{"id":10991,"date":"2009-03-01T22:00:00","date_gmt":"2009-03-01T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/vom-kern-ihres-verderbens\/"},"modified":"2021-08-24T21:51:59","modified_gmt":"2021-08-24T19:51:59","slug":"vom-kern-ihres-verderbens","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/185-vorgaenge\/publikation\/vom-kern-ihres-verderbens\/","title":{"rendered":"Vom &#8222;Kern ihres Verderbens&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>1989 aus totalitarismustheoretischer Perspektive,<\/p>\n<p>aus: vorg\u00e4nge Nr. 185, Heft 1\/2009, S. 14-25<\/p>\n<p>Politische Theorien lassen sich ebenso wenig aus dem Kontext ihrer sozialen und kulturellen Voraussetzungen l\u00f6sen, wie sie nur Antworten auf Fragen geben, die sie selbst stellen. Darum ist ihre Erkl\u00e4rungskraft immer auch begrenzt. Dennoch stellen sie ein Regelwerk f\u00fcr die erkl\u00e4rende Erz\u00e4hlung offener historischer Prozesse zur Verf\u00fcgung. Das gilt auch f\u00fcr das Totalitarismustheorem. Die langen Debatten um die Totalitarismustheorien k\u00f6nnen hier nicht nachvollzogen werden. Deren Vertreter und deren Gegner warfen und werfen sich ideologische und geschichtspolitische Manipulationen vor. In Deutschland steht daf\u00fcr exemplarisch der Vorwurf, die Totalitarismustheorie stelle die Einzigartigkeit von Auschwitz in Frage, da sie Nationalsozialismus und Kommunismus gleichsetze. Im Gegenzug reicht es nicht aus, darauf zu verweisen, dass jedes geschichtliche Ereignis ohnehin singul\u00e4r ist. Vielmehr sind die Totalitarismustheorien unverzichtbar, weil sie vergleichende Ans\u00e4tze erschlie\u00dfen, ohne die eine Diktaturforschung nicht auskommen kann.<\/p>\n<p>Dabei gehe ich davon aus, dass andere Theorien nicht oder kaum geholfen haben, die Krisen des Kommunismus zu identifizieren und seinen Zusammenbruch zu erkl\u00e4ren. Das gilt wenigstens f\u00fcr eine Reihe von Fragestellungen, die sich auf den Aufstieg und den Verfall des Kommunismus konzentrieren. So w\u00e4re nach der Verschr\u00e4nkung von Stabilit\u00e4t und Fragilit\u00e4t des Kommunismus, nach der Evolution kommunistischer Systeme, nach den Machtquellen und deren Versiegen, nach dem Gegen\u00fcber kommunistischer Herrschaft zur Gesellschaft und nach dem Machtverlust in der Revolution sowie der abschlie\u00dfenden Institutionalisierung der Freiheit in Staat und Republik zu fragen.<\/p>\n<p>Bei der Beantwortung dieser Fragen w\u00e4re Hannah Arendt als Stichwortgeberin f\u00fcr theoretische Erkl\u00e4rungen vorrangig hinzuzuziehen[1]. Sie geh\u00f6rt in die Reihe von Denkern, die vor ihr und nach ihr auf die sich \u00e4ndernden Herausforderungen totalit\u00e4rer Systeme reagiert haben. Die Totalitarismustheorie entstand Anfang des 20. Jahrhunderts als Reaktion auf die neuen antidemokratischen Bewegungen wie Bolschewismus und italienischer Faschismus, die die Macht mit neuartigen Apparaten eroberten und befestigten, wie sie auch die Massen in das neue System einbeziehen und an einer politischen Gegenbewegung hindern konnten. Mit der Etablierung des Nationalsozialismus in Deutschland entwickelte sich eine Totalitarismusforschung, die sowohl analytische Potenziale als auch normative Aspekte hatte. So ging in die Theorie das Werturteil ein, dass Recht, W\u00fcrde und Freiheit des Individuums Ma\u00dfst\u00e4be politischen Handelns seien.<\/p>\n<p>Eine un\u00fcbersehbare Schw\u00e4che dieser Konzepte waren aber die Schwierigkeiten, die Evolution und noch weniger den Zerfall von totalit\u00e4ren Herrschaftssystemen aufzunehmen. Das milit\u00e4rische Ende des deutschen Nationalsozialismus und der \u00fcber Jahrzehnte f\u00fcr unabsehbar gehaltene Zusammenbruch des machtpolitisch erstarkten Kommunismus legten dies nahe. Selbst die zahlreichen Aufst\u00e4nde gegen den Kommunismus und die dauerhafte Existenz von Widerstand und Opposition wurden nicht als endogene Faktoren innerer Schw\u00e4che betrachtet.<\/p>\n<p>Der Entwurf von Carl Joachim Friedrich und Zbigniew Brzezinski stellte als Merkmale f\u00fcr die Funktionsweisen der totalit\u00e4ren Herrschaft die Ideologie, die von einem einzelnen gef\u00fchrte Partei, die terroristische Polizei, das Monopol der Medien, das Waffenmonopol und die zentrale Wirtschaftsleitung heraus.[2] Die &#8222;Aussichten f\u00fcr eine revolution\u00e4re Beseitigung eines solchen Regimes (seien) praktisch gleich Null&#8220;[3] Auch die inneren Bindungskr\u00e4fte solcher Staatsgebilde, die den \u00fcbergeschichtlichen Geltungsanspruch ihrer Ideologie in die durch terroristische Mittel wehrlos gemachten Individuen einpflanze, wurden \u00fcbersch\u00e4tzt. Die Beherrschten seinen in ein Korsett von physischen und psychischen Abh\u00e4ngigkeiten gezw\u00e4ngt, die ihnen die gegen sie selbst gerichteten Ma\u00dfnahmen als sinnvoll erscheinen und jeden Selbstbehauptungswillen ersterben lie\u00dfen. Ein Musterbeispiel f\u00fcr diesen Ansatz bot George Orwell mit seinem Roman &#8222;1984&#8220;[4]. Auch hier war kein Anflug von einer Revolutionierung erkennbar.