{"id":11821,"date":"2010-09-01T20:10:00","date_gmt":"2010-09-01T18:10:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/neue-landnahme\/"},"modified":"2021-08-24T21:54:07","modified_gmt":"2021-08-24T19:54:07","slug":"neue-landnahme","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/191-vorgaenge\/publikation\/neue-landnahme\/","title":{"rendered":"Neue Landnahme?"},"content":{"rendered":"<p>Der Kapitalismus in der \u00f6kologisch-\u00f6konomischen Doppelkrise,<\/p>\n<p>aus: vorg\u00e4nge Nr. 191, Heft 3\/2010, S. 80-91<\/p>\n<p>Eben noch von der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise gebeutelt, scheint das &#8222;Modell Deutschland&#8220; derzeit in neuem Glanz zu erstrahlen. Trotz des tiefsten wirtschaftlichen Einbruchs seit 1949 konnte ein dramatisches Ansteigen der Massenarbeitslosigkeit verhindert werden. Mehr noch, seit die Konjunktur sich belebt, sinkt die Arbeitslosigkeit, Wachstumsprognosen werden nach oben korrigiert und mitunter ist gar von Vollbesch\u00e4ftigung die Rede. War die globale Wirtschafts- und Finanzkrise also doch nur ein Sturm im Wasserglas? Kam sie zur rechten Zeit, um gesellschaftliche Fehlentwicklungen zu korrigieren? Und hat der &#8222;gute Kapitalismus&#8220;[1] nun doch wieder eine Chance? Um es vorab zu sagen: Ich hege Zweifel. Zwar kann progressive Reformpolitik zumindest in f\u00fcr sie g\u00fcnstigen historischen Phasen in einen besseren Kapitalismus m\u00fcnden, doch das Leitbild eines &#8222;guten Kapitalismus&#8220; f\u00fchrt analytisch wie politisch in die Irre. Stattdessen gilt, dass selbst Reformpolitiken <i>im <\/i>Kapitalismus nur dann eine Chance besitzen, wenn ihnen eine Kritik den Weg ebnet, die den expansionistischen &#8222;Urtrieb&#8220; des Kapitalismus ins Visier nimmt.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"i-was-bedeutet-kapitalistische-landnahme\">I. Was bedeutet kapita&shy;lis&shy;ti&shy;sche Landnahme? <\/span><\/h2>\n<p>Zur Begr\u00fcndung dieser Sichtweise sei zun\u00e4chst das Theorem kapitalistischer Landnahmen skizziert. Nach der hier vertretenen Auffassung l\u00e4sst sich der Kapitalismus nicht auf ein gesellschaftliches Teilsystem, auf die Wirtschaft reduzieren. Es handelt sich um eine Gesellschaftsformation in der das \u00f6konomische Funktionssystem allen anderen Sektoren eine spezifische social order, eine Basisregel aufherrscht.[2] Auf die Formel GW-G&#8216; gebracht, dr\u00fcckt diese Basisregel aus, dass es sich beim Kapitalismus im Grunde um ein &#8222;absurdes System&#8220; handelt, in welchem die gro\u00dfe Masse der Produzenten ihre Eigentumsrechte an den erzeugten Produkten verloren hat, w\u00e4hrend die vergleichsweise kleine Zahl von Kapitalisten an einen abstrakten, von konkreten Konsumbed\u00fcrfnissen und Gebrauchswerten vollst\u00e4ndig abgekoppelten Prozess gekettet bleibt, der ausschlie\u00dflich auf die Selbstverwertung von Wert, auf die Mehrung von Kapital um seiner selbst Willen zielt.[3] Dennoch gelingt es immer wieder, nicht nur die Kapitalisten, sondern die breite Masse f\u00fcr eine Beteiligung an diesem System zu motivieren. Offenbar stattet ein besonderer &#8222;Geist des Kapitalismus&#8220; die Erwerbsarbeit wie auch andere systemfunktionale Aktivit\u00e4ten mit Sinn aus. Individuen und soziale Gruppen eignen sich jene Motivationen, Techniken, Denk- und Handlungsschemata an, die sie in ihrer konkreten Lebenssituation \u00fcberhaupt erst handlungsf\u00e4hig machen. Dies kann gelingen, weil zwischen Handlungsmotiven der gesellschaftlichen Akteure und den systemischen Erfordernissen der Kapitalreproduktion Institutionensysteme und Regulationsweisen vermitteln, die den kapitalistischen Akteuren unter den Bedingungen spezifisch-historischer Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse bestimmte Handlungsstrategien nahe legen und andere eher unwahrscheinlich machen.<\/p>\n<p>Diese Minimaldefinition kapitalistischer Gesellschaftsformationen w\u00e4re jedoch unvollst\u00e4ndig, wenn nicht eine weitere Bestimmung hinzugef\u00fcgt w\u00fcrde: Kapitalismus kann sich nicht entwickeln, ohne fortw\u00e4hrend &#8222;neues Land&#8220; in Besitz zu nehmen und soziale Akteure in diesen Landnahmeprozessen zu systemfunktionalem Handeln zu motivieren.[4] Kapitalistische Entwicklung ist somit best\u00e4ndig auf die Okkupation eines &#8222;Au\u00dfen&#8220;, eines nichtkapitalistischen Anderen angewiesen. Diese Dialektik, die Marx in seiner Skizze zur urspr\u00fcnglichen Akkumulation des Kapitals zu einem historisch begrenzten \u00dcbergangsph\u00e4nomen erkl\u00e4rte, ist von so unterschiedlichen Theoretikerinnen wie Rosa Luxemburg und Hannah Arendt als konstitutives Merkmal jeglicher kapitalistischer Entwicklung beschrieben worden. Danach besitzen Landnahmeprozesse stets ein <i>Doppelgesicht<\/i>. Die eine Entwicklung setzt sich in den Produktionsst\u00e4tten des Mehrwerts, in den Fabriken, der durchkapitalisierten Landwirtschaft und auf den Warenm\u00e4rkten durch. Hier reproduziert sich der Kapitalismus weitgehend auf seinen eigenen Grundlagen. Die andere Entwicklung bricht sich in Austauschbeziehungen zwischen der Kapitalakkumulation einerseits und nichtkapitalistischen Produktionsweisen und Territorien anderseits Bahn. Landnahme ist nach dieser Auffassung ein st\u00e4ndiger Prozess, der darauf zielt, die Grenzen kapitalistischer Akkumulation, die durch &#8222;\u00e4u\u00dfere&#8220; M\u00e4rkte, durch menschliche und au\u00dfermenschliche Natur gesetzt werden, zu verschieben und zumindest zeitweilig zu \u00fcberwinden. Kapitalistische Entwicklung beinhaltet somit einen strukturellen Wachstumszwang. Der einzelne Kapitalist kann nur bei Strafe seines eigenen Untergangs darauf verzichten, seine Produktionsmittel best\u00e4ndig zu verbessern und seinen Output zu erweitern. Die Gesamtproduktion tendiert permanent dazu, der zahlungsf\u00e4higen Nachfrage vorauszueilen und die stoffliche Produktf\u00fclle eilt der Wertsteigerung wegen des Produktivit\u00e4tsfortschritts tendenziell voraus. Die daraus erwachsenden Spannungen erkl\u00e4ren f\u00fcr Luxemburg die &#8222;widerspruchsvolle Erscheinung&#8220;, wonach &#8222;die alten kapitalistischen L\u00e4nder f\u00fcreinander (einen, KD) immer gr\u00f6\u00dferen Absatzmarkt darstellen, f\u00fcreinander immer unentbehrlicher werden und zugleich einander immer eifers\u00fcchtiger als Konkurrenten in Beziehungen mit nichtkapitalistischen L\u00e4ndern bek\u00e4mpfen&#8220;.