{"id":11863,"date":"2006-12-01T09:30:00","date_gmt":"2006-12-01T08:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/eine-geschlossene-gesellschaft\/"},"modified":"2021-08-24T21:49:30","modified_gmt":"2021-08-24T19:49:30","slug":"eine-geschlossene-gesellschaft","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/176-vorgaenge\/publikation\/eine-geschlossene-gesellschaft\/","title":{"rendered":"Eine geschlossene Gesellschaft"},"content":{"rendered":"<p>Eliten in Deutschland,<\/p>\n<p>aus: vorg\u00e4nge Nr. 176 (Heft 4\/2006), S. 51-59<\/p>\n<p>Jahrzehntelang beherrschte das Bild von der &#8222;nivellierten Mittelstandsgesellschaft&#8220; (Schelsky) oder der individualisierten Gesellschaft mit Fahrstuhleffekt (Beck) die \u00f6ffentliche wie die sozialwissenschaftliche Wahrnehmung der bundesdeutschen Wirklichkeit. Die deutsche Gesellschaft hatte den Ruf, keine allzu gro\u00dfen sozialen Unterschiede mehr zu kennen, sich durch eine vergleichsweise hohe soziale Mobilit\u00e4t auszuzeichnen und im Grundsatz jedermann die Chance zu bieten, sich durch individuelle Leistung nach oben zu arbeiten. Dieser Eindruck galt auch bez\u00fcglich der deutschen Eliten. Auch sie galten als im internationalen Vergleich sozial sehr offen, der Zugang zu ihnen als ganz \u00fcberwiegend oder gar ausschlie\u00dflich leistungsbasiert. Mit hinreichender Anstrengung und angemessener Ausbildung k\u00f6nne es prinzipiell ein jeder bis an die Spitze schaffen, so die herrschende Vorstellung. <br \/>Dass die deutschen Eliten in ihrer sozialen Rekrutierung kein repr\u00e4sentatives Abbild der Gesellschaft boten, wurde in der \u00f6ffentlichen wie wissenschaftlichen Diskussion nicht als Widerspruch wahrgenommen. Soweit das mehr oder minder deutliche \u00dcbergewicht der in b\u00fcrgerlichen oder gro\u00dfb\u00fcrgerlichen Familien aufgewachsenen Personen und das weit gehende Fehlen vor allem von Arbeiterkindern in den deutschen Eliten\u00a0\u00a0\u00a0 \u00fcberhaupt thematisiert wurden, begr\u00fcndete man sie mit der &#8222;Bildungsferne&#8220; der Arbeiterschaft und der unteren Mittelschicht. Typisch f\u00fcr diese Sichtweise ist Dahrendorf, der die Ursachen der &#8222;Sozialschichtung der Bildungschancen&#8220; und damit der &#8222;h\u00f6chst unrepr\u00e4sentativen Herkunftsschichtung der deutschen F\u00fchrungsgruppen&#8220; vor allem in der &#8222;sozialen Distanz der Arbeiter von den Bildungsinstitutionen&#8220; ortete. Finanzielle Aspekte spielten in seinen Augen dagegen nur eine untergeordnete Rolle. In der Bundesrepublik k\u00f6nne sich jede Arbeiterfamilie das Universit\u00e4tsstudium mindestens eines Kindes leisten&#8220; (Dahrendorf 1962: 22), so seine Worte schon vor \u00fcber vier Jahrzehnten, also noch vor dem massiven Ausbau des deutschen Bildungssystems und der Einf\u00fchrung des BAF\u00f6G. Damit waren Anspruch und Realit\u00e4t in den Augen der meisten Betrachter vers\u00f6hnt. Die soziale Offenheit der deutschen Gesellschaft und ihrer Eliten war gegeben, zumindest &#8222;prinzipiell&#8220;.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"die-wirtschaftselite-buergerlich-bis-grossbuergerlich\">Die Wirtschaft&shy;s&shy;e&shy;lite &ndash; b&uuml;rgerlich bis gro&szlig;b&uuml;r&shy;ger&shy;lich<\/span><\/h2>\n<p>Mit der Wirklichkeit hatte die Vorstellung von den offenen Funktionseliten schon in der alten Bundesrepublik nur relativ wenig zu tun. Das galt vor allem f\u00fcr die Wirtschaft. So rekrutiert sich die deutsche Wirtschaftselite seit Jahrzehnten zu \u00fcber vier F\u00fcnfteln aus dem B\u00fcrger- und Gro\u00dfb\u00fcrgertum. Ungef\u00e4hr jeder zweite Spitzenmanager kommt aus dem Gro\u00dfb\u00fcrgertum, [1] den oberen 5 Promille der Bev\u00f6lkerung, ein weiteres gutes