{"id":11819,"date":"2010-09-01T21:30:00","date_gmt":"2010-09-01T19:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/das-skandinavische-vorbild\/"},"modified":"2021-08-30T15:40:54","modified_gmt":"2021-08-30T13:40:54","slug":"das-skandinavische-vorbild","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/191-vorgaenge\/publikation\/das-skandinavische-vorbild\/","title":{"rendered":"Das skandinavische Vorbild"},"content":{"rendered":"<p>Zur Rolle des Staates als Arbeitgeber<\/p>\n<p>aus: vorg&auml;nge Nr. 191, Heft 3\/2010, S. 50-61<\/p>\n<p>In der aktuellen Weltwirtschaftskrise zeigt sich der deutsche Arbeitsmarkt robust. Vom &#8222;Job-Europameister&#8220; (FR, 1.7.2010) ist bereits die Rede. Innerbetriebliche Flexibilisierungsinstrumente wie die staatlich gef&ouml;rderte Kurzarbeit und das aufgelegte Konjunkturprogramm haben sich ausgezahlt. Diese Faktoren zusammen erkl&auml;ren weitgehend die g&uuml;nstige Arbeitsmarktentwicklung. An dem Umstand, dass das Besch&auml;ftigungswachstum auf einem Boom prek&auml;rer und unsicherer Besch&auml;ftigung zulasten guter Arbeit gr&uuml;ndet, &auml;ndert die aktuell g&uuml;nstige Entwicklung nichts. Der nachfolgende Betrag r&uuml;ckt die deutsche Besch&auml;ftigungsentwicklung in den Vergleich mit den skandinavischen L&auml;ndern. Diese kombinieren im OECD-wie EU-Vergleich die h&ouml;chsten Besch&auml;ftigungsquoten bei gleichzeitiger Geringhaltung prek&auml;rer Besch&auml;ftigung mit einer vergleichsweise g&uuml;nstigen Einkommensentwicklung. Der Beitrag wirft die Frage auf, welche Rolle der Staat als Dienstleister und Arbeitgeber f&uuml;r die gute skandinavische Besch&auml;ftigungsbilanz spielt.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"i-beschaeftigungsperformanz-im-internationalen-vergleich\">I. Besch&auml;f&shy;ti&shy;gungs&shy;per&shy;for&shy;manz im inter&shy;na&shy;ti&shy;o&shy;nalen Vergleich <\/span><\/h2>\n<p>Die deutsche Besch&auml;ftigungsentwicklung l&auml;sst sich als gelungene Pfadverschiebung in Richtung des angels&auml;chsischen Modells interpretieren. <i>&#8222;Job quantity first&#8220; <\/i>lautet dort die Devise. In die deutsche Politikersprache &uuml;bersetzt: <i>&#8222;Was Arbeit schafft, ist sozial.&#8220; <\/i>Weder Inhalt noch Sicherheit der Besch&auml;ftigung, auch nicht die Angemessenheit der Bezahlung spielen bei der rein auf Job-Quantit&auml;t ausgerichteten Politik eine ma&szlig;gebende Rolle. Entscheidend ist, dass Marktprozesse Besch&auml;ftigungswachstum generieren und der Staat nur den Rahmen gestaltet. Vom Gesetz zur F&ouml;rderung der Selbst&auml;ndigkeit (1999)[1] bis zu &#8222;Hartz I bis Hartz IV&#8220; steht die Grundausrichtung der Arbeitsmarktreformen f&uuml;r die Pfadverschiebung. Gleiches gilt f&uuml;r die Finanzpolitik. Die angels&auml;chsischen L&auml;nder mit ihren niedrigeren Staatsquoten standen Pate f&uuml;r die schon in den 80er Jahren gestartete Politik fortgesetzter Steuersenkungen. Die dadurch bewirkte Einnahmeschw&auml;che &ouml;ffentlicher Haushalte fungiert als Hebel, um mit dem Mantra der &#8222;leeren Kassen&#8220; Aufgabenreduktionen und die Privatisierung staatlicher Aufgabenerledigung zu erzwingen. Beides greift ineinander und ist kombiniert mit einer Radikalisierung des traditionellen deutschen Merkantilismus. Wachstum fu&szlig;t dabei einseitig auf Exporterfolgen unter Hinnahme von Reallohnverlusten. (IMK 2009)<\/p>\n<p>Als Ausgangspunkt der Bewertung des besch&auml;ftigungspolitischen Outcomes der deutschen Politikauspr&auml;gung w&auml;hle ich die Lissabon-Strategie. Sie wurde im Jahr 2000 von den europ&auml;ischen Staats- und Regierungschefs verabschiedet und sollte die Europ&auml;ische Union bis zum Jahr 2010 zur weltweit f&uuml;hrenden wissensbasierten Produkt- und Dienstleistungs&ouml;konomie machen. Die Strategie ist gescheitert. Die meisten Benchmarks werden (Stand: 2009) nur von einer Minderheit der EU-Mitgliedsl&auml;nder erreicht. Relativ am besten stellen sich die skandinavischen L&auml;nder. Schweden und Finnland erreichen ann&auml;hernd alle Benchmarks, D&auml;nemark die meisten. Pikant dagegen: Die USA, obwohl f&uuml;r die Lissabon-Strategen quasi Referenzmodell, verfehlen die Ziele.[2]<\/p>\n<p>Besch&auml;ftigungspolitisch wollte der Lissabon-Prozess erreichen, dass bis zum Jahr 2010 europaweit 70 Prozent der Bev&ouml;lkerung im erwerbsf&auml;higen Alter einer Erwerbst&auml;tigkeit nachgehen. Bei Frauen sollte die Quote mindestens 60 und bei &Auml;lteren (55 bis 64 Jahre) 50 Prozent betragen. Im Durchschnitt der EU27 wie auch der EU16 (L&auml;nder der Euro-Zone) wurden alle drei Ziele verfehlt.[3] Die L&auml;nderauswahl von Tabelle 1 enth&auml;lt aus dem Bereich von EU27 plus der europ&auml;ischen Nicht-EU-Mitgliedsl&auml;nder die L&auml;nder, die die besch&auml;ftigungspolitischen Ziele des Lissabon-Prozesses mindestens in den Jahren 2007 bis 2009 erreicht haben. Es sind 10 L&auml;nder, die sich in zwei Gruppen unterteilen. Sechs L&auml;nder haben die Ziele &uuml;ber die gesamte Dekade hinweg erreicht, vier L&auml;nder nur im Zeitraum von 2007 bis 2009. Zur ersten Gruppe z&auml;hlen die 4 skandinavischen L&auml;nder Island, Norwegen, Schweden und D&auml;nemark plus die Schweiz und Gro&szlig;britannien. Die zweite Gruppe besteht aus den Niederlanden, Finnland, Zypern und Deutschland. Die Reihung in Tabelle 1 beinhaltet ein Ranking. Island liegt bei allen drei Benchmarks auf Platz 1. Deutschland kommt in der Gesamtbewertung auf Rang 10.