{"id":11765,"date":"2011-09-13T20:30:00","date_gmt":"2011-09-13T18:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/der-zwang-zur-entscheidung\/"},"modified":"2011-09-13T12:00:00","modified_gmt":"2011-09-13T10:00:00","slug":"der-zwang-zur-entscheidung","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/195-vorgaenge\/publikation\/der-zwang-zur-entscheidung\/","title":{"rendered":"Der Zwang zur Entscheidung"},"content":{"rendered":"<p>Die fragile Zukunft in der Kontigenzgesellschaft<\/p>\n<p>aus: Vorg\u00e4nge 195 ( Heft 3\/2011), S.4-16<\/p>\n<h5><span id=\"1das-unwahrscheinliche-wird-denkbar\">1.&nbsp;Das Unwahr&shy;schein&shy;liche wird denkbar<\/span><\/h5>\n<p>Als es am 11. M\u00e4rz 2011 infolge des T\u00f6hoku-Erdbebens und des darauf folgenden Tsunamis im japanischen Kernkraftwerk Fukushima zu einer Unfallserie kam, bei der die Reaktorbl\u00f6cke 1 bis 4 zerst\u00f6rt und erhebliche Mengen radioaktiven Materials freigesetzt wurden, war man sich sehr schnell der zeitdiagnostischen Bedeutung dieses St\u00f6r-falls gewiss. Die Katastrophe in Japan sei ein Einschnitt. Ein neuer Typus von Katastrophe bedrohe die global vernetzte Welt. Jetzt werde das Unwahrscheinliche denkbar. Die Lage nach dem dreimonatigen Moratorium, das die Regierung kurz nach dem Reaktorunfall verh\u00e4ngt hatte, werde &#132;eine andere sein&#148; als vor diesem Moratorium, sagte Kanzlerin Angela Merkel: &#132;Alles geh\u00f6rt auf den Pr\u00fcfstand.&#148; Bundesumweltminister Norbert R\u00f6ttgen konstatierte, dass das, was in Fukushima geschehen sei, eine &#132;Z\u00e4sur&#148; bedeute, weil das passiert sei, wovon man immer gesagt habe, dass es nicht passieren k\u00f6nne. Bislang wurde nur \u00fcber die theoretische M\u00f6glichkeit von Reaktorunf\u00e4llen gesprochen. Das, was vorher ein klitzekleines Risiko der Eintrittswahrscheinlichkeit war, ist jetzt erfahrbare Wirklichkeit geworden. &#132;Wir m\u00fcssen unser Verh\u00e4ltnis zu elementaren Risiken neu bewerten, wir m\u00fcssen Sicherheit neu verstehen.&#148; (R\u00f6ttgen 2011: 30)<\/p>\n<p>In Wahrheit ist eine solche Katastrophe, wie sie im M\u00e4rz 2011 in Japan stattgefunden hat und als Z\u00e4sur markiert wurde, auch vorher denkbar und m\u00f6glich gewesen. Unter dem noch frischen Eindruck der Fukushima-Katastrophe hatte die Weltgemeinschaft gerade versprochen, 550 Millionen Euro f\u00fcr einen neuen Mantel um den verstrahlten Ungl\u00fccksreaktor in Tschernobyl zu spenden. Die Katastrophe im Kernkraft Tschernobyl ereignete sich am 26. April 1986 in Block 4 des \u00f6rtlichen Reaktors. Innerhalb der ersten zehn Tage nach dem Super-GAU wurde eine Aktivit\u00e4t von mehreren Trillionen Becquerel freigesetzt. Ebenso waren auch die Schwachstellen der deutschen Atomkraftwerke seit Jahren bekannt. Lange vor dem schwerwiegenden Atomunfall in Japan wiesen Kritiker zum Beispiel darauf hin, dass es im Ernstfall auch in deutschen Atomkraftwerken Probleme mit den Notk\u00fchlsystemen geben k\u00f6nne. Diejenigen, die sich nun auf das Undenkbare berufen, waren h\u00e4ufig auch diejenigen, die vorher beteuerten, die deutschen Nuklearmeiler seien besonders sicher. Sie m\u00fcssen sich jetzt die Frage gefallen lassen, ob sie die Gefahr damals fahrl\u00e4ssig untersch\u00e4tzt haben. Dass eine solche Katastrophe denkbar ist, darauf hatten verschiedene Wissenschaftler immer wieder hinge-wiesen. Robert Jungk (1977: IX) hatte bereits 1977 \u00fcber die Risiken der Kernkraft geurteilt, &#132;da\u00df es niemals gelingen wird, sie ganz auszuschlie\u00dfen&#148;. Dass wir in einer Gesellschaft leben, die es mit schwer fassbaren Gefahren und Ungewissheiten zu tun hat, die alle betreffen und niemand mehr ad\u00e4quat versichern kann, hatte Ulrich Beck (1986) zum Begriff der <i>Risikogesellschaft<\/i> inspiriert.<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich hatte eben erst die Finanzkrise am Ende des Jahres 2008 und die damit zusammenh\u00e4ngenden spektakul\u00e4ren Bankenzusammenbr\u00fcche demonstriert, wie weit systemische Kettenreaktionen in der global vernetzten Welt reichen. Das US-Investmenthaus Lehman Brothers war der Anlass gewesen, der die globale Finanzwirtschaft in einen Sog der Zerst\u00f6rung hineingezogen hat, der in konzentrischen Kreisen immer weitere Bereiche der sozialen Landschaft erfasste und bis heute die Finanzwelt in Atem h\u00e4lt. Die Finanzkrise musste f\u00fcr alle diejenigen, die im Spiel um Immobilienkredite beteiligt waren, die Einsicht provozieren, &#132;dass stets andere Zuk\u00fcnfte als die er-warteten in die Gegenwart zur\u00fcckkehren&#148; (Vogl 2010: 170).<\/p>\n<p>Was in den Wirtschaftswissenschaften noch viel zu wenig reflektiert wird, ist die Tatsache, dass die globale Kernschmelze an den Finanzm\u00e4rkten im Grunde genommen ein zentrales Paradigma der Wirtschaftstheorie destruierte: n\u00e4mlich die Theorie rationaler Akteure unter dem Signum des homo oeconomicus. Die soziale Physik der Oikodizee der modernen Gesellschaft orientierte sich an einer elementaren Gr\u00fcndungsfigur: Diese schrieb vor, dass sich im Aufeinandertreffen der egoistischen Einzelinteressen durch die &#132;unsichtbare Hand&#148; des Marktes soziale Ordnung einstelle. Der Zusammenbruch der Immobilienblase und des Hypothekenmarktes im Herbst 2008 stellte gleichsam den Kontrapunkt der Profit- und Gewinnmaximierungshypothese der neoklassischen \u00d6konomie dar. Dieses Ereignis demonstrierte n\u00e4mlich, dass die Banken ihre eigenen Risiken nicht richtig kalkulieren und dass sie mit (vermeintlich) rationalen Entscheidungsprozessen systematisch Irrationalit\u00e4t produzieren (vgl. Stiglitz 2010: 201 f; Vogl 2010: 174).<\/p>\n<p>Nun zeigte sich, dass der Deriatenhandel weniger auf einer rationalen \u00d6konomie der Kalkulation, als auf den Regeln des verbotenen Gl\u00fccksspiels basierte. &#132;Mit Derivaten handeln ist wie auf Pferde wetten&#148;, gibt ein Hedgefonds Manager zu bedenken (Arnoldi 2009: 71). Insofern spiegelt George Soros&#8216; Diktum, dass die Finanzm\u00e4rkte des Hochfrequenzhandels einen sehr sicheren Weg bes\u00e4\u00dfen, die Zukunft vorherzusagen: &#132;Sie schaffen sie selbst.&#148; (Der Spiegel, 33\/2011: 71), noch den Geist von Machbarkeit und Kontrolle wider, von dem die Wirtschaftswissenschaften und Managementlehren h\u00e4ufig beseelt sind. Zwar ist Soros&#8216; These darin zuzustimmen, dass die neuen Derivatenm\u00e4rkte Modelle der Preisbestimmung &#132;performativ&#148; herstellen (MacKenzie 2006). Aber die Krise auf demUS-Immobilienmarkt manifestiert, dass die Marktteilnehmer die turbulenten Binnenlogiken der Kapitalm\u00e4rkte nicht kontrollieren k\u00f6nnen. Kurzum: Die Restrisiken, die man immer als unwahrscheinliche, zu vernachl\u00e4ssigende Restgr\u00f6\u00dfe interpretierte, waren l\u00e4ngst Realit\u00e4t geworden. Niklas Luhmann konstatiert in seiner Soziologie des Risikos: &#132;Die T\u00fcr zum Paradies bleibt versiegelt. Durch das Wort Risiko.