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"stabilitaet-und-fragilitaet-des-kommunismus\">Stabilit&auml;t und Fragilit&auml;t des Kommunismus <\/span><\/h2>\n<p>Auch das von 1945 bis 1953 entstandene Werk &#8222;Elemente und Urspr\u00fcnge totaler Herrschaft&#8220; von Hannah Arendt bietet auf den ersten Blick eine statische Theorie. Der Terror, ein entscheidendes Wesensmerkmal des Totalitarismus, bewirke eine Entpers\u00f6nlichung, die &#8222;Vernichtung der juristischen Person&#8220; und die &#8222;T\u00f6tung der moralischen Person&#8220;[5] des Menschen und verhindere damit jede politische Handlung. Idealtypisch sah sie dies in der KZ-Gesellschaft verwirklicht. Dieser Definition hat sie auch durch die Einschr\u00e4nkung des Totalitarismus auf die Stalinzeit Rechnung getragen oder \u00fcber die Unm\u00f6glichkeit von Revolutionen in totalit\u00e4ren Staaten sprechen lassen. Allerdings findet sich schon in diesem Buch eine F\u00fclle von dynamischen Elementen, die auf die \u00dcberwindung des Totalitarismus verweisen. Sie stellt am Ende fest, dass der Totalitarismus nichts &#8222;Bleibendes errichten&#8220; k\u00f6nne, und dass totalit\u00e4re Herrschaft den &#8222;Kern ihres Verderbens&#8220;[6] in sich trage.<\/p>\n<p>Einen bemerkenswerten Tendenzwandel in der Totalitarismusforschung hat die ungarische Revolution 1956 bewirkt. Die Ungarn Agnes Heller und Ferenc Feh\u00e9r haben Anfang der 1980er Jahre die Wirkungen dieser &#8222;antistalinistischen Revolution&#8220; auf die demokratischen linken Intellektuellen beschrieben, die sich nun in gr\u00f6\u00dferer Zahl vom Kommunismus abwandten. Eine der wichtigsten Botschaften war aber f\u00fcr Heller, dass &#8222;die ungarische Revolution von 1956 f\u00fcr immer den Vorstellungen von der Unzerst\u00f6rbarkeit der sowjetischen Regime innerhalb der Systeme die Grundlagen entzogen habe.&#8220;[7] Die Autoren wagten gar eine Prognose und sagten ein nachholendes Staatsbegr\u00e4bnis f\u00fcr den ermordeten revolution\u00e4ren Ministerpr\u00e4sidenten Imre Nagy voraus. Es verging kein Jahrzehnt und das ehrenvolle Staatsbegr\u00e4bnis fand als Akt der Revolution statt.<\/p>\n<p>Auch Hannah Arendt war durch die ungarische Revolution tief beeindruckt. Sie entwickelte nun ihre theoretischen Ans\u00e4tze weiter. Sie schrieb: &#8222;Was immer wir \u00fcber das Wesen totaler Herrschaftsformen und die Methoden des totalit\u00e4ren Imperialismus zu wissen meinen, muss in seinem [des ungarischen Aufstandes &#8211; E. N.] Licht kontrolliert und korrigiert werden.&#8220;[8] Sie hat nun auch den totalit\u00e4ren Charakter der Chruschtschow-\u00c4ra nach dem Tode Stalins hervorgehoben. Vor allem aber hat sie das Ende des Kommunismus gerade unter dem Eindruck der ungarischen Ereignisse kommen sehen. Dies war f\u00fcr ihre Zeit eine bedeutende intellektuelle Leistung, musste sie doch diese Annahme angesichts des v\u00f6llig anders orientierten intellektuellen Mainstreams in westlichen L\u00e4ndern und der ungebrochenen Machtf\u00fclle des sowjetischen Imperiums behaupten.<\/p>\n<p>Arendt konnte gegen diesen Trend wenig ausrichten. Obwohl die Aufst\u00e4nde gegen den Kommunismus seit 1918 in der Sowjetunion und nach 1945 im besetzten Osteuropa wie auch die kommunistischen Gro\u00dfverbrechen, die S\u00e4uberungen, der Gulag und sp\u00e4ter die Verfolgung von Dissidenten prinzipiell bekannt waren, verabschiedeten sich in den 1970er Jahren weithin die intellektuellen Eliten in Deutschland von der Totalitarismustheorie.[9] Die Ern\u00fcchterung ergriff aber Frankreich und andere westlichen L\u00e4nder. 1974 wurde die Ausb\u00fcrgerung von Alexander Solschenizyn aus der Sowjetunion zu einem wichtigen Ereignis f\u00fcr das franz\u00f6sische Geistesleben. Hier kam es zu einem &#8222;Gulag-Schock&#8220;. Auch das Totalitarismuskonzept wurde weiter entwickelt. In der Bundesrepublik wurden wissenschaftliche Alternativen entwickelt, die manche peinliche \u00dcbernahme des Faschismuskonzeptes oder anderer ideologischer Versatzst\u00fccke der Kommunisten mit sich brachten. 1989 \u00fcberrumpelte auch die Geschichtswissenschaften. Der f\u00fcr ideologische Eintr\u00e4ge offene modernisierungstheoretische Ansatz im Rahmen der systemimmanenten DDR-Forschung brach mit dem Untergang des Kommunismus &#8222;wie ein Kartenhaus zusammen&#8220;[10]. Die Fragilit\u00e4t des Kommunismus war nicht wahrgenommen worden.<\/p>\n<p>Dem Kommunismus war sogar die F\u00e4higkeit zur Selbstmodernisierung, ja auch zur Liberalisierung zugesprochen worden. Das sinnf\u00e4llige Spiel von Tauwetter und Frost hatte seit Jahrzehnten gezeigt, dass selbst reformerische und taktische Rettungsversuche scheiterten. Die Scheinliberalisierungen waren eine verzweifelte Suche nach neuen Machtressourcen, nach einer neuen breiteren Basis der Macht. Nach jeder Lockerung, nach jeder Entstalinisierungswelle kam das Herrschaftssystem ins Trudeln und die sich dynamisierenden zentrifugalen Kr\u00e4fte konnten nur durch neue Restriktionen niedergehalten werden. 1989 gelang dies nicht mehr. Mit dem letzten Rettungsversuch Gorbatschows war die Stabilit\u00e4tskarte verspielt.<\/p>\n<p>Jetzt erwies sich das schon totgesagte Totalitarismustheorem als h\u00f6chst lebendig. Sinnigerweise haben selbst Gorbatschow und Jelzin ausdr\u00fccklich dem Totalitarismus eine Absage erteilt. Karl Dietrich Bracher, der zu den wenigen geh\u00f6rte, die am Totalitarismuskonzept festgehalten hatten, verwies mehrfach darauf, dass sich die &#8222;totalit\u00e4re Natur&#8220; des Kommunismus &#8222;entgegen den Bagatellisierungen und Konvergenzprognosen falscher Entspannungsideologen schlie\u00dflich im Zusammenbruch der kommunistischen Systeme noch einmal best\u00e4tigt&#8220;[11] h\u00e4tten. Die Leistungsf\u00e4higkeit des Totalitarismuskonzeptes, nicht als geschlossenes Deutungssystem, wohl aber in einigen seiner speziellen Hypothesen und Ausformungen sowie in seiner deskriptiven Kraft erwies sich nun f\u00fcr die vergleichende Diktaturforschung als unverzichtbar.