{"id":11027,"date":"2008-09-01T18:00:00","date_gmt":"2008-09-01T16:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/kinderarmut\/"},"modified":"2021-08-24T21:51:52","modified_gmt":"2021-08-24T19:51:52","slug":"kinderarmut","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/183-vorgaenge\/publikation\/kinderarmut\/","title":{"rendered":"Kinderarmut"},"content":{"rendered":"<p>Krisensymptom der Familie oder Armutszeugnis f\u00fcr die Gesellschaft?,<\/p>\n<p>aus: vorg\u00e4nge Nr. 183, Heft 3\/2008, S. 69-77<\/p>\n<p>Auf dem H\u00f6hepunkt des sich offenbar gerade seinem Ende zuneigenden Konjunkturaufschwungs, im M\u00e4rz 2007, lebten nach Angaben der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit fast 1,929 Mio. Kinder unter 15 Jahren (von ca. 11,44 Mio. dieser Altersgruppe insgesamt) in SGB-II Bedarfsgemeinschaften, landl\u00e4ufig &#8222;Hartz-IV-Haushalte&#8220; genannt. Rechnet man die \u00fcbrigen Betroffenen (Kinder in Sozialhilfehaushalten, in Fl\u00fcchtlingsfamilien, die nach dem <i>Asylbewerberleistungsgesetz <\/i>ein Drittel weniger als die Sozialhilfe erhalten, und von sog. Illegalen, die gar keine Transferleistungen beantragen k\u00f6nnen) hinzu und ber\u00fccksichtigt au\u00dferdem die sog. Dunkelziffer (d.h. die Zahl jener eigentlich Anspruchsberechtigter, die aus Unwissenheit, Scham oder anderen Gr\u00fcnden keinen Antrag auf Sozialhilfe bzw. Arbeitslosengeld II stellen), lebten etwa 2,8 Millionen Kinder, d.h. mindestens jedes f\u00fcnfte Kind dieses Alters, auf oder unter dem Sozialhilfeniveau.[1]<\/p>\n<p>Obwohl die Kinderarmut l\u00e4ngst zu einem Massenph\u00e4nomen geworden ist, taucht der Armutsbegriff selbst im Stichwortverzeichnis eines Standardwerkes wie dem von Jutta Ecarius herausgegebenen &#8222;Handbuch Familie&#8220; nicht auf.[2] Dabei basiert Kinderarmut in aller Regel auf Frauen- bzw. Familienarmut. Betroffen sind vor allem Alleinerziehende, meist M\u00fctter, und kinderreiche Familien, deren Haushaltseinkommen zu gering ist, um den Unterhalt von Kindern zu bestreiten, was zu sozialer Benachteiligung in mehreren Bereichen (z.B. Wohnen, Bildung und Gesundheit) f\u00fchrt. Familien fungieren n\u00e4mlich als &#8222;emotionaler Puffer&#8220; zwischen dem bestehenden Wirtschaftssystem, das die sozio\u00f6konomische Deprivation hervorruft, und den Kindern, die auf Grund solcher Restriktionen in ihrer kognitiven Entwicklung, schulischen Leistungsf\u00e4higkeit, psychischen Stabilit\u00e4t und physischen Konstitution gef\u00e4hrdet sind.[3]<\/p>\n<p>Hier soll nach den Ursachen eines Prozesses gefragt werden, den Richard Hauser bereits in den 1990er-Jahren als &#8222;Infantilisierung der Armut&#8220; bezeichnet hat.[4] Neben den Tendenzen zur Aush\u00f6hlung des &#8222;Normalarbeitsverh\u00e4ltnisses&#8220; und zur Aufl\u00f6sung der &#8222;Normalfamilie&#8220; ist der Um- bzw. Abbau des Wohlfahrtsstaates, wie man ihn bis Mitte der 1970er-Jahre kannte, hauptverantwortlich f\u00fcr die gegenw\u00e4rtige Kinderarmut.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"i-aushoehlung-des-normalarbeitsverhaeltnisses\">I. Aush&ouml;hlung des Norma&shy;l&shy;a&shy;r&shy;beits&shy;ver&shy;h&auml;lt&shy;nisses <\/span><\/h2>\n<p>Mehr als in anderen Wohlfahrtsstaaten beruht das soziale Sicherungssystem in Deutschland auf einer von der Ausbildung bis zur Rente sozialversicherungspflichtig betriebenen, \u00fcberwiegend von (Ehe-)M\u00e4nnern verrichteten Lohnarbeit. Wenn aber immer weniger Arbeitnehmer\/innen immer mehr G\u00fcter herstellen und immer mehr Dienstleistungen erbringen, ohne noch eine &#8222;feste Stelle&#8220; zu haben, die sie &#8211; samt ihren Familien &#8211; ern\u00e4hrt, verliert der erwerbsarbeitszentrierte Sozial(versicherungs)staat sein Fundament. Denn ihm lag das Normalarbeitsverh\u00e4ltnis zu Grunde, d.h. eine unbefristete, sozial- bzw. arbeitsrechtlich und kollektivvertraglich gesch\u00fctzte Vollzeitbesch\u00e4ftigung, die sich in der Krise befindet. &#8222;Ausgel\u00f6st durch s\u00e4kulare Umstrukturierungsprozesse im Bereich gesellschaftlicher Produktion, deutet sich eine Situation an, in der eine auf Erwerbsarbeit <i>im Normalarbeitsverh\u00e4ltnis <\/i>basierende gesellschaftliche Reproduktion als Regelfall nicht mehr vorstellbar ist.