{"id":11091,"date":"2007-09-01T23:10:00","date_gmt":"2007-09-01T21:10:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/energieinnovation-braucht-klare-anreize\/"},"modified":"2021-08-30T15:40:03","modified_gmt":"2021-08-30T13:40:03","slug":"energieinnovation-braucht-klare-anreize","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/3-2007\/publikation\/energieinnovation-braucht-klare-anreize\/","title":{"rendered":"Energieinnovation braucht klare Anreize"},"content":{"rendered":"<p>Klimaschutzpolitikrechnet sich f&uuml;r Energieversorger-doch die Umweltwirkung bleibt bislang begrenzt<\/p>\n<p>aus : vorg&auml;nge Heft 3\/2007, S.92-101<\/p>\n<p>Die Ziele sind ambitioniert: Bis zum Jahre 2020 m&ouml;chte die deutsche Bundesregierung die energiebedingten Emissionen des klimasch&auml;dlichen Kohlendioxid (CO2) um 40 Prozent gegen&uuml;ber 1990 senken. Knapp 20 Prozent sind schon geschafft, ein Gro&szlig;teil davon dank der deutschen Wiedervereinigung und dem Zusammenbruch der ostdeutschen Wirtschaft nach 1990. F&uuml;r die anderen 20 Prozent sind erhebliche Anstrengungen erforderlich. Das &#8222;Reformprojekt nachhaltige Energiepolitik&#8220; der Bundesregierung(1) soll es m&ouml;glich machen. Im April 2007 verk&uuml;ndete Bundesumweltminister Sigmar Gabriel einen nationalen 8-Punkte-Plan zur Erreichung des Klimaschutzziels. Umfassende &Auml;nderungen in der gesamten Gesellschaft, ja gar der &#8222;Umbau der Industriegesellschaften&#8220; seien erforderlich, hei&szlig;t es dazu markig von ihm.(2) Das sind Szenarien, die den B&uuml;rger an der Umsetzbarkeit solcher Pl&auml;ne zweifeln lassen. Solch radikale Ver&auml;nderungen pr&auml;ventiver Natur sind in einer etablierten Gesellschaft wie der deutschen eher schwer vorstellbar. Viel eher schon l&ouml;sen Umweltkatastrophen wie der Hurrican Katrina 2005, das Elbe-Hochwasser 2002 oder Hitzeperioden in 2003 und Waldbr&auml;nde wie in diesem Sommer 2007 verantwortliches, wenngleich h&auml;ufig erst nachsorgendes Handeln aus.<\/p>\n<p>Indes scheint Aktivismus ausgebrochen: Der letzte der drei nationalen, von Bundeskanzlerin Angela Merkel einberufenen Energiegipfel Anfang Juli 2007 endete mit der Ank&uuml;ndigung von &#8222;Eckpunkten f&uuml;r ein integriertes Energie- und Klimaprogramm&#8220;, das bei der Regierungsklausur Ende August 2007 in Meseburg verabschiedet wurde.(3) Das Eckpunkteprogramm umfasst einen Ma&szlig;nahmenkatalog von 30 Punkten, der auf alle Emittenten zielt -von der Energiewirtschaft &uuml;ber die Industrie bis hin zum privaten Konsumenten. Doch viele der Ma&szlig;nahmen sind (noch) zu unkonkret formuliert, um den Glauben an ihre Umsetzung und ihren Erfolg zu entfachen. Schnell lie&szlig;en deshalb Umweltorganisationen wie Greenpeace ausrechnen, dass das Programm nachgebessert werden m&uuml;sse, um nicht das Ziel zu verfehlen. Allerdings mangelt es derart an konkreten Politikma&szlig;nahmen, dass jede quantitative Absch&auml;tzung der Wirkungen stark willk&uuml;rlich bleiben muss.<\/p>\n<p>F&uuml;r die Stromversorgung k&uuml;ndigte die Regierung in den &#8222;Eckpunkten&#8220; konkretere Zahlen an: Der Anteil der erneuerbaren Energien bis 2020 soll gegen&uuml;ber heute mehr als verdoppelt werden (auf 25-30 Prozent), und ebenso die Erzeugung von Strom und W&auml;rme durch Kraft-W&auml;rme-Kopplung (KWK), wie das im Deutschen etwas sperrig hei&szlig;t, die auf einen Anteil von 25 Prozent angehoben werden soll. KWK erlaubt eine deutlich bessere Energieausnutzung und damit h&ouml;here Effizienz. Das hie&szlig;e immerhin, dass 2020 rund die H&auml;lfte des in Deutschland verbrauchten Stroms emissionsfrei oder hocheffizient hergestellt w&uuml;rde. Dar&uuml;ber hinaus setzt sich die Bundesregierung f&uuml;r so genannte &#8222;CO2-arme Kraftwerkstechnologien&#8220; ein, also f&uuml;r die Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid aus Kohlekraftwerken. Doch sind die angepeilten CO2-Ziele realistisch? Muss der Atomausstieg ausgesetzt werden, um Zeit f&uuml;r die Entwicklung klimaschonender Techniken zu gewinnen? Und: K&ouml;nnen wir uns Klimaschutz &uuml;berhaupt leisten, ohne dass beispielsweise die Strompreise explodieren und die Wirtschaft leidet?