{"id":11725,"date":"2012-06-01T23:40:00","date_gmt":"2012-06-01T21:40:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/weltmeister-im-erinnern\/"},"modified":"2021-08-24T21:55:29","modified_gmt":"2021-08-24T19:55:29","slug":"weltmeister-im-erinnern","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/2-2012\/publikation\/weltmeister-im-erinnern\/","title":{"rendered":"Weltmeister im Erinnern?"},"content":{"rendered":"<p>\u00dcber das Unbehagen an der deutschen Erinnerungskultur<\/p>\n<p>aus vorg\u00e4nge Heft 2\/2012, S.24-32<\/p>\n<p>Die Situation ist paradox. Seit einigen Jahren wird den Deutschen von der Au\u00dfenwelt bescheinigt, dass sie etwas gut gemacht haben, und das ist der Aufbau ihrer Erinnerungskultur. Der englische Historiker Timothy Garton Ash sprach von einer deutschen DIN-Norm des Erinnerns, in Russland spricht man vom &#8218;deutschen Modell&#8216; und von dem amerikanischen Politologen John Torpey, der grundlegende Werke \u00fcber Wahrheitskommissionen und politischen Systemwandel ver\u00f6ffentlich hat, stammt der Satz: &#8222;We are all Germans now!&#8220; (wir sind jetzt alle Deutsche!).(1) Er meint damit einen Mentalit\u00e4ts- und Gesinnungswandel, der dazu gef\u00fchrt hat, dass Staaten inzwischen immer \u00f6fter bereit sind, das Unrecht, das sie selbst in der Geschichte ver\u00fcbt haben, anzuerkennen, anstatt, wie bisher \u00fcblich, alles, was das positive nationale Selbstbild in Frage stellen k\u00f6nnte, zu verleugnen oder mit Schweigen zu \u00fcbergehen. Hinzu kommt &#8211; nicht zu untersch\u00e4tzen &#8211; das positive Votum einer gro\u00dfen und weiter wachsenden Zahl j\u00fcdischer und anderer K\u00fcnstler, die inzwischen von Jerusalem, Paris oder New York nach Berlin ziehen, weil sie dort auf Schritt und Tritt die Spuren ihrer traumatischen Familiengeschichte wiederfinden k\u00f6nnen, die hier markiert, offen ausgesellt, diskutiert und in der Erinnerung pr\u00e4sent gehalten werden.<\/p>\n<p>Sind die Deutschen also Weltmeister im Erinnern? Nat\u00fcrlich kommt ihnen dieser merkw\u00fcrdige Titel nur zu, weil sie zuvor Weltmeister im Morden waren. Millionen von M\u00e4nnern und Frauen, Kindern und alten Menschen mit b\u00fcrokratischer Akribie durch Hunger, Arbeit, Folter, Erschie\u00dfung und Vergasung aus keinem anderen Grund umzubringen als dem, dass sie einer anderen ,Rasse&#8216; angeh\u00f6rten, war eine deutsche Obsession, die von 1941-1945 mit deutscher Gr\u00fcndlichkeit und europ\u00e4ischer Hilfe durchgef\u00fchrt wurde. Immer wieder bin ich mit dem Argument neunmalkluger Intellektueller konfrontiert, die in den Anstrengungen der deutschen Erinnerungskultur nichts anderes sehen als die Fortsetzung deutscher Hybris: so oder so, Hauptsache Weltmeister! Was w\u00e4re, so muss man zur\u00fcckfragen, denn die Alternative? Sich bescheiden zur\u00fcckzuziehen, die H\u00e4nde in den Scho\u00df und die ganze Sache ad acta zu legen?<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich ist die neue Erinnerungskultur, die im Ausland an den Deutschen gesch\u00e4tzt wird, hierzulande vielen ein Dorn im Auge ist. Das dumpfe Unbehagen an der deutschen Erinnerungskultur schafft eine Allianz zwischen Menschen mit entgegengesetzten politischen Haltungen, vom ultrarechten Spektrum der NS-Verherrlicher, Holocaust-Leugner und ressentimentgeladenen Populisten bis zum linken Spektrum der nationalen Identit\u00e4tsverweigerer und Intellektuellen, die gegen den politischen Mainstream aufbegehren. Dieses von starken Emotionen getragene unisono ist problematisch. Um es in die Diskussion und auf die Ebene der Argumentation zur\u00fcckzuholen, sollen hier einige Angriffspunkte aufgelistet und besprochen werden.