[12] Das gilt besonders f\u00fcr die Analyse der Untergangsszenarien.[13]<\/p>\n<p>Mit der R\u00fcckkehr der Totalitarismustheorie in die politischen Wissenschaften wurde auch daran erinnert, dass einige ihrer Vertreter vorausschauend die Koordinaten beschrieben hatten, in denen sich der Niedergang des Kommunismus abspielen w\u00fcrde, wenn ihnen auch selbstredend die Vorstellungskraft fehlte, die realpolitischen Abl\u00e4ufe vorherzusagen. Jetzt wurde das Paradox von Stabilit\u00e4t und Fragilit\u00e4t bzw. von Stabilit\u00e4t und Revolution[14] ein Thema. Es musste erkl\u00e4rt werden, warum ein scheinbar hyperstabiles politisches System kollabierte. Die Totalitarismustheorie beschrieb die ausgekl\u00fcgelten Herrschaftsmechanismen und -instrumente und die Verf\u00fcgungsmacht \u00fcber jeden einzelnen Menschen. Die Theorie konnte sich aber auch bew\u00e4hren, weil sie jene internen Prozesse erkl\u00e4rte, die die Quellen der akkumulierten Macht versiegen lie\u00dfen.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"gegenueber-von-herrschaft-und-gesellschaft\">Gegen&uuml;ber von Herrschaft und Gesell&shy;schaft <\/span><\/h2>\n<p>Theoretische Ans\u00e4tze, die die unheilbaren Schw\u00e4chen und Grenzen totalit\u00e4rer Systeme trotz ihrer Machtentfaltung herausarbeiteten, sind mehrfach entwickelt worden, wenngleich sie auch h\u00e4ufig in das Reich der Spekulationen verwiesen wurden.[15] Schon Waldemar Gurian[16] hatte 1935 darauf verwiesen, dass die totale Herrschaft am realen Menschen und an den nicht einl\u00f6sbaren gesellschaftlichen Zielvorstellungen ihre Anliegen verfehlen m\u00fcsse. \u00c4hnlich hat auch Hans Buchheim[17] Anfang der 1960er Jahre prognostiziert, dass der Totalitarismus durch seine inneren Widerspr\u00fcche scheitern werde. Weitergehend haben diesen Verfall verschiedene franz\u00f6sische Totalitarismusforscher beschrieben, die von einem evolution\u00e4ren Bogen vom Aufstieg zum Verfall unter machttheoretischen Aspekten ausgingen. Hier w\u00e4re unter anderen Claude Lefort zu nennen, der das zumeist vernachl\u00e4ssigte Versiegen der Machtquellen des Kommunismus trotz des Erhaltes seiner Gewaltpotenziale bis in seine finale Krise hinein erkl\u00e4rt. Das kommunistische Projekt wurde danach als der Versuch gesehen, die Spaltungen der Gesellschaften, alle Differenzierungen, Klassengegens\u00e4tze, kulturelle Traditionen und Individualismen aufzuheben und einen einheitlichen Gesellschaftsk\u00f6rper zu schaffen. Solche Vorstellungen h\u00e4tten sich seit der Franz\u00f6sischen Revolution als die wichtigste Gegenbewegung zur b\u00fcrgerlichen Demokratie Raum geschaffen. Dieser Ansatz ist mit den Analysen von Hannah Arendt kompatibel, die das Entstehen und das Verschwinden von Macht in ihr sp\u00e4teres Totalitarismuskonzept einbezogen hatte.<\/p>\n<p>In diesen totalitarismustheoretischen Konzepten spielt das Eigenleben der Gesellschaft eine zentrale Rolle. Die demokratischen Revolutionen h\u00e4tten die absolutistischen Monarchien beseitigt und setzten die im Herrscher korporierte Gesellschaft in neuer Weise frei. Die Mitglieder der demokratischen Gesellschaft werden als B\u00fcrger vorgestellt, &#8222;die das Recht haben, Rechte zu haben, und die sich wechselseitig als Tr\u00e4ger von gleichen pers\u00f6nlichen und politischen Freiheitsrechten anerkennen.&#8220;[18] Die Macht der Gesellschaft \u00fcber sich selbst w\u00fcrde im \u00f6ffentlichen Austragen der Konflikte ausge\u00fcbt.<\/p>\n<p>Die totalit\u00e4ren Entw\u00fcrfe versuchten dagegen der Gesellschaft &#8222;wieder einen K\u00f6rper zu geben&#8220;[19]. So w\u00e4ren nach der Eroberung der Herrschaft, erstmals nach ihrem erfolgreichen Putsch gegen die revolution\u00e4re und sozialdemokratisch gef\u00fchrte Regierung 1917 in Russland, die Partei und ihre F\u00fchrer zum Sinnbild einer gesellschaftlichen Einheit geworden, die in einem blutigen Homogenisierungsrausch versuchte, die mystifizierte Einheit aller mit allen in die Realit\u00e4t zu zwingen. Lefort bezeichnet diese politisierte Vision der Einheit von kosmischer Natur und menschlicher Geschichte und der Einheit aller Gegens\u00e4tze in der Gesellschaft als &#8222;Phantasma&#8220;[20], dessen Kulissen nur mit \u00e4u\u00dferster Gewalt und einem politischen Geheimdienst aufrechterhalten werden konnte, der &#8222;zur Hauptst\u00fctze der Kulissen im Lande Fassadien&#8220;[21] wurde.<\/p>\n<p>Die Ideologie begr\u00fcndete die angeblich von der Geschichte vorgesehene innerweltliche Einheit, die Identit\u00e4t von Partei, Staat und Gesellschaft, und diente der Identifikation aller Abweichungen, aller inneren und \u00e4u\u00dferen Feinde. Der Gesellschaftsk\u00f6rper und die ihn repr\u00e4sentierende Partei wurden immerfort ges\u00e4ubert, die Gesellschaftsmitglieder zu Gleichen, gleich Rechtlosen, und die Gesellschaft zur Man\u00f6vriermasse in der totalen Verf\u00fcgung der egokratischen Parteif\u00fchrer. Hannah Arendt dr\u00fcckt das so aus: &#8222;Dem Terror gelingt es, Menschen zu organisieren, als g\u00e4be es sie gar nicht im Plural, sondern nur im Singular, als g\u00e4be es nur einen gigantischen Menschen auf der Erde, dessen Bewegungen in den Marsch eines automatisch notwendigen Natur- oder Geschichtsprozesses mit absoluter Sicherheit und Berechenbarkeit einfallen.