[5] Sie sind die Ursache f\u00fcr imperialistischen Expansionismus.<\/p>\n<p>Problematisch ist vor allem die zusammenbruchstheoretische Implikation dieser Version der Landnahmethese. Die Durchkapitalisierung &#8222;\u00e4u\u00dferer M\u00e4rkte&#8220; erscheint bei Luxemburg als ein Prozess, der an einem fernen Fluchtpunkt zum Ende kommen muss, denn ohne ein okkupierbares &#8222;Au\u00dfen&#8220; kein Kapitalismus. Es gibt jedoch eine alternative Lesart des Landnahmetheorems. Danach sind die kapitalistischen Akteure in der Lage, strukturelle Entwicklungsblockaden zeitweilig zu \u00fcberwinden, weil sie sich in konkreten Raum-Zeit-Relationen stets auf ein &#8222;Au\u00dfen&#8220; beziehen k\u00f6nnen, das sie teilweise selbst mit produziert haben: Der &#8222;Kapitalismus kann entweder ein bereits bestehendes &#8218;Au\u00dfen&#8216; nutzen (nichtkapitalistische Gesellschaften oder ein bestimmtes Gebiet innerhalb des Kapitalismus &#8211; wie etwa die Bildung -, das noch nicht kommodifiziert worden ist) oder ein solches aktiv herstellen.&#8220;[6]<\/p>\n<p><i>Aktive Herstellung<\/i> eines &#8222;Au\u00dfen&#8220; bedeutet, dass die Kette der Landnahmen prinzipiell unendlich ist. Die &#8222;Sprengung rein \u00f6konomischer Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit durch politisches Handeln&#8220;[7] kann und muss sich auf erweiterter Stufenleiter best\u00e4ndig wiederholen. Ja, die Dynamik des Kapitalismus beruht geradezu auf der F\u00e4higkeit zur Produktion und Zerst\u00f6rung von Raum in der Zeit. Mit Investitionen in Maschinen, Fabriken, Arbeitskr\u00e4fte und Infrastruktur geht das Kapital r\u00e4umliche Bindungen ein, die es nicht l\u00f6sen kann, ohne Kosten und Reibungen zu verursachen. Dabei f\u00e4llt Investitionen, die der \u00f6konomischen Erschlie\u00dfung von R\u00e4umen dienen &#8211; z. B. Finanzmittel f\u00fcr Verkehrsverbindungen und Trassen, zur Erschlie\u00dfung von Rohstoffen oder auch Investitionen in Aus- und Weiterbildung, Arbeits- und Gesundheitsschutz &#8211; eine besondere Funktion zu. Solche Investitionen amortisieren sich nur \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume, d. h. sie werden dem prim\u00e4ren Kapitalkreislauf (unmittelbarer Konsum) zeitweilig entzogen und in den sekund\u00e4ren (Kapital f\u00fcr die Produktionsmittel, Bildung von Mitteln f\u00fcr den Konsum wie z. B. Wohnungen) oder den terti\u00e4ren Kreislauf (z. B. Ausgaben f\u00fcr Forschung, Entwicklung, Soziales) umgeleitet. Dabei ist keineswegs sicher, dass sich solche Investitionen \u00fcberhaupt rentieren. Deshalb springt h\u00e4ufig der Staat als ideeller Gesamtkapitalist ein, wenn es darum geht, entsprechende Langzeitinvestitionen vorzunehmen. Auf diese Weise entsteht f\u00fcr die molekularen einzelkapitalistischen Operationen ein &#8222;Au\u00dfen&#8220;, eine Sph\u00e4re, die f\u00fcr private Akkumulation unzug\u00e4nglich ist, aber zur Verbesserung wirtschaftlicher Leistungsf\u00e4higkeit genutzt werden kann. In dem Ma\u00dfe, wie solche Einhegungen der Marktvergesellschaftung zum Hindernis der Kapitalverwertung werden, provozieren sie indessen Versuche zur Lockerung oder gar zur Beseitigung zuvor realisierter raum-zeitlicher Fixierung von Kapital. Wo die Beseitigung solcher Fixierungen, etwa im Gefolge von Internationalisierungsprozessen, zu Deindustrialisierung, zu wirtschaftlichem Niedergang, Massenarbeitslosigkeit und Armut f\u00fchrt, entsteht wiederum ein &#8222;Au\u00dfen&#8220; &#8211; verw\u00fcstete Regionen und brachliegende Arbeitskraft, die sich in einer sp\u00e4teren Entwicklungsphase als Objekte langfristiger Reparaturinvestitionen eignen.<\/p>\n<p>Diese Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen kann allerdings zur Konservierung und Institutionalisierung von <i>sekund\u00e4rer Ausbeutung <\/i>genutzt werden. Sekund\u00e4r meint in diesem Fall keineswegs weniger schmerzhaft, weniger brutal oder weniger wichtig. Symptomatisch f\u00fcr Formen sekund\u00e4rer Ausbeutung ist vielmehr, dass die Rationalit\u00e4t des \u00c4quivalententauschs, die prim\u00e4re kapitalistische Ausbeutung strukturiert, nicht oder nur mit Einschr\u00e4nkungen gilt. Die Funktionalisierung der Reproduktionsarbeit von Frauen oder die Installierung eines transitorischen Status f\u00fcr Migranten sind klassische Beispiele f\u00fcr die Funktionsweise sekund\u00e4rer Ausbeutung. Von sekund\u00e4rer Ausbeutung kann somit immer dann gesprochen werden, wenn symbolische Formen und staatlich politisch vermittelter Zwang eingesetzt werden, um Innen-Au\u00dfen-Differenzen mit dem Ziel zu konservieren, den Preis f\u00fcr die Arbeitskraft bestimmter sozialer Gruppen unter ihren Wert zu dr\u00fccken oder diese Gruppen aus dem eigentlichen kapitalistischen Ausbeutungsverh\u00e4ltnis auszuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Dies vor Augen, l\u00e4sst sich der Stellenwert von <i>Prekarisierungsprozessen <\/i>f\u00fcr die \u00f6konomische Rationalit\u00e4t des Kapitalismus pr\u00e4ziser fassen. Der Reservearmeemechanismus, den Marx im ersten Band des &#8222;Kapitals&#8220; analysiert[8], ist gewisserma\u00dfen eine der staatlichen De-Kommodifizierung entgegengesetzte Form der aktiven Herstellung eines &#8222;Au\u00dfen&#8220;. Die industrielle Reservearmee in ihren verschiedenen Erscheinungsformen l\u00e4sst sich in Phasen anziehender Konjunktur nutzen, um zus\u00e4tzliche Arbeitskr\u00e4fte zu mobilisieren. Besonders in Krisenzeiten stellen die von der kapitalistischen Produktion Ausgeschlossenen ein Druckpotential dar, das eingesetzt werden kann, um die Arbeitskosten m\u00f6glichst gering zu halten.