<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"nachhaltigkeit-hat-gute-aktien\">Nachhal&shy;tig&shy;keit hat gute Aktien<\/span><\/h2>\n<p>Klimawandel ist heute in aller Munde und in allen Medien, die Zeitungen und das Fernsehen &uuml;berschlagen sich mit Reportagen und Berichten zu den m&ouml;glichen Folgen einer weiteren Erw&auml;rmung der Atmosph&auml;re. Dank der g&uuml;nstigen zeitlichen Koinzidenz von verheerenden Hurrikans &uuml;ber dem Nordatlantik, den j&uuml;ngsten warnenden Berichten des Gremiums globaler Wissenschaftler im International Panel for Climate Change (IPCC), dem G8-Gipfel in Heiligendamm und einer Hitzewelle in Europa ist das Thema salonf&auml;hig geworden. Zugleich ist ein Wandel in der wirtschaftlichen Wahrnehmung des Themas gekommen, wie der Economist schreibt: &#8222;Climate change has gone from being dull and marginal to cool and core&#8220; (4)<\/p>\n<p>Nachhaltigkeit und Klimawandel als Gesch&auml;ftsfeld, klima- und umweltorientierte Investitionen, gr&uuml;ne Fonds, eine nachhaltige Unternehmensf&uuml;hrung haben Konjunktur, ein Erfolg, der sich auch an der Entwicklung entsprechender Indices an den B&ouml;rsen zeigt. Die Solar-Branche beispielsweise boomt. Die Solarzellenproduktion in Deutschland wuchs allein im ersten Halbjahr 2007 um 33 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Mit einem Investitionsvolumen von mehr als einer Milliarde Euro, so k&uuml;ndigt der Bundesverband Solarwirtschaft BSW an, w&uuml;rden f&uuml;nfzehn neue Solarfabriken bis 2008 am Standort Deutschland entstehen. Rund 100 Millionen Euro werden nach BSW-Angaben allein in 2007 in die Forschung und Entwicklung von Photovoltaik investiert. Auf dem Milit&auml;rflughafen Brandis bei Leipzig entsteht zurzeit das mit 40 MW oder 550.000 D&uuml;nnschicht-Solarmodulen gr&ouml;&szlig;te Photovoltaik-Kraftwerk der Welt, in 2009 soll es fertig sein. Damit k&ouml;nnen etwa 40 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugt werden. Und es gibt viele weitere Beispiele f&uuml;r das aufbl&uuml;hende Gesch&auml;ftsfeld der nachhaltigen und Klimaschutztechnologien. Nahezu jedes Finanzinstitut legt derzeit einen Klimafonds oder ein Zertifikat auf &#8211; auch diejenigen, die die Potenziale nachhaltigen Wirtschaften bislang ignorierten. Denn gr&uuml;ne Aktienfonds florieren und weisen f&uuml;r ihr gutes Tun auch gute Wertverl&auml;ufe auf, wie ihnen von Verbrauchersch&uuml;tzern und Umweltinstituten attestiert wird &#8211; &Ouml;ko-Investments bringen heute satte Renditen.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"ein-preis-fuer-emissionen\">Ein Preis f&uuml;r Emissionen<\/span><\/h2>\n<p>Die entscheidende Triebkraft hinter dieser Entwicklungsdynamik bildet die Erwartung, dass der Klimawandel ein ernstzunehmendes Problem ist und auch bleibt. Mit dem Beginn des Emissionsrechtehandels in 2005 hat Kohlendioxid einen Preis bekommen; die langfristige Erwartungshaltung findet ihren Niederschlag in den Futures-Preisen f&uuml;r die handelbaren CO2-Zertifikate, die es in Deutschland und Europa seither gibt. Zwar sank der Preis von fast 30 Euro je Tonne CO2 auf beinahe Null, als bekannt wurde, dass Deutschland und auch andere L&auml;nder den beteiligten Energie- und Wirtschaftsunternehmen f&uuml;rs Erste zu viele Zertifikate verteilt hatte &#8211; die Zertifikate wurden wertlos, der Handel brach faktisch zusammen. Doch die Erwartungen f&uuml;r die n&auml;chste Handelsperiode, die 2008 beginnt, sind andere. Schon vor der Verabschiedung des Zuteilungsgesetzes 2012 f&uuml;r die zweite Handelsperiode (Gesetz zur &Auml;nderung der Rechtsgrundlagen zum Emissionshandel in Hinblick auf die Zuteilungsperiode 2008 bis 2012, am 11. August 2007 in Kraft getreten) lag der Futures-Preis f&uuml;r 2008 bei rund 20 &euro; je Tonne CO2 (f&uuml;r 2009 sogar bei 21 &euro;\/t), wo er auch im September 2007 steht. Der Klimawandel wird zu guter Letzt ernst genommen, so scheint es. Und bei diesen CO2 -Preisen k&ouml;nnen auch neue Technologien wettbewerbsf&auml;hig werden.<\/p>\n<p>Das Klimagas Kohlendioxid entsteht bei der Verbrennung der fossilen Energietr&auml;ger Kohle, Mineral&ouml;l und Erdgas. Die Kraftwerke zur Elektrizit&auml;tserzeugung verantworten mit rund 43 Prozent den L&ouml;wenanteil der deutschen CO2-Emissionen, weitere 20 Prozent stammen jeweils aus dem Verkehr sowie von Haushalten und Kleinverbrauchern, w&auml;hrend die restliche Wirtschaft nur gut 16 Prozent der CO2-Emissionen direkt verursacht. Es ist also vern&uuml;nftig, die Elektrizit&auml;tswirtschaft ganz zentral in die klimapolitische Verantwortung zu nehmen, wie dies beispielsweise im Rahmen des Emissionshandels geschieht: Das Zuteilungsgesetz 2012 sieht vor, dass der gr&ouml;&szlig;te Teil der 57 Mill. Tonnen zus&auml;tzlicher Minderungen im Vergleich zur ersten Emissionshandelsperiode (2005-2007) von der Energiewirtschaft getragen wird. F&uuml;r das neue 40-Prozent-Ziel muss aber noch weitaus mehr geschehen, denn die bisherige Struktur der Stromerzeugung ist eher ung&uuml;nstig.