{"id":11869,"date":"2006-12-01T08:30:00","date_gmt":"2006-12-01T07:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/qualmende-vergangenheit\/"},"modified":"2021-08-30T15:39:53","modified_gmt":"2021-08-30T13:39:53","slug":"qualmende-vergangenheit","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/176-vorgaenge\/publikation\/qualmende-vergangenheit\/","title":{"rendered":"Qualmende Vergangenheit"},"content":{"rendered":"<p>Zur Debatte um die SED-Diktatur,<\/p>\n<p>aus: vorg&auml;nge Nr. 176 (Heft 4\/2006), S. 108-125<\/p>\n<p>Die Auseinandersetzungen um die SED-Diktatur, ihre Geschichte und Folgen, schlagen immer wieder in fast regelm&auml;&szlig;igen Abst&auml;nden hohe Wellen in der &Ouml;ffentlichkeit. Dabei geht es zumeist weniger um historische Interpretationen. Vielmehr stehen politische Instrumentalisierungsversuche und K&auml;mpfe um Ressourcen im Mittelpunkt, so dass die eigentlichen historischen Debatten Vehikel bei der Durchsetzung eigener Interessen bilden. Abseits der politisch und emotional aufgeladenen Diskussionen, wie sie immer wieder in der &Ouml;ffentlichkeit ausgetragen werden, hat sich l&auml;ngst eine breit ausgerichtete, methodisch und theoretisch pluralistische historische DDR- und Kommunismusforschung etabliert, die mit Problemen zu k&auml;mpfen hat, wie sie kaum einer Wissenschaftsdisziplin fremd sind. Und doch gibt es Spezifika, die die historische DDR-Forschung von anderen Teilgebieten der Zeitgeschichte unterscheiden. Die folgenden Ausf&uuml;hrungen versuchen, einigen dieser Besondertheiten nachzusp&uuml;ren und ihre Wurzeln frei zu legen. Die Grundthese des Essays lautet: Auch wenn die DDR- und Kommunismusgeschichte noch in besonderer Weise qualmt, es gibt viele Gr&uuml;nde, gelassen die &ouml;ffentlichen Debatten &uuml;ber die SED-Diktatur aufzunehmen. Einen &bdquo;richtigen Weg&ldquo; des Erinnerns und ein &bdquo;g&uuml;ltiges Geschichtsbild&ldquo; gibt es nicht.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"vergangenheit-als-geschichte\">Vergan&shy;gen&shy;heit als Geschichte<\/span><\/h2>\n<p>Geschichte, und sei sie als noch so &bdquo;total&ldquo; apostrophiert, ist immer nur ein kleiner Vergangenheitsausschnitt. Das Vergangene bestimmt die Gegenwart, gerade weil diese, &bdquo;allenfalls die Breite eines Rasiermessers&ldquo; hat, &bdquo;dessen Klinge unaufh&ouml;rlich Teilst&uuml;cke der Zukunft abschneidet und der Vergangenheit zuweist.&ldquo; [1] Historische Debatten sind deshalb auch immer Auseinandersetzungen mit Gegenwartsbez&uuml;gen, nicht selten geht es allein um Gegenwart und Zukunft. Historische Re-Konstruktionen haben von ihrer Profession her zwar vor allem Historiker zum Hauptgegenstand ihrer Arbeit gemacht, aber tats&auml;chlich kommt von ihnen nur ein Teil, wahrscheinlich sogar nur ein sehr geringer, dessen, was Gesellschaften zur Selbstvergewisserung als Geschichte, als Geschichtsbilder annehmen, verteidigen, verwerfen und immer wieder aufs Neue diskutieren. Die Vergangenheit der Geschichte ist offen und ver&auml;nderbar, ihre Zukunft nicht minder. <br \/>Die Vehemenz, mit der zuweilen historische Debatten, Diskussionen um Vergangenheit und Geschichtsbilder, um historische Deutungen und gegenwartsbezogene Interpretationen, gef&uuml;hrt werden, diese Vehemenz und Leidenschaft l&auml;sst sich nur mit der Gegenwart von Vergangenheit als Geschichte erkl&auml;ren. Es geht um Fakten, Kontexte, Mythen, Verk&uuml;rzungen, Auslassungen und nat&uuml;rlich um Interpretationen. So wie niemand frei ist von Geschichte, so ist auch keine Geschichte &bdquo;wahr&ldquo; oder &bdquo;falsch&ldquo;. Offenkundige oder bewusste L&uuml;gen und Auslassungen beeintr&auml;chtigen die Glaubw&uuml;rdigkeit historischer Darstellungen. Aber die Abwesenheit eines Historischen W&auml;chterrates in Offenen Gesellschaften verhindert, anders