<\/p>\n<p>Die Lissabon-Ziele orientieren ausschlie&szlig;lich auf das Job-Niveau hin. Da skandinavische L&auml;nder der Qualit&auml;t von Arbeit eine nicht minder hohe Bedeutung einr&auml;umen,[4] k&ouml;nnte erwartet werden, dass dies zulasten der Quantit&auml;t geht. Das Gegenteil ist richtig. Im skandinavischen Durchschnitt lag die Gesamtbesch&auml;ftigungsquote im Zeitraum 2000 bis 2009 mit 75,7 Prozent um fast 6 Prozentpunkte &uuml;ber dem Durchschnitt der angels&auml;chsischen L&auml;nder Gro&szlig;britannien, USA und Irland. Bei der Frauenbesch&auml;ftigungsquote erh&ouml;ht sich der Abstand auf fast 10 und bei der Besch&auml;ftigungsquote &Auml;lterer auf deutlich &uuml;ber 10 Prozentpunkte. Mit Ausnahme der Besch&auml;ftigung Jugendlicher[5] weichen die gruppenspezifischen Besch&auml;ftigungsquoten im Norden weit weniger stark von der Gesamtbesch&auml;ftigungsquote ab als in Deutschland. Die breite Inklusion in das Erwerbssystem gelingt besser. R&uuml;ckt die Relation von allgemeiner zu gruppenspezifischen Arbeitslosenquoten in den Fokus, ergibt sich spiegelbildlich ein &auml;hnlicher Befund. F&uuml;r die Erhellung dieses Sachverhalts bietet sich die Erwerbsgruppe der gering Qualifizierten an. Dies deshalb, weil die Notwendigkeit einer Ausweitung von Niedriglohnbesch&auml;ftigung wesentlich mit den dann besseren Arbeitsmarktchancen gering Qualifizierter bei gleichzeitiger Senkung der Langzeitarbeitslosigkeit begr&uuml;ndet wurde. (Bosch\/Kalina 2007: 20ff.) Sollte es tats&auml;chlich um diese Gruppen gegangen sein, ist die Strategie gescheitert. Heute hat Deutschland unter den L&auml;ndern der alten EU noch vor Gro&szlig;britannien, Irland und den Niederlanden den gr&ouml;&szlig;ten Niedriglohnsektor (Bosch\/Kalina 2007: 27). Die Besch&auml;ftigungschancen gering Qualifizierter haben sich jedoch verschlechtert statt verbessert. In doppelter Hinsicht. Einkommensm&auml;&szlig;ig aufgrund der Ausfransung von Niedrigl&ouml;hnen zu Armutsl&ouml;hnen, was in Gro&szlig;britannien, Irland und den Niederlanden durch einen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn verhindert wird. Besch&auml;ftigungsm&auml;&szlig;ig, weil die Spanne bei den Arbeitslosenquoten gr&ouml;&szlig;er statt kleiner wurde.[6]<\/p>\n<p>1999 lag die Arbeitslosenquote der gering Qualifizierten um 7,1 Prozentpunkte &uuml;ber der Gesamtarbeitslosenquote. Eine Dekade sp&auml;ter (2008 wie 2009) um 8,9 Prozentpunkte. Demgegen&uuml;ber gelang der Skandinavien Gruppe (vgl. Tabelle 1) eine Reduktion der durchschnittlichen Quotendifferenz von 2,8 Prozentpunkten (1999) auf 1,6 Prozentpunkte (2009). Bei der Langzeitarbeitslosigkeit erreichte Deutschland zwar eine Reduktion. Sie bleibt mit 28 Prozent (2009 gegen&uuml;ber 1998) aber weit hinter den Reduktionen skandinavischer L&auml;nder zur&uuml;ck (D&auml;nemark: -62 Prozent; Finnland: -66 Prozent; Schweden: -58 Prozent). Die deutsche Langzeitarbeitslosigkeit liegt (vgl. Tabelle 1) beim Vielfachen der skandinavischen Werte. Angesichts der betriebenen Politik sind diese Ergebnisse nur folgerichtig. Mit gering Qualifizierten wurde argumentiert; sie dienten als Joker. Tats&auml;chlich jedoch ging es um einen Pfadwechsel in Richtung der angels&auml;chsischen Kapitalismusvariante mit ihrem hohen Niveau an Einkommensungleichheit.[7] Dieser Pfadwechsel gelang. Noch bis zum Jahr 2000 geh&ouml;rte Deutschland zu den L&auml;ndern mit international vergleichsweise geringer Einkommensungleichheit. Der GINI-Koeffizient[8] lag minimal &uuml;ber dem skandinavischen Durchschnitt (25 zu 24,8) und weit vom angels&auml;chsischen Durchschnitt (32,6) entfernt. Binnen 8 Jahren hat sich der Abstand zum skandinavischen Durchschnitt vervielfacht. Deutschland zog mit Irland gleich (GINI von 30) und liegt nun nahe am angels&auml;chsischen Durchschnitt von etwa 33. Auch in den skandinavischen L&auml;ndern hat die Einkommensungleichheit zugenommen. Die Steigerung (ohne Island von 24,8 auf 25) bleibt aber gering. Tabelle 1 enth&auml;lt mit der Quintil-Ratio ein alternatives, f&uuml;r Polarisierungstendenzen sensibles Ungleichheitsma&szlig;. Es zeigt das Verh&auml;ltnis des Gesamteinkommens der 20 Prozent Einkommensst&auml;rksten (oberstes Quintil) zum Gesamteinkommen der 20 Prozent Einkommensschw&auml;chsten (unterstes Quintil) an. Wie ersichtlich, verdiente das obere F&uuml;nftel in Deutschland 1999 3,6fach, 2008 aber 4,8fach so viel wie das untere F&uuml;nftel. Bei der Zunahme der Einkommenspolarisierung ist Deutschland Europameister, w&auml;hrend skandinavische L&auml;nder mit einer Polarisierung, die &#8222;nur&#8220; ein Drittel so stark ausf&auml;llt, die geringste Einkommensungleichheit aufweisen.