[9] Die soziale Frage kennt in der Marxschen Lesart somit immer schon ein &#8222;Innen&#8220; und ein &#8222;Au\u00dfen&#8220;. &#8222;Innen&#8220; steht Ausbeutung, die private Aneignung eines kollektiv erzeugten Mehrwerts im Zentrum; &#8222;au\u00dfen&#8220; geht es um das Herabdr\u00fccken von Einkommen und Lebensbedingungen unterhalb von Standards der Klasse, um \u00dcberausbeutung und im Extremfall um vollst\u00e4ndige Brachlegung des Arbeitsverm\u00f6gens, um den Ausschluss von Erwerbsarbeit und Lebenschancen.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"ii-die-finanzkapitalistische-landnahme\">II. Die finanz&shy;ka&shy;pi&shy;ta&shy;lis&shy;ti&shy;sche Landnahme &hellip; <\/span><\/h2>\n<p>Wie l\u00e4sst sich das Landnahmetheorem f\u00fcr eine Analyse des zeitgen\u00f6ssischen Kapitalismus fruchtbar machen? Meine These ist, dass mit den 1970er Jahren ein finanzkapitalistisch getriebener Landnahmezyklus eingesetzt hat, der in der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008\/09 an sein (vorl\u00e4ufiges) Ende gelangt ist.[10] Die Besonderheit dieses Landnahmezyklus l\u00e4sst sich herausarbeiten, wenn man ihn mit seinem Vorl\u00e4ufer kontrastiert. Als Folge des fordistischen Landnahmezyklus[11] war es nicht nur zu einem historisch einmaligen Anstieg der L\u00f6hne gekommen; erstmals in der Geschichte hatte sich in den Zentren ein &#8222;Kapitalismus ohne Reservearmee&#8220;[12] herausgebildet. Die damit verbundene Marginalisierung von Armut und Prekarit\u00e4t forderte allerdings ihren Preis. Die fordistische Landnahme verdr\u00e4ngte Produkte und Leistungen des traditionellen Sektors sukzessive aus den Lebensbedarfen der Lohnabh\u00e4ngigen, und sie mobilisierte Arbeitskr\u00e4fte aus dem nichtkapitalistischen Bereich f\u00fcr die Industrie und die moderne Dienstleistungsproduktion. Sich wechselseitig verst\u00e4rkend, bewirkten beide Prozesse eine &#8222;fortschreitende Zerst\u00f6rung der bisher f\u00fcr den traditionellen Sektor konstitutiven Strukturen, Produktionsweisen, Lebensformen und Verhaltensorientierungen&#8220;. Diese &#8222;innere Landnahme&#8220; kann durchaus mit der &#8222;\u00e4u\u00dferen Landnahme&#8220; des Imperialismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts verglichen werden&#8220;.[13] Da die Absorption des traditionalen Sektors irreversibel war, musste das Ende dieses Landnahmezyklus jedoch unweigerlich zu systemischen Instabilit\u00e4ten f\u00fchren.<\/p>\n<p>Burkart Lutz, der dies prognostizierte, konnte allerdings noch nicht jene Selbststabilisierungskr\u00e4fte antizipieren, die die dominanten kapitalistischen Akteure in den Transformationskrisen der sp\u00e4ten 60er und fr\u00fcher 70er Jahre mobilisierten. Dazu z\u00e4hlten nicht allein technologische (Informations- und Kommunikationstechnologie) und organisatorische Innovationen (Dezentralisierung von Unternehmen). Es gelang vor allem, neue soziale Bed\u00fcrfnisse und Lebensformen, wie sie zun\u00e4chst in den oppositionellen Bewegungen nach 1968 artikuliert wurden, f\u00fcr einen &#8222;neuen Geist des Kapitalismus&#8220;, eine Angriffsideologie \u00f6konomisch-politischer Eliten, zu vereinnahmen, die sich unmittelbar gegen jene Formen institutionalisierter Lohnabh\u00e4ngigenmacht richteten, wie sie in unterschiedlichen nationalen Auspr\u00e4gungen die social order des expandierenden Wohlfahrtskapitalismus bestimmt hatten.[14] Grob verk\u00fcrzt kann man von einer dreifachen Landnahme sprechen. Au\u00dferhalb der kapitalistischen Zentren war der neue Landnahmezyklus (1) mit Durchsetzung und Expansion des Kapitalismus vor allem in Osteuropa und den so genannten BRIC-Staaten (Brasilien, China, Indien, Russland) verbunden. Innerhalb der Zentren wurde die Durchdringung zuvor nichtkapitalistischer R\u00e4ume und Territorien (2) genutzt, um die raum-zeitlichen Fixierungen von Kapital aus der \u00c4ra des sozial-b\u00fcrokratischen Kapitalismus aufzubrechen. W\u00e4hrend die Expansion au\u00dferhalb der Zentren teilweise auf einer Adaption &#8222;fordistischer&#8220; Praktiken und Institutionen beruhte, erfolgte die Restrukturierung innerhalb der kapitalistischen Zentren (3) \u00fcber die Durchsetzung prim\u00e4r konkurrenzbasierter Normen und Leitbilder. Als <i>finanzgetrieben <\/i>l\u00e4sst sich dieser Landnahmezyklus bezeichnen, weil sich seine InnenAu\u00dfen-Dialektik unter den Bedingungen einer zunehmenden Verflechtung, informationstechnologischen Durchdringung und relativen Verselbst\u00e4ndigung verschiedener Finanzmarktsegmente vollzog.15 \u00dcberliquidit\u00e4t auf den Finanzm\u00e4rkten wurde zum Humus, auf dem die Verwandlung von Finanz-(Synthese von Sach- und Geldkapital) in fiktives (allein auf zertifizierten Forderungen von Gl\u00e4ubigern beruhendes) Kapital gedieh. G, ausgedr\u00fcckt in Wertpapieren, wurde vom Zahlungs- und Kreditmittel mehr und mehr zu einem reinen Spekulationsobjekt, eingesetzt mit dem Ziel, G&#8216;, mehr Geld, zu realisieren. Das freilich unter Ausblendung von komplexen Arbeitsprozessen, die, gemeinsam mit der au\u00dfermenschlichen Natur, alleinige Quelle von Gebrauchswerten sind.