&#148; (Luhmann 2003: 26)<\/p>\n<p>Und dennoch: obgleich viele Experten bereits vielfach auf die Gefahren hypothetischer Risiken hinwiesen, versinnbildlicht die Katastrophe in Fukushima (wieder einmal) <i>die Paradoxie der Moderne <\/i>paradigmatisch: Von Fukushima aus ist das Folgende erneut evident geworden: Die Moderne bezeichnet nicht nur dasjenige Zeitalter, das eine Kultur \u00fcbersch\u00e4umender Technologie und Innovation zu Stande gebracht hat, sondern das sich auf dem H\u00f6hepunkt ihrer Produktivit\u00e4tssteigerung auch bewusst wird, dass vieles nicht mehr steigerbar ist. Im Glanz ihres ungeheuren M\u00f6glichkeitsraums reflektiert die moderne Gesellschaft vor dem Hintergrund globaler Gef\u00e4hrdungen, dass die Ressourcen f\u00fcr Innovationen in bestimmten Bereichen ersch\u00f6pft sind. Das kontinuierliche &#132;Steigerungsspiel&#148; (Schulze 2003) als Leitziel neuzeitlicher Rationalisierung, offenbart einen paradoxen, ja zutiefst absurden Kern.<\/p>\n<p>Es ist nun mein Eindruck, dass der Begriff der <i>Kontingenz<\/i> wie in einem Brennglas die eben skizzierte Paradoxie der Moderne auf den Begriff bringt. Kontingenz beschreibt n\u00e4mlich ein <i>Spannungsverh\u00e4ltnis <\/i>zwischen unabwendbaren Sch\u00e4digungen, die aus komplexen Ursache-Wirkungs-Beziehungen herr\u00fchren einerseits und Eigenverantwortung durch die menschlichen Akteure, die \u00fcber ihre Zukunft stets auch entscheiden k\u00f6nnen, andererseits. Das \u00dcberraschende ist, dass Kontingenz in beiden F\u00e4llen &#150; so-wohl im Falle von Schicksals- als auch im Rahmen von <i>Beliebigkeitszuf\u00e4lligkeit<\/i> (wie Odo Marquard (1986: 128) die beiden Sachverhalte nennt) &#150; auf seine urspr\u00fcngliche Quelle r\u00fcckverweist: n\u00e4mlich auf den Zufall. Soziale Systeme sind stets eingebettet in ein &#132;Meer des Zufallsrauschens&#148; (Mainzer 2007: 225). Der Zufall weist darauf hin, dass dem Menschen keine notwendige Geschichte und Bestimmung eigen ist. Wo alles not-wendig ist, gibt es keine Unsicherheit, aber auch keine Handlungen. Man k\u00f6nnte sogar sagen, dass im<i> Zufall <\/i>als Variable, der die Konsistenz des Vorgegebenen durchbricht, das spezifisch Historische enthalten ist. Reinhart Koselleck (1995: 159) hat daher gesagt, dass Zufall gerade f\u00fcr die Geschichte &#132;das Best\u00fcrzende, das Neue, das Unvorhergesehene&#148; sei.<\/p>\n<p>Um die oben angedeuteten typisierenden Rahmungen zu entfalten wird im Folgen-den zun\u00e4chst kurz auf die handlungstheoretischen Implikationen des Kontingenzdiskurses eingegangen (II). In einem n\u00e4chsten Schritt sollen die Faktoren und die soziostrukturellen Voraussetzungen im Zentrum stehen, die das Bewusstsein von Kontingenz im Prozess der europ\u00e4ischen Modernisierung bef\u00f6rdert haben (III). Der thematische Horizont des vierten Punktes kreist um den paradoxen Kern von Kontingenz, indem auf aktuelle Problembereiche und Ph\u00e4nomene der &#132;Weltrisikogesellschaft&#148; (Beck 2009) hin-gewiesen wird (IV). Mit dieser Szenerie vor Augen werde ich die Frage stellen, wie die Last der Kontingenz von der Politik verarbeitet wird (V). Im letzten Abschnitt werden anschlie\u00dfend einige Schlussfolgerungen gezogen (VI).<\/p>\n<h5><span id=\"ii-der-begriff-kontingenz\">&nbsp;II. Der Begriff Kontingenz<\/span><\/h5>\n<p>Wie ist der Begriff Kontingenz zu definieren? Als kontingent bezeichnet man etwas, das zuf\u00e4llig so ist, wie es uns erscheint, das aber auch anders sein kann. Aristoteles (2001: I.13, 32a 18-20) definierte das Kontingente als dasjenige, <i>was weder unm\u00f6glich noch notwendig ist und aus diesem Grund auch nicht oder auch anders sein kann.<\/i><\/p>\n<p>Das ist zun\u00e4chst die analytische Definition des Begriffs Kontingenz. Nun wird man nicht \u00fcbersehen k\u00f6nnen, dass sich der Begriff Kontingenz gegenw\u00e4rtig einer b\u00fcndigen und verallgemeinerbaren Bedeutung entzieht. So bezieht sich der Begriff heute auf die kulturelle Ideengeschichte, auf handlungstheoretische Aspekte, auf epistemologische Probleme, auf anthropologische, organisationssoziologische sowie politiktheoretische Sachverhalte (vgl. Holzinger 2006; 2007). Herausheben m\u00f6chte ich in dieser kurzen Betrachtung der Bedeutungsschichten von Kontingenz die <i>handlungstheoretische Perspektive <\/i>des Begriffs. F\u00fcr unseren Zusammenhang &#150; also mit dem oben skizzierten Fokus auf die Risikothematik &#150; kann ein oberfl\u00e4chlicher Blick auf die Kontingenzthematik vor allem zwei Bedeutungen haben, die sich analytisch trennen lassen in die beiden Bereiche Kontingenz als <i>Widerfahrnis<\/i>, bei der sich Kontingenz auf einen systemischen Weltzusammenhang bzw. strukturelle Bedingungen bezieht und <i>Handlungskontingenz<\/i>, bei der menschliche Handlungen bzw. individuelle Handlungszusammenh\u00e4nge im Zentrum stehen (Makropoulos 1997: 14f.).<\/p>\n<h5><span id=\"ii1-kontingenz-als-widerfahrnis\">II.1. Kontingenz als Wider&shy;fahrnis<\/span><\/h5>\n<p>Eine nahe liegende Begr\u00fcndung f\u00fcr eine eigenst\u00e4ndige Sph\u00e4re im Rahmen menschlichen Verhaltens, die wir gewohnt sind Handlung zu nennen, ist das Postulat der Intention. Menschen handeln gem\u00e4\u00df bewusster Intentionen. Absichten sind mentale Zust\u00e4nde, die Handlungen in der Regel verursachen, in dem der Handelnde seine besonderen Entw\u00fcrfe und Pl\u00e4ne unter Selektion geeigneter Zwecke im Handlungsvollzug realisiert (z.B. Davidson 1990: 77ff.). Der Zufall ist nun etwas, das den menschlichen Willensakten zuwiderl\u00e4uft. Anstelle einer Handlung tritt hier n\u00e4mlich ein Ereignis ein, welches sich dem Akteur als &#132;Widerfahrnis&#148; (Kamlah 1972: 34ff.) entgegenstellt. In der Regel handelt es sich bei dem Widerfahrnis um ein Zusammentreffen zweier an sich nicht zu-f\u00e4lliger Variablen. Neue kontingente Kontexte werden vor allem deswegen geschaffen, weil Teile eines Handlungssystems in unvorhergesehener Weise mit Elementen oder Segmenten eines anderen Systems in Interaktion getreten sind. Der Mensch handelt in-tendiert, in die Handlungen intervenieren jedoch Variablen, die er nicht gewollt hat. Zufall liegt also, gem\u00e4\u00df R\u00fcdiger Bubner (1998: 11), dann vor, &#132;wenn auf einer bestimmten Handlung, die ein Ziel verfolgt, ein Vorgang parasit\u00e4r aufsitzt&#148;. Der amerikanische Organisationssoziologe Charles Perrow (1992) hat in seinem Buch &#132;Normale Katastrophen&#148; solche chaotisch, dynamischen Prozesse gerade in der Hochtechnologie nachgewiesen. Seine These lautet: gro\u00dftechnische Systeme haben immanente Eigenschaften, die fr\u00fcher oder sp\u00e4ter zu St\u00f6rungen und Unf\u00e4llen f\u00fchren m\u00fcssen. Trotz effizienter Sicherheitsvorkehrungen wird es irgendwann zu &#132;unvermeidlichen Unf\u00e4llen&#148; kommen. Dies liegt nach Perrow (1992: 107ff.) daran, dass derartige Systeme eine ungeheure Komplexit\u00e4t erreicht haben. Ihr Kennzeichen ist es, eine Vielfalt von Komponenten in sich zu vereinigen, die eng gekoppelt und mit zahlreichen Interaktionsm\u00f6glichkeiten ausgestattet und mit zahlreichen Handlungssystemen r\u00fcckgekoppelt sind.