{"id":11665,"date":"2013-12-01T00:30:00","date_gmt":"2013-11-30T23:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/kleine-geschichte-der-post-und-telefonueberwachung-in-der-bundesrepublik\/"},"modified":"2021-08-30T15:41:42","modified_gmt":"2021-08-30T13:41:42","slug":"kleine-geschichte-der-post-und-telefonueberwachung-in-der-bundesrepublik","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/203-vorgaenge\/publikation\/kleine-geschichte-der-post-und-telefonueberwachung-in-der-bundesrepublik\/","title":{"rendered":"Kleine Geschichte der Post- und Telefon\u00fcberwachung in der Bundesrepublik"},"content":{"rendered":"<p>aus: vorg&auml;nge Nr. 203 (3-2013), S.139-143<\/p>\n<p><i>Josef Foschepoth, &Uuml;berwachtes Deutschland &#8211; Post- und Telefon&uuml;berwachung in der alten Bundesrepublik. Vandenhoeck &amp; Ruprecht, November 2012<\/i><\/p>\n<p><i>&#8222;Ein bisschen Heuchelei&#8220;<\/i> sei Angela Merkels Reaktion auf die Nachricht gewesen, dass auch sie vermutlich abgeh&ouml;rt wurde, denn <i>&#8222;die NSA hat deutsche Politiker schon immer ganz legal observiert&#8220;. <\/i>Sie als Kanzlerin m&uuml;sse von den zugrunde liegenden Vereinbarungen wissen und &uuml;ber die Zusammenarbeit der Dienste informiert sein, so der Freiburger Historiker Josef Foschepoth in einem Interview mit der ZEIT vom 25.&nbsp;Oktober 2013.(1) Bereits am 9.&nbsp;Juli 2013 attestierte Foschepoth in einem Interview mit der S&uuml;ddeutschen Zeitung: <i>&#8222;Die NSA darf in Deutschland alles machen. Nicht nur aufgrund der Rechtslage, sondern vor allem aufgrund der intensiven Zusammenarbeit der Dienste, die schlie&szlig;lich immer gewollt war und in welchen Ausma&szlig;en auch immer politisch hingenommen wurde.&#8220;(2)<\/i><\/p>\n<p>Und so ist ganz korrekt, was der amerikanische Geheimdienstdirektor James Clapper erkl&auml;rt, n&auml;mlich dass nur f&uuml;r <i>&#8222;g&uuml;ltige Geheimdienstbelange&#8220;<\/i> und <i>&#8222;niemals unrechtm&auml;&szlig;ig&#8220;<\/i> ausspioniert w&uuml;rde.(3) Zumindest in Deutschland.<\/p>\n<p>&Uuml;ber die Vertr&auml;ge zwischen Deutschland und den ehemaligen Alliierten, die eine solche &Uuml;berwachung erlauben, kann jede und jeder sich seit 2012 in Josef Foschepoths Buch &#8222;&Uuml;berwachtes Deutschland &#8211; Post- und Telefon&uuml;berwachung in der alten Bundesrepublik&#8220; informieren. Foschepoth hatte bei Recherchen im Bundesarchiv Koblenz unbeschreibliches Gl&uuml;ck, als ihm eine Akte mit der Aufschrift &#8222;Postzensur 1951&#8220; in die H&auml;nde fiel. Dieser Zufallsfund enthielt nicht weniger als einen Teil der Geschichte zur &Uuml;berwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs in der Bundesrepublik. Aufgrund einer Sondergenehmigung durch das Bundesministerium des Innern, nach Sicherheits&uuml;berpr&uuml;fung durch den Verfassungsschutz, bekam der Autor weitgehend ungehinderten Zugang zu den Verfassungsschutz-Akten der Bundesregierung, mit Ausnahme der Akten der Geheimdienste. Mit seinem Buch ver&ouml;ffentlichte er seine Entdeckungen.