{"id":11572,"date":"2015-04-19T09:30:00","date_gmt":"2015-04-19T07:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/aenderung-des-zdf-staatsvertrages-stellungnahme-der-hu\/"},"modified":"2021-08-30T15:42:00","modified_gmt":"2021-08-30T13:42:00","slug":"aenderung-des-zdf-staatsvertrages-stellungnahme-der-hu","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/208\/publikation\/aenderung-des-zdf-staatsvertrages-stellungnahme-der-hu\/","title":{"rendered":"\u00c4nderung des ZDF-Staatsver\u00adtrages \u0096 Stellungnahme der HU"},"content":{"rendered":"<p>aus: vorg&auml;nge Nr. 208 (Heft 4\/2014), S. 198-200<\/p>\n<p>(SL) Die Ministerpr&auml;sidenten der L&auml;nder haben sich im Januar 2015 auf den Entwurf eines neuen ZDF-Staatsvertrags geeinigt, mit dem vor allem die Zusammensetzung der beiden Aufsichtsgremien des &ouml;ffentlich-rechtlichen Senders neu geregelt wird.(1)Die Reform war notwendig geworden, nachdem das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) in einer Entscheidung vom 25. M&auml;rz 2014 (1 BvF 1\/11 und 1 BvF 4\/11) <b>zwei Normenkontrollantr&auml;gen der L&auml;nder Rheinland-Pfalz und Hamburg <\/b>in Teilen statt gegeben hatte.(2) Die Kl&auml;ger hatten u.a. die Zusammensetzung der ZDF-Aufsichtsgremien (Fernsehrat und Verwaltungsrat) kritisiert; in ihnen sei der Anteil staatlicher bzw. staatsnaher Vertreter_ innen zu hoch, was gegen das Gebot der Staatsferne des Rundfunks (Art.&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 GG) versto&szlig;e.<\/p>\n<p>In seiner Entscheidung benannte das BVerfG zwei Kriterien, denen die Besetzung der ZDF-Gremien Gen&uuml;ge leisten muss: Die Zusammensetzung der Gremien habe erstens sicher zu stellen, dass die <b>Vielfalt gesellschaftlicher Interessen<\/b>(-gruppen) angemessen ber&uuml;cksichtigt werde. Dazu sei es geboten, neben gr&ouml;&szlig;eren Verb&auml;nden und Interessengruppen (wie Kirchen oder Gewerkschaften) auch kleinere Organisationen sowie &#8222;nicht koh&auml;rent organisierte Perspektiven&#8220; zu beteiligen (Leitsatz 1a). Dar&uuml;ber hinaus sei das Gebot der Staatsferne des Rundfunks zu beachten. Um dies durchzusetzen, beschr&auml;nkte die Mehrheit der Richter\/innen den <b>Anteil der staatlichen bzw. staatsnahen Mitglieder<\/b> in den ZDF-Gremien auf 1\/3 und legte fest, dass die &uuml;brigen Mitglieder &#8222;konsequent staats&shy;fern&#8220; zu besetzen sind, was durch gesetzliche Inkompatibilit&auml;tsregeln sowie dadurch sicherzustellen ist, dass die Exekutive keinen bestimmenden Einfluss auf die Auswahl jener staatsfernen Mitglieder haben d&uuml;rfe (Leitsatz 2). Der Verfassungsrichter Paulus forderte in seinem abweichenden Votum zur Entscheidung eine weitergehende Staatsferne durch einen kompletten Ausschluss von Vertretern der Exekutive aus den ZDF-Gremien. Der Fernsehrat und damit das entscheidende Gremium f&uuml;r die Programmaufsicht sei in der Vergangenheit zum &#8222;Spielfeld von Medienpolitikern aus den L&auml;ndern&#8220; geworden, die &#8222;ihre medienpolitischen Konzepte in Fernseh- und Verwaltungsrat zu verwirklichen suchen&#8220;. (Rn. 119)<\/p>\n<p>Der Entwurf des Siebzehnten Staatsvertrags zur &Auml;nderung rundfunkrechtlicher Staatsvertr&auml;ge will diese Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts umsetzen. Er schl&auml;gt konkret folgende <b>&Auml;nderungen in der Zusammensetzung des Fernsehrates <\/b>vor:<\/p>\n<ul>\n<li>die Zahl seiner Mitglieder wird von 77 auf 60 reduziert<\/li>\n<li>die Bundesregierung entsendet nur noch zwei, statt wie bisher drei Mitglieder in das Gremium <\/li>\n<li>das Gleiche gilt f&uuml;r Landkreise, St&auml;dte und Gemeinden, die gemeinsam nur noch zwei Sitze haben<\/li>\n<li>die bisherigen 12 