<\/p>\n<p>Fast die H&auml;lfte (45 Prozent) des deutschen Stroms wurden im Jahre 2006 aus Stein- und Braunkohle gewonnen. Gaskraftwerke hingegen steuerten nur etwa 12 Prozent zur Stromversorgung bei, obwohl sie nur halb soviel Kohlendioxid je erzeugter Kilowattstunde verursachen wie Steinkohlekraftwerke und nur ein Drittel im Vergleich zu Braunkohlenkraftwerken. Immerhin bereits 12 Prozent kommen von erneuerbaren Energien, vor allem den gro&szlig;en Wind- und Wasserkraftanlagen. Ein gutes Viertel wird durch Kernenergie gedeckt.<\/p>\n<p>Der Wechsel zu einer weniger kohlenstoffintensiven Elektrizit&auml;tsversorgung ist schon aufgrund der gewachsenen Kraftwerks- und Netzinfrastruktur vergleichsweise schwierig. Wirtschaftlich sinnvoll ist der &Uuml;bergang am ehesten, wenn alte Kraftwerke ohnehin ersetzt werden m&uuml;ssen. Doch bis 2020 steht eine umfassende Erneuerung des Kraftwerksparks an, etwa 40.000 MW (rund ein Drittel) der heutigen Kapazit&auml;ten m&uuml;ssen je nach Annahme &uuml;ber die Stilllegung alter Kraftwerke ersetzt werden. Das ist eine gro&szlig;e Chance, die Wegweiser in Richtung auf eine nachhaltigere Energieversorgung zu stellen. Bislang allerdings sehen die Investitionspl&auml;ne der Energiewirtschaft wenig nachhaltig aus. Pl&auml;ne f&uuml;r rund 45 Kraftwerke auf Basis von Stein- oder Braunkohle wurden bislang bekannt, von denen etwa 30 realisiert werden k&ouml;nnten &#8211; w&auml;hrend das weniger als halb so klimasch&auml;dliche Erdgas derzeit aufgrund der hohen Erdgaspreise kaum als Energietr&auml;ger zur Stromerzeugung eingeplant wird.<\/p>\n<p>Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass diese Kraftwerke tats&auml;chlich alle gebaut werden: Der Emissionshandel begrenzt die Klimagasemissionen der deutschen Elektrizit&auml;tswirtschaft ab 2008 gegen&uuml;ber der ersten Handelsperiode um 11 Prozent, und das bei zumindest leicht steigendem Stromabsatz. Mit zus&auml;tzlichen Kohlekraftwerken l&auml;sst sich das nicht bew&auml;ltigen, eine Revision der Investitionspl&auml;ne d&uuml;rfte unumg&auml;nglich sein. Der k&uuml;rzlich stornierte Plan f&uuml;r ein neues Kohlekraftwerk in Bremen ist nur ein Beispiel daf&uuml;r. Selbst in den USA sind deutliche Entwicklungen zu beobachten: Nach der &Uuml;bernahme von TXU, dem gro&szlig;en texanischen Stromerzeuger, durch private Beteiligungsfirmen Anfang diesen Jahres gab TXU die Pl&auml;ne f&uuml;r 8 von 11 geplanten Kohlekraftwerken auf. Der Grund: selbst in den USA wird erwartet, dass Klimaschutz &uuml;ber kurz oder lang zu Emissionsobergrenzen f&uuml;hren wird. Kohle hat auch dort nur begrenzte Zukunft und dr&uuml;ckt entsprechend die Renditeerwartungen.<\/p>\n<p>Bislang bot der Emissionshandel den Energieversorgern in Deutschland zwar in erster Linie eine Gelegenheit, zus&auml;tzliche Gewinne zu realisieren. Doch in Zukunft erhalten sie &#8222;nur noch&#8220; gut 90 Prozent ihrer Ausstattung kostenfrei, den Rest m&uuml;ssen sie ersteigern. Zudem sinkt die insgesamt zugestandene Menge auf 453 Millionen Tonnen. Hier steigen also die Anreize, wirklich effizienter und klimaschonender zu werden &#8211; sollte man meinen. Allerdings beg&uuml;nstigt der Emissionshandel auch zuk&uuml;nftig den Bau neuer Kohlekraftwerke: Sie erhalten mehr als doppelt so viele Verschmutzungsrechte wie ein Gaskraftwerk mit der gleichen Stromproduktion. Den Anreiz f&uuml;r einen Brennstoffwechsel zu emissionsarmen Kraftwerkstechniken gibt es also kaum bis gar nicht. Deutschland ist und bleibt ein &#8222;Land der Kohle&#8220;, obgleich nur noch ein Drittel der verstromten Steinkohle im Inland gef&ouml;rdert wird und die subventionierten Zechen ihre Tore bis 2018 schlie&szlig;en. Die heimische Braunkohle aber gilt als wirtschaftlich und tr&auml;gt immerhin zu 25 Prozent zur Stromerzeugung bei &#8211; und zu mehr als 50 Prozent zu den stromerzeugungsbedingten CO2-Emissionen!<\/p>\n<p>F&uuml;r den anstehenden Reinvestitionszyklus in der deutschen Stromwirtschaft h&auml;tte deshalb der deutliche Anreiz f&uuml;r einen Brennstoffwechsel gesetzt werden m&uuml;ssen, doch das war politisch nicht durchsetzbar: auch die Akteursstrukturen in diesem Sektor &#8211; und damit auch die Ansichten &#8211; sind historisch gewachsen und stark von kohleorientiertem Denken gepr&auml;gt. So h&ouml;rt man beispielsweise das Argument, dass die Gasversorgung unsicher sei. Doch das ist nur begrenzt stichhaltig: Rund 35 Prozent stammen aus Russland, weitere 25 Prozent aus Norwegen, 20 Prozent aus den Niederlanden, 6 Prozent aus Gro&szlig;britannien und D&auml;nemark, und immerhin 15 Prozent werden hierzulande gef&ouml;rdert. Selbst wenn der Anteil des russischen Erdgases in Zukunft ansteigt, muss also niemand bef&uuml;rchten, dass Deutschland von russischer Seite &#8222;der Gashahn abgedreht&#8220; wird. Allerdings sind die Gaspreise im Vergleich zu Weltmarktkohle und auch heimischer Braunkohle tats&auml;chlich deutlich gestiegen &#8211; traditionell gemeinsam mit dem &Ouml;lpreis, und der schwankt bekanntlich auf hohem Niveau. Neben der schlechteren Ausstattung mit Emissionsrechten macht auch dieser Umstand den Neubau von Gaskraftwerken heute wesentlich unattraktiver als den von Kohlekraftwerken, trotz der gro&szlig;en faktischen Vorteile des Erdgases beim Klimaschutz.