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"individuelles-kollektives-und-kulturelles-gedaechtnis\">Indivi&shy;du&shy;elles, kollektives und kulturelles Ged&auml;chtnis<\/span><\/h2>\n<p>Ich beginne mit der Kritik am Konzept der Erinnerung selbst. Es gibt viele, die mit der neuen Bedeutung, die die Erinnerung in den letzten Jahrzehnten weltweit gewonnen hat, nichts anfangen k\u00f6nnen und sich gerade auch der Vorstellung eines ,kollektiven Erinnerns&#8216; hartn\u00e4ckig widersetzen. Jan Philipp Reemtsma zum Beispiel hat sich emphatisch gegen den Konsens ausgesprochen, dass Erinnern eo ipso etwas Gutes sei:<\/p>\n<p>&#8222;Erinnert muss werden, erinnern hat eine imperativische Semantik. Doch was soll am Erinnern positiv sein? Erinnern wie Vergessen sind menschliche Eigenschaften, die weder gut noch schlecht sind, sondern beide dazu geh\u00f6ren, das Leben zu bew\u00e4ltigen. (&#8230;) Erinnerung setzt Vergessen voraus. Erinnern per se f\u00fcr etwas Gutes zu halten ist Unsinn.&#8220;(1)<\/p>\n<p>In der Tat gibt es gen\u00fcgend Beispiele, die zeigen, dass Erinnern auch Hass sch\u00fcren, verh\u00e4rten oder in die Depression f\u00fchren kann. Es kommt also immer auf den Inhalt und die Rahmenbedingungen des Erinnerns an, bevor entschieden werden kann, ob daran etwas Positives ist. Wie viele andere geht Reemtsma zudem von der Vorstellung aus, dass Erinnerung ausschlie\u00dflich an Individuen gebunden und kurzfristig ist: &#8222;Weniges wird \u00fcberhaupt bewusst wahrgenommen. Weniger wird ins Kurzzeitged\u00e4chtnis aufgenommen. Noch weniger wird l\u00e4ngerfristig, kaum etwas als biographisch bedeutsam ein Leben lang erinnert.&#8220; In seinem Aufsatz mit dem Titel &#8222;Wozu Gedenkst\u00e4tten?&#8220; schlie\u00dft er die M\u00f6glichkeit eines kulturellen Ged\u00e4chtnisses aus. Genau das war jedoch ein wichtiger Lernschritt, der in den 1980er Jahren m\u00f6glich wurde und seither unsere Perspektive erweitert hat. Kulturen, so die \u00dcberzeugung, schaffen \u00fcberlebenszeitliche Wissens- und Bezugsr\u00e4ume, in denen sich die Angeh\u00f6rigen dieser Kultur mit ihren eigenen Erfahrungen verorten und orientieren. Vergangenheit ist deshalb nicht nur etwas, das vergeht, sondern auch etwas, das bereitgehalten wird &#8211; als freie Ressource, als Identit\u00e4tsst\u00fctze, als Gegenstand nachtr\u00e4glicher Auseinandersetzung. Erinnern und Vergessen sind deshalb nicht nur individuelle Verm\u00f6gen, sondern immer schon in gr\u00f6\u00dfere Zusammen-h\u00e4nge kulturellen Erinnerns und Vergessens integriert. Menschen entscheiden nicht nur f\u00fcr sich selbst, was sie nun erinnern wollen, und was nicht, sondern auch, was auf der Ebene der Kultur in Zukunft noch im Bezugsrahmen der Nachwelt verbleiben soll. In diesem Sinne werden in der Gegenwart permanent Entscheidungen und Vorkehrungen in Bezug auf die Vergangenheit getroffen, die die Nachwelt betreffen, indem sie Vorgaben machen, welche Autoren noch gelesen, welche Musik noch geh\u00f6rt, welche Ereignisse noch im Bewusstsein bleiben. Diese Auswahlprozesse werden in Demokratien von \u00f6ffentlichen Diskursen begleitet, die stets nur von einer Minderheit getragen werden. Der abstrakte Begriff ,kulturelles Ged\u00e4chtnis&#8216; bezieht sich auf ein breites Spektrum kultureller Praktiken wie die Konservierung von Spuren, Archivierung von Dokumenten, Sammlung von Kunst und Relikten einschlie\u00dflich ihrer Reaktivierung durch mediale oder p\u00e4dagogische Vermittlung. Das kulturelle Ged\u00e4chtnis ist n\u00e4mlich nicht nur ein passives ,Speicherged\u00e4chtnis&#8216;, sondern umfasst gerade auch die Dimension der Reaktivierung dieser Vergangenheit und die M\u00f6glichkeit ihrer allgemeinen Aneignung als aktives ,Funktionsged\u00e4chtnis&#8216;. Das bedeutet, dass das kulturelle Ged\u00e4chtnis Strukturen der Partizipation schafft, die solche individuelle und kollektive Wiederaneignung erm\u00f6glichen. Man darf diese Strukturen der Partizipation, die in der Demokratie stets nur ein Angebot sind und keine von au\u00dfen aufgezwungene Verpflichtung, nicht mit einer Statistik des Kollektiven verwechseln. Das genau tut aber Reemtsma, der in seinem genannten Aufsatz &#8222;die Rede in der ersten Person Plural insofern (f\u00fcr) metaphorisch (h\u00e4lt), als mit ihr nicht einmal Mehrheiten behauptet werden. (&#8230;) Auch f\u00fcr Gedenkst\u00e4tten &#8211; wozu sie errichtet worden sind, was aus ihnen werden soll &#8211; interessiert sich nur eine Minderheit. Aber diese Minderheit hat ihr Interesse durchgesetzt, als w\u00e4re es das aktive der Mehrheit, die es doch nur hat geschehen lassen.