als in geschlossenen Gesellschaften, eine allgemeing&uuml;ltige Qualifizierung des Wahrheitsgehaltes zu suchen. Individuell kann qualifiziert werden, was und wie auch immer, aber es bleibt eine subjektive Einsch&auml;tzung, die auch nicht dadurch objektiver wird, dass sie in bestimmten sozialen R&auml;umen oder von bestimmten sozialen Gruppen geteilt und zur Objektivit&auml;t (v)erkl&auml;rt wird. <br \/>Auseinandersetzungen in und um die Gegenwart sind so auch immer &bdquo;K&auml;mpfe um Geschichte&ldquo;. Deutschland hat in den Jahren seit 1989\/90 mehrere solcher &bdquo;K&auml;mpfe&ldquo; erlebt. Drei Erinnerungsstr&auml;nge fielen angesichts ihrer medial aufgeladenen, gesellschaftlich breiten, politisch kontroversen und wissenschaftlich von Schuldenken charakterisierten Diskussionsformen besonders auf: Die Auseinandersetzungen mit der nationalsozialistischen Vergangenheit, mit den Verbrechen und Folgen, blieben der Fixpunkt der deutschen Erinnerungskultur und Geschichtspolitik. Sie bilden den Referenzrahmen, der aber auch Ver&auml;nderungen unterworfen ist. Das Ende der Nachkriegsgeschichte 1989\/90 und die deutsche Suche nach einem neuen Platz im europ&auml;ischen und globalen Konzert verlangt augenscheinlich nach einem historischen Selbstbewusstsein, das die Deutschen, wenn schon nicht die Verantwortung f&uuml;r die nationalsozialistischen Verbrechen und die Shoah geleugnet oder marginalisiert werden kann, so wenigstens zum Opfer ihrer selbst stilisiert. Ob nun &bdquo;Wehrmachts-&ldquo;, &bdquo;Bombenkriegs-&ldquo; oder &bdquo;Vertreibungs-opfer&ldquo; &ndash; mit diesen und anderen Debatten erhielten die Auseinandersetzungen um die nationalsozialistische Vergangenheit neue T&ouml;ne, die in dieser gesellschaftlichen Breite so vor 1989\/90 in der Bundesrepublik kaum m&ouml;glich gewesen w&auml;ren. Auch wenn es zu keiner Relativierung der NS-Verbrechen kam, der kausale Zusammenhang zwischen diesen und den Folgen, wie sie sich etwa im Bombenkrieg oder in der gigantischen und m&ouml;rderischen Vertreibung auftaten, schien doch zuweilen verloren zu gehen. <br \/>Erreichten diese Debatten ganz Deutschland, so blieben zwei andere geographisch weitgehend separiert. &Uuml;ber die &bdquo;68er&ldquo; und die Folgen (Stichwort: Bundesau&szlig;enminister a.D. Joseph Fischer) wird &ouml;stlich von Werra und Elbe weitaus weniger gestritten, werden weitaus weniger Emotionen ausgel&ouml;st wie umgekehrt die historischen Debatten&nbsp;&uuml;ber die DDR- und Kommunismusgeschichte westlich von Werra und Elbe ebenso eher mit ethnologischem Interesse verfolgt und aufgenommen werden. Dabei liegt es doch auf der Hand, dass ein staatlich geeintes Deutschland in einem sich einigendem Europa, zumal an der Nahtstelle zwischen dem politisch alten West- und dem politisch alten Osteuropa, gar nicht umhin kommen kann, neben der nationalsozialistischen Vergangenheit auch die beiden Geschichten in der Teilungszeit als etwas Gemeinsames anzunehmen und zu verarbeiten. Wie weit wir aber von dieser gemeinsamen, integrativen deutschen Geschichte noch voneinander entfernt sind, zeigte anschaulich die Debatte um das &bdquo;Schwarzbuch des Kommunismus&ldquo; Ende der neunziger Jahre. Im Gegensatz zu anderen L&auml;ndern ging es in Deutschland, das als einziges Land beide totalit&auml;ren Diktaturformen als Staatspolitik erlebt hatte, nicht um den Inhalt des &bdquo;Schwarzbuches&ldquo; und auch nicht um die SED-Diktatur. Im Zentrum der deutschen Debatte stand das Selbstverst&auml;ndnis der Bundesdeutschen vor und nach 1989. [2] <br \/>Vor allem &bdquo;68er&ldquo; arbeiteten sich in dieser Debatte ganz verschieden ab und suchten nach ihrem historischen und gegenw&auml;rtigen Platz. Als Joseph Fischer dann im Zentrum einer &bdquo;68er-Debatte&ldquo; stand, blieb sie im Osten merkw&uuml;rdig