{"id":11354,"date":"2010-12-01T19:00:00","date_gmt":"2010-12-01T18:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/abgeordnetenwatchde\/"},"modified":"2021-08-30T15:40:56","modified_gmt":"2021-08-30T13:40:56","slug":"abgeordnetenwatchde","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/192-vorgaenge\/publikation\/abgeordnetenwatchde\/","title":{"rendered":"abgeordnetenwatch.de"},"content":{"rendered":"<p>Die St&auml;rkung der repr&auml;sentativen Demokratie durch das Internet<\/p>\n<p>aus: Vorg&auml;nge 192 ( Heft 4\/2010), S.75-84<\/p>\n<p>Ausgehend von dieser Idee schufen die Gr&uuml;nder des Projekts die Internetplattform <a href=\"http:\/\/www.abgeordnetenwatch,de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.abgeordnetenwatch,de<\/a>, die &ouml;ffentliche B&uuml;rgerfragen an Abgeordnete erm&ouml;glicht und das Abstimmungsverhalten der Abgeordneten dokumentiert. Diese Initiative kommt aus der Zivilgesellschaft, ist &uuml;berparteilich, unabh&auml;ngig und hat mit den Parlamenten und ihren Internetbem&uuml;hungen (z. B. <a href=\"http:\/\/www.bundestag.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.bundestag.de<\/a>) nichts zu tun. Im Kern geht es darum, Zugang zu Abgeordneten (in Wahlzeiten auch zu Kandidaten) zu organisieren und den B&uuml;rger (bzw, die B&uuml;rgerin) zu ermutigen, Parlamentariern Fragen zu ihrer Arbeit zu stellen. Da die meisten B&uuml;rger nicht einmal wissen, wer ihr Abgeordneter ist, wurden Suchfunktionen eingebaut. Au&szlig;erdem ist jeder Parlamentarier mit einer eigenen Profilseite vertreten, auf der Standarddaten zu seiner T&auml;tigkeit, seinem Abstimmungsverhalten und teilweise seinen Nebeneink&uuml;nften aufgef&uuml;hrt sind. Da auch alle Fragen und Antworten dokumentiert werden, entsteht ein Archiv mit inzwischen &uuml;ber 100.000 Eintr&auml;gen, das zu einer Art &#8222;W&auml;hlerged&auml;chtnis&#8221;, wird (abgeordnetenwatch.de 2010: 11).<\/p>\n<h5><span id=\"entstehung\">Entstehung<\/span><\/h5>\n<p>Die Anf&auml;nge liegen im Jahr 2004, als abgeordnetenwatch.de aus einer ehrenamtlichen Initiative der beiden Begr&uuml;nder, dem Politologen Gregor Hackmack und dem Informatiker Boris Hekele, entstand. Ausl&ouml;ser war die Einf&uuml;hrung eines stark personalisierten Verh&auml;ltniswahlrechts in der Hansestadt als Folge eines Volksentscheids. F&uuml;r den wahlinteressierten B&uuml;rger f&uuml;hrte das zu dem Problem, dass er die nun zahlreicher antreten-den Kandidaten auf den Listen nicht kannte. Die Gr&uuml;nder von abgeordnetenwatch.de wollten mit Hilfe des Internets eine Br&uuml;cke zwischen W&auml;hler und Kandidaten schlagen. Die seinerzeitigen &Auml;nderungen des Wahlrechts (sp&auml;ter von der CDU zur&uuml;ckgenommen) gingen auf Aktionen des &uuml;berparteilichen und gemeinn&uuml;tzigen Vereins Mehr Demokratie e. V zur&uuml;ck, der sich f&uuml;r zus&auml;tzliche Elemente von direkter Demokratie einsetzt. Bis heute bestehen personelle und organisatorische Querverbindungen zu diesem Verein (<a href=\"http:\/\/www.mehr-demokratie.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.mehr-demokratie.de<\/a>).<\/p>\n<p>Als Vorbild f&uuml;r ihre Initiative geben die Gr&uuml;nder das Projekt Votesmart aus den USA (<a href=\"http:\/\/www.votesmart.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.votesmart.org<\/a>) an, gehen mit ihrer Webseite jedoch einen entscheidenden Schritt weiter (vgl. Wilhelm, 2009: 48). Webseiten wie Votesmart bieten den B&uuml;rgern in erste Linie so genannte Scorecards, d.h. sie beschr&auml;nken sich &#8211; auch bedingt durch das politische System &#8211; darauf, das Abstimmungsverhalten der Abgeordneten zu dokumentieren. Scorecards sind in den USA sehr verbreitet und werden von vielen, auch Single-Issue-Organisationen genutzt, um B&uuml;rger zu mobilisieren, ihren Abgeordneten zu schreiben (vgl. Voss 2006: 71).<\/p>\n<h5><span id=\"zum-angebot-von-abgeordnetenwatchde\">Zum Angebot von abgeord&shy;ne&shy;ten&shy;watch.de<\/span><\/h5>\n<p>Im Gegensatz zu den international verf&uuml;gbaren Vorbildern steht im Mittelpunkt von bei abgeordnetenwatch.de, was die Initiatoren Dialog nennen. Dem B&uuml;rger wird die M&ouml;glichkeit er&ouml;ffnet, individuelle Fragen an seinen (oder jeden anderen) Abgeordneten zu stellen, der Angesprochene kann, muss aber nicht antworten. Ein zentrales Moment ist die &Ouml;ffentlichkeit, die Interaktion, jeder Au&szlig;enstehende kann Fragen und Antworten einsehen. Da alle Vorg&auml;nge archiviert werden, entsteht ein schnell anwachsender Fundus politischer Stellungnahmen.