{"id":11652,"date":"2013-12-01T12:35:00","date_gmt":"2013-12-01T11:35:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/hamburg-staatsvertrag-mit-islamischen-gemeinden-legt-alte-rechte-neu-auf\/"},"modified":"2021-08-30T15:41:40","modified_gmt":"2021-08-30T13:41:40","slug":"hamburg-staatsvertrag-mit-islamischen-gemeinden-legt-alte-rechte-neu-auf","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/203-vorgaenge\/publikation\/hamburg-staatsvertrag-mit-islamischen-gemeinden-legt-alte-rechte-neu-auf\/","title":{"rendered":"Hamburg: Staatsvertrag mit islamischen Gemeinden legt alte Rechte neu auf"},"content":{"rendered":"<p>aus: vorg&auml;nge Nr. 203 (3-2013), S. 101-102<\/p>\n<p>Am 13. November 2012 unterzeichneten Hamburgs Erster B&uuml;rgermeister und Vertreter des Landesverbandes der T&uuml;rkisch-Islamischen Union (DITIB), des Rates der Islamischen Gemeinschaften in Hamburg e.V. (SCHURA), des Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) und der Alevitischen Gemeinde Deutschlands einen Vertrag &uuml;ber gegenseitige Rechte und Pflichten. Zuvor hatte die Hamburger B&uuml;rgerschaft den Vertr&auml;gen zugestimmt. Dies sind die ersten Vertr&auml;ge zwischen Staat und muslimischen Gemeinschaften in Deutschland. Bislang hatten Bund und L&auml;nder nur Vertr&auml;ge mit der katholischen Kirche (Konkordate), den evangelischen Landeskirchen (Kirchenvertr&auml;ge) und j&uuml;dischen Gemeinschaften geschlossen.<\/p>\n<p>Durch die Vertr&auml;ge mit den muslimischen Gemeinschaften werden zum Teil bereits vorhandene Rechte der Muslim_ innen bekr&auml;ftigt. So gew&auml;hrleistet Hamburg den islamischen Religionsgemeinschaften das Recht, Moscheen mit Kuppeln sowie Minarette zu bauen, sofern diese sich mit den geltenden Baugesetzen vertragen. Zum Teil verpflichten sich die muslimischen Religionsgemeinschaften dazu, ihre Aktivit&auml;ten noch st&auml;rker auf das Grundgesetz auszurichten. So bekennen sich beide Seiten zur Gleichberechtigung von Mann und Frau. W&auml;hrend Hamburg sowieso durch das Grundgesetz zur Gleichberechtigung verpflichtet ist, gehen die Muslim_innen hier ein echtes Versprechen ein. In Debatten &uuml;ber Geschlechterverh&auml;ltnisse im Islam wird n&auml;mlich von Muslim_innen h&auml;ufig angef&uuml;hrt, dass &#8222;der Islam&#8220; die Gleichwertigkeit der Geschlechter &#8211; d.h. M&auml;nner und Frauen haben den gleichen Wert, wenngleich unterschiedliche Rollen &#8211; aber nicht deren Gleichberechtigung vorg&auml;be.<\/p>\n<p>Zum Teil werden den Muslim_innen mit den Vertr&auml;gen neue Rechte gew&auml;hrt. Sie sollen sich zum Beispiel von nun an an drei islamischen (Ramadan, Opferfest und Aschurafest) bzw. drei alevitischen Feiertagen (Asure-Tag, Hizir-Lokmasi und Nevruz) unbezahlten Urlaub nehmen und ihre Kinder vom Schulunterricht befreien lassen k&ouml;nnen. Daneben m&uuml;ssen Betriebe ihrem Personal an diesen Feiertagen die Teilnahme an dem Gebet erlauben, falls seitens des Arbeitgebers keine ernst zu nehmenden Gr&uuml;nde dagegen sprechen. Die Freie und Hansestadt Hamburg f&ouml;rdert eine Ausbildungsst&auml;tte f&uuml;r islamische Theologie und Religionsp&auml;dagogik an der Universit&auml;t Hamburg und gew&auml;hrleistet f&uuml;r &ouml;ffentliche Einrichtungen wie Krankenh&auml;user, Heime, aber auch Justizvollzugsanstalten oder Polizeiausbildungsst&auml;tten das Recht zur muslimischen Seelsorge.<\/p>\n<p>Die schwierigste Vorschrift, gemeinsamer christlich-muslimischer Religionsunterricht im Rahmen der spezifischen Hamburger Praxis, bildete einen umstrittenen Punkt. Der &#8222;Hamburger Religionsunterrichts f&uuml;r alle in evangelischer Verantwortung&#8220; ist formal ein bekenntnisgebundener Religionsunterricht nach Artikel 7 GG, wendet sich jedoch an alle Sch&uuml;ler_innen jedweder Glaubensvorstellung. Die Rahmenpl&auml;ne f&uuml;r den Religionsunterricht in evangelischer Verantwortung werden von einer Gemeinsamen Kommission Schule\/Kirche erstellt. Die katholische Kirche wirkt in dieser Kommission nicht mit. In einer f&uuml;nfj&auml;hrigen Entwicklungsphase soll nun der Religionsunterricht an staatlichen Schulen an islamische und alevitische Religionsgemeinschaften angepasst werden: Vertreter der Gemeinschaften sollen an der Entwicklung des schulischen Religionsunterrichts beteiligt werden und k&uuml;nftig muslimische und alevitische Religionslehrer einsetzen.