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"klimaschutz-durch-hoehere-oder-geringere-effizienz\">Klimaschutz &ndash; durch h&ouml;here oder geringere Effizienz?<\/span><\/h2>\n<p>Klimagasemissionen vermeiden &#8211; aus technischer Sicht kann dazu (neben dem genannten Brennstoffwechsel und den erneuerbaren Energien) vor allem die effizientere Bereitstellung von Energie beitragen, beispielsweise durch die Nutzung der Abw&auml;rme aus dem Verbrennungsprozess im Kraftwerk. Dadurch kann der Wirkungsgrad, also die Energieausnutzung, auf rund 90 Prozent gesteigert werden. Selbst modernste Kraftwerke haben Wirkungsgrade von nur etwa 45 Prozent, lassen also mehr als die H&auml;lfte des Energie-Inputs als W&auml;rme in die Luft gehen, alte Kraftwerke sogar bis zu 70 Prozent, und im bundesdeutschen Schnitt sind es derzeit gut 60 Prozent.<\/p>\n<p>Eine Modernisierung oder noch besser Ersatz der &#8222;alten Dreckschleudern&#8220; ist also durchaus sinnvoll. Noch sinnvoller w&auml;re es, auch den Gro&szlig;teil der dann noch verbleibenden Abw&auml;rme zu nutzen, beispielsweise durch Einspeisung in ein Nah- oder Fernw&auml;rmenetz. Das aber w&auml;re nur m&ouml;glich, wenn sich die Standortpolitik der gro&szlig;en Konzerne deutlich &auml;nderte, denn die gro&szlig;en Kraftwerke werden eher fernab von m&ouml;glichen Nutzern der Abw&auml;rme gebaut, und die Stromnetze sind darauf ausgelegt. Technisch umsetzbar ist das alles &#8211; in D&auml;nemark tr&auml;gt die Kraft-W&auml;rme-Kopplung fast die H&auml;lfte, in den Niederlanden knapp 40 Prozent zur Stromerzeugung bei, in Deutschland hingegen nur knapp 12 Prozent zur Strom- und etwa 6 Prozent zur W&auml;rmeversorgung. Denn gewollt wird sie hier trotz ihrer sehr guten Klimabilanz nur z&ouml;gerlich, was auch in der geplanten Deckelung des in den &#8222;Eckpunkten&#8220; vorgeschlagenen F&ouml;rdertopfes f&uuml;r den &#8222;KWK-Ausbau&#8220; zum Ausdruck kommt. Investitionssicherheit wird hierdurch nicht wirklich geschaffen.<\/p>\n<p>Effizienzmindernd hingegen wirkt eine andere, auf den Erhalt der zentralen Versorgungsstrukturen ausgerichtete &#8222;Zukunftsvision&#8220;: das so genannte CO2-arme Kohlekraftwerk. In modernen, entsprechend ausgestatteten Kohlekraftwerken k&ouml;nnte das bei der Verbrennung entstehende Kohlendioxid aufgefangen und gespeichert werden, beispielsweise in der Erde. Das macht aber wirtschaftlich nur Sinn f&uuml;r gro&szlig;e Kraftwerke, und nicht f&uuml;r KWK. Problematisch ist dabei vor allem der zus&auml;tzliche Energieaufwand, der f&uuml;r die CO2-Abscheidung und &#8211; Speicherung (englisch: Carbon Capture and Storage oder CCS) notwendig ist: Der erwarteten Emissionsminderung durch CCS steht also ein vermehrter Ressourcenverbrauch gegen&uuml;ber. Auch sind die Techniken bei weitem noch nicht ausgereift, geschweige denn wirtschaftlich, und es bleibt hypothetisch, wann sie es sein werden.<\/p>\n<p>Zurzeit sind die ersten Pilot- und Demonstrationsanlagen in Planung oder im Bau. Vattenfall will seine CO2-Emissionen bis 2030 halbieren und baut derzeit an seinem Braunkohle-Standort Spremberg eine kleine (30 MW) Pilotanlage f&uuml;r das so genannte Oxyfuel-Verfahren, bei dem Kohle mit reinem Sauerstoff verbrannt wird. Dadurch ist die Konzentration des CO2 in den Abgasen so hoch, dass es ohne weitere Zwischenstufe direkt verfl&uuml;ssigt und gespeichert werden kann. RWE plant in einer anderen Gr&ouml;&szlig;enordnung (450 MW) und will bis 2014 ein integriertes Kohlevergasungs-Kraftwerk mit CO2-Abtrennung bauen, doch zugleich spricht der Energiekonzern von der &#8222;Technik von &uuml;bermorgen&#8220;. Und tats&auml;chlich &#8211; wenn &uuml;berhaupt, dann d&uuml;rften die Technologien fr&uuml;hestens ab 2020 verf&uuml;gbar sein, und ob die Speicherung in alten Erd&ouml;l- und Erdgasfeldern oder anderen geeigneten Gesteinsformationen geologisch und &ouml;kologisch vertretbar ist, muss l&auml;ngst noch erforscht werden. CCS ist eine m&ouml;gliche Option, aber keineswegs eine zuverl&auml;ssige oder belastbare Perspektive f&uuml;r eine nachhaltige Elektrizit&auml;tsversorgung, ganz anders als zum Beispiel die erneuerbaren Energien. Deshalb ist es wichtig, wenn die Option weiter erforscht wird, ohne dass damit zugleich andere Optionen ausgeschlossen werden.