{"id":11729,"date":"2012-06-01T21:45:00","date_gmt":"2012-06-01T19:45:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/die-ddr-aufarbeitung-und-die-politik-der-erinnerung\/"},"modified":"2012-06-01T12:00:00","modified_gmt":"2012-06-01T10:00:00","slug":"die-ddr-aufarbeitung-und-die-politik-der-erinnerung","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/2-2012-vorgaenge\/publikation\/die-ddr-aufarbeitung-und-die-politik-der-erinnerung\/","title":{"rendered":"Die DDR-Aufarbeitung und die Politik der Erinnerung"},"content":{"rendered":"<p>Das Beispiel Bautzen<\/p>\n<p>aus: vorg\u00e4nge Heft 2\/2012,S.69-81<\/p>\n<p>Gem\u00e4\u00df einer konstruktivistischen Geschichtsschreibung, die davon ausgeht, dass \u00fcberlieferte Geschichte kulturell hergestellt und \u00fcber die Vermittlung der Vergangenheit zugleich viel \u00fcber die Gegenwart mitgeteilt wird, scheint es geboten, der Frage nachzugehen, wer pr\u00e4gte in diesen 20 Jahren nach 1989 das SBZ\/DDRGeschichtsnarrativ und mit welchen Folgen? Wie beeinflusst sind die Aufarbeitung und das Entstehen einer beispiellosen Gedenkst\u00e4ttenlandschaft durch die Zeitzeugen, wenn ein kommunikatives Ged\u00e4chtnis und ein kulturelles Ged\u00e4chtnis parallel entstehen? F\u00fcr die Aufarbeitung der SBZ\/DDR-Vergangenheit in den ersten 20 Jahren nach dem Kollaps des Regimes l\u00e4sst sich sagen, dass sie durch diese Parallelit\u00e4t eine geschichtsund erinnerungspolitische Rufladung erhielt und deshalb \u00e4u\u00dferst widerspr\u00fcchlich verlief Erstens sorgten die Wortf\u00fchrer der SBZ\/DDR-Aufarbeitung (Opfer und ihre Vertreter, Oppositionelle und B\u00fcrgerbewegte), im unbedingten Wollen, unmittelbar die Verbrechen aufzudecken und Zeichen der Erinnerung zu setzen, einerseits f\u00fcr eine erh\u00f6hte \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit und Sensibilisierung gegen\u00fcber SBZ\/DDR-Unrecht, andererseits bef\u00f6rderten sie in diesem unbedingten Wollen tendenzi\u00f6se Sichtweisen und beg\u00fcnstigten Mythenbildungen.<\/p>\n<p>Zweitens war die Aufarbeitung der SBZ\/DDR-Vergangenheit wie keine andere Vergangenheitsschicht Gegenstand aktuell-politischer Initiativen und Profilierungen. So zeugen zwei Enquete-Kommissionen sowie die verschiedenen Gesetzesinitiativen des Deutschen Bundestages zu Aktensicherung und zur Gedenkst\u00e4ttenfinanzierung von einem bis dahin unbekannten Ma\u00df an \u00f6ffentlichem Bekenntnis zur Diktaturaufarbeitung. Andererseits genoss die allm\u00e4hliche Institutionalisierung der Erinnerung in der Tagespolitik minimale Unterst\u00fctzung, standen die m\u00fchsamen K\u00e4mpfe um einzelne historische Orte im krassen Widerspruch zum proklamierten Aufarbeitungsdiktum. Anhand der Entwicklungsgeschichte der Gedenkst\u00e4tte Bautzen lassen sich diese Antinomien im Umgang mit der SBZ\/DDR-Vergangenheit nach 1989 beispielhaft rekonstruieren und belegen.(1)<\/p>\n<p>Im Vordergrund der Aufarbeitungsbem\u00fchungen in Bautzen stand zun\u00e4chst das &#132;Speziallager Nr. 4&#148; (sp\u00e4ter Nr. 3), das in Bautzen I zwischen Mai 1945 und Februar 1950 unter sowjetischer Verwaltung existiert hatte und von 1950 bis 1956 unter der DDR-Verwaltung als politische Haftanstalt fortgef\u00fchrt wurde.(2) Vergleichbar anderen Speziallagern in der SBZ entwickelte sich das &#132;Speziallager Bautzen&#148; von einem Entnazifizierungs- zu einem Willk\u00fcrinstrument zur Isolation und Repression politisch unliebsamer Personen, insbesondere solcher, die die sowjetische Besatzungspolitik ablehnten, denen zunehmend &#132;antisowjetische Propaganda&#148;, &#132;illegale Gruppenbildung&#148; und &#132;Spionage&#148; vorgeworfen wurde. Aufgrund der H\u00e4ftlingsbewegungen waren in ,Bautzen I&#8220; bzw. im so genannten &#132;Gelben Elend&#148; zwischen Sommer 1945 und Februar 1950 insgesamt j\u00e4hrlich durchschnittlich 6.500 Menschen gleichzeitig in Haft, f\u00fcr den gesamten Zeitraum werden rund 27.300 H\u00e4ftlinge gesch\u00e4tzt .(3) Zwischen 1949 und 1952 waren in Bautzen durchschnittlich 5.800 SMT-Verurteilte inhaftiert, darunter auch Jugendliche, die aufgrund des Verdachts der Werwolf-Aktivit\u00e4t ins Gef\u00e4ngnis kamen .(4) Etwa ein Drittel war bei Kriegsende 18 Jahre und j\u00fcnger gewesen, sodass eine NS-Verstrickung kaum vorgelegen haben konnte .(5)<\/p>\n<p>Aus diesen H\u00e4ftlingsgruppen rekrutierten sich die Wortf\u00fchrer der Aufarbeitung der politischen Haft in Bautzen. Sie waren nach ihrer Speziallagerhaft in die BRD gegangen und hatten sich dort jahrzehntelang um die Anerkennung der an ihnen ver\u00fcbten Verbrechen eingesetzt. Ideologisch vertraten sie einen dezidiert antikommunistischen Standpunkt und attestierten der DDR ein durch und durch totalit\u00e4rer Staat gewesen zu sein. Ihr geschichtspolitisches Interesse, die sowjetische Besatzungsmacht und die DDR als kommunistische Gewaltherrschaft zu deuten und zu delegitimeren, fu\u00dfte dabei auf ihrer eigenen biographischen Leiderfahrung. Immer dann, wenn Forschungen zu Ergebnissen kamen, die von ihrer individuellen Erinnerung abwichen, oder wenn die musealen Darstellungen der Vergangenheiten nicht mit eigenen Hafterfahrungen \u00fcbereinstimmten, entbrannten Auseinandersetzungen um die Einordnung des SBZ\/DDR-Unrechts und sahen Betroffene sich von Verharmlosung und Relativierung der an ihnen ver\u00fcbten Verbrechen bedroht.(6) Entsprechend entz\u00fcndeten sich Konflikte insbesondere immer dann, wenn der eigene Opfer-Status und das erlittene Systemunrecht in Gefahr schienen. Hierzu z\u00e4hlten z. B. die widerspr\u00fcchlichen Angaben und Interpretationen von Opferzahlen f\u00fcr die Speziallagerzeit, aber auch historische Differenzierungen zwischen verschiedenen Zeitschichten und Erinnerungssymbolen. Dies wird im Folgenden n\u00e4her ausgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>\u00dcberwiegend organisiert in der Vereinigung der Opfer des Stalinismus, die sich bereits 1950 in West-Berlin gegr\u00fcndet hatte, ergriffen ehemalige Speziallageropfer mit dem Ende des DDR-Strafvollzuges im &#132;Gelben Elend&#148; die erstmalige Gelegenheit, an ihre Leidensst\u00e4tte zur\u00fcckzukehren, um am historischen Ort ihrer toten Mitgefangenen nunmehr ungehindert \u00f6ffentlich zu gedenken und hierf\u00fcr Massengr\u00e4ber zu identifizieren. Zugleich reklamierten sie damit ihre Deutungsmacht in Bezug auf die Aufarbeitung ihrer Verfolgungsgeschichte. So wandte sich bereits am 1. Januar 1990 der ehemalige Speziallager-H\u00e4ftling Benno von Heynitz aus Weilburg (BRD) als Mitglied des SPD-Arbeitskreises ehemaliger politischer H\u00e4ftlinge der SBZ\/DDR(7) an die Ev.