{"id":11059,"date":"2008-03-01T18:00:00","date_gmt":"2008-03-01T17:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/vom-revolutionaeren-willen-ohne-den-die-kritische-theorie-nichts-mehr-ist\/"},"modified":"2021-08-24T21:51:20","modified_gmt":"2021-08-24T19:51:20","slug":"vom-revolutionaeren-willen-ohne-den-die-kritische-theorie-nichts-mehr-ist","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/181-vorgaenge\/publikation\/vom-revolutionaeren-willen-ohne-den-die-kritische-theorie-nichts-mehr-ist\/","title":{"rendered":"Vom revolution\u00e4ren Willen, \u201eohne den die Kritische Theorie nichts mehr ist\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Zum politischen Denken des Adorno-Sch\u00fclers und SDS-Mitglieds Hans-J\u00fcrgen Krahl,<\/p>\n<p>aus: vorg\u00e4nge Nr. 181, Heft 1\/2008, S. 70-78<\/p>\n<p>&#8222;Er ist unersetzlich und meiner \u00dcberzeugung nach, w\u00e4re er ein h\u00f6chst bedeutender Mensch geworden. Mag Ihnen das Bewusstsein, dass er ein unendlich intelligentes Wesen war, neben dem Schmerz, auch eine gewisse Befriedigung gew\u00e4hren&#8220;.[1] Diese Zeilen schrieb Max Horkheimer an die Eltern von Hans-J\u00fcrgen Krahl, nachdem dieser in der Nacht auf den 15. Februar 1970 t\u00f6dlich verungl\u00fcckt war. Der anerkennende Ton des Briefes ist \u00fcberraschend, da Horkheimer Krahl und den SDS seit Beginn der Studierendenrevolte stets scharf kritisiert und mehrfach in die politische N\u00e4he faschistischer Bewegungen ger\u00fcckt hatte. Krahl seinerseits hatte der fr\u00fchen Kritischen Theorie immer wieder die Kapitulation vor den gesellschaftlichen Zust\u00e4nden vorgeworfen. Krahl war au\u00dferdem weniger mit Horkheimer verbunden, sondern Mustersch\u00fcler und Doktorand von dessen Freund und Kollegen Theodor W. Adorno, der ein halbes Jahr vor Krahl verstorben war. Um Hans-J\u00fcrgen Krahl, den Adorno-Sch\u00fcler, den SDS-Agitator, den Alkoholiker mit dem Glasauge, rankten sich schon zu Lebzeiten zahlreiche Mythen. Die Anerkennung Horkheimers trotz aller politischen und theoretischen Differenzen wirft dagegen ein Schlaglicht auf den Philosophen und Theoretiker Krahl, dessen Konzeption einer kritischen Gesellschaftstheorie und politischen Praxis im Folgenden rekonstruiert und kritisch gew\u00fcrdigt werden soll.<\/p>\n<p>Einige Informationen zu Krahls Werdegang: Hans-J\u00fcrgen Krahl wurde am 17. Januar 1943 in Sarstedt bei Hannover geboren.[2] Nach einem politischen Engagement im rechtsradikalen &#8222;Ludendorffbund&#8220; und in der CDU begann er 1963 in G\u00f6ttingen Philosophie, Geschichte, Germanistik und Mathematik zu studieren. Ein Jahr sp\u00e4ter trat Krahl dem G\u00f6ttinger SDS bei.[3] Nach Frankfurt kam er 1965 und begann bei Adorno eine Dissertation zum Thema &#8222;Naturgesetze der kapitalistischen Entwicklung bei Marx&#8220;. In der Hauptphase der Studentenbewegung ab Juni 1967 wurde Krahl ein wichtiger Sprecher des antiautorit\u00e4ren Fl\u00fcgels des SDS, den er durch sein gemeinsam mit Rudi Dutschke gehaltenes &#8222;Organisationsreferat&#8220; (Krahl 1984: 53 ff) entscheidend pr\u00e4gte. Schnell bundesweit bekannt, versuchte &#8222;der Krahl&#8220; in zahllosen Debatten und Podiumsdiskussionen, die entstehende Neue Linke in seinem Sinn zu pr\u00e4gen. Dabei machte er sich f\u00fcr eine auf das Individuum und seine Befreiung zielende politische Praxis stark und kritisierte autorit\u00e4re, marxistisch-leninistische Tendenzen in der Linken in aller Sch\u00e4rfe als &#8222;dogmatische Regression&#8220; (Krahl 1971: 283).[4] Krahls pl\u00f6tzlicher Tod &#8211; er wurde nur 27 Jahre alt &#8211; traf den SDS unerwartet. Die nach Hannover zur Beerdigung angereisten Genossinnen und Genossen beschlossen noch am Tag der Trauerfeier informell das Ende des Verbandes, der zu dieser Zeit schon l\u00e4ngst durch Fl\u00fcgel- und Grabenk\u00e4mpfe gel\u00e4hmt und in Aufl\u00f6sung begriffen war.