<\/p>\n<p>Begann abgeordnetenwatch.de in Hamburg, so werden inzwischen auch der Bundestag, das Europ&auml;ische Parlament und die Landtage von Bayern, Baden-W&uuml;rttemberg und Nordrhein-Westfalen versorgt. Weitere Landtage kommen kontinuierlich hinzu, so-bald die Finanzierung &uuml;ber F&ouml;rderer und Spenden gesichert ist.<\/p>\n<p>Der Einstieg geschieht &uuml;blicherweise w&auml;hrend eines Wahlkampfs, in dem alle angetretenen Kandidaten vorgestellt werden. Zur Vorbereitung nimmt abgeordnetenwatch.de in der Vorwahlphase Kontakt zum Landeswahlleiter und zu den Wahlkampfmanagern der Parteien auf und stellt dann Basisdaten zu allen Kandidaten ins Netz. Profilerweiterungen, z. B. ein Bild oder weitere Informationen, werden gegen eine &uuml;ber-schaubare Bezahlung erm&ouml;glicht. Nach der Wahl vermittelt abgeordnetenwatch.de den Kontakt zu den gew&auml;hlten Volksvertretern. In den Jahren 2009 und 2010 wurde der Dienst bei der Bundestagswahl und bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Brandenburg, Th&uuml;ringen, Sachsen und im Saarland aktiv.<\/p>\n<h5><span id=\"zur-logik-von-abgeordnetenwatchde\">Zur Logik von abgeord&shy;ne&shy;ten&shy;watch.de<\/span><\/h5>\n<p>abgeordnetenwatch.de folgt der Logik von Web 2.0-Angeboten, bei denen von Dritten (hier abgeordnetenwatch.de) Plattformen als Rahmen angeboten werden, w&auml;hrend der allergr&ouml;&szlig;te Teil des Inhalts von den Nutzern (hier B&uuml;rgern und Abgeordneten) als user generated content eingestellt wird. Wie bei den gro&szlig;en Vorbildern Facebook oder Youtube f&uuml;llen sie die Datenspeicher mit von Nutzern erstelltem Material, gleichwohl bleibt die Verwaltung und Regelsetzung der st&auml;ndig anwachsenden Datenbest&auml;nde bei abgeordnetenwatch.de. Die Arbeit der Plattform wird moderiert, d. h. ein Team von freien Mitarbeitern, das so genannte Moderatoren-Team, pr&uuml;ft die einkommenden Fragen und stellt sie innerhalb von maximal 24 Stunden online. Von den Moderatoren werden sie auf der Grundlage des Moderations-Kodex von abgeordnetenwatch.de gepr&uuml;ft. Die &uuml;ber die Fragen informierten Abgeordneten nehmen sich dann oft erhebliche Zeit, bevor sie antworten.<\/p>\n<p>abgeordnetenwatch.de bietet Hilfen an, die es dem B&uuml;rger besonders einfach machen, Zugang zu seinem Abgeordneten zu bekommen &#8211; u. a, &uuml;ber die Postleitzahl &#8211;, nach dem auf der Begr&uuml;&szlig;ungsseite vermerkten Motto: &#8222;Finden Sie Ihren Ansprechpartner&#8221;. Auf der Website sind erste Informationen &uuml;ber den Mandatstr&auml;ger zu erhalten: insbesondere zum Alter, zur beruflichen Qualifikation, zur aktuellen beruflichen T&auml;tigkeit, Wohnort, vertretenem Wahllcreis, Listenplatz. Darauf wird auf weitere Profile verlinkt, wie sie auf der Website des Parlaments hinterlegt sind. Ebenso kann man feststellen, in welchem Ausschuss der Parlamentarier mitarbeitet (und mutma&szlig;lich kompetent ist) und es werden Stimmabgaben aus wichtigen namentlichen Abstimmungen dokumentiert. Dies stellt so etwas wie einen Basisservice dar.<\/p>\n<p>Wenn das Parlament weitere Daten zur Verf&uuml;gung stellt, werden auch zus&auml;tzliche Angaben eingebaut, beim Bundestag sind dies Redebeitr&auml;ge im Videomitschnitt sowie Informationen &uuml;ber entgeltliche Nebent&auml;tigkeit sowie Funktionen der Abgeordneten in Vereinen, Verb&auml;nden und Stiftungen. All diese Informationen sind auch &uuml;ber andere Wege zu erhalten, werden hier aber besonders leicht zug&auml;nglich und einheitlich pr&auml;sentiert. Auf den Seiten f&uuml;r das EU-Parlament werden zus&auml;tzlich die (recht komplizierten) Aspekte Wahlrecht und Gesetzgebung erkl&auml;rt.<\/p>\n<h5><span id=\"weitere-leistungen\">Weitere Leistungen<\/span><\/h5>\n<p>Seit einiger Zeit bietet der abgeordnetenwatch.de-Blog (<a href=\"http:\/\/blog.abgeordnetenwatch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/blog.abgeordnetenwatch<\/a>. .de\/) begleitende Nachrichten und Kommentierungen, die von einem Team des Hauses erstellt werden. Es geht nach eigener Darstellung um eine &#8222;erg&auml;nzende Dislcussionsplattform&#8221;, In dem Blog stehen neben Berichten &uuml;ber das Projekt selbst auch allgemeinere Artikel zu Themen wie Transparenz, B&uuml;rgern&auml;he und Demokratie. W&auml;hrend die Blogbeitr&auml;ge in der Regel von Mitgliedern des abgeordnetenwatch.de-Teams geschrieben werden, k&ouml;nnen die B&uuml;rger sich durch die Kommentarfunktion an der Diskussion beteiligen. Einer der Autoren dieser Zeilen hat darin einen Gastbeitrag zu der Frage geschrieben, was &Uuml;berparteilichkeit im Kontext einer derartigen Organisation eigentlich bedeutet (Kleinsteuber 2010).