&#8220;[22]<\/p>\n<p>Die urspr\u00fcnglichen Machtquellen der Kommunisten beruhten auf der Faszination, die ihre Vision auf Gebildete und Benachteiligte aus\u00fcbte, auf der politisierten Hoffnung einer einheitlich gefassten Welt, welche die Spaltungen und Interessengegens\u00e4tze der b\u00fcrgerlichen Demokratie \u00fcberwinden sollte. Die Ausstrahlung des Kommunismus erreichte noch westliche Intellektuelle, als seine m\u00f6rderische Energie schon entfaltet war. Die fr\u00fche Sowjetunion wurde zur Pilgerst\u00e4tte der gl\u00e4ubigen Sozialisten aus aller Welt. Nach dem Zweiten Weltkrieg, zumal nach dem Sieg \u00fcber die Nationalsozialisten, fanden die Kommunisten in den von ihnen beherrschten L\u00e4ndern zun\u00e4chst rasch zahlreiche Anh\u00e4nger und im Westen immer wieder neue Bewunderer. Die Hingabe an die Sache und der Glaube an die Versprechungen konnten dazu f\u00fchren, dass die politische Gewalt als Indiz f\u00fcr die Gr\u00f6\u00dfe der Aufgabe begriffen wurde.<\/p>\n<p>Doch immer gab es auch Ern\u00fcchterte, Entt\u00e4uschte, Verzweifelte, Unwillige, Ungebrochene und von Wut Entbrannte. Der nicht endende Widerspruch versetzte den Kommunismus in einen latenten Verteidigungszustand. Mit offenem Terror, vorwiegend in den fr\u00fchen Jahren, und manipulierter Justiz, verdeckter Steuerung, Kontrolle und Zersetzungsstrategien in der Sp\u00e4tzeit wurde ein Gef\u00fcge aus Unterdr\u00fcckung und Selbstdisziplinierung geschaffen, das die Existenzbedingungen der realit\u00e4tsfernen ideologiegeleiteten Inszenierung darstellte.<\/p>\n<p>Ein politisch-ideologisches Konstrukt, das die erfahrbare Wirklichkeit abschirmte und durch die Behauptung einer fiktiven neuen Welt ersetzte, musste instabil werden, wenn es auch nur das Aufflackern des Wirklichen zulie\u00df. Arendt hat mehrfach auf diese Instabilit\u00e4t[23] verwiesen und sah darin den Grund des dem Totalitarismus innewohnenden Zerst\u00f6rungspotenzials. Der Kampfzustand des urspr\u00fcnglichen Herrschaftsgewinns war nur in einer &#8222;permanenten Revolution&#8220; und in der Kontrolle aller Lebensbereiche zu konservieren. &#8222;Der totalit\u00e4re Machthaber muss mit allen Mitteln die Bedingungen des Zerfalls, unter denen die Bewegung zur Macht gekommen ist, aufrechterhalten und verhindern, dass das, was er dauernd versprochen hat, wirklich eintritt, n\u00e4mlich eine Neuordnung aller Lebensverh\u00e4ltnisse und eine neue Normalit\u00e4t und Stabilit\u00e4t, die sich auf die Neuordnung gr\u00fcndet.&#8220;[24] Um dies zu erreichen, darf sich die totalit\u00e4re Herrschaft nicht auf die Zerst\u00f6rung von Institutionen, Rechtsverh\u00e4ltnissen oder von ihr unabh\u00e4ngige soziale Beziehungen beschr\u00e4nken, sondern muss versuchen, die Mitglieder der Gesellschaft derart zu &#8222;pr\u00e4parieren&#8220;[25], dass sie als Individuen oder gar in Zusammenschl\u00fcssen von Individuen ihr nicht gegen\u00fcberzutreten verm\u00f6gen und zu keiner politischen Artikulation in der Lage sind.<\/p>\n<p>Doch gerade diese angestrengte Verhinderungsstrategie erzeugte nicht nur das Dilemma einer in ihren Bewegungen gebremsten oder gar gel\u00e4hmten Gesellschaft, sondern lie\u00df f\u00fcr die Herrschenden und f\u00fcr die Beherrschten jede Individualit\u00e4t, jedes Eigen- und Gruppeninteresse, \u00fcberhaupt alles, was nicht dem Phantasma der gesellschaftlichen Einheit entsprach, als gegen das politische System gerichtet erscheinen. Und weil eben jene absolute Verf\u00fcgbarkeit, sieht man von T\u00f6tung und Massenmord ab, nicht zu verwirklichen war, installierte der Totalitarismus den Widerspruch gegen sich selbst. Das totalit\u00e4re Gebilde, ob es nun seiner idealtypischen Vollendung nahe kam oder auch nur dauerhaft die Last des unerf\u00fcllbaren totalit\u00e4ren Anspruchs zu tragen hatte, trug deswegen den &#8222;Keim des Untergangs&#8220; oder den &#8222;Kern seines Verderbens&#8220; schon in sich.[26] Da die kommunistische Nomenklatur der Gesellschaft als Lenker, Erzieher, Strafende und Belohnende gegen\u00fcbertrat, wurde die dadurch erzeugte &#8222;Spaltung der Gesellschaft, die [sie] abzuschaffen behaupteten&#8220;,[27] zu ihrem unheilbaren genetischen Defekt.<\/p>\n<p>Und um der Behauptung der vermeintlichen Gleichheit aller Gesellschaftsmitglieder und aller Parteimitglieder willen, richteten sie immer nur eine alle repr\u00e4sentierende Person auf, den Parteif\u00fchrer. Und selbst wenn es zwischen den Spitzen der Partei zu Rivalit\u00e4ten kam, musste schlie\u00dflich der eine gefunden werden, der das Ganze darstellte. Sein Bild, seine Eigenschaften, waren im Grunde Eigenschaften des Volkes, des von der Ideologie definierten wahren Volkes. Wer den F\u00fchrer, in dem die Gesellschaft symbolisch korporiert war, nicht verehrte, ignorierte oder gar beleidigte, sch\u00e4ndete den Volksk\u00f6rper. Der totalit\u00e4re Zentralismus war in seinen Folgen &#8222;nicht nur ineffizient, sondern z[um] T[eil] chaotisch; nicht nur unproduktiv, sondern ausgesprochen kontraproduktiv&#8220;[28]. Nicht einmal die Nachfolge Regularien f\u00fcr die Parteif\u00fchrer konnten geregelt werden, und es gab keine politische, juristische oder \u00f6konomische Entscheidung, die nicht von &#8222;oben&#8220; kam &#8211; faktisch und prinzipiell. Es gab keine \u00fcberpr\u00fcfbaren Verfahren zur Konfliktregulierung im sozialen Bereich und schon gar nicht in politischen Angelegenheiten. Denn nur der Parteif\u00fchrer war in der Lage, den Feind von gestern zum Freund von heute und wieder zum Feind von morgen zu erkl\u00e4ren, und nur er konnte sinnlose wirtschaftliche Gro\u00dfprojekte befehlen und bald darauf durch neue ersetzen. Die dem F\u00fchrer nachgeordneten Kader mussten bei solchen Wendungen darauf bauen, dass sie auf einer h\u00f6heren, f\u00fcr sie noch verschlossenen Weisheit beruhten. Die Henokratie des Parteif\u00fchrers mit seiner ihm nachgeordneten Kaderpyramide war Ausdruck der &#8222;Strukturlosigkeit der totalen Herrschaft&#8220;[29] mit dem ihr eigenen Kompetenzwirrwarr der Doppel- und Dreifachstruktur der Apparate.