ungeh&ouml;rt. Und obwohl gerade diese beiden Auseinandersetzungen exemplarisch vorf&uuml;hrten, wie eng die ost- und die westdeutsche Geschichten verzahnt und verbunden sind und wie stark diese in die Gegenwart reichen, scheinen wir vom Projekt einer gemeinsamen deutschen und damit auch europ&auml;ischen Nachkriegsgeschichte fast so entfernt zu sein wie vor 15 Jahren. Bislang jedenfalls &uuml;berwiegt in den Debatten und den Darstellungen (ob nun in Form von B&uuml;chern, Filmen oder Ausstellungen) eher ein additives Nebeneinander als die synthetische Integration. [3] Nur mit Appellen werden wir diese Sackgasse nicht verlassen k&ouml;nnen. Es ist eben nicht nur methodisch ein schwieriges Unterfangen zu synthetisieren, ohne dabei gleich zu synchronisieren, [4] es stellt auch eine emotionale Herausforderung in der Zeitgeschichte, Geschichts- und Erinnerungspolitik dar, Trennendes und Verbindendes, Gegens&auml;tzliches und Gemeinsames zu analysieren und auch darzustellen.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"geschichte-in-der-europaeischen-revolution-198991\">Geschichte in der europ&auml;&shy;i&shy;schen Revolution 1989\/91<\/span><\/h2>\n<p>Der &bdquo;Wiederbeginn der Geschichte&ldquo; (Dahrendorf) 1989\/90 hatte eine Ursache darin, dass die kommunistischen Gesellschaften sich den zwangsverordneten Geschichtskonstruktionen zu entledigen suchten und ihre Vergangenheit einer vielgliedrigen Selbstverwaltung anvertrauen wollten. Anfang der 1980er Jahre publizierten die beiden ungarischen Emigranten, Philosophen und Eheleute Agnes Heller und Ferenc Feh&eacute;r ein Buch &uuml;ber die Geschichte und Folgen der gescheiterten ungarischen Revolution von 1956. Sie scheuten sich nicht, eine politische Prognose abzugeben, eine Prognose, die anschaulich vermittelt, dass die Sehnsucht nach Hoheit &uuml;ber die Deutung der eigenen Vergangenheit in diktatorischen, geschlossenen Gesellschaften zumeist ein gesellschaftliches Grundbed&uuml;rfnis darstellt. Heller und Feh&eacute;r schrieben: &bdquo;Wer wollte mit Sicherheit voraussagen, dass es nicht doch einmal ein Staatsbegr&auml;bnis f&uuml;r Imre Nagy in Budapest geben wird? Und sollte die Stadt es erleben und ihr Ministerpr&auml;sident findet letztlich Ruhe an einem Ehrenplatz, dann k&ouml;nnen kaum mehr Zweifel bestehen, welche Parolen auf den Transparenten des Volkes stehen werden, das ihn begleitet.&ldquo; [5] Nur wenige Jahre sp&auml;ter, am 16. Juni 1989, erlebte Budapest das Bild, das von Heller und Feh&eacute;r prophezeit worden war. 31 Jahre nach der Hinrichtung von Imre Nagy und seinen Schicksalsgef&auml;hrten gedachten in Budapest Hunderttausende in einer nationalen Trauerfeier der Ermordeten von 1958 und dem Verm&auml;chtnis der blutig niedergeschlagenen ungarischen Revolution von 1956. &bdquo;Die wahre Bedeutung der Revolution von 1956 f&uuml;r die Geschichte Ungarns zeigte sich dadurch, dass die Rehabilitierung der Revolution die entscheidende politische Wende in der j&uuml;ngsten Geschichte des Landes markierte.&ldquo; [6] Der endg&uuml;ltige Zusammenbruch der &bdquo;fr&ouml;hlichsten Baracke im Kommunismus&ldquo;, wie Ungarn etwas ironisch, aber auch etwas neidisch im Ostblock genannt wurde, stand in einem engen Zusammenhang, wie in fast allen anderen kommunistischen Gesellschaften, mit der Wiederaneignung der eigenen Vergangenheit als Ausgangspunkt einer antiutopischen Revolution zum Zwecke der Wiederherstellung der b&uuml;rgerlichen Gesellschaft und einer selbstverwalteten Vergangenheit. [7]<br \/>In der CSSR stand die kurze Phase des Reformkommunismus Mitte der 1960er Jahre bereits im Zeichen einer nachholenden Entstalinisierung, und die Revolution 1989 ist ohne die konkrete historische (wenn auch zeitlich kurze) R&uuml;ckbesinnung der Gesellschaft auf die j&uuml;ngere Vergangenheit nicht