&#8220;(3)<\/p>\n<p>Obwohl es inzwischen eine internationale Bibliothek zu dieser Thematik gibt, lehnen viele Historiker nach wie vor die Konzepte der ,kollektiven Identit\u00e4t&#8216; und der ,kollektiven Erinnerung&#8216; als eine illegitime Metapher ab. Man kann den Spie\u00df aber auch umdrehen und mit ihm die Frage der Beweislast. Das tat k\u00fcrzlich Bodo Mrozek, als er die umgekehrte Frage stellte: &#8222;Kann es &#8211; wie Kritiker des Gruppenkonzeptes behaupten &#8211; ein rein individuelles Erinnern geben?&#8220;(4) Individuen, so seine Gegenthese, erinnern nicht nur f\u00fcr sich selbst, sondern geh\u00f6ren, ob ihnen das bewusst ist oder nicht, immer schon gr\u00f6\u00dferen Erinnerungskollektiven an, in deren Rahmen sie mit den Anderen oder gegen die Anderen erinnern. Nat\u00fcrlich ist es noch ein erheblicher Schritt von solchen , sozialen Ged\u00e4chtnisrahmen&#8216; (wie Maurice Halbwachs sie genannt hat) zu Reemtsmas &#8222;erster Person Plural&#8220; im Sinne eines <i>nationalen <\/i>Ged\u00e4chtnisses. Angeh\u00f6rige der 68er Generation (aber auch \u00e4ltere Historiker wie Reinhart Koselleck) perhorreszierten dieses Konzept lange aus einem guten und verst\u00e4ndlichen Grund, weil sie damit <i>nationalistische <\/i>Tendenzen assoziierten, die es in Deutschland nach dem Krieg unter allen Umst\u00e4nden zu bek\u00e4mpfen galt. Die Lehre, die sie aus der totalit\u00e4ren Vergangenheit zogen, lautete: Nie wieder eine deutsche Identit\u00e4t! Damit waren jedoch Denkverbote verbunden, die sich immer mehr als problematisch erwiesen. Denn dass es politische Erinnerungsrahmen gibt und dass sich auch Nationen erinnern, wird man mit Blick auf die \u00fcberall auf der Welt existierenden Gedenktage und Kommemorationspraktiken nicht einfach leugnen k\u00f6nnen. Ob dieser offizielle und repr\u00e4sentative Rahmen f\u00fcr alle B\u00fcrger eines Staates auch von Interesse ist oder nicht, ist eine andere Frage. In Deutschland besteht nach wie vor eine Differenz und Distanz zwischen einem inoffiziellen Opferged\u00e4chtnis (die Deutschen als Opfer des Zweiten Weltkriegs) und dem offiziellen T\u00e4terged\u00e4chtnis (die Juden als Opfer des Holocaust).<\/p>\n<p>Bodo Mrozek betont, dass die Verkn\u00fcpfung von Erinnerung und Kollektiv keineswegs trivial ist, weil sie ein Ged\u00e4chtnis f\u00fcr die Zukunft begr\u00fcndet, das \u00fcber die eigene Lebensspanne hinausweist. Wer auf einer rein individuellen Erinnerung insistiert, negiere, so Mrozek, die M\u00f6glichkeit und Notwendigkeit einer Erinnerungskultur: &#8222;Mit der historisch abgeschlossenen Erfahrung endete auch das Ereignis selbst und l\u00fcde damit zum Ziehen eines Schlussstriches vor der klar abgegrenzten Gegenwart ein: Vergangenheit, die allzu schnell verginge. Es ist daher keine rein begriffliche Haarsspalterei, auf den sozialen Charakter der Erinnerungen hinzuweisen, die immer schon kollektiv angelegt sind.&#8220;(5) Die Vergangenheit ist deshalb nicht nur ein Gegenstand des Wissens, den man zu den Akten legen kann, sondern auch durch Bande der Erfahrungen, Erinnerungen, Gef\u00fchle und Fragen der ldentit\u00e4t mit der Gegenwart und Zukunft verbunden. Genau daf\u00fcr hat Reemtsma in seinem Aufsatz auch sehr \u00fcberzeugende Worte gefunden, denn nationale Erinnerung ist &#8222;Geschichtsdeutung im Sinne der Selbstdeutung: Wir wollen der Geschichte entnehmen, wer wir sind und was wir hoffen k\u00f6nnen.