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"zur-moeglichkeit-der-revolution-im-spaetkapitalismus\">Zur M&ouml;glichkeit der Revolution im Sp&auml;tka&shy;pi&shy;ta&shy;lismus <\/span><\/h2>\n<p>Wer Zugang zu Krahls Denken sucht &#8211; die meisten Aufs\u00e4tze, Reden und Skizzen wurden postum im mittlerweile vergriffenen Band &#8222;Konstitution und Klassenkampf&#8220;[5] ver\u00f6ffentlicht &#8211; wird \u00fcber den fragmentarischen Charakter seiner hinterlassenen Schriften stolpern. Einen bedeutenden Teil von &#8222;Konstitution und Klassenkampf&#8220; machen Exzerpte aus, die Krahls kritische Rezeption von Marx, Adorno, Horkheimer, Sartre, Luk\u00e1cs, Lenin, Habermas und Marcuse dokumentieren. Sein unorthodoxer Umgang mit Schriften aus f\u00fcnf Jahrzehnten marxistischer Theoriebildung erkl\u00e4rt sich aus seinem zentralen theoretischen wie politischen Anliegen, das sich wie ein roter Faden durch seine Schriften zieht und die oberfl\u00e4chliche Zerrissenheit seines Werkes widerlegt: Krahl versuchte in der Rekonstruktion der marxschen Kritik der Politischen \u00d6konomie, der durch den Nationalsozialismus versch\u00fctteten marxistisch-philosophischen Debatten der zwanziger Jahre und in Auseinandersetzung mit der Kritischen Theorie Frankfurter Pr\u00e4gung eine antiautorit\u00e4re Revolutionstheorie f\u00fcr die zeitgen\u00f6ssische Gesellschaft zu entwerfen. Die b\u00fcrgerliche Gesellschaft, das stand f\u00fcr Krahl au\u00dfer Frage, stand mit ihrer Tendenz zur Unterdr\u00fcckung des Individuums, zur sinnentleerten Lohnarbeit und zu Krieg und Faschismus einem menschenw\u00fcrdigen Leben grunds\u00e4tzlich im Wege. Die Versprechen der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft wie Freiheit und Emanzipation waren f\u00fcr ihn erst durch eine sozialistische Revolution einzul\u00f6sen (Krahl 1971: 27).<\/p>\n<p>Krahl arbeitete an der &#8222;Rekonstruktion revolution\u00e4rer Theorie als einer Lehre, deren Aussagen die Gesellschaft unter dem Aspekt radikaler Ver\u00e4nderbarkeit begreifen&#8220; (ebd.: 343). Zentral f\u00fcr sein Verst\u00e4ndnis einer Einheit von Theorie und Praxis war die Organisationsfrage, er suchte in Anlehnung an Georg Luk\u00e1cs&#8217; \u00dcberlegungen aus &#8222;Geschichte und Klassenbewusstsein&#8220; (vgl. Luk\u00e1cs 1988: 452 ff) nach einer Form f\u00fcr &#8222;die gemeinsame und solidarische Erhebung der proletarisch Ausgebeuteten&#8220; (Krahl 1971: 230). Der marxistisch-leninistische Fetisch einer &#8222;proletarischen Partei&#8220; war f\u00fcr Krahl dabei historisch \u00fcberholt (ebd.: 182 ff). W\u00e4hrend Lenin wie auch Marx noch von der Existenz einer Arbeiterbewegung h\u00e4tten ausgehen k\u00f6nnen, bestehe die Aufgabe heute darin, Bewusstseinsgruppen zu konstituieren, die eine radikale Kritik an der Gesellschaft wieder formulieren k\u00f6nnten (ebd.: 155). Zentral war f\u00fcr Krahl die Bedeutung des Individuums, das zur Kritik am Bestehenden und zur Wahrnehmung der eigenen Unterdr\u00fccktheit bef\u00e4higt werden m\u00fcsse. Eine emanzipatorische Bewegung sollte f\u00fcr ihn das &#8222;Reich der Freiheit&#8220; der Tendenz nach schon durch solidarischen internen Umgang einl\u00f6sen und damit dem Individuum die Erfahrung erm\u00f6glichen, dass Gesellschaft ganz anders sein k\u00f6nnte. &#8222;Wir demgegen\u00fcber haben erkannt, dass es, wenn man gegen diese Gesellschaft k\u00e4mpft, notwendig ist, die ersten Keimformen der k\u00fcnftigen Gesellschaft schon in der Organisation des politischen Kampfes selbst zu entfalten &#8211; die ersten Keimformen anderer menschlicher Beziehungen (&#8230;)&#8220; (ebd.: 26).<\/p>\n<p>Die Notwendigkeit einer neuen Revolutionstheorie stellte sich f\u00fcr Krahl vor allem, weil der Sp\u00e4tkapitalismus noch nicht theoretisch durchdrungen sei, die Kritische Theorie als einzig erfolgversprechender Ansatz aber den revolution\u00e4ren Willen verloren habe. Krahl wollte diesen in seinen Augen passiven Standpunkt umgehen und gab der Kritischen Theorie einen voluntaristischen und organisatorischen Dreh. Sie sollte das Scheitern der Arbeiterbewegung und den autorit\u00e4ren Realsozialismus analysieren, sich aber gleichzeitig wieder als Teil einer radikalen Opposition verstehen. Die Lage vieler Intellektueller als besser bezahlte Lohnabh\u00e4ngige war f\u00fcr Krahl die materielle Grundlage dieser Parteinahme der Intelligenz. Die fortschreitende Produktivkraftentwicklung subsumiere, so Krahl, die geistige Arbeit mittlerweile so sehr unter das Kapital, dass der Begriff der produktiven Arbeit weiter gefasst werden m\u00fcsse (ebd.: 295). &#8222;Der Klassenverrat ist organisierbar geworden, die wissenschaftliche Intelligenz geh\u00f6rt ihrer objektiven Lage zufolge tendenziell der herrschenden Klasse nicht mehr an, nur ihrer sozial zurechenbaren geschichtlichen und sozialen Herkunft noch&#8220; (Krahl 1970: 72). &#8222;Proletariat&#8220; war f\u00fcr ihn ein noch zu Bildendes, das auch Intellektuelle umfassen sollte, die &#8222;zum kollektiven Theoretiker des Proletariats&#8220; (ebd.: 345) werden sollten.