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"renaissance-der-kernkraft\">Renaissance der Kernkraft?<\/span><\/h2>\n<p>Klimaschutz durch mehr Kernkraft &#8211; auch dies ist eine Dimension der Debatte, wenn auch mit wechselnder Konjunktur. Eine Laufzeitverl&auml;ngerung, so die Argumente der Energiewirtschaft, br&auml;chte einen doppelten Vorteil &#8211; einerseits f&uuml;r das Klima, da Kernkraftwerke fast emissionsfrei Strom erzeugen, und andererseits f&uuml;r die Energiekosten, die ansonsten deutlich h&ouml;her l&auml;gen. Weltweit gebe es eine Renaissance der Kernenergie, neue Kernkraftwerke werden geplant und gebaut, und ohne Kernenergie sei der Klimawandel nicht aufzuhalten.<\/p>\n<p>Das Gegenteil ist jedoch h&ouml;chstwahrscheinlich der Fall: Ende 2006 waren weltweit 210 Kernkraftwerke mit 435 Reaktorbl&ouml;cken am Netz. Sie produzierten etwa 17 Prozent des weltweiten Strombedarfs. Um den Anteil der Kernenergie bei einer weltweit steigenden Stromnachfrage auch nur aufrecht zu erhalten, m&uuml;ssten in den n&auml;chsten drei Jahrzehnten weltweit 400 Reaktoren hinzugebaut werden, geplant sind bislang aber lediglich 23 &#8211; und das mit gutem Grund, denn die Investitionssummen und das f&uuml;r Bau und Betrieb notwendige Know-how sind enorm, die &ouml;konomischen und &ouml;kologischen Risiken erheblich und das atomare Abfallproblem weltweit ungel&ouml;st (5)&#8220;Kernkraft ist nicht die L&ouml;sung&#8220;, sagt sogar Wulf Bernotat, der Vorstandsvorsitzende von E.ON, dem gr&ouml;&szlig;ten deutschen Gas- und Stromkonzern, der 52 Prozent seines Stroms in Kernkraftwerken erzeugt.(6)<\/p>\n<p>Die wahren Beweggr&uuml;nde der deutschen Energiewirtschaft liegen nicht im Klimaschutz, sondern in den Zusatzerl&ouml;sen, die mit den weitgehend abgeschriebenen Kernkraftwerken erzielt werden k&ouml;nnen. Sie produzieren ihren Strom mit vergleichsweise geringen variablen Kosten, verkaufen ihn jedoch zu Preisen, die sich am Trend der Stromb&ouml;rsen orientieren. Dort aber wird der Preis durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Ausschlaggebend ist der (kostendeckende) Angebotspreis f&uuml;r die letzte, noch zur Deckung der Stromnachfrage erforderlichen Kilowattstunde. Im Normalfall stammt diese marktpreisbestimmende Stromeinheit aus einem teureren, mit fossilen Energietr&auml;gern befeuerten Mittellastkraftwerk, das deshalb eher am oberen Ende der so genannten Merit Order oder Reihenfolge des Abrufs von Stromangeboten platziert ist. Die Kernkraftwerke, die eher am Anfang der Merit Order stehen, k&ouml;nnen die Differenz als Extragewinn einstreichen. Und genau diese Mittellastkraftwerke sind es, die als Ersatz f&uuml;r die Kernenergie geplant werden. Geringere Energiepreise und damit &#8222;gesellschaftliche Energiekosten&#8220; sind also nicht per se zu erwarten, wenn die Kernkraft l&auml;nger l&auml;uft.<\/p>\n<p>Allerdings l&auml;sst sich nicht bestreiten, dass Kernkraft mit geringeren CO2-Emissionen verbunden ist als selbst das hocheffizienteste erdgasbetriebene Kraftwerk. Ohne Kernenergie sind deshalb &#8211; siehe n&auml;chster Abschnitt &#8211; h&ouml;here Preise f&uuml;r CO2-Emissionsrechte zu erwarten, und damit auch h&ouml;here Strompreise. Interessanterweise hat jedoch Frau Merkel die Kernkraft beim letzten Energiegipfel explizit ausgeklammert. Und sp&auml;testens nach dem Technik- und Kommunikationsdesaster von Brunsb&uuml;ttel und Kr&uuml;mmel, den Hamburger Kernkraftwerken von Vattenfall, hat die Kernkraft noch einmal erheblich an Salonf&auml;higkeit verloren &#8211; zu recht, wenn die &ouml;kologischen und gesellschaftlichen Langzeitfolgen und -kosten des atomaren Abfalls bedacht werden.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"emissionshandel-das-grosse-geschaeft\">Emissi&shy;ons&shy;handel &ndash; das gro&szlig;e Gesch&auml;ft<\/span><\/h2>\n<p>Doch auch der Emissionshandel ist f&uuml;r die Energieversorger eine attraktive Quelle f&uuml;r Zusatzgewinne. Zwar erhalten sie die Zertifikate bislang kostenfrei, und dies in etwa in H&ouml;he der ben&ouml;tigten Mengen, denn in der ersten Phase des Emissionshandels (2005-2007) wurde vorsichtshalber gro&szlig;z&uuml;gig gerechnet und nur eine geringe Emissionsminderung vereinbart. Dennoch stellt sich, wie der &Ouml;konom wei&szlig;, an jedem Tag die Frage, ob die Zertifikate genutzt (also entwertet) werden &#8211; oder lieber verkauft. Obwohl also de facto keine oder kaum zus&auml;tzliche Zertifikate notwendig sind, bieten die Energieversorger ihre Emissionsrechte an der B&ouml;rse an.