{"id":11790,"date":"2011-03-01T23:00:00","date_gmt":"2011-03-01T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/die-politik-des-militaers-der-gesellschaft\/"},"modified":"2021-09-05T20:59:54","modified_gmt":"2021-09-05T18:59:54","slug":"die-politik-des-militaers-der-gesellschaft","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/193-vorgaenge\/publikation\/die-politik-des-militaers-der-gesellschaft\/","title":{"rendered":"Die Politik des Milit\u00e4rs der Gesellschaft"},"content":{"rendered":"<p>Staats- und gesellschaftspolitische Implikationen der Bundeswehrstrukturreform;<\/p>\n<p>aus: vorg&auml;nge Nr. 193, Heft 1\/2011, S. 4-13<\/p>\n<blockquote>\n<blockquote>\n<blockquote>\n<p class=\"bodytext\"><i>Obliti privatorum, publica cura te.<br \/><\/i>Spruch im Rektorenpalast der Handelsrepublik Dubrovnik<\/p>\n<\/blockquote>\n<\/blockquote>\n<\/blockquote>\n<p>Von der umfangreichsten Reform der Streitkr&auml;fte seit Gr&uuml;ndung der Bundeswehr ist die Rede. Das verwundert insofern, als bereits zehn und mehr Jahre einer kontinuierlichen &bdquo;Transformation&rdquo; hinter uns liegen. Der erste Befund lautet also in aller N&uuml;chternheit: Offenbar hat das alles noch lange nicht genug gebracht! Richtet sich der Blick freilich auf den Umfang der absehbaren Aufgaben, die Gr&ouml;&szlig;e der sicherheitspolitischen Herausforderungen und die erwartbar daf&uuml;r zur Verf&uuml;gung gestellten Mittel, so sind auch dieses Mal die Probleme gr&ouml;&szlig;er als die angebotenen L&ouml;sungen. Dennoch ist die Z&auml;sur dieser Monate enorm: die Reduzierung des Streitkr&auml;fteumfangs um etliche zehntausend Soldaten und Zivilangestellte; die Aussetzung der Wehrpflicht und die Neuordnung der freiwilligen Dienste; die Restrukturierung der politischen und milit&auml;rischen F&uuml;hrungsstrukturen; die angek&uuml;ndigten EU-koordinierten R&uuml;stungs- und Sicherheitskooperationen. Und noch etwas wird sich als Z&auml;sur setzend erweisen &ndash; das absehbare und problematische Ende des Afghanistaneinsatzes, auf den das gerade erst verabschiedete strategische Konzept der NATO eine uneindeutige Antwort gibt. Umso mehr sind die nationalen Akteure gefragt, Definitionsst&auml;rke aufzubringen, was man k&uuml;nftig tun und lassen soll, wie man sicherheitspolitisch agieren und mit wem man gemeinsame Sache machen will.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"die-politik-der-reform\">Die Politik der Reform<\/span><\/h2>\n<p>Ausl&ouml;ser der nunmehr in Gang gekommenen Strukturver&auml;nderungen war der vom Minister zeitweilig in den Rang einer Staatsr&auml;son erhobene Sparzwang der &ouml;ffentlichen Haushalte. Er ist deswegen, nicht nur zu unrecht, viel gescholten worden; man kann dem Diktat der knappen Mittel hingegen auch eine wohlt&auml;tige Seite abgewinnen. Denn nun muss &ndash; endlich &ndash; alles (vieles) auf den Pr&uuml;fstand, was im politisch-milit&auml;risch b&uuml;rokratischen Routinegang bisher au&szlig;en vor geblieben ist. &Uuml;bersehen wird in der gelegentlich aufkommenden Begeisterung &uuml;ber die radikalen Schritte und Schnitte des Ministers freilich allzu leicht, dass es sich bei seinem Vorhaben um nichts weniger handelt, als um eine <i>politische Reform<\/i>, die in ihren Folgewirkungen jenen am sozialstaatlichen Geb&auml;ude um nichts nachstehen wird &mdash; und die selbst wieder eine endlose Kette an Nachbesserungen, Teilreparaturen und Revisionen nach sich ziehen wird. Verdeckt werden die gravierenden, man sollte schon sagen: <i>staats-<\/i> und <i>gesellschafts<\/i>politischen Implikationen des allerneuesten Reformansatzes durch eine Reihe von Argumentations- und Verfahrensschw&auml;chen.<\/p>\n<p>1. Als erste H&uuml;rde zu nennen ist die haushaltspolitische Vorentscheidung &uuml;ber die Reformdimension. Sie besteht nicht prim&auml;r in der Frage, ob es dem Verteidigungsministerium gelingt, den erw&uuml;nschten Sparbeitrag zu erbringen (das wird er nicht); viel brisanter ist, ob sich das Parlament dazu durchringen kann, die notwendige <i>Anschubfinanzierung <\/i>f&uuml;r die geplanten Eingriffe in Rechnung zu stellen. Geschieht dies nicht, wird es &mdash; wie zuvor &mdash; bei Halbheiten, Vertagungen und partiellen Unterausstattungen bleiben. Es w&auml;re interessant zu beobachten, ob Koalition und Bundestag das notwendige Verhandlungsgeschick zu mobilisieren verm&ouml;gen, die Gew&auml;hrung der Anschubmittel von einer klaren Auftragsbestimmung und nachhaltigen Reformkonzeption abh&auml;ngig zu machen.<\/p>\n<p>2. Zum Zweiten wird sich erst noch zeigen m&uuml;ssen, ob und wie es der Sicherheitspolitik gelingt, mit den inzwischen vorliegenden Vorschl&auml;gen umzugehen.