<\/p>\n<p>Im Gegensatz etwa zu Adorno oder Horkheimer war Krahl nicht bereit, die Ver\u00e4nderbarkeit der Gesellschaft durch revolution\u00e4re Praxis grunds\u00e4tzlich in Frage zu stellen. F\u00fcr ihn bewiesen die antikolonialen Befreiungsbewegungen in der so genannten Dritten Welt und die Protestbewegungen in Westeuropa, dass gesellschaftliche Strukturen stets ver\u00e4nderbar seien. In seinen &#8222;Angaben zur Person&#8220; vor Gericht f\u00fchrte Krahl aus: &#8222;Die Solidarisierung mit den sozialrevolution\u00e4ren Befreiungsbewegungen in der Dritten Welt war entscheidend f\u00fcr die Ausbildung unseres antiautorit\u00e4ren Bewusstseins. Denn dort liegt die Unterdr\u00fcckung offen zutage; dort ist sie noch nicht verschleiert durch einen schon etablierten b\u00fcrgerlichen Tauschverkehr. So lehrte uns die Dritte Welt einen Begriff kompromissloser und radikaler Politik (&#8230;)&#8220; (Krahl 1971: 23). Krahl wollte den scheinbar revolution\u00e4ren Impetus der Dritten Welt auf die europ\u00e4ischen Metropolen ausweiten, dabei erlag auch er einer Romantisierung der Dekolonisierungsbewegungen (ebd.: 145 ff). Krahls politischer Ansatz l\u00e4sst sich vielleicht mit einem Zitat gut zusammenfassen, das aus Max Horkheimers Fr\u00fchschrift &#8222;D\u00e4mmerung&#8220; stammt: &#8222;Wenn der Sozialismus unwahrscheinlich ist, bedarf es der um so verzweifelteren Entschlossenheit, ihn wahr zu machen&#8220; (Horkheimer 1933: 343).[6]<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"die-auseinandersetzung-mit-der-kritischen-theorie\">Die Ausein&shy;an&shy;der&shy;set&shy;zung mit der Kritischen Theorie <\/span><\/h2>\n<p>Hans-J\u00fcrgen Krahl war von der Kritischen Theorie gepr\u00e4gt, wie sie von Adorno, Horkheimer und auch Marcuse entwickelt worden war.7 Er f\u00fchlte sich ihrer &#8222;Heimatlosigkeit&#8220; verpflichtet, weil er die westlichen Demokratien ebenso wie den Realsozialismus und dessen Apologeten kritisierte. Eine befreite Gesellschaft war auch f\u00fcr ihn im Hier und Jetzt nicht positiv bestimmbar (Krahl 1971: 27). Einig mit der Kritischen Theorie war Krahl sich ebenso in der Bedeutung der Theoriebildung f\u00fcr jede Gesellschaftsver\u00e4nderung: Seine Schriften lassen das Bem\u00fchen um die theoretische Herleitung der M\u00f6glichkeit emanzipatorischer Praxis erkennen, purer Aktionismus war Krahl stets fremd, selbst wenn einige Reden Anderes vermuten lassen (ebd.: 145 ff).<\/p>\n<p>Zentral f\u00fcr Krahls politisches Denken waren Marcuses \u00dcberlegungen zum &#8222;Eindimensionalen Menschen&#8220; und Horkheimers fr\u00fche Texte wie &#8222;Autorit\u00e4rer Staat&#8220;. Die analytischen Konzepte dieser Texte bezog Krahl als Gegenwartsanalyse auf die BRD der sechziger Jahre, was zumindest f\u00fcr Horkheimers fr\u00fche Werke ein durchaus fragw\u00fcrdiges Vorgehen war. &#8222;Beide theoretische Konzeptionen bieten einander erg\u00e4nzende systematische Ans\u00e4tze, die auf das ver\u00e4nderte Ganze der kapitalistischen Gesellschaftsformation zielen&#8220; (ebd.: 216). Dieses ver\u00e4nderte Ganze begriff Krahl in einer Weise, die schon in den drei\u00dfiger Jahren im Institut f\u00fcr Sozialforschung diskutiert worden war. F\u00fcr Friedrich Pollock und Max Horkheimer war damals eindeutig, dass die Tendenz zur Monopolisierung sowie die totalit\u00e4ren Regime mit ihren staatlichen Eingriffen in die \u00d6konomie einen neuen Kapitalismus eingel\u00e4utet hatten. Der liberale Fr\u00fchkapitalismus war dahin, so die Analyse, das b\u00fcrgerliche Individuum als autonomes Subjekt war durch die Macht der Trusts, durch Kulturindustrie und Volksgemeinschaft endg\u00fcltig zur Ideologie geworden. Der Faschismus war die politische Ordnung, die den Kapitalismus durch die Krise rettete. In den USA der vierziger Jahre erblickte Horkheimer einen &#8222;integralen Etatismus&#8220;, der durch die psychische Internalisierung der Herrschaft seine autorit\u00e4re Macht sogar ohne direkte Unterdr\u00fcckung absichern k\u00f6nne (vgl. Horkheimer 1940).