<\/p>\n<p>Die kostenlos ausgeteilten Rechte bekommen auf diese Weise einen Wert &#8211; und dieser Wert wird als so genannte Opportunit&auml;tskosten auf die Strompreise umgelegt. Emissionsminderungen gab es zwar so gut wie keine, aber teuer bezahlt wurde der Emissionshandel &#8211; von den Stromkunden. Bei einem b&ouml;rsennotierten Zertifikatspreis von 20 Euro und fast 500 Millionen verteilter Zertifikate sind dies 10 Milliarden Euro &#8211; eine attraktive Einnahmequelle.<\/p>\n<p>Zwar sollen in der anstehenden zweiten Handelsperiode (2008-2012) weniger Rechte ausgeteilt und etwa 10 Prozent zudem versteigert werden. Die restlichen 90 Prozent des Werts landen aber erneut in den Bilanzen der Konzerne. Auch hier entsteht ein perverser Effekt, denn f&uuml;r klimafreundliche Gaskraftwerke gibt es eine geringere Zertifikatsausstattung &#8211; also auch geringere Zusatzeinnahmen &#8211; als f&uuml;r Kohlekraftwerke.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"marktbeherrschende-konzerne-statt-wettbewerb\">Markt&shy;be&shy;herr&shy;schende Konzerne statt Wettbewerb<\/span><\/h2>\n<p>Fehlkonstruktionen wie diese sind auch dem politischen Verhandlungsprozess geschuldet und zeigen zugleich die Markt- und Verhandlungsmacht der gro&szlig;en Energieversorger auf, die in die Verfassung von Energiegesetzen traditionell einbezogen werden. Die vier gro&szlig;en Stromkonzerne RWE, E.ON, EnBW und Vattenfall beherrschen faktisch den deutschen Elektrizit&auml;tsmarkt (b&ouml;se Zungen sprechen gar von den &#8222;vier Besatzungszonen&#8220;). Zusammen haben sie einen Marktanteil von &uuml;ber 80 Prozent der Erzeugungskapazit&auml;ten und bilden damit ein enges Oligopol, mit dem Ergebnis eines unzureichenden Wettbewerbs. Einige Studien zeigen, dass die Preise am deutschen Gro&szlig;handelsmarkt, der Stromb&ouml;rse EEX in Leipzig, &uuml;berwiegend oberhalb der (wohlfahrtsoptimalen) Grenzkostenpreise liegen, die sich im Wettbewerb ergeben w&uuml;rden.(7)<\/p>\n<p>Zur Vormacht der Gro&szlig;en tragen aber auch die Energieverbraucher durch ihr tr&auml;ges Verhalten ihr Qu&auml;ntchen bei &#8211; nur etwa 5 Prozent der privaten Kunden wechselte seit der Liberalisierung des Strommarkts im April 1998 den Versorger, obwohl das zumeist reibungslos und ohne jegliche Versorgungsunterbrechung funktioniert. Etwas mehr Wechseldynamik kam erst in diesem Sommer 2007 in den Markt, als die Strompreise von der bisherigen Preisaufsicht befreit und es dem &#8222;freien Wettbewerb&#8220; anheim gestellt wird, die Strompreise zu bilden &#8211; mit dem Ergebnis, dass faktisch alle Energieversorger ihre Tarife im Sommer anhoben. Im ersten Halbjahr 2007 wechselte nach Angaben der Bundesnetzagentur bereits eine (weitere) halbe Million privater Haushalte den Anbieter. Das stimmt etwas optimistischer, ist aber immer noch sehr wenig. F&uuml;r einen funktionierenden Wettbewerb muss noch einiges geschehen, denn die Anreize f&uuml;r einen Wechsel sind gering: die Haushalte sparen oft wenig mehr als ein paar Dutzend Euro im Jahr. Um mehr Wettbewerb zu erhalten, m&uuml;ssen mehr Energieanbieter in den Markt kommen. Daf&uuml;r jedoch m&uuml;ssen die Strukturen auf Seiten der Erzeugung und Verteilung von Elektrizit&auml;t ver&auml;ndert werden. Die entscheidenden Stromnetze sind hierzulande im Besitz der genannten vier gro&szlig;en Konzerne, und neue Energieanbieter m&uuml;ssen deren Netze nutzen &#8211; und daf&uuml;r nat&uuml;rlich auch bezahlen. Organisatorisch sind die Konzerne zwar seit einiger Zeit dazu verpflichtet, die Unternehmenssparten Erzeugung und Vertrieb getrennt zu betreiben. Faktisch aber sind die Interessen der jeweiligen Konzernt&ouml;chter abgestimmt, der Zugang neuer Wettbewerber zu den Stromnetzen unerw&uuml;nscht und im Ergebnis dann doch wirtschaftlich und administrativ aufw&auml;ndig.