-luth. Kirche sowie an die SPD-Vertreter des Runden Tisches Bautzen und regte an, die Gr\u00e4ber der Speziallagertoten in Bautzen festzustellen und die auf dem &#132;Karnickelberg&#148; vermuteten gr\u00f6\u00dften Massengr\u00e4ber der deutschen Nachkriegsgeschichte zu sichern. Gleichzeitig k\u00fcndigte er an, dass die in der BRD organisierten ehemaligen politischen H\u00e4ftlinge der Zeit 1945&#151;1950 planten, hierf\u00fcr noch im Fr\u00fchjahr 1990 unter Beisein der Medien nach Bautzen zu reisen.(8) Daraufhin beschloss der Runde Tisch Bautzen schon am 9. Februar 1990 die Gr\u00fcndung einer &#132;Gesellschaft zur Untersuchung der Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Gelben Elend und Bautzen II&#8220;.(9) Auch wurde Heynitz&#8216; Vorschlag angenommen, die Gr\u00fcndung mit einer feierlichen Begehung des &#132;Karnickelberges&#148; sowie mit einem Besuch der Strafvollzugseinrichtung 1 &#132;abzurunden&#148;. (10)<\/p>\n<p>Am 31. M\u00e4rz 1990 trafen sich tats\u00e4chlich rund 150 ehemalige H\u00e4ftlinge (\u00fcberwiegend angereist aus der BRD), um der Haftkameraden aus dem Speziallager Bautzen zu gedenken. In Anlehnung an das internationale &#132;Auschwitz-Komitee&#148; und das internationale &#132;Dachau-Komitee&#148; wurde die geplante &#132;Gesellschaft zur Untersuchung der Verbrechen gegen die Menschlichkeit&#148; noch am gleichen Tag als ,Bautzen-Komitee&#148; durch das Berufen einer Gr\u00fcndungskommission ins Leben gerufen.(11) In bewusster Analogie zu den Konzentrations- und Vernichtungslagern des Nationalsozialismus, sollte auch das ehemalige (Spezial-)&#132;Lager Bautzen&#8220; auf diese Weise eine eigene Interessenvertretung ehemaliger Lageropfer erhalten.(12) Insgesamt sollte Bautzen, neben Sachsenhausen und Buchenwald, fortan zu den \u00f6ffentlich und fachlich anerkannten historischen Orten geh\u00f6ren, an denen Menschheitsverbrechen stattgefunden hatten.(13) Die politische Haft in der stalinistischen Zeit (1945&#151;1956) im &#132;Gelbe Elend&#148; wurde hierzu \u00fcberwiegend mit den beiden NS-Konzentrationslagern Sachsenhausen und Buchenwald verglichen, die ihrerseits \u00fcber eine eigene Speziallagergeschichte verf\u00fcgten. Es wurde \u00f6ffentlich die k\u00fchne These vertreten, dass die Verbrechen nach 1945 in Bautzen sogar die Gewalttaten \u00fcberwogen h\u00e4tten, die es zur gleichen Zeit in Buchenwald und Sachsenhausen gegeben h\u00e4tte. Hierbei bedienten sich die ehemaligen Speziallager-H\u00e4ftlinge einer Symbolsprache, die vornehmlich aus der NS-Aufarbeitung stammte. Sie benutzten Chiffren, die bis dahin nur mit dem Holocaust in Verbindung gebracht wurden. So wurde konstatiert, dass die ehemaligen H\u00e4ftlinge des &#132;Gelben Elends&#148; ebenfalls in einem G\u00fcterwaggon deportiert worden seien und das Speziallager wurde als \u00bbKZ\u00ab bezeichnet.(14)<\/p>\n<p>In \u00e4hnliche Richtung weisend prangerten ehemalige Bautzen-Opfer zugleich an, dass es sich beim Speziallager Bautzen, vergleichbar mit den NS-Konzentrationslagern, um eine geplante und zielgerichtete Massenvernichtung gehandelt habe, die \u00c4hnlichkeiten zur industriellen Vernichtung von Millionen in den NS-KZ gehabt habe: &#132;In den genannten Lagern wurden massenhaft Menschen in einer Form beseitigt, wie sie radikaler kaum m\u00f6glich ist. Zehntausende verschwanden ohne ein Lebenszeichen unter unmenschlichen Haftbedingungen, Zehntausende wurden namenlos irgendwo verscharrt, Zehntausende sind heute noch spurlos verschwunden. Die zielgerichtete Vernichtung durch unmenschliche Arbeits- oder Haftbedingungen ist als Methode zielgerichteter Massenvernichtung aus der Zeit der NS-Konzentrationslager bekannt [&#8230;].&#8220;(15)<\/p>\n<p>Die Zuschreibung, der &#132;Karnickelberg&#148; sei deshalb immerhin eines der gr\u00f6\u00dften Massengr\u00e4ber der Nachkriegszeit, wurde im Zuge dieser ersten Initiativen nicht n\u00e4her hinterfragt sondern \u00f6ffentlich festgeschrieben,(16) gleiches galt f\u00fcr die bis dato vermutete Anzahl der Speziallageropfer, die von Betroffenenseite zu diesem Zeitpunkt auf 12.000&#151;16.000 gesch\u00e4tzt wurde.&#8220;(17) Dabei bezogen sich die ehemaligen H\u00e4ftlinge u. a. auf einen Bericht der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SOPADE-Bericht) von 1955, in dem erstmals geb\u00fcndelt und breit gestreut Informationen \u00fcber das Speziallager Bautzen in die \u00d6ffentlichkeit gelangten, und in dem von mindestens 16.700 Toten zwischen 1945 und 1949 in Bautzen&#8216; die Rede ist.(18) Mit Verweis auf diesen von den sowjetischen Besatzern ver\u00fcbte Massenmord, rechtfertigten die ehemaligen Opfer fortan das Errichten eines w\u00fcrdigen Gedenkortes und forderten eine Aufkl\u00e4rung dieser &#132;kommunistischen Gewaltherrschaft&#8220;.(19) Deutsche Kommunisten und mit diesen die sowjetische Besatzungsmacht h\u00e4tten so das nationalsozialistische Gestapo-Regime auf ihre Weise fortgesetzt, kommentierte die Presse. (20)<\/p>\n<p>Neben diesen Analogieschl\u00fcssen wurde also begrifflich wie auch symbolpolitisch zwischen Stalinismus, Kommunismus und Staatssozialismus nicht st\u00e4rker differenziert. Alle Bautzener Verbrechen zwischen 1945 und 1989 wurden nun als &#132;kommunistische Verbrechen&#148; zusammengefasst; die unter Stalin genauso wie die in der sp\u00e4ten DDR unter Honecker. So lautete ein Kommentar des Sprechers des SPD-Arbeitskreises: &#132;Noch heute ist Bautzen gleichsam Synonym f\u00fcr die an Deutschen begangenen Verbrechen der Kommunisten.&#8220;(21) Damit wurde die stalinistische \u00c4ra im Grunde genommen auf die Zeit bis 1989 ausgedehnt bzw. zwischen verschiedenen Verfolgungsperioden in Bautzen nicht weiter unterschieden. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hie\u00df es daher: &#132;Denn bis zum Sturz jenes stalinistischen SED-Regimes, das in der Zeit jener Verbrechen begr\u00fcndet wurde, w\u00e4re jeder, der an die vielen zigtausend Opfer der Gewaltherrschaft zu erinnern gewagt h\u00e4tte, schnell selbst deren Opfer geworden.&#8220;(22) Diese &#132;Eckpfeiler&#148; strukturierten fortan den Aufarbeitungsverlauf und die geschichtspolitischen Debatten um die Gedenkst\u00e4tte Bautzen. Rechtskonservative Auslegungen der Totalitarismustheorie erfuhren auch in Bautzen eine Renaissance und im Zuge des Opfergedenkens und der fr\u00fchen Aufarbeitung wurden antikommunistische Traditionen wiederbelebt.