&#8220;[5] Ulrich M\u00fcckenberger hob zugleich hervor, dass der Niedergang des &#8222;Normalarbeitsverh\u00e4ltnisses&#8220; nicht etwa dem technischen Fortschritt geschuldet ist, sondern auf wirtschafts- und sozialpolitischen Grundsatzentscheidungen beruht.<\/p>\n<p>Im \u00f6konomischen Modernisierungs-, Rationalisierungs- und Automatisierungsprozess, den das global agierende Kapital unter Stichworten wie &#8222;Deregulierung&#8220; und &#8222;Flexibilisierung&#8220; vorantreibt, wird das Normalarbeitsverh\u00e4ltnis durch eine steigende Zahl atypischer, prek\u00e4rer, befristeter, Leih- und (Zwangs-)Teilzeitarbeitsverh\u00e4ltnisse, die den so Besch\u00e4ftigten weder ein ausreichendes Einkommen noch den erforderlichen arbeits- und sozialrechtlichen Schutz bieten, in seiner Bedeutung stark relativiert.<\/p>\n<p>Die gezielte Umwandlung regul\u00e4rer Arbeits- in sozialversicherungsfreie Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse (Scheinselbstst\u00e4ndigkeit, 630-DM\/325-bzw. 400-Euro-Jobs) h\u00f6hlte das Normalarbeitsverh\u00e4ltnis aus. Da ein Gro\u00dfteil der Arbeitspl\u00e4tze in der Landwirtschaft und der Industrie, aber mittelfristig auch im noch vor kurzem als &#8222;Jobmaschine&#8220; geltenden Dienstleistungsbereich wegrationalisiert wird, kann ein System der sozialen Sicherung, dessen Finanzierungsmechanismus auf traditionellen Formen der Erwerbsarbeit basiert, nicht mehr optimal funktionieren. Es wird zwar keineswegs obsolet, wie seine marktradikalen Gegner per Horrorszenarien einer &#8222;vergreisenden&#8220; und zerfallenden Gesellschaft suggerieren,[6] muss jedoch durch den Einbau komplement\u00e4rer Regelungsmechanismen erg\u00e4nzt und auf steigende Belastungen vorbereitet werden.<\/p>\n<p>Lebensl\u00e4ufe j\u00fcngerer Menschen \u00e4hneln immer h\u00e4ufiger Flickenteppichen, die mit den kontinuierlichen Erwerbsbiografien fr\u00fcherer Generationen kaum noch Gemeinsamkeiten aufweisen. Hans J. Pongratz und G. G\u00fcnter Vo\u00df konstatieren, dass Arbeitnehmer\/innen unter den Bedingungen der New Economy und anderer &#8222;entgrenzter&#8220; Formen der Besch\u00e4ftigung zu modernen &#8222;Arbeitskraftunternehmer(inne)n&#8220; avancieren,[7] verbunden nicht nur mit dem Zwang, sich selbst erfolgreich zu vermarkten, sondern auch den entsprechenden Existenzrisiken. Die soziale Sicherheit wird wom\u00f6glich zu einem seltenen Gut, das die meisten Personen entbehren m\u00fcssen, weil man ihnen zumutet, &#8222;mehr Eigenverantwortung&#8220; zu \u00fcbernehmen, also f\u00fcr sich selbst, ihre Familie und Kinder (privat) vorzusorgen.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"ii-aufloesung-der-normalfamilie\">II. Aufl&ouml;sung der Norma&shy;l&shy;fa&shy;milie <\/span><\/h2>\n<p>Nicht nur der &#8222;Normalarbeitnehmer&#8220;, welcher nach 45 Berufsjahren als sog. Standardrentner ohne gro\u00dfe Verringerung seines bisherigen Lebensstandards den verdienten Ruhestand genie\u00dft, d\u00fcrfte schon bald eher zur Ausnahme von der Regel geh\u00f6ren, sondern auch jene Normalfamilie, die bisher neben ihm und seiner (nicht berufst\u00e4tigen, sondern ganz auf den gemeinsamen Haushalt und die Familienarbeit konzentrierten) Ehefrau ein oder zwei Kinder umfasste.<\/p>\n<p>Birgit Pfau-Effinger weist in einer (die soziohistorische Entwicklung dreier L\u00e4nder miteinander) vergleichenden Studie nach, dass die m\u00e4nnliche Versorgerehe auf Grund des rasch fortschreitenden Industrialisierungsprozesses zum dominanten Familienmodell in Deutschland avancierte. &#8222;Es wurde aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg in den f\u00fcnfziger Jahren von einer Mehrheit der Bev\u00f6lkerung praktiziert, als auf breiter Basis ein gewisser Wohlstand erreicht worden war, der die Voraussetzung daf\u00fcr bot, dass die Ehefrauen von der Erwerbst\u00e4tigkeit freigestellt werden konnten.