[1] Diese zum Teil radikalen und vorw&auml;rts weisenden Reformanst&ouml;&szlig;e m&uuml;ssen erst noch ins Politische zur&uuml;ck&uuml;bersetzt werden. Dazu ist freilich eine <i>Klarheit &uuml;ber Ziele, Aufgaben, Auftrag, Strukturen und Mittel k&uuml;nftiger Sicherheitspolitik <\/i>unabdingbar, die zumindest ebenso konsequent sein sollte wie der Vorschlag der Weise-Kommission, die Belegschaft des Ministeriums zu halbieren. Nachdem die erste Ank&uuml;ndigung des Ministers, man werde mittels eines neuen Wei&szlig;buchs zugleich und erstmals eine Strategiedokument vorlegen, inzwischen schon wieder relativiert worden ist, kann man gespannt sein, wie weit der politische Wille reichen wird.<\/p>\n<p>3. Die politische Tragweite der anstehenden oder schon eingeleiteten Ver&auml;nderung wird dadurch &uuml;berspielt, dass die Wehrpflichtfrage nach Art des Hornberger Schie&szlig;ens erledigt wurde. Die taktische Meisterleistung des viel gelobten Ministers bestand darin, einer Leiche den Totenschein auszustellen. Im &Uuml;berschwang der Freude, sich eines ohnehin schon durchl&ouml;cherten &bdquo;Zwangsdienstes&rdquo; entledigt zu haben, wird der Blick getr&uuml;bt f&uuml;r den damit vollzogenen <i>Wechsel des Modells politischer Obligationen des Staatsb&uuml;rgers bzw. der Staatsb&uuml;rgerin<\/i>; eine Ver&auml;nderung, die sowohl den Sozialtyp des k&uuml;nftigen (Einsatz-)Soldaten um pr&auml;gen, aber auch das Modell staatsb&uuml;rgerlicher Teilhabe beeinflussen wird.<\/p>\n<p>4. Der politische Charakter des angeschobenen Reformwerks wird schlie&szlig;lich dadurch deformiert, dass bisher keine Anstrengungen sichtbar geworden sind, den sicherheitspolitisch &uuml;blich gewordenen <i>Bekenntnissen zum &bdquo; vernetzten Denken &#8220; oder zum &bdquo;Comprehensive Approach&rdquo;<\/i> in den anstehenden Neuordnungen Gewicht und Stimme zu verleihen. Einstweilen, so scheint es, k&uuml;rzt ein jedes Ministerium vor sich hin. Ein strategischer Geist &uuml;ber den Wassern ist nicht erkennbar.[2] Die gr&ouml;&szlig;te Herausforderung auf diesem Gebiet besteht darin, die Wucherungen einer globalen Sicherheitsvorsorge mit den ebenfalls ausufernden Problemen weltweiter Klima-, Energie- und Ressourcen-Vorsorge in ein produktives Verh&auml;ltnis zu setzen.<\/p>\n<p>Die angepackten wie die einstweilen liegen gelassenen Reformkomplexe bergen also politischen Sprengstoff ersten Ranges. Das Verh&auml;ltnis zwischen Politik, Milit&auml;r und Gesellschaft wird sich in den kommenden Jahren nachhaltig ver&auml;ndern. Die Problem-Punkte dieser drei Bereiche sollen im Folgenden diskutiert werden. Aber zun&auml;chst einmal ein Blick auf die sicherheitspolitische Choreographie! Bisher bewegen sich die Akteursgruppen nach Art einer Reise nach Jerusalem. Immer gibt es einen Stuhl zu wenig, und die Beteiligten balgen sich darum, wer die knappen Sitzfl&auml;chen ergattern kann. Wer jeweils &uuml;brig bleibt, hat den Schwarzen Peter. So beklagt sich das Milit&auml;r &uuml;ber die geringe Anerkennung in der &Ouml;ffentlichkeit und fordert mehr Gegenliebe; die &Ouml;ffentlichkeit hingegen zollt der milit&auml;rischen Institution (wie auch der Polizei oder dem Bundesverfassungsgericht) <i>in abstracto <\/i>h&ouml;chsten Respekt, will aber f&uuml;r die konkrete Einsatzpraxis der Streitkr&auml;fte immer weniger Verst&auml;ndnis aufbringen, sobald diese allzu &bdquo;robust&rdquo; wird; die Politik wiederum appelliert an die Folgebereitschaft der W&auml;hlerschaft, unternimmt aber mit ihren mageren oder formelhaften Begr&uuml;ndungen der Sicherheitspolitik alles, um die Aufnahmebereitschaft des Publikums zu unterfordern; der Reigen setzt sich fort mit einem Milit&auml;r, das sich viel auf seinen staatsb&uuml;rgerlichen Status zugute h&auml;lt, den Gang in die &Ouml;ffentlichkeit und ihre un&uuml;bersichtlichen Debatten scheut, obwohl doch nur auf diesem Wege mehr Akzeptanz und &Uuml;berzeugung zu erreichen w&auml;re; w&uuml;rden jedoch Spitzenmilit&auml;rs der Aufforderung des letzten Bundespr&auml;sidenten folgen und in die sicherheitspolitische Debatte eingreifen, riefe das reflexartig die Politik auf den Plan, die ihren Primat gef&auml;hrdet s&auml;he; der Ball w&uuml;rde dankbar aufgegriffen von einer Medien&ouml;ffentlichkeit, die in greller Farbe die R&uuml;ckkehr der Reichswehr beschw&ouml;ren w&uuml;rde usw. &mdash; Soviel zu den diversen Umweltproblemen, mit denen die Politik des Milit&auml;rs der Gesellschaft zu rechnen hat. Tritt man einen Schritt zur&uuml;ck von diesem politischen Schaust&uuml;ck und richtet den Blick &uuml;ber die bereits vorliegenden Reformenanalysen und Bestandsaufnahmen hinaus,[3] zeichnen sich auf der Hinterb&uuml;hne gravierende staats- und gesellschaftspolitisch relevante Ver&auml;nderungen ab.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"was-kommt-nach-der-wehrpflichtgesellschaft\">Was kommt nach der Wehrpflicht&shy;ge&shy;sell&shy;schaft?