<\/p>\n<p>Auch die zahlreichen nachtr\u00e4glichen Versuche, in der DDR eine kryptische Vielfalt der Gesellschaft auszumachen, sprechen nicht f\u00fcr eine authentische soziale Pluralit\u00e4t, sondern f\u00fcr viele Strategien von Einzelnen und Gruppen, ein eigensinniges Leben zu f\u00fchren, ohne als Abweichler, Spalter oder Andersdenkende aufzufallen. Sicher ist das Konzept von der &#8222;stillgelegten Gesellschaft&#8220;[30] nicht aufrecht zu erhalten. M. Rainer Lepsius etwa hatte f\u00fcr die Gesellschaft der DDR mit ihrer &#8222;Institutionenfusion&#8220;[31] schon in den Kirchen eine Ausnahme gesehen. Detlef Pollack sprach von der &#8222;konstitutiv widerspr\u00fcchlichen Gesellschaft&#8220;, die von manifesten &#8222;Spannungslinien&#8220;[32] in Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur durchzogen gewesen sei. Doch die &#8222;funktionale Differenzierung&#8220; h\u00e4tte nicht dazu gef\u00fchrt, dass diese Bereiche &#8222;die ihnen innewohnende Eigendynamik&#8220;[33] entfalten konnten. Auch das Programm &#8222;Grenzen der Diktatur&#8220; von Ralph Jessen[34] kommt \u00fcber das Aufsp\u00fcren von Nischen nicht hinaus. Die Alltagsforschung, repr\u00e4sentiert durch Alf L\u00fcdtke[35] und Thomas Lindenberger[36], die auf die Eigensinnigkeit der DDR-B\u00fcrger abhebt, kann nur das partielle Unterlaufen und Aushebeln politischer Anspr\u00fcche und Erwartungen markieren.<\/p>\n<p>Die abgrundtiefe Spaltung zwischen der herrschenden Parteispitze und der ohnm\u00e4chtigen Gesellschaft war die Regel. Eigenst\u00e4ndiges gesellschaftliches Leben gab es nur rudiment\u00e4r in kleinen Gruppen oder religi\u00f6sen und kulturellen Milieus. Das fand im gesamten Ostblock auch seine sprachlichen Ausdrucksformen. Die Menschen unterschieden zwischen &#8222;ihr&#8220; und &#8222;uns&#8220;, zwischen &#8222;Bonzen&#8220; und &#8222;Volk&#8220;, zwischen &#8222;oben&#8220; und &#8222;unten&#8220;[37].<\/p>\n<p>Diese Zweiteilung der Gesellschaften hat auf Seiten der Machtlosen ein Wir-Gef\u00fchl erzeugt, das in den Revolutionen \u00f6ffentlichen Ausdruck fand. Vergeblich waren die Versuche die Fiktion der Einheit aufrechtzuerhalten. W\u00e4hrend die Herrschaft bem\u00fcht war, das Handeln der Gesellschaft zu kanalisieren, zu steuern und zu instrumentalisieren, legte sie zugleich die Gesellschaft als Kraftreservoir lahm. Die Herrschenden gerieten damit in einen Teufelskreis. Sie konnten diese Fiktion zu keiner Zeit aufgeben, weil sie ihre Identit\u00e4t darstellte. Und die Kommunisten verbrauchten zugleich mit der durch sie selbst hervorgerufenen Spaltung ihre Machtressourcen. Zwar hielten ihnen bis zum Ende des Kommunismus einige Apparate die Treue, in der DDR etwa die SED-Kader und die MfS-Mitarbeiter, als schn\u00f6de Nutznie\u00dfer und zugleich als eingeschworene Gralsh\u00fcter des Phantasmas. Doch gerade dadurch wurde die Spaltung der Gesellschaft un\u00fcberbr\u00fcckbar und ein schleichender Machtverfall eingeleitet, der auch nicht durch innere und \u00e4u\u00dfere Hochr\u00fcstung kompensiert werden konnte.<\/p>\n<p>Die kommunikationslose Zweiteilung der Gesellschaft in die &#8222;einfachen, der allgemeinen Norm unterworfenen B\u00fcrger&#8220; und die &#8222;vereidigten und versorgten B\u00fcrger der herrschenden Klasse&#8220; hat 1984 den Franzosen Guy Hermet veranlasst, von einer &#8222;heimt\u00fcckischen Krankheit&#8220; des Kommunismus zu sprechen. Er stellte die Hypothese auf: &#8222;N\u00e4mlich der stufenweise Verfall des Systems, bei dem Letzteres angesichts einer alles in allem separatistisch gewordenen Gesellschaft immer weniger Kontrolle \u00fcber Menschen und Dinge aus\u00fcbt.&#8220;[38]<\/p>\n<p>Vor allem hatte das Totalitarismuskonzept seine Bew\u00e4hrungsprobe deshalb bestanden, weil \u00fcber die Beschreibung des Spaltes zwischen Herrschaft und Gesellschaft hinaus in Ostmitteleuropa Konzepte zur Kommunismus\u00fcberwindung entwickelt wurden, die politisch-strategisch umgesetzt werden konnten und die die Schw\u00e4che des Kommunismus ebenso beschrieben und bef\u00f6rderten, wie sie in der Widerstandsgeschichte und den Revolutionen 1989 zum Tragen kamen. Der Franzose Jacques Rupnik hatte schon 1984 auf die eigenst\u00e4ndige Tradition der ostmitteleurop\u00e4ischen Totalitarismusdebatte verwiesen, die in den 1970er Jahren zu Entw\u00fcrfen f\u00fchrte, in denen die Eigenentwicklung der Gesellschaft gegen\u00fcber dem an Macht und Einfluss verlierenden kommunistischen Staat konzeptioniert wurde. Er schrieb: &#8222;Die Polen stellen bezeichnenderweise den Begriff der &#8218;b\u00fcrgerlichen Gesellschaft&#8216; in den Mittelpunkt, die Ungarn die Marktwirtschaft und die Tschechen ihre Verbundenheit mit der westlichen Kultur. Anders gesagt, drei erg\u00e4nzende Aspekte ihres europ\u00e4ischen und westlichen Erbes, die zugleich Hindernisse f\u00fcr die Ambitionen der totalit\u00e4ren Machthaber darstellen.