{"id":11391,"date":"2010-09-01T22:45:00","date_gmt":"2010-09-01T20:45:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/arbeitsmarktpolitik-und-arbeitsmarkt\/"},"modified":"2010-09-01T12:00:00","modified_gmt":"2010-09-01T10:00:00","slug":"arbeitsmarktpolitik-und-arbeitsmarkt","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/191-vorgaenge\/publikation\/arbeitsmarktpolitik-und-arbeitsmarkt\/","title":{"rendered":"Arbeitsmarktpolitik und Arbeitsmarkt"},"content":{"rendered":"<p>Eine Bilanz der letzten zehn Jahre<\/p>\n<p>aus: Vorg\u00e4nge 191 ( Heft 3\/2010), S.18-26<\/p>\n<h5><span id=\"ausgangslage\">Ausgangslage<\/span><\/h5>\n<p>Wirtschaft und Arbeitsmarkt sind seit Langem durch technische, sozio\u00f6konomische und organisatorische Strukturver\u00e4nderungen im Zuge des internationalen Wettbewerbs und der weltweiten Arbeitsteilung gekennzeichnet. Diese bedingen in Deutschland einen Wegfall einfacher T\u00e4tigkeiten vorwiegend im Industriesektor, sie erh\u00f6hen die Kompetenzanforderungen und sie versch\u00e4rfen die strukturelle Arbeitslosigkeit. Lange Zeit stieg die Sockelarbeitslosigkeit. Vor diesem Hintergrund hat sich eine nachfrageorientierte Wirtscharts- und eine auf Lohnersatzleistungen orientierte passive Arbeitsmarktpolitik als nicht hinreichend herausgestellt, um die Besch\u00e4ftigungssituation und damit die Produktivit\u00e4t der Volkswirtschaft zu verbessern.<\/p>\n<p>Die j\u00fcngsten Arbeitsmarktreformen sind durch Angebotsorientierung kennzeichnet. Grunds\u00e4tzlich ist ein solcher Ansatz Erfolg versprechend, einerseits um dem stetigen Strukturwandel Rechnung zu tragen, anderseits um eine wirtschafts- und strukturpolitische Gesamtstrategie f\u00fcr eine sozial und \u00f6kologisch nachhaltige Produktivit\u00e4tsentwicklung unterst\u00fctzen zu k\u00f6nnen. Voraussetzung hierf\u00fcr wiederum ist, dass Qualifikationen und Kompetenzen gesteigert sowie Zeitspielr\u00e4ume f\u00fcr Anpassungen geschaffen werden. Sie dienen als Flexibilit\u00e4tspotential und sind notwendig, um Strukturver\u00e4nderungsprozesse ergiebig und kreativ gestalten zu k\u00f6nnen. Dies gilt umso mehr, wenn ein hohes berufsfachliches Niveau bzw. gut ausgebildete Facharbeit als eine wichtige Basis f\u00fcr ein qualitatives Wachstum erhalten werden soll.<\/p>\n<h5><span id=\"entwicklungen-am-arbeitsmarkt-und-in-der-arbeitsmarktpolitik\">Entwick&shy;lungen am Arbeits&shy;markt und in der Arbeits&shy;markt&shy;po&shy;litik<\/span><\/h5>\n<p>Ein solcher Weg ist steinig. Dies wird deutlich, wenn wir uns die Entwicklungen am Arbeitsmarkt im zur\u00fcckliegenden Jahrzehnt betrachten.<\/p>\n<p><i>Erstens<\/i> blicken wir auf eine gestiegene weltwirtschaftliche Integration und einen zunehmenden Wettbewerbsdruck zwischen und im Inneren von Unternehmen sowie auf eine erh\u00f6hte Abh\u00e4ngigkeit von konjunkturellen Zyklen und Krisen mit weltweiten Folgewirkungen, wie etwa im Falle der Dotcom-Krise 2000, der Anschl\u00e4ge vom 11.9. 2001 und der Immobilien- und Finanzkrise ab 2007. Damit verbunden waren in der ersten H\u00e4lfte des letzten Jahrzehnts leichte Besch\u00e4ftigungsr\u00fcckg\u00e4nge, steigende Arbeitslosigkeit und eine st\u00e4rkere Substitution von sozialversicherungspflichtigen Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnissen.<\/p>\n<p><i>Zweitens<\/i> l\u00e4sst sich eine Fortsetzung des Ausbaus der Dienstleistungswirtschaft konstatieren. Dieser korrespondiert einerseits mit einer weiter steigenden Erwerbsintegration von Frauen und geht anderseits mit einer deutlichen Zunahme gering entlohnter Besch\u00e4ftigung einher. Dar\u00fcber hinaus sanken insbesondere in diesem Sektor seit den 1990er Jahren &#8211; und bei Kontrolle soziodemographischer und konjunktureller Effekte &#8211; die durchschnittlichen betrieblichen Besch\u00e4ftigungsdauern (Struck 2006). Urs\u00e4chlich hierf\u00fcr sind unter anderem die geringeren betriebsspezifischen Qualifikationserfordernisse in den Dienstleistungsberufen. In allen Wirtschaftssektoren wurden auf Grund von Wettbewerb und zeitflexiblen Kundenw\u00fcnschen zudem die Nutzung flexibler Arbeitsformen wie insbesondere Teilzeitarbeit, geringf\u00fcgige Besch\u00e4ftigung und Leiharbeit intensiviert und Arbeitszeiten sowie die Entlohnung flexibilisiert (Seifen\/Strack 2009).<\/p>\n<p>Drittens hat sich in den Bereichen der Arbeitsmarkt-, Sozial- und Tarifpolitik Wesentliches ver\u00e4ndert. Die Tarifpolitik war im letzten Jahrzehnt gekennzeichnet durch Lohnzur\u00fcckhaltung und Erg\u00e4nzungen von Flexibilisierungsm\u00f6glichkeiten durch \u00d6ffnungsklauseln und Betriebsvereinbarungen. Zudem wurden im Zuge des globalen Wettbewerbs und unter (Abwanderungs-)Druck von Unternehmen die staatlichen Ma\u00dfnahmen und Instrumente der sozialen Teilhabesicherung und Umverteilung zunehmend unter Rechtfertigungsdruck gestellt. Sie m\u00fcssen sich an ihrem produktiven Beitrag zur nationalen oder gar europ\u00e4ischen Wettbewerbsorientierung messen lassen. Zugleich gelingt es der Wirtschaft, sich mit dem Argument einer bedrohten Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Finanzierung der sozialen Infrashukturaufgaben zu entziehen. In der Arbeitsmarkt-und Sozialpolitik standen in diesem Kontext die vier &#132;Hartz-Gesetze&#148; und die &#132;Agenda 2010&#148; im Vordergrund. Diese werden im Weiteren n\u00e4her betrachtet.