<\/p>\n<p>Krahl \u00fcbernahm diese Thesen vom monopolisierten Kapitalismus und vom Ende des Individuums. Die ver\u00e4nderte Situation versuchte er zu erfassen und klassisch marxistische Fragestellungen, wie die zu Klassenkampf und kritischem Bewusstsein, neu zu stellen. Dabei konnte er weder an Luk\u00e1cs noch an die Kritische Theorie einfach ankn\u00fcpfen, selbst wenn letztere den Studierenden &#8222;Emanzipationsbegriffe an die Hand geliefert&#8220; (Krahl 1971: 234) habe. Die Trauer um das untergegangene Individuum war f\u00fcr Krahl einer der Ausgangspunkte der antiautorit\u00e4ren Studentenbewegung (ebd.: 25 f). Diese habe die &#8222;Vertierung des Menschen&#8220; (ebd.: 24) in den westeurop\u00e4ischen Gesellschaften bemerkt: &#8222;Denn nicht anders ist es zu erkl\u00e4ren, dass selbst das b\u00fcrgerliche Individuum (&#8230;) durch den Prozess des Faschismus hindurch vernichtet wurde; dass, wie es Theoretiker der Frankfurter Schule einmal gesagt haben, sich einige Menschen sch\u00e4men m\u00fcssten, wenn sie &#8218;ich&#8217; sagen, &#8211; das bedeutet, dass im b\u00fcrgerlichen Ich, so wie Marcuse es ausf\u00fchrte, immer noch die F\u00e4higkeit zur Kritik, zur Erfahrung, zur Erinnerung und zum Begreifen enthalten war, dass aber heute (&#8230;) die Menschen auf blo\u00dfe Reaktion, gleichsam nach dem Pawlowschen Reflex, reduziert werden (&#8230;)&#8220; (ebd.: 24 f).<\/p>\n<p>Die f\u00fcr Krahl entscheidenden Fragen, die Fragen nach der Organisation politischer Praxis, die die Vereinzelung des Individuums \u00fcberwinden k\u00f6nne, stellten die Denker der Kritischen Theorie zu Krahls Entt\u00e4uschung nicht. Stattdessen gab Horkheimer Interviews, in denen er die M\u00f6glichkeit zur Gesellschaftsver\u00e4nderung leugnete und den Schutz der Individualit\u00e4t vom Bestehen der warenproduzierenden Gesellschaft abh\u00e4ngig machte (vgl. Der SPIEGEL, 5.1.1970).<\/p>\n<p>Adorno, in diesen Fragen vorsichtiger, mochte sich vom Ideal einer gerechten Gesellschaft nicht verabschieden. Dennoch war seine Kritik an der sich als revolution\u00e4r verstehenden Studentenbewegung vernichtend. Die Studierenden ergingen sich in blinder und theoriefeindlicher &#8222;Pseudo-Aktivit\u00e4t&#8220; (Adorno 1969: 772), die letztlich regressive und autorit\u00e4re Tendenzen hervorbringe. Bereits 1965 hatte Adorno in seinen &#8222;Vorlesungen \u00fcber Negative Dialektik&#8220; ausgef\u00fchrt, die Umw\u00e4lzung der Gesellschaft sei nach Auschwitz nicht mehr wie im 19. Jahrhundert als politische Revolution zu denken (vgl. Adorno 2007: 71 ff). Auch f\u00fcr ihn war eindeutig, dass es irgendwann einmal sozialistischer Praxis bed\u00fcrfe (vgl. ebd.: 75 f), f\u00fcr den Moment aber konstatierte er ein &#8222;Zur\u00fcckgeworfensein auf die Philosophie&#8220; (ebd.: 88).<\/p>\n<p>Krahl wandte sich mit seinen \u00dcberlegungen zur Praxis und zur Organisationsfrage daher von Adorno und Horkheimer ab und kritisierte deren Ansichten zur Praxis hart und oft polemisch.[8] Adornos Pr\u00e4gung durch den Nationalsozialismus und das Exil, so Krahl, &#8222;lie\u00df seine progressive Furcht vor einer faschistischen Stabilisierung des restaurierten Monopolkapitals in regressive Angst vor den Formen praktischen Widerstands gegen diese Tendenz des Systems umschlagen&#8220; (Krahl 1971: 385). Adorno bleibe wider besseren Wissens in der Ruine des b\u00fcrgerlichen Individuums gebannt. Seine Kritik an der Studentenbewegung wies Krahl zur\u00fcck: &#8222;Damit [mit Adornos Vorwurf der &#8222;Pseudo-Aktivit\u00e4t&#8220;, H.V.] aber ist jede Praxis a priori als blind aktionistisch denunziert und die M\u00f6glichkeit politischer Kritik schlechthin boykottiert n\u00e4mlich die Unterscheidung zwischen einer im Prinzip richtigen vorrevolution\u00e4ren Praxis und deren kinderkranken Erscheinungsformen in entstehenden revolution\u00e4ren Bewegungen&#8220; (ebd.: 285).<\/p>\n<p>Adornos und Horkheimers Denken, wie es sich in der Kritik an der Studentenbewegung zeigte, war f\u00fcr Krahl eine praktische Resignation und damit ein Widerspruch: &#8222;(&#8230;) das Elend der Kritischen Theorie ist auf einer bestimmten Ebene einfach auch das Fehlen der Organisationsfrage (&#8230;). Die Erfahrung des Faschismus scheint der Kritischen Theorie und Adorno suggeriert zu haben, dass kollektive Praxis notwendig bewusstseinsdestruktiv ist (&#8230;). Im Grunde genommen ist die resignative Position bis hin zur Aussage von der fixierten Intergration der Arbeiterklasse ins kapitalistische System orientiert an einem traditionellen Begriff des unmittelbaren Industrieproletariats (&#8230;)&#8220; (ebd.: 294 f). Da politische Praxis und Gesellschaftstheorie f\u00fcr Krahl nie trennbar waren, kamen f\u00fcr ihn auch der soziale Status der Frankfurter Denker und dessen Auswirkungen auf die Theorie in den Blick. Seine Forderung an Adorno und Horkheimer war, den akademischen Elfenbeinturm zu verlassen und sich als &#8222;kritische Autorit\u00e4ten&#8220; (Krahl 1971: 257 ff) an einem Aufkl\u00e4rungsprozess und einer langfristigen Organisation zu beteiligen. &#8222;Wenn man schon davon spricht, dass Studenten, Intellektuelle und Theoretiker das Bewusstsein und den Willen bekunden m\u00fcssen, sich auf den &#8218;Standpunkt des Proletariats&#8216; zu stellen, so kann das nur hei\u00dfen: eine praktische Periode revolution\u00e4rer Aufkl\u00e4rung zu entfalten (&#8230;)&#8220; (Krahl 1970: 70 f).