<\/p>\n<p>&Ouml;ffentliche Aufmerksamkeit und Bekanntheit bekommt abgeordnetenwatch.de neben der eigenen Website zus&auml;tzlich durch Medienpartnerschaften. So hat SPIEGEL ONLINE (<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.spiegel.de<\/a>) abgeordnetenwatch.de in seine Website eingebunden. Nach eigener Darstellung wird die Arbeit geteilt, abgeordnetenwatch.de liefert die Grunddaten, der Spiegel steuert aktuelle Analysen bei. Weitere Medienpartnerschaften bestehen mit t-online.de, sueddeutsche.de und ca. 20 Regionalzeitungsportalen. Jenseits dieser<br \/>Medienpartnerschaften findet abgeordnetenwatch.de immer wieder gro&szlig;e Medienresonanz mit eigenen Vorst&ouml;&szlig;en. Diese und die pr&auml;sentierten Fragen und Antworten sind l&auml;ngst zu einer wichtigen Informationsquelle f&uuml;r Journalisten geworden, welche die Arbeit der Plattform regelm&auml;&szlig;ig verfolgen. Ein besonderes Thema wurde j&uuml;ngst &uuml;ber eine Pressemitteilung angesto&szlig;en: Der Au&szlig;enminister trat bei einem Finanzdienstleister als prominenter Redner auf, der zugleich kr&auml;ftig f&uuml;r seine Partei spendete. Das Medienecho war erheblich, wie sich unter anderem im Pressespiegel der Webseite nachlesen l&auml;sst.<\/p>\n<h5><span id=\"organisation\">Organisation<\/span><\/h5>\n<p>Organisatorisch besteht ahgeordnetenwatch.de aus zwei Einheiten, die beide gemeinn&uuml;tzig arbeiten. Der Verein Parlamentswatch<br \/>e. V. ist der Kern des Vorhabens und verantwortlich f&uuml;r die inhaltliche Arbeit, dazu sammelt und verwaltet er die Spenden und F&ouml;rderbeitr&auml;ge. Die gemeinn&uuml;tzige Firma Parlamentswatch GmbH ist technischer Dienstleister, hat die Internetplattform entwickelt und stellt sie dem Verein zur Verf&uuml;gung. Anders als der Verein kann sie Dienstleistungen kostenpflichtig anbieten, wie etwa Profilerweiterungen f&uuml;r Abgeordnete oder Werbung auf der Webseite. Anteile an der GmbH halten die Gr&uuml;nder Hackmack und Hekele sowie der Finanzier f&uuml;r soziale Projekte, die BonVenture Management GmbH aus M&uuml;nchen. Erzielt die Parlamentswatch GmbH Gewinne, so werden diese nach einem komplizierten Schl&uuml;ssel an den Verein, an Bon Venture und weitere Organisationen ausgezahlt. Zur Gesamtstruktur z&auml;hlen weiter-hin ein Beirat der Parlamentswatch GmbH und ein Kuratorium des Vereins Parlamentswatch e. V.<\/p>\n<p>Im Herbst 2010 waren vier feste &#8211; darunter die Gr&uuml;nder &#8211;, 15 freie und vier ehren-amtliche Mitarbeiter damit besch&auml;ftigt, das schnell angewachsene Arbeitsvolumen zu bew&auml;ltigen. Hackmacics Stelle wurde bis Ende 2010 noch von der internationalen Ashoka Foundation &uuml;bernommen, die ihn als Fellow f&uuml;r drei Jahre finanziert hat. Ashoka versteht sich als &#8222;global association of the world&#8217;s leading social entrepreneurs&#8221; (<a href=\"http:\/\/www.ashoka.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.ashoka.org<\/a>).<\/p>\n<h5><span id=\"kuratorium\">Kuratorium<\/span><\/h5>\n<p>Das Kuratorium wird vom Verein berufen. Seine Aufgabe ist es, eine Empfehlung zu geben, wenn die Moderatoren meinen, dass eine Frage gegen den Kodex versto&szlig;en k&ouml;nnte. Der Kodex f&uuml;r die Moderatoren gibt Vorgaben, wann eine Frage nicht freigeschaltet werden kann. Dies geschieht aus folgenden Gr&uuml;nden (verk&uuml;rzt):<\/p>\n<p>Inhaltlich: Bef&uuml;rwortung von Gewaltherrschaft, Rassismus, Sexismus, politischer oder religi&ouml;se Verfolgung; Beleidigungen oder Beschimpfungen;<\/p>\n<p>Pers&ouml;nlich: Nachfragen zum Privatleben, zu Themen der beruflichen Schweigepflicht;<br \/>Formal: blo&szlig;e Meinungs&auml;u&szlig;erungen und keine Fragen; Massenmails; zu viele oder selbst gestellte Fragen; Fragen unter falschem Namen.