&#8220;[8] W\u00e4hrend des sog. Wirtschaftswunders erfreute sich das (klein)b\u00fcrgerliche Familienideal in der Bundesrepublik noch allergr\u00f6\u00dfter Beliebtheit. &#8222;Das moderne Ehe- und Familienmuster, die <i>moderne Kleinfamilie <\/i>(auch &#8218;privatisierte Kernfamilie&#8216; genannt) &#8211; d.h. die selbst\u00e4ndige Haushaltsgemeinschaft eines verheirateten Paares mit seinen unm\u00fcndigen Kindern &#8211; war eine kulturelle Selbstverst\u00e4ndlichkeit und wurde von der \u00fcberw\u00e4ltigenden Mehrheit der Bev\u00f6lkerung auch unhinterfragt gelebt.&#8220;[9] Dabei gingen die Kernfamilie und der Sozialstaat eine geradezu symbiotische Wechselbeziehung ein: Ohne ein Mindestma\u00df an sozialer Sicherheit ist n\u00e4mlich \u00fcberhaupt kein geordnetes Familienleben m\u00f6glich; der hiesige Wohlfahrtsstaat fu\u00dft seinerseits auf familialen Reproduktionsformen und auf patriarchalischen Geschlechterbeziehungen.<\/p>\n<p>Durch die neoliberale Globalisierung b\u00fc\u00dft auch die &#8222;Normalfamilie&#8220;, also die durch Regelungen wie das Ehegattensplitting im Einkommensteuerrecht staatlicherseits subventionierte Hausfrauenehe mit ein, zwei oder drei Kindern, an gesellschaftlicher Bedeutung ein. Der britische Soziologe Anthony Giddens bezeichnet Ehe und Familie als &#8222;ausgeh\u00f6hlte Institutionen&#8220;, weil sich ihr Wesen durch die Globalisierung ver\u00e4ndert habe: &#8222;In der traditionellen Familie war das Ehepaar nur ein Teil, und oft nicht einmal der wichtigste, des Familienverbundes. Heute steht das Liebespaar, ob verheiratet oder nicht, im Mittelpunkt dessen, was man Familie nennt.&#8220;[10] Auch die Einstellung den Kindern und ihrem Schutz gegen\u00fcber habe sich im Lauf der letzten Jahrzehnte radikal gewandelt: &#8222;Zum einen sch\u00e4tzen wir Kinder enorm hoch, weil sie viel seltener geworden sind, zum anderen, weil die Entscheidung f\u00fcr ein Kind inzwischen eine ganz andere Bedeutung hat als fr\u00fcher. F\u00fcr die traditionelle Familie waren Kinder ein \u00f6konomischer Gewinn. Heutzutage bedeutet ein Kind (&#8230;) eine erhebliche finanzielle Belastung f\u00fcr die Eltern.&#8220;[11]<\/p>\n<p>In einer Konkurrenzgesellschaft, die vom neoliberalen Leistungsdenken bestimmt ist,[12] sind Kinder das schw\u00e4chste Glied der Kette. Familien entsprechen h\u00e4ufig gerade nicht dem neoliberalen Wunschbild autonom handelnder Wirtschaftssubjekte, die sich am Markt ohne Schwierigkeiten behaupten k\u00f6nnen, &#8222;Privatinitiative&#8220; entfalten und &#8222;eigenverantwortlich&#8220; handeln, sondern sind teilweise auf staatliche Unterst\u00fctzung angewiesen, um ihren Kindern ein gedeihliches Aufwachsen zu erm\u00f6glichen. Der postmoderne &#8222;Turbokapitalismus&#8220; (Edward N. Luttwak) wird vielmehr, wenn man so will, zum Totengr\u00e4ber der Traditionsfamilie. Gefragt ist der &#8222;flexible Mensch&#8220; (R. Sennett), welcher durch Kinder an einer Berufst\u00e4tigkeit, wie man sie ihm heute anbietet und abverlangt, jedoch eher gehindert wird.[13] Einerseits fordert mancher Personalchef, dass hoch qualifizierte junge Menschen beiderlei Geschlechts so mobil sein m\u00fcssen, dass sie bereit sind, heute in Kiel und morgen in Konstanz (wenn nicht gar n\u00e4chste Woche in London, Tokio oder New York) zu arbeiten; andererseits sollen sie, wenn es nach einer im demografischen Wandel um ihre Reproduktion f\u00fcrchtenden Gesellschaft geht, sesshaft genug sein, um eine Familie zu gr\u00fcnden und Kinder zu erziehen.<\/p>\n<p>Die fortschreitende Aufl\u00f6sung der Normalfamilie f\u00fchrt die einschl\u00e4gige Literatur \u00fcberwiegend auf Individualisierungssch\u00fcbe zur\u00fcck, die auch eine &#8222;Pluralisierung der Lebensstile&#8220; nach sich z\u00f6gen. Modernisierung bzw. Individualisierung der Gesellschaft bedeutet, dass sich Klassen und Schichten &#8222;entgrenzen&#8220;, soziokulturelle Milieus und Institutionen kollektiver Normengebung an politischer Durchschlagskraft bzw. Geltungsmacht verlieren sowie tradierte Sicherungssysteme und anerkannte Reproduktionsmuster br\u00fcchig werden. Pluralisierung der Lebensstile wiederum &#8222;hei\u00dft: Zunahme von gruppen-, milieu- und situationsspezifischen Ordnungsmustern zur Organisation von Lebenslage, Ressourcen und Lebensplanung.