hinreichend zu erkl&auml;ren. Mit Alexander Dubcek und V&aacute;clav Havel hatte sie zudem zwei F&uuml;hrungspers&ouml;nlichkeiten, die diese nunmehr freizulegende Vergangenheit symbolisch personifizierten. <br \/>Der Untergang des europ&auml;ischen Kommunismus begann Anfang der 1980er Jahre in Polen. Auch hier war der Protest gegen die politische und soziale Situation verbunden mit historischer Erinnerungsarbeit. Ein 1980 von Oppositionellen errichtetes Monument in Danzig erinnerte un&uuml;bersehbar an die get&ouml;teten Arbeiter der Streiks und Unruhen in verschiedenen polnischen St&auml;dten zehn Jahre zuvor. Im &bdquo;zweiten Umlauf&ldquo;, im polnischen Samisdat spielte die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ohnehin eine gro&szlig;e Rolle. Wahrscheinlich war der Samisdat in Osteuropa das wichtigste Medium, in dem die Vergangenheit der eigenen Gesellschaft aus den F&auml;ngen der Ideologiew&auml;chter befreit wurde. [8] Nirgends spielte der Samisdat eine solche Rolle wie in Polen. Die Verbreitung, die Auflagenh&ouml;he, die Anzahl der B&uuml;cher, Brosch&uuml;ren und Periodika und die Etablierung einer geradezu illegalen Wirtschaftsstruktur waren in keinem Land so ausgepr&auml;gt wie in Polen. Hier existierten Zeitschriften im Samisdat, die Auflagen von &uuml;ber 5.000 St&uuml;ck erzielten und an deren Herstellung 100 Personen aktiv beteiligt waren. Einzelne B&uuml;cher erreichten Auflagen von &uuml;ber 10.000 Exemplaren.<br \/>Aber auch im Mutterland des Kommunismus, in der Sowjetunion, waren Samisdat-Produkte seit den sechziger Jahren weit und vielf&auml;ltig verbreitet. Den halbherzigen Reformprozess in der Gorbatschow-&Auml;ra begleiteten von Anfang an Geschichtsdebatten, die letztlich die Unausweichlichkeit des kommunistischen Untergangs historisch belegten. Parteichef Chruschtschow hatte auf dem XXII. Parteitag der KPdSU 1961 die Errichtung eines Memorials, eines Denkmals f&uuml;r einige kommunistische Opfer der Stalin-Herrschaft gefordert. Der Plan wurde nicht umgesetzt, ist aber 1987\/88 in der Sowjetunion erneut aufgegriffen und auch von Gorbatschow unterst&uuml;tzt worden. [9] Nunmehr sollte aber an alle Opfer der kommunistischen Herrschaft erinnert werden. B&uuml;rgerrechtler, Schriftsteller und Historiker gr&uuml;ndeten die Vereinigung &bdquo;Memorial&ldquo;, die sich bald nicht mehr nur zum Ziel setzte, Denkm&auml;ler zu errichten, sondern auch Bibliotheken, Ausstellungen, Forschungs- und Informationszentren sowie eine Kartei aller Opfer betreuen wollte. Ihr Anliegen wurde damals von Zehntausenden unterst&uuml;tzt. Heute ist &bdquo;Memorial&ldquo; eine der wichtigsten zivilgesellschaftlichen Institutionen in Russland, die neben wertvoller historischer Aufkl&auml;rungs- und Forschungsarbeit auch die Demokratisierung des autokratischen Russlands einfordert und deshalb staatlichen Repressionen ausgesetzt ist.<br \/>Auch in der DDR sind die sowjetischen Debatten aufmerksam und leidenschaftlich verfolgt worden. [10] Zu einer &auml;hnlichen Geschichtsdebatte aber kam es in der DDR nicht, weil die SED-F&uuml;hrung bis zum Herbst 1989 jede Revision ihrer dogmatischen Geschichtsbilder unterband, was sich am deutlichsten im Verbot sowjetischer Zeitschriften und Filme 1988\/89 zeigte. Hinter den gut gesicherten Akademiet&uuml;ren soll es zwar zaghafte Versuche gegeben haben, die alten Geschichtsdogmen aufzuweichen, aber wirklich nachweisbar sind solche Bem&uuml;hungen kaum. Viele Menschen konnten zwar mit den kommunistischen Geschichtsbildern nicht viel anfangen, zumal meist eigene Erfahrungen und das Familienwissen die offizielle Geschichtspropaganda konterkarierten, aber &ouml;ffentliche Debatten dar&uuml;ber konnten nicht gef&uuml;hrt werden. Lediglich in oppositionellen Kreisen und in manchen Kirchengemeinden sind historische Gegenbilder entworfen worden. 