{"id":10992,"date":"2009-03-01T21:30:00","date_gmt":"2009-03-01T20:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/was-ist-zwanzig-jahre-danach-zu-feiern\/"},"modified":"2009-03-01T12:00:00","modified_gmt":"2009-03-01T11:00:00","slug":"was-ist-zwanzig-jahre-danach-zu-feiern","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/185-vorgaenge\/publikation\/was-ist-zwanzig-jahre-danach-zu-feiern\/","title":{"rendered":"Was ist zwanzig Jahre danach zu feiern?"},"content":{"rendered":"<p>Zur Bedeutung von 1989 in der deutschen Geschichte und Gegenwart,<\/p>\n<p>aus: vorg\u00e4nge Nr. 185, Heft1\/2009, S. 26-30<\/p>\n<p>Die zwanzigste Wiederkehr des annus mirabilis 1989 wird in Deutschland mit betr\u00e4chtlichem Aufwand begangen: wichtige Publikationen sind bereits erschienen, zahlreiche Veranstaltungen, Kongresse, Vortr\u00e4ge, Ausstellungen sind angek\u00fcndigt, die Medien werden das Geschehen auf ihre Weise &#8222;verarbeiten&#8220; und selbstverst\u00e4ndlich wird es auch die obligaten Staatsakte und andere offizi\u00f6se Bekundungen geben. Und doch scheint sich in die Vorbereitungen Unsicherheit und Skepsis zu mischen, die sich aus sehr unterschiedlichen Motiven speisen. Unverkennbar beziehen sie sich sowohl auf das Geschehen als auch auf dessen Gegenwartsbezug.<\/p>\n<p>Auf diesem Hintergrund soll hier in einer kleinen Skizze versucht werden, den Charakter des Geschehens von 1989, \u00fcber das schon die Begrifflichkeit differiert, zu bestimmen, seine Bedeutung im Kontext der deutschen Geschichte zu kennzeichnen sowie europ\u00e4ische Zusammenh\u00e4nge des Geschehens aufzuzeigen, um daraus Folgerungen f\u00fcr den Umgang mit dem Geschehen in der \u00f6ffentlichen Erinnerung zu ziehen. Dies schlie\u00dft eine Reflexion der gegenw\u00e4rtigen Situation ein. Es geht hier also weniger um die Diskussion zeithistorischer Fragen als um den Stellenwert von 1989 in der heutigen deutschen Erinnerungskultur.<\/p>\n<p><b>I<\/b><\/p>\n<p>Dass 1989-91 eine weltgeschichtliche Z\u00e4sur bildet, ist weithin unstrittig. Doch was diese herbeigef\u00fchrt hat und wie sie zu dem Vorhergehenden in Beziehung zu setzen ist, dar\u00fcber gehen die Einsch\u00e4tzungen auseinander, was schon in der Begrifflichkeit zum Ausdruck kommt.<\/p>\n<p>Nach wie vor wird in Deutschland vielfach der von Egon Krenz gepr\u00e4gte blasse Begriff &#8222;Wende&#8220; gebraucht, als ob es sich nur um eine Richtungs\u00e4nderung gehandelt h\u00e4tte. Abgesehen davon, dass er ironischerweise mit Helmut Kohls Begriff der &#8222;geistigmoralischen Wende&#8220; von 1982 ein St\u00fcck weit konvergiert, untersch\u00e4tzt er die Tiefe des Umbruchs.<\/p>\n<p>Andere sprechen von einer &#8222;Implosion&#8220; des kommunistischen Systems. Keine Frage, dass die Jahre 1989-1991 in den kommunistischen Systemen durch eine \u00dcberlagerung l\u00e4ngerfristiger \u00f6konomisch-technologischer und ideologischer Erosionsprozesse mit kurzfristigen politischen Krisenph\u00e4nomenen gekennzeichnet waren. Sicherlich hat der Umbruch seine l\u00e4ngere Vorgeschichte, nicht zuletzt in der Entwicklung des &#8222;realen Sozialismus&#8220;, der angesichts der neuen technologisch-\u00f6konomischen Herausforderungen seit den 70er Jahren gegen\u00fcber dem westlichen Kapitalismus hoffnungslos ins Hintertreffen geriet. Seine wirtschaftliche Stagnation war un\u00fcbersehbar. Ob deshalb jedoch der Begriff &#8222;Implosion&#8220; f\u00fcr diese Umw\u00e4lzung angemessen und damit der Begriff &#8222;Revolution&#8220; abwegig ist, ist zu bezweifeln.