<\/p>\n<p>Bitten um Kl&auml;rung werden an alle Kuratoriumsmitglieder gemailt, die dann &#8211; f&uuml;r die jeweils anderen einsehbar &#8211; Einsch&auml;tzungen abgeben. Wann werden Formulierungen als rassistisch eingesch&auml;tzt? Wie geht man mit der Anfrage eines bekannten P&auml;derasten um? Wo beginnt die Privatsph&auml;re? Mitautor Kleinsteuber ist Mitglied des Kuratoriums und kann dazu folgende Erfahrungen vermitteln: Es geht um ca. eine Anfrage pro Monat, meist stellt sich unter den Kuratoren schnell eine einheitliche Meinung her. Mitunter werden auch allgemeine Fragen er&ouml;rtert, etwa, wenn es um eine Pr&auml;zisierung des Kodex geht.<\/p>\n<p>Jenseits aller Formen gilt auch dieses: Gegen&uuml;ber dem recht jungen Moderatoren-Team, das sich in erster Linie aus Studierenden zusammensetzt, wirkt das Kuratorium eher wie ein Honoratioren-Gremium mit erheblicher Lebenserfahrung, darunter ein ehemaliger Richter am Bundesverfassungsgericht, ein prominenter Filmemacher, eine Journalistin, ein Professor, Gewerkschafter etc. Auch hier ist Mehr Demokratie personell beteiligt. Die Zusammenarbeit erweist sich als weitgehend reibungsfrei.<\/p>\n<h5><span id=\"finanzierung-und-transparenz\">Finan&shy;zie&shy;rung und Transparenz<\/span><\/h5>\n<p>Wie die meisten modernen Nichtregierungsorganisationen basiert auch abgeordnetenwatch.de auf einer Mischfinanzierung, die durch die Streuung der Einnahmequellen Abh&auml;ngigkeiten verhindern soll. Eine wichtige Grundlage sind die 966 F&ouml;rderer (Stand Dezember 2010), die im Durchschnitt zwischen 8 und 10 &#8364; im Monat zahlen. Um gesichert &uuml;berleben zu k&ouml;nnen, werden nach Einsch&auml;tzung von Hackmack langfristig etwa 2.000 F&ouml;rderer notwendig sein. Eine weitere Einnahmequelle sind die Profilerweiterungen, die es Politikern erm&ouml;glichen, zus&auml;tzliche Informationen einzustellen, wie beispielweise Bilder: abgeordnetenwatch.de erh&auml;lt daf&uuml;r 175 &#8364; von Kandidaten bei Landtagswahlen und 200 &#8364; von Kandidaten f&uuml;r ein Bundestagsmandat (abgeordnetenwatch.de 2010: 8). Laut Hackmack gilt, dass die Buchungsraten f&uuml;r diesen Zusatz-dienst bundesweit variieren. Ist das Wahlrecht st&auml;rker personalisiert, misst abgeordnetenwatch.de auch eine h&ouml;here Beteiligung. Dies ist etwa f&uuml;r Bundesl&auml;nder wie Hamburg oder Bayern der Fall, wo etwa 25 Prozent der Kandidaten eine Profilerweiterung vor-nehmen. In L&auml;ndern wie Bremen oder das Saarland, in denen Listen im Vordergrund stehen (also der W&auml;hler kaum Einfluss auf die Kandidatenauswahl hat), ist das Interesse viel geringer und liegt bei 5 Prozent.<\/p>\n<p>Der Gesamtumsatz im Jahr 2010 wird ca. 120.000 &#8364; betragen, im Jahr 2008 waren es noch 49.000 &#8364;. Zum Aufbau der Organisation hat BonVenture einen Kredit in H&ouml;he von 256.000 &#8364; zur Verf&uuml;gung gestellt, der nun st&uuml;ckweise zur&uuml;ckgezahlt wird. Nach gegenw&auml;rtigem Stand befindet sich abgeordnetenwatch.de in schnellem Wachstum und schreibt seit Februar 2010 schwarze Zahlen. Bis 2015 soll das Darlehen an BonVenture zur&uuml;ckgef&uuml;hrt worden sein.<\/p>\n<p>Wer von Politiker Transparenz verlangt, muss diese auch selbst erbringen. Tats&auml;chlich k&ouml;nnen &uuml;ber die Website alle wesentlichen Informationen zur Organisation und zur Finanzierung eingesehen werden. Es z&auml;hlt zu den Vorz&uuml;gen von zivilgesellschaftlichen NGOs, dass sie quasi gl&auml;sern arbeiten m&uuml;ssen. Dies erweist sich als notwendig, weil nur so Spender die Sicherheit erhalten, dass mit ihrem Geld verantwortungsvoll umgegangen wird. abgeordnetenwatch.de ist ein gutes Beispiel daf&uuml;r.<\/p>\n<h5><span id=\"abgeordnetenwatchde-im-politischen-alltag\">Abgeord&shy;ne&shy;ten&shy;watch.de im politischen Alltag<\/span><\/h5>\n<p>Insgesamt werden rund 80 Prozent der gestellten Fragen beantwortet (abgeoYdnetenwatch.de 2010: 11). Damit verf&uuml;gt die Organisation bereits heute &uuml;ber eine in wenigen Jahren angeschwollene Datenbank, die dokumentiert, was fragende B&uuml;rger und aktive Politiker denken. Es entsteht so ein politisches Ged&auml;chtnis au&szlig;erhalb offizieller Parlamentsprotokolle. Die Datenbank liefert zudem quantitative Daten, wer wie oft gefragt wurde und ob er oder sie geantwortet hat. Man kann feststellen, dass einige Abgeordnete viel gefragt sind und regelm&auml;&szlig;ig antworten. Andere antworten prinzipiell nicht. Im Sommer 2010 wurden auf der Grundlage eines entsprechenden Rankings Schulnoten von &#8222;eins&#8221; bis &#8222;sechs&#8221; an die Parlamentarier verteilt, auch dies wurde vielf&auml;ltig von den Medien aufgegriffen.