<\/p>\n<h5><span id=\"praxis-und-wirkungen-der-arbeitsmarktpolitik\">Praxis und Wirkungen der Arbeits&shy;markt&shy;po&shy;litik<\/span><\/h5>\n<p>F\u00fcr die Evaluationen der Reformen wurde viel Zeit und Geld aufgewendet und zunehmend geeignete statistische Verfahren eingesetzt (Klaue et al. 2007; Stephan\/R\u00e4ssler\/ Schewe 2008). Gleichwohl mangelt es immer noch an umfassenden und validen Berechnungsm\u00f6glichkeiten, etwa um indirekte Wirkungen einzelner Ma\u00dfnahmen sowie makro\u00f6konomische Wirkungszusammenh\u00e4nge nachzeichnen zu k\u00f6nnen. Aus diesem Grund und entsprechend der hier gebotenen K\u00fcrze lassen sich im Folgenden lediglich einzelne, doch durchaus bedeutsame Auswirkungen der Arbeitsmarktreformen darlegen.Eine wesentliche Wirkung ist die F\u00f6rderung der Flexibilisierung am Rand des Arbeitsmarktes. Urs\u00e4chlich hierf\u00fcr sind u. a. die Neuregelungen von Mini-Jobs und Leiharbeit, die staatliche F\u00f6rderung von Selbstst\u00e4ndigkeit im Rahmen der &#132;Ich-AG&#148; oder Existenzgr\u00fcnderbeihilfen sowie der Wegfall des Meisterzwangs in einigen Handwerksbereichen. Ebenfalls Flexibilit\u00e4t beg\u00fcnstigend wirken die, die Eigenaktivit\u00e4t fordernden (und weniger f\u00f6rdernden) Elemente im Bereich des Arbeitslosengeld I und ein auf Erwerbsintegration ausgerichtetes System der Grundsicherung (Arbeitslosengeld II).<\/p>\n<p>Reformen der Arbeitsverwaltung sowie ihrer Ma\u00dfnahmen und Instrumente bewirkten erstens: Einschr\u00e4nkungen der Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes I, vielfach starke finanzielle Einbu\u00dfen bei einem \u00dcbergang in den Bezug des Arbeitslosengeld II, pauschalierte und vielfach knappere Regels\u00e4tze f\u00fcr Bedarfgemeinschaften sowie versch\u00e4rfte Zumutbarkeits- und Sanktionsregelungen. Arbeitsbeschaffungsma\u00dfnahmen (ABM) und l\u00e4ngerfristigen Umschulungs- und Fortbildungsma\u00dfnahmen und dementsprechend l\u00e4ngerfristige Transferzahlungen sowie auch Fr\u00fchverrentungsma\u00dfnahmen wurden abgebaut. Neben der erw\u00fcnschten Steigerung der Flexibilit\u00e4t f\u00fchrten diese \u00c4nderungen sehr h\u00e4ufig zu einer beschleunigten Entwertung des bisher in der Erwerbsbiographie Geleisteten, wodurch weit \u00fcber den Kreis der direkt Betroffenen hinaus Status- und Annerkennungs\u00e4ngste erzeugt wurden. Ein wesentliches Ziel war die Anreizsteigerung f\u00fcr schnelle Widereinstiege. So genannte &#132;Look-in-Effekte&#148;, die insbesondere bei ABM- und zum Teil bei l\u00e4ngerfristigen (Um-)Schulungsma\u00dfnahmen zu beobachten waren, sollten vermieden werden. Zugleich senkt eine Orientierung auf benachteiligte Zielgruppen bei Eingliederungszusch\u00fcssen Mitnahme- und Substitutionseffekte.<\/p>\n<p><i>Zweitens <\/i>sollten u. a. durch Verbesserung der Betreuungsrelationen von Mitarbeitern zu Arbeitsuchenden, Wiedereingliederungspl\u00e4ne, differenzierte und praxisorientierte Instrumentenwahl und durch die Experimentierklausel die Integrationsma\u00dfnahmen und Instrumente zielgenauer auf die Bed\u00fcrfnisse der Besch\u00e4ftigungssuchenden im Kontext der jeweiligen Arbeitsmarktsituation abgestimmt werden. Im Gegensatz zu den zu-vor genannten Pfaden ist dieser Weg (bislang) nur unvollst\u00e4ndig beschritten worden.<\/p>\n<p>Die Reformen haben Sicherheit gemindert, die Zunahme von Flexibilisierung am Arbeitsmarkt unterst\u00fctzt und mit dazu beigetragen, die Besch\u00e4ftigungsquote zu erh\u00f6hen. Hierbei handelt es sich um einen Effekt, der sich auch bei Ber\u00fccksichtigung von Ver\u00e4nderungen bei der Erfassung von Arbeitssuchenden sowie unter Einbezug konjunktureller oder demographischer Ver\u00e4nderungen zeigen l\u00e4sst (Knuth 2010; M\u00f6ller 2010).<\/p>\n<p>Zu erkl\u00e4ren ist ein Teil der Erh\u00f6hung der Besch\u00e4ftigungsquote u. a. dadurch, dass sich im Zuge einer derart auf Aktivierung setzenden Arbeitsmarktpolitik die Erwartungshaltung von Arbeitslosen in Bezug auf finanzielle Leistungstransfers und Unterst\u00fctzungsma\u00dfnahmen seitens des Staates gemindert hat und ihre Konzessionsbereitschaft in Bezug auf L\u00f6hne und Arbeits- und Mobilit\u00e4tsanforderungen stieg.<\/p>\n<p>Zugleich hat sich mit den Reformen aber auch der Druck auf die Besch\u00e4ftigten erh\u00f6ht. Zum einen nahmen mit der Umsetzung der Reformen die \u00c4ngste vor den nunmehr schonungsloseren Folgen von Arbeitslosigkeit zu. Zum anderen k\u00f6nnen Unternehmen vielfach Besch\u00e4ftigungsuchende zu teilweise deutlich verschlechterten Konditionen einstellen, so etwa zu geringeren L\u00f6hnen, befristet, als Leiharbeitnehmer etc. Vor allem in den Besch\u00e4ftigungssegmenten, in denen etwa auf Grund mangelnder Exklusivit\u00e4t von Qualifikationen eine Konkurrenz zu Neueinsteigern besteht, finden diese Ver\u00e4nderungen ihren Niederschlag ebenfalls in einer h\u00f6heren Konzessionsbereitschaft f\u00fcr Leistungsverdichtung, H\u00f6herbeanspruchung, Zeitflexibilit\u00e4t und Lohnzur\u00fcckhaltung.Insgesamt ist die Steigerung der Besch\u00e4ftigtenquote f\u00fcr einen gr\u00f6\u00dferen Anteil der erwerbst\u00e4tigen Bev\u00f6lkerung mit einer gr\u00f6\u00dferen Unsicherheit, geringerer Entlohnungund hoher Flexibilit\u00e4t zwischen Randbesch\u00e4ftigung und Transferabh\u00e4ngigkeit verbunden. Dies gilt umso mehr, da die urspr\u00fcnglich prognostizierte &#132;Br\u00fcckenfunktion&#148; von Niedriglohn, Leiharbeit, Mini-Jobs in &#132;Normalarbeitsverh\u00e4ltnisse&#148;, d. h. zu h\u00f6herem Einkommen, stabilerer Besch\u00e4ftigung und besserem Zugang zu betrieblicher Weiterbildung zu kommen, nur sehr unzureichend funktioniert.