<\/span><\/h2>\n<p>Mit der angek&uuml;ndigten Aussetzung der Wehrpflicht wird sich mittelfristig sowohl die Sozialfigur des Soldaten ver&auml;ndern als auch das Konzept der Staatsb&uuml;rgerlichkeit und des damit verbundenen gemeinschaftsbezogenen Verpflichtungsmodells. Was die Soldaten betrifft, ist dieser Einschnitt normativ unauff&auml;llig, denn das Soldatengesetz und der Status des &bdquo;Staatsb&uuml;rgers in Uniform&rdquo; werden durch den Wechsel der Wehrform nicht in Mitleidenschaft gezogen. Im &Uuml;brigen ist Artikel 12a GG, auf dem die Wehrpflicht beruht, ausdr&uuml;cklich als eine &bdquo;Kann&#8220;-Bestimmung formuliert, so dass der Gesetzgeber die Wehrform wechseln und die Pflichtforderung aussetzen kann, ohne Wort- und Sinngehalt der Verfassung irgendwie antasten zu m&uuml;ssen. Das ist insofern interessant, als das Grundgesetz, ganz im liberalen Geist, im <i>uniformierten <\/i>B&uuml;rger offensichtlich kein konstitutives Merkmal vollwertiger Staatsb&uuml;rgerlichkeit erkennen will.[4]<\/p>\n<p>Gleichwohl wird der Statuswechsel hin zu einer kombinierten Freiwilligen-, Zeit- und Berufsarmee, zudem unter Einsatzbedingungen, Ver&auml;nderung im Sozialprofil des Milit&auml;rs nach sich ziehen. Eine ganze Reihe dieser Prozesse sind bereits seit den letzten Jahren in voller Entfaltung. Das mildert den Eindruck, es geschehe nun etwas g&auml;nzlich Neues. Das Milit&auml;r ist durch Standortschlie&szlig;ungen bereits &bdquo;aus der Fl&auml;che&rdquo; verschwunden. Die soziale Sichtbarkeit hat stark abgenommen; sie wird gleichsam kompensiert durch die mediale Pr&auml;senz der Bundeswehr in den Berichten aus den Einsatzgebieten. Das mobilisiert Anteilnahme, die vor allem den Kriegsopfern und Folgen belasteten zuteil wird. Soldaten, so k&ouml;nnte man den Trend pointieren, werden zu Adressaten medialer und karitativer Zuwendung, die &mdash; jenseits allf&auml;lliger Skandalisierungen &mdash; nur wenig &uuml;ber die Billigung der Auslandseins&auml;tze aussagen. Das imagin&auml;re Bild des vormaligen B&uuml;rgersoldaten transformiert sich schrittweise vom &mdash; gern karikierten &#8211; &bdquo;Sozialarbeiter in Uniform&rdquo; hin zum professionellen Sicherheitsakteur, der fern der Heimat im Auftrag der Politik unterwegs ist. Die Umstellung von Landesverteidigung auf globale Sicherheitsvorsorge samt &Auml;nderung der Wehrform verwandelt das Sicherheitsproblem unter der Hand von einer B&uuml;rgerangelegenheit in ein staatspolitisches Versicherungsverh&auml;ltnis, f&uuml;r dessen Erf&uuml;llung nur noch Steuerzahlungen und Experten zust&auml;ndig sind.<\/p>\n<p>Diese Entwicklung hat einen Haken. War das Gesch&auml;ft des Landesverteidigers noch von den legitimatorischen Weihen kollektiver Notwehr gegen unmittelbar erfahrbare &Uuml;bergriffe von au&szlig;en getragen, so pr&auml;sentiert sich der Einsatzsoldat von heute als &mdash; wie die vieldeutige Formel hei&szlig;t &mdash;&bdquo;Instrument&#8220; der deutschen Sicherheitspolitik.[5] Aus dem sp&auml;ten Nachkommen des b&uuml;rgerlichen Besch&uuml;tzers von Heim und Herd ist ein Agent der Staatspolitik geworden, die ihn in &bdquo;Wars of Choice&rdquo; schickt, um Gefahren &bdquo;dort zu begegnen, wo sie entstehen.&rdquo; Das wirft, wie man am afghanischen Beispiel sieht, betr&auml;chtliche Legitimationsprobleme auf; die Folgewirkung f&uuml;r den nunmehr professionalisierten Staatsb&uuml;rger in Uniform ist jedoch von eigener Pr&auml;gnanz. Je fragw&uuml;rdiger und problematischer die politischen Einsatzbegr&uuml;ndungen ausfallen, je mehr sie sich im Verlauf langwieriger Missionen abnutzen, desto st&auml;rker ist der neue Soldat auf professionalistische Selbstbilder zur&uuml;ckgeworfen. Muss er gegebenenfalls mit der ganzen Person f&uuml;r halbe Sachen einstehen, liegt die Option nahe, sich auf die selbstgen&uuml;gsame Haltung zur&uuml;ckzuziehen, den &bdquo;Job gut zumachen&rdquo;, w&auml;hrend Begr&uuml;ndungen und Sinnstiftungen gern dem immer wieder herbeizitierten &bdquo;Primat der Politik&rdquo; anempfohlen werden. Diese Tendenz gibt es bereits, sie ist (noch) nicht stark, aber sie ist vorhanden.[6]<\/p>\n<p>Auslandseins&auml;tze und milit&auml;rischer Professionalismus k&ouml;nnten also zu der paradoxen Situation f&uuml;hren, dass sich ein Soldatentyp entwickelt, der zwar nicht &bdquo;archaischer K&auml;mpfer&rdquo; sein will, aber zur Selbstinstrumentalisierung und zum Jobdenken neigt. Gleichzeitig signalisieren die komplexen Auslandsmissionen jedoch ganz andere Erfordernisse. Der Ruf nach soldatischer Rollendifferenzierung nimmt zu, dringend nachgefragt wird die Ausweitung des Horizonts &uuml;ber das Nur-Milit&auml;rische hinaus. &mdash; Angesichts dieser gegenl&auml;ufigen Tendenzen k&ouml;nnte die eigenartige Lage entstehen, dass das von der Politik und den internationalen Organisationen propagierte und legitimierte Gemeingut &bdquo;kollektive&rdquo; und &bdquo;globale Sicherheit&rdquo; keinen gesellschaftlich zurechenbaren Akteur und Adressaten findet, sondern nur eine hoch professionalisierte Kaste von mobilen Einsatzsoldaten.