{"id":11748,"date":"2012-03-01T09:05:00","date_gmt":"2012-03-01T08:05:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/das-regressive-menschenopfer\/"},"modified":"2021-08-24T21:55:06","modified_gmt":"2021-08-24T19:55:06","slug":"das-regressive-menschenopfer","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/197-vorgaenge\/publikation\/das-regressive-menschenopfer\/","title":{"rendered":"Das regressive Menschenopfer"},"content":{"rendered":"<p>Vom eigentlichen Skandalon des gegenw\u00e4rtigen Terrorismus<\/p>\n<p>aus: vorg\u00e4nge 197 ( Heft 1\/2012) , S.116-129<\/p>\n<p>Die Rede von &#8222;Selbstmordanschlag&#8220; und &#8222;Selbstmordattent\u00e4ter&#8220; in Politik, Medien und Alltagssprache f\u00fchrt in die Irre. Hinter den vordergr\u00fcndigen &#8222;T\u00e4tern&#8220;, die wir verachten und verdammen, verbergen sich die eigentlichen T\u00e4ter, die nicht nur Menschen t\u00f6ten, sondern Menschen opfern. Wenn wir unser Augenmerk vom Schrecken erregenden Subjekt auf die Menschen verachtende Praxis verlagern, so k\u00f6nnen wir das, was unser postheroisches Sicherheitsbefinden von Grund auf ersch\u00fcttert, sachlich korrekter ausdr\u00fccken: Wir haben es mit &#8222;Opferanschlag&#8220; und &#8222;Opferattent\u00e4ter&#8220; zu tun. Eine entscheidende Rolle spielt hierbei das \u00f6konomische Denken, das unter allzu mechanischer Anwendung die Freiheit und W\u00fcrde des Menschen untergr\u00e4bt. Der Sichtwechsel vom &#8222;Selbstmordattent\u00e4ter&#8220; zum &#8222;Opferattent\u00e4ter&#8220; kann ein erster Schritt dazu sein, auf eine Zukunft hinzuarbeiten, in der der Mensch mit seiner Freiheit und W\u00fcrde im Zentrum allen \u00f6konomischen Denkens steht.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"i-das-wort-die-aussage-und-die-wirkung\">I. Das Wort, die Aussage und die Wirkung <\/span><\/h2>\n<p>Zum Unwort des Jahres 2001 wurde in Deutschland das Wort &#8222;Gotteskrieger&#8220; gew\u00e4hlt. In der Begr\u00fcndung wurde auf den unkritischen Gebrauch des Wortes hingewiesen, der die Distanz zum pseudoreligi\u00f6sen Anspruch des Wortes, das der Rhetorik der Islamisten entstammt, vermissen lasse.[1] Der eigentliche Missgriff liege dabei, wie durchaus richtig bemerkt wird, nicht in der semantischen Aussage des Wortes, sondern in der mangelnden Distanz des Sprechers zu derselben. Eine solche Distanz l\u00e4sst sich leicht erzeugen, indem man das Wort in Anf\u00fchrungszeichen setzt; semantisch vermittelt die Formulierung weder Unangemessenes noch Unwahres: Die Geschichte der Menschheit ist voller Kriege, die im Namen Gottes gef\u00fchrt wurden, und die Heldengalerien der Nationen sind voller Krieger, die sich auf G\u00f6tter beriefen. Weitaus problematischer indes erscheinen jene Ausdr\u00fccke, die mittlerweile zum soliden Bestand nicht nur des journalistischen, sondern auch des wissenschaftlichen Vokabulars geh\u00f6ren, ohne in der Sache gr\u00fcndlich hinterfragt zu werden: Selbstmordanschlag,Selbstmordattentat,Selbstmordattent\u00e4ter. Drehen wir die Zeit um einige Jahre zur\u00fcck zu unserem Alltag 2008, 2009, 2010: Wir wundern uns kaum mehr dar\u00fcber, wenn Primetime-TV-Nachrichten mit S\u00e4tzen er\u00f6ffnet werden wie: &#8222;Bei einem Selbstmordanschlag auf einem Markt in Peschawar kamen 49 Menschen ums Leben&#8220;, oder: &#8222;Ein Selbstmordattent\u00e4ter sprengte sich im Osten Afghanistans neben einem US-Milit\u00e4rkonvoi in die Luft und riss mindestens 21 Menschen mit in den Tod&#8220;. Es ist beinahe zur Routine geworden, beim Vernehmen solcher Nachrichten kurz Abscheu und Schrecken zu empfinden, etwas Wut und Emp\u00f6rung zu versp\u00fcren und dann unser Leben im Geleise der Gewohnheit weiterzuf\u00fchren. Dabei richtet sich unsere zeitweilige Gef\u00fchlsregung, wom\u00f6glich verst\u00e4rkt durch unseren unbewussten vormodernen Reflex auf die inkriminierte Semantik des Terminus &#8222;Selbstmord&#8220;, prim\u00e4r, wenn nicht ganz und gar, gegen die T\u00e4ter &#8211; diese unmenschlichen, infernalischen Verbrecher, die eine solch verabscheuungsw\u00fcrdige Tat begangen haben. Wir verachten und verdammen diese Menschen, als h\u00e4tten wir vergessen: Diese Menschen sind tot. Sie sind durch die Explosion zerst\u00fcckelt und ihre K\u00f6rperteile in alle Winde zerstreut. Und wir verdammen diese Menschen, deren Existenz ein f\u00fcr alle Mal ausgel\u00f6scht ist, w\u00e4hrend irgendwo andere Menschen triumphieren und die Operation als Erfolg verbuchen.<\/p>\n<p>Danach folgt das Jahr 2011: Unmittelbar nach der Liquidierung von Usama bin Ladin durch US-Spezialeinheiten in der Nacht zum 2. Mai 2011 im pakistanischen Abbottabad sieht sich das \u00f6ffentliche Bewusstsein f\u00fcr Terrorgefahr pl\u00f6tzlich wieder st\u00e4rker herausgefordert. Regierungen warnen vor islamistischen Racheakten, Politiker fordern eine erh\u00f6hte Sicherheitsstufe, und als besondere Bedrohung gelten m\u00f6gliche Terroranschl\u00e4ge durch Selbstmordattent\u00e4ter. Auch hier f\u00e4llt dieses suggestionsreiche Wort &#8211; seiner Aussage und seiner Wirkung absolut bewusst. Die bef\u00fcrchteten Szenarien bleiben weitestgehend aus, doch die alarmierende Rhetorik hinterl\u00e4sst ihre Spuren. Am 18. Dezember 2011 verlassen die letzten US-Kampftruppen nach \u00fcber 100-monatiger Besetzung den Irak. Nur vier Tage sp\u00e4ter wird die irakische Hauptstadt Bagdad von einer schweren Anschlagsserie ersch\u00fcttert. Man z\u00e4hlt mindestens 69 Tote und \u00fcber 169 Verletzte. Zum Einsatz kamen dabei, nach Angaben aus Sicherheitskreisen, Autobomben und Selbstmordattent\u00e4ter &#8211; wieder dieses merkw\u00fcrdige Wesen, das uns in Unruhe und Schrecken versetzt, das andere und sich selbst in einem Atemzug vernichtet. Wie abscheulich. Wie unfassbar. Wie widersinnig.<\/p>\n<p>Die Benennung &#8222;Selbstmordattent\u00e4ter&#8220; erweckt den Anschein, als w\u00e4ren die Benannten mehr oder weniger selbstst\u00e4ndig Handelnde; sie verdeckt oder zumindest verzerrt die Tatsache, dass die Benannten vielmehr Marionetten sind und die weitaus schwerer wiegenden Verbrechen von ihren Drahtziehern begangen werden, die nicht nur Menschen t\u00f6ten, sondern Menschen opfern.