&#8220;[39]<\/p>\n<p>Die ostmitteleurop\u00e4ischen Denker beschrieben das Gegen\u00fcber von Gesellschaft und Parteiherrschaft, wobei der dynamische Faktor in der Gesellschaft, ihrer Kultur und Geschichte, gesehen wurde. M\u00f6glich sei eine wachsende Autonomie der Gesellschaft, so in den Entw\u00fcrfen von Adam Michnik, Jacek Kuronoder V\u00e1clav Havel, weil der Widerstand gegen den Totalitarismus auf ethischen Fundamenten stehe, die sich dem totalit\u00e4ren Zugriff entz\u00f6gen. Hier w\u00e4ren auch die tats\u00e4chlichen Eigenbewegungen der Gesellschaft zu suchen und zu entwickeln. Oppositionelle haben in Polen, in der CSSR, in Ungarn und in der DDR, seit den 1970er Jahren Konzepte f\u00fcr die Rekonstruktion der Zivilgesellschaft zur \u00dcberwindung der parteiabh\u00e4ngigen Gesellschaft entwickelt.[40] Dies reichte von der Samisdatbewegung, den Konzepten der &#8222;Antipolitik&#8220;, der &#8222;Parallelgesellschaft&#8220;, der &#8222;Selbstorganisation&#8220; bis zu den Dialogkonzepten oder den basisdemokratischen Entw\u00fcrfen der DDR-Opposition.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"machtkampf-in-der-revolution\">Machtkampf in der Revolution <\/span><\/h2>\n<p>Die machtpolitische Relevanz dieser zivilgesellschaftlichen Konzepte kam 1989 zum Tragen. Ausgef\u00fchrt in ihren Revolutionsanalysen haben dies etwa Hartmut Zwahr[41], Patrik von zur M\u00fchlen[42] und Karsten Timmer[43]. Das Aufbrechen der geschlossenen Gesellschaft erschlie\u00dft sich auch, wenn unter totalitarismustheoretischen Aspekten die machtpolitische Konstellation am Beginn der Revolution betrachtet wird. Auf der einen Seite standen die Oppositionellen mit einem dialogischen Konzept. Im Aufruf des Neuen Forums (NF) vom 10. September 1989 hie\u00df es: &#8222;In unserem Lande ist die Kommunikation zwischen Staat und Gesellschaft offensichtlich gest\u00f6rt.&#8220; In der &#8222;gegenw\u00e4rtigen krisenhaften Situation&#8220; sei die Beteiligung vieler Menschen am &#8222;gesellschaftlichen Reformprozess&#8220; n\u00f6tig. Dazu sollte das NF als eine gemeinsame &#8222;politische Plattform f\u00fcr die ganze DDR, die es Menschen aus allen Berufen, Lebenskreisen, Parteien und Gruppen m\u00f6glich macht, sich an der Diskussion und Bearbeitung lebenswichtiger Gesellschaftsprobleme in diesem Land zu beteiligen&#8220;, gebildet werden.[44] Im Aufruf von Demokratie jetzt vom 12. September 1989 klang dies so: Der &#8222;gesellschaftliche Konsens im \u00f6ffentlichen Dialog&#8220; solle gesucht und durch verantwortliche Arbeit m\u00fcsse ein &#8222;lebendiger Pluralismus&#8220; geschaffen werden.[45]<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite lie\u00df der Oberbefehlshaber \u00fcber alle bewaffneten Organe, Erich Honecker, das Politb\u00fcro am 12. Oktober 1989 erkl\u00e4ren: &#8222;Wir werden auch k\u00fcnftig nicht zulassen, dass die Macht der Arbeiter und Bauern, dass die Werte, Ideale und Errungenschaften des Sozialismus angetastet werden [&#8230;] Deshalb ist es das Gebot der Stunde, dass sich alle [&#8230;] deutlich abgrenzen von jenen, die die B\u00fcrger f\u00fcr konterrevolution\u00e4re Attacken zu missbrauchen trachten [&#8230;] Die sozialistische Arbeiter- und Bauern-Macht ist von niemandem erpressbar [&#8230;] Die Deutsche Demokratische Republik &#8211; das sind die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger, die im demokratischen B\u00fcndnis unter der F\u00fchrung der SED diesen Staat geschaffen haben.&#8220;[46]<\/p>\n<p>Hier standen sich Dialog und Drohung sowie gesellschaftlicher Pluralismus und Fiktion der Einheit von Partei und Gesellschaft gegen\u00fcber. Die einen beriefen sich auf die freie offene Rede, die anderen auf die &#8222;Macht der Arbeiter und Bauern&#8220;. Die einen hatten das Wort und die anderen die Waffen. Nach Hannah Arendt hatte die Opposition allerdings die gr\u00f6\u00dferen Machtressourcen. Arendt band den Machtbegriff nicht an materielle, \u00f6konomische oder milit\u00e4rische Potenziale, sondern allein an die F\u00e4higkeit, Beziehungen zwischen handelnden Menschen aufzubauen. In diesem Sinne war die Erosion der Macht des Kommunismus Ausdruck der wachsenden Beziehungslosigkeit zwischen Herrschaftsapparat und Gesellschaft. Steuerungsabsichten verfehlten ihr Ziel, weil die zu Steuernden schon gar nicht mehr wussten, welchen Sinn au\u00dfer der Machtbehauptung die Lenkungsvorhaben hatten. Und selbst die Versprechen der Herrschenden gingen ins Leere, weil die Adressaten nicht mehr haben wollten, was ihnen verhei\u00dfen wurde. &#8222;Gerade am Machtmangel geht die Tyrannis zugrunde. Macht im echten und verl\u00e4sslichen Sinne kann die Tyrannis nicht erzeugen, weil sie die Pluralit\u00e4t des gemeinsamen Handelns in Einstimmigkeit, das &#8250;acting in concert&#8249;, im Beherrschen abgeschafft hat.&#8220;[47]<\/p>\n<p>Und fast prophetisch mutet die Analyse von Hannah Arendt an, die auch kleinen Gruppen friedlich Handelnder Machtpotenziale zusprach: &#8222;Macht aber besitzt eigentlich niemand, sie entsteht zwischen Menschen, wenn sie zusammen handeln, und sie verschwindet, sobald sie sich wieder zerstreuen [&#8230;] So k\u00f6nnen Volksaufst\u00e4nde gegen die materiell absolut \u00fcberlegenen Gewaltmittel eines Staates eine fast unwiderstehliche Macht erzeugen, und zwar gerade, wenn sie sich selbst der Gewaltt\u00e4tigkeit enthalten, in der sie ohnehin die Unterlegenen w\u00e4ren [&#8230;]. Die einzige rein materielle, unerl\u00e4ssliche Vorbedingung der Machterzeugung ist das menschliche Zusammen selbst.&#8220;[48]<\/p>\n<p>Und als wichtigstes Instrument im Machtkampf verstand Arendt die Sprache, die schlechthin die Beziehungen stiften kann: &#8222;Mit realisierter Macht haben wir es immer dann zu tun, wenn Worte und Taten untrennbar miteinander verflochten erscheinen, wo Worte nicht missbraucht werden, um Absichten zu verschleiern, sondern gesprochen sind, um Wirklichkeiten zu enth\u00fcllen, und wo Taten nicht missbraucht werden, um zu vergewaltigen und zu zerst\u00f6ren, sondern um neue Bez\u00fcge zu etablieren und zu festigen und damit neue Realit\u00e4ten zu schaffen.