&#8220;(6) Vera Kattermann hat aus psychoanalytischer Sicht das kollektive Gedenken mit dieser Identit\u00e4tsdimension verbunden: &#8222;Auch wenn Sinnzuschreibungen und Bedeutungsgebung der Gedenktage immer wieder ausgehandelt werden und sich ver\u00e4ndern k\u00f6nnen, sind sie doch Ausdruck der kollektiven Schl\u00fcsselbedeutung eines historischen Ereignisses, die vorl\u00e4ufigen Konsens gefunden hat: ,Weil wir dieses erlebt haben, sind wir heute so. Unsere Erfahrungen begr\u00fcnden die Werte, die uns wichtig sind, mit dem Gedenken erinnern wir uns daran.&#8220;(7)<\/p>\n<p>Individuelles Erinnern ist also in den gr\u00f6\u00dferen kulturellen Rahmen kollektiven Erinnerns eingebunden, wobei die Voraussetzung einer kollektiven Identit\u00e4t die Br\u00fccke zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bildet. Im Medium der Erinnerung vergewissert sich die Nation ihrer Geschichte; und ihre Identit\u00e4t h\u00e4ngt davon ab, was sie von dieser Geschichte jeweils erinnert und was sie vergisst.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"die-holocaust-erinnerung-als-obsession-der-68er-generation\">Die Holocaust-Er&shy;in&shy;ne&shy;rung als Obsession der 68er Generation<\/span><\/h2>\n<p>F\u00fcr Gedenkst\u00e4tten, so schrieb Reemtsma, &#8222;interessiert sich nur eine Minderheit. Aber diese Minderheit hat ihr Interesse durchgesetzt, als w\u00e4re es das aktive der Mehrheit.&#8220; Diese Position hat sich auch Ulrike Jureit zu eigen gemacht.(8) Nach ihrer Ansicht besitzt die deutsche Holocaust-Erinnerung keine legitime Basis, weil in diesem Fall die 68er Generation ihre Deutungsmacht der Bev\u00f6lkerung aufgezwungen habe. Der partikulare Akteur dieser Erinnerung seien einige Vertreter der 68er Generation, die sich anma\u00dfen, &#8222;die eigene vergangenheitsbezogene Sinnstiftung auf Dauer zu stellen und sie auch f\u00fcr die j\u00fcngeren Jahrg\u00e4nge, denen es (ihrer) Meinung nach offenbar an der richtigen Moralit\u00e4t und Empathie mangelt, als verbindlich festzuschreiben&#8220;. (84) Jureits Essay ist ein Angriff auf diese &#8222;Deutungsmacht&#8220; der 68er Generation, die die Holocaust-Erinnerung ihrer Ansicht nach in Form einer &#8222;generationellen Selbsterm\u00e4chtigungsstrategie&#8220; in Deutschland eingesetzt hat. Daraus folgt, dass die deutsche Erinnerungskultur die Folge eines Diktats (wo nicht gar einer Diktatur) der 68er Generation ist. Was sich als ein demokratischer Beschluss darstellt, wie die Abstimmung \u00fcber den Bau des Mahnmals in Berlin, ist im Grunde nur die Machenschaft einer politischen Generation, die hier ihr Deutungsmonopol aus\u00fcbt, indem sie ihre &#8222;eigene vergangenheitsbezogene Sinnstiftung auf Dauer&#8220; und &#8222;historisches Erinnern nach den eigenen Ma\u00dfst\u00e4ben still&#8220; stellt. (84) F\u00fcr nachfolgende Generationen sei diese Erinnerung, die ausschlie\u00dflich von der Obsession der 68er getragen ist, deshalb inakzeptabel und irrelevant.<\/p>\n<p>Eine \u00e4hnliche Abwehrposition hatte bereits Hans-Ulrich Wehler bezogen in einem Interview, das zum 8. Mai 2005 ver\u00f6ffentlicht wurde.(9) Unter der \u00dcberschrift &#8222;Bravour\u00f6s bew\u00e4ltigt&#8220; \u00e4u\u00dferte er sich zufrieden zum Umgang der Deutschen mit ihrer Vergangenheit. Er blickte mit Stolz auf die \u00dcberwindung des Nationalsozialismus und &#8222;auf die Erfolgsgeschichte von Demokratie und Menschenrechten seit 1949 im Westen und seit 1990 im ganzen Land&#8220;. Die Deutschen h\u00e4tten im &#8222;postnationalen Verfassungs- und Sozialstaat&#8220; ihren Nationalismus verabschiedet: &#8222;Diese postnationale Identit\u00e4t hat sich auch nach 1989 gut gehalten. Die Bundesrepublikaner scheinen mehrheitlich immun zu sein gegen\u00fcber patriotischen Appellen.