<\/p>\n<p>Eine wesentliche Problematik besteht in der Segmentierung zwischen anteilig \u00e4bnehmenden stabilen und gesch\u00fctzten Besch\u00e4ftigungssystemen einerseits und wachsenden numerisch-flexiblen Arbeitsformen, die h\u00e4ufig mit Arbeitslosigkeitsphasen verbunden sind, anderseits. Dieses zuletzt genannte Segment ist vielfach durch Qualifikationsverlust, unzureichende Qualifizierungschancen und dementsprechend geringe Auf stiegsm\u00f6glichkeiten gekennzeichnet. Insbesondere hier sind verst\u00e4rkt Anstrengungen zu unternehmen, um Anreize und M\u00f6glichkeiten und damit verbunden Sicherheiten durch Investitionen in Bildung zu schaffen.<\/p>\n<p>Alles in allem ger\u00e4t somit ein wesentlicher Leitgedanke der Reformen: &#132;Hauptsache Arbeit&#148; &#150; um die soziale Teilhabe \u00fcber Integration in Besch\u00e4ftigung sowie eine verbesserte Einahmen- und Ausgabenbilanz in den staatlichen Sozialversicherungssystemen zu erm\u00f6glichen &#150; in Widerspruch zu einer Praxis, die gekennzeichnet ist durch eine polarisierte Struktur auf den Arbeitsm\u00e4rkten, steigende Qualifikationsanforderungen, unzureichende F\u00f6rderstrukturen der Sozialverwaltungen und individuelle \u00dcberbeanspruchung vieler Arbeitssuchender.<\/p>\n<p>Auch wenn sich das Besch\u00e4ftigungsniveau erh\u00f6ht hat, kann nicht davon gesprochen werden, dass die strukturellen Probleme am Arbeitsmarkt \u00fcberwunden wurden. Vielleicht weniger die j\u00fcngste Wirtschaftskrise selbst, als vielmehr eine unzureichende aktive Arbeitsmarktpolitik sowie die seit Langem ungen\u00fcgenden Bildungsanstrengungen im Bereich der schulischen und beruflichen Erst- und Fortbildung &#150; die infolge der Wirtschaftskrise in Gefahr geraten unzureichend finanziert zu werden &#150;, wie vor allem auch die Folgen des Geburtenr\u00fcckgangs und des zu erwartenden Fachkr\u00e4ftemangels sind geeignet, die Strukturanpassungsprobleme zuk\u00fcnftig noch deutlicher hervortreten zu lassen.<\/p>\n<p>Die Bew\u00e4ltigung dieser Probleme f\u00fchrt \u00fcber die \u00dcberwindung einer mangelnden Besch\u00e4ftigungsf\u00e4higkeit einzelner Gruppen am Arbeitsmarkt. Hier ist der Blick auf die zuvor betrachteten finanziell und qualifikatorisch benachteiligten Gruppen an den R\u00e4ndern der betrieblichen Arbeitsm\u00e4rkte zu richten, die etwa 20 Prozent der Erwerbst\u00e4tigen ausmachen (Alda 2006). Zu Ber\u00fccksichtigen sind dabei ebenso die 17 Prozent der jungen Erwachsenen, die bis zum Alter von 29 Jahren keinen Berufsabschluss erwerben und hochgradig von Langzeitarbeitslosigkeit bedroht sind. Und nicht zuletzt ist der nach wie vor hohe Anteil der Langzeitarbeitslosen einzubeziehen. Gemessen an allen Erwerbspersonen betr\u00e4gt dieser Anteil seit Jahren stabil etwa 3,8 Prozent, bzw. etwa 50 Prozent aller in der Arbeitslosenstatistik gef\u00fchrten Menschen. W\u00e4hrend Konjunkturschw\u00fcnge die Zahlen von Kurzeitarbeitslosen in starkem Ma\u00dfe beeinflussen, gelingt Langzeitarbeitslosen der \u00dcbergang in Besch\u00e4ftigung vorrangig in l\u00e4ngerfristigen Aufschwungphasen. Sie ben\u00f6tigen mehr Zeit und zumeist eine intensive Betreuung durch Vermittlungsagenturen oder Coaches u. \u00e4., um durch den (Neu-)Aufbau angemessener fachlicher, sozialer, kultureller und pers\u00f6nlicher Ressourcen ihre Benachteiligungen am Arbeitsmarkt ausgleichen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Bei allen genannten Gruppen besteht das Problem nicht ausreichender und teilweise entwerteter beruflich nutzbarer Qualifikationen, die oft eine stabile Arbeitsmarktintegration verhindern. Dabei gehen die strukturellen Probleme mit zum Teil erheblichen finanziellen, sozialen sowie pers\u00f6nlichen Schwierigkeiten der Betroffenen und ihrer Angeh\u00f6rigen einher. Sie verursachen zudem unliebsame volkwirtschaftliche Folgekosten und Produktivit\u00e4tseinbu\u00dfen und sie f\u00f6rdern negative Bildungs- und Leistungsanreize, nicht nur in den so genannten &#132;bildungsfernen Milieus&#148;.<\/p>\n<h5><span id=\"ansatzpunkte-einer-nachjustierungen-der-arbeitsmarkt-und-sozialpolitik\">Ansatz&shy;punkte einer Nachjus&shy;tie&shy;rungen der Arbeits&shy;markt- und Sozial&shy;po&shy;litik<\/span><\/h5>\n<p>Systeme sozialer Sicherheit sind in national spezifischer Weise an Arbeitsm\u00e4rkte und damit an Einkommen durch Erwerbsarbeit gekoppelt. Sie weisen charakteristische Finanzierungs-, Auszahlungs- und Legitimationsmuster auf, die von Interessengruppen auch unter wechselseitig akzeptierten gesamtgesellschaftlichen Effizienzkriterien aus-gehandelt werden. Das in Deutschland verfolgte und institutionell gepr\u00e4gte Leitmodell ist gekennzeichnet durch ein hohes berufsfachliches Ausbildungsniveau, ein Qualifikation sch\u00fctzendes und stimulierendes &#132;Normalarbeitsverh\u00e4ltnis&#148; und eine Lohnarbeitszentriertheit der auf Statussicherung zielenden sozialen Sicherungssysteme.