<\/p>\n<p>Es erstaunt nicht wenig, in diesem Band zu lesen, dass es nicht nur in der ehemaligen DDR kein Post- und Fernmeldegeheimnis gab, sondern faktisch ebenso wenig &#8211; oder noch viel weniger &#8211; in der BRD. Die Foschepoth zug&auml;nglich gewordenen Quellen zeigen, wie seit 1949 die alliierten Westm&auml;chte auf ungehinderter &Uuml;berwachung bestanden, im Weiteren aber alle deutschen Regierungen unter Umgehung des Grundgesetzes diese &Uuml;berwachung durch die Alliierten tolerieren mussten, wollten und selbst fortsetzten. Unter dem Druck der Verh&auml;ltnisse geriet der Staatsschutz zum h&ouml;herwertigen Rechtsgut als das Grundrecht auf Unverletzlichkeit des Post- und Fernmeldegeheimnisses, obgleich im Grundgesetz festgeschrieben ist:<i> &#8222;die Grundrechte stehen [&#8230;] &uuml;ber dem Staat und sind unmittelbar geltendes Recht, das alle drei Gewalten bindet. Aufgrund ihres vorstaatlichen und &uuml;berpositiven Charakters d&uuml;rfen und k&ouml;nnen sie durch keine Verfassungs&auml;nderung abgeschafft werden.&#8220; <\/i>(S.&nbsp;11)<\/p>\n<p>Bei dem von Foschepoth aufgearbeiteten &Uuml;berwachungssystem geht es gleicherma&szlig;en um individuelle &Uuml;berwachungsvorg&auml;nge wie um die strategische &Uuml;berwachung in Ost- und Westeuropa und in der Bundesrepublik selbst, sei sie f&uuml;r staatliche oder geheimdienstliche Zwecke.<\/p>\n<p>Foschepoth analysiert die Entwicklung der heimlichen &Uuml;berwachung unter den verschiedenen Gesetzgebungen von 1949 an bis zur deutschen Wiedervereinigung 1989 &#8211; auf Wunsch und im Interesse der Alliierten. Dabei lassen sich verschiedene Epochen, rechtliche Ma&szlig;nahmen, Sprachregelungen und Legitimierungsstrategien unterscheiden: ab 1949 unter Siegerrecht, ab 1951 unter alliiertem Besatzungsrecht und ab 1954 unter Vorbehaltsrecht.<\/p>\n<p>Bis 1968 hatte der deutsche Staat nur beschr&auml;nkte Souver&auml;nit&auml;t. Die Westvertr&auml;ge gew&auml;hrten den Westm&auml;chten mit Konrad Adenauers Einwilligung bestimmte Vorbehaltsrechte. Die Strategie zur Westintegration der Bundesrepublik war die einer <i>&#8222;doppelten Eind&auml;mmung<\/i>&#8220;, n&auml;mlich der Eind&auml;mmung der <i>&#8222;deutschen und der sowjetischen Gefahr<\/i>&#8220;. Beide Gefahren lieferten auch die Begr&uuml;ndung f&uuml;r die intensive &Uuml;berwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs. Nach alliiertem Recht hatte die Bundesregierung die &Uuml;berwachung nicht nur zu dulden, sondern auch aktiv daran mitzuwirken.<\/p>\n<p>Adenauer handelte 1954 mit den Alliierten neue Geheimdienst- und &Uuml;berwachungsrechte als &#8222;Vorbehaltsrechte&#8220; der Besatzungen aus, womit auch das Grundgesetz hinsichtlich des Post- und Fernmeldegeheimnisses umgangen werden konnte. Die Aus&uuml;bung der Vorbehaltsrechte wurde den drei Botschaftern in Bonn &uuml;bertragen. Bei den Pariser Verhandlungen musste Adenauer neben dem Berlin-, dem Deutschland- und dem Truppenstationierungsvorbehalt auch den Notstands-, den &Uuml;berwachungs- und den Geheimdienstvorbehalt akzeptieren.<\/p>\n<p>Ein wichtiges Instrument der doppelten Eind&auml;mmung war die &Uuml;berwachung des internationalen und nationalen Post- und Fernmeldeverkehrs in der Bundesrepublik. Die Beteiligung an der alliierten wie die eigenen &Uuml;berwachungsaktivit&auml;ten des westdeutschen Staates wurden in internen Verordnungen und Richterspr&uuml;chen mit der Notwendigkeit begr&uuml;ndet, Brosch&uuml;ren und kommunistisches Agitationsmaterial aus der DDR abzufangen. <i>&#8222;Der neue Staat wurde jedenfalls nicht von der Demokratie, sondern die Demokratie vom Staat her gedacht und aufgebaut.