[2]<\/p>\n<p>Georges Danton in Georg B\u00fcchners Drama <i>Dantons Tod<\/i> (1835), gequ\u00e4lt von dem Gedanken an die Septembermorde von 1792, versucht im Gespr\u00e4ch mit seiner Gattin Julie sein Gewissen zu beruhigen, indem er sich rhetorisch einredet: &#8222;Puppen sind wir von unbekannten Gewalten am Draht gezogen; nichts, nichts wir selbst! Die Schwerter, mit denen Geister k\u00e4mpfen, man sieht nur die H\u00e4nde nicht, wie im M\u00e4rchen&#8220;.[3] Bei den so genannten Selbstmordattent\u00e4tern ist es keine rhetorische Angelegenheit.Weder M\u00e4chte des Schicksals noch unsichtbare H\u00e4nde steuern sie, sondern reale Menschen, die sie als Einwegwaffe benutzen und selbst im Hintergrund bleiben. Solange wir vom &#8222;Selbstmordattent\u00e4ter&#8220; sprechen, bleibt dieser Hintergrund weiter im Hintergrund. Und solange wir vom &#8222;Selbstmordattent\u00e4ter&#8220; sprechen, verurteilen wir in erster Linie den Selbstmord und das Attentat, nicht aber das, was in gr\u00f6\u00dferem Zusammenhang himmelschreiend vor sich geht: das Menschenopfer.<\/p>\n<p>Montesquieu hat zu einer noch recht abergl\u00e4ubischen Zeit, im fr\u00fchen 18. Jahrhundert, den Umgang der europ\u00e4ischen Gesetze &#8211; und damit auch der Gesellschaft &#8211; mit den Selbstm\u00f6rdern vorsichtig kritisiert. In seinem satirischen Werk Lettres persanes [1721) schreibt der fiktive Perser Usbek aus Paris an seinen Freund Ibben zu Smyrna, dem heutigen \u00d0zmir, ohne Umschweife: &#8222;Les loix sont furieuses en Europe contre ceux qui se tuent eux-m\u00eame. On les fait mourir, pour ainsi dire, une seconde fois; il sont tra\u00een\u00e9s indignement par les rues; on les note d&#8217;infamie; on confisque leurs biens. Il me paro\u00eet, Ibben, que ces lois sont bien injustes&#8220;.[4]<\/p>\n<p>Wollen wir diesen atavistischen Fehler mit dem Ausdruck &#8222;Selbstmordattent\u00e4ter&#8220; wiederholen und im Wortgebrauch allein die Toten stigmatisieren? Halten wir noch einmal fest: Solange wir den Ausdruck &#8222;Selbstmordattent\u00e4ter&#8220; verwenden, verurteilen wir vordergr\u00fcndig die, die manipuliert und missbraucht werden, anstelle derer, die andere in den Tod schicken und selbst am Leben bleiben. Wir schrecken zur\u00fcck vor der Perversion einer massenvernichtenden Selbstsprengung, und sehen nicht die Perfidie eines in modernem Gewand wiedergekehrten Menschenopfers. Hier werden Menschen geopfert, wie in einem archaischen Ritus &#8211; das ist das eigentliche Skandalon.<\/p>\n<p>Der vorliegende Beitrag schl\u00e4gt vor, nicht von &#8222;Selbstmordanschlag&#8220; und &#8222;Selbstmordattent\u00e4ter&#8220;, sondern von &#8222;Opferanschlag&#8220; und &#8222;Opferattent\u00e4ter&#8220; zu sprechen. Er pl\u00e4diert daf\u00fcr, dass anstatt von <br \/><i>suicide terrorism von sacrifice terrorism\u00a0 die Rede sei\u00a0[5]\u00a0<\/i>. Damit wird das, was unser postheroisches Sicherheitsbefinden von Grund auf ersch\u00fcttert, sachlich korrekter ausgedr\u00fcckt. Zur Debatte stehen soll weniger das Schrecken erregende Subjekt als vielmehr die Menschen verachtende Praxis.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"ii-der-krieg-und-das-menschenopfer\">II. Der Krieg und das Menschen&shy;opfer <\/span><\/h2>\n<p>Wie hat diese Praxis der Objektifizierung des Menschen aus den primitiven Opferritualen den Weg in die modernen Kriegsschaupl\u00e4tze gefunden? Begonnen hat dieser regressive Prozess weder mit den islamistischen Selbstmordanschl\u00e4gen noch mit den japanischen Kamikaze-Angriffen, sondern mit der Erfindung des organisierten Krieges \u00fcberhaupt. Das chinesische Altertum kannte Begriffe wie si-shi (Todessoldaten) oder jia-shun (Panzer [und] Schilde) als Bezeichnung f\u00fcr die Infanteriesoldaten in vorderster Schlachtfront;[6] der Ausdruck &#8222;foode for powder&#8220;[7] aus dem ersten Teil von Shakespeares <br \/>Henry IV (1598\/1600) hat auch im deutschsprachigen Raum als &#8222;Kanonenfutter&#8220; Geschichte geschrieben.<\/p>\n<p>In Zeiten, da Sklaven-wie Soldatenhandel mit Selbstverst\u00e4ndlichkeit betrieben wurden und die W\u00fcrde des Menschen kaum politische Relevanz besa\u00df, er\u00fcbrigte sich die Frage, ob die einen Menschen f\u00fcr die anderen oder f\u00fcr den Sieg des Kollektivs geopfert werden d\u00fcrften. Diese Frage stellt sich aber in Europa auch nicht sogleich im Anschluss <br \/>an die Erkl\u00e4rung der Menschenrechte und die Verurteilung der Sklaverei im Zuge des amerikanischen Unabh\u00e4ngigkeitskrieges und der Franz\u00f6sischen Revolution. Sp\u00e4testens seit dem Anfang vom Ende des Osmanischen Reiches nach dem Gro\u00dfen T\u00fcrkenkrieg <br \/>(1683&#8211;1699) haben die westlichen Nationen ihre Vormachtstellung gegen\u00fcber den anderen Nationen, sowohl in milit\u00e4rischer als auch in finanzieller Hinsicht, Schritt f\u00fcr Schritt ausgebaut. Das bedeutet, bei Expeditionen oder \u00e4hnlichen Zwecken stand ihnen h\u00e4ufig gen\u00fcgend fremdes Menschenmaterial zur Verf\u00fcgung. Wenn wir uns vergegenw\u00e4rtigen, dass Napoleon in seinen Feldz\u00fcgen u. a. gegen \u00c4gypten (1798&#8211;1801), Spanien (1808&#8211;1809) und Belgien (1815) Kompanien von Mamluken einsetzte und Thomas Edward Lawrence w\u00e4hrend der Arabischen Revolte (1916&#8211;1918) sich \u00fcberlegte, die Araber f\u00fcr die Engl\u00e4nder zu opfern,[8] so k\u00f6nnen wir uns unschwer vorstellen, wie wenig ethische Restriktionen im Spiel waren, solange es um den Einsatz von erworbenen Milit\u00e4rsklaven oder fremden Soldaten ging. Diese durften, im imperialen oder kolonialen Interesse, ohne Probleme in den sicheren Tod geschickt werden.<\/p>\n<p>Was geschah hingegen mit eigenen Soldaten? In den heftigsten Phasen des Stellungskrieges w\u00e4hrend des Ersten Weltkrieges kam ein einziger Schritt aus dem Sch\u00fctzengraben einem Suizid gleich. Um den Krieg dennoch offensiv weiterzuf\u00fchren, waren besondere Mittel notwendig, die den \u00dcberlebensinstinkt und den Selbsterhaltungswillen der Soldaten systematisch zu d\u00e4mpfen vermochten. Der britische Historiker Niall Ferguson schreibt in seinem Buch The Pity of War (1998) dazu: &#8222;Without alcohol, and perhaps without tobacco, the First World War could not have been fought&#8220;.