<\/p>\n<p>Hierbei ist zu ber\u00fccksichtigen, dass eine enge Kopplung zwischen Ausbildung, Erwerbsarbeit und dem sozialen Sicherungssystem voraussetzungsvoll ist: Die Qualit\u00e4t der Ausbildung und Anreize zur Qualifizierungen m\u00fcssen sichergestellt sein. Es m\u00fcssen ausreichend Erwerbsarbeit f\u00fcr alle Erwerbspersonen sowie gesicherte Berufspfade vorhanden sein. Und die Erwerbseinkommen m\u00fcssen ein aktuell Existenz sicherndes Mindesteinkommen \u00fcberschreiten, damit die Finanzierung der Sozialversicherungen sowie die Anspr\u00fcche auf Leistungen etwa im Rentenalter, im Krankheitsfall etc, \u00fcber abh\u00e4ngige Erwerbsarbeit sichergestellt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Schon in der Vergangenheit waren diese Voraussetzungen f\u00fcr einzelne Gruppen, darunter u. a. f\u00fcr viele Frauen, Ausl\u00e4nder und\/oder Geringqualifizierte nicht erf\u00fcllt. Bei aller ge\u00e4u\u00dferten Kritik wurde die zuvor beschriebene Kopplung, auf Grund ihrer positiven Leitwerte sowie Pfadabh\u00e4ngigkeiten in der institutionellen Praxis nicht entscheidend in Frage gestellt. Wenn jedoch Erwerbsarbeit zunehmend durch Mobilit\u00e4t und Flexibilit\u00e4t gekennzeichnet ist, wenn sie h\u00e4ufiger oder l\u00e4ngerfristiger durch Arbeitslosigkeits- und Familienphasen unterbrochen wird und (Wieder-)Einstige in Erwerbsarbeit in riskante und gering entlohnte Erwerbsarbeitsphasen m\u00fcnden und wenn die Unsicherheiten von berufs- und t\u00e4tigkeitsspezifischen Bildungsinvestitionen steigen, weil sich Qualifikationsanforderungen schneller ver\u00e4ndern, dann m\u00fcssen verbesserte L\u00f6sungen gefunden werden.<\/p>\n<p>So stellt sich die Frage, in welcher Weise Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik die Bed\u00fcrfnisse von Wirtschaft und Gesellschaft nach Anpassungsflexibilit\u00e4t und Risikobereitschaft und damit nach Sicherheit f\u00fcr Investitionen durch F\u00f6rderung von Qualifikati-onen und Anpassungsbereitschaft gew\u00e4hrleisten kann. Erst in einer solchen Konstellation kann der Sozialstaat seine Funktion als Produktivkraft voll entfalten und zu einer Entlastung der angespannten Situation am Arbeitsmarkt und in den sozialen Sicherungssystemen beitragen.<\/p>\n<p>Wichtig f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der wechselseitigen Kopplung von Erwerbsarbeit und sozialen Sicherungssystemen ist dabei, dass Sozialversicherungen im Grundsatz in der Lage sind, die Bereitschaft zu Investitionen und riskanten Entscheidungen zu st\u00e4rken. Insbesondere Ausbildungsinvestitionen, aber auch Arbeit bis zur geistigen und k\u00f6rperlichen Leistungsgrenze sowie eine Bereitschaft, Rationalisierungsma\u00dfnahmen in Form technologischer, arbeitsorganisatorischer und unternehmensstruktureller Ver\u00e4nderungen gutzuhei\u00dfen oder zu unterst\u00fctzen und sich den Anforderungen des Arbeitsplatzes kooperativ und innovationsbereit zu stellen, k\u00f6nnen durch die Existenz sozialstaatlicher Sicherungen entfaltet und unterst\u00fctzt werden.<\/p>\n<p>Heute bietet der deutsche Sozialstaat jedoch weder ausreichend Schutz gegen drohende Risiken und die normalen Br\u00fcche im Erwerbsleben, noch schafft er hinreichend Anreize f\u00fcr den Einzelnen, sich offensiv neuen Herausforderungen zu stellen. Es mangelt an der Absicherung von Risiken in der Erwerbsarbeit. Diese bestehen insbesondere im Rahmen prek\u00e4rer Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse, wie etwa bei Teilzeitarbeit, geringf\u00fcgiger Besch\u00e4ftigung, bei der Leiharbeit, bei kurz- und mittelfristigen Besch\u00e4ftigungsbeziehungen sowie bei geringen und unsteten Einkommen unter dem Existenzniveau. Und Risiken bestehen bei Arbeitslosigkeit und bei Wechseln zwischen verschiedenen Besch\u00e4ftigungsformen, d. h, zwischen Vollzeit- und Teilzeitbesch\u00e4ftigung, zwischen abh\u00e4ngiger Besch\u00e4ftigung und Selbst\u00e4ndigkeit, bei Eintritten und Verl\u00e4ufen in zweiten oder auch dritten Bildungswegen, bei Kombinationen von Arbeit und Bildung, bei Wechseln und Verl\u00e4ufen zwischen Erwerbst\u00e4tigkeit und Pflegezeiten von Angeh\u00f6rigen oder bei graduellen \u00dcberg\u00e4ngen in die Rentenphase.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine erfolgversprechende Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik stehen dann zwei Ziele im Vordergrund: Zum einen die Verbesserung der Besch\u00e4ftigungsf\u00e4higkeit. Zum an-deren die Vermeidung unsteter oder Existenz gef\u00e4hrdender Einkommen (Struck u. a. 2009).