&#8220; Er machte im Interview explizit deutlich, dass mit dieser postnationalen Identit\u00e4t nichts anderes kompatibel sei als ein so genannter &#8218;Verfassungspatriotismus&#8216;: <i>Frage:<\/i> &#8222;Ist dann nicht Platz f\u00fcr das Nationalbewusstsein Joschka Fischers &#8230; <i>Wehler<\/i>. &#8230; dessen Gr\u00fcndungsmythos Auschwitz hei\u00dft? Nein, daf\u00fcr ist kein Platz. Ein vitales Gemeinwesen l\u00e4sst sich nicht auf Menschheitsverbrechen aufbauen. <i>Frage<\/i>: Warum nicht? Fischers &#8222;Nie wieder&#8220; bedeutet doch &#8222;Auf immer&#8220; zu Humanit\u00e4t und Freiheit. <i>Wehler:<\/i> Diese positiven Werte sind l\u00e4ngst Inhalt unserer Verfassung. Daf\u00fcr brauchen Sie nicht den Holocaust, auch wenn ein Teil der 68er monoman darauf insistiert. Unstrittig ist der Holocaust zentral im 20. Jahrhundert. Aber die Gr\u00f6\u00dfe eines Verbrechens adelt es nicht zum Identit\u00e4tsstifter.&#8220;<\/p>\n<p>Wie Reemtsma ist auch Wehler ein Gegner des Konzepts der ,nationalen Identit\u00e4t&#8216;, die er nicht anders als in den \u00fcberwundenen Kategorien des Nationalsozialismus denken kann. Daran \u00e4nderte f\u00fcr ihn offenbar auch die Symbolpolitik des Landes nichts, denn bereits eine Woche nach diesem Interview wurde in Berlin das zentrale Holocaust-Mahnmal eingeweiht. Und ein Jahr sp\u00e4ter zeigten sich die Deutschen im Rahmen der Fu\u00dfballweltmeisterschaft &#8222;patriotischen Appellen&#8220; gegen\u00fcber durchaus aufgeschlossen. Die kategorische Identit\u00e4tsverweigerung passte vielleicht noch zur Bonner, aber nicht mehr zur Berliner Republik.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"kritik-an-der-erinnerungspraxis-pathetisches-zeremonial-und-leere-routine\">Kritik an der Erinne&shy;rungs&shy;pra&shy;xis: pathe&shy;ti&shy;sches Zeremonial und leere Routine<\/span><\/h2>\n<p>Im Mittelpunkt der Kritik an der deutschen Holocaust-Erinnerung steht nicht nur die Absage an das Konzept einer nationalen Identit\u00e4t, sondern (aufs Engste damit verbunden) auch die Absage an jedwede Form politischer Symbolik und rituellen Handelns. Jureits Kritik dreht sich um &#8222;das verflachte, das stereotype Erinnern, um das permanente Wiederk\u00e4uen, um die Verkleisterung der Geschichte durch Pathos und Sentimentalit\u00e4t, um ein \u00dcberma\u00df an Sinn und Moral. Ersch\u00f6pfung und Langeweile kennzeichnen eine Erinnerungskultur, die so ziemlich alles eingeb\u00fc\u00dft hat, was sie eigentlich auszeichnen sollte.&#8220; (34) So kr\u00e4ftig und packend die Sprache des Zorns ist, so blass und unklar bleibt, welches Richtige an die Stelle des Falschen zu setzen sei. Solche S\u00e4tze sind keineswegs verwunderlich in einer Generation, die ihre geistige Identit\u00e4t und Legitimation auf dem Fundament einer ,Kritischen Theorie&#8216; (im weitesten Sinne) aufbaut. Es geh\u00f6rt zum Selbstverst\u00e4ndnis dieser Intelligenz, alles in Frage zu stellen, was von der Macht gest\u00fctzt ist und was der Staat von oben verordnet. Wer kritisiert, hat den Vorteil, sich immer auf der richtigen Seite zu wissen und in der Position intellektueller \u00dcberlegenheit zu f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Die Kritik an Riten und Zeremonial hat in Deutschland eine jahrhundertelange protestantische Tradition. Diesen antiritualistischen Impetus hat die britisch katholische Ethnologin Mary Douglas in ihrem Buch <i>Ritual, Tabu und K\u00f6rpersymbolik <\/i>beschrieben. Dabei werden als entleert wahrgenommene Rituale des Erinnerns einer vermeintlich authentischen Erinnerung gegen\u00fcbergestellt. \u00c4hnlich wie das Wort ,Tradition&#8216; ist das Wort ,Ritual&#8216; in der Geschichte der Modernisierung systematisch entwertet worden. Douglas spricht in diesem Zusammenhang von einer ritualisierten Ritualkritik. Bevor Roman Herzog im Jahre 1996 seinen neuen Erinnerungsimperativ verordnete, hatte zumindest der westliche Teil Deutschlands (ganz im Gegensatz etwa zu Israel und anderen Staaten) wenig Erfahrung mit kulturellen Formen des kollektiven Erinnerns, die mit dieser neuen Aufgabe zugleich aufgebaut werden mussten. Erschwerend kam noch der besondere Inhalt der Erinnerung an eigene Schuld und Verantwortung hinzu. Die ethische Forderung, eine negative Erinnerung ins nationale Selbstbild zu integrieren, ist in der Geschichte absolut neuartig. Keine Frage also, dass wir es hier &#8211; zumal in einer posts\u00e4kularen Gesellschaft ohne verankerte Riten &#8211; mit einer in jeder Hinsicht schwierigen Aufgabe zu tun haben. Noch einmal Wehler: &#8222;Unstrittig ist der Holocaust zentral im 20. Jahrhundert.