1986 etwa unterschrieben ostdeutsche Oppositionelle einen Aufruf zum 30. Jahrestag der ungarischen Revolution, was heftige Gegenreaktion hervorrief, weil offiziell die ungarische Revolution in der DDR ebenso wie der &bdquo;17. Juni 1953&ldquo; als faschistischer bzw. konterrevolution&auml;rer Putschversuch galt. Im DDR-Samisdat erschien 1988 der Sammelband &bdquo;Spuren&ldquo;, in dem Protagonisten der Opposition erstmals die Entwicklung der unabh&auml;ngigen Friedensbewegung in der DDR darstellten. Schlie&szlig;lich haben Oppositionelle im September 1989 die Samisdat-Publikation &bdquo;Urkunde. 40 Jahre DDR&ldquo; [11] vorgelegt, die individuell erfahrene DDR-Geschichte spiegelte und so die offiziell propagierten Geschichtsbilder zur&uuml;ckwies. <br \/>Der enge Zusammenhang zwischen gesellschaftlicher Realit&auml;t, politischen Absichten der SED-F&uuml;hrung, historischen Debatten und individuellen Erfahrungen l&auml;sst sich an einem Beispiel verdeutlichen, das damals viele Menschen bewegte und heute weithin der Vergessenheit anheim gefallen ist. Am Dienstag, den 13. Oktober 1987, sendeten das sowjetische Staatsfernsehen und das ZDF erstmals ein gemeinsames, mehrst&uuml;ndiges Programm in einer Liveschaltung zwischen Leningrad und Mainz. Der H&ouml;hepunkt war erreicht, als zum Abschluss der gemeinsamen Sendung im ZDF ein bis 1986 in der Sowjetunion verbotener sowjetischer Film ausgestrahlt wurde, der zum gesamtdeutschen Ereignis geriet: In &bdquo;Die Reue&ldquo; rechnet der georgische Filmemacher Tengis Abuladse in einer &uuml;ber zweist&uuml;ndigen Tragikom&ouml;die kompromisslos mit dem Kommunismus und dem Totalitarismus jedweder Spielart ab. Der Film handelt vom verstorbenen Diktator Warlam, der von einer Frau ausgegraben wird, die seine Verbrechen offen legen will. Warlam sieht in der R&uuml;ckblende aus wie Stalins Staatssicherheitschef Berija, tr&auml;gt einen Hitlerbart und ein faschistisches Schwarzhemd. Um einen Eindruck zu vermitteln, wie dieser Film auf Ostdeutsche wirkte, zitiere ich aus dem Tagebuch eines 20j&auml;hrigen. Er schrieb am Morgen des 14. Oktober 1987: &bdquo;Ein bewegender Abend liegt hinter mir. Gestern Abend lief im ZDF der 1984 gedrehte sowjetische Film &sbquo;Die Reue&rsquo;. Vor Augen wurde ein St&uuml;ck realer Sozialismus gef&uuml;hrt. Der Teil des Sozialismus, den ich und Tausende andere bek&auml;mpfen, ausmerzen wollen. Meine Haltung wurde eher noch versch&auml;rft: Diese korrupten Verbrecher sind physisch zu vernichten, eine Psyche besitzen diese Schweine nicht. Ich bin ohne Worte.&ldquo;<br \/>Der Tagebuchschreiber war kein militanter Antikommunist, sondern eher ein junger Mann, der vom realen Kommunismus desillusioniert worden war und der dem Traum vom demokratischen Sozialismus anhing. Gerade deswegen, so scheint es, verteidigte er seine Utopien militant gegen jene, die vorgaben, diese Utopien verwirklicht zu haben. Seine irritierende Sprache ist offenbar Ausdruck seiner gef&uuml;hlten Ohnmacht.<br \/>Das Medienereignis geriet in der DDR zu einer der zahlreichen offiziellen Anti-Perestroika-Kampagnen, die ihrerseits g&auml;nzlich unbeabsichtigt die Gesellschaft aus ihrem Dornr&ouml;schenschlaf erweckten und die Geschichte nicht an ihr Ende f&uuml;hrte, wie Francis Fukuyama meinte, sondern, wie Ralf Dahrendorf beobachtete, deren Wiederbeginn letztlich zur Folge hatte. Es brodelte nach diesem Film in der DDR heftig, so heftig, dass sich erst in der &bdquo;Jungen Welt&ldquo; am 28. Oktober 1987 und dann im &bdquo;Neuen Deutschland&ldquo; am 31. Oktober\/1. November 1987 zwei SED-Demagogen &ndash; Hans-Dieter Sch&uuml;tt und Harald Wessel &ndash; gen&ouml;tigt sahen zu reagieren. Sie sa&szlig;en sprichw&ouml;rtlich in der Zwickm&uuml;hle. Sie mussten den Film verurteilen, und zugleich durfte diese Verurteilung