<\/p>\n<p>Es wurden auf dem Karnickelberg und in seiner Umgebung, unterst\u00fctzt von der Bundeswehr, Grabungen und radargest\u00fctzte Untersuchungen durchgef\u00fchrt, um die Massengr\u00e4ber aufzusp\u00fcren, f\u00fcr deren Existenz die ehemaligen H\u00e4ftlinge noch den Beweis schuldig geblieben waren. Bei einer ersten Grabung 1990 wurden jedoch nur die \u00dcberreste von sieben Leichen gefunden.(23) Bei einer zweiten Grabung zwischen September und Oktober 1992 wurden weitere 176 Skelette aufgesp\u00fcrt. Die Menschen waren nicht durch \u00e4u\u00dfere Gewalteinwirkung gestorben, sondern durch Mangelern\u00e4hrung und daraus resultierende Krankheiten.(24) Dieser Befund widersprach den Bekundungen der ehemaligen Speziallageropfer, f\u00fchrte jedoch nicht zur Korrektur der Annahme, beim Karnickelberg g\u00e4be es verdeckte Massengr\u00e4ber. Die ehemaligen H\u00e4ftlinge hielten an ihren hohen Zahlen fest, verbanden sich doch damit auch Forderungen nach Wiedergutmachung, Rehabilitation und Entsch\u00e4digungen. Dabei waren die Sch\u00e4tzungen auch durch eine Auswertung von Quellen schon bis Mitte der 90er Jahre wissenschaftlich \u00fcberholt.(25)<\/p>\n<p>Und als die Gedenkst\u00e4tte Bautzen im Zuge einer gesteigerten Forschung f\u00fcr Ausstellungen und f\u00fcr das Erstellen eines Totenbuches anfing, die in der Forschung bis 2002 grassierenden unterschiedlichen Totenzahlen(26) und H\u00e4ftlingsstrukturen durch eigene Recherchen erheblich nach unten zu korrigieren, und dabei auch offenlegte, dass die Gruppe der H\u00e4ftlinge wohl heterogener war, als gemeinhin angenommen,(27) brach ein vehementer Streit zwischen der inzwischen von Wissenschaftlern gef\u00fchrten Gedenkst\u00e4tte und dem Bautzen-Komitee aus. Die Gedenkst\u00e4tte bezweifelte die \u00fcberh\u00f6hten Zahlen der Listen des Deutschen Roten Kreuzes und des SOPADE-Berichtes und gab zu bedenken, &#132;[&#8230;] dass es sich bei den Namenslisten um nicht bereinigte Datens\u00e4tze handelt [](28) Als das Totenbuch schlie\u00dflich 2004 erschien, listete es in einer ersten Auflage f\u00fcr den Zeitraum 1945&#151;1956, abweichend von bisherigen Ver\u00f6ffentlichungen, knapp \u00fcber 3.000 Tote auf, von denen 73 Menschen in den Jahren 1945&#151;1946 hingerichtet worden waren.(29) Zudem grenzte es ein, dass 80 Prozent dieser Menschen nachweislich bis zur zweiten Jahresh\u00e4lfte 1948 vornehmlich an Dystrophie, Tbc und Krankheiten durch Unterversorgung gestorben waren.(30) Zwar machte die Gedenkst\u00e4tte deutlich, dass die extrem desolaten Haftumst\u00e4nde Haupttodesursache waren und dass diese recherchierte Totenzahl &#132;nach oben hin noch offen&#148; sei (u. a. weil es eine nicht zu bestimmende Zahl an Selbstmorden gegeben habe), insgesamt stie\u00df die Ver\u00f6ffentlichung des Totenbuches jedoch bei den ehemaligen H\u00e4ftlingen auf herbe Kritik.(31) Sie hielten an ihrer Auffassung fest, bei Bautzen habe es sich um ein Massenvernichtungslager mit Massent\u00f6tungen gehandelt, dem \u00fcber 16.700 zum Opfer gefallen seien. Und allein weil die Quellen des Totenbuches, n\u00e4mlich die \u00dcberlieferungen der Lagerverwaltung (v. a. das &#132;Journal der t\u00e4glichen Registrierung&#148; und die Berichte der Lagerleitung an die Sowjetische Milit\u00e4radministration) aus der &#132;Feder der T\u00e4ter&#148; stammten, k\u00f6nne man diesen nicht vertrauen und seien die Zahlen gesch\u00f6nt, wiesen die Opfervertreter die Argumente der Gedenkst\u00e4tte zur\u00fcck.(32) Zudem z\u00f6gerten sie nicht, der Gedenkst\u00e4tte und anderen prononcierten Historikern auf diesem Gebiet auftragsgem\u00e4\u00dfe &#132;Geschichtsf\u00e4lschung&#148; zu unterstellen.(33) Auch wurde dem wissenschaftlichen Mitarbeiter der Gedenkst\u00e4tte nahe-gelegt: &#132;Historikern, die bisher die Freiz\u00fcgigkeit der russischen Archive priesen, und seit f\u00fcnf Jahrzehnten belogen werden, ist ernsthaft anzuraten sich um ehrliche Gespr\u00e4chspartner und ebensolche Informationen zu bem\u00fchen.&#8220;(34)<\/p>\n<p>&#132;Ich sehe derzeit keine andere M\u00f6glichkeit, an die Namen der Verstorbenen zu gelangen. Eine Aufz\u00e4hlung mit den Namen von bis zu 10.000 Toten in Bautzen ist mir nicht bekannt, andernfalls h\u00e4tte ich sie ber\u00fccksichtigt&#148;, wies die Gedenkst\u00e4tte den Vorwurf zur\u00fcck, sie hielte sich an die falschen Quellen.(35) Und mit den Argumenten, es ginge beim Totenbuch statt um einen &#132;body count&#148; vielmehr um ein w\u00fcrdevolles Totengedenken, nahm sie den Opfervertretern den Wind aus den Segeln.(36) Doch auch eine \u00fcberarbeitete zweite Auflage, mit geringf\u00fcgig erh\u00f6hten Zahlen, f\u00fchrte auf Seiten der Opfervertreter zu starker Kritik. &#132;Leider haben die dem Totenbuch zu entnehmenden, auf angeblich wissenschaftliche Bearbeitung beruhenden Opferzahlen mit der Wirklichkeit \u00fcberhaupt nichts zu tun&#148;, lautete der Kommentar der Totenbuch-Kritiker in der Zeitschrift Der Stacheldraht.(37)<\/p>\n<p>Neben den hier beispielhaft angef\u00fchrten Opfervertretern, die sich schwer mit der wissenschaftlichen Gedenkst\u00e4ttenarbeit und neueren Forschungsergebnissen taten, gab es aber auch einen Vertreter unter den ehemaligen H\u00e4ftlingen, der zum anderen Extrem neigte. Nicht minder pauschalisierend beschrieb er die ehemaligen H\u00e4ftlinge Bautzens: &#132;Diese Menschen waren T\u00e4ter und reklamieren nun f\u00fcr sich die Opferrolle, um ihre<br \/>Schuld zu relativieren. Viele f\u00e4lschen ihre Biographie, um sich Entsch\u00e4digungen zu erschwindeln und schreien dreist auch noch nach Ehrenrenten&#8220;.(38) Im Unterschied zu seinen Haftkameraden, bezog er sich ausdr\u00fccklich auf neuere Forschungsergebnisse, um zu belegen, &#132;[&#8230;] dass der Anteil politisch motivierten Widerstandes nur noch eine Minderheit ist&#148; und &#132;[&#8230;] dass die unermesslichen Verbrechen der Deutschen an den Russen Schlimmeres erwarten lie\u00df und auch rechtfertigen w\u00fcrde als das, was sie den Deutschen angetan haben&#148;(39) Angesichts der belegten Todeszahlen von unter f\u00fcnf Sterbef\u00e4lle pro Tag f\u00fcr den Zeitraum 1945&#151;1950 kam er zu dem Schluss: &#132;In Anbetracht des Lebensalters der Verstorbenen [&#8230;] und der Lebenssituation in diesen Nachkriegsjahren, entspricht das fast der durchschnittlichen Sterberate eines Gemeinwesens mit solcher Altersstruktur.