&#8220;[14] Studien, die individuelle Lebensverl\u00e4ufe untersuchen und deren Heterogenit\u00e4t analysieren, gelangen zu dem folgendem Ergebnis: &#8222;Die Vielfalt bzw. die Heterogenit\u00e4t der familalen bzw. partnerschaftlichen Lebensverl\u00e4ufe hat in den letzten Jahrzehnten zugenommen.&#8220;[15]<\/p>\n<p>Durch die Zunahme atypischer bzw. prek\u00e4rer Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse, von (Zwangs-)Teilzeit, organisierter Zeit- bzw. Leih-, Termin-, Werkvertrags- und Telearbeit, Scheinselbstst\u00e4ndigkeit sowie &#8222;perforierter&#8220;, d.h. Mehrfach-, Langzeit- oder Dauererwerbslosigkeit einerseits und von (st\u00e4dtischen) Single-Haushalten, &#8222;unvollst\u00e4ndigen&#8220;, Einelternteil-, Stief- bzw. &#8222;Patchwork-Familien&#8220; sowie hetero- und homosexuellen Lebensgemeinschaften andererseits wird das auf \u00fcberkommenen Normalit\u00e4tsstandards basierende Sicherungsmodell in Frage gestellt: &#8222;Der fortschreitende Verlust der empirischen Allgemeing\u00fcltigkeit bisher bew\u00e4hrter Annahmen f\u00fchrt zur Obsoleszenz der immer noch an diesen normativen Fundamenten und Normalit\u00e4tsunterstellungen orientierten sozialstaatlichen Sicherungsarrangements.&#8220;[16]<\/p>\n<p>Zwar ist die Erosion der Normalfamilie nicht zuletzt auf die (gesellschaftliche, berufliche und sexuelle) Emanzipation der Frauen zur\u00fcckzuf\u00fchren, welche deren M\u00f6glichkeiten f\u00f6rdert, sich f\u00fcr die eine oder andere Lebens- und Liebesform zu entscheiden. Damit entfallen aber der R\u00fcckhalt und soziale Schutz durch die traditionellen Familienbande. Frauen und ihre Kinder geh\u00f6ren zu den Hauptleidtragenden von Scheidungen bzw. Trennungen, die zahlenm\u00e4\u00dfig zunehmen. Hans-J\u00fcrgen Andre\u00df und Miriam G\u00fcllner zeigen, &#8222;dass sich die wesentlichen wirtschaftlichen Ver\u00e4nderungen bereits im Zusammenhang mit der Trennung einer Ehe ergeben und sich nicht erst als Folge der Scheidung erweisen. (&#8230;) Mit der Trennung steigt die Armutsquote im Vergleich zur Ausgangssituation auf mehr als das doppelte an. Dabei sind es vor allem die Frauen und die Kinder, die ein erh\u00f6htes Armutsrisiko aufweisen.&#8220;[17]<\/p>\n<p>Da der Modernisierungs-bzw. Individualisierungsprozess ambivalent ist, also politische Schatten-wie Sonnenseiten hat, sind auch seine Folgen f\u00fcr das System der sozialen Sicherung differenziert zu betrachten. Positiv ist festzuhalten, dass sich die Stellung der Frauen, bedingt durch ihre wachsende Bildungs- und Erwerbsbeteiligung, tendenziell verbessert hat: &#8222;Ihre Abh\u00e4ngigkeit von den M\u00e4nnern sinkt, die &#8218;Versorgungsehe&#8216; verliert an Bedeutung. Sie k\u00f6nnen eher auf die Heirat verzichten &#8211; oder sie k\u00f6nnen sich leichter scheiden lassen. Vor allem aber wird f\u00fcr Frauen eine eigene &#8218;Berufsbiographie&#8216; immer mehr zu einem normalen Element der Lebensperspektive. Die Beschr\u00e4nkung auf &#8218;K\u00fcche und Kinder&#8216; erscheint dann geradezu als Relikt.&#8220;[18]<\/p>\n<p>Das von G\u00fcnter Burkart gezeichnete Bild erscheint vor dem Hintergrund der j\u00fcngsten Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt allerdings zu rosig. Denn im Berufsleben wurde die Frauenemanzipation zum Teil wieder r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht, wodurch sich negative Konsequenzen sowohl f\u00fcr das System der sozialen Sicherung wie f\u00fcr die weiblichen Betroffenen selbst ergaben. Modernisierungs- und Individualisierungssch\u00fcbe trafen vor allem die fr\u00fcher \u00fcberwiegend erwerbst\u00e4tigen, nach der &#8222;Wende&#8220; arbeitslos gewordenen und &#8222;an den Herd&#8220; zur\u00fcckgeworfenen Frauen im sog. Beitrittsgebiet hart: &#8222;In der (Lebenslauf-) Perspektive der meisten westdeutschen Frauen hei\u00dft Individualisierung heute, dass sie auf sich selbst gestellt sind, wenn es darum geht, die Inkonsistenzen eines Systems kleinzuarbeiten, in dem eigenst\u00e4ndige Erwerbsarbeit allgemeine Norm, Regel &#8211; aber nur f\u00fcr ein Geschlecht, das m\u00e4nnliche, regelm\u00e4\u00dfig vorgesehen ist. Entsprechend w\u00f6rtlich ist dann die vielbesprochene Pluralisierung zu nehmen: nicht (qualitative) Vervielf\u00e4ltigung von Lebensweisen und -stilen, sondern (quantitative) Vermehrung der nun typisch dynamisierten und differenzierten Frauenleben. Diese Art von Individualisierung und Pluralisierung, das ausschlie\u00dflich weibliche wechselhafte Leben auf eigene Faust zwischen Heirats- und Arbeitsmarkt, zwischen Sozial- und Arbeits-(nicht &#8218;Heirats&#8216;-) Amt, F\u00fcrsorge, Unterhalt und Lohn, zwischen Ehe, Familie, Bildungsschleifen und Beruf erwartet und erleben nun auch ostdeutsche Frauen im Transformationsproze\u00df.