<\/p>\n<p>Von <i>Landnahme <\/i>kann gesprochen werden, weil diese Entwicklung, deren Ausgangspunkt strukturelle \u00dcberkapazit\u00e4ten in den exportorientierten Leitbranchen waren, \u00fcber eine F\u00fclle von <i>Transfermechanismen <\/i>auf die Realwirtschaft zur\u00fcckwirkten. Als Transfermechanismen fungierten z. B. der Markt f\u00fcr Unternehmenskontrolle, Fusionen,\u00dcbernahmen, die Shareholder-Value-Steuerung von Unternehmen, Gewinn- oder Renditevorgaben als Hebel organisationsinterner Finanzialisierung oder auch permanente Standortkonkurrenzen. \u00dcber eine Vielzahl molekularer Operationen und Ver\u00e4nderungen wurde ein Rationalit\u00e4tsprinzip hegemonial, das \u00f6konomische Operationen einem finanzkapitalistischen Kalk\u00fcl (Priorisierung von H\u00f6chstrenditen und Maximalprofiten, Intensivierung der Konkurrenz auf vermachteten M\u00e4rkten und innerhalb von Unternehmen) unterwarf. Neue Eigent\u00fcmer wie Investment- oder Pensionsfonds, die selbst in scharfer Konkurrenz zueinander standen, motivierten das strategief\u00e4hige Management weltmarktorientierter Unternehmen, kurzfristigen Gewinnerwartungen zu entsprechen. Doch das war nur ein Teil des Problems. Der Markt f\u00fcr Unternehmenskontrolle, wie er in Deutschland erst auf Grund der Finanzmarktgesetzgebung der Regierung Schr\u00f6der entstanden war, konstituierte einen M\u00f6glichkeitsraum, den das Top-Management international agierender Konzerne nutzte, um Unsicherheit in Kontroll- und Verhandlungsmacht zu transformieren. Mitunter gen\u00fcgte bereits die Androhung einer feindlichen \u00dcbernahme, um Belegschaften und Manager gef\u00fcgig zu machen. Das Ziel, eine hohe Eigenkapitalrendite zu erwirtschaften, wurde mit Verweisen auf Eigent\u00fcmer-Interessen legitimiert, zugleich aber auch f\u00fcr die Durchsetzung von Partialinteressen des Unternehmensmanagements genutzt. Im exportorientierten Sektor bildete sich auf diese Weise eine Wirtschaft heraus, in der Rendite und Gewinn nicht mehr als Resultate \u00f6konomischer Leistungsf\u00e4higkeit betrachtet, sondern als Planungsgr\u00f6\u00dfen vorausgesetzt wurden. Belegschaftsst\u00e4rken, L\u00f6hne, Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen hatten sich fortan dieser Zielsetzung unterzuordnen. Damit gerieten auch solche Werke, Betriebe und Betriebsteile unter Druck, die, obwohl profitabel, der Konkurrenz um hohe Eigenkapitalrenditen nicht standhalten k\u00f6nnen. Solche Einheiten waren fortan rasch von Verkauf, Schlie\u00dfung oder zumindest von harschen Kostensenkungsprogrammen bedroht.<\/p>\n<p><i>Landnahme <\/i>bedeutete in diesem Kontext aber auch, dass eine auf das Konkurrenzprinzip und die Gewinnmaximierung reduzierte Rationalit\u00e4t tendenziell auf die gesamte Gesellschaft \u00fcbertragen wurde. In der Konkurrenz um staatliche F\u00f6rdermittel traten Mikroregionen als kollektive Unternehmer gegeneinander an, um g\u00fcnstige Voraussetzungen f\u00fcr die Abfederung des wirtschaftlichen Strukturwandels zu schaffen. \u00dcber die Kreditierung und die Bilanzierungsverfahren strahlte die finanzkapitalistische Logik auf den klein- und mittelbetrieblichen Sektor aus. In den Betrieben sollten Besch\u00e4ftigte zu Managern ihrer eigenen Gesundheit werden, um die Unternehmen von Kosten zu entlasten. Arbeitsverwaltungen machten aus Langzeitarbeitslosen &#8222;Kunden&#8220;, die unter dem Druck strenger Zumutbarkeitsregeln ein unternehmerisches Verh\u00e4ltnis zu ihrem Arbeitsverm\u00f6gen entwickeln sollten.<\/p>\n<p>Nicht einmal die Hochschulen blieben von der Wettbewerbsorientierung verschont. L\u00e4ngst hat sich das Leitbild der unternehmerischen Universit\u00e4t, die nach Zielvereinbarungen gef\u00fchrt und an ihrer Outputeffizienz gemessen wird, als verbindlicher Ma\u00dfstab f\u00fcr Hochschulreform etabliert. Damit hielt auch in Deutschland ein Academic Capitalism Einzug, der im Ergebnis die akademische Gesamtarbeitskraft tief greifend ver\u00e4nderte. H\u00e4ufig noch innerhalb der \u00fcberkommenen institutionellen H\u00fcllen ereignete sich auf diese Weise in Deutschland ein zun\u00e4chst gradueller, in seinen l\u00e4ngerfristigen Konsequenzen jedoch qualitativer Wandel des Gesellschaftsmodells.<\/p>\n<p>Das wird deutlich, wenn man den Blick auf den Arbeitsmarkt und die Arbeitsbeziehungen richtet. Den Druck geplanter Rendite- und Gewinnmargen gaben marktbeherrschende Unternehmen nicht nur an F\u00fchrungskr\u00e4fte und Belegschaften weiter, auch Zulieferunternehmen und mit ihnen abh\u00e4ngige Segmente kleinerer und mittlerer Betriebe wurden erfasst. Um ein an den Konjunkturverlauf angepasstes &#8222;Atmen&#8220; von Unternehmen zu erm\u00f6glichen, gewannen flexible Besch\u00e4ftigungsformen wie Befristungen, Werkvertr\u00e4ge und Leiharbeit in den Wertsch\u00f6pfungssystemen zunehmend an Bedeutung. Um geplante Eigenkapitalrenditen in Gr\u00f6\u00dfenordnungen um 25 Prozent (Deutsche Bank) zu erm\u00f6glichen, suchten Unternehmen aus der Flexibilisierung und Prekarisierung von Arbeit Extragewinne zu ziehen. Da entsprechende Wettbewerbsvorteile leicht zu kopieren und daher nur fl\u00fcchtig waren, musste der &#8222;Motor&#8220; dieser Art von Landnahme best\u00e4ndig durch neue Unterbietungskonkurrenzen, Ausgr\u00fcndungen, Auslagerungen, Deregulierungen, durch Lohndumping und mittels Verrohung der Arbeitsm\u00e4rkte in Gang gehalten werden. Die &#8211; planm\u00e4\u00dfig vorausgesetzte &#8211; Stabilit\u00e4t von Aktion\u00e4rseinkommen und Gewinnen zog so eine wachsende Unsicherheit der Arbeitsverh\u00e4ltnisse nach sich.