&#8220;(40) Es sei &#132;[&#8230;] zynisch 44 Tausend nicht willentlich get\u00f6tete Menschen anklagend aufzurechnen, ohne die 55 Millionen Tote, die auf das Konto des deutschen Volkes zu buchen sind, gegen\u00fcberzustellen, wobei allein 3,3 Millionen russische Kriegsgefangene innerhalb von 3 Jahren in deutscher Obhut verhungert sind&#148;, lautete seine Gegenrechnung, mit der er wiederum Gefahr lief, das &#132;Gelbe Elend&#148; zu relativieren.(41)<\/p>\n<p>Weitere Konflikte entfachten sich an einem Gefangenensammeltransportwaggon der Deutschen Reichbahn, den das Bautzen-Komitee zum Aufstellen im Innenhof der JVA Bautzen 111995 organisiert hatte. Auch hier positionierten sich Historiker gegen den Willen der Opfervertreter. So lehnten der Stiftungsrat und der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Stiftung s\u00e4chsische Gedenkst\u00e4tten den Ankauf und das Aufstellen eines Gefangenensammeltransportwaggons ab, den das Bautzen-Komitee anl\u00e4sslich des Besuches des Ministerpr\u00e4sidenten Roman Herzog und dann auf Dauer im Innenhof der Gedenkst\u00e4tte Bautzen geplant hatte. An diesem Ort habe es weder eine Gleisanbindung noch Waggontransporte gegeben, lautete die Begr\u00fcndung.(42) Der Vertreter des Zentralrates der Juden kommentierte als Mitglied des Stiftungsrats den Beschluss, das Aufstellen des Waggons &#132;[&#8230;] sei eine Inszenierung von Geschichte, missverst\u00e4ndlich und irritierend. Grunds\u00e4tzlich sollten bei der Anschaffung von Sachzeugen die inhaltlichen Schwer-punkte einer Gedenkst\u00e4tte beachtet werden, es k\u00f6nnten sonst verf\u00e4lschte Geschichtsbilder entstehen&#8220;.(43) D. h., nicht nur aufgrund der fehlenden lokalen Bez\u00fcge verhinderte die Stiftung ein Aufstellen des Waggons, sondern auch, um eine Vermischung der Erinnerungszeichen zu vermeiden. Der &#132;G\u00fcterwaggon&#148; sollte als signifikantes Symbol f\u00fcr den Holocaust durch die vom Bautzen-Komitee geplante Dekontexutalisierung nicht aufgeweicht bzw. relativiert, einer symbolpolitischen Nivellierung der Verbrechen stattdessen vorgebeugt werden. Die Stiftung wolle das &#132;DDR-Folterfahrzeug&#148; als &#132;Beweismittel vernichten&#148;, konterte ein Bautzen-Komitee-Mitglied der Stiftung.(44) Als der Bundespr\u00e4sident Herzog am 21. M\u00e4rz 1995 schlie\u00dflich die Bautzener Gef\u00e4ngnisse besuchte, war im Hofbereich von &#132;Bautzen II&#148; schon das Schotterbett mit Gleis angelegt.(45)<\/p>\n<p>Diese Auseinandersetzungen ereigneten sich vorwiegend hinter den Kulissen und gewannen nur wenig \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit. Sie begleiteten die zunehmende Konsolidierung und Professionalisierung der Aufarbeitung, ohne diesen Prozess zu beeinflussen oder gar zu lenken. Ganz anders hingegen, n\u00e4mlich mit einer breiten \u00f6ffentlichen Resonanz sowie mit konkreten Folgen f\u00fcr die Erinnerungslandschaft, verlief der Institutionalisierungsprozess der Gedenkst\u00e4tte Bautzen. Auch hier zeigte sich eine Antinomie im Umgang mit den historischen Orten, sie manifestierte sich in der inkoh\u00e4renten \u00f6ffentlichen F\u00f6rderung der Aufarbeitungsinitiativen und einer Diskrepanz zwischen delegitimatorischem politischen Willen und phlegmatischem realpolitischen Handeln. Obwohl die Gedenkst\u00e4tte Bautzen zu den wenigen Orten geh\u00f6rte, die im ersten Anlauf in die Gedenkst\u00e4ttenkonzeption des Bundes von 1999 aufgenommen wurden, gab es auch dort erinnerungs- und geschichtspolitisch widerspr\u00fcchliche Entwicklungen.<\/p>\n<p>Bereits am 12. September 1990 wandte sich das Bautzen-Komitee an das Bundesministerium f\u00fcr innerdeutsche Beziehungen und beantragte einen Zuschuss f\u00fcr das Setzen eines Denkmals.(46) Es lehnte jedoch eine Zuwendung und die Zust\u00e4ndigkeit hierf\u00fcr entschieden ab, der Landkreis Bautzen sprang kurzfristig ein (47) Die Idee, im ehemaligen Hundezwinger auf dem Karnickelberg ein Dokumentationszentrum einzurichten,(48) fand wiederum bei der Lokalpolitik keine Unterst\u00fctzung, vielmehr beantragte die CDU-Fraktion, in der JVA &#132;Bautzen II&#148; k\u00f6nne ein Museum mit Begegnungsst\u00e4tte zur Dokumentation der Haft bis 1989 mit Archiv und Seminarm\u00f6glichkeiten eingerichtet werden. Zugleich sollte die Gedenkst\u00e4tte Rehabilitationsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr ehemalige H\u00e4ftlinge schaffen(49) Das S\u00e4chsische Staatsministerium der Justiz als Verwalterin und Tr\u00e4gerin der JVA lehnte diesen Vorschlag aber ab. Lediglich einer kleinen Ausstellung in einem Seitentrakt der Gef\u00e4ngnisses zulasten der dort geplanten &#132;Regelhaft&#148; akzeptierte es. Baulich und organisatorisch jedoch getrennt von einem Museum, m\u00fcsse diese Au\u00dfenstelle k\u00fcnftig als Untersuchungshaftanstalt weiterverwendet werden, lautete daher die vorl\u00e4ufige Antwort des Justizministeriums.(50)<\/p>\n<p>Am 21. Februar 1992 besuchte Bundeskanzler Helmut Kohl die Gedenkanlage auf dem Karnickelberg und versprach, sich f\u00fcr den Bau einer Gedenkkapelle und f\u00fcr die Errichtung einer nationalen Gedenkst\u00e4tte zu engagieren.(51)Diesen Ball aufnehmend, wandte sich das Bautzen-Komitee Ende April 1992 direkt an den Ministerpr\u00e4sidenten Biedenkopf und regte die Errichtung einer Landesstiftung an, die die Tr\u00e4gerschaft f\u00fcr die Gedenkst\u00e4tten f\u00fcr die Opfer politischer Gewaltherrschaft zu \u00fcbernehmen habe, so auch eine Gedenkst\u00e4tte in Bautzen.(52)Im August legte es ein Konzept f\u00fcr ein Menschrechtsmuseum vor.(53)Im Oktober 1992 kamen stattdessen Informationen an die \u00d6ffentlichkeit, das Liegenschaftsamt plane in der JVA Bautzen II ein Gro\u00dfraumb\u00fcro einzurichten. Das Bautzen-Komitee protestierte umgehend und bat den Staatsminister f\u00fcr Wissenschaft und Kultur Meyer und den Ministerpr\u00e4sidenten Biedenkopf, dieses Vorhaben sofort zu verhindern. Der beabsichtigte Umbau k\u00e4me einer Verh\u00f6hnung der Stasi-Opfer gleich. Eine offizielle Beseitigung von Stasi-St\u00e4tten des Grauens und jahrzehntelanger Verletzung der Menschenrechte darf es nicht geben, appellierte es an beide.(54)Sie wurden aufgefordert, sich aufgrund der Gro\u00dfraumb\u00fcro-Planung jetzt erst recht f\u00fcr die Errichtung eines Menschenrechtsmuseum einzusetzen.(55)Alarmiert durch die Pressekampagne des Bautzen-Komitees machten sich nun auch die anderen Landtagsfraktionen (SPD und B\u00fcndnisgr\u00fcne) f\u00fcr die Errichtung einer Gedenkst\u00e4tte in Bautzen stark.