Drittel aus dem \u00fcbrigen B\u00fcrgertum, [2] weiteren 3 Prozent der Bev\u00f6lkerung, und gerade einmal ca. 15 Prozent aus der Arbeiterschaft und den Mittelschichten, den unteren 96,5 Prozent der Bev\u00f6lkerung. Die Ver\u00e4nderungen in den vergangenen fast 40 Jahren blieben insgesamt gering und folgen auch keinem durchg\u00e4ngigen Muster, mit einer Ausnahme. Der Anteil der aus gro\u00dfb\u00fcrgerlichen Familien stammenden Spitzenmanager nahm langsam, aber kontinuierlich zu. Er liegt mittlerweile bei genau 50 Prozent, ber\u00fccksichtigt man nur die deutschen Vorstandsvorsitzenden, und bei 51,7 Prozent, nimmt man die neun Ausl\u00e4nder in einer solchen Position dazu. <br \/>In der \u00d6ffentlichkeit wurde diese Tatsache nicht zur Kenntnis genommen. Die sozialwissenschaftliche Forschung interessierte sich entweder nicht f\u00fcr die Wirtschaftselite bzw. die Eliten im Allgemeinen oder aber bekam nur unzureichende Daten [3] und die Medien konzentrierten sich fast ausschlie\u00dflich auf die spektakul\u00e4ren F\u00e4lle, das hei\u00dft in erster Linie auf die Ausnahmen von der Regel. Typisch ist die Berichterstattung \u00fcber die in den letzten drei Jahren neu berufenen Vorstandsvorsitzenden in den 30 DAX-Unternehmen. Man erfuhr fast ausschlie\u00dflich etwas \u00fcber Klaus Kleinfeld, den neuen Siemens-Chef. Sein Vater war Arbeiter und arbeitete sich dann m\u00fchsam innerbetrieblich zum Betriebsingenieur hoch. Kleinfeld bildete damit einen scharfen Kontrast zu seinem Vorg\u00e4nger Heinrich von Pierer, der aus einer alten KuK-Offiziersfamilie kam. Das machte seine Person f\u00fcr die Medien so interessant. Sie schien exemplarisch zu zeigen, dass es wirklich jedermann bis an die Spitze eines deutschen Gro\u00dfkonzerns schaffen kann. Dass dieser Eindruck mit der Realit\u00e4t wenig gemein hat, h\u00e4tte schon ein einfacher Blick auf die zw\u00f6lf anderen neuen Vorstandschefs zeigen k\u00f6nnen. Sie kommen n\u00e4mlich mit Ausnahme des neuen BMW-Chefs Reithofer, der in einem Metzgerhaushalt gro\u00df geworden ist, zu jeweils der H\u00e4lfte aus b\u00fcrgerlichen und gro\u00dfb\u00fcrgerlichen Verh\u00e4ltnissen. Chefredakteur, Richter und Diplomingenieur, so lauten die v\u00e4terlichen Berufspositionen mit dem geringsten Status. Mit elf von dreizehn Vorstandsvorsitzenden liegt der Anteil der B\u00fcrgerkinder hier wie in der Gesamtgruppe der Spitzenmanager bei ca. 85 Prozent. <br \/>Diese exklusive soziale Rekrutierung l\u00e4sst sich weder mit Leistung noch vorrangig mit den strukturellen sozialen Auslesemechanismen im deutschen Bildungssystem begr\u00fcnden. Das zeigen die Bildungswege und Karriereverl\u00e4ufe von 6.500 promovierten Ingenieuren, Juristen und Wirtschaftswissenschaftlern der Jahrzehnte zwischen 1955 und 1999 deutlich (Hartmann 2002). In den 400 gr\u00f6\u00dften deutschen Unternehmen waren die Aussichten auf eine Position in der ersten F\u00fchrungsebene (Vorstand oder Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung) f\u00fcr die Kinder des Gro\u00dfb\u00fcrgertums bei vollkommen gleicher Qualifikation (Studiendauer, Promotionsalter, Auslandssemester etc.) durchschnittlich dreimal, f\u00fcr die des B\u00fcrgertums immerhin noch doppelt so gut wie f\u00fcr ihre Kommilitonen aus der restlichen Bev\u00f6lkerung. In den j\u00fcngeren Jahrg\u00e4ngen reicht die Differenz sogar bis zum F\u00fcnffachen. Wenn man einzelne Berufsgruppen betrachtet, zeigen sich noch sehr viel krassere Unterschiede. Wer von den Promovierten zum Beispiel aus dem Haushalt eines leitenden Angestellten kam, hatte bereits eine zehnmal so gro\u00dfe Chance, in die erste F\u00fchrungsebene eines Gro\u00dfkonzerns zu gelangen, wie sein fachlich gleich guter Kommilitone aus einer Arbeiterfamilie. Wer einen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer oder ein Vorstandsmitglied zum Vater hatte, dessen Aussichten waren sogar siebzehnmal besser.