<\/p>\n<p>Staatliche Politiken haben den Re-Kommodifizierungsdruck, der von den Flexibilisierungsstrategien der Unternehmen ausging, zus\u00e4tzlich verst\u00e4rkt. In Deutschland hat ausgerechnet die rot-gr\u00fcne Bundesregierung dieses Projekt besonders vehement vorangetrieben. Auf mindestens zwei Feldern hat sie, gleichsam als politischer Wegbereiter und Verst\u00e4rker flexibler Akkumulation, Weichenstellungen vorgenommen, die bei einer konservativen Regierung m\u00f6glicherweise auf weitaus gr\u00f6\u00dferen Widerstand gesto\u00dfen w\u00e4ren. Gemeint sind die Pionierarbeiten bei der Deregulierung der Finanz- und der Arbeitsm\u00e4rkte. Zwar m\u00fcndete die Entfesselung der finanzkapitalistischen Wettbewerbslogik nicht in einen Vermarktlichungsautomatismus. Gerade in Deutschland rieben sich Politiken, die auf eine St\u00e4rkung der Marktkoordination zielten, an sperrigen institutionellen Filtern und konkurrierenden Teilrationalit\u00e4ten. Dennoch wurde die gesellschaftliche Regulationsweise tief greifend umgeformt.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"iii-ihre-sozialen-auswirkungen\">III. &hellip; ihre sozialen Auswir&shy;kun&shy;gen&hellip; <\/span><\/h2>\n<p>Die politisch-gesellschaftliche Legitimation der Ver\u00e4nderungen beruhte nicht zuletzt darauf, dass sie als Befreiungsprojekte pr\u00e4sentiert wurden, die patriarchale Herrschaft, st\u00e4ndische Privilegien und b\u00fcrokratische Kontrolle zu attackieren vorgaben. Zu Recht hat Wolfgang Streeck darauf hingewiesen, dass der nachfordistische Landnahmezyklus auch an der Familie und den Geschlechterbeziehungen ansetzte. In Westdeutschland wurden diskriminierende Strukturen geschliffen, die Dominanz des Ein-Ern\u00e4hrer-Haushaltes aufgebrochen und Partnerschaftsmodelle liberalisiert. Das erm\u00f6glichte eine bessere Integration von Frauen in das Bildungs- und Besch\u00e4ftigungssystem. Diese von der Frauenbewegung ma\u00dfgeblich gef\u00f6rderte Entwicklung ging jedoch auch mit nicht-intendierten Effekten einher. Unter den Bedingungen der finanzkapitalistischen Landnahme lie\u00dfen sich emanzipatorische Anliegen der feministischen Bewegung f\u00fcr eine Prekarisierung der Arbeits- und Lebensverh\u00e4ltnisse instrumentalisieren. Das weibliche Erwerbspersonenpotential konnte und kann bis heute trefflich dazu genutzt werden, jenen Reservearmeemechanismus zu reinstallieren, der in den kapitalistischen Zentren mit ihren organisierten Arbeitsm\u00e4rkten au\u00dfer Kraft gesetzt schien.[16]<\/p>\n<p>Letzteres war m\u00f6glich, weil die dominanten kapitalistischen Akteure(Unternehmen,Eigent\u00fcmer, Top-Manager) die Option, Konkurrenzf\u00e4higkeit mittels \u00dcberausbeutung und Verrohung des Arbeitsmarktes herzustellen, offensiv nutzten. Sie konnten dies, weil Frauen sich vergleichsweise leicht mit prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnissen arrangierten. Und sie w\u00e4hlten diese Option auch, weil rekommodifizierende Arbeitsmarkt- und Sozialpolitiken einen solch asymmetrischen Aufbau weiblicher Besch\u00e4ftigung beg\u00fcnstigten. Als Folge (nicht nur) der Feminisierung von Erwerbsarbeit ist eine Arbeitsgesellschaft mit zuvor unbekannten sozialen Spaltungen entstanden. Dies nicht allein wegen der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich. Auch innerhalb und zwischen sozialen Gruppen, die &#8211; sei es unmittelbar, sei es indirekt &#8211; auf eine abh\u00e4ngige Arbeit angewiesen sind, wachsen die Ungleichheiten. Ein wesentlicher Faktor ist die unterschiedliche Verf\u00fcgbarkeit von &#8222;Sozialeigentum&#8220;[17].<\/p>\n<p>So ist die Niedriglohnbesch\u00e4ftigung in Deutschland weitaus st\u00e4rker expandiert ist als in jedem anderen europ\u00e4ischen Land. Inzwischen sind ca. 23 Prozent der Erwerbst\u00e4tigen im Niedriglohnsektor t\u00e4tig, d. h. sie verdienen weniger als zwei Drittel des Medianlohns. Insgesamt 42,6 Prozent der Niedriglohnbezieher arbeiten in einem Normalarbeitsverh\u00e4ltnis (sozialversicherungspflichtig, \u00fcber 20 Wochenstunden). Die h\u00f6chsten Anteile weisen Frauen und gering Qualifizierte auf. Doch rund drei Viertel aller Niedriglohnbezieher verf\u00fcgen \u00fcber eine abgeschlossene Berufsausbildung oder gar \u00fcber einen akademischen Abschluss. Trotz solcher Qualifikationen zeichnet sich der deutsche Niedriglohnsektor im internationalen Vergleich durch eine geringe Aufw\u00e4rtsmobilit\u00e4t und eine enorme Lohnspreizung aus.[18] In Extremf\u00e4llen sind die Stundenl\u00f6hne auf 1,50 bis zwei Euro (Toilettenfrauen an Autobahnen, Stuhlmieter im Friseurgewerbe) gesunken.<\/p>\n<p>Letzteres erkl\u00e4rt, weshalb die Zahl der Bedarfsgemeinschaften und der Bezieher(innen) von Arbeitslosengeld II trotz zur\u00fcckgehender Arbeitslosigkeit kaum abnimmt. Die Zahl der erwerbsf\u00e4higen Hilfebed\u00fcrftigen (SGB II) ist zwischen 2005 und 2009 von urspr\u00fcnglich 4.981 Mio. nur leicht auf 4.907 Mio. Personen zur\u00fcckgegangen. Zugleich sind immer mehr Besch\u00e4ftigte auf zus\u00e4tzliche Transfers angewiesen. Im M\u00e4rz 2010 verzeichnet die Bundesagentur f\u00fcr Arbeit (BA) insgesamt 1.359 Mio. Erwerbst\u00e4tige mit zus\u00e4tzlichem Leistungsbezug aus dem ALG II., von ihnen waren 339.000 Vollzeiterwerbst\u00e4tige. 2005 hatte die Zahl dieser so genannten &#8222;Aufstocker&#8220;[19] im Jahresdurchschnitt noch bei 880.000 (17,5 Prozent aller Leistungsbezieher im SGB II) gelegen. Seither w\u00e4chst deren Zahl best\u00e4ndig. Allein seit 2009 l\u00e4sst sich eine Zunahme um 5 Prozent (71.000) verzeichnen W\u00fcrden alle Berechtigten tats\u00e4chlich ALG-II-Leistungen in Anspruch nehmen, l\u00e4ge die Zahl der &#8222;Aufstocker&#8220; nach Sch\u00e4tzungen noch einmal um ca. zwei Mio. Personen h\u00f6her.[20]<\/p>\n<p>Solche Daten verweisen darauf, dass sich die Realentwicklung in Deutschland jenem &#8222;Zonenmodell&#8220; ann\u00e4hert, das Robert Castel zu Beginn des Jahrzehnts noch als eine Arbeitshypothese pr\u00e4sentiert hatte.