(56)<\/p>\n<p>Im Dezember r\u00fcckte das S\u00e4chsische Staatsministerium deeskalierend von den eigenen Pl\u00e4nen ab und reduzierte den Raumbedarf auf eine museumsfreundliche Parallelnutzung als Gerichtsarchiv.(57)Und auch das Staatsministerium f\u00fcr Finanzen ruderte zur\u00fcck und k\u00fcndigte an, das Kulturstaatsministerium werde ein Kuratorium zur Errichtung einer Gedenkst\u00e4tte einrichten.(58)Dieses Gremium wurde nie einberufen, auch wurde keine Kommission eingesetzt zur Erarbeitung von Empfehlungen einer S\u00e4chsischen Gedenkst\u00e4ttenstiftung. Vielmehr dr\u00fcckten die Fraktionen FDP und CDU die Gr\u00fcndung einer Landesstiftung per Dekret durch, mit der Begr\u00fcndung: &#132;[&#8230;] So ist Buchenwald ein Symbol der Verbrechen des Nationalsozialismus &#151; Bautzen II eine Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr kommunistische Verbrechen in Sachsen.&#148; D. h., nur weil &#132;Bautzen II&#148; geschichtspolitisch Buchenwald gleichgesetzt und pl\u00f6tzlich als Symbol einer verfehlten linken Politik betrachtet wurde, wurde ihm staatspolitische F\u00f6rderung zuteil.(59)<\/p>\n<p>Durch eine Aufnahme in die Gesamtkonzeption zur Beteiligung des Bundes an den Gedenkst\u00e4tten in der Bundesrepublik Deutschland, an welcher das Bundesinnenministerium zum gleichen Zeitpunkt feilte, sollte die zuk\u00fcnftige Gedenkst\u00e4tte in der ehemaligen Haftanstalt &#132;Bautzen II&#148; alsbald als m\u00f6glich finanziell abgesichert werden.(60)Doch erst auf Veranlassung der Landtagsfraktionen von SPD- und B\u00fcndnisgr\u00fcnen, die vom Bautzen-Komitee und der Presseberichterstattung unter Handlungsdruck gesetzt wurden, und aufgrund der besch\u00e4menden Tatsache, dass bei der R\u00e4umung der JVA erhebliche Sachsch\u00e4den und substanzielle Verluste entstanden waren, f\u00fcr die das Justizministerium die Verantwortung weitgehend ablehnte, gelang es schlie\u00dflich, die ehemalige JVA Bautzen II in die alleinige Zust\u00e4ndigkeit des Kulturstaatsministerium zu bringen und f\u00fcr eine Gedenkst\u00e4tte zu &#132;reservieren&#8220;.(61)Mit der \u00dcberf\u00fchrung der Gedenkst\u00e4tte in die Tr\u00e4gerschaft der 1994 per Regierungsdekret gegr\u00fcndeten Stiftung S\u00e4chsische Gedenkst\u00e4tten im August desselben Jahres, endete der Schlingerkurs. Das Projekt schien perspektivisch gesichert.(62)F\u00fcr 1995 wurden ABM- Stellen f\u00fcr Aufr\u00e4umarbeiten geschaffen auch wurden Mittel f\u00fcr Sanierungsarbeiten bereitgestellt.(63)Ab September 1996 wurden drei Wissenschaftlerinnen mit der Erarbeitung eines tragf\u00e4higen Konzeptes beauftragt.(64)<\/p>\n<p>Doch eine Aufnahme in die institutionelle Bundesf\u00f6rderung, die dem Bundesgesetzesentwurf \u00fcber die F\u00f6rderung von Gedenkst\u00e4tten von gesamtstaatlicher Bedeutung gem\u00e4\u00df auch f\u00fcr Bautzen m\u00f6glich werden konnte, wurde derweil so lange durch die S\u00e4chsischen Staatsministerien f\u00fcr Justiz, Finanzen und f\u00fcr Inneres blockiert, dass das gesamte Projekt noch bis in den April 1998 zu scheitern drohte.(65) Nur weil das Kulturstaatsministerium den Blockadeministerien am Ende offen damit drohte, sie riskierten einen manifesten gedenkst\u00e4ttenpolitischen Eklat, lenkten sie ein (66) Da sich die S\u00e4chsische Landesregierung in letzter Sekunde dann doch f\u00fcr eine Unterst\u00fctzung einer Gedenkst\u00e4tte Bautzen aussprach, fand die institutionellen Bundesf\u00f6rderung doch noch Eingang in den Schlussbericht der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages doch noch Eingang. Dort hie\u00df es folgerichtig: &#132;Von besonderer Bedeutung ist auch insgesamt das Engagement von ehemaligen Inhaftierten. Ohne dieses Engagement w\u00e4ren die meisten Orte der Inhaftierung in der DDR nicht in das \u00f6ffentliche Bewusstsein gelangt und als Gedenkst\u00e4tten eingerichtet worden. Dies gilt insbesondere f\u00fcr die Haftanstalten in Bautzen, die erst durch das Engagement des Bautzen-Komitees in eine Gedenkst\u00e4ttenkonzeption des Freistaates Sachsen aufgenommen wurden. [&#8230;]. Die Gedenkst\u00e4tte Bautzen, in der ehemaligen Haftanstalt Bautzen II, soll k\u00fcnftig die Geschichte der beiden Bautzener Haftanstalten dokumentieren. Der Bund beteiligt sich seit 1995 mit Projektmitteln an dieser Gedenkst\u00e4tte, ab 1999 ist eine institutionelle F\u00f6rderung durch den Bund, gemeinsam mit dem Freistaat Sachsen (Stiftung S\u00e4chsische Gedenkst\u00e4tten) beabsichtigt&#8220;.(67)<\/p>\n<p>F\u00fcr die Errichtung einer Gedenkkapelle auf dem Karnickelberg stie\u00df das Bautzen-Komitee unvermindert auf b\u00fcrokratische Hindernisse und es brauchte in den Folgejahren immer wieder pressewirksame Interventionen, bis das Gel\u00e4nde zumindest bereitgestellt und eine Gedenkanlage eingerichtet wurde. So appellierte der Bautzener B\u00fcrgermeister an Biedenkopf: &#132;[&#8230;] Die Stadt Bautzen und der Freistaat stehen in der Kritik des Bautzen-Komitees und der \u00d6ffentlichkeit. Es wird Ihnen Verz\u00f6gerung und Unt\u00e4tigkeit vorgeworfen. Dies steht uns nicht gut zu Gesicht [&#8230;] und bitte Sie um baldige konkrete Unterst\u00fctzung&#148; (68) Und am Rande einer Kranzniederlegung an der Gedenk-Stele auf dem Karnickelberg anl\u00e4sslich des Besuchs des Bundespr\u00e4sidenten Roman Herzog im M\u00e4rz 1995 nutzte das Bautzen-Komitee abermals die Gelegenheit, ihn an die von Bundeskanzler Helmut Kohl Jahre zuvor versprochene Gedenkkapelle zu erinnern, die es noch zu errichten galt.(69) Zwar hatte Ministerpr\u00e4sident Biedenkopf bei gleicher Gelegenheit endlich den Bau einer Gedenkkapelle an Ort und Stelle best\u00e4tigt, tats\u00e4chlich passierte in den folgenden vier Jahren nichts. Es erforderte am Ende ein m\u00fchsam arrangiertes Treffen zwischen dem Bautzen-Komitee, dem Landtagsabgeordneten Schiemann und dem Ministerpr\u00e4sidenten Biedenkopf im Mai 1999, damit das Regierungsoberhaupt definitiv bereit war, das eigene Ehrenwort einzul\u00f6sen, n\u00e4mlich die Ged\u00e4chtniskapelle vom Freistaat Sachsen errichten zu lassen und eine volle Kosten\u00fcbernahme durch das Land zu garantieren.(70) Am 13. September 2000, zum zehnj\u00e4hrigen Bestehen des Bautzen-Komitees, fand die festliche Einweihung der Gedenkanlage mit Kapelle unter Beisein von Ministerpr\u00e4sident Biedenkopf und Staatsminister Meyer statt.