{"id":11414,"date":"1976-12-31T08:00:00","date_gmt":"1976-12-31T07:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/aus-der-laudatio-auf-werner-hill\/"},"modified":"1976-12-31T12:00:00","modified_gmt":"1976-12-31T11:00:00","slug":"aus-der-laudatio-auf-werner-hill","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/24-vorgaenge\/publikation\/aus-der-laudatio-auf-werner-hill\/","title":{"rendered":"Aus der Laudatio auf Werner Hill"},"content":{"rendered":"<p>Aus: vorg\u00e4nge Nr. 24 (Heft 6\/1976), S. 126-127<\/p>\n<p>(&#8230;) Als Sie den Deutschen Journalisten Preis 1969, der unter dem Thema &#132;Der B\u00fcrger und sein Recht&#148; ausgeschrieben war, von der Jury, der ich angeh\u00f6rte, zusammen mit Ernst M\u00fcller-Meiningen jr. bekamen, und ich bei dieser Gelegenheit in wenigen S\u00e4tzen zu formulieren hatte, was ich als Journalist an Ihrer Arbeit wichtig finde, da habe ich es so formuliert, das in jedem der wenigen S\u00e4tze, die ich vorlese, auch M\u00fcller-Meiningen vorkommt, aber ich glaube, Werner Hill wird daraus trotzdem deutlich &#8230; Damals habe <br \/>ich gesagt: Gemeinsam ist Ernst M\u00fcller-Meiningen und Werner Hill die sich t\u00e4glich neu stellende Aufgabe, vielfaches Geschehen aus dem gro\u00dfen Bereich des Rechts und des Unrechts sehr schnell, ganz aktuell und ganz knapp journalistisch darstellen und werten zu m\u00fcssen. Beide haben dabei f\u00fcr ihr Medium ein K\u00f6nnen entwickelt, das ich als Meister-schaft der kleinen Form bezeichnen m\u00f6chte; M\u00fcller-Meiningen Tag f\u00fcr Tag in seinen Kommentaren, Glossen und Artikeln in der S\u00fcddeutschen Zeitung, Werner Hill in den Kommentaren, die er ebenfalls fast tagt\u00e4glich in den Sendereihen &#132;Politik heute&#148;, &#132;Kritisches Tagebuch&#148; und &#132;Auf ein Wort&#148; im Norddeutschen und West-deutschen Rundfunk wie auch in anderen Sendern spricht. Nicht vergessen sei, das Werner Hill, der sich seinen philosophischen Doktorgrad mit einer Dissertation \u00fcber ein \u00f6ffentlich-rechtliches Thema erwarb, in zahllosen Diskussionen und durch eine Berichterstattung, die der Landgerichtspr\u00e4sident Rudolf Wassermann 1968 in der Deutschen Richterzeitung &#132;sachkundig, klar und entschieden&#148; und &#132;ein Ruhmesblatt f\u00fcr ein H\u00f6rfunkprogramm&#148; nannte, die Bestrebungen unserer so notwendigen und so schwer durchzusetzenden Strafrechtsreform in hervorragender Weise publizistisch unterst\u00fctzte, so das man ihn das stets wache und stets Sprung bereite juristische humane Gewissen unserer Bundesrepublik nennen darf. Gemeinsam ist beiden Preistr\u00e4gern auch die immer erneut bewiesene F\u00e4higkeit, komplizierte juristische Tatbest\u00e4nde und Probleme einem gro\u00dfen Publikum vorbildlich klar und durchsichtig zu machen, wie es sich f\u00fcr einen guten Journalisten geh\u00f6rt&#8230;<br \/>Es hat ja vielleicht einen gewissen dokumentarischen Wert, das schon vor 7 bis 8 Jahren Werner Hill so angesehen war, das er den Deutschen Journalisten Preis erhielt und das im Namen der Jury diese Worte \u00fcber ihn gesprochen wurden . . .<br \/>Als ich- da ich ja die Weimarer Republik in all ihren Einzelheiten erlebt habe und da ich, damals schon Journalist, die meisten Journalisten gekannt habe- \u00fcberlegte: wo gab es einen Journalisten wie Werner Hill in der Weimarer Republik?