<\/p>\n<p>Prominenteste Schweigerin ist (neben dem unten angesprochenen Steinbr&uuml;ck) die Bundeskanzlerin Angela Merkel. Dies mag verwundern, denn sie verf&uuml;gt &uuml;ber Mitarbeiterapparate, die jederzeit in ihrem Namen antworten k&ouml;nnen, etwa das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung. Insgesamt muss man aber akzeptieren, dass jede &Auml;u&szlig;erung der Kanzlerin &#8212; oder anderer Spitzenpolitiker wie auch Minister &#8212; au&szlig;erordentliche Tragweite haben k&ouml;nnen, so dass hier die Zur&uuml;ckhaltung verst&auml;ndlich wird. Schlichte Antworten auf eine individuelle Frage k&ouml;nnten schnell mit der &ouml;ffentlichen Erkl&auml;rung eines ganzen Apparats verwechselt werden.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite stehen einzelne Politiker, die pflichtbewusst jede Frage beantworteten &#8212; bis der Betroffene unter Fragen regelrecht versank und die Kooperation aufk&uuml;ndigte. So geschehen im Fall Dieter Wiefelsp&uuml;tz, SPD, der in der Legislaturperiode 2005&#8212;2009 1545 Anfragen erhielt und 1517 &#8212; wie er betont &#8212; pers&ouml;nlich beantwortete. Er hielt viele der Fragen eher f&uuml;r Meinungs&auml;u&szlig;erungen und reagierte zunehmend &#8222;s&auml;uerlich&#8221;, inzwischen reagiert er deutlich zur&uuml;ckhaltender (Gievert 2008).<br \/>An zwei konkreten F&auml;llen sollen Arbeitsweise und Durchschlagskraft von abgeordnetenwatch.de er&ouml;rtert werden.<\/p>\n<p>Der Fall MdB Carl Eduard von Bismarck: Dem CDU-Abgeordneten wurde 2007 vorgerechnet, dass er selten an Sitzungen des Bundestags teilnimmt und auch sonst durch fehlende Mitarbeit auff&auml;llt. Er wurde als Negativbeispiel vorgestellt und landete damit als Aufmacher in der BILD-Zeitung &#8222;Ist er Deutschlands faulster Abgeordneter? Ausgerechnet der Ur-Ur-Enkel von Bismarck&#8221; (BILD-Titelseite v. 07. 03. 2007). Andere politische Magazine wie das TV-Magazin panorama schlugen in dieselbe Kerbe. Der angegriffene Bundestagsabgeordnete, konfrontiert mit Daten &uuml;ber seine Unt&auml;tigkeit, trat unter dem Druck der eigenen Partei zur&uuml;ck, abgeordnetenwatch.de wirbt mit diesem spektakul&auml;ren Erfolg f&uuml;r eigene Unterst&uuml;tzung.<\/p>\n<p>Der Fall MdB Peer Steinbr&uuml;ck: Im Jahre 2010 wurde der Ex-Finanzminister der Gro&szlig;en Koalition und gegenw&auml;rtige Bundestagsabgeordnete Peer Steinbr&uuml;ck (SPD) kritisiert, weil er einerseits hohe Nebenverdienste auswies, gleichzeitig aber nur selten im Bundestag pr&auml;sent war. In einer diesbez&uuml;glichen Pressemitteilung hei&szlig;t es: &#8222;Honorarvertr&auml;ge statt Bundestagssitzungen &#8212; Nebeneink&uuml;nfte belaufen sich bereits auf mehrere Hunderttausend Euro&#8221; (Pressemitteilung 17. 08. 2010). abgeordnetenwatch.de rechnete im Detail vor: Steinbr&uuml;ck hatte zahlreiche Vortr&auml;ge gehalten, was mit ca. 200.000 &#8364; Honorare ausgewiesen war, dazu kam ein gut dotiertes Aufsichtsratsmandat. Zur Begr&uuml;ndung der Kritik wurde aus dem Abgeordnetengesetz zitiert, das verlangt, die Aus&uuml;bung des Mandats habe &#8222;im Mittelpunkt&#8221; der T&auml;tigkeit zu stehen. Im Herbst 2010 hatte Steinbr&uuml;ck sein viel beachtetes Buch &#8222;Unterm Strich&#8221; geschrieben, das er vielfach &ouml;ffentlich und au&szlig;erhalb Berlins pr&auml;sentierte, u. a. auch, als im Berliner Parlament die Haushaltsdebatte lief &#8212; ein H&ouml;hepunkt parlamentarischer Arbeit. Da w&auml;re eigentlich die Anwesenheit und Kritik des fr&uuml;heren Finanzministers selbstverst&auml;ndlich gewesen. Steinbr&uuml;ck suchte erfolgreich Aufmerksamkeit au&szlig;erhalb des Parlaments und wurde in den Medien als m&ouml;glicher Kanzlerkandidat der SPD gehandelt. Die &uuml;beraus berechtigte Kritik von abgeordnetenwatch.de taucht in der umf&auml;nglichen Berichterstattung nicht oder nur am Rande auf, sie schadete Steinbr&uuml;ck offensichtlich nicht und zeigte keine Folgen.<\/p>\n<h5><span id=\"kritik\">Kritik<\/span><\/h5>\n<p>Bisher ist die Faszination &uuml;ber den schnellen Erfolg von abgeordnetenwatch.de gro&szlig; und die Kritik gering &#8212; selbst auf Seiten der von ihr kritisierten Politiker. Allerdings findet sich eine aktuelle Auseinandersetzung unter <a href=\"http:\/\/www.polkomm\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.polkomm<\/a> ohne Autorenangabe (o. Autor 2010). Dort steht im Mittelpunkt das Argument, dass der Dienst Politiker unter Druck setze. Die Betroffenen haben zu antworten, sonst werden sie &ouml;ffentlich angeprangert, damit werden sie vom eigentlichen Gesch&auml;ft abgehalten. Das mag f&uuml;r einzelne Spitzenpolitiker so zutreffen, generell ist es nicht gerechtfertigt.