<\/p>\n<p>Zumindest bei Horkheimer schien Krahl aber Zweifel zu haben, ob dieser an befreiender Praxis \u00fcberhaupt noch interessiert war: &#8222;Zwar war einst f\u00fcr Horkheimer die Zurechnung der Theorie zur befreienden Praxis des Proletariats programmatisch; doch die b\u00fcrgerliche Organisationsform der Kritischen Theorie brachte schon damals Programm und Durchf\u00fchrung nicht zur Deckung&#8220; (Krahl 1971: 287). Seine Kritik an Horkheimer fasste Krahl daher derart zusammen, &#8222;(&#8230;) dass schlie\u00dflich in den Schriften des Alternden dieses ungl\u00fcckliche sp\u00e4tb\u00fcrgerliche Bewusstsein resignativ den revolution\u00e4ren Willen zersetzt, ohne den die Kritische Theorie nichts mehr ist&#8220; (ebd.: 230).<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"machtloses-individuum-autoritaerer-staat-und-emanzipatorische-organisation\">Machtloses Individuum, autorit&auml;rer Staat und emanzi&shy;pa&shy;to&shy;ri&shy;sche Organi&shy;sa&shy;tion <\/span><\/h2>\n<p>Parallel zur Rekonstruktion einer revolution\u00e4ren Theorie der Gesellschaft ging es Krahl darum, ein &#8222;politisches Realit\u00e4tsprinzip zu entfalten&#8220; (ebd.: 278). Dieses sollte in einer neuen Form von Organisation langfristige Perspektiven f\u00fcr die Ver\u00e4nderung der Gesellschaft aufweisen. Die These von der ver\u00e4nderten kapitalistischen Vergesellschaftung ging hier ebenso konstitutiv ein wie sein weiter Begriff des Proletariats. Eine endg\u00fcltige Fassung seiner politischen \u00dcberlegungen hat Krahl nicht mehr entwerfen k\u00f6nnen, seine Vorstellungen sind aber in einer fr\u00fchen, dichten Form im &#8222;Organisationsreferat&#8220; (Krahl 1984: 53) festgehalten, das er zusammen mit Rudi Dutschke f\u00fcr die 22. Delegiertenkonferenz des SDS im September 1967 verfasste.[9] W\u00e4hrend Dutschke das Referat vortrug und strategische \u00dcberlegungen beisteuerte, stammte der analytische Teil des Referates weitgehend von Krahl (vgl. L\u00f6nnendonker et al. 2002: 382). Darin wird die BRD der sechziger Jahre mit dem Begriff Horkheimers als ein System des &#8222;integralen Etatismus&#8220; analysiert, in dem die Menschen durch autorit\u00e4re Denkstrukturen und die systemkonforme Propaganda in Presse und Fernsehen nicht in der Lage seien, ihre eigene Unterdr\u00fccktheit ad\u00e4quat wahrzunehmen (Krahl 1984: 58). Gegen Ende des &#8222;Wirtschaftswunders&#8220; greife die Gro\u00dfe Koalition mit der &#8222;konzertierten Aktion&#8220; der \u00c4ra Kiesinger und besonders mit der Notstandsgesetzgebung verst\u00e4rkt in den Produktionsprozess ein, der Staat hebe die kapitalistische Konkurrenz auf (ebd.: 55). Letztlich drohe sogar die Gefahr eines neuen Faschismus, der im Gewand einer formalen Demokratie erscheinen k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Aus dieser Analyse folgern Krahl und Dutschke, jede Hoffnung auf gesellschaftlichen Wandel m\u00fcsse wieder auf den revolution\u00e4ren Willen der Menschen setzen. Da die Produktivkraftentwicklung nicht zu einer Revolution gef\u00fchrt habe, sei Marx&#8217; \u00f6konomische Kritik des Anarchismus hinf\u00e4llig und anarchistische Ideen in der Tradition etwa von Michail Bakunin m\u00fcssten rehabilitiert werden (ebd.: 58). Der SDS m\u00fcsse sich daher als b\u00fcrgerliche Mitgliederpartei aufl\u00f6sen und die Aufkl\u00e4rung breiter Bev\u00f6lkerungsschichten in Form von &#8222;revolution\u00e4ren Bewusstseinsgruppen&#8220; (ebd.: 58) vorantreiben. &#8222;Die Agitation in der Aktion, die sinnliche Erfahrung der organisierten Einzelk\u00e4mpfer in der Auseinandersetzung mit der staatlichen Exekutivgewalt bilden die mobilisierenden Faktoren in der Verbreiterung der radikalen Opposition (&#8230;)&#8220; (ebd.: 58). Das Vorbild dieses Einzelk\u00e4mpfers war f\u00fcr Krahl und Dutschke in Anlehnung an Che Guevara der Guerillero der Dritten Welt: &#8222;Die &#8218;Propaganda der Sch\u00fcsse&#8217; (CHE) in der &#8218;Dritten Welt&#8217; muss durch die &#8218;Propaganda der Tat&#8217; in den Metropolen vervollst\u00e4ndigt werden, welche ein Urbanisierung ruraler Guerilla-T\u00e4tigkeit geschichtlich m\u00f6glich macht. Der st\u00e4dtische Guerillero ist der Organisator schlechthinniger Irregularit\u00e4t (&#8230;). Die Universit\u00e4t bildet seine Sicherheitszone, genauer gesagt, seine soziale Basis (&#8230;)&#8220; (ebd.: 58 f).