<\/p>\n<p>Die Heranziehung von Indikatoren, die Auskunft geben zur Entwicklung der Besch&auml;ftigungssicherheit und der Prekarisierung von Erwerbsarbeit verdunkelt das Bild weiter. Gleicherma&szlig;en befristete Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnisse wie unfreiwillige Teilzeitarbeit,[9] die Zahl prek&auml;r arbeitender Solo-Selbst&auml;ndiger und die von Arbeitnehmern, die gleichzeitig mehreren Jobs nachgehen (m&uuml;ssen) sind in Deutschland &uuml;berdurchschnittlich angestiegen[10] und gleichzeitig w&auml;chst die Gruppe der Arbeitssuchenden, die statistisch nicht mehr als arbeitslos gez&auml;hlt wird. (Adamy 2010: 55) Die Zusammenf&uuml;gung der verschiedenen Mosaiksteine ergibt ein Bild mit wenig Licht und viel Schatten.<\/p>\n<p>XXXXXX Tabelle<br \/>Tab. 1: Besch&auml;ftigungsperformanz der 10 L&auml;nder, die die Ziele des Lissabon-Vertrags erreichen(1)<\/p>\n<p>Deutschland hat &uuml;ber die Umwandlung von Vollzeit-in Teilzeitbesch&auml;ftigung bei breiter Prekarisierung ein rein quantitatives Job-Wachstum realisiert. Der Polarisierung bei den Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnissen entspricht eine Polarisierung der Einkommensverteilung mit schrumpfender Mittelschicht (DIW 2010). Skandinavische L&auml;nder haben gegenl&auml;ufig dazu qualitatives Besch&auml;ftigungswachstum unter Geringhaltung prek&auml;rer Besch&auml;ftigung realisiert.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"ii-doppeltes-beschaeftigungswachstum\">II. Doppeltes Besch&auml;f&shy;ti&shy;gungs&shy;wachstum <\/span><\/h2>\n<p>Abgesehen von Island sind auch die skandinavischen L&auml;nder stark exportorientiert. Wachstumsst&uuml;tze ist jedoch nicht einseitig der Export wie in Deutschland, sondern gleicherma&szlig;en der Binnenmarkt. Der &ouml;ffentliche Sektor (2008) spielt dabei eine wichtige Rolle, denn er steht f&uuml;r ein knappes Drittel der Besch&auml;ftigung, wenn die Staats-Abgrenzung gem&auml;&szlig; dem General-Government Ansatz (Europ&auml;isches System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen -ESVG95)[11] erfolgt, und f&uuml;r rd. 35 Prozent, wenn zus&auml;tzlich die Besch&auml;ftigten in Unternehmen, die ganz oder &uuml;berwiegend in &ouml;ffentlichem Besitz sind, erfasst werden.[12] Innerhalb der skandinavischen Familie[13] verf&uuml;gt D&auml;nemark bei der General-Government Abgrenzung &uuml;ber den gr&ouml;&szlig;ten &ouml;ffentlichen Sektor,[14] beim erweiterten Konzept r&uuml;ckt jedoch Norwegen an die erste Stelle. In D&auml;nemark spielen &ouml;ffentliche Unternehmen nur noch eine vergleichsweise geringe Rolle. 2008 besch&auml;ftigten d&auml;nische Staats- und Kommunalunternehmen 82 Tsd. Mitarbeiter (3 Prozent aller abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten) gegen&uuml;ber 193 Tsd. (4,6 Prozent aller abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten) in Schweden und 140 Tsd. (5,6 Prozent aller abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten) in Norwegen. Finnland bewegt sich dazwischen; allein die Unternehmen im Gesch&auml;ftsbereich der Zentralregierung bringen es auf einen inl&auml;ndischen Besch&auml;ftigungsanteil von 3,5 Prozent.[15] In Deutschland ist das Besch&auml;ftigungsgewicht des &ouml;ffentlichen Sektors nicht halb so gro&szlig;. Nach der General-Government Abgrenzung sind weniger als 11 Prozent der Erwerbst&auml;tigen beim Staat besch&auml;ftigt. Die Personalstandstatistik des &ouml;ffentlichen Dienstes (Finanzstatistik) f&uuml;hrt zu h&ouml;heren Zahlen, da hier auch &ouml;ffentliche Wirtschaftsunternehmen und seit einigen Jahren zus&auml;tzlich privatrechtliche Einrichtungen erfasst werden. In der Abgrenzung des &ouml;ffentlichen Dienstes gab es 2009 4,55 Mio. Besch&auml;ftigte, in der erweiterten Abgrenzung hatten 5,59 Mio. abh&auml;ngig Besch&auml;ftigte (15,6 Prozent) einen &ouml;ffentlichen Arbeitgeber. Dies waren 13,9 Prozent der Erwerbst&auml;tigen.[16]<\/p>\n<p>Der Blick auf die lange Frist liefert wichtige Erkenntnisse.<\/p>\n<p>Bis Anfang der 80er Jahre lag die arbeitsmarktpolitische Bedeutung &ouml;ffentlicher Arbeitgeber in Deutschland nur moderat unter der von skandinavischen L&auml;ndern (Heintze 2007). 30 Jahre kontr&auml;rer Entwicklung machten aus einer moderaten Differenz eine gewaltige Kluft. Die fiktive deutsche Besch&auml;ftigungsl&uuml;cke gegen&uuml;ber dem skandinavischen Durchschnitt wuchs bis 2008 kontinuierlich; 2009 ging sie leicht zur&uuml;ck. Bei gleicher Dichteziffer (Besch&auml;ftigte auf 1000 Einwohner; ohne Unternehmen) h&auml;tte es 1999 ein Plus von 6,8 Mio. und 2009 von 7,1 Mio. &ouml;ffentlich Besch&auml;ftigter gegeben. 2,23 Mio. &ouml;ffentliche Arbeitspl&auml;tze wurden seit 1991 abgebaut, w&auml;hrend gleichzeitig wichtige Bedarfsfelder brach liegen resp. &#8211; vom Arbeitsschutz bis zur Kultur &#8211; Not leidend gemacht wurden. Dabei: Es gab massiven Reformbedarf. Eine gleicherma&szlig;en auf Strukturen wie Prozesse und Kultur ausgerichtete, ergo ganzheitliche Modernisierungsstrategie h&auml;tte sich an erfolgreichen Beispielen aus D&auml;nemark oder Finnland orientieren k&ouml;nnen. Im Diskurs der 90er Jahre um neue Steuerungsmodelle[17] wurden diese Erfahrungen aber kaum rezipiert. Das nahe D&auml;nemark (1991: 5,2 Mio. EW) blieb unbeachtet, das ferne und einwohnerm&auml;&szlig;ig kleinere Neuseeland (1991: 3,5 Mio. EW) wurde als Vorreiter und leuchtendes Beispiel pr&auml;sentiert.