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens an dieser Stelle wird klar, warum der Kontingentbegriff unmittelbar mit dem Thema Ungewissheit verkn\u00fcpft ist oder anders gesagt: wer \u00fcber Kontingenz reflektiert f\u00fcr den ist evident, dass es absolute Sicherheit nicht geben kann. Denn ein gro\u00dfer Teil unserer spezifischen Entscheidungskontexte setzt sich aus jenen &#132;Handlungs-Widerfahrnis-Gemischen&#148;, zusammen, aus denen, wie Marquard (1986: 129) meint, die menschliche Geschichte besteht. Pointiert k\u00f6nnte man sagen: in einer kontingenten Welt erscheint die Zukunft schlechthin als Risiko.<\/p>\n<h5><span id=\"ii-2-kontingenz-als-handlungskontingenz\">II. 2. Kontingenz als Handlungs&shy;kon&shy;tin&shy;genz<\/span><\/h5>\n<p>Eine erste wichtige Dimension des Begriffs Kontingenz scheint somit, dass &#132;unvorhergesehene Kontingenz&#148; unsere Zugriffsm\u00f6glichkeiten auf die Welt reduziert. Nicht selten wurde dieser Aspekt von Kontingenz in Verbindung gebracht mit der schicksalhaf ten Verg\u00e4nglichkeit des Handelns. Marquard nennt diese Art von Kontingenz das <i>Schicksalszuf\u00e4llige<\/i>&#8220; (Marquard 1986: 128).<\/p>\n<p>Allerdings: Die im Alltagsbewusstsein fast nat\u00fcrliche Assoziation von Kontingenz mit Schicksal ist eine irrt\u00fcmliche Vorstellung. Unm\u00f6glichkeit und Notwendigkeit bezeichnen in Wirklichkeit die <i>Gegenbegriffe<\/i> zum Terminus Kontingenz. Nur wer Kontingenz radikal verneint, endet bei totaler Faktizit\u00e4t. Wenn n\u00e4mlich auf der einen Seite der Zufall f\u00fcr einen bestimmten Akteur als &#132;Widerfahrnis&#148; beschrieben werden soll, ist auf der anderen Seite davon auszugehen, dass eben jener Zufall, der uns zur Gefahr wird, in der Regel zur gleichen Zeit in ein strukturiertes System &#8211; gerade auch im Sinne des Dazwischenkommens &#151; Innovationen und produktive St\u00f6rungen einspeist. &#132;Der <i>Zufall ist eine Bedingung der M\u00f6glichkeit von Kontrafaktizit\u00e4t<\/i>.&#148; (Hoffmann 2005: 158) Er ist eine konstruktive Variable bei der Entwicklung von Geschichte. Ohne Zufall und St\u00f6rungen gibt es in einem System keinen Wandel und keine Innovation. Mit anderen Worten: Selbst wenn der Zufall auch nicht unbedingt kommt, wenn die humanen Akteure ihn herbeiw\u00fcnschen, bedeutet es gerade dennoch, dass etwas von strukturierten und fest etablierten Pfaden abweicht und eben damit ein bestimmtes Muster durchbricht.<\/p>\n<p>Es ist dann auch nicht sehr erstaunlich, dass es gerade der Zufall ist, der menschliches Handeln \u00fcberhaupt erst m\u00f6glich macht. Kontingenz und Handeln sind in Wirklichkeit untrennbar miteinander verkn\u00fcpft. Denn die Entscheidung f\u00fcr eine bestimmte M\u00f6glichkeit des Handelns setzt voraus, &#132;da\u00df es \u00fcberhaupt einen Spielraum offener M\u00f6glichkeiten gibt&#148; (Bubner 1984: 35). Die M\u00f6glichkeit, dass Akteure in Ereignissen Handlungsmuster durchbrechen k\u00f6nnen, verweist eben genau darauf, dass sie in ihrem Handeln nicht stets und routinehaft statische Regeln des gesellschaftlichen oder biologischen Zusammenhangs aktualisieren.<\/p>\n<h5><span id=\"iii-optionssteigerung-und-kontingenz-in-der-modernen-gesellschaft\">III. Options&shy;stei&shy;ge&shy;rung und Kontingenz in der modernen Gesell&shy;schaft<\/span><\/h5>\n<p>Der letzte Abschnitt macht eines besonders deutlich: Gerade das Unbekanntsein der Zukunft erweist sich als unentbehrliche Variable des Entscheidens und ist f\u00fcr den Entscheider die Ursache seines Optionenspielraums. Nun scheint aus historischer und sozi-<br \/>alwissenschaftlicher Sicht Eines relativ sicher zu sein: Der Begriff Kontingenz ist in diesem letztgenannten Sinne der Handlungskontingenz &#8211; fasst man seine zeitliche Verortung ins Auge &#8211; ein zentraler Begriff des Zeitalters der Moderne. Kontingenz wurde zwar auf der einen Seite bereits in der antiken Philosophie reflektiert. Schon zu dieser Zeit war man sich der Gr\u00f6\u00dfe des Risikos bewusst, welches &#132;die in die Zukunft nur tappenden Menschen eingehen&#148; (Theunissen 2008: 131). Man entlarvte das vermeintliche Wissen als ein prinzipielles Nichtwissen und beklagte die &#132;Blindheit unserer Sinne feit das Kommende&#148; (ebd.: 125). Im \u00dcbrigen impliziert, wie gesagt, der Begriff &#132;Kontingenz&#148; analytisch gesehen keine historische Zuordnung.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite haben das Bild des virtuosen Spiels mit Chancen und die Erweiterung des eigenen Spielraums zugegebenerma\u00dfen erst in der Moderne Konjunktur. Und am Ende ist wahrscheinlich ein ausgesprochenes Kontingentbewusstsein &#132;als Grundbestand eines gesellschaftlichen Selbstverst\u00e4ndnisses&#148;, so Michael Makropoulos (1997: 156), &#132;wohl doch spezifisch modern und ,Kontingent` deshalb eine spezifisch moderne und gerade nicht eine spezifisch nachmoderne Kategorie&#148;. Die traditionale Gesellschaft ist, vergleicht man sie mit der neuzeitlich-kapitalistischen, eine in sich ruhende Gesellschaft. Die elementare gesellschaftliche Gruppe und zugleich wichtigster Arbeitsverband innerhalb der traditionalen Gesellschaft ist die Familie. Urspr\u00fcnglich ist somit die Bindung an gemeinsame Normen auf die kleinsten Vergemeinschaftungsformen des Menschen beschr\u00e4nkt gewesen, auf die Gemeinschaft der Familie oder auf die Nachbarschaftsgemeinschaft. Die Menschen starben an den St\u00e4tten, wo sie auch gelebt hatten. &#132;So waren Leben und Tod eine ,platzierte` Einheit sozialer Befindlichkeit.&#148; (Lohmann 2000: 88) Kontingenz blieb in der Vormoderne ein Spielraum im Rahmen einer festen Ordnung. Zwar ist der Begriff der Kontingenz dem christlichen Mittelalter durchaus bekannt. Aber in dieser Episode menschlicher Geschichte ist das menschliche Handeln nur deswegen von Kontingenz umrandet, weil Gott die Welt &#132;nicht erschaffen mu\u00dfte, sondern sie in freier Entscheidung aus dem Nichts heraufbefahl&#148; (Wetz 1998: 84).