<\/p>\n<p>Es handelte sich beim Geschehen im Herbst 1989 nicht nur um einen Zusammenbruch, sondern eben auch um die Folgen des mutigen Handelns von oppositionellen Gruppen und Volksbewegungen. Beide bewirkten, auch wenn dies nicht alle Menschen in gleicher Weise als Ziel hatten, nicht lediglich einen Regierungs- sondern einen Systemwechsel, der sich keineswegs auf die politische Ebene beschr\u00e4nkte, sondern Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur einschloss. F\u00fcr derartige pl\u00f6tzliche Systemwechsel verwenden wir in der Regel den Begriff &#8222;Revolution&#8220;. Ihn f\u00fcr diesen Umbruch zu verweigern, ist allenfalls dann m\u00f6glich, wenn man den Begriff an Bildern einer Jakobinerdiktatur als Inkarnation revolution\u00e4ren Handelns oder am marxistisch-leninistischen Revolutionsverst\u00e4ndnis ausrichtet. Gewaltanwendung w\u00fcrde dann als konstitutiv f\u00fcr eine Revolution betrachtet oder auch Revolution an einem bestimmten ideologischen Ziel gemessen. Der Begriff der &#8222;friedlichen Revolution&#8220;, der schon von den Zeitgenossen verwandt wurde, erscheint jedoch durchaus angemessen. Dem widerspricht nicht wirklich, dass das Regime bis in die erste Oktober-H\u00e4lfte 1989 durchaus Gewaltmittel anwandte. Der Begriff Herbstrevolution ist dabei keine Alternative.<\/p>\n<p>F\u00fcr manche reduziert sich die &#8222;Friedliche Revolution&#8220; auf einen Aspekt der &#8222;Vorbereitung der Wiedervereinigung&#8220;. Dies untersch\u00e4tzt offensichtlich die Eigengewichtigkeit der Umw\u00e4lzung im Herbst 1989, die allerdings in einer zweiten Phase tats\u00e4chlich zur Vereinigung der beiden deutschen Staaten, d.h. zum Beitritt der DDR zur Bundesrepublik, f\u00fchrte. Wesentliche Momente waren dabei sowohl das Ziel, die \u00dcberwindung des kommunistischen Systems durch Einf\u00fchrung der westlichen Ordnung auf Dauer zu stellen, als auch das Wiedererwachen des &#8211; niemals g\u00e4nzlich verschwundenen &#8211; Zusammengeh\u00f6rigkeitsbewusstseins der Deutschen.<\/p>\n<p>Da die Vereinigung durch staatliches Handeln nicht identisch mit der &#8222;Friedlichen Revolution&#8220;, sondern eher ihre Konsequenz war, mag man fragen, ob der Begriff der &#8222;Friedlichen Revolution&#8220; den Gesamtprozess abdeckt oder ob man f\u00fcr diesen zwei Begriffe oder den der &#8222;Umw\u00e4lzung 1989\/90&#8220; verwenden sollte.<\/p>\n<p><b>II<\/b><\/p>\n<p>1989\/90 ist im Kontext der deutschen Geschichte zweifellos ein Datum von herausragender Bedeutung. Man kann geradezu 1989\/90 als Beendigung des &#8222;deutschen Sonderwegs&#8220; betrachten, als dessen Kennzeichen seit dem 19. Jahrhundert die lange Dauer vordemokratischer obrigkeitsstaatlicher Strukturen und entsprechende Mentalit\u00e4ten, das Fehlen einer erfolgreichen Revolution und die lange ungekl\u00e4rte Nationalstaatsproblematik bzw. die \u00dcberlagerung all dieser Momente bei zunehmend beschleunigtem \u00f6konomischen Wandel aufgefasst worden sind.