&#8220;[19]<\/p>\n<p>Mittlerweile werden in Ostdeutschland \u00fcber die H\u00e4lfte der Kinder nichtehelich geboren, in den Gro\u00dfst\u00e4dten sind es sogar noch mehr. Au\u00dferhalb der Normalfamilie lebende Kinder, z.B. jene von Alleinerziehenden, haben ein erheblich h\u00f6heres Armutsrisiko, weil das System der sozialen Sicherung und die Familienpolitik der Bundesrepublik nach wie vor ehezentriert sind.[20] Betroffen von Armut und Unterversorgung sind in erster Linie solche Frauen, die wegen fehlender bzw. unzureichender M\u00f6glichkeiten der Kinderbetreuung keiner Erwerbsarbeit nachgehen k\u00f6nnen, deren (Ehe-)Partner arbeitslos sind bzw. \u00fcber ein geringes Einkommen verf\u00fcgen (z.B. Migranten) und\/oder die keine bzw. eine schlecht bezahlte Teilzeitstelle haben.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"iii-um-bzw-abbau-des-sozialstaates\">III. Um- bzw. Abbau des Sozial&shy;staates <\/span><\/h2>\n<p>In den letzten Jahren wurde der Wohlfahrtsstaat in einer Weise reformiert, die Kinderarmut nicht reduziert, sondern zementiert und zum Teil selbst produziert hat. &#8222;Alle j\u00fcngeren Ma\u00dfnahmen in der Reform des Sozialsystems gehen zu Lasten von Familien und Minderj\u00e4hrigen.&#8220;[21] In einer Hochleistungsgesellschaft, die Konkurrenz bzw. Leistung geradezu glorifiziert und Letztere mit Pr\u00e4mien, Gehaltszulagen oder Lohnsteigerungen pr\u00e4miert, erscheint Armut funktional, weil sie nur das Pendant dessen verk\u00f6rpert, was die T\u00fcchtigeren und daher Erfolgreichen in des Wortes doppelter Bedeutung &#8222;verdient&#8220; haben. Armut ist mithin kein &#8222;Betriebsunfall&#8220; oder &#8222;unsozialer Kollateralschaden&#8220;, vielmehr konstitutiver Bestandteil einer Marktwirtschaft im Zeichen der Globalisierung. Sie dient im neoliberalen &#8222;Umbau&#8220;-Projekt als willkommenes Disziplinierungsinstrument, w\u00e4hrend materieller Wohlstand und privater Reichtum ein Lockmittel bilden, das &#8222;Leistungstr\u00e4ger&#8220; zu besonderen Anstrengungen motivieren soll.<\/p>\n<p>Wenn sich die famili\u00e4ren Bindungen im Zuge des forcierten Globalisierungs-, Modernisierungs- und Individualisierungsprozesses lockern, w\u00e4chst die Abh\u00e4ngigkeit der Individuen vom Markt bzw. vom (Sozial-)Staat. Wird dieser nach neoliberalen Vorstellungen um- bzw. abgebaut, schwinden gewohnte Sicherheitsgarantien noch mehr. Da sich Familien und Kinder auf dem freien Markt nicht behaupten k\u00f6nnen, steigt ihr Armutsrisiko. Kern des neoliberalen Projekts ist die Freisetzung der Dynamik des Marktes und des Wettbewerbs &#8211; bis tief ins Privatleben hinein. &#8222;Der Konkurrenzkampf der Warenwelt pr\u00e4gt nun auch die Beziehungen zwischen Menschen. Man kann sagen, dass sich der einzelne haupts\u00e4chlich durch diese Konkurrenz definiert, als jemand, der mit anderen und letztlich mit sich selbst um die Wette l\u00e4uft.&#8220;[22] Man folgt dabei keineswegs dem Drang, sich auf der Basis allgemein anerkannter Regeln mit anderen zu messen, sondern wird zum Opfer einer desastr\u00f6sen Konkurrenz &#8222;jeder gegen jeden&#8220;, die zur &#8222;Domestizierung des Subjekts&#8220; f\u00fchrt,[23] die Entsolidarisierung zwischen den Menschen f\u00f6rdert und einen Zerfall des gesellschaftlichen Zusammenhalts nach sich zieht.