[7] Das ist nun gewiss ein &uuml;bertriebenes Bild, doch es illustriert drastisch, welche Unw&auml;gbarkeiten die Umstellung auf Sicherheitsvorsorge und Professionalismus mit sich bringt, nachdem die Klammer von Staatsb&uuml;rger, Landesverteidigung und Wehrform aufgel&ouml;st worden ist.<\/p>\n<p>Die Gegentendenz ist in einem klugen Programmsatz der Weise-Kommission angesprochen worden, ohne dass dazu bisher ein koh&auml;rentes politisches Konzept vorgelegt worden w&auml;re. Im Bericht wird angeregt, ein umfassendes Angebot freiwilliger Dienste bereitzustellen, &bdquo;das pers&ouml;nliche, berufliche, gesellschaftliche und sicherheitspolitische Interessen in Einklang bringt. Die M&ouml;glichkeiten k&ouml;nnen von der Pflege, Betreuung und Wohlfahrt &uuml;ber den Bereich Bildung und Erziehung, den Umwelt- und Katastrophenschutz &uuml;ber die Entwicklungshilfe bis eben hin zum Dienst in der Bundeswehr reichen.&#8220;[8] W&uuml;rde die Politik ernsthaft ein solches Angebot formulieren, best&uuml;nde die Chance, die Vers&auml;umnisse der vergangenen Jahrzehnte etwas auszub&uuml;geln. Als der Zivildienst (der kein &bdquo;Ersatzdienst&rdquo; mehr sein sollte) 1977 mit den sog. Postkartenverfahren der Wehrdienstverweigerung de facto zur gleichrangigen Option neben dem Wehrdienst geworden war, hatte man nicht erkannt (erkennen wollen), dass damit unter der Hand eine Ausweitung des Gedankens der Gemeinschaftsdienste vollzogen worden war. Man wollte nur Druck vom Kessel ansteigender Verweigerungsquoten nehmen. Die Chance wurde vertan, zu einer gemeinsamen L&ouml;sung bei den verpflichtenden Gemeinschaftsdiensten zu kommen. Die Obligationsstruktur polarisierte sich einerseits in einen widerwillig absolvierten und wenig attraktiven Wehrdienst und andererseits in einen vorwiegend reaktiv geleisteten Zivildienst. Dem einen hing der Ruch des &bdquo;Zwangdienstes&rdquo; und verletzter &bdquo;Wehrgerechtigkeit&rdquo; in der feldgrauen W&auml;sche, der andere wurde den Makel einer nur ausweichend erbrachten Ersatzleistung nicht los.<\/p>\n<p>Es wird sich nun das staats- wie gesellschaftspolitisch interessante Experiment verfolgen lassen, ob es gelingen wird, die legitimen Anspr&uuml;che an vorsorgenden und gemeinschaftsbezogenen Diensten auf Basis der Freiwilligkeit zu befriedigen. Das Gebot der Dringlichkeit wie die Maxime republikanischer Staatsklugheit w&uuml;rde indes dazu anhalten, diese Frage einer verbindlichen und attraktiven Regelung zuzuf&uuml;hren. Bei allen diesen Diensten, so kann man res&uuml;mieren, verf&uuml;gen B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger um gemeinwohl affine F&auml;higkeiten, die nachzufragen sie dem demokratischen Staat nicht ver&uuml;beln k&ouml;nnten, die aber vorzuenthalten sie begr&uuml;ndungspflichtig sein sollten. Was das f&uuml;r die milit&auml;rischen Dienste bedeuten k&ouml;nnte, l&auml;sst sich aus dem absehbaren Wandel der Streitkr&auml;fte ersehen.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"was-kommt-nach-der-westfaelischen-militaerorganisation\">Was kommt nach der &bdquo;west&shy;f&auml;&shy;li&shy;schen&rdquo; Milit&auml;&shy;r&shy;or&shy;ga&shy;ni&shy;sa&shy;tion?<\/span><\/h2>\n<p>Im Zentrum der milit&auml;rischen Strukturreform stehen Stichworte wie Verschlankung, Effektivierung und Effizienz. Wesentlich weniger ist die Rede &mdash; bisher &mdash; von der milit&auml;rischen Auftragslage, den Streitkr&auml;ftestrukturen und den Wirksamkeitsbedingungen vor-sorgender Sicherheit. Die absehbaren Struktureingriffe bewegen sich noch immer, ganz grob gesagt, auf dem seit dem Zweiten Weltkrieg bestehenden Problemniveau der Vereinheitlichung und Verschmelzung der Teilstreitkr&auml;fte sowie der anh&auml;ngigen Organisationsstrukturen (die sog. Wehrmachtl&ouml;sung). An den zunehmend komplexer gewordenen Auslandsmissionen, die erkl&auml;rterma&szlig;en nicht nur milit&auml;rische Eins&auml;tze sind, l&auml;sst sich jedoch ein sehr viel tiefer greifender Ver&auml;nderungsdruck erkennen. Jenseits der klassisch-modernen (&bdquo;westf&auml;lischen&#8220;) Konstellation zwischenstaatlicher Kriege sind die Streitkr&auml;fte nicht nur mit asymmetrischen Gewaltstrukturen konfrontiert; ihr Auftrag richtet sich auch darauf, mit ihren Mitteln die Bedingungen der M&ouml;glichkeit einer nachhaltigen Sicherheit mitzugestalten. Der letzte Halbsatz ist nur scheinbar schwammig formuliert; in ihm verbirgt sich eine unerh&ouml;rte Herausforderung, wenn nicht &Uuml;berforderung der milit&auml;rischen Zweck- und Organisationsbestimmungen.