&#8220; So spricht er als Historiker. &#8222;Aber die Gr\u00f6\u00dfe eines Verbrechens adelt es nicht zum Identit\u00e4tsstifter.&#8220; So spricht er als Deutscher.<\/p>\n<p>Wenn vom Erinnerungsimperativ an den Holocaust und seiner rituellen Wiederholung an den entsprechenden Gedenktagen die Rede ist, reagiert Jureit reflexartig mit Abwehrbegriffen wie &#8222;Obsession&#8220;, &#8222;Epidemie des Gedenkens&#8220;, &#8222;Diktat der Aufarbeitung&#8220; und &#8222;millionenschwerer Gedenkindustrie&#8220;. Beklagt werden vor allem drei Komponenten dieser Erinnerung: <i>Emotionalisierung <\/i>(Pathos der Betroffenheit), <i>Inszenierung <\/i>(leere rituelle Wiederholungen) und <i>Institutionalisierung <\/i>(Festschreibung der Erinnerung f\u00fcr die Zukunft). Just diese drei Dimensionen machen die Qualit\u00e4t einer verbindlichen Kollektiverinnerung aus. Was Jureit und andere mit Blick auf Deutschland als eine pathologische und b\u00f6sartige Fehlentwicklung darstellen, ist freilich in anderen L\u00e4ndern der Welt gang und g\u00e4be, wenn Nationalfeiertage anstehen. Dass der Umgang mit solchen Daten in Deutschland schwierig ist, h\u00e4ngt nat\u00fcrlich mit der Geschichte dieses Landes zusammen. Er provoziert Widerspruch, der zwei sehr ungleiche Gruppen auf den Plan ruft und miteinander verb\u00fcndet: die Kritiker deutscher ldentit\u00e4t mit ihrer ,Normalisierungsphobie&#8216; und die Kritiker einer negativen deutschen Identit\u00e4t mit ihrer ,Besonderheitsphobie&#8216;. Die (linken) Identit\u00e4tsverweigerer wollen nicht werden wie die anderen, die (rechten) Holocaustverweigerer wollen an einer positiven nationalen Identit\u00e4t festhalten.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"falsches-nationales-einheitsmodell\">Falsches nationales Einheits&shy;mo&shy;dell<\/span><\/h2>\n<p>Seit Deutschland im Begriff ist, zu einer Immigrationsgesellschaft zu werden, gibt es ein weiteres Argument gegen die Holocausterinnerung. Unter diesen Umst\u00e4nden erscheint das Konzept der postnationalen Identit\u00e4t flexibler und besser geeignet, auf diese soziale und kulturelle Transformation zu antworten. Jureit spricht von der &#8222;postsouver\u00e4nen Gesellschaft&#8220;, die sich &#8222;nicht mehr als homogene Erinnerungsgemeinschaft mit gemeinsamen Werten und einer gemeinsamen Geschichte&#8220; konstituiert. Diese Gesellschaft steht heute vor der Herausforderung, angesichts enormer Komplexit\u00e4ts- und Pluralit\u00e4tssteigerungen nach neuen Integrations- und Gemeinschaftsformen zu suchen, die bei maximaler Freiheitsgarantie noch so viel Bindung wie n\u00f6tig zu erzeugen verm\u00f6gen.&#8220; (88) Mit anderen Worten: unter der Bedingung der Globalisierungs-Dynamik ist ein minimalistischer Gesellschaftsvertrag praktikabler als ein nationales Narrativ, in dem sich die Immigranten nicht wiederfinden k\u00f6nnen. Die Festschreibung eines normativen Vergangenheitsentwurfs wie die Holocaust-Erinnerung sei in einer solchen Welt obsolet und dysfunktional. Das betont auch Harald Welzer. F\u00fcr Sch\u00fcler mit Migrationshintergrund spiele &#8222;Nationalsozialismus und Judenvernichtung &#8211; schon von ihrer famili\u00e4ren oder nationalen Herkunft her &#8211; \u00fcberhaupt keine Rolle (&#8230;). Diese Jugendlichen geraten dann in die merkw\u00fcrdige Situation, sich betroffen und bu\u00dffertig geben zu sollen, obwohl sie nicht so empfinden.