<\/p>\n<p>Im Detail unterscheiden sich die gro&szlig;en Versorger in ihren Strategien. E.ON, der gr&ouml;&szlig;te unter ihnen, betreibt 11 Steinkohle- und ein Braunkohlekraftwerk und ist an 12 der 17 deutschen Atomkraftwerke beteiligt. E.ON gr&uuml;ndet aber auch seine eigene Gesellschaft f&uuml;r erneuerbare Energien und will in diesem Marktsegment f&uuml;hrend in Europa sein, geplant sind bis 2010 allein drei Milliarden an Investitionen. F&uuml;r CCS engagiert sich der Konzern bislang nicht. RWE produziert 59 Prozent seines Stroms in f&uuml;nf Braunkohle- und einem Steinkohlekraftwerk und ist an sieben Kernkraftwerken beteiligt. CCS wird &#8211; wie erw&auml;hnt &#8211; als &#8222;Technik von &uuml;bermorgen&#8220; erprobt, zuvor stehen vor allem Wirkungsgradverbesserungen auf der Unternehmensagenda. Vattenfall hat mit 79 Prozent den h&ouml;chsten Anteil an Kohlestrom und vertritt wohl auch deswegen eine aktive Strategie der Emissionsminderung durch CCS. EnBW hat diese Probleme &#8211; weniger als ein Viertel seiner Erzeugung stammt aus fossil betriebenen Kraftwerken &#8211; eher nicht, wohl aber ein Interesse an l&auml;ngeren Laufzeiten der Kernkraftwerke.<\/p>\n<p>Allen vier gro&szlig;en Konzernen gemein ist das Interesse am Erhalt von zentralen Erzeugungsstrukturen und damit ein weitgehendes Desinteresse am Erhalt oder gar Ausbau der Kraft-W&auml;rme-Kopplung. Die setzt n&auml;mlich auf dezentrale, verbrauchsnahe Strukturen, da der Absatz der erzeugten W&auml;rme gew&auml;hrleistet sein muss. &Auml;hnlich die Biomasse: Hier sind heute kleine bis mittelgro&szlig;e Kraftwerksanlagen verf&uuml;gbar, die zumeist in kleinen, l&auml;ndlichen Kommunen zum Einsatz kommen.<\/p>\n<p>Die Frage der Vereinbarkeit zentraler und dezentraler Versorgungsstrukturen mit einer nachhaltigen Transformation des Elektrizit&auml;tssystem ist zwar kaum eindeutig zu beantworten, ein Mix wird immer erforderlich sein. Klar ist aber, dass die Betreiber gro&szlig;er, zentraler Grund- und Mittellastkraftwerke wenig Interesse daran haben, Konkurrenz von dezentralen Anlagen zu bekommen, die die Auslastung ihrer eigenen Kraftwerksblocks mindern.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"klimaschutz-braucht-innovationen\">Klimaschutz braucht Innova&shy;ti&shy;onen<\/span><\/h2>\n<p>Wichtiger Motor einer Zukunftsstrategie hin zu einem nachhaltigeren Elektrizit&auml;tssystem sind Innovationen. Aber eine erfolgreiche Innovation ist mehr als neue Technologie: Sie erfordert Anpassungen im Denken, in den Netz- und Versorgungsstrukturen, im Verhalten &#8211; und die passende politische Flankierung. So braucht die dezentrale Erzeugung mit Wind, Sonne, Biomasse oder kleinen, Strom und W&auml;rme erzeugenden Heizungen (Mini-KWK) die neuen, cleveren Methoden der Lastregulierung, geeignete einfache Regeln und Nutzungsprofile f&uuml;r den Netzanschluss, aber auch die Diskussion, wer den erforderlichen Netzaus- oder -umbau finanzieren soll.<\/p>\n<p>Erneuerbare Energien und die Brennstoffzelle sind zweifellos wichtige S&auml;ulen einer nachhaltigen Energieversorgung. Aber sie brauchen teilweise Zeit, um ihre technisch-wirtschaftliche Marktreife zu erreichen. Die k&ouml;nnte gewonnen werden, wenn in kurzer und mittlerer Frist verst&auml;rkt auf Energieeffizienz gesetzt w&uuml;rde. Und die wirtschaftlichen Potentiale der effizienteren Energienutzung sind enorm. Der Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie ZVEI beispielsweise, der 2006 die Initiative &#8222;Energie-Effizienz ist unsere Sache&#8220; gr&uuml;ndete, rechnete aus, dass bei Beleuchtung, K&uuml;hl- und Gefrierger&auml;ten und elektrischen Antrieben j&auml;hrlich mehr als 40 Milliarden Kilowattstunden gespart werden k&ouml;nnten &#8211; ungef&auml;hr soviel wie das Bundesland Hessen an Strom verbraucht. Doch die Realisierung eines solch offensichtlichen, aber enorm kleinteilig verteilten Klimaschutzpotentials ist eine komplexe Angelegenheit, denn selbst wenn es sich f&uuml;r sie rechnet, sind die privaten Haushalte tr&auml;ge. Sie treffen ihre Entscheidungen f&uuml;r den Kauf von Ger&auml;ten und deren Betrieb nur selten unter energiebezogenen Kriterien. Die j&auml;hrliche Stromrechnung ist kein wirklicher Anreiz, um sich &uuml;ber Stromsparm&ouml;glichkeiten Gedanken zu machen, denn sie gibt keine Informationen dar&uuml;ber, wo der Verbrauch entsteht. Wie viel Energieeinsparung bringt es, den Stecker des Fernsehers zu ziehen, um das Standby-L&auml;mpchen auszuschalten? Was bringt eine Energiesparlampe? Der Durchschnittsb&uuml;rger hat dar&uuml;ber keine Informationen, und es interessiert ihn daher auch nicht wirklich. Deshalb werden in diversen L&auml;ndern und Projekten informativere Stromrechnungen entwickelt, die bessere Entscheidungen erlauben.