<\/p>\n<p>Erkannt und thematisiert werden vor allem die Anforderungen &auml;u&szlig;erer Differenzierung, die sich infolge der neuen Einsatz- und Auftragsbedingungen stellen. Der Ruf geht nach engeren Kooperations- und Koordinationsstrukturen zwischen den verschiedenen milit&auml;rischen und zivilen, staatlichen und nichtstaatlichen Akteursgruppen der Missionen. Dabei hat sich in der Bundeswehr eine gewisse Polarisierung der Probleme ergeben. Seit einigen Jahren wird gro&szlig;es Gewicht gelegt auf die sog. zivil-milit&auml;rische Zusammenarbeit (CIMIC), f&uuml;r die spezielle Zust&auml;ndigkeiten bzw. F&auml;higkeiten herangebildet worden sind. Wesentlich geringer entwickelt ist hingegen der deutsche Umgang mit den komplexen Problemen der Aufstandsbek&auml;mpfung (&bdquo;Counterinsurgency&#8220;\/COIN).[9] Hier gen&uuml;gt es nicht, CIMIC-Beauftragte bereit zu stellen; vielmehr muss die gesamte operative Praxis auf die Kombination &bdquo;kinetischer&rdquo; (gewaltsamer) und &bdquo;nicht-kinetischer&rdquo; F&auml;higkeiten ausgerichtet werden, von denen die zuletzt genannten kooperative, polizeiliche, informationspolitische und &auml;hnliche Aspekte umfassen. Beides, CIMIC-Auftr&auml;ge wie COIN-Strategien verlangen eine enge Abstimmung mit zivilen Beh&ouml;rden und Organisationen. Dar&uuml;ber hinaus verweisen sie auf einen Integrationszusammenhang in die Gesamtproblematik von Auslandsmissionen, der hier nur angedeutet werden soll.<\/p>\n<p>Kooperationen gestalten sich nicht konfliktlos, denn die Auftragslagen sind auch bei &Uuml;bereinstimmung im Grunds&auml;tzlichen verschieden. Zielkonflikte sind an der Tagesordnung: Wie kann der &bdquo;humanitarian space&rdquo; der Neutralit&auml;t und &Uuml;berparteilichkeit gesichert werden, wenn das Milit&auml;r erkennbar Partei in den Konflikten des Missionsgebiets ist? Wie kann verhindert werden, dass sich die Organisationsmacht des milit&auml;rischen Potentials in eine Definitionsmacht der politischen Ziele &uuml;bersetzt, so dass die &bdquo;Securization&rdquo; s&auml;mtlicher Missionsbelange Ma&szlig;stab setzend wird? Wie kann auftragssensibel zwischen dem milit&auml;rischen &bdquo;use of force&rdquo; und der &bdquo;utility of force&rdquo; unterschieden werden? Wie ist &bdquo;Statebuilding&rdquo; unter Bedingungen laufender Aufstandsbek&auml;mpfung &uuml;berhaupt m&ouml;glich? [10]<\/p>\n<p>Allein diese Fragen lassen erkennen, wie nchdr&uuml;cklich die ver&auml;nderte Auftragslage komplexer Missionen hineinwirkt in die tradierten Organisationsregime der beteiligten Akteursgruppen, nicht zuletzt des Milit&auml;rs. Neben die Erfordernisse &auml;u&szlig;erer Differenzierung tritt die Notwendigkeit innerer Differenzierung. F&uuml;r diesen Vorgang sind beispielsweise Hilfsbegriffe wie &bdquo;Constabulary Force&rdquo; oder &bdquo;Verpolizeilichung&rdquo; gepr&auml;gt worden, die veranschaulichen, wie sich verschiedene Organisationsziele &uuml;berlappen und die Suche nach neuen innerorganisatorischen Handlungsmaximen ansto&szlig;en. Beispielhaft l&auml;sst sich das daran veranschaulichen, dass die hierarchische Top-down-Struktur des Milit&auml;rapparats in den Einsatzgebieten &mdash; ganz &auml;hnlich wie die Entwicklungsarbeit &mdash; mit dem umgekehrten Problem der Bottom-up-Prozesse konfrontiert wird. Wenn &bdquo;Sicherheit&rdquo; oder &bdquo;Statebuilding&rdquo; Zielformulierungen sind, an deren Realisierung auch das Milit&auml;r Anteil hat, und wenn es zutrifft, das beide Zielstellungen sich nicht vom gr&uuml;nen Tisch implantieren lassen, sondern lokalen Aushandlungsprozessen unterliegen, dann wird ersichtlich, welcher Flexibilit&auml;t, Eigenverantwortlichkeit und Improvisationsf&auml;higkeit die milit&auml;rischen &bdquo;Security Enabler&rdquo; bed&uuml;rfen, die hier unmittelbar mit politischen Aufgabenstellungen betraut sind.[11]<\/p>\n<p>F&uuml;r das Berufsbild des Milit&auml;rs hat das gravierende Folgen. Gewiss werden die milit&auml;rischen Kernf&auml;higkeiten sowie entsprechend ausgerichtete Infanterie- und Kampfeinheiten unabdingbar bleiben (und gest&auml;rkt werden m&uuml;ssen), die auch k&uuml;nftig das Selbstbild des Soldaten pr&auml;gen (m&uuml;ssen). Dar&uuml;ber hinaus bedarf es bei Stabilisierungseins&auml;tzen sowohl in laufenden Konflikten wie in der Konfliktnachsorge eines breites Kranzes an F&auml;higkeiten, die &uuml;ber das Kerngesch&auml;ft hinausgehen. In der Milit&auml;rsoziologie wird daher von einem Trend zur Polyvalenz oder sogar zum Semi-Professionalismus gesprochen.[12] Dabei geht es um Kenntnisse und F&auml;higkeiten, die nur bedingt milit&auml;risch auszubilden sind. Eine sehr viel engere Verschmelzung von zivilen und milit&auml;rischen Ausbildungsg&auml;ngen, Karrierestrukturen und Berufsanteilen w&auml;re eine notwendige Folge solcher Trends.