&#8220; <\/i>(S.&nbsp;17) Foschepoth nennt dies eine Staatsdemokratie. In Westberlin galt bis 1990 ohnehin Besatzungsrecht.<\/p>\n<p>Das Bundesamt f&uuml;r Verfassungsschutz und die Geheimdienste der drei Westm&auml;chte waren schon in den 1950er Jahren zu einem <i>&#8222;einheitlichen nachrichtendienstlichen Organismus<\/i>&#8220; verschmolzen, wie 1963 der Pr&auml;sident des Bundesamtes f&uuml;r Verfassungsschutz Hubert Schr&uuml;bbers w&auml;hrend der Abh&ouml;raff&auml;re erkl&auml;rte.<\/p>\n<p>Die westliche &Uuml;berwachung der Telekommunikation mit der DDR erfolgte durch alliierte und westdeutsche Geheimdienste, die Post hingegen musste gegen Einspr&uuml;che und Widerst&auml;nde des Bundespostministeriums von Beamt_innen und Angestellten der Bundespost und des Zolls durchgef&uuml;hrt werden. Den Postler_innen war bekannt, dass sie sich mit den verlangten Eingriffen in eine rechtliche Zwickm&uuml;hle begaben. Die Rechtsgrundlage bestand f&uuml;r sie bis 1968 allein in ihrer Treuepflicht dem Staat gegen&uuml;ber, w&auml;hrend im Gegensatz dazu das Grundgesetz die Unverletzlichkeit des Post- und Telefongeheimnisses garantieren sollte.<\/p>\n<p>Es gab mehrere Anzeigen und Verfahren wegen nachweislich verschwundener Post. Diese wurden jedoch von willf&auml;hrigen Gerichten niedergeschlagen, d.h. deren Verfolgung wegen Mangels an Beweisen eingestellt. Mehrfach verlangte die Bundesregierung vom Postminister einen eigenen gesetzlichen Vorschlag zur Legitimierung der &Uuml;berwachung, den dieser jedoch immer wieder verweigerte mit der korrekten Begr&uuml;ndung: nicht die &Uuml;berwachung, sondern der Transport der Sendungen sei Aufgabe der Post. Weder im Parlament noch in der &Ouml;ffentlichkeit wurden diese Dinge er&ouml;rtert.<\/p>\n<p>1961 verabschiedete der Bundestag ein &#8222;<i>Gesetz zur &Uuml;berwachung strafrechtlicher und anderer Verbringungsverbote&#8220;<\/i>, das <i>&#8222;sicherstellen sollte, dass keine Materialien eingef&uuml;hrt w&uuml;rden, die aus Gr&uuml;nden des Staatsschutzes strafrechtlich verfolgt wurden.&#8220; Die Formulierung &#8222;stellen sicher&#8220; diente dazu, die Kontrolle und Durchsuchung der gesamten Post aus der DDR zu legitimieren und zu erm&ouml;glichen.<\/i>&#8220; (S. 268)<\/p>\n<p>Erst die Abh&ouml;raff&auml;re 1963\/64 brachte die bundesrepublikanische &Uuml;berwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs aus der DDR an den Tag, sowie Informationen &uuml;ber die Pr&auml;senz ehemaliger SS-Angeh&ouml;riger und Nazigr&ouml;&szlig;en in den Reihen des Verfassungsschutzes. 1964 wurden 12 der 16 SS-Angeh&ouml;rigen des Verfassungsschutzes in andere &Auml;mter abgeordnet. Nach anf&auml;nglichen Leugnungen und Beschwichtigungen befasste sich ein Untersuchungsausschuss mit den Vorf&auml;llen und f&ouml;rderte immerhin 82 echte verfassungswidrigen &Uuml;berwachungsf&auml;llen zutage. In Wahrheit ging es um Massen von Postgut, das damals &uuml;berwacht, zensiert und zu einem Gro&szlig;teil auch vernichtet wurde. F&uuml;nf Jahre dauerte es, bis die &Uuml;berwachung, nun durch die Brandt-Regierung, gesetzlich geregelt war.<\/p>\n<p>Mit der gro&szlig;en Koalition 1968\/69 einher ging eine Wende in der Rechts- und Gesellschaftspolitik. 