[18] Was Medien, Wissenschaft und politische Entscheidungstr&auml;ger elektrisierte war: Neuseeland betrieb eine radikale Entstaatlichungspolitik. Binnen 5 Jahren (1991-1996) wurde die Staatsquote von 50,3 auf 41 Prozent abgesenkt, w&auml;hrend sie in D&auml;nemark auf 59 Prozent stieg.[19]<\/p>\n<p>Im skandinavischen Modell speist sich Besch&auml;ftigungswachstum aus privaten und &ouml;ffentlichen Quellen. In den 70er und 80er Jahren schuf prim&auml;r der &ouml;ffentliche Sektor Arbeitspl&auml;tze. In den 90er Jahren ging diese Funktion in Schweden[20] und Finnland an den Privatsektor &uuml;ber, w&auml;hrend die Entwicklung in Norwegen und tendenziell auch in D&auml;nemark sektoral ausgeglichen verlief. Die Privatisierungswelle, die es abgesehen von Norwegen[21] gab, traf Staatsunternehmen, kaum jedoch die Kommunalwirtschaft. Da gleichzeitig ein weiterer Ausbau der &ouml;ffentlichen Infrastruktur bei gesellschaftsnahen Dienstleistungen unterschiedlichster Art (Soziales, Bildung, Kultur) erfolgte, wurde der privatisierungsbedingte Abbau durch Zubau an anderer Stelle mehr oder weniger kompensiert, teilweise &uuml;berkompensiert. In Deutschland gab es solche Ausgleichseffekte nicht. Es resultiert ein durchg&auml;ngiges Minus, wobei die Abrissbirne am st&auml;rksten im Kommunalbereich, mithin dort, wo B&uuml;rger von einem guten &ouml;ffentlichen Leistungsangebot am direktesten profitieren, zum Einsatz kam. Tabelle 2 verdeutlicht die kontr&auml;re Entwicklung f&uuml;r die Zeitspanne 1996\/1997 bis 2008\/2009. Das in Skandinavien doppelte Besch&auml;ftigungswachstum zeigt sich nach K&ouml;pfen, vor allem aber, wenn Vollzeit&auml;quivalente betrachtet werden. V&ouml;llig gescheitert ist hingegen die deutsche Entstaatlichungspolitik. Durch den R&uuml;ckbau des Leistungsstaates zum Gew&auml;hrleistungsstaat sollte ein solches Ma&szlig; an unternehmerischer Dynamik zur Entfaltung kommen, dass der Personalabbau im &ouml;ffentlichen Dienst (j&auml;hrlich minus 1,2 Prozent im Zeitraum von 1996\/1997 bis 2008\/2009; vgl. Tab. 2) in ein dynamisches marktgesteuertes Jobwachstum m&uuml;ndet. Bilanz: Nicht einmal vor der Kulisse, d.h. rein nach K&ouml;pfen, werden skandinavische Zahlen erreicht. Hinter der Kulisse bewirkt die Umverteilung regul&auml;rer Vollzeitbesch&auml;ftigung in prek&auml;re Jobs ein Nullwachstum bei Vollzeit&auml;quivalent besch&auml;ftigten Erwerbst&auml;tigen. Bei den Vollzeit&auml;quivalenten abh&auml;ngig Besch&auml;ftigter gab es gar einen R&uuml;ckgang von 29,3 Mio. (1999) auf 28,7 Mio. (2007).[22]<\/p>\n<p>Beim Erreichen bestimmter Schwellenwerte schl&auml;gt Quantit&auml;t in Qualit&auml;t um. Wo die Schwelle liegt, die regul&auml;re &ouml;ffentliche Besch&auml;ftigung erreichen muss, um ein Gegengewicht zum auf private Gewinnaneignung ausgerichteten Privatsektor bilden zu k&ouml;nnen, ist eine offene, wissenschaftlich nicht bearbeitete Frage. Ich vermute die Schwelle im Bereich von 20 bis 30 Prozent. Da die &ouml;ffentlichen Sektoren skandinavischer L&auml;nder diese Schwelle deutlich &uuml;berschreiten und zugleich auf Effizienz getrimmt sind, erf&uuml;llen sie zwei wesentliche Voraussetzungen, um gegen&uuml;ber der Privatwirtschaft gleicherma&szlig;en als Rollenmodell wie Gegengewicht zu fungieren.<\/p>\n<p>XXXXX Tabelle<br \/>Tab 2: Besch&auml;ftigungswachstum insgesamt und Besch&auml;ftigungsrelevanz des &Ouml;ffentlichen Sektors(&Ouml;S) im deutsch-skandinavischen Vergleich: 1997 bis 2009(1)<\/p>\n<p>Zum Thema Rollenmodell zwei Stichworte. Dass Norwegen 2009 mit 42 Prozent vor Schweden (27 Prozent) und Finnland (24 Prozent) den h&ouml;chsten Anteil an Frauen im TOP-Management (Board-Ebene) b&ouml;rsennotierter Unternehmen (Holst\/Wiemer 2010: 9) erreicht, verweist auf die Bedeutung und Rolle von Staatsunternehmen, denn dort war das Experimentierfeld f&uuml;r die Durchsetzung der Quote.[23] Eine &auml;hnliche Entwicklung deutet sich bei der Erwerbsintegration von Migranten an. Erneut geht der &ouml;ffentliche Sektor voran. So arbeiten in der Kommunalverwaltung von Oslo seit 2008 19 Prozent Migranten nicht-westlicher Herkunft (OECD 2009: 46ff.). Da ein gutes F&uuml;nftel aller norwegischen Arbeitnehmer in Kommunalverwaltungen besch&auml;ftigt ist, ist der Integrationseffekt un&uuml;bersehbar. In Deutschland, wo Kommunalbesch&auml;ftigung bundesweit 2009 nur noch einen Anteil von 3,6 Prozent stellte, s&auml;he dies anders aus. Die Funktion, im Dienstleistungsbereich Prekarisierung zu verhindern, kommt hinzu. Bezogen auf D&auml;nemark habe ich f&uuml;r das Jahr 2008 die Verteilung von voll- und teilzeitbesch&auml;ftigten Arbeitnehmern auf private und &ouml;ffentliche Arbeitgeber entlang von 36 Wirtschaftszweigen untersucht.