<\/p>\n<h5><span id=\"beschaeftigungsfaehigkeit-qualifikations-und-kompetenzentwicklung\">Besch&auml;f&shy;ti&shy;gungs&shy;f&auml;&shy;hig&shy;keit: Quali&shy;fi&shy;ka&shy;ti&shy;ons- und Kompe&shy;ten&shy;z&shy;ent&shy;wick&shy;lung<\/span><\/h5>\n<p>Wenn Qualifikationsanforderungen steigen sowie zunehmend mehr Erwerbsverl\u00e4ufe durch Diskontinuit\u00e4t und dem Problem des Aufbaus und des Erhalts von Qualifikationen gekennzeichnet sind, dann erh\u00f6hen sich die Anforderungen an die berufliche Erstausbildung und an eine stetige berufliche Weiterqualifizierung innerhalb und au\u00dferhalb von Betrieben. Dabei haben jene Erwerbst\u00e4tigengruppen den gr\u00f6\u00dften Lernbedarf, die bislang am wenigsten an Qualifikationsma\u00dfnahmen partizipieren. Dies gilt etwa f\u00fcr Arbeitssuchende und Geringqualifizierte oder die wachsende Zahl der Arbeitnehmer mit Zeitvertr\u00e4gen, in Mini-Jobs oder in Leiharbeit sowie f\u00fcr (Einpersonen-)Selbst\u00e4ndige und \u00e4ltere Arbeitnehmer ab 45 Jahren.<\/p>\n<p>Betriebe sind zumeist an der unmittelbaren eigenen Verwertung ihrer Bildungsinvestitionen interessiert. So werden Kosten der Weiterqualifizierung von Personen, bei denen Betriebsaustritte erwartet werden, vielfach nicht \u00fcbernommen. Aus diesem Grund m\u00fcssen bei der Erstellung des kollektiven Gutes allgemeiner und berufsfachlicher Qualifikationen die jeweiligen Arbeitnehmer sowie Unternehmen, die besondere Anstrengungen f\u00fcr die F\u00f6rderung geringer Qualifizierter oder flexibel Besch\u00e4ftigter \u00fcbernehmen, durch staatliche F\u00f6rderung unterst\u00fctzt werden.<\/p>\n<p>Wenn Mobilit\u00e4t und Flexibilit\u00e4t gef\u00f6rdert werden sollen, dann kann sich Bildung nicht an Anforderungen von spezifischen Arbeitspl\u00e4tzen und Berufsbildern orientieren. Angefangen bei der (vor-)schulischen Bildung \u00fcber die berufliche Ausbildung bis hin zur Weiterbildung sind also umfassende Strategien des lebenslangen Lernens zu verfolgen, die Flexibilit\u00e4t unterst\u00fctzende Bildungsinhalte und Kompetenzen beinhalten. Dabei haben sich die Bem\u00fchungen in besonderer Weise auch auf die am meisten gef\u00e4hrdeten Gruppen zu richten. Derartige Investitionen in Humanressourcen st\u00e4rken dann nicht nur die Besch\u00e4ftigungsf\u00e4higkeit von Erwerbspersonen, sondern zugleich auch die Wettbewerbsf\u00e4higkeit von Unternehmen.<\/p>\n<p>Von zentraler Bedeutung ist dabei, dass das Reflexionsverm\u00f6gen, das Selbstwirksamkeitserleben und die Selbstorganisationsf\u00e4higkeit gesteigert werden und die Bildungsvermittlung an vorhandenen biographisch und dabei auch informell erworbenen Kompetenzen ansetzt. Hinzu kommen praktische Erfahrungen im beruflichen Umfeld, betriebliche und berufsfeldspezifische Verhaltensweisen sowie Verhaltensorientierungen. Folgerichtig sind es dann ja insbesondere die betriebsnahen Instrumente der aktiven Arbeitsmarktpolitik wie Lohnkostenzusch\u00fcsse, Gr\u00fcndungsf\u00f6rderung oder betriebliche Trainingsma\u00dfnahmen, die auf die direkte Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt setzen und dabei die Chancen der Teilnehmer auf eine Integration in Erwerbsarbeit nach Ablauf der F\u00f6rderung erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang und angesichts gestiegener Anforderungen im Erwerbsleben ist die Verk\u00fcrzung und Vereinfachung der (hoch-)schulischen und der beruflichen Ausbildung &#151; sofern sie nicht konsequent \u00dcberg\u00e4nge in weitere Ausbildungsg\u00e4nge vor-bereiten &#151; ein unangemessenes Vorgehen. Gro\u00dfe Unternehmen in innovativen Marktsegmenten kompensieren schon heute die dadurch entstehenden Schw\u00e4chen durch Bildungsprogramme f\u00fcr Einsteiger. Doch insgesamt droht die Gefahr, dass noch mehr Unternehmen Produktionsverfahren und Arbeitsorganisation an geringer qualifizierte Gruppen anpassen. T\u00e4tigkeitsbereiche zu vereinfachen und zu standardisieren ist jedoch angesichts des internationalen Lohnst\u00fcckkostenwettbewerbs ein nationalwirtschaftlich h\u00f6chst problematischer Weg. Zudem wird die Segmentierung zwischen qualifizierten und gut bezahlten fachlichen, sozialen und kulturellen Leitungsaufgaben einerseits und den anteilig wachsenden Bereichen mit geringen und austauschbaren Standardqualifikationen und dementsprechend geringen L\u00f6hnen anderseits gesteigert.<\/p>\n<h5><span id=\"investitionsrisiken-einkommenssicherung\">Inves&shy;ti&shy;ti&shy;ons&shy;ri&shy;siken; Einkom&shy;mens&shy;si&shy;che&shy;rung<\/span><\/h5>\n<p>F\u00fcr Zeiten der Qualifikations- und Kompetenzentwicklung ist eine finanzielle Unterst\u00fctzung notwendig. Einen wichtigen Ansatzpunkt bietet die Weiterentwicklung der Arbeitslosenversicherung zu einer Besch\u00e4ftigungsversicherung (Schmid 2008). Eine Besch\u00e4ftigungsversicherung sichert das Einkommensrisiko nicht nur bei Arbeitslosigkeit, sondern auch bei kritischen \u00dcberg\u00e4ngen im Lebenslauf ab. Eine solche Weiterentwicklung des sozialen Sicherungssystems lie\u00dfe sich sowohl finanzieren als auch gesellschaftlich legitimieren: Sie w\u00fcrde bestehende staatliche Transferleistungen wie Baf\u00f6g, Arbeitslosengeld, Weiterbildungs- und Umschulungsprogramme, Familienf\u00f6rderung, Existenzgr\u00fcnderhilfen oder die soziale Grundsicherung etc. integrieren, womit sie (anders als \u00dcberlegungen zum bedingungslosen Grundeinkommen) realistisch und ohne Systemwechsel umsetzbar w\u00e4re.