[13] Eine andere w&auml;re der qualifizierte R&uuml;ckgriff auf ein &ndash; zu f&ouml;rderndes &ndash; Reservistenpotential mit zivilberuflicher Erfahrung. Eine dritte Konsequenz k&ouml;nnte in der gezielten und mit der Nachhaltigkeit einer Obligation versehenen Nachfrage nach entsprechenden F&auml;higkeitsprofilen bei den B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rgern liegen. Denn das prim&auml;re Ziel der Wehrpolitik liegt heute nicht mehr (nur) in der sozial-vertr&auml;glichen Integration der (Einsatz-)Soldaten, sondern im Transfer ziviler F&auml;higkeiten in die milit&auml;rischen Berufswelt.[14]<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"politik-der-sicherheit-ist-mehr-als-sicherheitspolitik\">Politik der Sicherheit ist mehr als Sicher&shy;heits&shy;po&shy;litik<\/span><\/h2>\n<p>Das Neuarrangement und Austarieren von Leitmodellen und Organisationsstrukturen macht auch vor der Sicherheitspolitik selbst nicht halt. Bis auf die Vorgaben der Weise-Kommission, des Berichts des Generalinspekteurs und des sog. Otremba-Papiers ist noch wenig Definitives sichtbar geworden. Was aber grunds&auml;tzlich skeptisch stimmt, ist die ressortbegrenzte Dimension des Reformvorhabens. Sicherheitspolitik unterliegt dem Problem, dass sie das, was sie gew&auml;hrleisten will, selbst nicht hervorbringen und garantieren kann. Sicherheit entzieht sich nicht nur der handfesten Definition,[15] sie sperrt sich auch gegen eine monokulturelle Bearbeitung: Es gibt keinen Sicherheitsmonopolisten! Diese Erkenntnis hat sich in Formeln wie &bdquo;Vernetzung&rdquo;, &bdquo;Integration&rdquo;, &bdquo;Koh&auml;renz&rdquo; und &bdquo;Comprehensive Approach&rdquo; niedergeschlagen. &#8211; Was bedeutet das aus einer staatspolitischen Perspektive?<\/p>\n<p>Sagen wir zun&auml;chst, was es nicht bedeuten sollte. Fragw&uuml;rdig w&auml;re, das Zusammenhandeln der vernetzten Akteure und Organisationen unter den Primat sicherheitspolitischen Denkens zu stellen. Das ist eine latente Gefahr, die der Unbestimmtheit und Allgegenwart des Sicherheitskonzepts selbst innewohnt.[16] Gerade weil das Sicherheitsversprechen so vieldeutig ist, l&auml;sst sich alles und jedes in sicherheitsrelevante Materie aufl&ouml;sen &mdash; und dann nur noch durch diese Brille betrachten. Der Verlockung dieser Art von &bdquo;Securization&rdquo; kann nur widerstanden werden, wenn ein konsistentes strategisches Konzept entwickelt wird, dass Auskunft dar&uuml;ber gibt, was Deutschland im Rahmen seiner verschiedenen multilateralen Bindungen tun oder lassen will, um zur eigenen und zur kollektiven Ordnung (Friedensgebot) beizutragen. Das Instrumentarium f&uuml;r diese ausgreifende Zweckbestimmung ist seit der Etablierung des &bdquo;Gesamtkonzepts Zivile Krisenpr&auml;vention&rdquo; (2000) ausgesprochen l&uuml;ckenhaft geblieben.[17] In den j&uuml;ngsten Spar- und Reformanstrengungen ist davon nichts zu entdecken. Das bedeutet jedoch nichts anderes, als dass sich die Politik der eigenen Mittel zur Realisierung ihrer Zielprojektionen und Willenserkl&auml;rungen beraubt.<\/p>\n<p>Staatspolitisch w&auml;ren interministerielle wie parlamentarische Anstrengungen gefordert, mit der Reduzierung der zur Verf&uuml;gung stehenden Mittel zugleich auch die Kr&auml;fte zu b&uuml;ndeln und konzentrieren. Das aber w&uuml;rde eine Strukturreform erfordern, die beispielsweise bis in die Gesch&auml;ftsordnung der Ministerien hineinreicht, indem sie dem Ressortprinzip wo immer notwendig Grenzen setzt, die horizontale F&uuml;hrungsverantwortlichkeiten schafft und strategische Zentren etabliert, die das einl&ouml;sen k&ouml;nnen, was mit der Formel der &bdquo;Comprehensiveness&rdquo; intendiert wurde. Dazu w&auml;re es notwendig, ein &uuml;bergreifendes Spar- und Reformkonzept zu entwickeln, das mindestens die &bdquo;3 Ds&rdquo; (Defence, Development, Diplomacy) integriert.[18]<\/p>\n<p>Sicherheitspolitik st&ouml;&szlig;t auch an &auml;u&szlig;ere Grenzen. Angesichts weit gespannter Bedrohungsszenarien und enger werdender Haushalte ist der Zwang zu multilateraler Kooperation gro&szlig;. Dennoch wird dieser Weg nur sehr z&ouml;gerlich beschritten. Alle B&uuml;ndnispartner im NATO-Bereich k&uuml;rzen trotz besserer Vors&auml;tze vor sich hin, fallen auf bilaterale Kooperationen zur&uuml;ck und lassen das kollektive Instrumentarium der EU v&ouml;llig unbenutzt in der Ecke stehen. Angesichts der schw&auml;chlichen Europ&auml;ischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik scheinen die souver&auml;nit&auml;tspolitischen H&uuml;rden, die sich jeder milit&auml;rischen Integration in den Weg stellen, noch h&ouml;her als zuvor. Vorst&ouml;&szlig;e, die versuchen, aus der sparpolitischen Not eine integrationspolitische Tugend zu machen, sind kaum erkennbar. Deutschland hat mit seiner Unberechenbarkeit in Sachen AWACS-Einsatz in Afghanistan seine b&uuml;ndnispolitische Attraktivit&auml;t nicht gerade erh&ouml;ht.