- da kam ich zu einem Ergebnis, \u00fcber das ich im ersten Augenblick erschrak (ich bin jetzt etwas dadurch ab-gesichert, das Charlotte Maack offenbar zu einem \u00e4hnlichen Ergebnis gekommen ist). Ich kam n\u00e4mlich auf Carl von Ossietzky. Ich erschrak, weil ich dachte: Ist das nicht zu hoch gegriffen? Aber als ich mir dann einige der Aufs\u00e4tze von Werner Hill noch einmal ansah, da dachte ich: Nein, das ist nicht zu hoch gegriffen. Und als ich die Aufs\u00e4tze, die in einem Taschenbuch erschienen sind, in einer gro\u00dfen breiten Ossietzky-Auswahl, ansah, da stie\u00df ich zu meiner Best\u00e4tigung darauf, das der erste Aufsatz, den Carl von Ossietzky 1913, also als ganz junger Mensch im kaiserlichen Deutschland geschrieben hat, von einem Prozess handelte, der damals vor einem Milit\u00e4rgericht gef\u00fchrt wurde. Und der Artikel war so, das er dann selber vor Gericht gestellt wurde. Und wenn man sich seine Aufs\u00e4tze weiter ansieht, so findet man darin ja eine ganze Menge Rechts politisches. Und auf der anderen Seite findet man bei Werner Hill, entsprechend auch seinem Studium und seiner ganzen Entwicklung, eine Breite, die eigentlich erst der Spezialisierung auf das, was Ulrich Klug eben dargestellt hat, den besonderen Rahmen und, so glaube ich, den beson-deren Wert und Akzent gibt.<br \/>Da ich von Ihrem Studium spreche, m\u00f6chte ich sagen, es hat mich, als ich Ihre Vita las, besonders beeindruckt, wie schwer es Ihnen eigentlich gemacht worden ist, \u00fcberhaupt zu einem Studium zu kommen, da Sie zuerst eine ganze Reihe von Jahren praktisch im Bergwerk arbeiten mussten, um das Notwendige zusammen zu haben, um dann das Abitur auf einem Abendgymnasium zu machen und dann ein sehr breit angelegtes Studium durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen ,..<br \/>Ich habe mir hier den Aufsatz mitgebracht, den Sie im Vorw\u00e4rts zur Erinnerung an Gustav Radbruch geschrieben haben. In diesem Aufsatz haben Sie als Untertitel gew\u00e4hlt &#132;Wie verteidigt man die Freiheit, ohne sie dabei zu gef\u00e4hrden?&#148; Und im Schluss Satz haben Sie gesagt: &#132;Wie verteidigt man Demokratie und Freiheit, ohne durch die eingesetzten Mittel beide in die gr\u00f6\u00dfte Gefahr zu bringen?&#148; Ich glaube, das ist eine ganz brennende Frage. Ulrich Klug hat es an einer Reihe von Beispielen gezeigt, ich will keine weiteren hinzu-f\u00fcgen. Ich will- da ich den Vergleich mit Ossietzky gezogen habe- den Ernst dieses Vergleichs dadurch unterstreichen, da\u00df ich sage; Den kleinen Einfluss, den ich als Mitglied der Jury der Carl-von-Ossietzky-Medaille der Westberliner Liga f\u00fcr Menschenrechte habe, werde ich daf\u00fcr geltend machen, da\u00df Sie eines Tages diese Medaille bekommen. Ich bin sonst nicht f\u00fcr Medaillen, aber eine Verbindung mit dem Namen Ossietzky ist, glaube ich, so ehrenvoll wie eine Verbindung mit dem Namen Fritz Bauer&#8230;<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[2026],"publikationen":[1313],"class_list":["post-11414","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-walter-fabian","publikationen-24-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Aus der Laudatio auf Werner Hill - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/24-vorgaenge\/publikation\/aus-der-laudatio-auf-werner-hill\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Aus der Laudatio auf Werner Hill - 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