[9]<\/p>\n<p>Doch wenn auch der Krieg nicht ohne Alkohol gek\u00e4mpft werden konnte, so konnte im Krieg ohne Alkohol gestorben werden. Was in Erich Maria Remarques historischem Bestseller Im Westen nichts Neues (1928\/1929) wie ein leichtsinniges massenhaftes\u00a0 Selbstopfer klingt, ist in gr\u00f6\u00dferem Zusammenhang ein Menschenopfer sondergleichen: &#8222;Unsere frischen Truppen sind blutarme, erholungsbed\u00fcrftige Knaben, die keinen Tornister tragen k\u00f6nnen, aber zu sterben wissen. Zu Tausenden. Sie verstehen nichts vom Kriege, sie gehen nur vor und lassen sich abschie\u00dfen. Ein einziger Flieger knallte aus zwei Kompanien von ihnen weg, ehe sie etwas von Deckung wu\u00dften, als sie frisch aus dem Zuge kamen&#8220;.[10]<\/p>\n<p>Wo die materielle Unterlegenheit alle Verzweiflung \u00fcbersteigt und der ideologische Eifer an blinden Idealismus grenzt, macht das regressive Menschenopfer, mitten in Europa, auch vor Kindern nicht Halt. George Orwell, der sich w\u00e4hrend des Spanischen B\u00fcrgerkrieges (1936&#8211;1939) der POUM-Miliz[11] anschloss, war, wie er sich in Homage to Catalonia (1938) erinnert, \u00fcber den eklatanten Mangel an Bedenken gegen das Einsetzen &#8211; und damit das Opfern &#8211; von Kindern im Alter von h\u00f6chstens 16 Jahren durch die Miliz aufs Tiefste erstaunt: &#8222;[&#8230;] this mob of eager children, who were going to be thrown into the front line in a few days&#8217; time, were not even taught how to fire a rifle or pull the pin out of a bomb&#8220;.[12]<\/p>\n<p>Orwell berichtet zudem von einer ber\u00fcchtigten Handgranate, die seine Kameraden an der Front damals in Gebrauch hatten: &#8222;The bomb in use at this time was a frightful object known as the &#8218;FAI bomb&#8216;,[13] it having been produced by the Anarchists in the early days of the war. It was on the principle of a Mills bomb, but the lever was held down not by a pin but a piece of tape. You broke the tape and then got rid of the bomb with the utmost possible speed. It was said of these bombs that they were &#8218;impartial&#8216;; they killed the man they were thrown at and the man who threw them&#8220;.[14]<\/p>\n<p>Ein \u00e4hnliches Menschenopfer auf dem Schlachtfeld sollte knapp ein halbes Jahrhundert sp\u00e4ter, in einem ungeheuerlichen Ausma\u00df, im iranisch-irakischen Grenzgebiet stattfinden. Anfang der 1980er Jahre liefen dort Zehntausende von iranischen Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 14 Jahren gegen die irakischen Stellungen und wurden mit Maschinengewehren reihenweise niedergem\u00e4ht. Sie trugen je einen Schl\u00fcssel um den Hals gebunden, der ihnen nach dem Tod die Pforte des Paradieses aufschlie\u00dfen sollte. Anfangs bestand der Schl\u00fcssel aus Eisen, danach nur noch aus Plastik[15] &#8211; denn Eisen war knapp und teuer geworden im Iran-Irak-Krieg (1980 1988), in dem beide Kriegsparteien auf systematische Waffenlieferungen aus dem Ausland angewiesen waren. Aus einigen Nationen wurden an beide L\u00e4nder Waffen verkauft &#8211; u. a. aus Jugoslawien,der Sowjetunion und den USA.<\/p>\n<p>Die Waffen hatten ihre Preise. Auch die Plastikschl\u00fcssel hatten ihre Preise; das Regime von Ayatollah Khomaini importierte 500 000 St\u00fcck davon aus Taiwan.16 Hatten die Menschen keine Preise? Sklaven zu todesverachtenden Kampfmaschinen dressieren,\u00a0 das war gestern; heute werden freie Menschen, darunter Kinder, Jugendliche und Frauen, von terroristischen Vereinigungen als wirkungsm\u00e4chtige Kriegsinstrumente gebraucht, verbraucht und &#8211; auf diesen Punkt wird noch zu kommen sein &#8211; gehandelt. Ob dies allein \u00fcber die Wege des ideologischen Eifers oder des religi\u00f6sen Fanatismus, d. h.\u00fcber die Handelswege des Geistes, vonstatten geht, darf mit guten Gr\u00fcnden gezweifelt werden.<\/p>\n<p>Am 1. Februar 2008 werden bei einem al-Qa.ida-Doppelanschlag auf zwei belebten M\u00e4rkten in Bagdad mindestens 98 Menschen get\u00f6tet und 200 weitere verletzt. Nach Angaben der Sicherheitskr\u00e4fte handelte es sich bei den Attent\u00e4tern um zwei geistig gest\u00f6rte Frauen. Die Sprengs\u00e4tze, die die Frauen an den K\u00f6rper geschnallt zum Zielort jeweils ins Zentrum und in den S\u00fcdosten der irakischen Hauptstadt trugen, detonierten, in Abstand von etwa 20 Minuten, per Fernz\u00fcnder. Wer die Nachrichten \u00fcber terroristische Anschl\u00e4ge aus einem differenzierten Blickwinkel verfolgt und sich nicht durch den inflation\u00e4ren Gebrauch des Wortes &#8222;Selbstmordanschlag&#8220; beirren l\u00e4sst, wei\u00df: Es ist beileibe kein Einzelfall. Im Gegenteil: Es passt in ein probates Muster.<\/p>\n<p>Der US-amerikanische Terrorismusexperte Bruce Hoffman zitiert in seinem Artikel The Logic of Suicide Terrorism in der Zeitschrift The Atlantic vom Juni 2003 einen israelischen Polizeibeamten, der ihm von den Taktiken der Hamas, des Islamischen Jihadn Pal\u00e4stina und der al-Aqsa-M\u00e4rtyrer-Brigaden berichtet: &#8222;There was one event where a suicide bomber had been told all he had to do was to carry the bomb and plant explosives in a certain place. But the bomb was remote-control detonated&#8220;.17 Die Alltagssprache nennt hier den um sein Leben betrogenen Attent\u00e4ter ohne weiteres einen &#8222;suicide bomber&#8220;. Es war ein Bombenanschlag, ein Massenmord, daran besteht \u00fcberhaupt kein Zweifel &#8211; doch ein Suizid war es mitnichten.<\/p>\n<p>Solche Anschl\u00e4ge gew\u00e4hren einen Einblick in die operationale Struktur der terroristischen Vereinigungen. Ein weiterer Polizeibeamter erkl\u00e4rt Hoffman: &#8222;We hardly never find that the suicide bomber came by himself. [&#8230;] There is always a handler&#8220;.[18] Hoffman f\u00fcgt hinzu: &#8222;In fact, in some cases a handler has used a cell phone or other device to trigger the blast from a distance&#8220;.[19] Eine Bombe mit Fernz\u00fcnder also: Aber diese Bombe ist ein Mensch. Welche Interessen begleiten diese Vorg\u00e4nge? Politische Interessen? Religi\u00f6se Interessen? Wie steht es mit \u00f6konomischen Interessen?