Bewirtschaftung und mit einer Degradierung des &Ouml;kosystems einherginge. Wir pl&auml;dieren der Tendenz zu einem Neoproduktivismus durch einen konsequenten Umbau zu naturnahen und widerstandsf&auml;higen W&auml;ldern entgegenzutreten. Forstwirtschaftliche Standards guter fachlicher Praxis, Honorierung &ouml;kologischer Leistungen, F&ouml;rderung von Pl&auml;nter- und Laubw&auml;ldern, Ausbau der Waldschutzgebiete auf 5 Prozent der Waldfl&auml;che und F&ouml;rderung genossenschaftlicher und kleinfl&auml;chiger Waldnutzung sind w&uuml;nschenswerte Ma&szlig;nahmen hierzu. Die Wildbest&auml;nde sollten durch ein F&uuml;tterungsverbot reduziert und die Wiedereinb&uuml;rgerung gr&ouml;&szlig;erer Raubtiere, wie Luchs und Wolf, sollte unterst&uuml;tzt werden. Die weltweite Ausbeutung der W&auml;lder soll durch strikte Standards vermieden und Zellstoffimporte EU-weit besteuert werden.<\/p>\n<p>Dem Wasserhaushalt der Landschaft sollte mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden und die WRRL konsequent umgesetzt werden. Wiedervern&auml;ssung und andere Renaturierungsma&szlig;nahmen geh&ouml;ren ebenso wie ein Gebietswassermanagement auf die Agenda. B&ouml;den m&uuml;ssen vor Erosion, Verdichtung, Schadstoffimmission und besonders Versieglung gesch&uuml;tzt werden, denn sie spielen eine entscheidende Rolle beim Kohlenstoffkreislauf. Daher sollte der Erhalt und Anstieg des Kohlenstoffgehalts in jeglichen Bodenformen lanciert werden. Im Naturschutz gilt es, die Erfolge der Schutzgebiete auf die gesamte Landesfl&auml;che zu &uuml;bertragen und die nationale Biodiversit&auml;tsstrategie konsequent umzusetzen. Das differenzierte Schutzgebietssystem sollte auch grenz&uuml;berschreitend ausgeweitet werden und in Anpassung an den Klimawandel flexibler gestalten werden. F&ouml;rderungsw&uuml;rdig ist die Renaturierung von &Ouml;kosystemen. Eine Renaturierung der gesamten Landnutzung ist zu moderaten volkswirtschaftlichen Kosten m&ouml;glich. Viele Zahlungsbereitschaftsanalysen kommen zu dem Ergebnis, dass eine Nachfrage nach Naturschutz existiert, der kein ausreichendes Angebot gegen&uuml;bersteht. Insofern w&auml;ren Investitionen in eine Renaturierung des Naturhaushaltes volkswirtschaftlich sogar sinnvoll.<\/p>\n<p>Die Meere sind &uuml;bernutzt, versauernd und &uuml;berd&uuml;ngt. Die Fischerei muss als drastisches Beispiel nicht nachhaltiger Nutzung angesehen werden. Das System der Fangquoten hat sich nicht bew&auml;hrt. Es muss durch andere Regelungen wie langfristige Managementpl&auml;ne ersetzt werden. Schonende Fangmethoden sollten beg&uuml;nstigt bzw. besonders sch&auml;dliche verboten werden. Die Bemessung der Fangh&ouml;he muss sich an fischereibiologischen Grenzen orientieren. Die &Uuml;berkapazit&auml;ten der EU-Flotte, insbesondere Spaniens, sollten abgebaut und die Befischung vor afrikanischen K&uuml;sten sollte rasch gestoppt werden. Sinnvoll ist eine Pflicht zur Anlandung des Beifangs. Regionale genossenschaftliche Strukturen sollten bevorzugt werden.<\/p>\n<p>Scheinbar gleiche Produkte (&#8222;like products&#8220; der WTO) sind sehr unterschiedlich hinsichtlich ihrer sozialen und &ouml;kologischen Auswirkungen, die f&uuml;r Konsumenten in der Regel nicht oder nur mit gro&szlig;em Rechercheaufwand erkennbar sind. Dies gilt bekannterma&szlig;en f&uuml;r Gold, Baumwolle, Thunfisch, Biomassen, Viehfutter und Holz. Daher fordern wir Regeln f&uuml;r Rohstoffimporte und -exporte, die die unterschiedlichen externen Kosten sichtbar machen. Werden bestimmte Mindeststandards nicht eingehalten, sind Importz&ouml;lle gerechtfertigt. Wir denken hierbei an Holz\/Zellstoff, Baumwollprodukte, Kaffee, Tee, Garnelen, Palm- und Jatropha&ouml;l u.v.m. EU-weit sollte der Export von Quecksilber reduziert werden und dessen Nutzung zur Goldgewinnung unterbunden werden. Gleichfalls sind Agrarexporte einzustellen und M&uuml;llverschiebung in L&auml;nder au&szlig;erhalb der EU zu unterbinden.<\/p>\n<p>Eine Langfassung dieses Textes kann unter dem folgenden Link eingesehen und unterzeichnet werden:<br \/><a href=\"http:\/\/blog.gruene-greifswald.de\/regelwerke\/liste\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/blog.gruene-greifswald.de\/regelwerke\/liste<\/a><\/p>\n<p>[1] Mit dem Ausdruck &#8222;Neoliberalismus&#8220; bezeichnen wir die herrschende Str&ouml;mung seit ca. 1980; die Ans&auml;tze der sp&auml;ten 1930er Jahre w&auml;ren korrekterweise als &#8222;Ordoliberalismus&#8220; zu bezeichnen.<\/p>\n<p>[2] Sehr hellsichtig hierzu Dieter Rulff, <i>&#8222;Totgesagte leben l&auml;nger&#8220;, <\/i>TAZ vom 20. April 2009, S. 10.<\/p>\n<p>[3] Der sog. Stern-Report hat hier allerdings alternative Berechnungsm&ouml;glichkeiten aufgezeigt.<\/p>\n<p>[4] Nach dem Syllogismus: 1) Wachstum schafft Arbeit, 2) &#8222;sozial ist, was Arbeit schafft&#8220;, 3) also ist Wachstum die beste Sozialpolitik.<\/p>\n<p>[5] Zur wachstumsinduzierten Reduzierung von Arbeitslosigkeit sind dauerhafte Wachstumsraten von 2,5-3 Prozent n&ouml;tig.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[1881],"publikationen":[2821],"class_list":["post-10984","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-konrad-ott","publikationen-186-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Es ist Zeit f\u00fcr einen Green New Deal - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/186-vorgaenge\/publikation\/es-ist-zeit-fuer-einen-green-new-deal\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Es ist Zeit f\u00fcr einen Green New Deal - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"aus: vorg&auml;nge Nr. 186, Heft 2\/2009, S. 97-106 I. 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