&#8220;(71)<\/p>\n<p>Die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit war und ist unvermindert gepr\u00e4gt von einem widerspr\u00fcchlichen Umgang. Das Wollen der ehemaligen Diktaturopfer war einerseits eine treibende Kraft f\u00fcr die Aufkl\u00e4rung von Verbrechen und f\u00fcr die Sicherung historischer Tatorte, andererseits bef\u00f6rderte ihre dominierende Sicht bis zu einer wissenschaftlichen Professionalisierung eher undifferenzierte Darstellungen. Platte Vergleiche unterschiedlicher Verbiechenskomplexe, Vereinnahmungen von etablierten Erinnerungssymbolen bzw. Begrifflichkeiten und eine Diskrepanz zwischen individueller Erinnerung und \u00f6ffentlichem Gedenkst\u00e4ttenauftrag liefen ihrem eigenen Streben, dass ihre Geschichte geb\u00fchrend aufgearbeitet werde, zuwider. Zwar gelang es ihnen, durch eine Allianz mit der Presse immer wieder f\u00fcr ihre Sache \u00f6ffentlich Geh\u00f6r zu finden, sobald aber insbesondere die wissenschaftliche Aufarbeitung unliebsame Ergebnis-se zutage f\u00f6rderte, kehrte sich der Aufkl\u00e4rungsanspruch in sein Gegenteil.<\/p>\n<p>An dem Einzelfallbeispiel Gedenkst\u00e4tte Bautzen zeigt sich daher sehr deutlich ein Prinzip, das im Umgang mit anderen historischen Verfolgungsorten der SBZ\/DDR seine Wiederholung findet (z. B. in der neuen Ausstellung der Bildungs- und Gedenkst\u00e4tte Leistikowstra\u00dfe in Potsdam): Die hohe geschichtspolitische Aufladung der Erinnerungskultur scheint die zentrale Konsequenz einer Parallelit\u00e4t von individuellen Ged\u00e4chtnissen, ihrer politischen Verortung und der wissenschaftlicher Forschung zu sein. Ohne den daraus resultierenden \u00f6ffentlichen Streit um Geschichtsbilder, Deutungen und Symbole jedoch, g\u00e4be es so manchen Erinnerungsort erst gar nicht. Die aufgezeigten Antinomien sind die ungeliebten Bedingungen eines w\u00fcnschenswerten Dispositivs.<\/p>\n<p>Aber auch der politische Umgang mit dem Diktaturverm\u00e4chtnis war in den ersten 20 Jahren nicht frei von widerspr\u00fcchlichen Entwicklungen. Obwohl die Gedenkst\u00e4tte Bautzen zu den wenigen Gedenkst\u00e4tten geh\u00f6rt, die fr\u00fch in die Gunst einer institutionellen F\u00f6rderung kam, war der Weg dorthin gepflastert mit Lippenbekenntnissen, kontr\u00e4rem Regierungshandeln und politischen Widerst\u00e4nde zu \u00fcberwinden, bestand der Erinnerungskonsens maximal aus geduldigem Papier. Es fiel den politischen Akteuren insbesondere von der CDU\/CSU in den Jahren nach 89 verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig leicht, die Diktatur in der politischen Debatte und in der Sonntagsrede zu delegitimieren. Daf\u00fcr jedoch tats\u00e4chlich Haushaltsmittel zu investieren und eigene Pl\u00e4ne aufzugeben fiel schwer. Erst als 1998\/1999 durch die zweite Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages sich eine &#132;demokratische Erinnerungskultur&#148; etablierte, die auf der Gedenkst\u00e4ttenkonzeption des Bundes und &#150; vor allem &#150; auf einem extra Haushaltstitel basierte, begann ein Wandel in der Gedenkst\u00e4ttenkultur.<\/p>\n<p>Es hat sich gezeigt, dass insbesondere in den vergangenen 10 Jahren das Interesse an der SBZ\/DDR-Aufarbeitung \u00f6ffentlich und politisch immens gestiegen ist. Das kommunikative Ged\u00e4chtnis dominiert bisweilen den Diskurs, unterst\u00fctzt von einzelnen Wissenschaftlern, die (wie z. B. in der Gedenkst\u00e4tte Berlin-Hohensch\u00f6nhausen) B\u00fcndnisse mit den Wortf\u00fchrern aus Opferverb\u00e4nden, Kreisen ehemaliger B\u00fcrgerrechtler und politischen Vertretungen bevorzugen, statt sich ihrer \u00f6ffentlichen Kritik auszusetzen. Es gibt nur wenige Historiker, die sich gegen den Mainstream stellen und somit ein not-wendiges Korrektiv bilden, die durch neuere Forschungen einseitige Lesarten und Nivellierungen von unterschiedlichen Diktaturerfahrungen und Verbrechenskomplexen abmildern, Mythen aufdecken und eine historisch-wissenschaftliche Professionalisierung bef\u00f6rdern. Es kann daher nur gehofft werden, dass diese Wenigen mutig genug bleiben, ihren Pfad nicht zu verlassen und sich generell nicht geschichts- und erinnerungspolitisch vereinnahmen lassen.<\/p>\n<p>(1) Eine ausf\u00fchrliche Analyse findet sich in Rudnick, Carola S.: Die andere H\u00e4lfte der Erinnerung. Die DDR in der deutschen Geschichtspolitik nach 1989, Bielefeld 2011.<\/p>\n<p>(2) Haritonow weist darauf hin, dass das Speziallager nicht einmal kostenlos \u00fcbergeben wurde, sondern die DDR f\u00fcr das Inventar rund 500.000 Mark bezahlte, vgl. Haritonow, Alexandr: Zur Geschichte des Speziallagers Nr. 4 (3) in Bautzen, in: Plato, Alexander von\/Niethammer, Lutz (Hrsg.): Sowjetische Speziallager in Deutschland 1945-1950, Berlin 1998, S. 347.<\/p>\n<p>(3) Lipinsky, Jan: Akten aus deutschen und sowjetrussischen Archiven &#151; neue Erkenntnisse \u00fcber die sowjetischen Speziallager in Deutschland: Beispiel Bautzen, in: Friedrich-Ebert-Stiftung (Hrsg.): Die Akten der kommunistischen Gewaltherrschaft &#151; Schlussstrich oder Aufarbeitung?. Dokumentation 5. Bautzen-Forum, Leipzig 1994, S. 84; Haritonow, Alexandr: Zur Geschichte des Speziallagers Nr. 4 (3) in Bautzen, in: Plato, Alexander von\/Niethammer, Lutz (Hrsg.): Sowjetische Speziallager in Deutschland 1945-1950, Berlin 1998, S. 333.<\/p>\n<p>(4) Stiftung S\u00e4chsische Gedenkst\u00e4tten (Hrsg.): Geschichte des Speziallagers Bautzen. 1945-1956. Katalog zur Ausstellung, Dresden 2004, S. 10-11, 60.<\/p>\n<p>(5) Morre, J\u00f6rg: Das Speziallager Bautzen als Instrument sowjetischer Herrschaftssicherung, in: Behring, Rainer\/Schmeitzner, Mike (Hrsg.): Diktaturdurchsetzung in Sachsen. Studien zur Genese der kommunistischen Herrschaft 1945-1952, K\u00f6ln 2003, S. 92.<\/p>\n<p>(6) Ausf\u00fchrlich vgl. Rudnick, Carola S.: Die andere H\u00e4lfte der Erinnerung. Die DDR in der deutschen Geschichtspolitik nach 1989, Bielefeld 2011, S. 150 ffif.<\/p>\n<p>(7) Der SPD-Arbeitskreis ehemaliger politischer H\u00e4ftlinge der SBZ\/DDR beim Parteivorstand der SPD wurde 1976 gegr\u00fcndet. Er ber\u00e4t den Gesetzgeber und setzt sich f\u00fcr die Errichtung und Unterhaltung von Gedenkorten zur Erinnerung der politischen Opfer in ehemaligen Haftanstalten ein.<\/p>\n<p>(8) Schreiben Benno von Heynitz an die Ev.-luth. Landeskirche Dresden, an die Ev. -luth. Kirche Leipzig und Bautzen vom 0I.01.1990, Privatbesitz Benno v. Heynitz [PrBvH].<\/p>\n<p>(9) Mickisch, J\u00fcrgen: Briefe aus dem Strafvollzug, in: S\u00c4CHSISCHE ZEITUNG vom 13.02.1990, Archiv Gedenkst\u00e4tte Bautzen [ArGBZ]; Schreiben von Uwe H\u00f6renz an Benno von Heynitz vom 11.02.1990, PrBvH.<\/p>\n<p>(10) Ebd.