<\/p>\n<p>Der moderne Sozialstaat befindet sich zweifellos in einer Krise, aber es ist keineswegs die Krise des Sozialstaates,[24] sondern seiner \u00f6konomischen Basis, n\u00e4mlich eines Wirtschaftssystems, das nur noch relativ langsam w\u00e4chst, ohne gen\u00fcgend Ersatz f\u00fcr jene Arbeitspl\u00e4tze zu schaffen, die es &#8211; meist zur Freude der B\u00f6rsianer &#8211; wegrationalisiert oder in sog. Billiglohnl\u00e4nder exportiert. Die sozialen Sicherungssysteme werden zunehmend Markt-, also betriebswirtschaftlichen Leistungs- und Konkurrenzgesetzen unterworfen. Genauso wie Unternehmen und Gebietsk\u00f6rperschaften sollen sie nach gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher kaufm\u00e4nnischer Effizienz streben, w\u00e4hrend ihr eigentlicher Zweck, Menschen in schwierigen Lebenslagen wirksam zu unterst\u00fctzen, deutlich zur\u00fccktritt. &#8222;Ganz im Sinne der \u00d6konomisierung des Sozialen verdr\u00e4ngt dabei ein betriebswirtschaftlich orientiertes Leitbild von Qualit\u00e4tsmanagement traditionelle Orientierungen von religi\u00f6s oder ethisch motivierter N\u00e4chstenliebe, von Subsidiarit\u00e4t und Solidarit\u00e4t.&#8220;[25]<\/p>\n<p>Kontrovers wird diskutiert, ob es sich beim gegenw\u00e4rtigen Um- auch um einen Abbau des Sozialstaates handelt bzw. wie diese Transformation sonst zu bewerten ist. Liberalkonservative und der &#8222;Neuen Sozialdemokratie&#8220; nahe stehende Autoren vertreten die Auffassung, dass es sich hierbei um einen notwendigen, tiefgreifenden Strukturver\u00e4nderungen (Globalisierung und demografischer Wandel) geschuldeten Anpassungsprozess handelt.[26] Stephan Lessenich, der sich als undogmatischer Linker versteht, weigert sich gleichfalls, die Transformation des Sozialstaates als soziale Demontage zu bezeichnen oder den Terminus &#8222;neoliberal&#8220; f\u00fcr die Reformpolitik zu benutzen,[27] und pl\u00e4diert stattdessen f\u00fcr die Bezeichnung &#8222;neosozial&#8220; &#8211; ausgerechnet jenen Begriff, den der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle pr\u00e4feriert. Gibt man ihn in eine Internet-Suchmaschine ein, fragt diese den User bezeichnenderweise, ob er &#8222;unsozial&#8220; meine &#8230;<\/p>\n<p>Unbestritten ist, dass der Wohlfahrtsstaat mittels verharmlosend und besch\u00f6nigend &#8222;Reformen&#8220; genannter Ma\u00dfnahmen nicht nur systematisch demontiert, sondern auch in mehrfacher Hinsicht transformiert wird. Genannt seien vier Strukturver\u00e4nderungen:<\/p>\n<ol>\n<li>Aus dem Wohlfahrtsstaat wird ein &#8222;nationaler <em>Wettbewerbsstaat<\/em>&#8220; (Joachim Hirsch), der die Aufgabe hat, durch seine Politik die Konkurrenzf\u00e4higkeit des &#8222;eigenen&#8220; Wirtschaftsstandortes auf dem Weltmarkt, Wachstum und Besch\u00e4ftigung zu f\u00f6rdern. Sozialstaatlichkeit, die eigentlich Verfassungsrang hat, besitzt nun keinen Eigenwert mehr, sondern muss sich nach der Standortlogik wirtschaftlichen und Machtinteressen unterwerfen. Da fast alle Gesellschaftsbereiche im Zuge einer \u00d6konomisierung, Privatisierung und Liberalisierung nach dem Vorbild des Marktes umstrukturiert werden, verlagert sich die Konkurrenz in den Sozialstaat selbst hinein (Beispiel: Wettbewerb zwischen freigemeinn\u00fctzigen und privat-gewerblichen Tr\u00e4gern im Bereich der ambulanten Pflegedienste). <\/li>\n<li>An die Stelle des <em>aktiven <\/em>Sozialstaates, wie man ihn bei uns bisher kannte, tritt ein &#8222;<em>aktivierender<\/em>&#8222;, Hilfebed\u00fcrftige nicht mehr ohne entsprechende Gegenleistung alimentierender Sozialstaat. Der &#8222;welfare state&#8220; wandelt sich zum &#8222;workfare state&#8220;, wenn man den Arbeitszwang ins Zentrum der Besch\u00e4ftigungs- und Sozialpolitik r\u00fcckt. Unter dem wohlklingenden Motto &#8222;F\u00f6rdern und fordern!&#8220;, das Leistungszusagen von Gegenleistungen der Beg\u00fcnstigten abh\u00e4ngig macht, bem\u00fcht man sich gar nicht mehr ernsthaft darum, die Chancen von sozial Benachteiligten zu verbessern, wie die Reduktion von Qualifizierungsma\u00dfnahmen f\u00fcr Problemgruppen des Arbeitsmarktes zeigt. <\/li>\n<li>Der deutsche Sozial(versicherungs)staat, seit seiner Begr\u00fcndung durch Otto von Bismarck im Kern darauf gerichtet, die m\u00e4nnlichen Industriearbeiter mit ihren Familien vor Standardrisiken wie dem Tod des Ern\u00e4hrers, der Invalidit\u00e4t und der Armut im Alter zu sch\u00fctzen, wird zu einem (st\u00e4rker