[24] Ergebnis: In 15 der 20 Wirtschaftszweige mit auch &ouml;ffentlichen Arbeitgebern liegt die Teilzeitquote bei privaten Arbeitgebern mindestens doppelt so hoch wie bei &ouml;ffentlichen Arbeitgebern. Dass Tertiarisierung in D&auml;nemark nicht mit Prekarisierung verbunden ist, findet hierin eine wesentliche Erkl&auml;rung. 77 Prozent der Arbeitnehmer waren 2008 im Dienstleistungssektor besch&auml;ftigt, davon gut 44 Prozent bei &ouml;ffentlichen Arbeitgebern. Die Teilzeitquote bei den &ouml;ffentlichen Arbeitgebern betrug 10,4 Prozent gegen&uuml;ber 23 Prozent bei privaten Arbeitgebern. Wachsendes Gewicht hat vor dem Hintergrund des demografischen Wandels die Care-&Ouml;konomie (Soziale Dienstleistungen f&uuml;r Jung wie Alt). In D&auml;nemark gab es 2008 331.787 Besch&auml;ftigte in diesem Bereich. 96 Prozent hatten &ouml;ffentliche Arbeitgeber. Dies bei vergleichsweise guter Bezahlung und einer Teilzeitquote von nur 11,5 Prozent. In Deutschland wird der Bereich vom so genannten &#8222;Dritten Sektor&#8220; dominiert. Lohndumping, prek&auml;re Arbeitspl&auml;tze und Ein-Euro-Arbeitsgelegenheiten haben sich dort enorm ausgebreitet (Dathe et al 2009). In der staatlich regulierten Pflegebranche als quasi dem Herzst&uuml;ck teilen sich &#8222;Dritter Sektor&#8220; und privat-gewerbliche Anbieter das Gesch&auml;ft.[25] Die Kommerzialisierung der Leistungserbringung dr&uuml;ckt die Branche in den Niedriglohnsektor mit Vollzeitarbeit nur f&uuml;r eine Minderheit. 2007 gab es in der ambulanten Pflege nur 26 Prozent und in der station&auml;ren Pflege nur 35 Prozent Vollzeitkr&auml;fte. (Statistisches Bundesamt, Pflegestatistik 2007: 12)<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"iii-schlussbemerkung\">III. Schluss&shy;be&shy;mer&shy;kung<\/span><\/h2>\n<p>K&ouml;nnen wir von Skandinavien nichts lernen, weil Entwicklungen pfadabh&auml;ngig erfolgen und die L&auml;nder so klein sind? Nun, die Pfadabh&auml;ngigkeit hinderte Deutschland nicht, seinen Entwicklungspfad binnen 30 Jahren in Richtung des angels&auml;chsischen Modells zu verschieben und die Kleinheit von Neuseeland verhinderte auch nicht, dass das ferne Land zu einem der Vorbildl&auml;nder f&uuml;r deutsche Verwaltungsreformen aufstieg. Gewiss, Entwicklungen verlaufen pfadabh&auml;ngig. Einerseits. Andererseits jedoch sind Gesellschaften nicht Gefangene ihrer tradierten Denkmuster und gewachsenen Strukturen. In Krisenphasen bricht manches auf und neue Entwicklungswege werden m&ouml;glich. Sie k&ouml;nnen ein Land nach vorne bringen oder auch nicht. Die Pfadverschiebung in Richtung des angels&auml;chsischen Modells hat kein Problem gel&ouml;st, aber eine Reihe neuer Probleme geschaffen.<\/p>\n<p>[1] Pedersini\/Diego (2010: 17) werten die deutsche Gesetzgebung zur F&ouml;rderung der Selbst&auml;ndigkeit dementsprechend als <i>&#8222;close to the traditional situation in Ireland and the UK&#8220;. <\/i><\/p>\n<p>[2] Sowohl bei Bildung wie bei Forschung wie bei Besch&auml;ftigung. Bei Forschung beispielsweise (Benchmark: 3 Prozent des BIP) wandten die USA m Durchschnitt (1999-2008) 2,6 Prozent auf gegen&uuml;ber 3,7 Prozent in Schweden und 3,5 Prozent in Finnland. Auch bei der Besch&auml;ftigungsh&ouml;he stehen die USA deutlich hinter den nordischen L&auml;ndern zur&uuml;ck. 2009 sank die Gesamtbesch&auml;ftigungsquote auf 67,6 Prozent und liegt im Durchschnitt der sechs Angelsachsen-L&auml;nder ebenfalls unter 70 Prozent, w&auml;hrend die Skandinavien-Gruppe 74,3 Prozent erreicht. Quellen: Eurostat und OECD Employment Database, Juli 2010.<\/p>\n<p>[3] Im Jahr 2008 wurde bei der Gesamtbesch&auml;ftigungsquote im Raum der langj&auml;hrigen EU-Mitglieder (EU15) mit gut 67 Prozent der h&ouml;chste Wert erreicht und gelang kurzfristig die Zielerreichung bei der Frauenbesch&auml;ftigungsquote. Eine v&ouml;llige Zielverfehlung ist bei der Besch&auml;ftigung &Auml;lterer zu konstatieren. Im Euro-Raum lag die Quote im Durchschnitt der Jahre mehr als 10 Prozentpunkte unter der Ziellinie. Eigene Berechnungen anhand der Daten von Eurostat mit Aktualit&auml;tsstand vom Mai 2010.<\/p>\n<p>[4] Untersuchungen zur Qualit&auml;t der Arbeitsbedingungen sehen skandinavische L&auml;nder vorn. Mit einem komplexen Ansatz auf Basis der Daten der vierten Europ&auml;ischen Erhebung &uuml;ber Arbeitsbedingungen kommen Seifert\/Tangian (2009) zu einer Rangfolge, bei der alle vier erfassten skandinavischen L&auml;nder unter die sechs Bestplatzierten kommen, w&auml;hrend Deutschland nur Platz 22 unter 31 erfassten L&auml;ndern einnimmt. Davoine et al. (2008) lassen auf nachhaltig gute Arbeitsbedingungen schlie&szlig;en. Die erfassten skandinavischen L&auml;nder (D&auml;nemark, Schweden, Finnland) werden im L&auml;ngsschnitt &uuml;berwiegend der ersten von sechs Qualit&auml;tsklassen zugeordnet (D&auml;nemark seit 1983 in 20 von 22 Jahren); Deutschland dagegen (erfasst seit 2002) nur Klasse vier bis drei. Einzelindikatoren etwa zur Familienfreundlichkeit von Arbeitspl&auml;tzen oder den Wechselm&ouml;glichkeiten von Vollzeit zu Teilzeit et vice versa st&uuml;tzen die Zuordnung. Siehe etwa Indikator LMF2.4 der OECD Family Database.