<\/p>\n<p>Die \u00dcberwindung des SED-Systems und das Ende der DDR verweisen jedenfalls auf verschiedene Zusammenh\u00e4nge dieser deutschen Geschichte. Zun\u00e4chst einmal wird damit eine Diktatur beseitigt, die gewiss anderer Natur als die NS-Diktatur war und keine vergleichbare kriminelle Energie entfaltete, doch weit von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit entfernt war. Dabei war das SED-System insofern spezifischer Art, als es einerseits die \u00dcbertragung des sowjetischen Systems auf den \u00f6stlichen Teil Deutschlands darstellte, andererseits aber deutsche, nicht nur kommunistische Traditionen weiterf\u00fchrte &#8211; etwa in der Negierung von Pluralismus, in einem bestimmten Organisationsfetischismus, in einer Staatsorientierung u.a. Etlichen Beobachtern erschien die DDR sogar als der deutschere Staat, der &#8211; in manchen Hinsichten hermetisch abgeschlossen &#8211; Besonderheiten pflegte. Der Westernisierung der Bundesrepublik entsprach im Grunde nur sehr bedingt eine Sowjetisierung der DDR. Mit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik wurde auch dieser ein Teil jenes Europas, das durch internationale Offenheit gepr\u00e4gt ist.<\/p>\n<p>Ziel der oppositionellen Gruppen war dabei durchweg nicht das kapitalistische Wirtschaftssystem, sondern die Durchsetzung der Menschen- und B\u00fcrgerrechte, der Gewaltenteilung, der Rechtsstaatlichkeit und der Demokratie. Bei manchen verband sich dies mit Vorstellungen eines Dritten Weges. In der Volksbewegung ging es dann gewiss auch um ein anderes Leben als das in der DDR vorherrschende. Aufs Ganze gesehen hatte jedoch die Bewegung des Herbstes 1989 die Selbstbefreiung der Menschen zum Ziel. Die Bewegung des Herbstes 1989 l\u00e4sst sich damit &#8211; um es pointiert zu formulieren &#8211; den Freiheitsbewegungen der deutschen Geschichte zuordnen, sie war sogar die erfolgreichste Freiheitsbewegung deutscher Geschichte. Gustav Heinemann hat in den fr\u00fchen 70er Jahren nachdr\u00fccklich gefordert, die Freiheitstraditionen deutscher Geschichte bewusst zu machen und hat deshalb die Gr\u00fcndung des Museums f\u00fcr Freiheitsbewegungen der deutschen Geschichte in Rastatt angeregt. Die Bewegung des Herbstes 1989 hat in diesem Zusammenhang ihren historischen Ort.<\/p>\n<p>\u00dcberwunden wurde 1989\/90 auch die deutsche Zweistaatlichkeit. Damit wurde ein wesentliches Kennzeichen des &#8222;deutschen Sonderwegs&#8220; \u00fcberwunden &#8211; die mit der Reichstradition und der Staatsbildung auf territorialer Grundlage zusammenh\u00e4ngende Schwierigkeit, einen nationalen Staat zu gr\u00fcnden und ihn mit dem Prozess der Modernisierung und Demokratisierung der Gesellschaft in Einklang zu bringen. Erstmals in der deutschen Geschichte konnten 1989\/90 Einheit und Freiheit, Nation und Demokratie wirklich zusammengebracht werden. Dass dies lange Zeit nicht gelungen war, hatte die deutsche von der westlichen Entwicklung unterschieden, mit gro\u00dfen Teilen Osteuropas aber verbunden.<\/p>\n<p>Die &#8222;Friedliche Revolution&#8220; und die deutsche Vereinigung waren in vieler Hinsicht europ\u00e4ische Ereignisse. Die Entwicklungen in Polen und in Ungarn, doch auch Gorbatschows Reformpolitik in der Sowjetunion erm\u00f6glichten und stimulierten den Prozess in Deutschland. Zugleich hat die &#8222;Friedliche Revolution&#8220; in der DDR als Katalysator f\u00fcr das Ende der kommunistischen Herrschaft in Europa gewirkt. Die &#8222;Friedliche Revolution&#8220; war damit Teil eines ganz Osteuropa erfassenden Prozesses. Anders als 1953, 1968,1980 war jetzt Europa insgesamt betroffen, so dass die \u00dcberwindung der Teilung Europas und des Ost-West-Gegensatzes m\u00f6glich wurde. Im Grunde haben wir es 1989 wie 1848 mit einer europ\u00e4ischen Revolution zu tun, allerdings mit dem Unterschied, dass die Revolution 1989 nicht scheiterte.