<\/p>\n<p>Besonders durch die Artikel von Wolfgang Kraushaar, auch f\u00fcr die <i>vorg\u00e4nge <\/i>(Kraushaar 1998), ist die Debatte um das &#8222;Organisationsreferat&#8220; auf den Begriff der Stadtguerilla, die Gewaltbereitschaft der APO und ihre Beziehung zur RAF zugespitzt worden. Zwar zieht auch Kraushaar keine direkte Linie von den &#8222;irregul\u00e4ren Aktionen&#8220; (Krahl 1984: 58) des Organisationsreferates zum Terror der RAF (vgl. Kraushaar 1987: 23; 31), dennoch deutet er Krahl und Dutschke als Vordenker einer militanten linksradikalen Opposition. Zu Krahls Verh\u00e4ltnis zur Gewalt ist zu sagen, dass es ihm um die Verbreiterung von Protest ging, um eine &#8222;Kultur- und Bewusstseinsrevolution in den Metropolen&#8220; (L\u00f6nnendonker 2002: 381). Im &#8222;Organisationsreferat&#8220; ist mit der Stadtguerilla daher vor allem ziviler Ungehorsam und ein neuartiges Aufkl\u00e4rungskonzept gemeint, und nicht militante Aktionen als Selbstzweck. Selbst wenn er sich zum Beispiel gegen\u00fcber Habermas von Gewaltanwendungen distanzierte (vgl. L\u00f6nnendonker 2002: 351), war f\u00fcr Krahl die Anwendung von Gewalt aber generell durchaus legitimierbar (vgl. Krahl 1971: 26). Irregul\u00e4re, auch illegale Aktionen waren dabei aber stets nur als Mittel zur Verbreiterung radikalen Protests gedacht. Der maoistische Ansatz der RAF, die blinden Terrorakte gegen einzelne Repr\u00e4sentanten des Staates, sind dagegen mit Krahls Denken, das um die Befreiung des vereinzelten Individuums, langfristige Organisation und Theoriearbeit kreiste, in keiner Weise in Einklang zu bringen. &#8222;Marxistische Kritik und Selbstkritik hat mit &#8218;Selbstbefreiung&#8217; nichts, dagegen mit revolution\u00e4rer Disziplin sehr viel zu tun&#8220; (Hoffmann 1997: 28) &#8211; Phrasen wie diese aus einem Flugblatt der RAF stehen f\u00fcr genau die Form von autorit\u00e4rem Bewusstsein und ontologisiertem Marxismus, die Krahl unter Verweis auf die Notwendigkeit antiautorit\u00e4rer Ans\u00e4tze immer wieder kritisiert hat (vgl. Krahl 1971: 311 ff).<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"fazit\">Fazit <\/span><\/h2>\n<p>&#8222;Nicht an allem, was in dem Buch gesagt ist, halten wir unver\u00e4ndert fest. Das w\u00e4re unvereinbar mit einer Theorie, welche der Wahrheit einen Zeitkern zuspricht, anstatt sie als Unver\u00e4nderliches der geschichtlichen Bewegung entgegenzusetzen&#8220; (Horkheimer \/ Adorno 1988). Dieses Zitat aus dem Vorwort zur Neuauflage der &#8222;Dialektik der Aufkl\u00e4rung&#8220; macht deutlich, dass Adorno und Horkheimer die in ihrem gemeinsamen Schl\u00fcsselwerk getroffenen Aussagen \u00fcber die Entwicklung der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft nicht f\u00fcr endg\u00fcltige Wahrheiten hielten. Hans-J\u00fcrgen Krahl, durch die Kritische Theorie beeinflusst und doch ein v\u00f6llig anders sozialisierter Denker, hielt den praktischen Pessimismus der Kritischen Theorie f\u00fcr nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df. Es bedeutete es f\u00fcr ihn sogar ein Widerspruch, nicht nach den M\u00f6glichkeiten einer revolution\u00e4ren Politik zu suchen &#8211; in diesem Punkt war er sich etwa mit Herbert Marcuse durchaus einig. Krahls Kritik an der Kritischen Theorie &#8211; so wie Luk\u00e1cs Polemik gegen die Frankfurter Theoretiker, die es sich im &#8222;Grand Hotel Abgrund&#8220; bequem gemacht h\u00e4tten &#8211; ist wegen der Zuspitzung auf die individuelle Lebensf\u00fchrung Horkheimers und Adornos teilweise durchaus fragw\u00fcrdig. Dennoch benannte sie sehr pr\u00e4zise die Aporien der Kritischen Theorie und ihre Beeinflussung durch die Erfahrung des Exils und des Faschismus. Indem er dem alternden Horkheimer dessen eigene Schriften aus den drei\u00dfiger Jahren vorhielt, erinnerte Krahl an die reale Hoffnung auf eine befreite Gesellschaft, die die Kritische Theorie urspr\u00fcnglich inspiriert hatte. Dass Krahl im Gegensatz zu seinen Professoren eine Revolution f\u00fcr m\u00f6glich hielt, erkl\u00e4rt sich einerseits aus seinen anderen Lebenserfahrungen, andererseits aus dem Kontext einer sich radikalisierenden Studentenbewegung, die jedoch in vielen Punkten v\u00f6llig an der