<\/p>\n<p>Nach allgemeiner Auffassung konstituiert sich die Moderne durch einen Bruch mit der Tradition. Moderne Gesellschaften vollziehen einen radikalen Wandel im Kontingentbewusstsein. Die historischen Voraussetzungen f\u00fcr dieses massive Aufkeimen des M\u00f6glichkeitsbewusstseins sind vielfach beschrieben worden. Von zentraler Bedeutung war die Freisetzung des Menschen aus den engen Bindungen seiner bisherigen Erfahrungsr\u00e4ume, wie etwa der verwandtschaftlichen Vergemeinschaftung. Die, wie Georg Simmel (1993: 212) es benannt hat, &#132;Sprengung&#148; der \u00fcberkommenen, g\u00fcltigen Lebens-formen, die den vormodernen Menschen gebunden haben, war somit zugleich die Voraussetzung, \u00fcberhaupt <i>M\u00f6glichkeiten zu erfahren und wahrzunehmen<\/i>.<\/p>\n<p>Mit Sicherheit stellen die Industrialisierung und die mit ihr verbundene Marktvergesellschaftung einen Angelpunkt der Moderne dar. Es kristallisiert sich zunehmend das Modell einer marktvermittelten Existenz heraus, was gleichbedeutend ist mit dem Wechsel von einer Haushalts\u00f6konomie zu einer \u00d6konomie der Erwerbsarbeit. Die Herauskristallisierung des &#132;Markt-Individuums&#148; geht somit mit der Herausl\u00f6sung der Individuen aus den \u00f6konomischen, personalen und st\u00e4ndischen Bindungen der vorindustriellen Gesellschaft einher. F\u00fcr moderne Gesellschaften, die ja nicht mehr von kulturellen Einheitsvorstellungen geleitet werden, ist somit zu erwarten, dass ein erh\u00f6htes Bewusstsein von Kontingenz im Sinne von Chancen- und Risikoexpansion zu erwarten ist.<\/p>\n<p>Fast alle Wissenschaftler, die sich mit Modernisierung befassen, sind sich einig, dass eine konstitutive Erfahrung f\u00fcr die Moderne ein neues Zeitbewusstsein ist. Im 18. Jahr-hundert hat, so Koselleck (1995), ein Prozess der Verzeitlichung von Natur- und Humangeschichte begonnen. Es ist bekannt, dass sich im 16. und 17. Jahrhundert eine Beschleunigung von Handel und Transport realisiert und sp\u00e4ter dann auch eine Beschleunigung der Produktion in Gang setzt, die dann in der industriellen Revolution zu einem ersten H\u00f6hepunkt gelangt (vgl. Rosa 2005: 261ff.). Aber generell geht es in der Moderne um die Beschleunigung des Zeitbewusstseins. Bald schon wird sich aus dem permanenten Drang zu Beschleunigung das Krankheitsbild der Nervosit\u00e4t heraussch\u00e4len.<\/p>\n<p>Von ma\u00dfgeblicher Bedeutung f\u00fcr die Ausbildung eines Kontingenzbewusstseins war ebenso die moderne Wissenschaft. Erst in der technologischen Zivilisation kann die Menschengattung, einst noch in der Position des physisch Schw\u00e4cheren, das Verh\u00e4ltnis umkehren und ohne Schranken \u00fcber die entzauberte Natur gebieten. Die moderne Technik als h\u00f6chste Manifestation neuzeitlicher Vernunft, liefert dabei den notwendigen innovativen Hebel dieses Ziel zu erreichen. &#132;Die neuzeitliche physikalische Theorie der Natur&#148;, so Martin Heidegger (1990: 25), &#132;ist die Wegbereiterin nicht erst der Technik, sondern des Wesens der modernen Technik&#148;. Erst in der Neuzeit wird die \u00dcberzeugung realisiert, dass man, wie Max Weber sagt, &#132;alle Dinge &#150; im Prinzip &#150; durch Berechnen beherrschen k\u00f6nne&#148; (Weber 1991: 250).<\/p>\n<h5><span id=\"iv-ende-des-steigerungsspiels\">IV. Ende des Steige&shy;rungs&shy;spiels?<\/span><\/h5>\n<p>Erstaunlich unverhohlen l\u00e4sst sich allerdings bei Weber bereits ein zweites Motiv in der Bewertung der neuzeitlichen Rationalit\u00e4tsgrundlagen f\u00fcr Innovationsprozesse identifizieren. Der Prozess der Rationalisierung ist in Webers Augen ein h\u00f6chst dialektischer Vorgang. In seinem Gegenwartsbild weist er auf tief greifende gesellschaftliche Anomien und Sozialpathologien hin, die er f\u00fcr unvermeidliche Folgen des fortschreitenden Aufkl\u00e4rungsprozesses h\u00e4lt. Am Ende \u00fcberwuchert eine kognitiv-instrumentelle Rationalit\u00e4t, die sich in Wirtschaft und Staatsb\u00fcrokratie eine unanfechtbare Basis geschaffen hat, alle anderen Lebensbereiche und ist nicht mehr in der Lage, Sinnbez\u00fcge herzustellen.<\/p>\n<p>Bei Weber wird bereits eines deutlich: Die Innovationsspirale rast in ungeheurem Tempo voran, aber gewiss nicht ewig (Schulze 2003). Denn die Vernichtungsf\u00e4higkeit des Menschen in der &#132;Weltrisikogesellschaft&#148; (Beck 2007), die er durch fortw\u00e4hrende technologische Vernutzung der \u00f6kologischen Sph\u00e4re unter Beweis stellt, wird, wenn man Weber zu Ende denken wollte, nicht eher Einhalt gebieten, bis &#132;der letzte Zentner fossilen Brennstoffs vergl\u00fcht&#148; (Weber 1988: 203) ist. Dabei machen, wie wir heute wissen, nicht prim\u00e4r die \u00f6kologischen Ereignisse, sondern die damit verbundenen sozialen Folgen erst die soziale Katastrophe aus. Demnach st\u00fcnden nicht nur Massenemig-rationen aus L\u00e4ndern bevor, bei denen die \u00dcberlebensressourcen geschwunden sind. Auch Fl\u00fcchtlingsprobleme, Konflikte um Wasser- und Abbaurechte seien die unmittelbare Konsequenz, wie Harald Welzer (2008) skizziert.<\/p>\n<p>Zu den rapiden Umweltver\u00e4nderungen, die bereits heute soziale Konflikte sch\u00fcren. gesellen sich andere Probleme, die die soziale Koh\u00e4sion und das Ordnungsgef\u00fcge der Gegenwartsgesellschaft desavouieren. Wahr ist wohl, dass sich durch den &#132;Fahrstuhleffekt&#148; (Beck 1986) in den letzten drei\u00dfig Jahren das Sozialprodukt der Bundesrepublik etwa verdoppelt hat. Doch die Neuordnung des Kapitalismus ging Hand in Hand mit einer wachsenden Flexibilisierung der Arbeitsverh\u00e4ltnisse.<\/p>\n<p>Die Nettorealeinkommen det abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten stagnieren heute oder rutschen zum Teil wieder nach unten. In manchen westlichen Staaten wird die Demarkationslinie zwischen Arbeits- und Armenbev\u00f6lkerung immer deutlicher gezogen. Dazwischen w\u00e4chst eine &#132;Zone der Prekarit\u00e4t&#148;. die eine Schar heterogener Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse darstellt. Dazu z\u00e4hlen Zeit- und Leiharbeit, abh\u00e4ngige Selbstst\u00e4ndigkeit, befristete Besch\u00e4ftigung etc.