<\/p>\n<p>Tabelle 1: Die soziale Herkunft der deutschen und ausl\u00e4ndischen Vorstandsvorsitzenden der 100 gr\u00f6\u00dften deutschen Unternehmen 1970, 1995 und 2005 (in Prozent)<\/p>\n<p>Quelle: Eigene Recherchen<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"der-klassenspezifische-habitus-als-ausschlaggebender-karrierefaktor\">Der klassen&shy;spe&shy;zi&shy;fi&shy;sche Habitus als ausschlag&shy;ge&shy;bender Karrie&shy;re&shy;faktor<\/span><\/h2>\n<p>Die hohe Selektivit\u00e4t in der sozialen Rekrutierung der deutschen Wirtschaftselite hat\u00a0\u00a0 eine wesentliche Ursache. F\u00fcr die Besetzung von F\u00fchrungspositionen in der deutschen Wirtschaft ist nicht, wie von ihren Repr\u00e4sentanten immer wieder betont wird, die Leistung ausschlaggebend, sondern der klassenspezifische Habitus der Kandidaten. Die f\u00fcr die Auswahl zust\u00e4ndigen Eigent\u00fcmer, Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder oder sonstigen Vertreter der Unternehmensf\u00fchrungen suchen im Kern jemanden, der ihnen in Pers\u00f6nlichkeit und Werdegang \u00e4hnelt. Zwar m\u00fcssen auch die Leistung und der Bildungsabschluss stimmen, letztlich entscheidend aber sind sie nicht. <br \/>Entscheidend ist vielmehr der Habitus der Bewerber. Wer in die Vorst\u00e4nde und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrungen gro\u00dfer Unternehmen gelangen will, der muss vor allem eines besitzen: habituelle \u00c4hnlichkeit mit den Personen, die dort schon sitzen. Da die Besetzung von Spitzenpositionen in gro\u00dfen Unternehmen von einem sehr kleinen Kreis von Personen entschieden wird und das Verfahren nur wenig formalisiert ist, spielt die \u00dcbereinstimmung mit den sog. &#8222;Entscheidern&#8220;, soweit es Verhalten und Einstellungen betrifft, die ausschlaggebende Rolle. Es wird bei solchen Besetzungsprozessen sehr viel weniger nach rationalen Kriterien entschieden, als man angesichts der umfangreichen Kriterienkataloge, die es in den meisten Gro\u00dfkonzernen gibt, annehmen sollte. <br \/>F\u00fcr eine solche Vorgehensweise spricht aus Perspektive der Entscheider ein wesentlicher Grund. Man kann davon ausgehen, dass jemand mit einem der eigenen Person vergleichbaren Pers\u00f6nlichkeitsprofil und Werdegang als Kollege im Vorstand oder in der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung auch \u00e4hnlich agieren wird wie man selbst. Aus eigener Sicht wird damit nicht nur das Risiko einer Fehlbesetzung minimiert, denn man h\u00e4lt sich pers\u00f6nlich ja f\u00fcr den richtigen Mann an der richtigen Stelle. Etwas anderes ist noch wichtiger. Der Druck, unter dem Topmanager bei ihren Entscheidungen stehen, und die h\u00e4ufig \u00e4u\u00dferst unsichere Informationsbasis, aufgrund derer sie diese Entscheidungen treffen m\u00fcssen, l\u00e4sst sie nach M\u00e4nnern &#8211; Frauen gibt es in diesen Etagen so gut wie nicht &#8211; suchen, denen sie glauben vertrauen zu k\u00f6nnen oder deren Pers\u00f6nlichkeit sie zumindest gut einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen. Mit Vertrauen ist dabei nicht das pers\u00f6nliche Vertrauen wie unter Freunden gemeint, sondern gemeinsame Denk- und Verhaltensmuster, das, was man gemeinhin mit &#8222;die Chemie muss stimmen&#8220; oder &#8222;auf gleicher Wellenl\u00e4nge liegen&#8220; bezeichnet. Eine gleiche oder zumindest \u00e4hnliche soziale Herkunft und der damit verbundene Habitus garantieren all das am ehesten. <br \/>Man w\u00e4hlt in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft dementsprechend in erster