<\/p>\n<p>Dabei ist der Zugriff auf Sozialleistungen durch klare und gesellschaftlich akzeptierte Regeln zu gestalten. Auf eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz d\u00fcrften, neben dem Arbeitslosengeld und der sozialen Grundsicherung, vermutlich Kindererziehungszeiten und Phasen der Pflege von Angeh\u00f6rigen, (Weiter)Bildungsphasen sowie Existenzgr\u00fcndungsphasen treffen. Der Zugriff auf Transferleistungen best\u00fcnde dann in einer zeitlich befristeten \u00dcbergangsfinanzierung gesellschaftlich anerkannter Reproduktions- und Innovationsphasen &#151; etwa nach einer Mindestbesch\u00e4ftigungszeit in einer Rahmenfrist. Dabei w\u00e4re ein Zusammenwirken mit ggf. bestehenden betrieblichen Arbeitszeitkontensystemen m\u00f6glich. Bei Qualifizierungs- und Arbeitsf\u00f6rderungsma\u00dfnahmen ist eine Verbesserung der Prognosesysteme und der Beratungskapazit\u00e4ten der Arbeitsagenturen (ggf. in Zusammenarbeit mit Verb\u00e4nden, IHKs, Bildungsinstitutionen etc.) vorausgesetzt. Auf Grund der vielfach prek\u00e4ren Abfolge und Gleichzeitigkeit von Selbst\u00e4ndigkeit und abh\u00e4ngiger Erwerbsarbeit w\u00e4ren zudem auch Selbst\u00e4ndige in das Sozialversicherungssystem einzubeziehen. Und nicht zuletzt w\u00fcrde eine St\u00e4rkung lohnunabh\u00e4ngiger (d.h. st\u00e4rker steuerfinanzierter) Sozialsysteme die Abgabenbelastung der Arbeitsverh\u00e4ltnisse verringern und Besch\u00e4ftigungsspielr\u00e4ume erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Die wichtigsten Vorteile einer solchen Weiterentwicklung liegen <i>erstens <\/i>darin, die Risikobereitschaft zu innovativem Verhalten zu st\u00e4rken. Dabei zielt die Neugestaltung darauf, die Flexibilit\u00e4t der Arbeitszeiten im Lebenslauf, die zwischenbetriebliche Mobilit\u00e4t und die Weiterbildungsbereitschaft zu steigern. Gleichzeitig bietet sie Besch\u00e4ftigten jedoch auch Schutz vor Abstiegen bei Entlassungen. Sie verbessert qualifikatorische und motivationale Ausgleichsprozesse auf Arbeitsm\u00e4rkten vor allem durch eine effizientere Suche nach einem passgerechten Arbeitgeber. Dar\u00fcber hinaus verbessert sie die Chancen, Arbeit und Familie miteinander zu vereinbaren.<\/p>\n<p>Zweitens er\u00f6ffnet die soziale Absicherung von Flexibilit\u00e4tsanspr\u00fcchen den Besch\u00e4ftigten Spielr\u00e4ume, um ihre Erwerbsarbeitszeiten tempor\u00e4r zu vermindern oder f\u00fcr eine gewisse Zeit aus der Erwerbsarbeit auszusteigen. Die hierdurch entstehenden Phasen der Nichtarbeit bieten dabei im \u00dcbrigen zugleich Raum f\u00fcr die Arbeitssuche.<\/p>\n<p>Eine erw\u00fcnschte abgesicherte Zunahme der Arbeitsmarktmobilit\u00e4t setzt voraus, dass das Qualifizierungsniveau auch von bislang chancenlosen Besch\u00e4ftigtengruppen durch eine aktive Arbeitsmarktpolitik fortlaufend an die sich wandelnden T\u00e4tigkeitsanforderungen angepasst wird. Somit stehen die zwei Reformvorschl\u00e4ge zu Bildung und Einkommenssicherung in einem engen Zusammenhang.<\/p>\n<h5><span id=\"fazit\">Fazit<\/span><\/h5>\n<p>Die Arbeitsmarktreformen haben den Anstieg der Besch\u00e4ftigungsquote unterst\u00fctzt und dabei vor allem die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes insbesondere im Bereich gering qualifizierter und gering entlohnter Besch\u00e4ftigung erh\u00f6ht. Die Mehrzahl der flexiblen Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse ist durch mangelnde Qualifizierungswirkungen gekennzeichnet. Ein Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit wurde nicht erreicht. Die F\u00f6rderstrukturen der Arbeitsverwaltung sind hierauf unzureichend abgestimmt und so wurde die Segmentierung am Arbeitsmarkt erh\u00f6ht. Insgesamt ist damit die Angebotsorientierung der Reform unzul\u00e4nglich geblieben.<\/p>\n<p>Dabei gef\u00e4hrden die Wirkungen dieser Arbeitsmarktpolitik eine zentrale Basis eines qualitativen Wachstums. Ohne Qualifikations- und Kompetenzzuwachs k\u00f6nnen flexible Arbeitsm\u00e4rkte keine produktiven Wirkungen entfalten. Eine St\u00e4rkung der Bereitschaft zu innovativen Verhaltensrisiken gerade auch durch Erh\u00f6hung einer Autonomie und Flexibilit\u00e4t steigernden Besch\u00e4ftigungsf\u00e4higkeit durch Bildung und finanzielle Absicherung w\u00fcrde Chancen f\u00fcr Besch\u00e4ftigte und Arbeitslose bieten. Zugleich k\u00f6nnten bessere Ausbildungsbedingungen und stetige Qualifikationsanpassungen eine produktive und nachhaltige Wirtschaftsentwicklung unterst\u00fctzen. Die Arbeitsmarktpolitik sollte in diese Richtung weiterentwickelt werden.<\/p>\n<p><b>\u00a0Literatur<\/b><\/p>\n<p>Alda, H. (2006): Sekund\u00e4re Arbeitsmarktintegration als Beobachtungskonzept sozio\u00f6konomischer B erichterstattung, in: SOEB (Hrsg), Berichterstattung zur sozio\u00f6konomischen Entwicklung Deutschlands, Zweiter Bericht &#150; Zwischenbericht Teil I, G\u00f6ttingen, S. 164-167.<br \/>Kluve, J. et al. (2007): Active Labour Market Policies in Europe. Performance and Perspectives. Berlin et al..<br \/>Knuth, M. (2010): Hartz: Vier. Zwischenbilanz und Reformbedarf. Manuskript. Duisburg.<br \/>M\u00f6ller, J. (2010): Die deutsche Arbeitsmarktreformen: Nicht perfekt, aber unter dem Strich positiv. In: WSI Mitteilungen 63. H. 6., S. 324-327.<br \/>Schmid, G. (2008): Von der Arbeitslosen- zur Besch\u00e4ftigungsversicherung. Wege zu einer neuen B alance individueller Verantwortung und Solidarit\u00e4t durch eine lebenslauforientierte Arbeitsmarktpolitik, Gutachten f\u00fcr die Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn.<br \/>Seifert, H.\/Struck, O. (2009): Arbeitsmarkt und Sozialpolitik: Flexibilit\u00e4t ben\u00f6tigt Sicherheiten. In: dies. (Hg.): Arbeitsmarkt und Sozialpolitik: Kontroversen um Effizienz und soziale Sicherheit. Wiesbaden, S. 53-75.<br \/>Stephan, G.\/R\u00e4ssler, S.\/Schewe, T. (2008): Instrumente aktiver Arbeitsmarktpolitik und die Arbeitsmarktchancen der Gef\u00f6rderten. In: Sozialer Fortschritt 57, S. 66-75.<br \/>Struck, O. (2006): Flexibilit\u00e4t und Sicherheit. Empirische Befunde, theoretische Konzepte und institutionelle Gestaltung von Besch\u00e4ftigungsstabilit\u00e4t, Wiesbaden.<br \/>Struck, O. u. a. (2009): Zukunftslos aktiviert oder zukunftsf\u00e4hig investiert? In: WSI Mitteilungen 62. H. 10, 519-525.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[2014,2012,2013,2015],"publikationen":[2826],"class_list":["post-11391","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-matthias-duetsch","autoren-olaf-struck","autoren-roland-back","autoren-verena-liebig","publikationen-191-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Arbeitsmarktpolitik und Arbeitsmarkt - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/191-vorgaenge\/publikation\/arbeitsmarktpolitik-und-arbeitsmarkt\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Arbeitsmarktpolitik und Arbeitsmarkt - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Eine Bilanz der letzten zehn Jahre aus: Vorg\u00e4nge 191 ( Heft 3\/2010), S.18-26 Ausgangslage Wirtschaft und Arbeitsmarkt sind seit Langem durch technische, sozio\u00f6konomische und organisatorische Strukturver\u00e4nderungen im Zuge des internationalen Wettbewerbs und der weltweiten Arbeitsteilung gekennzeichnet. Diese bedingen in Deutschland einen Wegfall einfacher T\u00e4tigkeiten vorwiegend im Industriesektor, sie erh\u00f6hen die Kompetenzanforderungen und sie versch\u00e4rfen die [weiterlesen]\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/191-vorgaenge\/publikation\/arbeitsmarktpolitik-und-arbeitsmarkt\/\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"Humanistische Union\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:site\" content=\"@humunion\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Gesch\u00e4tzte Lesezeit\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"18\u00a0Minuten\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\\\/\\\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"WebPage\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/191-vorgaenge\\\/publikation\\\/arbeitsmarktpolitik-und-arbeitsmarkt\\\/\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/191-vorgaenge\\\/publikation\\\/arbeitsmarktpolitik-und-arbeitsmarkt\\\/\",\"name\":\"Arbeitsmarktpolitik und Arbeitsmarkt - Humanistische Union\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#website\"},\"datePublished\":\"2010-09-01T20:45:00+00:00\",\"breadcrumb\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/191-vorgaenge\\\/publikation\\\/arbeitsmarktpolitik-und-arbeitsmarkt\\\/#breadcrumb\"},\"inLanguage\":\"de\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"ReadAction\",\"target\":[\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/191-vorgaenge\\\/publikation\\\/arbeitsmarktpolitik-und-arbeitsmarkt\\\/\"]}]},{\"@type\":\"BreadcrumbList\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/191-vorgaenge\\\/publikation\\\/arbeitsmarktpolitik-und-arbeitsmarkt\\\/#breadcrumb\",\"itemListElement\":[{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":1,\"name\":\"Publikationen\",\"item\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":2,\"name\":\"vorg\u00e4nge\",\"item\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":3,\"name\":\"vorg\u00e4nge 191: Wie wir arbeiten werden\",\"item\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/191-vorgaenge\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":4,\"name\":\"Arbeitsmarktpolitik und Arbeitsmarkt\"}]},{\"@type\":\"WebSite\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#website\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/\",\"name\":\"Humanistische Union\",\"description\":\"\",\"publisher\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#organization\"},\"potentialAction\":[{\"@type\":\"SearchAction\",\"target\":{\"@type\":\"EntryPoint\",\"urlTemplate\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/?s={search_term_string}\"},\"query-input\":{\"@type\":\"PropertyValueSpecification\",\"valueRequired\":true,\"valueName\":\"search_term_string\"}}],\"inLanguage\":\"de\"},{\"@type\":\"Organization\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#organization\",\"name\":\"Humanistische Union e.V.\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/\",\"logo\":{\"@type\":\"ImageObject\",\"inLanguage\":\"de\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#\\\/schema\\\/logo\\\/image\\\/\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/wp-content\\\/uploads\\\/2023\\\/09\\\/HU-LOGO-blau_RGB-high-scaled-e1704725806773.jpg\",\"contentUrl\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/wp-content\\\/uploads\\\/2023\\\/09\\\/HU-LOGO-blau_RGB-high-scaled-e1704725806773.jpg\",\"width\":1000,\"height\":536,\"caption\":\"Humanistische Union e.V.