&#8220;(l0)<\/p>\n<p>Kritiker meinen, dass ein auf Schuld gegr\u00fcndetes Nationalged\u00e4chtnis mit den Bedingungen einer Einwanderergesellschaft nicht mehr vereinbar ist. Wenn es schon schwierig war, die deutschen Nachgeborenen der zweiten und dritten Generation noch auf ein nationales Schuldged\u00e4chtnis zu verpflichten, so erscheint es unm\u00f6glich, die Einwanderer ganz anderer Weltregionen auf dieses negative deutsche Ged\u00e4chtnis einzuschw\u00f6ren. Es wird deshalb immer wieder betont, dass die Integrationsf\u00e4higkeit einer Gesellschaft von der Ent-Nationalisierung\/Ent-Ethnisierung ihres Ged\u00e4chtnisses abh\u00e4ngt. Bei einem Blick \u00fcber die nationalen Grenzen hinaus erweist sich diese Position jedoch als weltfern und ausgesprochen deutsch. W\u00e4hrend es absolut richtig ist, dass sich Migranten in der Nationalgeschichte auch wiederfinden m\u00fcssen und diese deshalb inklusiver, multikultureller und anschlussf\u00e4higer gestaltet werden muss, entspricht es keiner allgemeinen Praxis, eine belastete Nationalgeschichte mit R\u00fccksicht auf neue Zuwanderer einfach abzuschaffen. Das Gegenteil ist vielmehr der Fall, wie das folgende Zitat aus dem kanadischen Kontext zeigt:<\/p>\n<p>&#8222;Staatb\u00fcrgerschaft ist kein Selbstbedienungsbuffet. Niemand von uns kann sich die angenehmen St\u00fccke heraussuchen und den Rest verweigern. Nat\u00fcrlich sind mit der kanadischen Staatsb\u00fcrgerschaft gute und schlechte Dinge verbunden. Wenn Du den Eid auf die kanadische Staatb\u00fcrgerschaft geschworen hast, erbst Du das ganze Paket kanadischer Geschichte und B\u00fcrgerrechte. Ab jetzt bist Du mitverantwortlich, nicht nur f\u00fcr die guten Dinge, sondern auch f\u00fcr alle Fehler und alles Schlimme, das wir gemacht haben. (&#8230;) Es ist Teil des Pakets. Vielleicht findest Du das nicht fair, aber wer sagt, dass es fair ist? Es ist ein Teil des B\u00fcrgerrechts.&#8220;(11)<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"zwei-formen-von-erinnerungspolitik\">Zwei Formen von Erinne&shy;rungs&shy;po&shy;litik<\/span><\/h2>\n<p>W\u00e4hrend die Kritik an der Holocaust-Erinnerung lautstark artikuliert und ,rituell&#8216; wiederholt wird, bleibt sehr vage und im Unklaren, worin der Segen einer Befreiung von ihr liegen k\u00f6nnte. Wer die Erfahrung machen m\u00f6chte, was es hei\u00dft, diese Erinnerung abzuschaffen, braucht nur einmal eine Reise nach Litauen zu machen. Dort empf\u00e4ngt ihn eine Gesellschaft, deren Eltern und Gro\u00dfeltern nicht nur mit der deutschen Okkupation kollaboriert und bei der Erschie\u00dfung der zahlreichen Littauisch-J\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung mit Hand angelegt haben, sondern diese Opfer bis heute nicht als Teil der eigenen Geschichte anerkennt. Das eigene nationale Opfernarrativ, die Leidensgeschichte unter sowjetischer Besatzung, schlie\u00dft jeglichen Hinweis auf eine Mitverantwortung f\u00fcr die j\u00fcdischen Opfer kategorisch aus. Unter diesen Umst\u00e4nden konnten die sterblichen \u00dcberreste eines prominenten T\u00e4ters der Kollaborationsregierung dieses Jahr aus den USA nach Vilnius \u00fcberf\u00fchrt und mit milit\u00e4rischen Ehren wieder bestattet werde.(12) Litauische Denkm\u00e4ler und Plaketten im \u00f6ffentlichen Raum dagegen, die auf die Massenerschie\u00dfungen litauischer Juden im nahegelegenen Wald verweisen, sucht man weiterhin vergebens.