<\/p>\n<p>Staatspolitische Grenzerfahrungen kristallisieren sich zus&auml;tzlich an den weitgesteckten Missionszielen, mit denen man &mdash; unter anderem! &mdash; Sicherheit gew&auml;hrleisten will. Diese unterliegen, wie das Beispiel des Statebuilding demonstriert,[19] einer Hybris eigener Art, die bei absehbarem Misslingen die Reaktion provoziert, sich auf das real- und machtpolitisch Essentielle zu beschr&auml;nken &mdash; und das ist dann doch wieder die milit&auml;risch bewehrte &bdquo;Stabilit&auml;t&rdquo; fragiler und korrupter Regime. So agiert die Politik zugleich &uuml;ber und unter ihren M&ouml;glichkeiten. Oder anders gesagt, die Engf&uuml;hrung der laufenden Sicherheitspolitik nimmt ihr eigenes Scheitern immer schon strukturell vorweg. Der Grund f&uuml;r dieses Politikversagen besteht nicht etwa darin, dass die Regime, denen wir unsere Unterst&uuml;tzung angedeihen lassen, zur Ausbildung demokratischer Grundstrukturen &uuml;berhaupt nicht f&auml;hig w&auml;ren, sondern darin, dass die Entsendestaaten in gouvernementaler Selbstblendung[20] gar nicht mehr in der Lage zu sein scheinen, sich &uuml;ber Staatsfunktionen, &ouml;ffentliche Aufgaben, kollektive Ordnungsressourcen und lokale (&bdquo;vorpolitische&#8220;) Resilienz &uuml;berhaupt zu verst&auml;ndigen. Die versteckte Pointe liegt darin, dass ein Konzept und ein Ma&szlig;stab f&uuml;r das eigene Regierungsgesch&auml;ft (siehe &bdquo;Comprehensiveness&rdquo;) wie f&uuml;r das exportierende Regierungshandeln (siehe &bdquo;Statebuilding&rdquo;) nicht greibar zu sein scheint.[21] In der Krise des Staatsaufbaus in den Interventionsgesellschaften (siehe Afghanistan) spiegelt sich die Blockade der strategischen und Entscheidungsstrukturen in den Entsendestaaten.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"staatskunst-und-kriegshandwerk-revisited\">Staatskunst und Kriegs&shy;hand&shy;werk revisited<\/span><\/h2>\n<p>Man braucht nicht erst auf das Werk Gerhard Ritters zur&uuml;ckzugreifen,[22] um zu erkennen, dass mit der laufenden Strukturreform der Bundeswehr mehr ber&uuml;hrt wird als Kosten, Effizienzkriterien oder Truppenst&auml;rken. Sowohl in der Sozialgestalt des Staatsb&uuml;rger in Uniform wie in der Ummodellierung von Staatsb&uuml;rgerlichkeit, in der post-westf&auml;lischen Ver&auml;nderung der Milit&auml;rorganisation wie in den Herausforderungen an die Staatskunst zeigen sich tief greifende Ver&auml;nderungstendenzen im &uuml;berkommenen Dreiecksverh&auml;ltnis von Politik, Milit&auml;r und Gesellschaft. Die Reformpolitik macht bisher nicht den Eindruck, als ob sie sich der Dimensionen ihres eigenen Tuns vollends bewusst w&auml;re.<\/p>\n<p>[1] Das betrifft die Struktur- oder Weise Kommission, den Bericht des Generalinspekteurs sowie das Papier des Staatssekret&auml;rs Otremba.<\/p>\n<p>[2] Man w&uuml;rde sich ein strategisches Dokument nach Art des britischen Strategic Defence and Security Review (&bdquo;Securing Britain in an Age of Uncertainty&#8220;, HM Government, Oktober 2010) w&uuml;nschen. Vgl. dazu Bastian Giegerich\/Alexandra Jonas, &bdquo;Not simply a cost-saving exercise&rdquo;? Gro&szlig;britanniens neue Sicherheits- und Verteidigungspolitik. SOWI.Thema, 1\/2011: <a href=\"http:\/\/www.sowi.bundeswehr.de\/portaUalswinstbw\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.sowi.bundeswehr.de\/portaUalswinstbw<\/a> (27.1.2011).<\/p>\n<p>[3] Vgl. Winfried Nachtwei, Die neue Bundeswehr: Freiwillig und kriegerisch? in: Bl&auml;tter f&uuml;r deutsche und internationale Politik, 1\/2011, S. 57-66; Jana Puglierin\/Svenja Sinjen, Sparen als Staatsr&auml;son. Zur Debatte &uuml;ber die Bundeswehrreform, in: Internationale Politik 1\/2011, S. 56-61.<\/p>\n<p>[4] Vgl. Klaus Naumann, Einsatz ohne Ziel? Die Politikbed&uuml;rftigkeit des Milit&auml;rischen. Hamburg 2008, Kap. III.<\/p>\n<p>[5] Vgl. dazu Klaus Naumann, Soldaten sollen denken. Gestern Kosovo, heute Afghanistan: Die Bundeswehr darf nicht zum blo&szlig;en Instrument der Politik werden, in: Die Zeit, 4.2.20 10.<\/p>\n<p>[6] Vgl. Maren Tomforde, Neue Milit&auml;rkultur(en): Wie ver&auml;ndert sich die Bundeswehr durch die Auslandseins&auml;tze? in: Maja Apelt (Hg.), Forschungsthema Milit&auml;r. Wiesbaden 2009, 5.193-220.<\/p>\n<p>[7] Vgl. Elmar Wiesendahl, Neue Bundeswehr und &uuml;berholte Innere F&uuml;hrung. Ein Ansto&szlig; zur Fortentwicklung eines abgestandenen Leitbilds, in: Wilfried Gerhard (Hg.), Innere F&uuml;hrung &ndash; Dekonstruktion und Rekonstruktion. Bremen 2002, S. 19-38.