<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"iii-die-handelswege-des-geldes\">III. Die Handelswege des Geldes <\/span><\/h2>\n<p>Ein Kommandeur der Hamas verk\u00fcndete 2008 in einem Interview: &#8222;We don&#8217;t have tanks. We don&#8217;t have planes. We are street fighters and we will use our own ways&#8220;.[20] \u00dcber diese Wege werden Menschen als erhabene M\u00e4rtyrer-Kandidaten rekrutiert und als n\u00fctzliche Einwegwaffen verwendet. Doch wer den Einsatz von menschlichen Bomben zu kriegerischen oder terroristischen Zwecken als irrational und allen menschlichen Gesetzen zuwiderlaufend empfindet, irrt sich in einem wesentlichen Punkt. Terrorismusforscher haben l\u00e4nger vor dem 11. September 2001 darauf hingewiesen, dass die Strategie der terroristischenVereinigungen, das Leben ihrer Mitglieder f\u00fcr die Vernichtung ihrer deklarierten Feinde zu opfern, einen &#8222;rationalen Kern&#8220;[21] beinhaltet. Eine Reihe von Faktoren macht diesen Kern aus: Man braucht z. B. keinen Verrat zu bef\u00fcrchten, und es m\u00fcssen keine Fluchtwege gesichert werden,[22] da die Attent\u00e4ter weder gefangen werden noch zur\u00fcckkehren sollen. Der mit Blick auf eine mittel-bis langfristige Kriegf\u00fchrung Ausschlag gebendste Faktor ist die Wirtschaftlichkeit. Ein Opferanschlag bietet im Vergleich zu einer Operation mit konventionellen Waffen entscheidende Vorteile: Es kostet wesentlich weniger, seine Wirkung ist substanziell wie psychologisch um ein Vielfaches st\u00e4rker, und die zu erwartende Aufmerksamkeit der Medien wird unvergleichlich gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p>Der finanzielle Aufwand f\u00fcr einen typischen Opferanschlag von pal\u00e4stinensischen Terrororganisationen liegt bei etwa 150 Dollar[23] &#8211; zuz\u00fcglich des Preises eines Lebens. Das M24 Sniper Weapon System hingegen &#8211; das Standard-Scharfsch\u00fctzengewehr der israelischen Armee &#8211; kostet nicht weniger als 4000 Dollar pro St\u00fcck. Die KostenNutzen-Effizienz geht hier &#8211; wie auch in vielen anderen Bereichen, aber mit einer nachgerade grotesken Evidenz &#8211; vor der W\u00fcrde des Menschen und vor dem Recht auf Leben.Erst die Ware, dann das Geld; erst die Waffe, dann der Mensch. So l\u00e4uft es im Gesch\u00e4ft.<\/p>\n<p>Bertolt Brecht hat in einem seiner umstrittensten St\u00fccke, Die Ma\u00dfnahme (1930\/1931), ebendiese \u00f6konomischen T\u00fccken des asymmetrischen Kampfes im Kontext der revolution\u00e4ren Bestrebungen plakativ dargestellt. Internationale kommunistische Agitatoren unterbreiten einem reichen chinesischen H\u00e4ndler den Vorschlag, die ausgebeuteten Kulis gegen die herrschenden Engl\u00e4nder zu bewaffnen. Der H\u00e4ndler w\u00e4gt vorsichtig die Vor-und Nachteile des angebotenen Gesch\u00e4ftes ab und singt dabei den &#8222;Song von der Ware&#8220;. Der geringf\u00fcgig variierende Refrain stellt in der dritten Strophe die Frage nach dem Menschen:<\/p>\n<p>Was ist eigentlich ein Mensch? <br \/>Wei\u00df ich, was ein Mensch ist? <br \/>Wei\u00df ich, wer das wei\u00df! <br \/>Ich wei\u00df nicht, was ein Mensch ist <br \/>Ich kenne nur seinen Preis.[24]<\/p>\n<p>Dem H\u00e4ndler ist es bewusst: Was er als Waffengesch\u00e4ft betreibt, ist im Grunde ein Menschengesch\u00e4ft. Die von den Engl\u00e4ndern verh\u00e4ngten Z\u00f6lle auf seine Handelsg\u00fcter bereiten ihm \u00c4rger und Unmut. Er muss sich zwischen zwei Gesch\u00e4ftsoptionen entscheiden: entweder sich mit den Zollabgaben abfinden und daf\u00fcr die Preise seiner G\u00fcter drastisch erh\u00f6hen, oder aber in die Waffen f\u00fcr das revolution\u00e4re Unterfangen investieren und auf eine Verbesserung der Handelsbedingungen hoffen. In jedem Fall geht es ihm um die Frage, welche Option f\u00fcr seine Gesch\u00e4fte profitabler ist; dass darin Menschen involviert sind, indem sie entweder unter exorbitanten Lebensmittelpreisen und <br \/>unmenschlichen Arbeitsbedingungen leiden oder vor den Gewehrl\u00e4ufen der englischen Armee massenweise umkommen werden, ist f\u00fcr ihn, wenn \u00fcberhaupt, von minderer Bedeutung.<\/p>\n<p>Viele gro\u00dfe Terroranschl\u00e4ge, allen voran die vom 11. September 2001, haben sich im Lichte der Kosten-Nutzen-Relation als hoch profitabel erwiesen. Die gesamte Operation vom 11. September 2001 kostete al-Qa.ida sch\u00e4tzungsweise 400 000 bis 500 000 Dollar; die dadurch ausgel\u00f6sten Auswirkungen auf die US-amerikanische Wirtschaft, inklusive der Ausgaben f\u00fcr Milit\u00e4reins\u00e4tze und Versch\u00e4rfung der Sicherheit, beliefen sich, einer Sch\u00e4tzung des Royal Institute of International Affairs zufolge, innerhalb von drei Jahren auf insgesamt mindestens 500 Milliarden Dollar.[25] Das hei\u00dft, nach den Worten von bin Ladin in einer Videobotschaft vom 29. Oktober 2004: Jeder von al-Qa.ida in die Terroranschl\u00e4ge investierte Dollar habe &#8222;mit Allahs Erlaubnis eine Million Dollar vernichtet&#8220;.[26]<\/p>\n<p>Es nimmt nicht wunder, wenn solche attraktiven Gesch\u00e4fte immer wieder Investoren anziehen. So werden die Gesch\u00e4fte im Opferterrorismus nicht nur \u00fcber die Handelswege des Geistes, sondern auch \u00fcber die Handelswege des Geldes abgewickelt. Die Hamas <br \/>etwa zahlte den Familien von Opferattent\u00e4tern bis in den Beginn der al-Aqsa-Intifada (2000&#8211;2005) hinein eine Zuwendung von je 3000 bis 5000 Dollar.[27] Die finanzielle Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Hamas und den Islamischen Jihad in Pal\u00e4stina kommt, nach Angaben von mehr oder weniger zuverl\u00e4ssigen Quellen, u. a. von Stiftungen und Individuen aus Saudi-Arabien und anderen Golfstaaten sowie von Regierungen von Staaten wie dem Iran, dem Irak und Syrien.[28] Saddam Hussein war einer der wichtigsten Investoren des Opferterrorismus in Pal\u00e4stina; er gew\u00e4hrte pal\u00e4stinensischen Familien, deren Angeh\u00f6rige bei Anschl\u00e4gen auf israelische Soldaten und Zivilisten ums Leben kamen, eine gro\u00dfz\u00fcgige Geldpr\u00e4mie. Diese wurde ab M\u00e4rz 2002 kr\u00e4ftig erh\u00f6ht: Die Familien von &#8222;M\u00e4rtyrern&#8220; bekamen, gestaffelt nach den Kategorien &#8222;Familien von konventionellen Opfern&#8220; und &#8222;Familien von Opferattent\u00e4tern&#8220;, jeweils 10 000 und 25 000 Dollar.