1968 wurden die nie wirksam gewordenen Notstandsgesetze durch das G10-Gesetz zur Beschr&auml;nkung des Post- und Fernmeldegeheimnis still und leise erg&auml;nzt. Die alliierten Forderungen fanden damit Eingang in das deutsche (Verfassungs-)Recht. Von nun an war jede Bundesregierung verpflichtet, auch ohne &Uuml;berwachungsvorbehalt der Alliierten deren &Uuml;berwachungsw&uuml;nsche zu erf&uuml;llen und zu erm&ouml;glichen. Obgleich es ein &auml;hnliches Gesetz in keinem westlich demokratischen Staat gibt, wurde dar&uuml;ber nicht &ouml;ffentlich diskutiert. <br \/>Die &Uuml;berwachung unterlag auf Anordnung der Alliierten einer strikten Geheimhaltungspflicht, die mit rigiden Strafandrohungen rechtlich verankert und mit dem Schutz der Sicherheit der alliierten Streitkr&auml;fte begr&uuml;ndet wurde. Faktisch hob dieses Recht auch das Trennungsgebot zwischen Verfassungsschutz und Polizei auf. Am intensivsten arbeitete der Bundesnachrichtendienst (BND) in Sachen Post- und Telefon&uuml;berwachung mit den alliierten Diensten zusammen, weshalb die Bundestagsfraktionen sich bei der Abh&ouml;raff&auml;re 1963 darauf einigten, den BND gar nicht zu erw&auml;hnen, um keinen weiteren Unmut in der Bev&ouml;lkerung aufkommen zu lassen.<\/p>\n<p>Das Geheimhaltungsgebot sah drastische Strafen f&uuml;r den Fall vor, dass Informationen zur &Uuml;berwachung an die &Ouml;ffentlichkeit gelangten. Verst&ouml;&szlig;e konnten als Landesverrat, mit unbegrenzt hohen Geldstrafen, Gef&auml;ngnis und sogar der Aberkennung des aktiven und passiven Wahlrechts verfolgt werden. Kein_e Abgeordnete_r konnte etwaige Verst&ouml;&szlig;e gegen das Grundgesetz auch nur erw&auml;hnen. Die Folge war, dass Antr&auml;ge der Alliierten auf &Uuml;berwachung im Parlament &#8211; und das bis heute &#8211; einfach durchgewunken wurden.<\/p>\n<p>Es fehlte nicht an Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht: &#8222;<i>Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum G10-Gesetz war ein Urteil, das in Sachen Rechtsstaatlichkeit und Grundrechte deutlich hinter fr&uuml;heren Entscheidungen desselben Gerichts zur&uuml;ckfiel, indem es nicht mehr die Grundrechte als &#8218;h&ouml;chstes Rechtsgut&#8216;, sondern den Staatsschutz als &#8218;&uuml;berragendes Rechtsgut&#8216; definierte, &#8218;zu dessen wirksamem Schutz Grundrechte, soweit unbedingt erforderlich, eingeschr&auml;nkt werden k&ouml;nnen.&#8216;<\/i>&#8220; (S.&nbsp;199) 1978 wurde der Europ&auml;ische Gerichtshof f&uuml;r Menschenrechte in Stra&szlig;burg wegen der G10-Gesetzgebung angerufen und 1984 erneut das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe &#8211; ohne Ergebnis f&uuml;r die Priorit&auml;t der Grundrechte: &#8222;<i>Das Bewusstsein f&uuml;r die Unrechtm&auml;&szlig;igkeit staatlichen Handelns war zwar gesch&auml;rft, aber der Grundkonflikt zwischen alliiertem Vorbehaltsrecht und westdeutschem Verfassungsrecht [&#8230;] noch nicht gel&ouml;st.<\/i>&#8220; (S.&nbsp;159)<\/p>\n<p>Der Nachrichtenaustausch mit den Alliierten ging trotz Verbesserungen in der Verwaltungspraxis des Bundesamtes f&uuml;r Verfassungsschutz unvermindert weiter. Die Bundesregierung war jetzt &#8211; neben einer Zusatzvereinbarung zum NATO-Truppenstatut &#8211; auch durch das G10-Gesetz und eine geheime Zusatzvereinbarung, die in Foschepoths Buch erstmals ver&ouml;ffentlicht wird, weiterhin verpflichtet, die &Uuml;berwachungsw&uuml;nsche der alliierten Nachrichtendienste so weit wie m&ouml;glich zu erf&uuml;llen.