<\/p>\n<p>[5] L&auml;nder, die wie Deutschland mittlere Qualifikationen prim&auml;r &uuml;ber ein duales Ausbildungssystem bereitstellen, weisen eine geringere Jugendarbeitslosigkeit und h&ouml;here Jugendbesch&auml;ftigungsquote auf als L&auml;nder mit prim&auml;r vollzeitschulischer Ausbildung. Bei dualer Ausbildung werden Auszubildende bereits w&auml;hrend der Ausbildung als Besch&auml;ftigte erfasst und nach der im Regelfall dreij&auml;hrigen Ausbildung zu einem hohen Prozentsatz vom Arbeitgeber &uuml;bernommen. Bei vollzeitschulischer Ausbildung wird w&auml;hrend der Ausbildung kein oder nur kurzfristig (Praktikumsphase) ein Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnis begr&uuml;ndet und nach abgeschlossener Ausbildung ergeben sich Friktionen beim &Uuml;bergang ins Besch&auml;ftigungssystem. Au&szlig;er in Deutschland gibt es duale Ausbildungssysteme von Gewicht in der Schweiz, D&auml;nemark, &Ouml;sterreich und den Niederlanden. (Heintze 2010: 81).<\/p>\n<p>[6]. Dabei zeigt sich eindrucksvoll, dass neoklassische Arbeitsmarkttheorie die Variabilit&auml;t von Empirie nicht erkl&auml;ren kann. So hat D&auml;nemark mit rd. 14 &euro; \/Std. den europaweit h&ouml;chsten Mindestlohn bei gleichzeitig bester Besch&auml;ftigungslage gering Qualifizierter. Nach neoklassischer Theorie ist dies ausgeschlossen. Bosch (2010) erkl&auml;rt den Befund &uuml;ber die Wirkung &#8222;institutioneller Komplementarit&auml;ten.&#8220;<\/p>\n<p>[7] Die skandinavischen Erfahrungen wurden bei der deutschen Politikausformung systematisch ausgeblendet. Pars pro toto steht hierf&uuml;r ein Gutachten des Bundes-Arbeitsministeriums zu Arbeitsanreizen f&uuml;r gering Qualifizierte. <i>&#8222;Als Repr&auml;sentant des skandinavischen Wohlfahrtsstaatsmodells wurde Schweden (..). ber&uuml;cksichtigt. Dieses Land steht sowohl mit der Arbeitslosen- als auch der Besch&auml;ftigungsquote von gering Qualifizierten im internationalen Vergleich bestens da. Das skandinavische Modell wird aber nicht weiter untersucht, weil hier der Fokus auf Anreizsysteme f&uuml;r den Niedriglohnbereich gerichtet wird und die skandinavischen L&auml;nder(&#8230;) keine entsprechenden Politiken verfolgen&#8220;<\/i> (D&uuml;ll 2006: 4ff.).<\/p>\n<p>[8] Er nimmt bei totaler Gleichheit den Wert 0 und bei totaler Ungleichheit den Wert 1 resp. 100 an. Werte unter 25 (nach Steuern und Sozialtransfers) stehen f&uuml;r eine relativ egalit&auml;re Gesellschaft, Werte &uuml;ber 30 kennzeichnen ein gehobenes Ma&szlig; an Ungleichheit. Die Daten des vorgenommenen Vergleichs stammen von der OECD 2008 (Data EQ1.1) und von Eurostat (ilc di12 mit Update vom 16.6.2010).<\/p>\n<p>[9] Der Anteil unfreiwillig teilzeitbesch&auml;ftigter Arbeitnehmer &#8211; in der Regel handelt es sich um Frauen &#8211; lag im Jahr 2000 gleichauf mit D&auml;nemark; jetzt ist er fast dreimal h&ouml;her. Vgl. Tabelle 1.<\/p>\n<p>[10] Die Zahl der Erwerbst&auml;tigen mit gleichzeitig mehreren Jobs hat sich von 804 Tsd. (2002) auf 1,43 Mio (2009) um gut 78 Prozent erh&ouml;ht. Im skandinavischen Raum gab es nur in Finnland eine deutliche Erh&ouml;hung um 16 Prozent und in Norwegen eine relative Konstanz; in den anderen L&auml;ndern nahm die Zahl der Doppel-Jobber ab (Island: -43 Prozent; D&auml;nemark und Schweden: -10 Prozent).<\/p>\n<p>[11] Danach bilden Gebietsk&ouml;rperschaften und Sozialversicherung den Staat, w&auml;hrend &ouml;ffentliche Unternehmen und Einrichtungen in privater Rechtsform dem Privatsektor zugeschlagen werden.<\/p>\n<p>[12] Quelle: Eigene Datenauswertungen anhand der National Accounts sowie der in besonderer Tiefengliederung vorliegenden Qualifikations- und Verdienststatistiken des &ouml;ffentlichen Sektors. Die Daten zu Besch&auml;ftigten &ouml;ffentlicher Unternehmen ergeben sich bei D&auml;nemark aus der Erwerbst&auml;tigenrechnung nach Wirtschaftszweigen und bei den anderen L&auml;ndern teils aus Statistiken und teils aus den &#8222;Ownership-Berichten&#8220; der Finanzministerien.<\/p>\n<p>[13] Ohne Island. Zu Island liegen in vergleichbarer Abgrenzung nur die Besch&auml;ftigtenzahlen &ouml;ffentlicher Dienstleister vor. Deren Besch&auml;ftigtenzahl lag 1991 gleichauf mit Finnland bei 29,6 Prozent der Erwerbst&auml;tigen, stieg dann aber st&auml;rker als in Finnland auf 35,8 Prozent im Jahr 2008 (Finnland: 32 Prozent). Eigene Berechnung anhand der gemeinsamen Datenbasis nordischer L&auml;nder zu den Erwerbst&auml;tigen in 8 Wirtschaftszweigen gem&auml;&szlig; NACE-Klassifikation (<a href=\"http:\/\/www.nordstat.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.nordstat.org\/<\/a>; Zugriff am 16.7.2010).<\/p>\n<p>[14] Im Jahr 2009 waren dort 33,1 Prozent der ArbeitnehmerInnen und 30,6 Prozent der Erwerbst&auml;tigen gegen&uuml;ber 31 Prozent in Finnland (Erwerbst&auml;tige: 26,7 Prozent) und 30,5 Prozent in Schweden (Erwerbst&auml;tige: 27,4 Prozent) besch&auml;ftigt.