Realit\u00e4t vorbeiging. Krahls praktische Vorschl\u00e4ge, wie sie im &#8222;Organisationsreferat&#8220; festgehalten sind, bildeten eine nachvollziehbare Konsequenz aus seiner Analyse der sp\u00e4tkapitalistischen Gesellschaft, auch wenn seine Anspr\u00fcche oft wenig mit der realen Situation des SDS oder der APO zu tun hatten. Sein voluntaristischer Dreh in der Kritischen Theorie und sein Avantgardedenken, das teilweise noch leninistische Z\u00fcge trug, m\u00fcssen heute aber ebenso wie die v\u00f6llige Fehleinsch\u00e4tzung der sozialen Lage zum Zeitpunkt des &#8222;Organisationsreferates&#8220; einer deutlichen Kritik unterzogen werden. Der Gedanke, dass der Weg zu einer befreienden Praxis tats\u00e4chlich f\u00fcr den Moment versperrt sein k\u00f6nnte, wurde von Krahl nicht ausreichend reflektiert. &#8222;Aber die Behauptung, da\u00df die Menschen ihre Geschichte bewu\u00dft gestalten k\u00f6nnen, schlie\u00dft weder die Behauptung ein, da\u00df sie es stets tun, noch, da\u00df sie es jeweils zum Besseren richten. Kritische Theorie h\u00e4lt aber den Gedanken an diese M\u00f6glichkeit fest&#8220; (Greven 1994: 15). Hans-J\u00fcrgen Krahl steht f\u00fcr den Versuch, eine kritische Gesellschaftstheorie trotz der \u00dcbermacht des Bestehenden voranzutreiben und die M\u00f6glichkeit praktischer Ver\u00e4nderung aus der Kritik abzuleiten. Eine Aufgabe, vor die sich Kritische Theorie auch heute noch gestellt sieht.<\/p>\n<p>[1] Das Kondolenzschreiben Horkheimers vom 19.02. 1970 ist im Horkheimer-Archiv der Universit\u00e4t Frankfurt unter der Signatur V.97\/270 einzusehen. Die falsche Zeichensetzung und Rechtschreibung sind dem Original entnommen.<\/p>\n<p>[2] Zu Krahls Biographie vgl. Claussen 1998; Kraushaar 1998.<\/p>\n<p>[3] \u00dcber die Hintergr\u00fcnde von Krahls Kehrtwende zum Linksradikalismus l\u00e4sst sich hier nur spekulieren. Er selbst erkl\u00e4rte sie in seinen &#8222;Angaben zur Person&#8220; als Annahme eines proletarischen Klassenstandpunktes: &#8222;Nachdem mich die herrschende Klasse rausgeworfen hatte, entschloss ich mich dann auch, sie gr\u00fcndlich zu verraten, und wurde Mitglied im SDS&#8220; (Krahl 1971: 22).<\/p>\n<p>[4] Zu leninistischen und maoistischen Tendenzen in der Studierendenbewegung hat Krahl sich verschiedentlich kritisch ge\u00e4u\u00dfert, vgl. unter anderem Krahl 1971: 311 f; 278 ff; 303 ff.<\/p>\n<p>[5] Der Band &#8222;Konstitution und Klassenkampf&#8220; ist in einer eigenwillig falschen Rechtschreibung verfasst, die aber durch die Ersetzung des &#8222;\u00df&#8220; durch &#8222;ss&#8220; teilweise der neuen deutschen Rechtschreibung gleicht. Eine kritische Neuauflage des Bandes, vom Verlag Neue Kritik schon vor Jahren angek\u00fcndigt, l\u00e4sst leider weiter auf sich warten. Im Folgenden wird auf die Korrektur der Zitate aus &#8222;Konstitution und Klassenkampf&#8220; durch [sic] verzichtet.<\/p>\n<p>[6] Auch Kraushaar bringt das Zitat mit dem Denken Krahls in Verbindung, vgl. Kraushaar 1987: 26.<\/p>\n<p>[7] Obwohl Krahl in seiner Gegenwartsanalyse einige zentrale Topoi von Marcuse \u00fcbernahm, kritisierte er ihn scharf als von Heidegger beeinflussten Existentialisten (vgl. Krahl 1971: 98 ff; 122 ff). Die Kritik an Marcuse scheint Krahl aber insgesamt nicht so wichtig gewesen zu sein wie die an seinen Frankfurter Lehrern Adorno und Horkheimer.<\/p>\n<p>[8] Krahls Kritik an der Kritischen Theorie ist vor allem zu finden in seinen Textfragmenten &#8222;Der politische Widerspruch in der Kritischen Theorie Adornos&#8220; (Krahl 1971: 285 ff), &#8222;Kritische Theorie und Praxis&#8220; (ebd. 289 ff) sowie in einem Diskussionsbeitrag zur Kritischen Theorie bei Max Horkheimer (ebd.: 230 ff).<\/p>\n<p>[9] Das Organisationsreferat galt jahrelang als verschollen und wurde nach seiner Wiederentdeckung seit den sp\u00e4ten achtziger Jahren besonders von Wolfgang Kraushaar immer wieder zur Diskussion gestellt. Kraushaar legt in seinen Interpretationen den Fokus auf Rudi Dutschke und dessen Gewaltbereitschaft, ihm geht es besonders um die Verbindungslinien zwischen der antiautorit\u00e4ren Studentenbewegung und dem Terror der RAF. Vgl. zum Organisationsreferat auch L\u00f6nnendonker et.al. 2002: 379 ff., Kraushaar 1987, Kraushaar 2005.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"literatur\">Literatur <\/span><\/h2>\n<p><i>Adorno, Theodor W. <\/i>1969: Marginalien zu Theorie und Praxis, in: ders. Gesammelte Schriften 10.2: Kulturkritik und Gesellschaft II, Frankfurt a.M., S. 759-782.