<\/p>\n<p>Getroffen wurden auch Bestimmungen zur Bestattung auf &ouml;ffentlichen Friedh&ouml;fen, zur Beteiligung an &ouml;ffentlich-rechtlichen Institutionen, so beispielsweise in den Rundfunkr&auml;ten, sowie die Achtung islamischer Speisevorschriften. Konkrete aktuelle Fragen, wie etwa der koedukative Schwimmunterricht oder die Speisevorschriften auf Klassenfahrten, finden in den Vertr&auml;gen keine Erw&auml;hnung.<\/p>\n<p>Mitte Januar 2013 schloss auch die Freie Hansestadt Bremen einen Vertrag mit muslimischen Gemeinschaften. In Niedersachsen und in Schleswig-Holstein wird gegenw&auml;rtig &uuml;ber einen Staatsvertrag mit islamischen Verb&auml;nden verhandelt, in Nordrhein-Westfalen und Baden-W&uuml;rttemberg dar&uuml;ber beraten.<\/p>\n<p><b>Aktuelle Vertr&auml;ge und Verhandlungen:<\/b><\/p>\n<p><b>Hamburg:<\/b> Vertrag zwischen der Freien und Hansestadt Hamburg, dem DITIB-Landesverband Hamburg, SCHURA &#8211; Rat der Islamischen Gemeinschaften in Hamburg und dem Verband der Islamischen Kulturzentren v. 13.11.2012 (= Drs. 20\/5830 v. 13.11.2012), abrufbar unter <a href=\"http:\/\/www.hamburg.de\/contentblob\/3551370\/data\/download-muslim-verbaende.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.hamburg.de\/contentblob\/3551370\/data\/download-muslim-verbaende.pdf<\/a> sowie Umsetzungsbericht des Senats an die B&uuml;rgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg in Drs. 20\/8152 v. 28.5.2013<\/p>\n<p><b>Bremen:<\/b> Vertrag zwischen der Freien Hansestadt Bremen und den Islamischen Religionsgemeinschaften im Lande Bremen, Drs. 18\/693 bzw. 18\/727 v. 15.1.2013, abrufbar unter <a href=\"http:\/\/www.rathaus-bremen.de\/sixcms\/media\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.rathaus-bremen.de\/sixcms\/media<\/a>. php\/13\/20130115_Vertrag_FHB_Schura.pdf.<\/p>\n<p><b>Niedersachsen:<\/b> Nds. Kultusministerium, Beginn der Vertragsverhandlungen zwischen Landesregierung, Ditib und Schura sowie der Alevitischen Gemeinde Deutschlands, Presseinformation v. 30.9.2013.<\/p>\n<p><b>Schleswig-Holstein:<\/b> Bericht der Landesregierung &uuml;ber die bisherigen Gespr&auml;che mit den muslimischen Verb&auml;nden und der alevitischen Gemeinde, LT-Drs. 18\/1022 v. 6.8.2013.<\/p>\n<p><b>Nordrhein-Westfalen:<\/b> Ministerium f&uuml;r Arbeit, Integration und Soziales, &#8222;Minister Schneider will Kooperation mit Muslimen vertiefen \/ &#8218;dialog forum islam&#8216; hat sich in Nordrhein-Westfalen konstituiert&#8220;, Pressemitteilung v. 16.9.2013.<\/p>\n<p><b>Baden-W&uuml;rttemberg:<\/b> SPD-Fraktion im Landtag BW, Staatsvertrag mit islamischen Glaubensgemeinschaften, LT-Drs. 15\/3228 v. 13.3.2013 (=Antrag der SPD &amp; Stellungnahme des Ministeriums f&uuml;r Integration).<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[],"autoren":[570],"publikationen":[1440],"class_list":["post-11652","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","autoren-claudia-krieg","publikationen-203-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Hamburg: Staatsvertrag mit islamischen Gemeinden legt alte Rechte neu auf - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/203-vorgaenge\/publikation\/hamburg-staatsvertrag-mit-islamischen-gemeinden-legt-alte-rechte-neu-auf\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Hamburg: Staatsvertrag mit islamischen Gemeinden legt alte Rechte neu auf - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"aus: vorg&auml;nge Nr. 203 (3-2013), S. 101-102 Am 13. 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