[29] Zwischen Oktober 2000 und M\u00e4rz 2002 flossen auf diesem Wege \u00fcber 10 Millionen Dollar vom Irak nach Pal\u00e4stina[30] &#8211; nicht als Entsch\u00e4digung, sondern als Auszeichnung f\u00fcr die Familien von Opferattent\u00e4tern und nicht zuletzt als Investition f\u00fcr weitere effiziente und rentable Opferanschl\u00e4ge.<\/p>\n<p>Wo bleibt dabei der Mensch? Er steht im gesch\u00e4ftlichen Angebot: Man investiert in den Menschen als Waffe. Und das ist gar nicht neu: Dass man das Leben als Zahlungsmittel verwenden oder gar mit dem Leben spekulieren kann, davon wussten schon die Anarchisten, Nihilisten und Terroristen des 19. und des 20. Jahrhunderts.[31]<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"iv-die-degradierung-des-menschen\">IV. Die Degra&shy;die&shy;rung des Menschen<\/span><\/h2>\n<p>Doch nicht nur im Opferterrorismus, welcher Couleur auch immer, auch als Terrorismusopfer kann der Mensch zum blo\u00dfen Mittel entw\u00fcrdigt werden32 &#8211; in diesem Fall nicht zwecks des Angriffes, sondern zwecks der Verteidigung. Zum Verteidigen gibt es eine heilige Dreizahl von in manchen K\u00f6pfen zum Fetisch erhobenen Werten, Demokratie, Freiheit und Sicherheit, in Bezug auf ein wie auch immer geartetes Kollektiv. W\u00fcrden die einzelnen betroffenen Menschen diese Werte des Kollektivs selbst unter Einsatz ihres Lebens verteidigen? Diese prek\u00e4re Frage wird nicht gestellt, sondern in eine optative Aussage umgewandelt: Sie w\u00fcrden die Werte verteidigen &#8211; selbst unter Einsatz ihres Lebens. So befindet das Opfer als Kollektiv \u00fcber das Opfer als Individuum. <br \/>Mit welchen menschenunw\u00fcrdigen Ma\u00dfnahmen die Opfergesellschaften ihrerseits gegen jenen parasit\u00e4ren Terrorismus vorzugehen bereit sind, der die gegnerische Infrastruktur zum effektiven Angriff zweckentfremdet, zeigt sich an drei Beispielen, die im Folgenden herausgegriffen werden sollen: (1) den so genannten green-card soldiers, (2) der Kontroverse um das Luftsicherheitsgesetz und (3) dem Umgang mit Geiseln in den H\u00e4nden der Terroristen.<\/p>\n<p>(1) In den US-Streitkr\u00e4ften, vor allem in den durch die h\u00f6chsten Verlustrate gekennzeichneten Bodentruppen, dienten w\u00e4hrend des Irakkrieges im Fr\u00fchling 2003 etwa 32 000 ausl\u00e4ndische Soldaten &#8211; das machte \u00fcber 10 Prozent der Truppenst\u00e4rke vor Ort aus &#8211; u. a. aus Lateinamerika; ihnen war die Beschleunigung des Einb\u00fcrgerungsverfahrens nach dem abgeleisteten Dienst versprochen worden. Der schweizerische Dokumentarfilm.Das kurze Leben des Jos\u00e9 Antonio Gutierrez (2006) von Heidi Specogna erz\u00e4hlt durch Interviews den turbulenten Werdegang des Guatemalteken Jos\u00e9 Antonio Gutierrez, der als Soldat der US-Streitkr\u00e4fte im Irakkrieg fiel und posthum die US-Staatsb\u00fcrgerschaft verliehen bekam. Ging damit sein Wunsch in Erf\u00fcllung? Sein Ziel war es, zu einem lebenden US-B\u00fcrger zu werden und als Architekt in den USA Karriere zu machen. Sind die green-card soldiers nicht &#8222;rohes Menschenmaterial&#8220;,[33] das durch Aussichten auf ein besseres Leben gelockt und, gem\u00e4\u00df einer profitablen Kosten-Nutzen-Rechnung des Kriegsbetriebes, ohne Austauschgarantie verbraucht wird? Die politischen Entscheidungstr\u00e4ger befinden dar\u00fcber anders. Der US-Senator John McCain nannte die green-card soldiers w\u00e4hrend seiner Kampagne zur US-Pr\u00e4sidentschaftswahl 2008 &#8222;God&#8217;s children&#8220;.[34]<\/p>\n<p>(2) Das Luftsicherheitsgesetz trat am 15. Januar 2005 in Deutschland als Bundesgesetz in Kraft. Dessen \u00a7 14 Absatz 3 sorgte in der Folgezeit f\u00fcr eine lebhafte Kontroverse. Die betreffende Stelle r\u00e4umte den Streitkr\u00e4ften das Recht ein, auf Anordnung des Verteidigungsministers ein Luftfahrzeug abzuschie\u00dfen, &#8222;das [&#8230;] gegen das Leben von Menschen eingesetzt werden soll&#8220;.[35] Das hei\u00dft, in einem Szenarium wie dem 11. September 2001 in New York und Washington &#8211; ein entf\u00fchrtes Verkehrsflugzeug steuert auf ein \u00f6ffentliches Geb\u00e4ude zu &#8211; d\u00fcrfe ein ebensolches Flugzeug, samt allen seinen Passagieren, per Gesetz vernichtet werden. Zum Gl\u00fcck f\u00fcr das Recht auf Leben und die W\u00fcrde des Menschen in Deutschland wurde der Paragraph, aufgrund einer Verfassungsbeschwerde, am 15. Februar 2006 f\u00fcr nichtig erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Trotzdem: Dass ein derartiges Gesetz entworfen und, wenn auch nur zeitweilig, in Kraft treten konnte, ist, wenn man bedenkt, dass das Gesetz die freiheitlich-demokratische Antwort auf die unmenschliche Bedrohung des Opferterrorismus verk\u00f6rpern sollte, nachgerade grotesk. Denn das sicherheitspolitische Statement, das sich dahinter verbarg, besagte schlichtweg: Um Leben von Menschen zu retten, d\u00fcrften Leben von Menschen geopfert werden. Die damalige Bundesregierung argumentierte, es &#8222;sei zu ber\u00fccksichtigen, dass die Flugzeuginsassen im Fall des \u00a7 14 Abs. 3 LuftSiG gleichsam Teil der Waffe seien, als die das Luftfahrzeug benutzt werde. Angesichts der gegenw\u00e4rtigen Bedrohung des Luftverkehrs m\u00fcsse den Insassen die Gef\u00e4hrdung bewusst sein, in die sie sich selbst beg\u00e4ben, wenn sie am Flugverkehr teiln\u00e4hmen. Nur wenn der Staat entsprechend \u00a7 14 Abs. 3 LuftSiG handele, k\u00f6nne wenigstens ein Teil der bedrohten Leben gerettet werden. Dies d\u00fcrfe in einer derart au\u00dfergew\u00f6hnlichen Situation auch zu Lasten derer geschehen, die, untrennbar mit der Waffe verbunden, ohnehin nicht zu retten seien&#8220;.[36]<\/p>\n<p>Auch hier &#8211; bemerkenswerterweise &#8211; mutiert der Mensch zur Waffe: Die einen B\u00fcrger sollen in den Augen des Gesetzes, unter diesen spezifischen Umst\u00e4nden, &#8222;Teil der Waffe&#8220; sein, die sich gegen die anderen B\u00fcrger richtet. Eins\u00e4tze und Verluste werden im Rahmen des Katastrophenschutzes \u00f6konomisch &#8211; d. h. nach dem Prinzip des body count &#8211; abgewogen, um die Gesamtsumme der beiden so gering wie m\u00f6glich zu halten. (3) Jedem blutigen Geiseldrama mit Terroristen haftet das Odium des Opfers an. Am 22. Juli 2007 wird eine der zwei entf\u00fchrten deutschen Geiseln in Afghanistan, nach Ablauf <br \/>des Ultimatums der Taliban, tot aufgefunden. Deren Forderung war der Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan. Die deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden behaupten zun\u00e4chst, die Geisel sei den Strapazen der Entf\u00fchrung erlegen. Am 2. August gibt das Institut f\u00fcr Rechtsmedizin zu K\u00f6ln nach einer Obduktion bekannt, der fragliche Mann, der Bauingenieur R\u00fcdiger Diedrich, sei durch Gewehrkugeln gestorben. Der damalige Bundesau\u00dfenminister Frank-Walter Steinmeier \u00e4u\u00dfert dazu: &#8222;Die letzten Stunden des Verstorbenen waren ein Martyrium&#8220;.