[21] Die neuen Spaltungen gehen mit einem dramatischen Machtgef\u00e4lle am Arbeitsmarkt einher. W\u00e4hrend das unterste Viertel der Lohnbezieher innerhalb von 10 Jahren (1997-2007) Reallohneinbu\u00dfen von 14 Prozent zu verzeichnen hatte, konnten Lohnabh\u00e4ngige in noch halbwegs gesch\u00fctzter Besch\u00e4ftigung trotz durchschnittlich geringer Lohnsteigerungen ihren Lebensstandard halten oder ihre Einbu\u00dfen zumindest begrenzen. In dem prek\u00e4ren Sektor, der nun entstanden ist, wird der Preis der Arbeitskraft systematisch unter ihren Wert gedr\u00fcckt, so dass der Staat gro\u00dfz\u00fcgig Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse subventionieren muss, deren Entlohnung die Arbeitenden nicht mehr ern\u00e4hrt. 50 Mrd. Steuergelder sind auf diese Weise w\u00e4hrend der letzten Jahre in den Niedriglohnsektor geflossen. Das entspricht in etwa der Summe, die nunmehr \u00fcberwiegend zu Lasten der sozial Schw\u00e4chsten in den \u00f6ffentlichen Haushalten eingespart werden soll.[22]<\/p>\n<p>Wenngleich nicht alleinige Ursache, so kann doch kein Zweifel bestehend, dass die aktivierende Arbeitsmarktpolitik diesen Prozess nicht nur beschleunigt, sondern ihn auch in eine bestimmte Richtung gelenkt hat. Die Arbeitsmarktreformen haben einen gesellschaftlichen Status unterhalb einer Schwelle der Respektabilit\u00e4t konstruiert. Das nicht nur, weil die Regels\u00e4tze f\u00fcr die Leistungsbezieher zumindest relative Armut bedeuten. Hartz IV, das hei\u00dft staatliche Kontrolle des gesamten Alltagslebens. Eigentum, Schonverm\u00f6gen, Gr\u00f6\u00dfe der Wohnung, Formen des Zusammenlebens, Kindererziehung und selbst der Umfang eines Geburtstagsgeschenks &#8211; alles kann zum Gegenstand staatlicher Bevormundung werden. Wer so leben muss, der steht best\u00e4ndig unter dem Generalverdacht, die Gesellschaft als &#8222;Schmarotzer&#8220; zu belasten.<\/p>\n<p>Ein solcher Status schreckt vor allem diejenigen ab, die sich noch in regul\u00e4rer Arbeit befinden. Wer die Chance dazu hat, unternimmt alles, um Hartz IV zu vermeiden. Exakt das ist gemeint, wenn von wachsender Konzessionsbereitschaft und sinkender Besch\u00e4ftigungsschwelle die Rede ist. Nicht die Arbeitslosen werden &#8222;arbeitswilliger&#8220;; vielmehr w\u00e4chst auch und gerade bei den Noch-Besch\u00e4ftigten die Bereitschaft, niedrig entlohnte, unsichere, stark belastende Jobs anzunehmen. Die Unternehmen nutzen diese Motivation bereitwillig f\u00fcr Flexibilisierungsstrategien, die de facto zwei Klassen von Lohnabh\u00e4ngigen schaffen. Ohne die Hartz-Reformen w\u00e4re z. B. die strategische Nutzung von Leiharbeit, wie inzwischen von stilbildenden Unternehmen praktiziert wird, nicht m\u00f6glich gewesen. Strategische Nutzung bedeutet, dass die Leiharbeiter bei laufender Konjunktur dauerhaft im Betrieb sind. Sie machen die gleichen Arbeiten wie die Stammbesch\u00e4ftigten, das jedoch im Durchschnitt f\u00fcr 30 bis 50 Prozent weniger Lohn. Wie die Krise gezeigt hat, ist der K\u00fcndigungsschutz f\u00fcr diese Gruppen im Grunde au\u00dfer Kraft gesetzt. Die entleihenden Unternehmen sparen Entlassungskosten und die gro\u00dfen Zeitarbeitsfirmen verzeichnen exorbitante Gewinne auf Kosten von prek\u00e4r besch\u00e4ftigten Lohnabh\u00e4ngigen &#8222;zweiter Klasse&#8220;.[23]<\/p>\n<p>Die weniger als drei Prozent Leiharbeiter unter den Erwerbst\u00e4tigen sind indessen nur die Spitze eines Eisbergs. W\u00e4hrend der zur\u00fcckliegenden Dekade ist ein Sektor mit prek\u00e4ren Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnissen entstanden, in welchem sich andere Regulierungsformen von Sozial- und Arbeitsbeziehungen durchgesetzt haben, als es in den durch Tarifvertr\u00e4ge und Mitbestimmung noch einigerma\u00dfen gesch\u00fctzten Sektoren der Fall ist. In diesem Sektor herrscht ein Klima, das durch Repression und Angst gepr\u00e4gt wird.[24] Ohne die abschreckende Wirkung von Hartz IV w\u00e4re die rasche Expansion einer solchen Zone der Verwundbarkeit kaum m\u00f6glich gewesen. Faktisch erf\u00fcllt das Regime strenger Zumutbarkeit &#8211; freilich auf einem v\u00f6llig anderen gesellschaftlichen Reichtums- und Sicherheitsniveau &#8211; eine \u00e4hnliche Funktion wie die das feudale Bettelverbot oder die Arbeitsh\u00e4user w\u00e4hrend der urspr\u00fcnglichen Akkumulation. Sie disziplinieren f\u00fcr eine Produktionsweise, in der unternehmerische Flexibilit\u00e4t auf Kosten der Sicherheit und der Lebensqualit\u00e4t vor allem der prek\u00e4r Besch\u00e4ftigten und Arbeitslosen hergestellt wird. Und sie erzeugt damit soziale Barrieren f\u00fcr die Ausbreitung \u00f6kologisch nachhaltiger Lebensstile, denn je gr\u00f6\u00dfer die gesellschaftliche Ungleichheit ist, desto heftiger entbrennt der Kampf um positionale G\u00fcter und um so schwerer wird es, den kapitalistischen Wachstums- und Expansionsfetisch zu delegitimieren.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"iv-und-ihre-grenzen\">IV. &hellip; und ihre Grenzen <\/span><\/h2>\n<p>Dies ist nur ein &#8211; freilich markantes &#8211; Beispiel f\u00fcr den Wirkungsmechanismus der finanzgetrieben Landnahme. Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Grenzen dieses Zyklus blo\u00dfgelegt. So hat der finanzkapitalistische Modus operandi, der die Verm\u00f6genden beg\u00fcnstigt, die L\u00f6hne deckelt und abh\u00e4ngige Arbeit prekarisiert, eine eigent\u00fcmliche Kombination aus \u00dcberakkumulation und Unterkonsumtion hervorgebracht, die in dem gro\u00dfen Crash eklatierte. Nicht zuf\u00e4llig gerieten vor allem solche L\u00e4nder in die Krise, die darauf gesetzt hatten, schwindende Kaufkraft durch billige Immobilienkredite an bedingt zahlungsf\u00e4hige Kunden zu vergeben. Dieser &#8222;Bastardkeynesianismus&#8220; wurde zu Achillesverse des gesamten Weltfinanzsystems. Die politischen Eliten wurden von dieser Entwicklung \u00fcberrascht, hatten sie doch lange Zeit auf die Selbststeuerungsf\u00e4higkeit der M\u00e4rkte vertraut. Doch auch wenn das Misstrauen der politischen Klasse gegen\u00fcber gro\u00dfen Verm\u00f6gensbesitzern und Top-Managern geweckt sein mag und die Gewerkschaften bei Krisenmanagement wieder als Partner gefragt sein m\u00f6gen &#8211; das Rad der Geschichte l\u00e4sst sich nicht einfach zur\u00fcckdrehen. Wie ihre Vorl\u00e4ufer, so hat auch die finanzkapitalistische Landnahme irreversible Strukturver\u00e4nderungen hinterlassen.<\/p>\n<p>Das Gravitationszentrum der Weltwirtschaft hat sich nach China und in den pazifischen Raum verlagert, was anhaltenden Druck auf die exportorientierte Wirtschaft verhei\u00dft. Das relativ erfolgreiche Krisenmanagement der deutschen Regierung beruht auch darauf, das ein Exportmodell fortgef\u00fchrt wird, dass wegen der durchschnittlich geringsten Steigerungen der Lohnst\u00fcckkosten immer wieder dazu beitr\u00e4gt, Ungleichgewichte in der EU zu verst\u00e4rken. Die Risiken im Finanzsystem sind keineswegs gebannt. Noch immer bewegen sich L\u00e4nder wie Griechenland, Spanien oder Island am Rande des Staatsbankrotts. Marode Kreditinstitute wie die HRE erweisen sich als Milliardengr\u00e4ber und belasten die Staatsfinanzen. Austerit\u00e4tspolitiken, die einseitig die unteren Klassen belasten, werden soziale Konflikte sch\u00fcren. Auch die neuen Spaltungslinien am Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft lassen sich nicht beseitigen, indem man ein paar &#8222;Reformstellschrauben&#8220; etwas schneller dreht.<\/p>\n<p>Entscheidend ist jedoch etwas anderes. Historisch neu ist, dass wir uns mit einer <i>\u00f6konomisch-\u00f6kologischen Doppelkrise <\/i>konfrontiert sehen. Im Unterschied zur ihren seit den 1970er Jahren mehr als 100 Vorl\u00e4ufern kann die \u00f6konomische Krise nicht mehr aus den westlichen Zentren herausgehalten werden. Stattdessen erzeugt jede Anti-Krisen-Intervention offenkundig neue, zus\u00e4tzliche Krisenherde, die in der Summe dazu f\u00fchren, dass der Wachstumsmotor der westlichen \u00d6konomien &#8211; anders als der in den BRIC-Staaten &#8211; nur bedingt anspringt und wo er anspringt, ist das nicht zwangsl\u00e4ufig mit steigender Wohlfahrt f\u00fcr Bev\u00f6lkerungsmehrheiten verbunden. Schon niedrige Wachstumsraten bedeuten unter den gegebenen Bedingungen wachsende Ungleichheit und wenn schon nicht Arbeitslosigkeit, so doch eine forcierte Ausbreitung prek\u00e4rer Arbeits- und Lebensverh\u00e4ltnisse.<\/p>\n<p>Von einer Doppelkrise ist aber vor allem deshalb die Rede, weil der finanzgetriebene Landnahmezyklus die Nutzung nat\u00fcrlicher Ressourcen und fossiler Energietr\u00e4ger bis zu einem Punkt vorangetrieben hat, an dem das kapitalistische Wachstumsmodell selbst zur Disposition gestellt werden muss. Deshalb ist mit einer blo\u00dfen Wiederbelebung konventionellen Wirtschaftswachstums oder gar dem st\u00fcrmischen Wachstum der BRIC-Staaten noch nicht viel gewonnen, denn Ressourcenvernutzung, Schadstoffemission und die negativen Folgen des Klimawandels werden weiter forciert. Die Wahrscheinlichkeit eines massiven anthropogenen, also von Menschen verursachten, Klimawandels liegt gegenw\u00e4rtig bei 90 Prozent. Er wirkt zerst\u00f6rerisch und zwingt zu Ver\u00e4nderungen innerhalb eines schmalen Zeitfensters. Um die wichtigsten Klimaziele zu erreichen, m\u00fcsste z.B. allein in den Industriel\u00e4ndern bis 2020 eine CO2-Minderung um 30 Prozent erfolgen. Um nur in die N\u00e4he des Ziels zu gelangen, w\u00e4re &#8222;der gr\u00f6\u00dfte, tiefgreifendste Strukturwandel&#8220; n\u00f6tig, &#8222;den eine \u00d6konomie je bew\u00e4ltigen musste&#8220;.[25]<\/p>\n<p>Es scheint f\u00fcr die entwickelten Gesellschaften grunds\u00e4tzlich nur zwei m\u00f6gliche Auswege aus der Krise zu geben: Entweder es gelingt, \u00f6konomisches Wachstum nachhaltig zu machen, oder es wird n\u00f6tig, Nicht-Wachstumsgesellschaften wirtschaftlich, sozial, kulturell und politisch zu stabilisieren. Angesichts einer solchen Alternative steht die Reproduktionsf\u00e4higkeit des Finanzmarktkapitalismus und mit ihr der kapitalistischen Landnahmen inh\u00e4rente Expansionszwang zur Disposition. Es mag durchaus sein, dass ein neuer, staatsbasierter Landnahmezyklus, der die gr\u00fcne, ressourcenschonende \u00d6konomie als produktive Anlagesph\u00e4re f\u00fcr \u00fcbersch\u00fcssiges Kapital entdeckt und durch Umverteilungsma\u00dfnahmen f\u00fcr halbwegs egalit\u00e4re soziale Strukturen sorgt, sich als politischer Ausweg aus der \u00f6konomisch-\u00f6kologischen Doppelkrise anbietet. Doch die Schwierigkeiten, einem solchen \u00f6ko-sozialen New Deal zum Durchbruch zu verhelfen, sind gigantisch. Ohne eine wirkliche Herausforderung durch einen politisch wirksamen Antagonisten werden die Machteliten weiter dazu tendieren, ihre Partial- als Allgemeininteressen darzustellen. Deshalb sollte man sich von der vermeintlichen Ruhe in den entwickelten Kapitalismen nicht t\u00e4uschen lassen. Das Scheitern der Klimakonferenz in Kopenhagen vor Augen, warnen auch besonnene Wissenschaftler vor einem &#8222;Mehltau aus Apathie und Depression&#8220;, einem verbreiteten &#8222;Gef\u00fchl der Machtlosigkeit, weil die Politik selbst nicht mehr in der Lage zu sein scheint, gestalterisch t\u00e4tig zu werden&#8220;. M\u00f6glich sei aber auch, &#8222;dass wir durch die Totalit\u00e4t des Scheiterns, durch diese entt\u00e4uschende Niederlage der Weltpolitik in eine vor-revolution\u00e4re Situation neuer Art geraten. Wenn n\u00e4mlich klar(er) wird, dass es von jetzt ab um hohe Kosten der Anpassung, um zunehmende nationale Konflikte, um territoriale und biologische Fortexistenz, ja sogar um Leben und Tod geht. Und Revolutionen bieten dann bekanntlich zweierlei: fundamentale Krise oder Er\u00f6ffnung realer Chancen, totaler Kollaps oder Suche nach einem neuen Gleichgewicht.