Linie nach vier pers\u00f6nlichkeitsgebundenen Kriterien aus: intime Kenntnis der dort g\u00fcltigen Regeln, breite bildungsb\u00fcrgerliche Allgemeinbildung, unternehmerisches Denken und Souver\u00e4nit\u00e4t. Intime Kenntnis der herrschenden Regeln bedeutet, dass man wei\u00df, wie die geschriebenen und ungeschriebenen Gesetze in den Chefetagen lauten, wie die Dress- und Verhaltenscodes dort aussehen. Obwohl in den Medien wohl am ausf\u00fchrlichsten er\u00f6rtert, haben die richtige Kleidung und das perfekte Benehmen, d.h. die in den letzten Jahren wieder in Mode gekommene Etikette, unter den vier erw\u00e4hnten Anforderungen das geringste Gewicht. Eine breite bildungsb\u00fcrgerliche Allgemeinbildung ist weit bedeutsamer. Man sollte sich, will man in diesen Kreisen akzeptiert werden, in Fragen der Musik, der Malerei, der Literatur, aber auch der Geschichte oder der Politik zumindest so weit auskennen, dass man zum Beispiel die Gotik von der Romanik unterscheiden, die Unterschiede zwischen Impressionismus und Expressionismus benennen oder den hundertj\u00e4hrigen Krieg zwischen Frankreich und England im zutreffenden Zeitraum verorten kann.<br \/>Unternehmerisches Denken hei\u00dft im Kern vor allem, bereit zu sein, Risiken einzugehen. Das macht sich gerade dann bemerkbar, wenn es um Entscheidungen von gr\u00f6\u00dferer Tragweite geht. Eine F\u00fchrungskraft, die aus einer Arbeiterfamilie stammt und mit einer die Karriere zwar f\u00f6rdernden, zugleich aber auch sehr risikoreichen Aufgabe konfrontiert wird, wird eher z\u00f6gern, weil sie schon Erreichtes aufs Spiel setzen muss. Jemand, dessen Vater gr\u00f6\u00dferer Unternehmer, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer oder renommierter Wirtschaftsanwalt ist, wei\u00df demgegen\u00fcber, dass es f\u00fcr ihn immer mehrere Chancen gibt, ein Scheitern also kein Drama darstellt, und wird dementsprechend risikofreudiger vorgehen. Das ist sein entscheidendes Plus. Er f\u00e4llt Vorgesetzten genau durch diese Eigenschaft auf, macht sie auf sich aufmerksam.<br \/>Der wichtigste Punkt von allen aber ist Souver\u00e4nit\u00e4t. Durch den souver\u00e4nen Umgang mit den g\u00fcltigen Regeln und Ma\u00dfst\u00e4ben demonstriert man, dass man sich seine Verhaltens- und Denkweisen nicht m\u00fchsam antrainiert, sondern sie als selbstverst\u00e4ndlichen Bestandteil der eigenen Pers\u00f6nlichkeit gleichsam nebenbei in Kindheit und Jugend erworben hat. Die wichtigen Pers\u00f6nlichkeitsmerkmale aufzuweisen, ohne den Prozess des Erwerbs erkennen zu lassen, darauf kommt es an (Bourdieu 1982). Sich so in den Vorstandsetagen bewegen, als sei einem das Gel\u00e4nde seit jeher vertraut, k\u00f6nnen selbstverst\u00e4ndlich am einfachsten die, die in diesem oder einem vergleichbaren Milieu aufgewachsen sind. Pers\u00f6nliche Souver\u00e4nit\u00e4t macht daher die entscheidende Differenz aus zwischen denen, die dazu geh\u00f6ren, und denen, die nur dazu geh\u00f6ren m\u00f6chten. Norbert Elias hat diese Differenz in seinem Klassiker &#8222;\u00dcber den Prozess der Zivilisation&#8220; mit den Worten beschrieben: &#8222;Bei den meisten Menschen der aufstiegsbegierigen Schichten f\u00fchrt das Bem\u00fchen darum zu ganz spezifischen Verkr\u00fcmmungen des Bewusstseins und der Haltung (&#8230;) als &#8218;Halbbildung&#8217;, als Anspruch etwas zu sein, was man nicht ist, als Unsicherheit des Verhaltens und des Geschmacks (&#8230;)&#8220; (Elias 1997: 436).