[37]<\/p>\n<p>Ein Martyrium &#8211; Steinmeier meint es in \u00fcbertragenem Sinne, aber der eigentliche Sinn schwingt ungewollt mit &#8211; ist ein schweres Leiden um des Glaubens oder der \u00dcberzeugung willen; ein M\u00e4rtyrer nimmt aus \u00dcberzeugung und aus freiem Willen das Leiden und den Tod auf sich. Ist Diedrich aus \u00dcberzeugung und aus freiem Willen in den Tod gegangen? Er bat in der ihm verbliebenen Zeit die Bundesregierung verzweifelt darum, der Forderung der Entf\u00fchrer nachzukommen und die Bundeswehr aus Afghanistanabzuziehen. Die Antwort der Bundesregierung dazu demonstrierte Entschlossenheit: Wir lassen uns nicht von Terroristen erpressen. Diedrich ist aller Wahrscheinlichkeit nach \u00e4u\u00dferst entt\u00e4uscht von dem Staat, der doch jeden seinen B\u00fcrger zu sch\u00fctzen hat, und zutiefst erbittert \u00fcber das Krisenmanagement der Bundesregierung untergegangen. Was bewirkt die \u00c4u\u00dferung Steinmeiers? Einer, der gar nicht wollte, erscheint auf der konnotativen Ebene des Textes &#8211; ohne dass Steinmeier es intendierte &#8211; pl\u00f6tzlich als M\u00e4rtyrer, als Blutzeuge; aus einem gewaltsamen Tod, den das Opfer nicht gesucht hat, wird pl\u00f6tzlich ein Martyrium, ein Blutzeugnis, f\u00fcr etwas &#8211; f\u00fcr die Nichterpressbarkeit der Bundesregierung, f\u00fcr den Kampf gegen den Terror, f\u00fcr die Freiheit und Sicherheit des Kollektivs. Das Individuum Diedrich hat es nicht gewollt. Seine oberste Priorit\u00e4t waren seine eigene Freiheit und Sicherheit &#8211; und seine W\u00fcrde. Er wollte als Mensch kein blo\u00dfes Mittel, sondern an erster Stelle Zweck sein. Doch wenn eine Gemeinschaft sich als Terrorismusopfer begreift, so kann der Gebrauchswert des Einzelnen h\u00f6chstens darin bestehen, Tr\u00e4ger eines bestimmten Tauschwertes zu sein. Die viktimisierte Gemeinschaft antwortet auf die terroristische Bedrohung ebenso mit einer notgedrungenen Kosten-Nutzen-Rechnung. Sei es als Gebrauchswert oder als Tauschwert: Der Mensch bleibt ohne W\u00fcrde vor den fetischisierten Werten Demokratie, Freiheit und Sicherheit.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"v-die-effizienz-und-die-zukunft-der-menschheit\">V. Die Effizienz und die Zukunft der Menschheit <\/span><\/h2>\n<p>&#8222;Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen&#8220;.38 Man w\u00fcrde nur eine Binsenweisheit aussprechen, wenn man nach dem Modell dieses Spruches Jesu formulieren w\u00fcrde: &#8222;Nicht der Mensch soll dem technischen Fortschritt und der \u00f6konomischen Effizienz dienen, sondern der technische Fortschritt und die \u00f6konomische Effizienz dem Menschen&#8220;. Dennoch kann man dies nicht h\u00e4ufig genug wiederholen, solange die neueste Etappe der Geschichte der Bombe sich durch das verkehrteste Ergebnis einer Entwicklung zu erkennen gibt, die sich nach dem allgemeinen <br \/>Nutzen f\u00fcr die Menschheit zu richten h\u00e4tte: die menschliche Bombe.<\/p>\n<p>Wir bed\u00fcrften nur einer geh\u00f6rigen Portion fortschrittlicher und philanthropischer Phantasie, und schon w\u00e4re eine geistig-moralische Hinwendung zu einer Zukunft vorstellbar, in der der Mensch, mit seiner Freiheit und W\u00fcrde, im Zentrum allen \u00f6konomischen Denkens steht. Es w\u00e4re eine Anma\u00dfung, im begrenzten Rahmen des vorliegenden Beitrages eine solche Zukunft konkret schildern zu wollen. Doch zum Schluss sei ein Beispiel angef\u00fchrt, das, auch wenn es technisch schon l\u00e4ngst \u00fcberholt ist, gedanklich nach wie vor in eine zukunftsf\u00e4hige Richtung weist.<\/p>\n<p>Heinrich von Kleist &#8211; noch nicht der resignierte Suizident, als der er sein Leben beendete, sondern der sozialkritisch engagierte Publizist und Herausgeber der Berliner Abendbl\u00e4tter (1810&#8211;1811) &#8211; bringt in deren elftem Blatt vom 12. Oktober 1810, in einem Balanceakt zwischen ernster Komik und komischem Ernst, unter dem Rubrum &#8222;N\u00fctzliche Erfindungen&#8220; den &#8222;Entwurf einer Bombenpost&#8220;. Er schl\u00e4gt &#8222;zur Beschleunigung und Vervielfachung der Handelskommunikationen, wenigstens innerhalb der Grenzen der kultivierten Welt, eine <i>Wurf-oder Bombenpost <\/i>vor; ein Institut, das sich auf zweckm\u00e4\u00dfig, innerhalb des Raums einer Schu\u00dfweite, angelegten Artilleriestationen, aus M\u00f6rsern und Haubitzen, hohle, statt des Pulvers, mit Briefen und Paketen angef\u00fcllte Kugeln, die man ohne Schwierigkeit, mit den Augen verfolgen, und wo sie hinfallen, falls es kein Morastgrund ist, wieder auffinden kann, zuw\u00fcrfe; dergestalt, da\u00df die Kugel, auf jeder Station zuv\u00f6rderst er\u00f6ffnet, die respektiven Briefe f\u00fcr jeden Ortherausgenommen, die neuen hineingelegt, das Ganze wieder verschlossen, in einen neuen M\u00f6rser geladen, und zur n\u00e4chsten Station weiter spediert werden k\u00f6nnte. [&#8230;] Da man, auf diese Weise, wie eine kurze mathematische Berechnung lehrt, binnen Zeit eines halben Tages, gegen geringe Kosten von Berlin nach Stettin oder Breslau w\u00fcrde schreiben oder respondieren k\u00f6nnen, und mithin, verglichen mit unseren reitenden Posten, ein zehnfacher Zeitgewinn entsteht oder es ebensoviel ist, als ob ein Zauberstab diese Orte der Stadt Berlin zehnmal n\u00e4her ger\u00fcckt h\u00e4tte: so glauben wir f\u00fcr das b\u00fcrgerliche sowohl als handeltreibende Publikum, eine Erfindung von dem gr\u00f6\u00dften und entscheidendsten Gewicht, geschickt, den Verkehr auf den h\u00f6chsten Gipfel der Vollkommenheit zu treiben, an den Tag gelegt zu haben&#8220;.