<\/p>\n<p>Die Gelegenheit, die deutsche Wiedervereinigung zur Einstellung der &Uuml;berwachungspraxen zu nutzen und wirklich einen souver&auml;nen deutschen Staat mit der M&ouml;glichkeit, seine freiheitliche Verfassung zu etablieren, waren bei den Zwei-plus-Vier-Verhandlungen 1990 nicht durchsetzbar. Die Westm&auml;chte waren nicht bereit, die Zusatzvereinbarungen zum G10-Gesetz und zum NATO-Truppenstatut aufzuheben.<\/p>\n<p>Die &Uuml;berwachungspraxis der Westdeutschen, die Installierung der Geheimdienste und die Gegen&uuml;berstellung mit der &Uuml;berwachungspraxis in der DDR (die trotz gro&szlig;er Ambitionen aufgrund fehlender materieller wie technischer Ressourcen der des Westens unterlegen blieb) beenden den historischen Teil des Bandes. Ein Vergleich mit der &Uuml;berwachung in der DDR als gleichsam deutsch-deutsches Problem dr&auml;ngt sich auf und ist noch nicht erforscht.<\/p>\n<p>Das Buch beinhaltet eine Auff&uuml;hrung s&auml;mtlicher relevanter Gesetze, Urteile und Vereinbarungen. Bisher unbekannte und geheim gehaltene Quellen erg&auml;nzen den Band.<\/p>\n<p>&#8211;<\/p>\n<p>Auf die Frage, ob im Hinblick auf den NSA-Abh&ouml;rskandal nun die Bundesanwaltschaft die Lauschaktion gegen die Kanzlerin rechtlich pr&uuml;fen werde, meint Foschepoth: &#8222;<i>Daf&uuml;r gibt es keine Grundlage. Ihre &Uuml;berwachung ist durch die Vertr&auml;ge mit den USA gedeckt. Deshalb hat sich die Kanzlerin ja auch so merkw&uuml;rdig zu der NSA-Aff&auml;re verhalten. Sie hat sich ein paar Mal ausweichend dazu ge&auml;u&szlig;ert, aber nicht dazu, was hier eigentlich mit dem Rechtsstaat passiert. Das deutsche Recht verhindert die &Uuml;berwachung nicht. Die Vertr&auml;ge mit den USA verpflichten die Bundesregierung vielmehr, ihre Informationen dar&uuml;ber f&uuml;r sich zu behalten.&#8220; <\/i>(Die Zeit v. 25.10.2013)<\/p>\n<p>Im Rahmen von Foschepoths Ver&ouml;ffentlichung gelang es in einer Zusammenarbeit von Bundesarchiv, Historikerverband und Medien, die Bundesregierung zu einer Neuregelung der sogenannten &#8222;Verschlusssachenanweisung&#8220; zu bewegen. Die fraglichen Akten werden nun sukzessive freigegeben. Es handelt sich dabei um mehrere Regalkilometer VS-Akten.<\/p>\n<p>Allerdings stellt sich die Frage, ob die Freigabe der VS-Akten nicht doch das alliierte Geheimhaltungsgebot unterl&auml;uft. Nach wie vor fehlen die Dokumente der westlichen Geheimarchive und der westdeutschen Geheimdienste seit 1968. Wahrscheinlich wurden sie nach der Gesetzgebung von 1968 fr&uuml;hzeitig vernichtet. Unterdr&uuml;cken, L&ouml;schen, Schreddern sind keineswegs Pannen, sondern systemimmanent, sie geh&ouml;ren zum Wesen dieser Dienste.