steuerfinanzierten) F\u00fcrsorge-, Almosen-und Suppenk\u00fcchenstaat gemacht, der nicht mehr den Lebensstandard seiner Klientel erh\u00e4lt, sondern ihr nur noch eine Basisversorgung angedeihen l\u00e4sst. Hartz IV war mit seiner Abschaffung der Arbeitslosenhilfe, als &#8222;Zusammenlegung mit der Sozialhilfe&#8220; sehr unzureichend charakterisiert, ein wichtiger Zwischenschritt auf diesem Weg und eine historische Z\u00e4sur in der Entwicklung des Arbeitsund Sozialrechts. <\/li>\n<li>Gleichzeitig wird das Gemeinwesen in einen Wohlfahrtsmarkt und einen Wohlt\u00e4tigkeitsstaat gespalten. Auf dem Wohlfahrtsmarkt kaufen sich jene B\u00fcrger\/innen, die es sich finanziell leisten k\u00f6nnen, das f\u00fcr sie erschwingliche Ma\u00df an sozialer Sicherheit (z.B. Altersvorsorge durch Versicherungspolicen der Assekuranz). Erg\u00e4nzend stellt der postmoderne F\u00fcrsorgestaat blo\u00df noch als &#8222;Grundsicherung&#8220; bezeichnete Minimalleistungen bereit, \u00fcberl\u00e4sst die Betroffenen ansonsten jedoch der Privatwohlt\u00e4tigkeit. Folgerichtig haben karitatives Engagement, ehrenamtliche T\u00e4tigkeit im Sozial- und Gesundheitsbereich, pers\u00f6nliche Spendenfreudigkeit und die Gr\u00fcndung gemeinn\u00fctziger Stiftungen (wieder) Hochkonjunktur. Sie erg\u00e4nzen den Sozialstaat nicht mehr, sondern ersetzen ihn zum Teil. <\/li>\n<\/ol>\n<p>[1] Vgl. hierzu ausf\u00fchrlicher: Christoph Butterwegge\/Michael Klundt\/Matthias Belke-Zeng, Kinderarmut in Ost-und Westdeutschland, 2. Aufl. Wiesbaden 2008.<\/p>\n<p>[2] Vgl. Jutta Ecarius (Hrsg.), Handbuch Familie, Wiesbaden 2007, S. 688 ff.<\/p>\n<p>[3] Vgl. Sabine Walper, Wenn Kinder arm sind &#8211; Familienarmut und ihre Betroffenen, in: Lothar B\u00f6hnisch\/Karl Lenz (Hrsg.), Familien. Eine interdisziplin\u00e4re Einf\u00fchrung, 2. Aufl. Weinheim\/M\u00fcnchen 1999, S. 274.<\/p>\n<p>[4] Siehe Richard Hauser, Entwicklungstendenzen der Armut in der Bundesrepublik Deutschland, in: Diether D\u00f6ring\/Richard Hauser (Hrsg.), Politische Kultur und Sozialpolitik. Ein Vergleich der Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland unter besonderer Ber\u00fccksichtigung des Armutsproblems, Frankfurt am Main\/New York 1989, S. 126.<\/p>\n<p>[5] Ulrich M\u00fcckenberger, Die Krise des Normalarbeitsverh\u00e4ltnisses. Hat das Arbeitsrecht noch Zukunft? (2. Teil und Schlu\u00df), in: Zeitschrift f\u00fcr Sozialreform 8\/1985, S. 466 (Hervorh. im Original).<\/p>\n<p>[6] Vgl. hierzu: Christoph Butterwegge, Rechtfertigung, Ma\u00dfnahmen und Folgen einer neoliberalen (Sozial-)Politik, in: ders.\/Bettina L\u00f6sch\/Ralf Ptak, Kritik des Neoliberalismus, 2. Aufl. Wiesbaden 2008, S. 146 ff.<\/p>\n<p>[7] Siehe Hans J. Pongratz\/G. G\u00fcnter Vo\u00df, Arbeitskraftunternehmer. Erwerbsorientierungen in entgrenzten Arbeitsformen, 2. Aufl. Berlin 2004; dies. (Hrsg.), Typisch Arbeitskraftunternehmer? &#8211; Befunde der empirischen Arbeitsforschung, Berlin 2004.<\/p>\n<p>[8] Birgit Pfau-Effinger, Der soziologische Mythos von der Hausfrauenehe &#8211; sozio-historische Entwicklungspfade der Familie, in: Soziale Welt 2\/1998, S. 172; vgl. erg\u00e4nzend: dies., Kultur und Frauenerwerbst\u00e4tigkeit in Europa. Theorie und Empirie des internationalen Vergleichs, Opladen 2000, S. 116 ff.<\/p>\n<p>[9] R\u00fcdiger Peuckert, Familienformen im sozialen Wandel, 7. Aufl. Wiesbaden 2008, S. 16 (Hervorh. im Original).<\/p>\n<p>[10] Anthony Giddens, Entfesselte Welt. Wie die Globalisierung unser Leben ver\u00e4ndert, Frankfurt am Main 2001, S. 77.<\/p>\n<p>[11] Ebd., S. 78 f.<\/p>\n<p>[12] Vgl. hierzu: Christoph Butterwegge\/Bettina L\u00f6sch\/Ralf Ptak, Kritik des Neoliberalismus, a.a.O.; dies. (Hrsg.), Neoliberalismus. Analysen und Alternativen, Wiesbaden 2008.<\/p>\n<p>[13] Siehe dazu: Richard Sennett, Der flexible Mensch. Die Kultur des neuen Kapitalismus, 5. Aufl. Berlin 1998; erg\u00e4nzend: Wolfgang Hantel-Quitmann\/Peter Kastner (Hrsg.), Der globalisierte Mensch. Wie die Globalisierung den Menschen ver\u00e4ndert, Gie\u00dfen 2004; Richard Sennett, Die Kultur des neuen Kapitalismus, Berlin 2007.14<\/p>\n<p>[14] Siehe Wolfgang Zapf u.a., Individualisierung und Sicherheit. Untersuchungen zur Lebensqualit\u00e4t in der Bundesrepublik Deutschland, M\u00fcnchen 1987, S. 18.