[39]<\/p>\n<p>In diesem Entwurf liegt eine plastische Vision von einem fortschrittlichen und gemeinn\u00fctzigen &#8222;exchange of proterties among humans and nonhumans&#8220; vor: Der franz\u00f6sische Soziologe Bruno Latour nennt dies in seinem Essay Pandora&#8217;s Hope (1999) mittels eines Bildes aus der Genetik &#8222;crossover&#8220;.[40]<\/p>\n<p>Eine Zukunft, in der die Waffen die Menschen dazu bringen, sich nicht mit gesteigerter Effizienz gegenseitig zu vernichten, sondern miteinander zu kommunizieren, w\u00e4re wohl nur in einer humoristischen Satire m\u00f6glich. Aber eine Zukunft, in der &#8211; es sei nochmals wiederholt &#8211; der Mensch, mit seiner Freiheit und W\u00fcrde, im Zentrum allen \u00f6konomischen Denkens steht: Auf eine solche Zukunft mithilfe menschlicher Crossover-Praktiken hinzuarbeiten, ist in einer globalisierten Welt aller M\u00fche wert. Der Sichtwechsel vom &#8222;Selbstmordattent\u00e4ter&#8220; zum &#8222;Opferattent\u00e4ter&#8220; kann ein erster Schritt <br \/>dazu sein: Indem wir das ungeheure Verbrechen gegen die Menschheit, das im Opferterrorismus begangen wird, sachlich korrekter zum Ausdruck bringen, kann die Frage nach dem Menschen menschlicher gestellt werden. <br \/>\u00a0<br \/>Der vorliegende Beitrag ist die \u00fcberarbeitete Fassung des Vortrages &#8222;Vom Selbstmordattent\u00e4ter zum Opferattent\u00e4ter. Eine Einladung zum Sichtwechsel&#8220;, den ich am 18. Januar 2012 an der \u00d6sterreichischen Akademie der Wissenschaften gehalten habe. Ich danke an dieser Stelle Professor Dr. Gerhard Budin und Dr. Evelyn Breiteneder vom Institut f\u00fcr Corpuslinguistik und Texttechnologie (ICLTT) der \u00d6sterreichischen Akademie der Wissenschaften f\u00fcr die freundliche Einladung.<\/p>\n<p>[1]Vgl. &#8222;Gotteskrieger&#8220; ist das Unwort des Jahres. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.1.2002;<br \/>verf\u00fcgbar in: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/artikel\/C30703\/sprache-gotteskrieger-ist-das-unwort-des-jahres30020328.html&gt;.\" rel=\"nofollow noopener\">http:\/\/www.faz.net\/artikel\/C30703\/sprache-gotteskrieger-ist-das-unwort-des-jahres30020328.html&gt;.<\/a> <br \/>[2] Robert A. Pape weist in seiner empirischen Studie Dying to Win (2005) auf die komplexe Verflechtung von Individuum, Gesellschaft und Organisation im Suizidterrorismus hin: &#8222;Suicide terrorist organizations are bound to their societies by virtue of pursuing political goals viewed as legitimate by the society at large, by their participation in local charities and other institutions that benefit society and by the use of elaborate ceremonies and other rituals that identify the death of a suicide attacker with the good of the community. These close social bonds do not create altruistic individuals. However, they do create the conditions under which individuals who wish to sacrifice for their <br \/>community can be confident that their self-sacrifice will be viewed as altruistic&#8220; (Robert A. Pape: Dying to Win. The Strategic Logic of Suicide Terrorism. New York: Random House, 2006. S. 187&#8211; 188). <br \/>[3]Georg B\u00fcchner: Werke und Briefe. M\u00fcnchner Ausgabe. Hg. von Karl P\u00f6rnbacher, Gerhard Schaub, Hans-Joachim Simm und Edda Ziegler. M\u00fcnchen: dtv, 2006. S. 100.\u00a0 <br \/>[4]Montesquieu: Lettres persanes. \u00c9dition critique avec notes par Antoine Adam. Gen\u00e8ve: Librairie <br \/>Droz\/Lille: Librairie Giard, 1954. S. 196; Lettre LXXVI. &#8222;In Europa sind die Gesetze sehr streng gegen\u00fcber den Selbstm\u00f6rdern; sie m\u00fcssen sozusagen ein zweites Mal den Tod erleiden. Sie werden <br \/>in unw\u00fcrdiger Weise durch die Stra\u00dfen geschleift, man erkl\u00e4rt sie f\u00fcr ehrlos und zieht ihre G\u00fcter ein. \/ Nach meiner Ansicht, Ibben, sind diese Gesetze sehr ungerecht&#8220; (Montesquieu: Persische <br \/>Briefe. \u00dcbers. und hg. von Peter Schunck. Stuttgart: Reclam, 1999. S. 146; Brief 76).\u00a0 <br \/>[5]Im Baseball spricht man z. B. von sacrifice bunt und sacrifice fly, und nicht etwa von suicide bunt oder suicide fly.\u00a0 <br \/>[6]Vgl. Raimund Theodor Kolb: Die Infanterie im Alten China. Ein Beitrag zur Milit\u00e4rgeschichte der Vor-Zhan-Guo-Zeit. Mainz: Philipp von Zabern, 1991. S. 190; S. 197, Anm. 14.\u00a0 <br \/>[7]William Shakespeare: The Complete Works. Original-Spelling Edition. With Introductions by <br \/>Stanley Wells and an Essay on Shakespeare&#8217;s Spelling and Punctuation by Vivian Salmon. Oxford: <br \/>Clarendon Press, 1986. S. 534. <br \/>[8]Vgl. Thomas Edward Lawrence: Seven Pillars of Wisdom. A Triumph. London: Jonathan Cape, <br \/>1965. S. 395. <br \/>[9]Niall Ferguson: The Pity of War. London: Allen Lane\/The Penguin Press, 1998. S. 351. <br \/>[10] Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues. Roman. Mit einem Nachwort von Tilman Westphalen. 28. Auflage. K\u00f6ln: Kiepenheuer&amp;Witsch, 2008. S. 188&#8211;189. <br \/>[11] POUM steht f\u00fcr Partido Obrero de Unificaci\u00f3n Marxista. <br \/>[12] George Orwell: Homage to Catalonia. London: Secker&amp;Warburg, 1996. S. 8; vgl. auch S. 18, 25&#8211; 26. <br \/>[13] FAI steht f\u00fcr Federaci\u00f3n Anarquista Ib\u00e9rica. <br \/>[14] Orwell, S. 34. <br \/>[15] Vgl. Christoph Kucklick\/Hania Luczak\/Christoph Reuter: Selbstmordattent\u00e4ter: Die Macht der <br \/>Ohnm\u00e4chtigen. In: Hans Frank \/ Kai Hirschmann (Hgg.): Die weltweite Gefahr. Terrorismus als internationale Herausforderung. Berlin: Berlin Verlag, 2002. S. 263&#8211;278, hier S. 270; Christoph Reuter: Selbstmordattent\u00e4ter. Warum Menschen zu lebenden Bomben werden. M\u00fcnchen: Goldmann, 2003. S. 45&#8211;48. <br \/>[16] Vgl. Matthias K\u00fcntzel: Die Kunst des M\u00e4rtyrertods. In: Spiegel Online, 23. 6. 2006; verf\u00fcgbar in: <br \/><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/0,1518,420509,00.html&gt;.\" rel=\"nofollow noopener\">http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/0,1518,420509,00.html&gt;.<\/a> <br \/>[17] Bruce Hoffman: The Logic of Suicide Terrorism. In: The Atlantic, Juni 2003; verf\u00fcgbar in: <br \/><a href=\"http:\/\/www.theatlantic.com\/doc\/200306\/hoffman&gt;.\" rel=\"nofollow noopener\">http:\/\/www.theatlantic.com\/doc\/200306\/hoffman&gt;.