<\/p>\n<p>Tats&auml;chlich ist abgeordnetenwatch.de nicht die Plattform f&uuml;r die gro&szlig;e Politik und die ganz gro&szlig;en Linien &#8212; dies wird die Dom&auml;ne der traditionellen Medien bleiben. Vielmehr ist es vor allem die B&uuml;hne der Hinterb&auml;nkler, der Parlamentarier, die kaum im Scheinwerferlicht stehen und Probleme haben, in der &Ouml;ffentlichkeit zur Kenntnis genommen zu werden. Sie sind in hohem Ma&szlig;e bereit, auf Anfragen differenziert zu antworten und wirklich substanzielle Ausk&uuml;nfte zu geben. Dazu passt, dass insbesondere die Lokalpresse Interesse an Antworten zeigt &#8212; oder auch daran, dass abgeordnetenwatch.de kritisiert, wenn Antworten verweigert werden. abgeordnetenwatch.de und die Hinterbank gehen so ein faktisches B&uuml;ndnis ein &#8212; durchaus parallel zu der oft mit dem Internet assoziierten Einsicht, dass es dem empowerment, der St&auml;rkung des Individuums dient, dem keine anderen Artikulationsm&ouml;glichkeiten zur Verf&uuml;gung stehen. Dies gilt f&uuml;r den fragenden Durchschnittsb&uuml;rger ebenso wie f&uuml;r den antwortenden Durchschnittsabgeordneten.<\/p>\n<p>Ein wiederkehrender Kritikpunkt gegen&uuml;ber abgeordnetenwatch.de ist, dass Stellungnahmen von Politikern eingefordert werden, die dann durch die Archivierung f&uuml;r immer auf bestimmte Aussagen festgelegt werden. Dies verenge ihre Verhandlungsm&ouml;glichkeiten. Tats&auml;chlich kann praktische Politik nicht &uuml;ber Prinzipien allein gelingen,ohne Interessenaggregation und Aushandlung. Bis zum Kompromiss sind keine Entscheidungen m&ouml;glich. Von einem Abgeordneten wird einerseits erwartet, sich mit den Belangen seines Wahlkreises und seiner Klientel zu identifizieren, zum anderen muss er &uuml;bergreifend mit Partei und Fraktion operieren. Das wird immer wieder zu Konflikten f&uuml;hren. Eine Kommunikationsplattform wie abgeordnetenwatch.de kann hier Lernprozesse unterst&uuml;tzen: Der W&auml;hler muss lernen, dass er nicht allen Verhei&szlig;ungen trauen darf, der Politiker sollte sich &uuml;berlegen, ob er leichtfertige Versprechungen abgibt. Schlie&szlig;lich eignet sich abgeordnetenwatch.de auch daf&uuml;r, den Parlamentarier zu befragen, warum er seine Position ge&auml;ndert hat.<\/p>\n<p>Der Politikwissenschaftler Hartwig Pautz sieht in einem der ganz wenigen wissenschaftlichen Aufs&auml;tze zum Thema Deutschlands repr&auml;sentative Demokratie in der Krise. Seiner Einsch&auml;tzung nach erm&ouml;glicht abgeordnetenwatch.de, &#8222;to re-establish the supposedly broken link between representatives and represented&#8221; (Pautz 2010: 169). Allerdings wirft er dem Dienst auch Technikdeterminismus vor, er unterminiere Grundlagen der Parteiendemokratie und l&ouml;se Versprechungen der deliberativen Demokratie nicht ein. Sicher ist die Beobachtung richtig, dass das Angebot formal begrenzt ist und den Anforderungen von Gro&szlig;theorien der Demokratie nicht standh&auml;lt, nur wird dieser Anspruch von abgeordnetenwatch.de auch nicht erhoben. Dort allerdings, wo der Dienst antritt, erf&uuml;llt es recht verl&auml;sslich und ganz pragmatisch die eine Aufgabe, f&uuml;r Fragen und Antworten zu sorgen.<\/p>\n<p>Eine eigent&uuml;mliche Kritik kam von ganz anderer Seite. Bei den Bremer Landtagswahlen 2007 boykottierte die Landes-SPD abgeordnetenwatch,de. Grund: &#8222;Das Portal gibt ein Forum frei f&uuml;r Rechte&#8221;, sprich Rechtsextreme. &Auml;hnlich k&ouml;nnte es bei den anstehenden Wahlen 2011 laufen. Der Einwand ist nicht nur deshalb schwer nachzuvollziehen, weil die Partei in anderen Bundesl&auml;ndern mitmacht. Die Weigerung wird auch den W&auml;hlern nur schwer vermittelbar sein, zumal die formale Gleichbehandlung aller zur Wahl zugelassener Kandidaten nichts mit Sympathien f&uuml;r Rechtsextremismus zu tun hat (taz Bremen, 10. 12. 2010).