<\/p>\n<p>[8] Bericht der Strukturkommission der Bundeswehr, Vom Einsatz her denken. Konzentration, Flexibilit&auml;t, Effizienz. Berlin, Oktober 2010, S. 12, vgl. S.28.<\/p>\n<p>[9] Vgl. Timo Noetzel, Germany&#8217;s Small War in Afghanistan: Military Learning amid Politico-strategic Inertia, in: Contemporary Security Policy, 3\/20 10, S. 486-508.<\/p>\n<p>[10] Zu den Problemen der COIN-Doctrine vgl. Peter Rudolf, Zivil &#8211; milit&auml;rische Aufstandsbek&auml;mpfung, SWP-Studie S2, Berlin 2010; mit nachdr&uuml;cklicher Skepsis bzgl. der politisch-governementalen Implikationen des COIN-Ansatzes vgl. Wendy Brown, Review Symposium: The New U.S. Ai-my \/Marine Corps Counterinsurgency Manual as Political Science and Political Praxis, in: Perspectives on Politics, 2\/2008, S. 354 ff.<\/p>\n<p>[11] Vgl. beispielsweise die britische Mikrostudie von Matthew Jackson\/Stuart Gordon, Rewiring Interventions? UK PRTs and `Stabilization&#8216;, in: Parameters, 5\/2007, S. 647-661.<\/p>\n<p>[12] Vgl. Hans Geser, Die Milit&auml;rorganisation in Zeiten entgrenzter Kriegs- und Friedensaufgaben, in: Elmar Wiesendahl (Hg.), Neue Bundeswehr &ndash; neue Innere F&uuml;hrung? Perspektiven und Rahmenbedingungen f&uuml;r die Weiterentwicklung eines Leitbildes. Baden-Baden 2005, S. 111-128; Karl Haltiner, Erfordern neue Milit&auml;raufgaben neue Milit&auml;rstrukturen? Organisationssoziologische Betrachtungen zur Verpolizeilichung des Milit&auml;rs, in: Sabine Collmer (Hg.), Krieg, Konflikt und Gesellschaft. Aktuelle interdisziplin&auml;re Perspektiven. Hamburg 2003, S. 159-186; Gerhard K&uuml;mmel, Das soldatische Subjekt zwischen Weltrisikogesellschaft, Politik, Gesellschaft und Streitkr&auml;ften, in: Angelika D&ouml;rfler-Dierken\/Gerhard K&uuml;mmel (Hg.), Identit&auml;t, Selbstverst&auml;ndnis, Berufsbild. Implikationen der neuen Einsatzrealit&auml;t f&uuml;r die Bundeswehr. Wiesbaden 2010, S. 161-184.<\/p>\n<p>[13] Vgl. Elmar Wiesendahl, Athen oder Sparta &ndash; Bundeswehr, quo vadis? Bremen 2010.<\/p>\n<p>[14] Vgl. Wilfried von Bredow, Kooperations-Professionalit&auml;t. Das neue Profil der Bundeswehr und die notwendige Fortentwicklung der Inneren F&uuml;hrung, in: Elmar Wiesendahl (Hg.), Neue Bundeswehr &ndash; neue Innere F&uuml;hrung?, Baden-Baden 2005, S. 129-140.<\/p>\n<p>[15] Luhmann sprach davon, (Erwartungs-)Sicherheit bedeute, so zu tun, als ob die Zukunft beherrschbar sei.<\/p>\n<p>[16] Vgl. Christopher Daase, Wandel der Sicherheitskultur, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, 50\/2010, 5. 9-16.<\/p>\n<p>[17] Vgl. Bundesregierung, Gesamtkonzept &bdquo;Zivile Krisenpr&auml;vention, Konfliktl&ouml;sung und Friedenskonsolidierung&rdquo; (2000); zur Kritik des j&uuml;ngsten Berichts der Bundesregierung vgl. Gemeinsame Konferenz Kirche und Entwicklung, Aktionsplan Zivile Krisenpr&auml;vention: notwendig, nicht l&auml;stig. Kommentar zum 3. Bericht der Bundesregierung. GKKE-Schriftenreihe 52, Bonn\/Berlin Oktober 2010.<\/p>\n<p>[18] Vgl. Klaus Naumann, Wenn Verteidigung zu Sicherheit wird. Pl&auml;doyer f&uuml;r die Neujustierung sicherheitspolitischer Strukturen, in: Neue Gesellschaft\/Frankfurter Hefte, 10\/2010, S. 4-9.<\/p>\n<p>[19] Vgl. Berit Bliesemann-de Guevara\/Florian K&uuml;hn, Illusion Statebuilding. Warum sich der westliche Staat so schwer exportieren l&auml;sst. Hamburg 2010.<\/p>\n<p>[20] Darauf aufmerksam macht Claus Offe, Governance &ndash;&bdquo;Empty signifier&#8220; oder sozialwissenschaftliches Forschungsprogramm, in: Gunnar Folke Schuppert\/Michael Z&uuml;rn, Governance in einer sich wandelnden Welt. Wiesbaden 2008, S. 61-76.<\/p>\n<p>[21] Vgl. Klaus Naumann, Paradoxe Intervention. Deutschland im afghanischen Transformationskrieg, in: Mittelweg 36, 1\/2011, S. 81-108.<\/p>\n<p>[22] Gerhard Ritter, Staatskunst und Kriegshandwerk. Das Problem des &bdquo;Militarismus&rdquo; in Deutschland. 2 Bde. M&uuml;nchen 1954 und 1960.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[2170],"publikationen":[2828],"class_list":["post-11790","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-klaus-naumann","publikationen-193-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die Politik des Milit\u00e4rs der Gesellschaft - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/193-vorgaenge\/publikation\/die-politik-des-militaers-der-gesellschaft\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Die Politik des Milit\u00e4rs der Gesellschaft - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Staats- und gesellschaftspolitische Implikationen der Bundeswehrstrukturreform; aus: vorg&auml;nge Nr. 193, Heft 1\/2011, S. 4-13 Obliti privatorum, publica cura te.Spruch im Rektorenpalast der Handelsrepublik Dubrovnik Von der umfangreichsten Reform der Streitkr&auml;fte seit Gr&uuml;ndung der Bundeswehr ist die Rede. 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