<\/p>\n<p>Im erw&auml;hnten Interview mit der S&uuml;ddeutschen Zeitung antwortet Foschepoth auf die Frage, ob der NSA-Whistleblower Edward Snowden gut beraten w&auml;re, in die Bundesrepublik zu kommen: <i>&#8222;Auf keinen Fall. Aufgrund des Zusatzvertrags zum Truppenstatut und einer weiteren geheimen Vereinbarung von 1955 hat die Bundesregierung den alliierten M&auml;chten sogar den Eingriff in das System der Strafverfolgung gestattet. Wenn eine relevante Information im Rahmen eines Strafverfahrens an die &Ouml;ffentlichkeit gelangen k&ouml;nnte, hei&szlig;t es in Artikel 38, &#8222;holt das Gericht oder die Beh&ouml;rde vorher die schriftliche Einwilligung der zust&auml;ndigen Beh&ouml;rde dazu ein, dass das Amtsgeheimnis oder die Information preisgegeben werden darf&#8220;. Gem&auml;&szlig; der geheimen Vereinbarung wurde sogar der Strafverfolgungszwang der westdeutschen Polizei bei Personen aufgehoben, die f&uuml;r den amerikanischen Geheimdienst von Interesse waren. Stattdessen musste die Polizei den Verfassungsschutz und dieser umgehend den amerikanischen Geheimdienst informieren. Dann hatten die Amerikaner mindestens 21 Tage lang Zeit, die betreffende Person zu verh&ouml;ren und gegebenenfalls au&szlig;er Landes zu schaffen. Was nicht selten geschah. Im &Uuml;brigen hat nat&uuml;rlich die Bundesregierung keinerlei Interesse, sich auf einen neuen Kalten <\/i>Krieg, <i>dieses Mal mit den Vereinigten Staaten, einzulassen.&#8220; <\/i>(SZ v. 9.7.2013)<\/p>\n<p><i><b>PROF. BRITTA SCHINZEL&nbsp;<\/b>ist Informatikerin und besch&auml;ftigt sich seit Jahren mit Informatik und Gesellschaft. Sie engagiert sich im Forum InformatikerInnen f&uuml;r Frieden und gesellschaftliche Verantwortung e.V. (FIfF) sowie im Landesvorstand der Humanistischen Union Baden-W&uuml;rttemberg.<\/i><\/p>\n<p>(1) <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2013-10\/nsa-uerberwachung-merkel-interview-foschepoth\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2013-10\/nsa-uerberwachung-merkel-interview-foschepoth<\/a><br \/>(2) <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/historiker-foschepoth-ueber-us-ueberwachung-die-nsa-darf-in-deutschland-alles-machen-1.1717216\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/historiker-foschepoth-ueber-us-ueberwachung-die-nsa-darf-in-deutschland-alles-machen-1.1717216<\/a><br \/>(3) <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/politik\/ausland\/us-geheimdienst-schlaegt-zurueck-attacke-gegen-den-bnd-nsa-chef-alexander-wirft-deutschland-spionage-vor_aid_1143343.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.focus.de\/politik\/ausland\/us-geheimdienst-schlaegt-zurueck-attacke-gegen-den-bnd-nsa-chef-alexander-wirft-deutschland-spionage-vor_aid_1143343.html<\/a>, 30.10.201<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[791,800,667],"autoren":[335],"publikationen":[1440],"class_list":["post-11665","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-rezension","tag-tkue","tag-vorgaenge-artikel","autoren-britta-schinzel","publikationen-203-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Kleine Geschichte der Post- und Telefon\u00fcberwachung in der Bundesrepublik - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/203-vorgaenge\/publikation\/kleine-geschichte-der-post-und-telefonueberwachung-in-der-bundesrepublik\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Kleine Geschichte der Post- und Telefon\u00fcberwachung in der Bundesrepublik - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"aus: vorg&auml;nge Nr. 203 (3-2013), S.139-143 Josef Foschepoth, &Uuml;berwachtes Deutschland &#8211; Post- und Telefon&uuml;berwachung in der alten Bundesrepublik. 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