Vertreter der Parteien entfallen<\/li>\n<li>der Arbeitgeberverband, der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger und die Journalistenverb&auml;nde entsenden k&uuml;nftig nur noch einen statt zwei Vertreter<\/li>\n<li>bei den sonstigen Vertretern entfallen einige Themenbereiche (etwa: Erziehungs- und Bildungswesen, Jugend- und Familienarbeit, Kinderschutz, Freie Berufe und Tierschutz), daf&uuml;r werden andere Bereiche benannt (Jugend, Musik, Senioren\/Familie und Frauen, B&uuml;rgerschaftliches Engagement, Ehrenamtlicher Zivil- und Katastrophenschutz, Digitales, Internet, Menschen mit Behinderungen, Migranten, Muslime, Heimat und Brauchtum, Regional- und Minderheitensprachen)<\/li>\n<li>w&auml;hrend die Verbandsvertreter bisher von den Organisationen vorgeschlagen und von den Ministerpr&auml;sidenten ernannt wurden, werden sie k&uuml;nftig direkt von den Verb&auml;nden und Organisationen in die Gremien entsandt.<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Beim Verwaltungsrat <\/b>fallen die &Auml;nderungen noch geringf&uuml;giger aus: er setzt sich k&uuml;nftig aus 12 anstatt wie bisher aus 14 Mitgliedern zusammen, davon 4 Vertretern der L&auml;nder sowie 8 weiteren Mitgliedern, die vom Fernsehrat gew&auml;hlt werden. Die bisherige Regelung, wonach diese 8 Mitglieder weder einer Regierung noch einer gesetzgebenden K&ouml;rperschaft angeh&ouml;ren d&uuml;rfen (&sect;&nbsp;24 (1) b) wurde ersatzlos (!) gestrichen. Nach der Reform k&ouml;nnte der Anteil von Regierungsvertretern im Verwaltungsrat also sogar steigen!<\/p>\n<p>Die Rheinland-Pf&auml;lzische Staatskanzlei f&uuml;hrte zu dem Entwurf des Staatsvertrags ein Konsultationsverfahren durch, an dem sich auch die Humanistische Union (HU) beteiligte. In ihrer <b>Stellungnahme vom 27.2.2015<\/b> kritisiert sie den Entwurf als v&ouml;llig unzureichend, weil er die gebotene Staatsferne in der Kontrolle des &ouml;ffentlich-rechtlichen Senders keineswegs umsetze: &#8222;Zwar wird die Anzahl der staatlichen VertreterInnen im Fernsehrat reduziert, aber die Pr&auml;senz der beiden gr&ouml;&szlig;ten Parteien bleibt gesichert. Nach Auffassung der HU sorgt die im neuen Staatsvertrag getroffene L&ouml;sung f&uuml;r die Gremienbesetzung nicht f&uuml;r weniger &#8218;Staatsn&auml;he&#8217; und auch nicht f&uuml;r mehr politische Vielfalt.&#8220; (S. 4) Die B&uuml;rgerrechtsorganisation fordert deshalb (in Anlehnung an das abweichende Votum des Verfassungsrichters Paulus), keine Vertreter der Exekutive in den Gremien des ZDF zuzulassen. Alternativ sollte der ZDF-Fernsehrat nach dem Vorbild der Rundfunkr&auml;te von WDR und NDR gestaltet werden, in denen Vertreter_innen des Parlaments, nicht aber der Landesregierung sitzen. Schlie&szlig;lich spiegle auch die Zusammensetzung der sonstigen Interessengruppen nicht die gesellschaftliche Pluralit&auml;t wieder, wenn etwa die Vereinigung der Opfer des Stalinismus&nbsp; einen festen Sitz im Fernsehrat behalte, der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) jedoch nicht. Zudem seien die Kirchen und Religionsgemeinschaften &uuml;berproportional vertreten, w&auml;hrend atheistische Gruppierungen nach wie vor fehlten. Der starre Schl&uuml;ssel bei der Besetzung der Interessenvertreter_innen im Fernsehrat lasse zudem jene Flexibilit&auml;t und Beteiligung kleiner Gruppen vermissen, die das Bundesverfassungsgericht zur Gew&auml;hrleistung der Vielfalt gefordert hatte. Die HU schlie&szlig;t sich in ihrer Stellungnahme deshalb dem Vorschlag der Bundestagsabgeordneten Tabea R&ouml;&szlig;ner (B&uuml;ndnis 90\/Die Gr&uuml;nen) an, die eine unabh&auml;ngige Kommission fordert, welche geeignete Kriterien f&uuml;r die Besetzung der Interessensgruppen-Sitze entwickeln soll.