<\/p>\n<p>Die Expansion prek\u00e4rer Besch\u00e4ftigung f\u00fchrt zu einer &#132;R\u00fcckkehr der Unsicherheit&#148;. Und jetzt wird auch erfahrbar, dass die modernen Freisetzungsprozesse f\u00fcr die Lebens-entw\u00fcrfe der Menschen nicht nur stimulierend, sondern ebenso \u00fcberfordernd wirken k\u00f6nnen. Zwar ist nach wie vor die Unterst\u00fctzungsleistung der Kernfamilie hoch, neben sie treten aber andere Formen wie beispielsweise Einelternfamilien. Lebenslange Partnerschaften verlieren als verbindliches Schema an Bedeutung und machen nicht ehelichen Lebensgemeinschaften Platz. Seit April 1996 hat sich deren Zahl in Deutschland um rund ein Drittel (35 Prozent) auf 2,5 Mio. Lebensgemeinschaften im Jahr 2005 er-h\u00f6ht (Statistisches Bundesamt 2006: 7). Scheidungen und Wiederverheiratungen wer-den immer allt\u00e4glicher. Angesichts der Tatsache, dass die Institutionen Familie und Ehe f\u00fcr die Lebensgestaltung tendenziell an Bedeutung verlieren und eine Orientierung an der Semantik der Individualit\u00e4t Platz macht, ger\u00e4t die Normalfamilie als &#132;Stabilit\u00e4tsrest&#148; (Schelsky 1980) der modernen Gesellschaft unter Druck. Die Folge ist: Die Betroffenen m\u00fcssen nun &#132;mit sich selbst austragen (&#8230;), wof\u00fcr armutserfahrene, klassengepr\u00e4gte Lebenszusammenh\u00e4nge entlastende Gegendeutungen, Abwehr- und Unterst\u00fctzungsformen bereithielten und tradierten&#148; (Beck 1986: 144). Die Lebensrisiken der aus dem sozialen Netz Exkludierten finden infolgedessen keine kollektive Beachtung, zumal die Exkludierten sich selbst nicht zu organisierten Kollektiven und politischen Kampfverb\u00e4nden zusammenschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Dabei ist noch gar nicht \u00fcber die materiellen Ungleichheiten im weltweiten Ma\u00dfstab gesprochen worden. Angesichts seiner Erfahrungen mit der Weltarmut, die er nach einem Besuch brasilianischer Favelas pers\u00f6nlich vor Ort registrieren konnte, musste auch Luhmann (1997: 632) &#150; der Prognostiker funktionaler Differenzierung der Weltgesellschaft &#150; konstatieren, dass entgegen seiner Diagnose einer Weltgesellschaft, die aui globalisierten, auf <i>Inklusion aufsetzenden Funktionssystemen <\/i>gr\u00fcndet, sich wohl eher die Unterscheidung von Inklusion und Exklusion im Sinne einer Prim\u00e4rdifferenzierung der modernen Gesellschaft, vor die funktionale Differenzierung schiebe.<\/p>\n<h5><span id=\"v-die-anforderungen-an-die-politik\">V. Die Anfor&shy;de&shy;rungen an die Politik<\/span><\/h5>\n<p>Die Regulierung von globalen Risiken bedeutet, heute insbesondere f\u00fcr politische Entscheidungstr\u00e4ger deren Risiko\u00fcbernahme. Auch f\u00fcr die Finanzkrise wurde konstatiert, dass die Gesellschaft m\u00f6glicherweise akzeptieren m\u00fcsse, &#132;dass der Staat in systemischen Bankenkrisen der Aktion\u00e4r der letzten Instanz bleibt&#148; (Der Spiegel, 48\/2009: 74). Michael Greven (1999) hat in seiner Studie &#132;Die politische Gesellschaft&#148; diesen Gedanken weitergesponnen. Er charakterisiert die moderne Gesellschaft als eine solche, in der alles von Entscheidungen abh\u00e4ngig geworden sei und die zunehmend erkenne, dass sie auf keine anderen Geltungsgr\u00fcnde als die sich aus ihren eigenen Verfahren selbst ergebenden rekurrieren k\u00f6nne. Die &#132;politische Gesellschaft&#148;, das ist nach Greven eine Gesellschaft, die vollst\u00e4ndig auf Dezision und Kontingenz gebaut ist und deren S\u00e4ulen auf kontingentem Grund errichtet sind: &#132;Alles ist prinzipiell entscheidbar geworden, alles Entscheidbare stellt sich als Interessenkonflikt dar, f\u00fcr alles kann die Politik ihre Zust\u00e4ndigkeit erkl\u00e4ren und jedes erwachsene Gesellschaftsmitglied gilt als politisches Subjekt.&#148; (Ebd.: 55) Aber wie werden Weltrisiken vor diesem Hintergrund von der Politik wahrgenommen? Und was bedeuten diese f\u00fcr das politische Alltagsgesch\u00e4ft?<\/p>\n<p>Anders als der (immer noch?) der Steuerungstheorie verpflichtete &#132;Governance&#8220;-Begriff erwarten l\u00e4sst, wird politisches Entscheiden, wenn die Zeichen nicht tr\u00fcgen, zweifelsohne <i>noch kontingenter<\/i>. Die Entscheidungsunsicherheit von Politik nimmt zu. Es ist eine Dynamik zu erwarten, in der mit einer st\u00e4ndigen Steigerung der Entscheidungspotentiale zu rechnen ist und in der sich die Betroffenen f\u00fcr ihre &#132;tragic choices&#148; verantworten m\u00fcssen. Das Risiko des Entscheiders besteht immer mehr darin, sich angesichts der unab\u00e4nderlichen Ungewissheit in der Prognose der Risiken und gegebener Alternativen falsch zu entscheiden.<\/p>\n<p>Die globale Finanzkrise, welche die politischen Institutionen immer noch massiv unter Druck setzt, liefert dabei eine aufschlussreiche Illustration. Das Risiko des politischen Entscheiders liegt im Kontingenzdruck, der auf ihm lastet. Ging es in den ersten Monaten noch um ein kleines Konjunkturpaket, mit dem man den Banken einen Schirm aufspannen wollte, wurde im Fr\u00fchjahr 2009 in Deutschland bereits \u00fcber 100 Milliarden Euro an B\u00fcrgschaft debattiert. Der Rettungsschirm, der unter dem Druck anhaltender Spekulationswellen gegen den Euro am 09.05.2010 von den europ\u00e4ischen Regierungschefs entschieden wurde, belief sich ein Jahr sp\u00e4ter dann auf 750 Milliarden Euro. In den folgenden Monaten setzte sich die Euro-Krise fort; neben Griechenland waren in-zwischen auch Irland und Portugal vor drohenden Staatsinsolvenzen betroffen. Daher wurden Forderungen laut, auch nach dem Auslaufen des provisorischen Rettungsschirms 2013 einen Mechanismus f\u00fcr Krisenf\u00e4lle zu etablieren. Der Vorschlag lautet, die Finanzm\u00e4rkte \u00fcber zus\u00e4tzliche Leistungen wie Euro-Bonds zu stabilisieren (d. h. Staatsanleihen, die Mitgliedsl\u00e4nder in der Europ\u00e4ischen W\u00e4hrungsunion zur Finanzierung ihres staatlichen Haushalts einsetzen). Die Garantie und Haftung f\u00fcr diese Bonds \u00fcbernimmt die Gesamtheit der Euro-L\u00e4nder. Aber hat man damit die <i>richtige<\/i> Entscheidung gew\u00e4hlt?<\/p>\n<p>Das Problem f\u00fcr die Politik besteht darin, dass auch sie die<i> Zukunft nicht kennt <\/i>(sonst w\u00e4ren Entscheidungen f\u00fcr sie keine Risiken). Auch sie agiert vor dem Hinter-grund prognostizierter, rein fiktiver, wahrscheinlicher Realit\u00e4ten (Esposito 2007). Auch Politik kann Risiken nur wieder mit Risiken versichern (Vogl 2010: 168). Denn die Risiken der R\u00fcckzahlung der Staatsschulden werden &#150; wie im Falle der Euro-Bonds &#150; stabilit\u00e4tsorientierten L\u00e4ndern aufgeb\u00fcrdet. Wie soll man aber \u00fcber weit reichende Sch\u00e4den in der Zukunft jetzt entscheiden, wenn eine Prognose \u00fcber die Wahrscheinlichkeit des zuk\u00fcnftigen Schadenausma\u00dfes nicht m\u00f6glich ist und wenn selbst die Experten uneinig sind, ob die eingesetzten Ma\u00dfnahmen und Interventionen \u00fcberhaupt greifen? Ein weitreichendes Problem besteht au\u00dferdem darin, dass heute zunehmend Risiken in den Mittelpunkt r\u00fccken, deren Entstehungsgr\u00fcnde und Bedrohungen nicht mehr alleine einzelne Nationalstaaten betreffen, sondern vielmehr als transnationale bzw. globale Risiken wahrgenommen werden. Durch mediale Aufbereitung und einer damit oftmals ein-hergehenden Verst\u00e4rkung der Katastrophenerwartung werden Risikogemeinschaften geschaffen, die quer zu der nationalen &#132;Impr\u00e4gnierung&#148; bisheriger politischer und rechtlicher Kategorien liegen. Dennoch werden aber alle politische Entscheidungen weiter-hin durch Modelle gerahmt, die auf nationaler Ebene anzusiedeln sind, obgleich sie nur in einem global koordinierten regulatorischen Ordnungsrahmen effizient angegangen werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Die Folge ist: Die Ad\u00e4quatheitsbedingungen f\u00fcr die rationale Rechtfertigung von Regeln und ihre Gr\u00fcnde, die eine Entscheidung intersubjektiv legitimieren k\u00f6nnen, erodieren. F\u00fcr die Politik wird im Rahmen politikwissenschaftlicher Er\u00f6rterungen h\u00e4ufig geltend gemacht, dass politische Handlungen und Entscheidungen stets in einem Raum der Gr\u00fcnde mit Hilfe formaler Regeln stattf\u00e4nden. Im oben skizzierten Fall gilt das Gegenteil: Entscheidungen k\u00f6nnen immer seltener aus einem \u00fcbergeordneten heuristischen Rahmen abgeleitet werden, weil ihnen kein Entscheidungskriterium vorausgeht. F\u00fcr den politischen Entscheider gibt es weder ein ad\u00e4quates epistemisches Ger\u00fcst, noch ein relevantes normatives Fundament f\u00fcr eine Entscheidung. Denn welche Normen und Regeln sind in der Risikosituation moralisch gerechtfertigt? Und dennoch &#150; und darin liegt das Dilemma &#150; besteht die Dringlichkeit und die Erwartung an das politische System, angesichts alternativer Handlungspfade den Graben der Kontingenz durch eine nicht weiter begr\u00fcndbare Entscheidung zu \u00fcberspringen und zu entscheiden. &#132;Je gr\u00f6\u00dfer die Gefahr, desto gr\u00f6\u00dfer das Nichtwissen, desto notwendiger und unm\u00f6glicher die Entscheidung.&#148; (Beck 2007: 215). Wolfgang Kersting (2002: 257) nennt Entscheidungen in dieser eben skizzierten Konstellation &#132;dezisionistische Entscheidungen&#148;. Bei diesen gibt es, nach Kersting (2002: 257) &#132;keine entscheidenden Gr\u00fcnde, die uns die Entscheidung abnehmen. Bei dezisionistischen Entscheidungen m\u00fcssen wir selbst entscheiden, weil der Vernunft die Gr\u00fcnde ausgegangen sind, ihre normalen prudentiellen und moralischen Entscheidungsverfahren versagen&#148;.<\/p>\n<p>Eine solche Sichtweise von Politik wird ohne Zweifel umso ad\u00e4quater, je situativer sich Politik gestaltet und je kurzfristiger sich das politische Handeln an neue Lagen an-passen muss. Eine unter Zeitdruck operierende Politik operiert zunehmend unter Zwang und situationsfixiert. Sie schreitet pragmatisch voran. Das &#132;Muddling Through&#148; wird zum Leitprinzip &#150; was nicht weiter verwundert. Schlie\u00dflich schwinden die Zeitr\u00e4ume f\u00fcr Entscheidungen. Die Anzahl unerl\u00e4sslicher Entscheidungen nimmt zu, die Zeitressourcen pro Entscheidung werden beschr\u00e4nkter. Was sind die Konsequenzen f\u00fcr das politische System? Die Politik verlagert Entscheidungen an andere, schnellere Entscheidungsinstanzen, damit &#132;zeitn\u00e4her&#148; und vielleicht auch effizienter entschieden werden kann (vgl. Rosa 2005: 415 ff.). Es wird outgesourct, dereguliert und privatisiert. Politische Akteure nutzen Ad-Hoc-Entscheidungen und neue informelle Kooperationsformen, um globalen Risiken zu steuern.<\/p>\n<p>Doch diese Ver\u00e4nderungen bewirken nicht einfach nur einen politischen Machtverlust. Es kommt vielmehr zu einer schleichenden internen Transformation des Politischen (vgl. Holzinger u.a. 2010). Die Experten und die Exekutive gewinnen an Macht \u00fcber die Legislative. Zentrale Beschl\u00fcsse wandern h\u00e4ufig von demokratisch gew\u00e4hlten Parlamenten in demokratisch nicht legitimierte supranationale Organisationen (wie z. B. die WTO, den IWF, ICSID-Panels oder die internationale Gerichtsbarkeit). Selbst die nationalen Parlamente erleben diesen Zustand &#150; wie etwa bei der Ratifizierung des Gesetzes \u00fcber den Rettungsschirm von 750 Milliarden Euro, der am 21.05.2010 per Gesetz durch den deutschen Bundestag ging &#150; nur noch als Exekution der Sachzw\u00e4nge. Das Parlament wird zum Akklamationsorgan. Ob die EU zu einer Fiskalunion wird oder ob die Schuldens\u00fcnder, wie z. B. Griechenland, die Geldunion verlassen m\u00fcssen, wird letztendlich in t\u00e4glichen Telefonkonferenzen zwischen Berlin und Paris entschieden: Entscheidungen &#150; und sei es nur \u00fcber einzelne Formulierungen &#150; unterlaufen oftmals heute die formalen Vorab-Bindungen der staatlichen Gewalt, wie etwa die Gewaltenteilung oder demokratische Legitimation des Staates.<\/p>\n<h5><span id=\"vi-fazit\">VI. Fazit<\/span><\/h5>\n<p>Hier angekommen k\u00f6nnen wir das Verh\u00e4ltnis moderner Gesellschaften zum Ph\u00e4nomen der Kontingenz neu pr\u00e4zisieren. Die &#132;Kontingenzgesellschaft&#148; (Greven 2000: 273) bezeichnet einerseits eine Form von Gesellschaft, in der eingelebte Formen der Institutionalisierung und Kollektivit\u00e4t zunehmend durch Entscheidungen bestimmt sind. Auf der anderen Seite wird die Orientierungssicherheit und die Entscheidungsoption zunehmend problematisch, weil viele Wirklichkeitsbereiche in der Gegenwartsgesellschaft auch deswegen anders als bisher sein k\u00f6nnten, weil sie den Akteuren als nichtintendierte Nebenfolgen widerfahren. In der Regel beginnt zwar mit jeder Entscheidung eine neue Geschichte &#150; allerdings: eine Geschichte, die ihrerseits &#132;neue Geschichten erzeugen wird&#148; (Luhmann 2000: 166). Das h\u00e4ngt mit der Tatsache zusammen, dass moderne Gesellschaften es immer h\u00e4ufiger mit Komplexit\u00e4ten zu tun haben, die einzelne Akteure kaum noch \u00fcbersehen k\u00f6nnen. &#132;Es werden m\u00f6glicherweise Sch\u00e4den, ja vielleicht sogar Katastrophen eintreten, ohne da\u00df man feststellen k\u00f6nnte, wessen Entscheidung sie aus-gel\u00f6st hat. In den schon eingeleiteten Klimaver\u00e4nderungen hat man daf\u00fcr ein anschauliches Beispiel.&#148; (Luhmann 1990, 167) H\u00e4ufig geht es heute in sachlicher und sozialer Hinsicht zun\u00e4chst gar nicht mehr um vorangegangene Entscheidungen, sondern vielmehr um &#132;deren Folgen, die sich in der Regel verselbst\u00e4ndigen und die Gestalt von eigenen Risikosystemen annehmen&#148; (Bon\u00df 1995: 31). Wenn heute diagnostiziert wird, dass die Logik der Unbestimmtheit als die eigentliche Infrastruktur des modernen Weltverst\u00e4ndnisses gelten m\u00fcsse (Gamm 1994), dann zeigt sich diese vielleicht darin, dass<br \/>in der Gegenwartsgesellschaft h\u00e4ufig das Entscheiden-K\u00f6nnen und das Nicht-Entscheiden-K\u00f6nnen fast ununterscheidbar zusammenfallen.<\/p>\n<p>Es ist das Schicksal des modernen homo creator, diese grundlegende Paradoxie aushalten zu m\u00fcssen: in einer Welt zu leben, in der er zunehmend selbst \u00fcber sein Schicksal entscheiden muss und gleichzeitig zu reflektieren, dass er auf Grund just dieser Optionen, weit verzweigte Kausalketten in Gang setzt, deren nicht intendierte Nebenfolgen er nicht mehr \u00fcberblickt und \u00fcber die er in der n\u00e4chsten Runde des Handelns erneut zu entscheiden hat.