<br \/>Zukunft<\/p>\n<p>abgeordnetenwatch.de plant, in absehbarer Zeit in allen deutschen Bundesl&auml;ndern pr&auml;sent zu sein. Es gibt immer wieder die Anfrage, dass der Dienst auch unterhalb der L&auml;nderebene, in den Kreisen und vor allem den St&auml;dten aktiv werden solle. Abgeordnetenwatch.de selbst kann diesen Service nicht erbringen, allerdings arbeitet die Organisation daran, die zugrunde liegende und erfolgreich arbeitende Software so zu modularisieren, dass B&uuml;rgerorganisationen vor Ort die Arbeit &uuml;bernehmen k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Steht Deutschland selten an der Spitze beim Einsatz des Internets zur St&auml;rkung von B&uuml;rgern und Demokratie, so ist abgeordnetenwatch eine r&uuml;hmliche Ausnahme. Es sieht so aus, als w&auml;re das Projekt mit seinen interaktiven M&ouml;glichkeiten weltweit eine ziemlich einzigartige Innovation. Lediglich in Gro&szlig;britannien finden sich vergleichbare Ans&auml;tze mit dem Projekt They work, for you (www,theyworkforyou.com). Hier werden differenzierte Daten zu allen MP eingestellt und es ist m&ouml;glich, eine Nachricht mit der Bitte um Antwort zu schicken, die allerdings nicht &ouml;ffentlich publiziert wird. Interalction und Transparenz sind weniger entwickelt. Das internationale Interesse an abgeordnetenwatch.de ist entsprechend gro&szlig;. In den wenigen Jahren seiner Existenz haben es Initiativen in einigen anderen L&auml;ndern bereits adaptiert. So gibt es in &Ouml;sterreich mit meinparlament.at, in Luxemburg mit politikercheck.lu und in Irland mit candidatewatch.ie Lizenznehmer. Die Parlamentwatch GmbH fungiert dabei als technischer Partner und macht einige Vorgaben f&uuml;r die Arbeit dieser Seiten. Die geteilte Organisation von abgeordnetenwatch.de erleichtert diese Art der Expansion &uuml;ber Grenzen hinweg, da die GmbH auch im fremden Auftrag arbeiten kann. In diesen L&auml;ndern bestehen oft ganz andere Rahmenbedingungen, an die der neue Service angepasst werden muss. Selbst aus den USA und S&uuml;dkorea kommen Anfragen, die auf Interesse schlie&szlig;en lassen.<\/p>\n<p>Abgeordnetenwatch.de sieht sich als Dialog-Plattform. Tats&auml;chlich ist das, was zwischen B&uuml;rger und Politiker abl&auml;uft, aber gerade kein Dialog. Der Dialog ist das Gespr&auml;ch zweier Partner auf gleicher Augenh&ouml;he, abgeordnetenwatch fordert dagegen Rechenschaftslegung von Politikern. Allerdings sollte man dar&uuml;ber nachdenken, die Idee einer Zweiseitigkeit der Kommunikation weiter zu entwickeln. So k&ouml;nnte der Mandats-tr&auml;ger auf Anregung seiner B&uuml;rger bestimmte Politikvorhaben &uuml;bernehmen, interessierte B&uuml;rger einbinden, Projekte diskutieren lassen oder um L&ouml;sungsvorschl&auml;ge bitten. Dann erst w&auml;re der Gedanke des Dialogs umfassend realisiert und abgeordnetenwatch.de h&auml;tte zudem eine Perspektive f&uuml;r die n&auml;chste Entwicklungsphase.<\/p>\n<p>Auch von der britischen Plattform They workfor you lie&szlig;e sich einiges lernen. Sie gibt einen umfassenden &Uuml;berblick &uuml;ber den Voting Record jedes Abgeordneten, dokumentiert seine Ausschuss- und Gesetzgebungsaktivit&auml;ten, seine Auftritte im Parlament etc. Bei vielen dieser Posten gibt es ein Ranking, man erf&auml;hrt also, ob der eigene MP im Vergleich zu allen anderen h&auml;ufig oder selten in Parlamentsdebatten spricht, mit der eigenen Fraktion stimmt, sogar seine rhetorischen Qualit&auml;ten werden bewertet. Die Platt-form sammelt Bitten um Einrichten eines eMail-Service des MP (Hear from your MP) an seine W&auml;hler und informiert Interessenten, wenn ihr Abgeordneter spricht. Und: Die finanziellen Verh&auml;ltnisse werden genau dokumentiert und vergleichend eingeordnet, man erf&auml;hrt also z. B., dass ein Abgeordneter viel f&uuml;r seinen Stab ausgibt, aber nur wenig f&uuml;r Reisen. Wenn man dies sieht, so wird deutlich, wie abgeordnetenwatch sich weiterentwickeln kann.<\/p>\n<h5><span id=\"fazit\">Fazit<\/span><\/h5>\n<p>Weil abgeordnetenwatch.de etwas v&ouml;llig Neues darstellt, konnte es in wenigen Jahren zu einem beachteten und respektierten Faktor im deutschen Parlamentarismus werden. Es fordert Transparenz ein, es veranlasst Abgeordnete, &uuml;ber den hektischen Tag hinaus ihre Handlungen zu erkl&auml;ren und zu rechtfertigen, es fordert Rechenschaft im Namen der B&uuml;rger, die ihn in das Amt hievten, abgeordnetenwatch.de ist einerseits Resultat eines radikalen Verst&auml;ndnisses von Parlamentarismus: Der Abgeordnete hat ein Mandat der B&uuml;rger und damit soll er Politik machen, aber eben auch so, dass er sein Verhalten dem Repr&auml;sentierten zu vermitteln vermag. Dabei wird er zu nichts