&#8220;[49]<\/p>\n<p>Die machtpolitischen Auseinandersetzungen 1989\/90 wurden daher mit, um und durch die Sprache gef\u00fchrt. Bis heute ist ein Gro\u00dfteil der Erinnerung an die Revolution an Sprachereignisse gekn\u00fcpft: &#8222;Wer zu sp\u00e4t kommt, den bestraft das Leben.&#8220; &#8222;Wir wollen raus&#8220; und &#8222;Wir bleiben hier&#8220;, &#8222;Wir sind das Volk&#8220; und &#8222;Wir sind ein Volk&#8220;, &#8222;Ich liebe doch alle.&#8220; &#8222;Der Sozialismus steht nicht zur Disposition&#8220;, &#8222;Sofort, unverz\u00fcglich!&#8220;, &#8222;Jetzt w\u00e4chst zusammen, was zusammen geh\u00f6rt.&#8220; und &#8222;\u00dcberwindung der Teilung durch Teilen.&#8220;<\/p>\n<p>Nach Wolf Oschlie\u00df wurde die Revolution durch die Sprache vorbereitet, ausgel\u00f6st, umgesetzt und fortgef\u00fchrt.[50] Peter von Polenz sprach von einer &#8222;Sprachrevolte&#8220;[51]. Die Emanzipation der Sprache war ein machtpolitischer Akt. Die Sprache der Revolution war nun nicht etwa Folge von Einsicht, intensiver politischer Bildung, des Studiums des Grundgesetzes der Bundesrepublik oder der Befolgung guter Ratschl\u00e4ge. Im Sprechen selbst ereignete sich die Revolution, kam es zur Enttabuisierung des Bestehenden und zur Entdeckung neuer M\u00f6glichkeiten. Progression und Evolution der Revolution vollzogen sich in der Erweiterung des Sprachraumes. Das kommunistische Projekt war am Ende, als ihm durch Sprache und von Sprechern eine Alternative entgegengestellt wurde.<\/p>\n<p>Zu verweisen w\u00e4re auch auf die Verbindung von Revolutionstheorie mit der Demokratietheorie bei Hannah Arendt. Im revolution\u00e4ren Zusammenhandeln entstehen danach urspr\u00fcngliche Zusammenschl\u00fcsse, die Arendt entsprechend den Erfahrungen mit der ungarischen Revolution als &#8222;R\u00e4te&#8220; bezeichnet. Diese R\u00e4te seien gleichsam die Keimzelle neu gegr\u00fcndeter demokratischer Institutionen, die in die Gr\u00fcndung demokratischer Republiken einm\u00fcnden k\u00f6nnen. Hannah Arendt unterschied zwischen der Rebellion, die die Befreiung zu bringen vermag, und der Revolution, die auf die &#8222;Gr\u00fcndung der Freiheit&#8220;[52] zielt. Tats\u00e4chlich entstand in der Revolution 1989 eine Vielfalt von neuen Institutionen, von den B\u00fcrgerkomitees bis zu den Runden Tischen. Diese haben auf friedliche Weise den \u00dcbergang zu Vertrag und Recht bewerkstelligt und damit letztlich die (Neu-)Gr\u00fcndung der Republik mit ihren die Freiheit garantierenden Institutionen erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>[1] Zum Umgang mit Hannah Arendt vgl. Henke, Klaus-Dietmar: Menschliche Spontaneit\u00e4t und die Sicherheit des Staates. Zur Rolle der weltanschaulichen Exekutivorgane in beiden deutschen Diktaturen und in den Reflexionen Hannah Arendts. In: Suckut, Siegfried; S\u00fc\u00df, Walter (Hg.): Staatspartei und Staatssicherheit. Zum Verh\u00e4ltnis von SED und MfS. Berlin 1997, S. 293-305.<\/p>\n<p>[2] Friedrich, Carl Joachim; Brzezinski, Zbigniew: Die allgemeinen Merkmale der totalit\u00e4ren Diktatur. In: Jesse, Eckard (Hg.): Totalitarismus im 20. Jahrhundert. Bonn 1996, S. 230 (Nachdruck eines Aufsatzes aus dem Jahr 1968).<\/p>\n<p>[3] Friedrich, Carl Joachim unter Mitarbeit von Brzezinski, Zbigniew: Totalit\u00e4re Diktatur. Stuttgart 1957, S. 264.<\/p>\n<p>[4] Orwell, George: 1984. Z\u00fcrich 1950.<\/p>\n<p>[5] Arendt, Hannah: Elemente und Urspr\u00fcnge totaler Herrschaft. Frankfurt\/M. 1955, S. 716.<\/p>\n<p>[6] Ebenda.<\/p>\n<p>[7] Ebenda, S. 12.<\/p>\n<p>[8] Arendt, Hannah: Die ungarische Revolution und der totalit\u00e4re Imperialismus. M\u00fcnchen 1958, S. 12.<\/p>\n<p>[9] Vgl. Ackermann, Ulrike: S\u00fcndenfall der Intellektuellen. Ein deutsch-franz\u00f6sischer Streit von 1945 bis heute. Mit einem Vorwort von Francois Bondy. Stuttgart 2000.<\/p>\n<p>[10] Lindenberger, Thomas; Sabrow, Martin: Das Findelkind der Zeitgeschichte. Zwischen Verinselung und Europ\u00e4isierung: Die Zukunft der DDR-Geschichte. In: Frankfurter Rundschau v. 12.11.2003.<\/p>\n<p>[11] Bracher, Karl Dietrich: Zeitgen\u00f6ssische Gedanken zum Revolutionsjahr 1989. In: Ders.: Wendezeiten der Geschichte. Historisch-politische Essays 1987-1992. Stuttgart 1992, S. 31.<\/p>\n<p>[12] Vgl. Schmiechen-Ackermann, Detlef: Diktaturen im Vergleich. Darmstadt 2002.<\/p>\n<p>[13] Heydemann, G\u00fcnther; Schmiechen-Ackermann, Detlef: Zur Theorie und Methodologie vergleichender Diktaturforschung. In: Heydemann, G\u00fcnther; Oberreuther, Heinrich (Hg.): Diktaturen in Deutschland &#8211; Vergleichsperspektive. Bonn 2003, S. 9-54, bes. 31-35.<\/p>\n<p>[14] Vgl. Meuschel, Sigrid: Legitimation und Parteiherrschaft. Zum Paradox von Stabilit\u00e4t und Revolution in der DDR 1945-1989. Frankfurt\/M. 1992.<\/p>\n<p>[15] Dazu vergleiche die \u00dcbersicht bei H\u00fcrten, Heinz: Totalit\u00e4re Herrschaft und ihre Grenzen. In: ZfP 47(2000)2, S. 117-130.<\/p>\n<p>[16] Gurian, Waldemar: Bolschewismus als Weltgefahr. Luzern 1935.<\/p>\n<p>[17] Buchheim, Hans: Totalit\u00e4re Herrschaft. Wesen und Merkmale. M\u00fcnchen 1962. Dort das Kapitel: Die Grenzen totalit\u00e4rer Machtentfaltung, S. 127-136.