&#8220;[26]<\/p>\n<p>Das klingt dramatisierend, beschreibt jedoch die m\u00f6glichen Folgen einer Politik, die ein Bereicherungsprogramm f\u00fcr die Atomlobby ernsthaft als Energierevolution ausgibt, durchaus pr\u00e4zise. Wer ernsthaft gegensteuern und so die Chancen f\u00fcr progressive Reformpolitik verbessern will, kommt nicht umhin, Leitbilder f\u00fcr eine Gesellschaft jenseits des kapitalistischen Landnahme- und Wachstumszwangs zu entwickeln. Die erst in Ans\u00e4tzen gef\u00fchrte Diskussion um eine neue Wirtschaftsdemokratie k\u00f6nnte zu einem solchen Leitbild f\u00fchren.<\/p>\n<p>[1] Dullien, Sebastian; Herr, Hansj\u00f6rg; Kellermann, Christian (2009): Der gute Kapitalismus &#8230; und was sich nach der Krise \u00e4ndern m\u00fcsste. Bielefeld: transcript.<\/p>\n<p>[2] Streeck, Wolfgang (2009): Re-Forming Capitalism. Institutional Change in the German Political Economy. Oxford: Oxford University Press: 232.<\/p>\n<p>[3] Boltanski, Luc; Chiapello, Eve (2003): Der neue Geist des Kapitalismus. Konstanz: UVK Verlag: 42.<\/p>\n<p>[4] D\u00f6rre, Klaus (2009): Die neue Landnahme. Dynamiken und Grenzen des Finanzmarkt-Kapitalismus. In: D\u00f6rre, Klaus, Lessenich, Stephan, Rosa, Hartmut, Soziologie. Kapitalismus. Kritik. Eine Debatte. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, S. 21-86.<\/p>\n<p>[5] Luxemburg, Rosa (1975\/1913): Die Akkumulation des Kapitals. In: Gesammelte Werke Band 5. Berlin: Dietz: 5-412, hier: 316.<\/p>\n<p>[6] Harvey, David (2005): Der neue Imperialismus. Hamburg: VSA: 140.<\/p>\n<p>[7] Arendt, Hannah (2006): Elemente und Urspr\u00fcnge totalit\u00e4rer Herrschaft. Antisemitismus, Imperialismus, totale Herrschaft. 11. Aufl. M\u00fcnchen: Piper.: 335.<\/p>\n<p>[8] Marx, Karl (1977): Das Kapital: I. Band: Der Produktionsproze\u00df des Kapitals. MEW Bd. 23. Berlin: Dietz: 657 ff.<\/p>\n<p>[9] Harvey 2005: 139.<\/p>\n<p>[10] Dazu instruktiv: Streeck, Wolfgang (2005): Vom &#8222;kurzen Traum&#8220; zum langen Alptraum? MPIfG Working Paper 05\/5, Juni 2005.<\/p>\n<p>[11] Lutz, Burkart (1984): Der kurze Traum immerw\u00e4hrender Prosperit\u00e4t. Frankfurt\/M.\/New York: Campus.<\/p>\n<p>[12] Lutz 1984: 186.<\/p>\n<p>[13] Lutz 1984: 213.<\/p>\n<p>[14] Roth, Karl Heinz (2009): Die globale Krise. Band 1 des Projekts &#8218;Globale Krise&#8216; &#8211; Globale Proletarisierung &#8211; Gegenperspektiven. Hamburg: VSA: 148-159.<\/p>\n<p>[15] Vgl. J. Huffschmid, <i>Politische \u00d6konomie der Finanzm\u00e4rkte<\/i>, Hamburg 2002; E. Altvater, B. Mahnkopf, <i>Grenzen der Globalisierung,<\/i> M\u00fcnster 1996.<\/p>\n<p>[16] Streeck, Wolfgang (2005): 5; Lutz (1984): 186 ff.<\/p>\n<p>[17] Castel 2005: 42 f.: &#8222;Das soziale Eigentum lie\u00dfe sich als Produktion \u00e4quivalenter sozialer Sicherungsleistungen bezeichnen, wie sie zuvor allein das Privateigentum lieferte.<\/p>\n<p>[18] Statistisches Bundesamt (2009): Niedrigeinkommen und Erwerbst\u00e4tigkeit. Begleitmaterial zum Pressegespr\u00e4ch am 19. August 2009 in Frankfurt a. M. Wiesbaden.<\/p>\n<p>[19] Aufstocker im Sinne der BA sind Personen, die zus\u00e4tzlich zum Arbeitslosengeld Transfers aus der Grundsicherung ben\u00f6tigen. Hier wird der Begriff, wie in der Debatte \u00fcblich, weiter gefasst und auf Besch\u00e4ftigte angewandt, deren L\u00f6hne nicht existenzsichernd sind.<\/p>\n<p>[20] Bruckmeier, Kerstin\/Graf, Tobias\/Rudolph, Helmut (2007): Aufstocker &#8211; bed\u00fcrftig trotz Arbeit. Erwerbst\u00e4tige Leistungsbezieher im SGB II. IAB-Kurzbericht 22\/2007.<\/p>\n<p>[21] Castel, Robert\/D\u00f6rre, Klaus (2009): Einleitung. In: Castel, Robert\/D\u00f6rre, Klaus (2009): Prekarit\u00e4t, Abstieg, Ausgrenzung &#8211; Die soziale Frage am Beginn des 21. Jahrhunderts. Frankfurt\/M. [u. a.]: Campus, S. 11-18.<\/p>\n<p>[22] Niedrigl\u00f6hne kosten 50 Milliarden. Frankfurter Rundschau vom 12. August 2010, S. 1.<\/p>\n<p>[23] Holst, Hajo\/Nachtwey, Oliver\/D\u00f6rre, Klaus (2009): Funktionswandel von Leiharbeit. Neue Nutzungsstrategien und ihre arbeits- und mitbestimmungspolitischen Folgen. OBS-Arbeitsheft 61. Berlin.<\/p>\n<p>[24] Artus, Ingrid\/B\u00f6hm, Sabine\/L\u00fccking Stefan\/Trinczek, Rainer (2009): Jenseits der Mitbestimmung. Interessenhandeln in Betrieben ohne Betriebsrat. Frankfurt\/New York: Campus.<\/p>\n<p>[25] Machnig, Matthias (2007), &#8222;Der Staat als Pionier im 21. Jahrhundert&#8220;, in: Zeitschrift f\u00fcr sozialistische Politik und Wirtschaft, Heft 158, S. 14-18.<\/p>\n<p>[26] Simonis, Udo E. (2010): Klimaschutz ohne Kulturwandel? In: Forum Wissenschaft 1\/10: 51-52, hier: 51.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[2195],"publikationen":[2826],"class_list":["post-11821","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-klaus-doerre","publikationen-191-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Neue Landnahme? - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/191-vorgaenge\/publikation\/neue-landnahme\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Neue Landnahme? - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Der Kapitalismus in der \u00f6kologisch-\u00f6konomischen Doppelkrise, aus: vorg\u00e4nge Nr. 191, Heft 3\/2010, S. 80-91 Eben noch von der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise gebeutelt, scheint das &#8222;Modell Deutschland&#8220; derzeit in neuem Glanz zu erstrahlen. 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