<\/p>\n<p><b>Literatur<\/b><\/p>\n<p>Arnoldi, Jakob (2009): Alles Geld verdampft: Finanzkrise in der Weltrisikogesellschaft, Frankfurt\/M.. Aristoteles (2001): Philosophische Schriften, Bd. 3, Erste Analytik, \u00fcbersetzt von Hermann Bonitz, Eu-gen Rolfes, Horst Seidl und Hans G\u00fcnter Zekl.<br \/>Beck, Ulrich (1986): Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne, Frankfurt\/M. Beck, Ulrich (2007): Weltrisikogesellschaft, Frankfurt\/M.<br \/>Bon\u00df, Wolfgang (1995): Vom Risiko, Hamburg.<br \/>Bubner, R\u00fcdiger (1984): Geschichtsprozesse und Handlungsnormen, Frankfurt\/M.<br \/>Bubner, R\u00fcdiger (1998): Die Aristotelische Lehre vom Zufall. In: Gerhart von Graevenitz\/Odo Mar-<br \/>quard (Hg.), Kontingenz (Poetik und Hermeneutik ]7), M\u00fcnchen, S. 3&#150;2 1. Davidson, Donald (1990): Handlung und Ereignis, Frankfurt\/M.<br \/>Esposito, Elena (2007): Die Fiktion der wahrscheinlichen Realit\u00e4t, Frankfurt\/M.<br \/>Gamm, Gerhard (1994): Flucht aus der Kategorie. Die Positivierung des Unbestimmten als Ausgang aus der Moderne, Frankfurt\/M.<br \/>Greven, Michael (1999): Die politische Gesellschaft. Kontingenz und Dezision als Probleme des Regierens und der Demokratie, Opladen.<br \/>Greven, Michael (2000): Kontingenz und Dezision. Beitr\u00e4ge zur Analyse der politischen Gesellschaft, Opladen.<br \/>Heidegger, Martin (1990): Die Frage nach der Technik, in: ders. 1990: Vortr\u00e4ge und Aufs\u00e4tze, Pfullingen, S. 9-40.<br \/>Hoffmann, Arnd (2005): Zufall und Kontingenz in der Geschichtstheorie, Frankfurt\/M.<br \/>Holzinger, Markus (2006): Der Raum des Politischen. Politische Theorie im Zeichen der Kontingenz, M\u00fcnchen.<br \/>Holzinger, Markus (2007): Kontingenz in der Gegenwartsgesellschaft. Dimensionen eines Leitbegriffs moderner Sozialtheorie, Bielefeld.<br \/>Holzinger, Markus, May, Stefan, Pohler, Wiebke (2010): Weltrisikogesellschaft als Ausnahmezustand, Weilerswist.<br \/>Jungk, Robert (1977): Der Atomstaat. Vom Fortschritt in die Unmenschlichkeit. Kindler, M\u00fcnchen. Kamlah, Wilhelm (1972): Philosophische Anthropologie, Z\u00fcrich.<br \/>Kersting, Wolfgang (2002): Kritik der Gleichheit, Weilerswist.<br \/>Koselleck, Reinhart (1995): Vergangene Zukunft, 2. Aufl., Frankfurt\/M.<br \/>Luhmann, Niklas (1990): Soziologische Aufkl\u00e4rung, B. 5, Konstruktivistische Perspektiven, Opladen. Luhmann, Niklas (1997): Die Gesellschaft der Gesellschaft, Frankfurt\/M.<br \/>Luhmann, Niklas (2000): Organisation und Entscheidung, Opladen.<br \/>Luhmann, Niklas (2003): Soziologie des Risikos, Berlin.<br \/>MacKenzie, Donald (2006): An Engine Not a Camera: How Financial Models Shape Markets, Cambridge, MA, and London.<br \/>Makropoulos, Michael (1997): Moderne und Kontingenz, M\u00fcnchen.<br \/>Mainzer, Klaus (2007): Der kreative Zufall. Wie das Neue in die Welt kommt, M\u00fcnchen.<br \/>16\u00a0vorg\u00e4nge Heft 3\/2011, S. 4-16<br \/>Marquard, Odo (1986): Apologie des Zuf\u00e4lligen, Stuttgart.<br \/>Perrow, Charles (1992): Normale Katastrophen. Die unvermeidbaren Risiken der Gro\u00dftechnik, 2. Aufl., Frankfurt\/M., New York.<br \/>R\u00f6ttgen, Norbert (2011): Sicherheit neu denken, in: DER SPIEGEL 17\/2011, S. 30&#150;31. Rosa, Hartmut (2005): Beschleunigung, Frankfurt\/M.<br \/>Schelsky, Helmut (1980): Die Soziologen und das Recht, Darmstadt.<br \/>Schulze, Gerhard (2003): Die Beste aller Welten, M\u00fcnchen, Wien.<br \/>Simmel, Georg (1993): Das Individuum und die Freiheit, Frankfurt\/M.<br \/>Statistisches Bundesamt (2006): Leben und Arbeiten in Deutschland, Sonderheft 1: Familien und Lebensformen &#150; Mikrozensus 1996&#150;2004, Wiesbaden.<br \/>Stiglitz, Joseph (2010): Im freien Fall. Vom Versagen der M\u00e4rkte zur Neuordnung der Weltwirtschaft, M\u00fcnchen.<br \/>Theunissen, Michael (2008): Pindar: Menschenlos und Wende der Zeit, 3. Aufl., M\u00fcnchen. Vogl, Joseph (2010): Das Gespenst des Kapitals, 2. Aufl., Z\u00fcrich.<br \/>Weber, Max (1988): Gesammelte Aufs\u00e4tze zur Religionssoziologie I, 9. Aufl., T\u00fcbingen. Weber, Max (1991): Schriften zur Wissenschaftslehre, hg.v. Michael Sukale, Stuttgart.<br \/>Welzer, Harald (2008): Klimakriege. Wof\u00fcr im 21. Jahrhundert get\u00f6tet wird, Frankfurt\/M.<br \/>Wetz, Franz-Josef (1998): Kontingenz der Welt &#150;Ein Anachronismus. In: Gerhart von Graevenitz\/Odo Marquard (Hg.), Kontingenz, M\u00fcnchen, S. 81&#150;106.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[2157],"publikationen":[1445],"class_list":["post-11765","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-markus-holzinger","publikationen-195-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Der Zwang zur Entscheidung - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/195-vorgaenge\/publikation\/der-zwang-zur-entscheidung\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Der Zwang zur Entscheidung - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Die fragile Zukunft in der Kontigenzgesellschaft aus: Vorg\u00e4nge 195 ( Heft 3\/2011), S.4-16 1.&nbsp;Das Unwahr&shy;schein&shy;liche wird denkbar Als es am 11. M\u00e4rz 2011 infolge des T\u00f6hoku-Erdbebens und des darauf folgenden Tsunamis im japanischen Kernkraftwerk Fukushima zu einer Unfallserie kam, bei der die Reaktorbl\u00f6cke 1 bis 4 zerst\u00f6rt und erhebliche Mengen radioaktiven Materials freigesetzt wurden, war [weiterlesen]\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/195-vorgaenge\/publikation\/der-zwang-zur-entscheidung\/\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"Humanistische Union\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:site\" content=\"@humunion\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Gesch\u00e4tzte Lesezeit\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"27\u00a0Minuten\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\\\/\\\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"WebPage\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/195-vorgaenge\\\/publikation\\\/der-zwang-zur-entscheidung\\\/\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/195-vorgaenge\\\/publikation\\\/der-zwang-zur-entscheidung\\\/\",\"name\":\"Der Zwang zur Entscheidung - Humanistische Union\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#website\"},\"datePublished\":\"2011-09-13T18:30:00+00:00\",\"breadcrumb\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/195-vorgaenge\\\/publikation\\\/der-zwang-zur-entscheidung\\\/#breadcrumb\"},\"inLanguage\":\"de\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"ReadAction\",\"target\":[\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/195-vorgaenge\\\/publikation\\\/der-zwang-zur-entscheidung\\\/\"]}]},{\"@type\":\"BreadcrumbList\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/195-vorgaenge\\\/publikation\\\/der-zwang-zur-entscheidung\\\/#breadcrumb\",\"itemListElement\":[{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":1,\"name\":\"Publikationen\",\"item\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":2,\"name\":\"vorg\u00e4nge\",\"item\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":3,\"name\":\"vorg\u00e4nge 195: Was ist heute Fortschritt?