<br \/>Wer wirklich souver\u00e4n ist, der geht mit den herrschenden Regeln und Gepflogenheiten selbstbewusst und locker um. Wenn man beispielsweise aus seiner Abneigung gegen\u00fcber Schiller oder Wagner keinen Hehl macht und zugleich seine Vorliebe f\u00fcr Manga-Comics oder Punkrock bekennt, so wirkt das positiv, als Demonstration von Unabh\u00e4ngigkeit und eigenem Geschmack, wenn Reden und Handeln gleichzeitig signalisieren, dass man den bildungsb\u00fcrgerlichen Kanon durchaus kennt, ihn aber bewusst ignoriert. Man kann diesen Kanon verletzen, wenn man wei\u00df, dass man es tut, und wenn man, falls gew\u00fcnscht, auch begr\u00fcnden kann, warum man es tut. Es geht stets darum, die Codes souver\u00e4n zu behandeln, und souver\u00e4n agieren kann in erster Linie derjenige, der das Terrain, auf dem er sich bewegt, genau kennt. Je detaillierter die Kenntnis, umso souver\u00e4ner kann man sich bewegen. Wer sich als sozialer Aufsteiger hochgearbeitet hat, wird dagegen zumindest eines immer im Hinterkopf haben, das Gef\u00fchl, dass es da vielleicht irgendein letztes Geheimnis gibt, das er nicht kennt, weil man es nicht erlernen kann. Und allein dieses Gef\u00fchl verunsichert.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"die-sozialstrukturelle-verbuergerlichung-der-politischen-elite\">Die sozial&shy;struk&shy;tu&shy;relle Verb&uuml;r&shy;ger&shy;li&shy;chung der politischen Elite<\/span><\/h2>\n<p>Da auch die Eliten aus Justiz und Verwaltung mit ungef\u00e4hr drei F\u00fcnfteln weit \u00fcberproportional aus dem B\u00fcrgertum stammen, entsprach \u00fcber lange Jahrzehnte nur eine Elite dem Bild der sozial offenen Mittelstandsgesellschaft wenigstens halbwegs, die politische Elite. Zwar waren B\u00fcrgerkinder auch in ihr \u00fcberdurchschnittlich repr\u00e4sentiert, dennoch war sie traditionell bis auf die FDP, deren Spitzenpersonal sich mit wenigen, nach au\u00dfen hin aber auch deutlich erkennbaren Ausnahmen wie M\u00f6llemann oder Bangemann schon immer aus den Familien von Akademikern, Unternehmern und Adligen rekrutierte, \u00fcberwiegend kleinb\u00fcrgerlich, und zwar auf Bundes- wie auf Landesebene. Deutlich wird das z.B. bei den ehemaligen Bundeskanzlern. Aus den Reihen des B\u00fcrgertums kam nur ein einziger, Helmut Schmidt. Er wuchs auf als Sohn eines Studienrats, der wiederum das uneheliche Kind eines Kaufmanns war. Schmidt hat also bildungs- wie wirtschaftsb\u00fcrgerliche Wurzeln. Das verlieh ihm \u00fcber Jahrzehnte eine Sonderstellung. Er gilt bis heute als die perfekte Verk\u00f6rperung des &#8222;Elder statesman&#8220;. Wer kann sich M\u00e4nner wie Ludwig Erhard, Kurt Georg Kiesinger, Helmut Kohl oder Gerhard Schr\u00f6der, die Kinder von Arbeitern, mittleren Angestellten und Beamten sowie kleinen Selbst\u00e4ndigen, in dieser Rolle oder gar als Mitherausgeber der ZEIT vorstellen. <br \/>Die kleinb\u00fcrgerliche Pr\u00e4gung der Politik war im Kern auf die Dominanz der beiden gro\u00dfen Volksparteien CDU\/CSU und SPD zur\u00fcckzuf\u00fchren. Diese beiden Massenparteien boten mit ihrer gro\u00dfen und sehr breiten Mitgliedschaft, in der die un- und angelernten Arbeiter allerdings stets weit unter- und die Mittelschichten deutlich \u00fcberrepr\u00e4sentiert waren, ein vergleichsweise getreues Abbild einer bundesdeutschen Gesellschaft, die im Kern kleinb\u00fcrgerlich war. Das galt mit Abstrichen auch f\u00fcr ihre Spitzenpolitiker; denn wer in der CDU\/CSU oder der SPD ganz nach oben kommen wollte, der musste die ber\u00fchmte Ochsentour machen, den langwierigen Prozess des allm\u00e4hlichen Aufstiegs von der kommunalen \u00fcber die regionale bis hin zur Bundesebene auf sich nehmen. Das sicherte der Parteibasis durch die Kandidatenaufstellung f\u00fcr \u00f6ffentliche wie f\u00fcr Partei\u00e4mter einen sp\u00fcrbaren Einfluss auf die Karriereverl\u00e4ufe. Der kleinb\u00fcrgerliche Charakter der Parteien setzte sich auf diesem Wege bis hinein in die F\u00fchrungspositionen durch.