<\/a> <br \/>[18] Hoffman: The Logic of Suicide Terrorism. <br \/>[19] Hoffman: The Logic of Suicide Terrorism. <br \/>[20] Marie Colvin: Iran Hones Skills of Hamas Fighters. In: The Australian, 10. 3. 2008; verf\u00fcgbar in: <br \/><a href=\"http:\/\/www.theaustralian.com.au\/news\/iran-hones-skills-of-hamas-fighters\/story-e6frg6tx-111111\" rel=\"nofollow noopener\">http:\/\/www.theaustralian.com.au\/news\/iran-hones-skills-of-hamas-fighters\/story-e6frg6tx-111111<\/a> <br \/>5753516&gt;. <br \/>[21] Kucklick\/Luczak\/Reuter, S. 264. <br \/>[22] Vgl. Kucklick\/Luczak\/Reuter, S. 264; Walter Laqueur: No End to War. Terrorism in the Twenty-<br \/>First Century. New York\/London: Continuum, 2003. S. 91; Bruce Hoffman: Terrorismus &#8211; der unerkl\u00e4rte <br \/>Krieg. Neue Gefahren politischer Gewalt. Aus d. Engl. von Klaus Kochmann. Erweiterte <br \/>und aktualisierte Ausgabe. Frankfurt a. M.: S. Fischer, 2006. S. 213. <br \/>[23] Vgl. Hoffman: Terrorismus &#8211; der unerkl\u00e4rte Krieg, S. 213. <br \/>[24] Bertolt Brecht: Die Ma\u00dfnahme. Zwei Fassungen. Anmerkungen. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1998. <br \/>[25] Vgl. Hoffman: Terrorismus &#8211; der unerkl\u00e4rte Krieg, S. 214&#8211;215. <br \/>[26] Hoffman: Terrorismus &#8211; der unerkl\u00e4rte Krieg, S. 215. <br \/>[27] Vgl. Hoffman: Terrorismus &#8211; der unerkl\u00e4rte Krieg, S. 248. <br \/>[28] Vgl. Human Rights Watch: Erased in a Moment: Suicide Bombing Attacks Against Israeli<br \/>\u00a0Civilians. New York\/Washington\/London\/Brussels: Human Rights Watch, 2002; verf\u00fcgbar in: <br \/><a href=\"http:\/\/www.hrw.org\/reports\/2002\/isrl-pa\/ISRAELPA1002.pdf&gt;.\" rel=\"nofollow noopener\">http:\/\/www.hrw.org\/reports\/2002\/isrl-pa\/ISRAELPA1002.pdf&gt;.<\/a> S. 94&#8211;101; Laqueur, S. 92. <br \/>[29] Vgl. Paul McGeough: Saddam Stokes War with Suicide Bomber Cash. In: Sydney Morning Herald, <br \/>[30]. 3. 2002; verf\u00fcgbar in: <a href=\"http:\/\/www.smh.com.au\/articles\/2002\/03\/25\/1017004766310.html&gt;;\" rel=\"nofollow noopener\">http:\/\/www.smh.com.au\/articles\/2002\/03\/25\/1017004766310.html&gt;;<\/a> <br \/>Hamza Hendawi: Cult Evolves Around Suicide Bombers. Associated Press, 28. 4. 2002; verf\u00fcgbar <br \/>in: <a href=\"http:\/\/www.rickross.com\/reference\/islamic\/islamic51.html&gt;;\" rel=\"nofollow noopener\">http:\/\/www.rickross.com\/reference\/islamic\/islamic51.html&gt;;<\/a> Human Rights Watch, S. 100&#8211; <br \/>101; Hoffman: Terrorismus &#8211; der unerkl\u00e4rte Krieg, S. 248. <br \/>30 Vgl. McGeoph. <br \/>[31]Vgl. dazu Roger Willemsen: Nachwort. In: Roger Willemsen (Hg.): Der Selbstmord. Briefe, Manifeste, <br \/>literarische Texte. Frankfurt a. M.: S. Fischer, 2007. S. 386&#8211;427, hier S. 409. <br \/>[32] Immanuel Kant warnt 1788 in Kritik der praktischen Vernunft (1788), mehr noch als vor dem Mystizismus, dem der Opferterrorismus zuzurechnen w\u00e4re, vor dem Empirismus der praktischen Vernunft, der &#8222;die Sittlichkeit in Gesinnungen (worin doch und nicht blo\u00df in Handlungen der hohe Wert besteht, den sich die Menschheit durch sie verschaffen kann und soll) mit der Wurzel ausrottet <br \/>und ihr ganz etwas anderes, n\u00e4mlich ein empirisches Interesse, womit die Neigungen \u00fcberhaupt unter sich Verkehr treiben, \u00fcberdem auch ebendarum mit allen Neigungen, die (sie m\u00f6gen einen <br \/>Zuschnitt bekommen, welchen sie wollen), wenn sie zur W\u00fcrde eines obersten praktischen Prinzips erhoben werden, die Menschheit degradieren, und da sie gleichwohl der Sinnesart aller so g\u00fcnstig <br \/>sind, aus der Ursache weit gef\u00e4hrlicher ist als alle Schw\u00e4rmerei, die niemals einen dauernden Zustand vieler Menschen ausmachen kann&#8220; (Immanuel Kant: Kritik der praktischen Vernunft. Hg. <br \/>von Karl Vorl\u00e4nder mit einer Bibliographie von Heiner Klemme. 10.Auflage. Hamburg: Felix Meiner, 1990. S. 83&#8211;84; Hervorhebung von mir, A. T.). <br \/>[33] Theodor Fontane: Ein Sommer in London. In: Theodor Fontane: Werke, Schriften und Briefe. Hg. von Walter Keitel und Helmuth N\u00fcrnberger. 22 Bde. Bd. III\/3\/1. M\u00fcnchen: C. Hanser, 1975. S. 7&#8211; <br \/>178, hier S. 49. <br \/>[34] Larry Rohter: Immigration and the Military. In: The New York Times, 12. 7. 2008; verf\u00fcgbar in: <br \/><a href=\"http:\/\/www.nytimes.com\/2008\/07\/12\/us\/politics\/12madbox.html&gt;.\" rel=\"nofollow noopener\">http:\/\/www.nytimes.com\/2008\/07\/12\/us\/politics\/12madbox.html&gt;.<\/a> <br \/>[35] 1 BvR 357\/05, Abs. 28. <br \/>[36] 1 BvR 357\/05, Abs. 56. <br \/>[37] Nico Fried: Geisel starb durch Sch\u00fcsse. In: S\u00fcddeutsche Zeitung, 2. 8. 2007; verf\u00fcgbar in: <br \/><a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/leiche-des-deutschen-untersucht-geisel-starb-durch-schuesse1.929194&gt;.\" rel=\"nofollow noopener\">http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/leiche-des-deutschen-untersucht-geisel-starb-durch-schuesse1.929194&gt;.<\/a> <br \/>[38] Mk2,27. <br \/>[39] Heinrich von Kleist: S\u00e4mtliche Werke und Briefe. Hg. von Helmut Sembdner. Zweib\u00e4ndige Ausgabe in einem Band. M\u00fcnchen: dtv, 2001. S. 386. <br \/>[40] Bruno Latour: Pandora&#8217;s Hope. Essays on the Reality of Science Studies. Cambridge: Harvard <br \/>University Press, 1999. S. 194.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[1837],"publikationen":[1444],"class_list":["post-11748","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-arata-takeda","publikationen-197-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Das regressive Menschenopfer - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/197-vorgaenge\/publikation\/das-regressive-menschenopfer\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Das regressive Menschenopfer - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Vom eigentlichen Skandalon des gegenw\u00e4rtigen Terrorismus aus: vorg\u00e4nge 197 ( Heft 1\/2012) , S.116-129 Die Rede von &#8222;Selbstmordanschlag&#8220; und &#8222;Selbstmordattent\u00e4ter&#8220; in Politik, Medien und Alltagssprache f\u00fchrt in die Irre. 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