\",\"item\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/195-vorgaenge\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":4,\"name\":\"Der Zwang zur Entscheidung\"}]},{\"@type\":\"WebSite\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#website\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/\",\"name\":\"Humanistische Union\",\"description\":\"\",\"publisher\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#organization\"},\"potentialAction\":[{\"@type\":\"SearchAction\",\"target\":{\"@type\":\"EntryPoint\",\"urlTemplate\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/?s={search_term_string}\"},\"query-input\":{\"@type\":\"PropertyValueSpecification\",\"valueRequired\":true,\"valueName\":\"search_term_string\"}}],\"inLanguage\":\"de\"},{\"@type\":\"Organization\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#organization\",\"name\":\"Humanistische Union e.V.\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/\",\"logo\":{\"@type\":\"ImageObject\",\"inLanguage\":\"de\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#\\\/schema\\\/logo\\\/image\\\/\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/wp-content\\\/uploads\\\/2023\\\/09\\\/HU-LOGO-blau_RGB-high-scaled-e1704725806773.jpg\",\"contentUrl\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/wp-content\\\/uploads\\\/2023\\\/09\\\/HU-LOGO-blau_RGB-high-scaled-e1704725806773.jpg\",\"width\":1000,\"height\":536,\"caption\":\"Humanistische Union e.V.\"},\"image\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#\\\/schema\\\/logo\\\/image\\\/\"},\"sameAs\":[\"https:\\\/\\\/x.com\\\/humunion\",\"https:\\\/\\\/mastodon.social\\\/@humunion\",\"https:\\\/\\\/bsky.app\\\/profile\\\/humanistischeunion.bsky.social\"]}]}<\/script>\n<!-- \/ Yoast SEO plugin. -->","yoast_head_json":{"title":"Der Zwang zur Entscheidung - Humanistische Union","robots":{"index":"index","follow":"follow","max-snippet":"max-snippet:-1","max-image-preview":"max-image-preview:large","max-video-preview":"max-video-preview:-1"},"canonical":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/195-vorgaenge\/publikation\/der-zwang-zur-entscheidung\/","og_locale":"de_DE","og_type":"article","og_title":"Der Zwang zur Entscheidung - Humanistische Union","og_description":"Die fragile Zukunft in der Kontigenzgesellschaft aus: Vorg\u00e4nge 195 ( Heft 3\/2011), S.4-16 1.&nbsp;Das Unwahr&shy;schein&shy;liche wird denkbar Als es am 11. M\u00e4rz 2011 infolge des T\u00f6hoku-Erdbebens und des darauf folgenden Tsunamis im japanischen Kernkraftwerk Fukushima zu einer Unfallserie kam, bei der die Reaktorbl\u00f6cke 1 bis 4 zerst\u00f6rt und erhebliche Mengen radioaktiven Materials freigesetzt wurden, war [weiterlesen]","og_url":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/195-vorgaenge\/publikation\/der-zwang-zur-entscheidung\/","og_site_name":"Humanistische Union","twitter_card":"summary_large_image","twitter_site":"@humunion","twitter_misc":{"Gesch\u00e4tzte Lesezeit":"27\u00a0Minuten"},"schema":{"@context":"https:\/\/schema.org","@graph":[{"@type":"WebPage","@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/195-vorgaenge\/publikation\/der-zwang-zur-entscheidung\/","url":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/195-vorgaenge\/publikation\/der-zwang-zur-entscheidung\/","name":"Der Zwang zur Entscheidung - Humanistische Union","isPartOf":{"@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/#website"},"datePublished":"2011-09-13T18:30:00+00:00","breadcrumb":{"@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/195-vorgaenge\/publikation\/der-zwang-zur-entscheidung\/#breadcrumb"},"inLanguage":"de","potentialAction":[{"@type":"ReadAction","target":["https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/195-vorgaenge\/publikation\/der-zwang-zur-entscheidung\/"]}]},{"@type":"BreadcrumbList","@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/195-vorgaenge\/publikation\/der-zwang-zur-entscheidung\/#breadcrumb","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Publikationen","item":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/"},{"@type":"ListItem","position":2,"name":"vorg\u00e4nge","item":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/"},{"@type":"ListItem","position":3,"name":"vorg\u00e4nge 195: Was ist heute Fortschritt?","item":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/195-vorgaenge\/"},{"@type":"ListItem","position":4,"name":"Der Zwang zur Entscheidung"}]},{"@type":"WebSite","@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/#website","url":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/","name":"Humanistische Union","description":"","publisher":{"@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/#organization"},"potentialAction":[{"@type":"SearchAction","target":{"@type":"EntryPoint","urlTemplate":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/?s={search_term_string}"},"query-input":{"@type":"PropertyValueSpecification","valueRequired":true,"valueName":"search_term_string"}}],"inLanguage":"de"},{"@type":"Organization","@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/#organization","name":"Humanistische Union e.V.","url":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/","logo":{"@type":"ImageObject","inLanguage":"de","@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/#\/schema\/logo\/image\/","url":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/HU-LOGO-blau_RGB-high-scaled-e1704725806773.jpg","contentUrl":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/HU-LOGO-blau_RGB-high-scaled-e1704725806773.jpg","width":1000,"height":536,"caption":"Humanistische Union e.V."},"image":{"@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/#\/schema\/logo\/image\/"},"sameAs":["https:\/\/x.com\/humunion","https:\/\/mastodon.social\/@humunion","https:\/\/bsky.app\/profile\/humanistischeunion.bsky.social"]}]}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/publikation\/11765","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/publikation"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/types\/publikation"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/media?parent=11765"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/categories?post=11765"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/tags?post=11765"},{"taxonomy":"autoren","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/autoren?post=11765"},{"taxonomy":"publikationen","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/publikationen?post=11765"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}