<\/p>\n<p>(11) Schreiben Benno von Heynitz an Uwe H\u00f6renz vom 20.02.1990, PrBvH. Die Eintragung ins Vereinsregister erfolgte im Juni 1990, Registrierungsurkunde des Bautzen-Komitee e.V. vom 20.06.1990, PrBvH.<\/p>\n<p>(12) Schreiben Benno von Heynitz an Uwe H\u00f6renz vom 20.02.1990, PrBvH.<\/p>\n<p>(13) Langen, Claus-Einar: &#132;Auch nach dem Abzug der Sowjets erwarteten viele in Bautzen vergebens die Freiheit. Sozialdemokraten gedenken der Opfer des stalinistischen Terrors&#148;, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 02.04.1990, ArGBZ.<\/p>\n<p>(14) Ebd.<\/p>\n<p>(15) Bautzen-Komitee: Bautzen-Komitee widerspricht sowjetischem Experten vom 26.07.1990, PrBvH; Uwe H.\/Heynitz, Benno von: &#132;Widerspruch!&#148;, in: S\u00e4chsische Neueste Nachrichten vom 31.07.1990, PrBvH.<\/p>\n<p>(16) Kuba, Claudia: &#132;\u00dcberlebende sprechen nach 40 Jahren &#150; unvorstellbare Menschenverachtung in Bautzener Gef\u00e4ngnis&#148;, ADN-Meldung vom 31.03.1990, ArGBZ; o.V.: &#132;Massengrab jetzt auch in Bautzen?&#148;, in: Frankfurter Neue Presse vom 02.04.1990, PrBvH; o.V.: &#132;Gr\u00f6\u00dftes Massengrab der Nachkriegszeit in Bautzen?&#148;, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 02.04.1990, PrBvH; o. V.: &#132;Liegt gr\u00f6\u00dftes Massengrab in Bautzen?&#148;, in: Die Welt vom 02.04.1990, PrBvH; o.V.: &#132;Gr\u00f6\u00dftes Massengrab in Bautzen vermutet&#148;, in: S\u00fcddeutsche Zeitung vom 02.04.1990, PrBvH; o.V.: &#132;Weitere Massengr\u00e4ber in Sachsen vermutet&#148;, in: Die Tageszeitung vom 03.04.1990, PrBvH; o.V.: &#132;H\u00f6rt uns, helft uns! Wir verrecken wie Vieh&#148;, in: Bild vom 02.04.1990, PrBvH.<\/p>\n<p>(17) Schreiben Benno von Heynitz an Uwe H\u00f6renz vom 15.03.1990, PrBvH.<\/p>\n<p>(18) Vorstand der SPD (Hrsg.): SOPADE Denkschriften 2\/55: Die Straflager und Zuchth\u00e4user der Sowjetzone. Gesundheitszustand und Lebensbedingungen der politischen Gefangenen, Bonn 1955, S. 5.<\/p>\n<p>(19) Bautzen-Komitee: Protokoll der Vorstandssitzung am 27.10.1990 vom 02.11.1990, PrBvH.<\/p>\n<p>(20) Langen, Claus-Einar: \u00bbAuch nach dem Abzug\u00ab, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 02.04.<br \/>1990, ArGBZ.<\/p>\n<p>(21) Dieter R. z. n. o. V.: &#132;Gedenkfeier in Bautzen&#148;, in: Die Br\u00fccke vom 15.04.1990, PrBvH.<\/p>\n<p>(22) Zimmermann, Monika: &#132;Die Toten in den Massengr\u00e4bern wecken verdr\u00e4ngte Erinnerung&#148;, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 04.04.1990, Archiv des Bautzen-Komitee e. V. [ArBK].<\/p>\n<p>(23) o. V.: &#132;Knochenfunde best\u00e4tigen den Verdacht auf Massengr\u00e4ber&#148;, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 2I.04.1990, PrBvH; o.V.: &#132;Doch Funde am Karnickelberg&#148;, in: S\u00e4chsische Zeitung vom 08.06.1990; ArGBZ; Winkler, W.: &#132;Massengrab in Bautzen&#148;, in: Dresdner Morgenpost vom 12.06.1990, PrBvH; o.V.: &#132;Zum Skelettfund&#148;, in: Dresdner Neueste Nachrichten vom 12.06.1990, PrBvH; o.V.: &#132;Skelettfunde in Bautzen&#148;, in: Taz vom 20.06.1990.<\/p>\n<p>(24) Volksbund Deutsche Kriegsgr\u00e4berfiirsorge: Vermerk vom 05.10.1992, ArGBZ; Volksbund Deutsche Kriegsgr\u00e4berf\u00fcrsorge: Grabungsbericht vom 04.12.1992, ArGBZ.<\/p>\n<p>(25) Jan Lipinsky bezifferte bereits 1994 anhand der vorgefundenen Akten aus russischen Archiven 2.714 Tote f\u00fcr den Zeitraum 1945-1950. Die h\u00f6chste Todesrate mit 65 Verstorbenen in 14 Tagen gab es seinen Untersuchungen zu Folge im ApriI 1947, vgl. Lipinsky, Jan: Akten aus deutschen und sowjetrussischen Archiven &#150; neue Erkenntnisse \u00fcber die sowjetischen Speziallager in Deutschland: Beispiel Bautzen, in: Friedrich-Ebert-Stiftung (Hrsg.): Die Akten der kommunistischen Gewaltherrschaft &#150; Schlussstrich oder Aufarbeitung? Dokumentation 5. Bautzen-Forum, Leipzig 1994, S. 84, 86.<\/p>\n<p>(26) Die Gedenkst\u00e4tte Bautzen stellte eine umfassende \u00dcbersicht der bisherigen, stark voneinander ab-weichenden Angaben in der Literatur seit 1955 zusammen, vgl. Gedenkst\u00e4tte Bautzen: Speziallager in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands (1945 -1950), interne \u00dcbersicht, o. D., ArGBZ.<\/p>\n<p>(27) D. h., neben Unschuldigen und aus politischen Motiven heraus Verhafteten waren zum Teil auch H\u00e4ftlinge in Bautzen I, die sich in vollkommen unterschiedlichem Ausma\u00df NSDAP-Aktivit\u00e4ten schuldig gemacht hatten, vgl. u. a. Lipinsky, Jan: &#132;H\u00e4ftlingsstruktur im Speziallager Bautzen aus sowjetischer Sicht&#148;, in: Plato, Alexander von\/Niethammer, Lutz (Hg.): Sowjetische Speziallager (1998), S. 500 ff.<\/p>\n<p>(28) Sch\u00f6nbach, Ulli: &#132;Mehr als 3.000 Tote im Speziallager? Gedenkst\u00e4tte zweifelt an neuen Erkenntnissen&#148;, in: S\u00e4chsische Zeitung vom 20.03.2002, ArGBZ.<\/p>\n<p>(29) Morre, J\u00f6rg\/Liebold, Cornelia: Totenbuch. Speziallager Bautzen 1945-1956, Bautzen 2004, S. 5, 7.<\/p>\n<p>(30) Ebd., S. 7.<\/p>\n<p>(31) Ebd.<\/p>\n<p>(32) Ebd., S. 9.<\/p>\n<p>(33) Schreiben des Bautzen-Komitees an die Gedenkst\u00e4tte Bautzen vom 26.04.2002, Privatbesitz Erhard M..<\/p>\n<p>(34) Schreiben von Horst G. K. an die Gedenkst\u00e4tte Bautzen vom 02.01.2005, ArGBZ.<\/p>\n<p>(35) Schreiben der Gedenkst\u00e4tte Bautzen an Horst G. K. vom 11.11.2004, ArGBZ.<\/p>\n<p>(36) Ebd..<\/p>\n<p>(37) Horst G. K. : &#132;Das Sterben in Bautzen. Zu den Opferzahlen des Speziallagers Nr. 4\/Bautzen I&#148;, in: Der Stacheldraht 2 (2005), ArGBZ.<\/p>\n<p>(38) Schreiben von Wilfried H. an die Stiftung Gedenkst\u00e4tte Berlin-Hohensch\u00f6nhausen vom 23.01.2003, Privatbesitz Wilfried H. [PrWH].<\/p>\n<p>(39) Schreiben von Wilfried H. an das Bautzen-Komitee vom 20.05.2003, PrWH. Zugrunde gelegt wurde eine Statistik eines Vortrages von Leonid P. Kopalin am 16.05.2003 in Bonn, nach der 41 Prozent der SMT-Verurteilten des Kriegsverbrechens f\u00fcr schuldig erkl\u00e4rt wurden und nur 12 Prozent der antisowjetischen Propaganda, 4 Prozent terroristischer T\u00e4tigkeiten und nur 3 Prozent der Sabotage, vgl. auch Schreiben von Wilfried H. an die Gedenkst\u00e4tte Bautzen vom 14.04.2005, PrWH.<\/p>\n<p>(40) Schreiben von Wilfried H. an die Stiftung Gedenkst\u00e4tte Berlin-Hohensch\u00f6nhausen vom 22.05.2003, PrWH.<\/p>\n<p>(41) Wilfried H.: Aufforderung zum intensiven Nachdenken. Offener Brief an alle Opferverb\u00e4nde und Gedenkst\u00e4tten vom 02.02.2006, PrWH.<\/p>\n<p>(42) Schreiben des Bautzen-Komitees an das SMWK vom 12.03.1995, Archiv Stiftung s\u00e4chsische Gedenkst\u00e4tten [ArStSG]; Moschke, Bernd: &#132;Der Grote-Wohl-Express auf der letzten Fahrt in den Knast&#148;, in: Dresdner Neueste Nachrichten vom 18.