<\/p>\n<p><i>Adorno, Theodor W.<\/i> 2007: Vorlesungen \u00fcber Negative Dialektik. Fragmente zur Vorlesung 1965\/66, Frankfurt a.M.<\/p>\n<p><i>Claussen, Detlev<\/i> 1998: Hans-J\u00fcrgen Krahl -Ein philosophisch-politisches Profil, in: Kraushaar, Wolfgang (Hg.) 1998: Frankfurter Schule und Studentenbewegung. Von der Flaschenpost zum Molotowcocktail 1946-1995. Band 3: Aufs\u00e4tze und Kommentare, Register, Hamburg, S. 65-70.<\/p>\n<p><i>Der SPIEGEL,<\/i> 5. Januar 1970: &#8222;Was wir &#8218;Sinn&#8217; nennen, wird verschwinden&#8220; SPIEGEL- Gespr\u00e4ch mit dem Philosophen Max Horkheimer, Hamburg, S. 79-84.<\/p>\n<p><i>Dutschke, Rudi \/ Hans-J\u00fcrgen Krahl <\/i>1967: Organisationsreferat, in: Hans-J\u00fcrgen Krahl 1984: Vom Ende der abstrakten Arbeit, Frankfurt a.M., S. 53-59; au\u00dferdem in: Wolfgang Kraushaar (Hg.) 1998: Frankfurter Schule und Studentenbewegung. Von der Flaschenpost zum Molotowcocktail 19461995, Band 2: Dokumente, Hamburg, S. 287-290.<\/p>\n<p><i>Greven, Michael Th. <\/i>1994: Kritische Theorie und historische Politik, Theoriegeschichtliche Beitr\u00e4ge zur gegenw\u00e4rtigen Gesellschaft, Opladen.<\/p>\n<p><i>Hoffmann, Martin (Hg.) <\/i>1997: Rote Armee Fraktion, Texte und Materialien zur Geschichte der RAF, Berlin. Horkheimer, Max 1933: D\u00e4mmerung. Notizen in Deutschland, in: ders. Gesammelte Schriften 2: Politische Fr\u00fchschriften 1922-1932, Frankfurt a.M., 309-452.<\/p>\n<p><i>Horkheimer, Max <\/i>1940: Autorit\u00e4rer Staat, in: ders. Gesammelte Schriften 5: &#8222;Dialektik der Aufkl\u00e4rung&#8220; und Schriften 1940-1950, Frankfurt a.M., 293-31 9.<\/p>\n<p><i>Horkheimer, Max \/ Theodor W. Adorno <\/i>1988: Dialektik der Aufkl\u00e4rung. Philosophische Fragmente, Frankfurt a.M.<\/p>\n<p><i>Krahl, Hans-J\u00fcrgen <\/i>1970: Ausgew\u00e4hlte Werke &#8211; Aufs\u00e4tze, Fragmente, Exzerpte, Notizen, Helsinki.<\/p>\n<p><i>Krahl, Hans-J\u00fcrgen<\/i> 1971: Konstitution und Klassenkampf. Zur historischen Dialektik von b\u00fcrgerlicher Emanzipation und proletarischer Revolution, Schriften, Reden und Entw\u00fcrfe aus den Jahren 19661970, Frankfurt.<\/p>\n<p><i>Krahl, Hans-J\u00fcrgen <\/i>1984: Vom Ende der abstrakten Arbeit. Die Aufhebung der sinnlosen Arbeit ist in der Transzendentalit\u00e4t des Kapitals angelegt und in der Verweltlichung der Philosophie begr\u00fcndet, Frankfurt a.M Kraushaar, Wolfgang 1987: Autorit\u00e4rer Staat und Antiautorit\u00e4re Bewegung. Zum Organisationsreferat von Rudi Dutschke und Hans-J\u00fcrgen Krahl auf der 22. Deligiertenkonferenz des SDS in Frankfurt (4.-8. Sept. 1867), in: ders. 1998: Frankfurter Schule und Studentenbewegung. Von der Flaschenpost zum Molotowcocktail 1946-1995, Band 3, Hamburg, S. 15-33.<\/p>\n<p><i>Kraushaar, Wolfgang<\/i> (Hg.) 1998: Einleitung: Kritische Theorie und Studentenbewegung, in: ders. 1998: Frankfurter Schule und Studentenbewegung. Von der Flaschenpost zum Molotowcocktail 1946-1995, Band 1, Hamburg, S. 17-32.<\/p>\n<p><i>Kraushaar, Wolfgang <\/i>2005: 1968 und die RAF -Ein umstrittenes Beziehungsgeflecht, in: vorg\u00e4nge 171\/172, Sept.\/Dez. 2005, Heft 3\/4, S. 208-220.<\/p>\n<p><i>L\u00f6nnendonker, Siegward \/ Rabehl, Bernd \/ Staadt <\/i>Jochen 2002: Die antiautorit\u00e4re Revolte. Der Sozialistische Deutsche Studentenbund nach der Trennung von der SPD, Band 1: 1960-1967, Wiesbaden.<\/p>\n<p><i>Luk\u00e1cs, Georg <\/i>1988: Geschichte und Klassenbewusstsein, Studien \u00fcber marxistische Dialektik, Darmstadt \/ Neuwied.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[1942],"publikationen":[2818],"class_list":["post-11059","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-hanning-voigts","publikationen-181-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Vom revolution\u00e4ren Willen, \u201eohne den die Kritische Theorie nichts mehr ist\u201c - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/181-vorgaenge\/publikation\/vom-revolutionaeren-willen-ohne-den-die-kritische-theorie-nichts-mehr-ist\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Vom revolution\u00e4ren Willen, \u201eohne den die Kritische Theorie nichts mehr ist\u201c - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Zum politischen Denken des Adorno-Sch\u00fclers und SDS-Mitglieds Hans-J\u00fcrgen Krahl, aus: vorg\u00e4nge Nr. 181, Heft 1\/2008, S. 70-78 &#8222;Er ist unersetzlich und meiner \u00dcberzeugung nach, w\u00e4re er ein h\u00f6chst bedeutender Mensch geworden. 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