gezwungen, aber wenn er die Antwort verweigert, dann geht er das Risiko ein, dass man ihm mangelnden Einsatz unterstellt. Obwohl abgeordnetenwatch.de aus der Bewegung Mehr Demokratie geboren wurde, macht das Vorhaben nur Sinn in einer repr&auml;sentativen Demokratie. Wenn B&uuml;rger den Mandatstr&auml;gern die Entscheidung entziehen und mit Mitteln der direkten Demokratie eingreifen, dann hat abgeordnetenwatch.de keine Funktion mehr. Der Dienst ist also trotz der Radikalit&auml;t, mit welcher der Abgeordnete zur Rechenschaft gezogen wird, ein Instrument der St&auml;rkung repr&auml;sentativer Demokratie. abgeordnetenwatch.de erscheint damit auch als zutiefst konservativ, weil es an dem Leitbild des Volksvertreters als Repr&auml;sentanten seiner W&auml;hler ankn&uuml;pft. Mit den neuen M&ouml;glichkeiten des Web 2.0 wird sichergestellt, dass er erkl&auml;ren kann, wie er mit seinem Mandat umgeht. Es wird spannend bleiben, wie es mit abgeordnetenwatch.de weitergeht und auch, wie die internationalen Ableger sich in Zukunft entwickeln werden.<\/p>\n<p><b>Literatur<\/b><\/p>\n<p>Abgeordnetenwatch.de (2010): Jahres- und Wirkungsbericht, Hamburg.<br \/>Albrecht, Steffen \/ Trenel, Matthias (2008): Abgeordnetenwatch.de: Hintergrund, Einordnung, Nutzung und Perspektiven. Gutachten im Auftrag des B&uuml;ros f&uuml;r Technikfolgen-Absch&auml;tzung beim Deutschen Bundestag: zebralog e. V., Berlin.<br \/>Gievert, Sebastian (2008): Wiefelspiitz und Abgeordnetenwatch: Der Ton wird sch&auml;rfer. in: <a href=\"http:\/\/politik-digital.de\/wiefelsp%C3%BCtz-abgeordnetenwatch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/politik-digital.de\/wiefelsp%C3%BCtz-abgeordnetenwatch<\/a>, 23.12.2008.<br \/>Kleinsteuber, Hans J. (2011): Online-Politik in Hamburg: DEMOS zwischen Alibi, Spiel und Kampagne. in: ICamps, Klaus: Politische Kampagnen in der Referendumsdemokratie, Wiesbaden (im Er-scheinen).<br \/>Kleinsteuber, Hans J. (2010): Zur &Uuml;berparteilichkeit von Abgeordnetenwatch.de. In: Abgeordnetenwatch.de Blog, <a href=\"http:\/\/blog.abgeordnetenwatch.de\/2010\/08\/31%28zur-ubeiparteilichkeit-vonabgeordnetenwatch-de-3\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/blog.abgeordnetenwatch.de\/2010\/08\/31(zur-ubeiparteilichkeit-vonabgeordnetenwatch-de-3\/<\/a>, 31.8.2010.<br \/>o. Autor (2010): Abgeordnetenwatch ist kein Verfassungsorgan. in: <a href=\"http:\/\/www.polkomm.net\/blog\/?p=195\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.polkomm.net\/blog\/?p=195<\/a>, 31.5.2010.<br \/>Pautz, Hartwig (2010): The internet, political participation and election turnout &#8212; A Case Study of Germany&#8217;s <a href=\"http:\/\/www.abgeordnetenwatch.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.abgeordnetenwatch.de<\/a> in: German Politics and Society, Issue 96, Vol. 28, No. 3, Fall 2010, S. 156 -175.<br \/>Von der Decken, Ada (2009): Legitimation und e-Partizipation. Eine vergleichende Analyse von &#8222;abgeordnetenwatch.de&#8221; und &#8222;DEMOS&#8221;, Hamburg (Diplomarbeit)<br \/>Voss, Kathrin (2006): Alles Online? &Uuml;ber die Auswirkungen von Online-Medien auf die interne und extern Kommunikation von Nichtregierungsorganisationen. in: Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen, Jg. 19, Heft 2, S. 68-76<br \/>Wilhelm, Nora (2009): Meinparlament.at &#8212; Plattform f&uuml;r den direkten Dialog von B&uuml;rgerInnen und PolitikerInnen &#8211; Eine Analyse, Wien. (Diplomarbeit)<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[2003,2004],"publikationen":[2827],"class_list":["post-11354","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-hans-j-kleinsteuber","autoren-kathrin-voss","publikationen-192-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>abgeordnetenwatch.de - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/192-vorgaenge\/publikation\/abgeordnetenwatchde\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"abgeordnetenwatch.de - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Die St&auml;rkung der repr&auml;sentativen Demokratie durch das Internet aus: Vorg&auml;nge 192 ( Heft 4\/2010), S.75-84 Ausgehend von dieser Idee schufen die Gr&uuml;nder des Projekts die Internetplattform www.abgeordnetenwatch,de, die &ouml;ffentliche B&uuml;rgerfragen an Abgeordnete erm&ouml;glicht und das Abstimmungsverhalten der Abgeordneten dokumentiert. 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