<\/p>\n<p>Was die deutsche Vereinigung anbetrifft, so stie\u00df der Vereinigungsprozess durchaus auf Vorbehalte in Europa &#8211; bei den Regierungen Gro\u00dfbritanniens, Frankreichs, Italiens, Polens, zun\u00e4chst auch der Sowjetunion. Bemerkenswert ist jedoch, dass sie in einer mit den Interessen der anderen europ\u00e4ischen L\u00e4nder kompatiblen Weise realisiert werden konnte. Es wurde nicht ein autonomer Nationalstaat wiederhergestellt, sondern ein &#8222;europ\u00e4isches Deutschland&#8220;, ein deutscher Nationalstaat, der sich bewusst in den europ\u00e4ischen Integrationsprozess eingeordnet hat, gebildet. Heinrich August Winkler hat vom &#8222;postklassischen Nationalstaat&#8220; gesprochen. 1989\/90 steht damit auch f\u00fcr eine neue europ\u00e4ische Perspektive.<\/p>\n<p><b>III<\/b><\/p>\n<p>Wenn man danach fragt, warum sich manche mit der Erinnerung an 1989\/90 so schwer tun, so kommt man nicht umhin, die Folgen der Umw\u00e4lzung mit einzubeziehen.<\/p>\n<p>Zweifellos sind viele B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger in der fr\u00fcheren DDR von der Entwicklung seit 1990 entt\u00e4uscht. Der Wandel der Lebensverh\u00e4ltnisse war allzu radikal; die Menschen kamen in eine Welt, die sie vielfach als kalt und r\u00fccksichtslos empfanden. Viele hatten Probleme mit der neuen Freiheit. Adam Michnik hat dies im Hinblick auf Polen so formuliert: &#8222;&#8230; das Ende des Kommunismus offenbarte uns das tiefe Bed\u00fcrfnis nach einem Leben in einer sicheren und vorhersehbaren Welt.&#8220; So sehnten sich manche irgendwie in ihre Lebenswelt in der DDR zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Das Erbe der SED-Diktatur war zudem ungleich verheerender als angenommen, in verschiedenen Hinsichten. Problematische Weichenstellungen kamen hinzu. Massive jahrelange Hilfe vom Westen wurden dadurch n\u00f6tig, Mittel, die irgendwie in Westdeutschland fehlten &#8211; wenn auch keineswegs die meisten Probleme im Westen auf die zus\u00e4tzlichen Lasten zur\u00fcckzuf\u00fchren waren. Und unter den Bedingungen eines versch\u00e4rften globalisierten Wettbewerbs gelang es in den neuen L\u00e4ndern nur sehr bedingt, einen selbsttragenden Aufschwung zu Stande zu bringen. Folgen waren Deindustrialisierung und Massenarbeitslosigkeit, trotz gro\u00dfer Transferleistungen von West- nach Ostdeutschland.<\/p>\n<p>Dass dies die Erinnerung an die Umw\u00e4lzung 1989\/90, die Zeit der gro\u00dfen Erwartungen und Hoffnungen beeintr\u00e4chtigen musste, war klar. &#8222;Ostalgie&#8220; machte sich in der fr\u00fcheren DDR breit, stimuliert auch durch die alten Kader des SED-Systems. Kennzeichen dieser &#8222;Ostalgie&#8220; ist, dass nur bestimmte Dinge erinnert werden. Umgekehrt werden problematische Aspekte der Gegenwart betont. Doch waren bei fairer Betrachtung die letzten 20 Jahre &#8211; wie Adam Michnik f\u00fcr Polen formuliert hat &#8211; keineswegs &#8222;nur ein Haufen Ungl\u00fcck&#8220; &#8211; im Gegenteil.