\/19.02.1995, ArStSG.<\/p>\n<p>(43) StSG: Protokoll der 4. Sitzung des Stiftungsrates der Stiftung &#132;S\u00e4chsische Gedenkst\u00e4tten zur Erinnerung an die Opfer politischer Gewaltherrschaft&#148; am 24.04.1995, S. 7-8, ArStSG.<\/p>\n<p>(44) Schreiben des Bautzen-Komitees an das SMWK vom 14.03.1995, ArStSG.<\/p>\n<p>(45) Moschke, Bern: &#132;Herzog tief betroffen von Unmenschlichkeit und beeindruckt von Neuem in Bautzen&#148;, in: Dresdner Neueste Nachrichten vom 22.03.1995, ArStSG; Moschke, Bernd: &#132;Bundespr\u00e4sident im Stasi-Knast: Vom ersten bis zum letzten unmenschlich&#148;, in: Leipziger Volkszeitung vom 22.03.1995, ArStSG; Schade, Thomas: &#132;Die Grenzen zum Osten m\u00fcssen niedriger werden&#148;, in: S\u00e4chsische Zeitung vom 22.03.1995, ArStSG.<\/p>\n<p>(46) Schreiben des Bautzen-Komitees an das Bundesministerium f\u00fcr innerdeutsche Beziehungen vom 12.09.1990, PrBvH.<\/p>\n<p>(47) Bautzen-Komitee: Protokoll der Jahreshauptversammlung am 15.12.1990, Archiv des Bautzen-Komitees [ArBK].<\/p>\n<p>(48) Parlamentarischer Untersuchungsausschuss f\u00fcr die Einrichtungen des Strafvollzuges: Protokoll \u00fcber die Ausschusssitzung am 05.06.1991 vom 11.06.1991, ArBK; Schmitt, Eberhard: &#132;Licht in stalinistische Verbrechen&#148;, in: S\u00e4chsische Zeitung vom 09.08.1991, ArGBZ.<\/p>\n<p>(49) S\u00e4chsischer Landtag, Drs. 1\/727 vom 12.07.1991\/06.08.1991.<\/p>\n<p>(50) Schreiben des SMJ an den S\u00e4chsischen Landtag, Az 1025I-IV.2-1119\/91 vom 01.08.1991, ArStSG.<\/p>\n<p>(51) Bautzen-Komitee: Schreiben an die Mitglieder vom 22.04.1992, PrBvH; Uwe H. z.n. Schade, Tho-<br \/>mas: &#132;Kohl: Bautzen ist Symbol f\u00fcr SED-Unrecht&#148;, in: S\u00e4chsische Zeitung vom 22.\/23.02.1992,<br \/>JVA Bautzen, Loseblattsammlung.<\/p>\n<p>(52) Schreiben des Bautzen-Komitees Benno von Heynitz an den Freistaat Sachsen Ministerpr\u00e4sident Kurt Biedenkopf vom 29.04.1992, ArGBZ.<\/p>\n<p>(53) Schreiben des SMJ an JVA Bautzen vom 19.08.1992, ArStSG.<\/p>\n<p>(54) Schreiben des Bautzen-Komitees an das SMWK Staatsminister Meyer vom 30.10.1992, ArStSG; o. V.: &#132;Stasi-Knast wird B\u00fcro&#148;, in: Taz vom 10.11.1992.<\/p>\n<p>(55) Schreiben des Bautzen-Komitees an das SMWK Staatsminister Meyer vom 30.10.1992, ArStSG.<\/p>\n<p>(56) S\u00e4chsischer Landtag, Drs. 1\/2503 vom 12.11.1992; S\u00e4chsischer Landtag, Drs. 1\/2511 vom 11.11. 1992.<\/p>\n<p>(57) S\u00e4chsisches Staatsministerium der Justiz: Vermerk vom 07.12.1992, ArStSG.<\/p>\n<p>(58) Schreiben des S\u00e4chsischen Staatsministeriums der Finanzen Staatsminister Milbradt an den S\u00e4chsischen Landtag vom 04.12.1992, ArStSG.<\/p>\n<p>(59) S\u00e4chsischer Landtag: Bericht des Verfassungs- und Rechtsausschusses zur Drs. 1\/2503 vom 05.05.1993.<\/p>\n<p>(60) Bundesministerium des Innern: Gesamtkonzeption zur Beteiligung des Bundes an Gedenkst\u00e4tten in der Bundesrepublik Deutschland, Anlage zur BMF-Vorlage Nr. 173\/92 vom 03.02.1993, ArStSG.<\/p>\n<p>(61) S\u00e4chsischer Landtag, Drs. 1\/3127 vom 07.04.1992.<\/p>\n<p>(62) S\u00e4chsische Staatskanzlei: Beschluss Nr. O1\/0597 zur 139. Kabinettssitzung vom 15.02.1994, ArStSG; SMWK: \u00bbSatzung der Stiftung\u00ab, in: S\u00e4chsisches Amtsblatt vom 17.03.1994, 5.453, ArStSG; SMWK: Aktennotiz \u00fcber ein Gespr\u00e4ch mit dem Liegenschaftsamt am 17.08.1994, o. D., ArStSG.<\/p>\n<p>(63) S\u00e4chsischer Landtag, Drs. 1\/4922 vom 24.06.1994; Schreiben der ABS Robur GmbH am die StSG vom 13.10.1994, ArStSG.<\/p>\n<p>(64) Schreiben der StSG an das Bautzen-Komitee vom 22.08.1996, ArStSG.<\/p>\n<p>(65) Schreiben des SMWK Staatssekret\u00e4r Noack an das BMI Staatssekret\u00e4r Eckart Werthebach vom 13. 03.1998, ArStSG.<\/p>\n<p>(66) Schreiben des BMI an die StSG vom 04.03.1998, S. 3, ArStSG; Schreiben der StSG an das SMWK vom 13.03.1998, ArStSG.<\/p>\n<p>(67) Deutscher Bundestag (Hg.) : Materialien der Enquete-Kommission \u00bb\u00dcberwindung der Folgen der<br \/>SED-Diktatur im Prozess der deutschen Einheit\u00ab, Bd. 1, Baden-Baden 1999, S. 609.<\/p>\n<p>(68) Schreiben der Stadt Bautzen B\u00fcrgermeister Schramm an die S\u00e4chsische Staatskanzlei Ministerpr\u00e4-<br \/>sidenten Kurt Biedenkopf vom 04.02.1994, ArBK.<\/p>\n<p>(69) Hans C.: &#132;Roman Herzog in den beiden Bautzener Gef\u00e4ngnissen&#148;, in: Bautzen-Komitee: Mitteilungen 1\/95 vom 26.04.1995, S. 2, ArStSG, Presse.<\/p>\n<p>(70) Schiemann, Marko: Gru\u00dfwort des rechtpolitischen Sprechers der CDU-Fraktion im s\u00e4chsischen Landtag vom 07.05.1999, ArBK; Schreiben des Bautzen-Komitees an die Radaktion Der Stacheldraht vom 07.06.1999, ArBK.<\/p>\n<p>(71) Mundra, Erhard: &#132;Forderungen St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck umgesetzt&#148;, in: S\u00e4chsische Zeitung vom 10.\/11.06.2000, ArGBZ; von Heynitz, Benno: Begr\u00fc\u00dfungsansprache zur Einweihung der Kapelle auf dem Karnickelberg am 13.09.2000, PrEM; Horst Sch.: Ansprache zur Einweihung auf dem Karnickelberg am 13.09.2000, PrEM; Mattem, Carla: &#132;Vater-Suche in Bautzen&#148;, in: S\u00e4chsische Zeitung vom 13.09.2000, ArGBZ; Schnabel, S.: Vers\u00f6hnung \u00fcber den Gr\u00e4bern, in: Mitteilungsblatt 38 (2000) vom 23.09.2000, PrEM; o.V.: &#132;Ged\u00e4clitniskapelle im ehemaligen Zuchthaus Bautzen eingeweiht&#148;, in: Die Welt vom 14.09.2000.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[2128],"publikationen":[2865],"class_list":["post-11729","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-carola-s-rudnick","publikationen-2-2012-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die DDR-Aufarbeitung und die Politik der Erinnerung - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/2-2012-vorgaenge\/publikation\/die-ddr-aufarbeitung-und-die-politik-der-erinnerung\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Die DDR-Aufarbeitung und die Politik der Erinnerung - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Das Beispiel Bautzen aus: vorg\u00e4nge Heft 2\/2012,S.69-81 Gem\u00e4\u00df einer konstruktivistischen Geschichtsschreibung, die davon ausgeht, dass \u00fcberlieferte Geschichte kulturell hergestellt und \u00fcber die Vermittlung der Vergangenheit zugleich viel \u00fcber die Gegenwart mitgeteilt wird, scheint es geboten, der Frage nachzugehen, wer pr\u00e4gte in diesen 20 Jahren nach 1989 das SBZ\/DDRGeschichtsnarrativ und mit welchen Folgen? 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