\"},\"image\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#\\\/schema\\\/logo\\\/image\\\/\"},\"sameAs\":[\"https:\\\/\\\/x.com\\\/humunion\",\"https:\\\/\\\/mastodon.social\\\/@humunion\",\"https:\\\/\\\/bsky.app\\\/profile\\\/humanistischeunion.bsky.social\"]}]}<\/script>\n<!-- \/ Yoast SEO plugin. -->","yoast_head_json":{"title":"Arbeitsmarktpolitik und Arbeitsmarkt - Humanistische Union","robots":{"index":"index","follow":"follow","max-snippet":"max-snippet:-1","max-image-preview":"max-image-preview:large","max-video-preview":"max-video-preview:-1"},"canonical":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/191-vorgaenge\/publikation\/arbeitsmarktpolitik-und-arbeitsmarkt\/","og_locale":"de_DE","og_type":"article","og_title":"Arbeitsmarktpolitik und Arbeitsmarkt - Humanistische Union","og_description":"Eine Bilanz der letzten zehn Jahre aus: Vorg\u00e4nge 191 ( Heft 3\/2010), S.18-26 Ausgangslage Wirtschaft und Arbeitsmarkt sind seit Langem durch technische, sozio\u00f6konomische und organisatorische Strukturver\u00e4nderungen im Zuge des internationalen Wettbewerbs und der weltweiten Arbeitsteilung gekennzeichnet. Diese bedingen in Deutschland einen Wegfall einfacher T\u00e4tigkeiten vorwiegend im Industriesektor, sie erh\u00f6hen die Kompetenzanforderungen und sie versch\u00e4rfen die [weiterlesen]","og_url":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/191-vorgaenge\/publikation\/arbeitsmarktpolitik-und-arbeitsmarkt\/","og_site_name":"Humanistische Union","twitter_card":"summary_large_image","twitter_site":"@humunion","twitter_misc":{"Gesch\u00e4tzte Lesezeit":"18\u00a0Minuten"},"schema":{"@context":"https:\/\/schema.org","@graph":[{"@type":"WebPage","@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/191-vorgaenge\/publikation\/arbeitsmarktpolitik-und-arbeitsmarkt\/","url":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/191-vorgaenge\/publikation\/arbeitsmarktpolitik-und-arbeitsmarkt\/","name":"Arbeitsmarktpolitik und Arbeitsmarkt - Humanistische Union","isPartOf":{"@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/#website"},"datePublished":"2010-09-01T20:45:00+00:00","breadcrumb":{"@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/191-vorgaenge\/publikation\/arbeitsmarktpolitik-und-arbeitsmarkt\/#breadcrumb"},"inLanguage":"de","potentialAction":[{"@type":"ReadAction","target":["https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/191-vorgaenge\/publikation\/arbeitsmarktpolitik-und-arbeitsmarkt\/"]}]},{"@type":"BreadcrumbList","@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/191-vorgaenge\/publikation\/arbeitsmarktpolitik-und-arbeitsmarkt\/#breadcrumb","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Publikationen","item":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/"},{"@type":"ListItem","position":2,"name":"vorg\u00e4nge","item":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/"},{"@type":"ListItem","position":3,"name":"vorg\u00e4nge 191: Wie wir arbeiten werden","item":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/191-vorgaenge\/"},{"@type":"ListItem","position":4,"name":"Arbeitsmarktpolitik und Arbeitsmarkt"}]},{"@type":"WebSite","@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/#website","url":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/","name":"Humanistische Union","description":"","publisher":{"@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/#organization"},"potentialAction":[{"@type":"SearchAction","target":{"@type":"EntryPoint","urlTemplate":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/?s={search_term_string}"},"query-input":{"@type":"PropertyValueSpecification","valueRequired":true,"valueName":"search_term_string"}}],"inLanguage":"de"},{"@type":"Organization","@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/#organization","name":"Humanistische Union e.V.","url":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/","logo":{"@type":"ImageObject","inLanguage":"de","@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/#\/schema\/logo\/image\/","url":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/HU-LOGO-blau_RGB-high-scaled-e1704725806773.jpg","contentUrl":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/HU-LOGO-blau_RGB-high-scaled-e1704725806773.jpg","width":1000,"height":536,"caption":"Humanistische Union e.V."},"image":{"@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/#\/schema\/logo\/image\/"},"sameAs":["https:\/\/x.com\/humunion","https:\/\/mastodon.social\/@humunion","https:\/\/bsky.app\/profile\/humanistischeunion.bsky.social"]}]}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/publikation\/11391","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/publikation"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/types\/publikation"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/media?parent=11391"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/categories?post=11391"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/tags?post=11391"},{"taxonomy":"autoren","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/autoren?post=11391"},{"taxonomy":"publikationen","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/publikationen?post=11391"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}