<\/p>\n<p>[15] Zu Kommunalunternehmen liegen mir keine Daten vor. Die &#8222;State mayority-owned companies&#8220; hatten 2008 einen inl&auml;ndischen Personalstand von jahresdurchschnittlich 77.043 (weltweit: 93.202) Quelle: Ownership Steering 2009: 2008 Annual Report, Helsinki. Bei Einschluss der assoziierten Gesellschaften ergibt sich eine weltweite Gesamtpersonalst&auml;rke von aktuell (2009) 210 Tsd. Quelle: Mitteilung des zust&auml;ndigen Ministers (Jyri H&auml;k&auml;mies) vom 1. Juni 2010: <a href=\"http:\/\/www.valtionomistus.fi\/ajankohtaista\/en.jsp?oid=3202\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.valtionomistus.fi\/ajankohtaista\/en.jsp?oid=3202<\/a> (Zugriff am 15.7.2010).<\/p>\n<p>[16] &Ouml;ffentliche Arbeitgeber sind dabei nicht vollst&auml;ndig erfasst. L&uuml;cken gibt es bei Staatsunternehmen. So bei der DBAG mit im Inland rd. 190 Tsd. Besch&auml;ftigten. Auch der Sparkassenverband mit seinen Ende 2009 rd. 250 Tsd. Mitarbeitern (Quelle: Deutscher Sparkassen- und Giroverband, Zahlen und Fakten 2009) fehlt. Bei Einbezug der fehlenden Unternehmen stiege der Anteil &ouml;ffentlich Besch&auml;ftigter auf gesch&auml;tzte rd. 15 Prozent der Erwerbst&auml;tigen. Zu den noch existierenden Bundesbeteiligungen vgl. Bundesfinanzministerium 2010, Beteiligungsbericht 2009, Bonn.<\/p>\n<p>[17] Vgl. die Literaturangaben bei Heintze 2007.<\/p>\n<p>[18] Von Neuseeland sei zu lernen, wie <i>&#8222;man aus alten, ineffizienten Strukturen&#8220; <\/i>eine moderne Verwaltung&#8220; aufbaut, erkl&auml;rte etwa Ex-Bundespr&auml;sident Roman Herzog in seiner Berliner Rede &#8222;Aufbruch ins 21. Jahrhundert&#8220; vom 26. April 1997.<\/p>\n<p>[19] Quelle: OECD Economic Outlook 84 Database, Annex, Table 25.<\/p>\n<p>[20] Im Zuge der schweren Wirtschaftskrise von Anfang der 90er Jahre &#8211; zwei Gro&szlig;banken (Nordbanken und Gota) wurden verstaatlicht &#8211; schwoll der &ouml;ffentliche Sektor kurzfristig so an, dass er mehr als 4 von 10 Arbeitnehmern besch&auml;ftigte. Bis 1998 wurde dies korrigiert. Die Besch&auml;ftigtenzahl ging gegen&uuml;ber 1992 um 17 Prozent zur&uuml;ck. In der Folgedekade (1998 bis 2008) gab es wieder ein leichtes Plus.<\/p>\n<p>[21] In Norwegen weitete sich die wirtschaftliche T&auml;tigkeit &ouml;ffentlicher Unternehmen sogar aus: &#8222;There were about 3.300 public non-financial corporations at the end of 2008. (&#8230;) Since 2003, the number of publicly-owned enterprises has almost doubled. (&#8230;) Public non-financial corporations achieved some NOK 470 billion in profit before tax in 2008. (&#8230;) The corresponding figures for 2007 were NOK 354 billion (&#8230;)&#8220; (Finanzministerium, Press Release, 16 June 2010: <a href=\"http:\/\/www.ssb.no\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.ssb.no\/<\/a> english\/subjects\/12\/01\/offregn_en\/; Zugriff am 14.7.2010).<\/p>\n<p>[22] Die Berechnung vollzeit&auml;quivalenter Besch&auml;ftigung durch den Arbeitskreis &#8222;Erwerbst&auml;tigenrechnung des Bundes und der L&auml;nder&#8220; (2009) basiert auf Verwaltungsbezirken nach Wirtschaftsbereichen. Da das Inlandskonzept (Erwerbst&auml;tige nach Arbeitsort) zur Anwendung kommt, kann die Addition &uuml;ber alle Artsorte der 16 Bundesl&auml;nder als gesamtdeutscher Befund gewertet werden.<\/p>\n<p>[23] Zur Genese des Gesetzgebungsverfahren und seiner Reichweite sowie der in Norwegen monistischen Unternehmensverfassung (Board = Verwaltungsrat mit auch Vorstandsfunktionen) vgl. Storvik\/<br \/>Teigen 2010.<\/p>\n<p>[24] Daten von Statistics Denmark, Code RASOFF (Employed salary earners by time, sex, sector, industry (DB07) and scope).<\/p>\n<p>[25] &Ouml;ffentliche Leistungsanbieter kommen im Regelungsbereich der Sozialen Pflegeversicherung kaum vor. Bei der letzten Erhebung (2007) standen sie ambulant f&uuml;r 2 und station&auml;r f&uuml;r nur 6,9 Prozent der Leistungserbringung; N&auml;heres im Vergleich zu Skandinavien siehe bei Heintze 2010b.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"literatur\">Literatur <\/span><\/h2>\n<p><i>Adamy, Wilhelm <\/i>(2010): Enorme St&uuml;tzung der Besch&auml;ftigung in 2009 &#8211; einmaliger Steuer-Zuschuss f&uuml;r die BA in 2010, in: Soziale Sicherheit, 59. Jg., H. 2.: S. 52-63.<\/p>\n<p><i>Arbeitskreis Erwerbst&auml;tigenrechnung des Bundes und der L&auml;nder<\/i> (2009): Erwerbst&auml;tige in Vollzeit&auml;quivalenten in den kreisfreien St&auml;dten und Landkreisen der Bundesrepublik Deutschland 1999 bis 2007 (<a href=\"http:\/\/www.hsl.de\/erwerbstaetigenrechnung\/Veroeffentlichungen.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.hsl.de\/erwerbstaetigenrechnung\/Veroeffentlichungen.htm<\/a>).<\/p>\n<p><i>Bosch, Gerhard <\/i>(2010): Besch&auml;ftigung und Mindestl&ouml;hne. Neue Ergebnisse der empirischen Mindestlohnforschung, in: WSI Mitteilungen, H. 8, S. 404-411.<\/p>\n<p><i>Bosch, Gerhard\/Kalina, Thorsten <\/i>(2007): Niedrigl&ouml;hne in Deutschland. Zahlen, Fakten, Ursachen, in: Bosch, Gerhard, Weinkopf, Claudia (Hg.): Arbeiten f&uuml;r wenig Geld. Niedriglohnbesch&auml;ftigung in Deutschland, Frankfurt a. M.: S. 20-105.