<\/p>\n<p>[18] R\u00f6del, Ulrich: Von der Totalitarismustheorie zur Demokratietheorie. Claude Lefort und Cornelius Casdoriadis. In: S\u00f6llner, Alfons; Walkenhaus, Ralf; Wieland, Karin (Hg.): Totalitarismus. Eine Ideengeschichte des 20. Jahrhunderts. Berlin 1997, In: S\u00f6llner; Walkenhaus; Wieland (Hg.): Totalitarismus. Eine Ideengeschichte. S. 216.<\/p>\n<p>[19] Lefort, Claude: Fortdauer des Theologisch-Politischen? Wien 1999, S. 62.<\/p>\n<p>[20] Ebenda.<\/p>\n<p>[21] Henke, Klaus-Dietmar: Menschliche Spontaneit\u00e4t und die Sicherheit des Staates. In: Suckut; S\u00fc\u00df (Hg.): Staatspartei und Staatssicherheit. S. 304.<\/p>\n<p>[22] Arendt: Elemente und Urspr\u00fcnge. S. 736.<\/p>\n<p>[23] Vgl. ebenda, S. 723.<\/p>\n<p>[24] Ebenda, S. 621 f.<\/p>\n<p>[25] Ebenda, S. 744 f.<\/p>\n<p>[26] Vgl. Henke: Menschliche Spontaneit\u00e4t und die Sicherheit des Staates. In: Suckut; S\u00fc\u00df (Hg.): Staatspartei und Staatssicherheit. S. 305.<\/p>\n<p>[27] Gauchet, Marcel: Die totalit\u00e4re Erfahrung und das Denken des Politischen. In: R\u00f6del, Ulrich (Hg.): Autonome Gesellschaft und libert\u00e4re Demokratie. Frankfurt\/M. 1990, S. 220.<\/p>\n<p>[28] Ballenstrem, Karl Graf: Aporien der Totalitarismus-Theorie. In: Jesse (Hg.): Totalitarismus im 20. Jahrhundert. S. 242.<\/p>\n<p>[29] Arendt: Elemente und Urspr\u00fcnge. S. 661.<\/p>\n<p>[30] Zur Diskussion um die &#8222;stillgelegte Gesellschaft&#8220; Jessen, Ralph: Die Gesellschaft im Staatssozialismus. In: Geschichte und Gesellschaft 21(1995), S. 99.<\/p>\n<p>[31] Ebenda, S. 19.<\/p>\n<p>[32] Pollack, Detlef: Die konstitutive Widerspr\u00fcchlichkeit der DDR. Oder: War die DDR-Gesellschaft homogen? In: Geschichte und Gesellschaft 24(1998), S. 114.<\/p>\n<p>[33] Pollack, Detlef: Politischer Protest. Politisch alternative Gruppen in der DDR. Opladen 2000, S. 35.<\/p>\n<p>[34] Vgl. Bessel, Richard; Jessen, Ralph (Hg.): Die Grenzen der Diktatur. Staat und Gesellschaft in der DDR. G\u00f6ttingen 1996.<\/p>\n<p>[35] L\u00fcdtke, Alf: Sprache und Herrschaft in der DDR. In: Ders.; Becker, Peter (Hg.): Akten. Eingaben. Schaufenster. Die DDR und ihre Texte. Erkundungen zu Herrschaft und Alltag. Berlin 1997, S. 15.<\/p>\n<p>[36] Lindenberger, Thomas: Die Diktatur der Grenzen. In: Ders. (Hg.): Herrschaft und Eigen-Sinn in der Diktatur. Studien zur Gesellschaftsgeschichte der DDR. K\u00f6ln, Weimar, Wien 1999, S. 21 f.<\/p>\n<p>[37] Schl\u00f6gel, Karl: Der renitente Held. Arbeiterprotest in der Sowjetunion 1953-1983. Hamburg 1984. S. 36.<\/p>\n<p>[38] Hermet, Guy: Vergangenheit und Gegenwart: Vom faschistischen und nazistischen Regime zum kommunistischen System. In: Jesse, Eckard (Hg.): Totalitarismus im 20. Jahrhundert. Bonn 1996, S. 196.<\/p>\n<p>[39] Rupnik, Jacques: Der Totalitarismus aus der Sicht des Ostens. In: Jesse (Hg.): Totalitarismus im 20. Jahrhundert, S. 412. \u00dcbersetzung eines Artikels aus dem Jahr 1984.<\/p>\n<p>[40] Vgl. Timmer, Karsten: F\u00fcr eine zivile Gemeinschaft zivilisierter B\u00fcrger &#8211; Die ideellen Grundlagen der DDR-B\u00fcrgerbewegung 1989\/90. In: G\u00fcnter Heydmann, Gunter Mai, Werner M\u00fcller (Hg.). Revolution und Transformation in der DDR 1989\/90, Berlin 1999 S. 51-64.<\/p>\n<p>[41] Vgl. Zwahr, Hartmut: Ende einer Selbstzerst\u00f6rung. Leipzig und die Revolution in der DDR. G\u00f6ttingen 1993.<\/p>\n<p>[42] Vgl. M\u00fchlen, Patrik von zur: Aufbruch und Umbruch in der DDR. B\u00fcrgerbewegungen, kritische \u00d6ffentlichkeit und Niedergang der SED-Herrschaft. Bonn 2000.<\/p>\n<p>[43] Timmer, Karsten: F\u00fcr eine zivile Gemeinschaft zivilisierter B\u00fcrger Berlin 1999, S. 53.<\/p>\n<p>[44] Michael Arnold u.a., Aufbruch 89 &#8211; Neues Forum (Herausgegeben am 10.9. 1989. Abgedruckt in: Rein, Gerhard: Die Opposition in der DDR. Entw\u00fcrfe f\u00fcr einen anderen Sozialismus. Berlin 1989. S. 13f.<\/p>\n<p>[45] Demokratie jetzt: Aufruf zur Einmischung in eigener Sache. Thesen f\u00fcr eine demokratische Umgestaltung der DDR. Berlin 12.9.1989 Abgedruckt in: Rein, Gerhard: 1989. S. 59-64.<\/p>\n<p>[46] Erkl\u00e4rung des Politb\u00fcros des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. In: ND v. 12.10.1989, S. 1.<\/p>\n<p>[47] Arendt: Elemente und Urspr\u00fcnge. S. 749.<\/p>\n<p>[48] Arendt: Vita activa oder Vom t\u00e4tigen Leben. M\u00fcnchen, Z\u00fcrich 1996. S. 253.<\/p>\n<p>[49] Arendt, Hannah: Vita activa S. 252.<\/p>\n<p>[50] Vgl. Oschlie\u00df, Wolf: Vierzig zu Null im Klassenkampf? Sprachliche Bilanz von vier Jahrzehnten DDR Berlin 1990.<\/p>\n<p>[51] Polenz, Peter von: Die Sprachrevolte in der DDR im Herbst 1989. In Zeitschrift f\u00fcr germanistische Linguistik 1993\/21 S. 127-149.<\/p>\n<p>[52] Arendt, Hannah: \u00dcber die Revolution. M\u00fcnchen 1974, S. 184.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[1886],"publikationen":[2820],"class_list":["post-10991","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-erhart-neubert","publikationen-185-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Vom &quot;Kern ihres Verderbens&quot; - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/185-vorgaenge\/publikation\/vom-kern-ihres-verderbens\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Vom &quot;Kern ihres Verderbens&quot; - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"1989 aus totalitarismustheoretischer Perspektive, aus: vorg\u00e4nge Nr. 185, Heft 1\/2009, S. 14-25 Politische Theorien lassen sich ebenso wenig aus dem Kontext ihrer sozialen und kulturellen Voraussetzungen l\u00f6sen, wie sie nur Antworten auf Fragen geben, die sie selbst stellen. 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