<\/p>\n<p>Zum Entwurf des ZDF-Staatsvertrags gingen bei der bis Ende Februar befristeten Konsultation laut der zust&auml;ndigen Mainzer Staatskanzlei insgesamt 29 zum Teil sehr kritische Stellungnahmen von Parteien, Verb&auml;nden und Medieneinrichtungen ein.(3) Dennoch einigten sich die Ministerpr&auml;sidenten der L&auml;nder bereits vier Wochen sp&auml;ter, am 26. M&auml;rz 2015, in einer Telefonkonferenz auf die endg&uuml;ltige Fassung des ZDF-Staatsvertrags,(4) die bei nur minimalen &Auml;nderungen jetzt den Landesparlamenten zur Ratifizierung vorliegt.<\/p>\n<p><i>Werner Koep-Kerstin, Stellungnahme der Humanistischen Union zum Entwurf des &uuml;berarbeiteten ZDF-Staatsvertrages vom 27.2.2015, abrufbar unter <\/i><a href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><i>https:\/\/www.humanistische-union.de\/<\/i><\/a><i> fileadmin\/hu_upload\/doku\/2015\/HU2015-02-28_ZDF-Staatsvertrag.pdf.<\/i><\/p>\n<h5>Anmerkungen:<\/h5>\n<p>(1) Siebzehnter Staatsvertrag zur &Auml;nderung rundfunkrechtlicher Staatsvertr&auml;ge &#8211; Sieb&shy;zehnter Rundfunk&auml;nderungsstaats&shy;vertrag (Stand: 28.01.2015), Kopie abrufbar unter <a href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/filead\" rel=\"nofollow noopener\">https:\/\/www.humanistische-union.de\/filead<\/a> min\/hu_upload\/doku\/2015\/17-RAEStV_ Stand2015-01-28.pdf.<\/p>\n<p>(2) BVerfG, Urteil des Ersten Senats vom 25.3.2014 &#8211; 1 BvF 1\/11 u. 1 BvF 4\/11 &#8211; <a href=\"http:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/SharedDocs\/Entscheidungen\/DE\/2014\/03\/fs20140325_1bvf000111.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/SharedDocs\/Entscheidungen\/DE\/2014\/03\/fs20140325_1bvf000111.html<\/a>.<\/p>\n<p>(3) &nbsp;&nbsp;S. <a href=\"http:\/\/www.rlp.de\/ministerpraesidentin\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.rlp.de\/ministerpraesidentin\/<\/a> staatskanzlei\/medien\/stellungnahmen\/.<\/p>\n<p>(4) &nbsp;&nbsp;S. Pressemitteilung der Ministerpr&auml;sidenten&shy;konferenz v. 26.3.2015, unter <a href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/http%3A\/mpk-brand\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/mpk-brand<\/a> enburg.de\/pressemeldung-mpk-26-03-2015\/; endg&uuml;ltige Fassung des 17. Rundfunk&auml;nderungsstaatsvertrag (vom 27.3.20915) abrufbar unter <a href=\"http:\/\/www.rlp.de\/ministerpraesidentin\/staatskanzlei\/medien\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.rlp.de\/ministerpraesidentin\/staatskanzlei\/medien<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[139],"publikationen":[1092],"class_list":["post-11572","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-sven-lueders","publikationen-1092"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.8 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>\u00c4nderung des ZDF-Staatsver\u00adtrages \u0096 Stellungnahme der HU - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/208\/publikation\/aenderung-des-zdf-staatsvertrages-stellungnahme-der-hu\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"\u00c4nderung des ZDF-Staatsver\u00adtrages \u0096 Stellungnahme der HU - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"aus: vorg&auml;nge Nr. 208 (Heft 4\/2014), S. 198-200 (SL) Die Ministerpr&auml;sidenten der L&auml;nder haben sich im Januar 2015 auf den Entwurf eines neuen ZDF-Staatsvertrags geeinigt, mit dem vor allem die Zusammensetzung der beiden Aufsichtsgremien des &ouml;ffentlich-rechtlichen Senders neu geregelt wird.(1)Die Reform war notwendig geworden, nachdem das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) in einer Entscheidung vom 25. 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