<\/p>\n<p>Den Deutschen st\u00fcnde deshalb eine weniger selbstbez\u00fcgliche Diskussion dieser wichtigen Fragen und ein Blick auf andere Nationen und historische Kontexte wohl an. Letztlich muss sich jeder selber fragen, in was f\u00fcr einer Gesellschaft er oder sie lieber leben m\u00f6chte: in einer Gesellschaft, die ausschlie\u00dflich ihre eigenen Opfer beklagt, oder in einer Gesellschaft, die auch die Opfer bereut, die sie (mit) zu verantworten hat. Damit sind wir wieder beim ,deutschen Modell&#8216; eines negativen Ged\u00e4chtnisses, das l\u00e4ngst Verbreitung gefunden hat und zum transnationalen Gemeingut geworden ist. Wir k\u00f6nnen hier von einer ,Erinnerungspolitik der Reue&#8216; sprechen, die bei politischem Systemwechsel von Diktaturen in Demokratien sowie in postkolonialen Staaten zu einer ethischen Wende gef\u00fchrt hat durch Anerkennung der Opfer einer traumatischen Geschichte, die Verpflichtung auf Menschenrechte und den Schutz von Minderheiten. Das hei\u00dft jedoch noch keineswegs, dass diese Politik der Reue bereits allgemeine Verbreitung findet. Es h\u00e4lt sich n\u00e4mlich nach wie vor sehr z\u00e4h eine ,Erinnerungspolitik des Stolzes&#8216; bzw. ,des Leidens&#8216;, die, statt auf Distanz zu gehen zu den eigenen Fehlern und historischen Verbrechen, eine kontinuierliche heroische Geschichte der Ehre konstruiert, die darauf ausgerichtet ist, das nationale Selbstbild zu st\u00e4rken und die Opfer der eigenen Politik zu ,vergessen&#8216;.<\/p>\n<p>(1) <i>John Torpey<\/i>, Politics and the Past. On Repairing Historical Injustices, New York und Oxford, Rowman and Littlefield 2003, S. 3.<\/p>\n<p>(2) <i>Jan Philipp Reemtsma,<\/i> Wozu Gedenkst\u00e4tten? In: Zukunft der Erinnerung. Aus Politik und Zeitgeschichte, 25-26(2010), S. 3-9, S. 3.<\/p>\n<p>(3) <i>Jan Philipp Reemtsma,<\/i> Wozu Gedenkst\u00e4tten, S. 9.<\/p>\n<p>(4) <i>Bodo Mrozek,<\/i> Zur Frage des kollektiven Erinnerns. Die Semantik der Memoria, Merkur 756, Heft 5, 66. Jahrgang (Mai 2012), S. 411-419.<\/p>\n<p>(5) <i>Bodo Mrozek<\/i>, Zur Frage des kollektiven Erinnerns, a. a. O. S. 419.<\/p>\n<p>(6) <i>Reemtsma<\/i> a. a. 0., S. 7. Noch schlichter hat dies eine junge Frau ausgedr\u00fcckt, die am 27. Januar 2012 im Stuttgarter Landtag als ,Jugend Guide&#8216; eines Geschichtsprojekts eingeladen war: &#8222;Es geht einfach darum, was f\u00fcr ein Mensch man sein will.&#8220;<\/p>\n<p>(7) <i>Vera Kattermann<\/i>, Endlich fertig erinnert? Ein psychoanalytischer Beitrag zur Diskussion kollektiver Vergangenheitsarbeit, Merkur 756, Heft 5, 66. Jahrgang (Mai 2012), S. 459-465; S. 463.<\/p>\n<p>(8) <i>Ulrike Jureit, Christian Schneider,<\/i> Gef\u00fchlte Opfer. Illusionen der Vergangenheitsbew\u00e4ltigung, Stuttgart Klett-Cotta 2010. 9 &#8222;Bravour\u00f6s bew\u00e4ltigt&#8220;, Interview mit Hans-Ulrich Wehler, Die Welt am Sonntag vom 08 Mai 2005.<\/p>\n<p>(10) <i>Harald Welzer<\/i>, &#8222;Weitgehend ohne Moral&#8220;, Frankfurter Rundschau 16.\/17. Mai 2012, Nr. 114, 68. Jahrgang, S. 32. MigrantInnen finden ihre eigenen Wege zur Holocaust-Erinnerung. Statt im ,Betroffenheits&#8216; Modus zu reagieren k\u00f6nnen sie stolz darauf sein, dass die T\u00fcrkei den aus Deutschland fliehenden Juden Asyl gew\u00e4hrt hat. Au\u00dferdem m\u00fcssen sie sich nicht mit der deutschen Schuld, sondern k\u00f6nnen sich aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen mit den diskriminierten und ausgegrenzten Juden identifizieren.<\/p>\n<p>(11) Aus einer Rede von <i>John Ralston Saul <\/i>bei einer Einb\u00fcrgerungszeremonie in Vancouver am 1. M\u00e4rz 2007.<\/p>\n<p>(12) Es handelt sich um <i>Juozas Ambrazevicius-Brazaitis<\/i>, Vorsitzender der \u00dcbergangsregierung von Litauen w\u00e4hrend der ersten sechs Wochen Litauens unter deutscher Besatzung.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[2125],"publikationen":[1431],"class_list":["post-11725","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-aleida-assmann","publikationen-2-2012"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Weltmeister im Erinnern? - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/2-2012\/publikation\/weltmeister-im-erinnern\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Weltmeister im Erinnern? - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"\u00dcber das Unbehagen an der deutschen Erinnerungskultur aus vorg\u00e4nge Heft 2\/2012, S.24-32 Die Situation ist paradox. 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