<\/p>\n<p><i>Dathe, Dietmar\/Hohendanner, Christian\/Priller, Eckard<\/i> (2009): Wenig Licht, viel Schatten &#8211; der Dritte Sektor als arbeitsmarktpolitisches Experimentiertfeld, WZBBrief Arbeit 03\/Oktober.<\/p>\n<p><i>Davoine, L.\/Erhel, C.\/Guergoat, M.<\/i> (2008): A Taxonomy of European Labour Marktes using Quality Indicators. A. project financed by Directorate-General for employment, Social affairs and Equal opportunities.<\/p>\n<p><i>D&uuml;ll, Herbert<\/i> (2006): Arbeitsanreize im Kontext des Steuer-Transfer-Systems: Ein ausgew&auml;hlter internationaler Vergleich, in: Bundesarbeitsblatt, H. 4, S. 4-16.<\/p>\n<p><i>Goebel, Jan\/Gornig, Martin\/H&auml;u&szlig;ermann, Hartmut<\/i> (2010): Polarisierung der Einkommen. Die Mittelschicht verliert. DIW-Wochenbericht Nr. 24\/2010 (16.06.2010), S. 1-8.<\/p>\n<p><i>Heintze, Cornelia<\/i> (2007): Der Staat als Arbeitgeber im skandinavisch-deutschen Vergleich. Empirische Befunde und theoretische Anmerkungen, in: Berliner Debatte Initial 18 (2007), H. 3: S. 79-94.<\/p>\n<p><i>Heintze, Cornelia<\/i> (2010a): Statistische Erfassung der &ouml;ffentlichen Bildungsfinanzierung: Deutschland im internationalen Vergleich; Studie im Auftrag der Max-Traeger-Stiftung, Leipzig im Februar 2010, 238 S. (<a href=\"http:\/\/www.gew.de\/Binaries\/Binary62542\/Heintze-Studie_akt.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.gew.de\/Binaries\/Binary62542\/Heintze-Studie_akt.pdf<\/a>).<\/p>\n<p><i>Heintze, Cornelia<\/i> (2010b): Bew&auml;ltigung des demografischen Wandels: Hilfs- und Pflegeleistungen f&uuml;r &Auml;ltere. Ein deutsch-skandinavischen Vergleich, in: Soziale Sicherheit , H. 8, S. 263-269.<\/p>\n<p><i>Holst, Elke\/Wiemer, Anita <\/i>(2010): Frauen in Spitzengremien gro&szlig;er Unternehmen weiterhin massiv unterrepr&auml;sentiert, DIW Wochenbericht, Nr. 4\/2010 (27.01.2010), S. 2-10.<\/p>\n<p><i>Joebges, Heike\/Schmalzbauer, Andreas\/Zweiner, Rudolf<\/i> (2009): Der Preis f&uuml;r den Exportweltmeister Deutschland: Reallohnr&uuml;ckgang und geringes Wirtschaftswachstum, IMK Study Nr. 4, August 2009.<\/p>\n<p><i>Ministry of Finance (Norway) <\/i>fortlauf.: The States ownership report 2006 fortlauf.<\/p>\n<p><i>OECD <\/i>(2008): Growing Unequal? Income Distribution and Poverty in OECD Countries, Paris<\/p>\n<p><i>OECD <\/i>2009 (Verfasser: Thomas Liebig): The Labour Market Integration of Immigrants and their children in Norway, S. 46ff.<\/p>\n<p><i>Pedersini, Roberto\/Coletto, Diego<\/i> (2010): Self-employed workers: Industrial relations and Working Conditions, Hg. von European Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions, Dublin: <a href=\"http:\/\/www.eurofound.europa.eu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.eurofound.europa.eu<\/a>.<\/p>\n<p><i>Seifert, Hartmut\/Tangian Andranik<\/i> (2009): Index &#8222;Qualit&auml;t der Arbeit. Nordische L&auml;nder und Deutschland im Vergleich, in: WSI Mitteilungen, H. 1, S. 52-57.<\/p>\n<p><i>Statistics Denmark<\/i> <a href=\"http:\/\/www.statbank.dk\/statbank5a\/default.asp?w=1024(Zugang\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.statbank.dk\/statbank5a\/default.asp?w=1024(Zugang<\/a> &uuml;ber Password).<\/p>\n<p><i>Statistics Finland <\/i><a href=\"http:\/\/www.stat.fi\/index_en.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.stat.fi\/index_en.html<\/a>; <a href=\"http:\/\/www.kela.fi\/in\/internet\/english.nsf\/NET\/081008142735AS?OpenDocument\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.kela.fi\/in\/internet\/english.nsf\/NET\/081008142735AS?OpenDocument<\/a> (KELA).<\/p>\n<p><i>Statistics Norway<\/i> (2009): National Accounts 1970 bis 2008, Official Statistics D 426, Oslo und Konsgvinger.<\/p>\n<p><i>Statistisches Bundesamt<\/i> fortlaufend bis 2010: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen, Inlandsproduktrechnung, detaillierte Jahresergebnisse, Fachserie 18, Reihe 1.4, Wiesbaden.<\/p>\n<p><i>Statistisches Bundesamt <\/i>Fachserie 14 Finanzen und Steuern. Reihe 6 Personal des &ouml;ffentlichen Dienstes, Jahrg&auml;nge 1998 &#8211; 2009 fortlaufend, Wiesbaden.<\/p>\n<p><i>Storvik, Aagoth\/Teigen, Mari<\/i> (2010): Das norwegische Experiment &#8211; eine Frauenquote f&uuml;r Aufsichtsr&auml;te, FES (Internationale Politik), Juni 2010.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[2193],"publikationen":[2826],"class_list":["post-11819","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-cornelia-heintze","publikationen-191-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Das skandinavische Vorbild - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/191-vorgaenge\/publikation\/das-skandinavische-vorbild\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Das skandinavische Vorbild - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Zur Rolle des Staates als Arbeitgeber aus: vorg&auml;nge Nr. 191, Heft 3\/2010, S. 50-61 In der aktuellen Weltwirtschaftskrise zeigt sich der deutsche Arbeitsmarkt robust. 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