<br \/>Das hat sich in den letzten Jahren tief greifend ge\u00e4ndert. Mit der Regierung von Angela Merkel hat die Bundesrepublik Deutschland nun zum zweiten Mal nach 1966 eine gro\u00dfe Koalition der beiden Volksparteien CDU\/CSU und SPD. Ein Vergleich der beiden gro\u00dfen Koalitionen, der unter Kurt Georg Kiesinger in der zweiten H\u00e4lfte der 1960er Jahre und der aktuellen unter Angela Merkel zeigt \u00fcberaus deutlich, wie sehr sich die politische Elite des Landes in ihrer sozialen Zusammensetzung gewandelt hat. 1966 wurde die Regierung gef\u00fchrt von dem Sohn eines kaufm\u00e4nnischen Angestellten, Kanzler Kiesinger, und dem unehelichen Kind einer Verk\u00e4uferin, Au\u00dfenminister Brandt. Die anderen zentralen Ressorts Inneres, Finanzen, Wirtschaft und Justiz leiteten M\u00e4nner, die je zur H\u00e4lfte aus kleinb\u00fcrgerlichen und aus b\u00fcrgerlichen Verh\u00e4ltnissen stammten. L\u00fccke und Strau\u00df als S\u00f6hne eines Steinbruchmeisters und eines Metzgers z\u00e4hlten zur ersten Kategorie, Schiller und Heinemann als Kinder eines Ingenieurs und eines Krankenkassendirektors zur zweiten. Von den sechs wichtigsten \u00c4mtern wurden also nur zwei von Ministern aus b\u00fcrgerlichen Familien besetzt. <br \/>Welch ein Unterschied zu heute. In der jetzigen Regierung ist es genau umgekehrt. Gerade noch eines der sechs entscheidenden Ministerien wird von jemand gef\u00fchrt, der nicht aus b\u00fcrgerlichen Verh\u00e4ltnissen stammt. Es ist das Au\u00dfenministerium. Dessen Chef, Steinmeier, ist der Sohn eines Tischlers. Die anderen f\u00fcnf Spitzenpositionen sind in b\u00fcrgerlicher Hand. Bundeskanzlerin Merkel kommt aus dem bildungsb\u00fcrgerlichen Haushalt eines Pfarrers und einer Lehrerin. Innenminister Sch\u00e4uble hat einen Steuerberater zum Vater und eine Landtagsabgeordnete zur Mutter. Finanzminister Steinbr\u00fcck stammt aus einer Architektenfamilie. Justizministerin Zypries ist die Tochter eines Unternehmers und Wirtschaftsminister Glos der Sohn eines M\u00fchlenbesitzers und Landwirts. Bei den Ministerpr\u00e4sidenten ist vergleichbares zu beobachten, am deutlichsten in den drei gro\u00dfen s\u00fcddeutschen Bundesl\u00e4ndern. Dort sitzen heute mit Koch, Oettinger und Stoiber die S\u00f6hne eines Ministers, eines Wirtschaftspr\u00fcfers und eines Kaufmanns an der Regierungsspitze. Fr\u00fcher waren es mit Wallmann, Teufel und Strau\u00df die S\u00f6hne eines Realschullehrers, eines Bauern und eines Metzgers. Auch hier haben B\u00fcrgerkinder Kleinb\u00fcrgerkinder ersetzt.\u00a0 <br \/>Die massive \u00c4nderung in der sozialen Rekrutierung der deutschen politischen Elite hat seine Wurzeln in den Umstrukturierungen und der Erosion der beiden gro\u00dfen Volksparteien. Deren Mitgliederzahl ist von H\u00f6chstst\u00e4nden um 1980 herum bei der SPD von \u00fcber 1 Million auf inzwischen nur noch 565.000 gesunken, bei der CDU (trotz eines zwischenzeitlichen Zugangs von circa 110.000 Mitgliedern aus den ehemaligen DDR-Blockparteien) von fast 750.000 auf gut 560.000. Die \u00fcbrig gebliebenen Mitglieder sind zudem erheblich \u00fcberaltert und in hohem Ma\u00dfe inaktiv. Auch bei Wahlen haben beide Parteien massive Verluste zu verzeichnen. Konnten sie fr\u00fcher zusammen stets um die 90 Prozent der abgegebenen Stimmen auf sich vereinigen, kamen sie bei der letzten Bundestagswahl auf weniger als 70 Prozent, bei den letzten Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus noch gerade auf die H\u00e4lfte. Von den Wahlberechtigten erreichten sie statt der fr\u00fcher \u00fcblichen vier F\u00fcnftel schon bei der Bundestagswahl nur noch jeden zweiten, bei den Berliner Wahlen nicht einmal mehr jeden dritten. Die tiefe Krise der Volksparteien ist ein Ausdruck der zunehmenden