<\/p>\n<p>[15] Josef Br\u00fcderl, Die Pluralisierung partnerschaftlicher Lebensformen in Westdeutschland und Europa, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 19\/2004, S. 3.<\/p>\n<p>[16] Karl Hinrichs, Das Normalarbeitsverh\u00e4ltnis und der m\u00e4nnliche Familienern\u00e4hrer als Leitbilder der Sozialpolitik. Sicherungsprobleme im sozialen Wandel, in: Sozialer Fortschritt 4\/1996, S. 102.<\/p>\n<p>[17] Hans-J\u00fcrgen Andre\u00df\/Miriam G\u00fcllner, Scheidung als Armutsrisiko, in: Eva Barl\u00f6sius\/Wolfgang Ludwig-Mayerhofer (Hrsg.), Die Armut der Gesellschaft, Opladen 2001, S. 194 f.; vgl. erg\u00e4nzend: Hans-J\u00fcrgen Andre\u00df u.a., Wenn aus Liebe rote Zahlen werden. \u00dcber die wirtschaftlichen Folgen von Trennung und Scheidung, Wiesbaden 2003.<\/p>\n<p>[18] G\u00fcnter Burkart, Zum Strukturwandel der Familie. Mythen und Fakten, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 52-53\/1995, S. 8.<\/p>\n<p>[19] Kerstin Bast\/Ilona Ostner, Ehe und Familie in der Sozialpolitik der DDR und BRD &#8211; ein Vergleich, in: Winfried Schm\u00e4hl (Hrsg.), Sozialpolitik im Proze\u00df der deutschen Vereinigung, Frankfurt am Main\/New York 1992, S. 250.<\/p>\n<p>[20] Vgl. Magdalena Joos, Armutsentwicklung und familiale Armutsrisiken von Kindern in den neuen und alten Bundesl\u00e4ndern, in: Ulrich Otto (Hrsg.), Aufwachsen in Armut. Erfahrungswelten und soziale Lagen von Kindern armer Familien, Opladen 1997, S. 60.<\/p>\n<p>[21] Michael Winkler, Bildungspolitik nach PISA, in: Michael Opielka (Hrsg.), Bildungsreform als Sozialreform. Zum Zusammenhang von Bildungs-und Sozialpolitik, Wiesbaden 2005, S. 36.<\/p>\n<p>[22] Philippe Thureau-Dangin, Die Ellenbogen-Gesellschaft. Vom zerst\u00f6rerischen Wesen der Konkurrenz, Frankfurt am Main 1998, S. 65.<\/p>\n<p>[23] Siehe Gabriele Michalitsch, Die neoliberale Domestizierung des Subjekts. Von den Leidenschaften zum Kalk\u00fcl, Frankfurt am Main\/New York 2006.<\/p>\n<p>[24] Vgl. Christoph Butterwegge, Krise und Zukunft des Sozialstaates, 3. Aufl. Wiesbaden 2006.<\/p>\n<p>[25] Udo Kelle, &#8222;Kundenorientierung&#8220; in der Altenpflege? &#8211; Potemkinsche D\u00f6rfer sozialpolitischen Qualit\u00e4tsmanagements, in: PROKLA 37 (2007), S. 113.<\/p>\n<p>[26] Vgl. z.B. Wolfgang Streeck\/Rolf G. Heinze, Runderneuerung des deutschen Modells. Aufbruch f\u00fcr mehr Jobs, in: Hans-J\u00fcrgen Arlt\/Sabine Nehls (Hrsg.), B\u00fcndnis f\u00fcr Arbeit. Konstruktion &#8211; Kritik &#8211; Karriere, Opladen\/Wiesbaden 1999, S. 147 ff.; Wolfgang Merkel, Soziale Gerechtigkeit und die drei Welten des Wohlfahrtskapitalismus, in: Berliner Journal f\u00fcr Soziologie 2\/2001, S. 135 ff.; Manfred G. Schmidt, Sozialpolitik in Deutschland. Historische Entwicklung und internationaler Vergleich, 3. Aufl. Wiesbaden 2005.<\/p>\n<p>[27] Siehe hierzu und zum Folgenden: Stephan Lessenich, Die Neuerfindung des Sozialen. Der Sozialstaat im flexiblen Kapitalismus, Bielefeld 2008, S. 12 f. \u00c4hnlich kritisch zu Lessenich \u00e4u\u00dfert sich Hans Peter Bull, Neosozialer Unfug. Rot-Gr\u00fcn hat den Sozialstaat nicht neu erfunden, in: Die Zeit v. 21.8.2008.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[400],"publikationen":[2819],"class_list":["post-11027","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-christoph-butterwegge","publikationen-183-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.7 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Kinderarmut - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/183-vorgaenge\/publikation\/kinderarmut\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Kinderarmut - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Krisensymptom der Familie oder Armutszeugnis f\u00fcr die Gesellschaft?, aus: vorg\u00e4nge Nr. 183, Heft 3\/2008, S. 69-77 Auf dem H\u00f6hepunkt des sich offenbar gerade seinem Ende zuneigenden Konjunkturaufschwungs, im M\u00e4rz 2007, lebten nach Angaben der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit fast 1,929 Mio. 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