<\/p>\n<p>Der Amerikaner Francis Fukuyama hat in den fr\u00fchen 90er Jahren &#8211; die Geschichtsphilosophie Hegels aufgreifend &#8211; die These vom Ende der Geschichte vertreten, was so viel hie\u00df, dass ein \u00fcber das westliche Projekt hinausf\u00fchrendes politisches Projekt nicht mehr denkbar sei. Diese These ist sogleich auf Widerspruch gesto\u00dfen, obgleich ein derartiges alternatives Projekt nicht sichtbar wurde. Vieles wurde im fr\u00fcheren Herrschaftsbereich des Sowjetkommunismus inzwischen vorangebracht. Doch allzu offensichtlich traten auch problematische Seiten eines Marktradikalismus hervor. Und dieser Radikalismus mit seiner gigantischen verantwortungslosen Finanzspekulation m\u00fcndet jetzt in eine gro\u00dfe Krise ein. Dass dies das westliche Modell f\u00fcr viele Menschen aus der DDR &#8211; und nicht nur aus der DDR &#8211; ein St\u00fcck weit eindunkelt, ist nur zu verst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p>Es ist deshalb klarzulegen, dass die westlichen Werte mehr waren und sind als das radikale Marktprinzip. Es geht 2009 um ein Erinnern, das nicht nur die Vorz\u00fcge der demokratischen Werte feiert, sondern deren immer wieder neu zu leistende Durchsetzung anmahnt, gerade auch in den Zeiten der Globalisierung und der Krise.<\/p>\n<p><b>IV<\/b><\/p>\n<p>Die deutsche Erinnerungskultur der Gegenwart weist besondere Merkmale auf. Charakteristisch ist die Dominanz des &#8211; wie Reinhard Koselleck formuliert hat &#8211; &#8222;negativen Ged\u00e4chtnisses&#8220;, in dessen Zentrum zu Recht der Holocaust steht. In diesem Ged\u00e4chtnis spielt neben der Zeit des Nationalsozialismus die SED-Diktatur eine gewisse Rolle, die von manchen &#8211; die Unterschiedlichkeit beider allzu sehr nivellierend &#8211; als &#8222;zweite deutsche Diktatur&#8220; &#8211; bezeichnet wird. Keine Frage, dass dieses Ged\u00e4chtnis f\u00fcr die deutsche Gesellschaft unverzichtbar ist.<\/p>\n<p>Es stellt sich jedoch durchaus die Frage, ob ohne Verdr\u00e4ngung der negativen Erinnerungskomplexe nicht auch positive Traditionen st\u00e4rker erinnert werden sollten, insbesondere die Freiheitsbewegungen deutscher Geschichte, die schon Gustav Heinemann im deutschen Geschichtsbewusstsein verankern wollte.<\/p>\n<p>Zu denken ist an die Bewegung von 1848\/49, an die f\u00fcr die demokratische Entwicklung in Deutschland zentrale sozialdemokratische Arbeiterbewegung, an den Widerstand gegen Hitler, an den 17. Juni 1953 und eben an die B\u00fcrger- und Volksbewegung 1989. 1989 wurde das nachgeholt, was vielfach als Defizit der deutschen Entwicklung betrachtet worden ist: eine erfolgreiche Revolution, im Grunde die erste in der deutschen Geschichte. Deshalb ist es an der Zeit, ihr einen besonderen Platz in der deutschen Erinnerungskultur einzur\u00e4umen. Dazu kann das Jahr 2009 beitragen.<\/p>\n<p>Die Erinnerungskultur darf gewiss Diskurse \u00fcber die verschiedenen Vergangenheiten nicht verhindern. Vergangenheit ist nicht still zustellen, vielmehr hat ihre Vergegenw\u00e4rtigung zur Orientierung in der Gegenwart beizutragen. So ist nach der Last der Vergangenheit ebenso zu fragen wie nach dem, worauf wir stolz sein k\u00f6nnen, und dem, was auf dem Hintergrund der Geschichte in der Gegenwart zu bedenken und zu verbessern ist.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[1887],"publikationen":[2820],"class_list":["post-10992","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-bernd-faulenbach","publikationen-185-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Was ist zwanzig Jahre danach zu feiern? - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/185-vorgaenge\/publikation\/was-ist-zwanzig-jahre-danach-zu-feiern\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Was ist zwanzig Jahre danach zu feiern? 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