Spaltung der Gesellschaft, die ihre traditionelle Basis, die Mittelschichten und die Facharbeiterschaft, weitaus st\u00e4rker bedroht als die Klientel der FDP oder der Gr\u00fcnen. <br \/>Dieser Erosionsprozess sorgt auch f\u00fcr eine sp\u00fcrbare Ver\u00e4nderung der klassischen Karrierewege. Die traditionelle Ochsentour hat erheblich an Bedeutung verloren. Dass im letzten Bundestag erstmals kein einziger Abgeordneter mehr sa\u00df, der zuvor in einem Sozialverband oder einer Gewerkschaft gearbeitet hatte, ist ein sichtbares Anzeichen f\u00fcr diese Entwicklung. Wenn die Parteibasis an Einfluss verliert und gleichzeitig weniger repr\u00e4sentativ ist, dann steigt fast parallel dazu der Anteil von Politikern mit b\u00fcrgerlicher Herkunft und von Quereinsteigern. So erfolgt auch die Berufung in ein Ministeramt in zunehmendem Ma\u00dfe unmittelbar aus Spitzenpositionen anderer Sektoren, vor allem aus der Verwaltung. Charakteristisch f\u00fcr diesen Trend ist der Berufsweg von Justizministerin Zypries. Sie wechselte nach einer kurzen T\u00e4tigkeit an der Universit\u00e4t zun\u00e4chst als Referentin in die hessische Staatskanzlei, von dort dann als Mitarbeiterin an das Bundesverfassungsgericht, darauf als Referatsleiterin an die Staatskanzlei in Niedersachsen und schlie\u00dflich als Staatsekret\u00e4rin in das Ministerium f\u00fcr Frauen, Arbeit und Soziales in Hannover und ins Bundesinnenministerium. Wer aber aus einer Spitzenposition in der Verwaltung, der Justiz oder der Wirtschaft kommt, der hat seinen Aufstieg den vom B\u00fcrgertum gepr\u00e4gten Karrieremustern dieser Sektoren zu verdanken. Die ver\u00e4nderten Aufstiegspfade beg\u00fcnstigen also in jeder Hinsicht eine sozialstrukturelle Verb\u00fcrgerlichung der Volksparteien.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"fazit\">Fazit<\/span><\/h2>\n<p>Die hinsichtlich ihrer sozialen Rekrutierung un\u00fcbersehbare Ann\u00e4herung der politischen Elite an die anderen wichtigen Eliten entspricht einer Entwicklung, die auch f\u00fcr die \u00fcbrige Gesellschaft charakteristisch ist. Die &#8222;Gewinner der Globalisierung&#8220; schotten sich zunehmend ab. Aufstiegswege werden immer mehr blockiert, und das st\u00e4rker als fr\u00fcher auch durch institutionelle Regelungen. So sollen z.B. durch die Etablierung von Eliteuniversit\u00e4ten im deutschen Hochschulsektor spezielle Elitebildungsinstitutionen nach dem Vorbild der USA\u00a0 geschaffen werden. Derartige Einrichtungen, das zeigen die Erfahrungen in den USA, aber auch in Frankreich, Gro\u00dfbritannien und Japan deutlich, haben vor allem eine Aufgabe. Auf ihnen wird der Nachwuchs der b\u00fcrgerlich-gro\u00dfb\u00fcrgerlichen Kreise schon fr\u00fchzeitig vom Rest der Bev\u00f6lkerung getrennt ausgebildet und auf seine zuk\u00fcnftigen Machtpositionen vorbereitet (Bourdieu 2004; Hartmann 2004, 2006; Karabel 2005). <br \/>Die Verlierer, und das sorgt ganz wesentlich f\u00fcr die ideologische Rechtfertigung der zunehmenden Unterschiede zwischen &#8222;oben und unten&#8220;, werden gleichzeitig als die Hauptverantwortlichen f\u00fcr ihre Lage dargestellt. Typisch f\u00fcr diese Haltung ist der Leiter des Hauptstadtb\u00fcros des Spiegel, Gabor Steingart. In seinem neuen Buch &#8222;Weltkrieg um Wohlstand&#8220; zeichnet er (unter Missachtung aller aktuellen Forschungsergebnisse \u00fcber &#8222;Underclass&#8220; und Armut) ein Bild der neuen Proleten bzw. der neuen Unterschicht, das dieses Argumentationsmuster sehr deutlich macht. Sie seien im Unterschied zu ihrem historischen Pendant fr\u00fcherer Tage nicht durch materielle Armut vom Rest der Bev\u00f6lkerung getrennt, sondern durch &#8222;geistige Verwahrlosung&#8220;. Ihr mangelndes Bildungsinteresse mache die entscheidende Differenz sowohl zum eigenen geschichtlichen Vorg\u00e4nger als auch zu den anderen Teilen der Bev\u00f6lkerung aus.