nicht in antisowjetische Ressentiments ausarten. Dieser Spagat ist den beiden deshalb nicht gelungen, weil sie die reine Lehre weisungsgem&auml;&szlig; vom Moskauer Zentrum abl&ouml;sten und urpl&ouml;tzlich wieder vom spezifisch nationalen Weg zum Sozialismus die Rede war. Sie setzten um, was Kurt Hager am 20. M&auml;rz 1987 dem &bdquo;stern&ldquo; in einem Interview, das vom SED-Politb&uuml;ro nur wenige Tage zuvor abgesegnet worden war, &uuml;bermitteln lie&szlig;. SED-Chefideologe Hager (&bdquo;Tapeten-Kutte&ldquo;) hatte verlautbaren lassen: &bdquo;W&uuml;rden Sie, nebenbei gesagt, wenn Ihr Nachbar seine Wohnung tapeziert, sich verpflichtet f&uuml;hlen, Ihre Wohnung ebenfalls neu zu tapezieren?&ldquo; Das war die deutlichste und zugleich bekannteste Absage an Perestroika und Glasnost, die ein SED-Funktion&auml;r formuliert hatte. Sowohl auf Sch&uuml;tts und Wessels als auch auf Hagers Einlassungen folgten jeweils Hunderte schriftliche Reaktionen emp&ouml;rter DDR-B&uuml;rger. Die drei Ideologen hatten es geschafft, zum Gespr&auml;chsthema Nr. Eins zu werden. Die Hinterfragung der verordneten Geschichtsbilder wurde so auch in der DDR, wenn auch weniger offensiv als etwa in Polen, Ungarn oder gar der Sowjetunion, zu einer zentralen Wegmarke hin zur Herbstrevolution.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"die-sehnsucht-nach-selbstverwalteter-vergangenheit\">Die Sehnsucht nach selbst&shy;ver&shy;wal&shy;teter Vergan&shy;gen&shy;heit<\/span><\/h2>\n<p>Die Revolution selbst war bereits von einem hohen Geschichtsbewusstsein gepr&auml;gt, ein Geschichtsbewusstsein, das anzeigte, die revolutionierte Gesellschaft m&uuml;sse auch dadurch charakterisiert sein, dass die demokratische, pluralistische und individuelle Aneignung von Vergangenheit und Geschichte als Selbstverst&auml;ndlichkeit in der neuen Gesellschaft geradezu axiomatisch gesetzt sei. Die Urkunde &bdquo;40 Jahre DDR&ldquo; geh&ouml;rte zu diesem Prozess ebenso wie die Wiederbegr&uuml;ndung einer sozialdemokratischen Partei Anfang Oktober, die allein durch ihre Existenz die SED historisch delegitimierte. Auch dass B&uuml;rgerrechtler die brutalen &Uuml;bergriffe von Staatssicherheit und Volkspolizei am 7. und 8. Oktober in Berlin sofort mit etwa 70 Erinnerungsberichten dokumentierten, zeugten von dem Bewusstsein, Geschehenes nicht mehr dem Vergessen anheim fallen zu lassen. Als schlie&szlig;lich Ende Oktober 1989 der Schauspieler Ulrich M&uuml;he im Ostberliner &bdquo;Deutschen Theater&ldquo; aus den Erinnerungen Walter Jankas vorlas, der etwa die brutalen Verh&ouml;rmethoden der Staatssicherheit schilderte, war das &ouml;ffentliche Schweigen &uuml;ber die Vergangenheit endg&uuml;ltig gebrochen und auch nicht mehr r&uuml;ckg&auml;ngig zu machen. Gerade weil ein treuer Kommunist &uuml;ber seine Erfahrungen berichtete, hinterlie&szlig; dieses Buch und die landesweit &uuml;bertragene Lesung bis tief in die Reihen der SED sichtbare Spuren, die von Irritation bis hin zu Wut, Trauer und Scham reichten. <br \/>Dieses wiedererwachte gesellschaftliche Geschichtsbewusstsein zeigte sich &uuml;brigens auch am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz, als etwa eine halbe Million B&uuml;rger und B&uuml;rgerinnen die Demokratisierung der DDR einforderten und Repr&auml;sentanten des Regimes wie Markus Wolf oder G&uuml;nter Schabowski, die auch als Redner auftraten, gnadenlos ausbuhten. Tausende Spruchb&auml;nder waren zu sehen. Der Versammlungsleiter rief kurz vor dem Ende der Kundgebung dazu auf, die &bdquo;F&uuml;lle der Transparente&ldquo; zu sammeln. Die kreativen Plakate und Transparente sollten &bdquo;bewahrt&ldquo; bleiben, weshalb sie hinter der &bdquo;B&uuml;hne&ldquo; abgelegt und in einem eigenen Depositum aufbewahrt werden sollten. Das geschah auch und bedeutete zugleich den Beginn einer geschichtspolitischen und geschichtswissenschaftlichen Debatte, die im Prinzip bis heute anh&auml;lt.