<\/p>\n<p>Um technische und gesellschaftliche Innovationen zu entwickeln, ist es also nicht damit getan, mehr Geld in die Forschung zu pumpen oder einzelne Technologien wie Brennstoffzellen, CCS oder Offshore-Wind zu f&ouml;rdern. Innovationen brauchen ein Klima der Kreativit&auml;t, in dem sich unterschiedlichste Ideen entwickeln und wetteifern k&ouml;nnen. Zu gro&szlig; ist sonst die Gefahr, dass sich die Technologie der Wahl als Sackgasse entpuppt und keine Alternative bereit steht. Innovationsf&ouml;rderung in diesem Sinne hei&szlig;t zum einen: Unterst&uuml;tzung technologischer, geographischer oder sozialer Nischen, in denen Neues entsteht &#8211; wie es die Bundesregierung mit ihren Modellprojekten zum Teil schon tut. Ebenfalls hilfreich k&ouml;nnen interdisziplin&auml;re Szenarien sein, die unterschiedliche m&ouml;gliche Pfade entwerfen. Sie zeigen vorhandenen Handlungsspielraum auf, machen aber auch die langfristigen Folgen einmal getroffener Festlegungen deutlich. Partizipativ entwickelt und auf Perspektiven von 20 und mehr Jahren angelegt, k&ouml;nnten sie dem Widerstand gegen ein Umsteuern den Wind aus den Segeln nehmen.<\/p>\n<p>Klimaschutz ist eine Frage der richtigen Anreize. F&uuml;r die Energieversorgung sind die bislang wenig konsequent gesetzt worden. Die erneuerbaren Energien profitieren zu Recht von einer gro&szlig;er Akzeptanz und entsprechender politischer Unterst&uuml;tzung bei ihrer Entwicklung und Markteinf&uuml;hrung. Sie werden langfristig die wesentliche S&auml;ule der Energieversorgung sein m&uuml;ssen, bleiben aber mittelfristig (mit Ausnahme der Windkraft) eine eher marginale Quelle zus&auml;tzlichen Klimaschutzes. Die wirklich gro&szlig;en mittelfristigen Potentiale liegen im Brennstoffwechsel hin zu Erdgas und in der Kraft-W&auml;rme-Kopplung. Doch hier sind die Anreize eher gering bis fehlleitend, und die Motivation der Energieversorger entsprechend zu niedrig, einen aktiven und innovativen Klimaschutz zu betreiben. Nachhaltigkeit und Klimaschutz brauchen deshalb dringend einen Regulierungsrahmen, der allen Zukunftstechniken angemessene Chancen gibt. Die Analysen und Szenarien von wissenschaftlichen Instituten zeigen, dass ambitionierter Klimaschutz auch m&ouml;glich ist, ohne dass die Wirtschaft zusammenbricht. Zuletzt zeigte auch der britische Regierungsberater Nicholas Stern im so genannten Stern Report, dass sich das ambitionierte Ziel eines Anstiegs der durchschnittlichen globalen Temperatur um maximal 2&deg;C zu sehr moderaten Kosten erreichen l&auml;sst &#8211; weniger als ein Prozent des globalen Wirtschaftswachstums w&uuml;rde daf&uuml;r eingeb&uuml;&szlig;t.<\/p>\n<p>(1) &#8222;Energie der Zukunft: sicher, bezahlbar, umweltfreundlich&#8220;,<a href=\"http:\/\/www.bundesregierung.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.bundesregierung.de<\/a>.<\/p>\n<p>(2) So formuliert in der Zeitschrift &#8222;Umwelt&#8220;, hrsg. vom Bundesministerium f&uuml;r Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Ausgabe 6\/2007, S. 338.<\/p>\n<p>(3) &#8222;Eckpunkte f&uuml;r ein integriertes Energie- und Klimaprogramm&#8220;, verf&uuml;gbar unter <a href=\"http:\/\/www.bmu.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.bmu.de<\/a> \/files\/pdfs\/allgemein\/application\/pdf\/klimapaket_aug2007.pdf.<\/p>\n<p>(4) The Economist, &#8222;A special report on business and climate change&#8220;, 2 June 2007, S. 4.<\/p>\n<p>(5) Weitere Argumente in Edenhofer, Ottmar; Flachsland, Christian; Bruckner, Thomas (2007), &#8222;Nachtrag: Deutschlands Beitrag zur L&ouml;sung des Weltklimaproblems &#8211; was l&auml;sst sich erreichen?&#8220;, in Ifo-Schnelldienst 10\/2007, S. 22-26.<\/p>\n<p>(6) Interview mit Wulf Bernotat in der S&uuml;ddeutschen Zeitung, 20. Juli 2007, S. 19.<\/p>\n<p>(7) Hirschhausen, Christian von; Weigt, Hannes; Zachmann, Georg (2007): &#8222;Preisbildung und Marktmacht auf den Elektrizit&auml;tsm&auml;rkten in Deutschland&#8220;, Electricity Markets Working Papers WP-EM-1, TU Dresden.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[1968],"publikationen":[1223],"class_list":["post-11091","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-barbara-praetorius","publikationen-3-2007"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Energieinnovation braucht klare Anreize - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/3-2007\/publikation\/energieinnovation-braucht-klare-anreize\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Energieinnovation braucht klare Anreize - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Klimaschutzpolitikrechnet sich f&uuml;r Energieversorger-doch die Umweltwirkung bleibt bislang begrenzt aus : vorg&auml;nge Heft 3\/2007, S.92-101 Die Ziele sind ambitioniert: Bis zum Jahre 2020 m&ouml;chte die deutsche Bundesregierung die energiebedingten Emissionen des klimasch&auml;dlichen Kohlendioxid (CO2) um 40 Prozent gegen&uuml;ber 1990 senken. 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