(4) Letztlich wiederholt sich hier eine Grundmelodie, die Dahrendorf schon vor \u00fcber vier Jahrzehnten intoniert hat, wenn auch unter anderen Vorzeichen. Die Verlierer sind selbst schuld. Deshalb m\u00fcssen sich die Eliten, so der Umkehrschluss, f\u00fcr ihre Privilegien auch nicht rechtfertigen. Sie haben sie verdient. So einfach kann das sein, vorausgesetzt, man will sich mit der Wirklichkeit nicht ernsthaft auseinandersetzen.<br \/>\u00a0<\/p>\n<p>1\u00a0\u00a0 Zum Gro\u00dfb\u00fcrgertum z\u00e4hlen Gro\u00dfunternehmer, Vorst\u00e4nde oder Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer gr\u00f6\u00dferer Unternehmen, Spitzenbeamte und Angeh\u00f6rige von Generalit\u00e4t und Admiralit\u00e4t.<br \/>2\u00a0\u00a0 Zum \u00fcbrigen B\u00fcrgertum geh\u00f6ren gr\u00f6\u00dfere Unternehmer, leitende Angestellte, akademische Freiberufler und h\u00f6here Beamte sowie Offiziere. Dabei ist immer zu beachten, dass es sich bei diesen Managern um Personen handelt, die bis sp\u00e4testens Anfang der 1960er Jahre geboren sind. Ihre V\u00e4ter hatten ihre beruflichen Positionen also in einer Zeit inne, in der im Unterschied zur heutigen Zeit sowohl die h\u00f6heren Beamten als auch die akademischen Freiberufler noch fast ausnahmslos zum B\u00fcrgertum zu z\u00e4hlen waren.<br \/>3\u00a0\u00a0\u00a0 In den gro\u00dfen Elitebefragungen f\u00e4llt die Antwortquote bei den Angeh\u00f6rigen der Wirtschaftselite mit circa einem Drittel immer besonders niedrig aus.<br \/>4\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Zitiert nach Ausz\u00fcgen aus dem Buch in Spiegel online vom 16.9.2006<\/p>\n<p>\u00a0 <br \/><b>Literatur\u00a0\u00a0<\/b><\/p>\n<p>Bourdieu, Pierre (1982): Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft. Frankfurt a. M.<br \/>Bourdieu, Pierre\u00a0 (2004): Der Staatsadel. Konstanz<br \/>Dahrendorf, Ralf\u00a0 (1962): Eine neue deutsche Oberschicht. Notizen \u00fcber die Eliten der Bundesrepublik. Die neue Gesellschaft, 9, 18-31<br \/>Elias, Norbert (1997): \u00dcber den Proze\u00df der Zivilisation. Soziogenetische und psychognetische Untersuchungen. Bd. 2: Wandlungen der Gesellschaft. Entwurf zu einer Theorie der Zivilisation. Frankfurt a. M.<br \/>Hartmann, Michael (2002): Der Mythos von den Leistungseliten. Spitzenkarrieren und soziale Herkunft in Wirtschaft, Politik, Justiz und Wissenschaft. Frankfurt a. M.<br \/>Hartmann, Michael (2004): Elitesoziologie. Eine Einf\u00fchrung. Frankfurt a. M.<br \/>Hartmann, Michael (2006): Die Exzellenzinitiative &#8211; ein Paradigmenwechsel in der deutschen Hochschulpolitik. Leviathan, 34 (im Erscheinen)<br \/>Karabel, Jerome (2005): The Chosen. Boston<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[2217],"publikationen":[1437],"class_list":["post-11863","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-michael-hartman","publikationen-176-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Eine geschlossene Gesellschaft - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/176-vorgaenge\/publikation\/eine-geschlossene-gesellschaft\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Eine geschlossene Gesellschaft - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Eliten in Deutschland, aus: vorg\u00e4nge Nr. 176 (Heft 4\/2006), S. 51-59 Jahrzehntelang beherrschte das Bild von der &#8222;nivellierten Mittelstandsgesellschaft&#8220; (Schelsky) oder der individualisierten Gesellschaft mit Fahrstuhleffekt (Beck) die \u00f6ffentliche wie die sozialwissenschaftliche Wahrnehmung der bundesdeutschen Wirklichkeit. 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