<br \/>Die Menschen begannen aber nicht nur, ihre Revolution schon w&auml;hrend der Revolution zu historisieren, sie sorgten auch daf&uuml;r, dass die Vergangenheit &uuml;berhaupt als Geschichte, Erinnerung und Memorial diskutiert werden konnte. Denn die ab Anfang Dezember 1989 erfolgten Besetzungen von Bezirks- und Kreisdienststellen des MfS hatten ihren Ausgangspunkt in Mutma&szlig;ungen, die Staatssicherheit w&uuml;rde Teile ihrer Unterlagen ins Ausland verbringen. Der Slogan &bdquo;Meine Akte geh&ouml;rt mir&ldquo; war nur einer von vielen sinnf&auml;lligen Ausdr&uuml;cken, der das Verlangen nach Hoheit &uuml;ber die eigene Vergangenheit symbolisierte. Zum Ende der Staatssicherheit geh&ouml;rte der Wunsch, deren geheimnisumwittertes Wirken zu erkennen und gesellschaftlich wie individuell zu verarbeiten. Die &Ouml;ffnung dieser und anderer Akten, etwa der SED, geschah ohne Vorbild und fand auch nirgends Nachahmer. <br \/>Dieser Prozess ist vor der Wiedervereinigung in Gang gesetzt worden, zu einem Zeitpunkt, als noch niemand genau wissen konnte, wann es zur deutschen Einheit k&auml;me. Das ist zu betonen, weil immer wieder behauptet wird, der &bdquo;deutsche Weg&ldquo; in Sachen &bdquo;Aufarbeitung&ldquo; h&auml;nge eng mit dem radikalen Elitenaustausch zusammen, der aufgrund der Teilung auch nur in Deutschland m&ouml;glich gewesen sei. Das ist nur der kleinere Teil der Wahrheit. Das Stasiunterlagengesetz ist von der Volkskammer erarbeitet worden. Als es nicht Bestandteil des Einigungsvertrages wurde, waren es wieder beherzte B&uuml;rger und B&uuml;rgerinnen, die mit phantasievollen Aktionen und Protesten daf&uuml;r sorgten, dass eine Zusatzklausel in den Einigungsvertrag aufgenommen wurde, die ein baldiges neues Stasiunterlagengesetz in Anlehnung an das Volkskammergesetz verbindlich festschrieb. Und dies ist letztlich nur m&ouml;glich gewesen, weil in der Revolution der Staatssicherheitsdienst von der Gesellschaft besetzt und aufgel&ouml;st wurde. Nicht nur das Stasiunterlagengesetz mit seinen Folgen war singul&auml;r, auch die Besetzung der Stasizentralen fand in diesem Umfang in Osteuropa nirgends ein Pendant.<br \/>Auch der radikale Umbau der historischen Wissenschaft in der DDR einschlie&szlig;lich der personellen und institutionellen Konsequenzen hatte seinen Ursprung in der DDR selbst. Zun&auml;chst meldeten sich im November und Dezember einige tonangebende, aber auch einige j&uuml;ngere SED-Historiker zu Wort, die selbstkritisch einr&auml;umten, dass die Geschichtswissenschaft als Magd der Politik agierte und grundlegend erneuert werden m&uuml;sse. Wolfgang K&uuml;ttler, in den achtziger Jahren der ma&szlig;gebliche leninistische Geschichtstheoretiker an der Akademie der Wissenschaften, erkl&auml;rte am 10. November 1989 auf einer Tagung in Bayern: &bdquo;Es ist einfach vieles neu aufzuarbeiten, aber es muss nat&uuml;rlich, weil alles nicht so schnell geht, auch noch mit Vorhandenem gearbeitet werden. Ich kann f&uuml;r die Historiker sagen: was die Geschichte der DDR betrifft, sind Synthesen, die bisher erschienen sind, wirklich nicht mehr zu verwenden. Das war keine wissenschaftlich betriebene Geschichte, sondern zum gro&szlig;en Teil ein Ritual, ein zelebrierender Kult, an dem wir leider alle teilgehabt haben &ndash; nolens volens &ndash; mehr oder weniger, aber man soll das nicht zu sehr differenzieren. Das muss mit aller Sch&auml;rfe gesagt werden. Hier kann die Selbstkritik gar nicht radikal genug sein, aber das ist auch erst ein im Streit durchzusetzender Proze&szlig;.&ldquo; [12] <br \/>Wenig sp&auml;ter versch&auml;rfte sich die Kritik, die nunmehr aber von Au&szlig;enseitern des Faches und Nichtkommunisten vorgetragen wurde, was dann dazu f&uuml;hrte, dass die &bdquo;Selbstkritik&ldquo; der SED-Historiker verstummte und sie bald dazu &uuml;bergingen, ihr Tun und ihre Produkte vehement zu verteidigen. Am 10. Januar 1990 ver&ouml;ffentlichten schlie&szlig;lich die beiden Historiker Armin Mitter und Stefan Wolle einen Aufruf, der die Bildung eines Unabh&auml;ngigen Historiker-Verbandes in der DDR anregte. Darin hie&szlig; es: &bdquo;Auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften herrscht eine erschreckende Situation. Jahrzehntelang erstickte ein ungenie&szlig;barer Brei aus L&uuml;gen und Halbwahrheiten jede freie geistige Regung. Scholastische Albernheiten und abgestandene Gemeinpl&auml;tze wurden als &sbquo;einzige wissenschaftliche Weltanschauung&lsquo; ausgegeben. Pseudowissenschaftler schwangen sich auf den Richterstuhl marxistischer Allwissenheit und diffamierten in d&uuml;mmlicher Arroganz ganze Epochen der modernen Geistesgeschichte.&ldquo; In dem Papier hie&szlig; es weiter, dass &bdquo;Philosophie, Soziologie, selbst Kunst- und Literaturwissenschaft &#8230;. zu Best&auml;tigungsinstanzen der SED-Beschl&uuml;sse [wurden]. Das traurigste Los aber traf die Geschichtswissenschaft.&ldquo; Klar benannten die Autoren zudem, warum das &bdquo;traurigste Los&ldquo; die Historiographie traf: &bdquo;Die Legitimation, die ihr das Volk vom ersten Tag ihrer Machtergreifung an verweigerte, versuchte die SED durch eine neue Geschichtsideologie zu ersetzen.&ldquo; [13]<br \/>Bald zeigte sich, dass es in der historischen Debatte nicht mehr nur um Ver&auml;nderungen, sondern um einen radikalen Neuaufbau gehen m&uuml;sse, der neben institutionellen und personellen Ver&auml;nderungen letztlich zum Ziel habe, das kommunistische Geschichtsbild durch wissenschaftliche Geschichtsbilder zu ersetzen. Dies konnte dann verglichen mit den anderen postkommunistischen Staaten schneller und substantieller erfolgen, weil mit der Wiedervereinigung ganz andere M&ouml;glichkeiten vorhanden waren. Die wichtigste aber wiederum war vor der Einheit geschaffen worden: die &Ouml;ffnung der Archive. Von diesem Prozess, den die Kommunisten mehrfach zu stoppen sich anschickten, freilich erfolglos, gingen die ma&szlig;geblichen Impulse f&uuml;r die wissenschaftliche und gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der Geschichte der SBZ\/DDR, des Kommunismus und des Verh&auml;ltnisses des Westens zum Ostblock aus. <br \/>In der ostdeutschen Gesellschaft war das Bed&uuml;rfnis nach historischer Auseinandersetzung, und sei es nur die eigene Biographie oder die der Familie, immens. Als kurz vor den Volkskammerwahlen im M&auml;rz 1990 der Band &bdquo;Ich liebe euch doch alle&ldquo; mit Lageberichten des MfS aus dem Jahre 1989 herauskam, versammelten sich vor dem &bdquo;Haus der Demokratie&ldquo; in Ost-Berlin, wo von LKW-Pritschen herunter der Band verkauft wurde, Tausende Menschen, um die hei&szlig; begehrte Ware zu erhalten. Die Menschen wollten wissen, was mit ihnen und um sie herum in den vergangenen Jahren eigentlich geschehen ist. Dieser Quellenband der beiden Historiker Mitter und Wolle ging innerhalb weniger Wochen in 250.000 Exemplaren &uuml;ber die Ladentische. Eine neue Geschichtsproduktion, die ganz elementare Bed&uuml;rfnisse in Umbruchzeiten bediente, war geboren worden. Es ging um allgemeine Aufkl&auml;rung und um die pers&ouml;nliche Frage, wer f&uuml;r welche markanten biographischen Punkte wirklich verantwortlich war.<br \/>Mitter und Wolle hatten Anfang 1990 gegen die etablierte kommunistische Historikerzunft den bereits erw&auml;hnten &bdquo;Unabh&auml;ngigen Historiker-Verband&ldquo; gegr&uuml;ndet. Im Gr&uuml;ndungsaufruf war als eine zentrale Aufgabe benannt, SED-, MfS-Unterlagen sachkundig sicherzustellen und die &bdquo;gegenw&auml;rtige Demokratiebewegung&ldquo; zu dokumentieren. Damit waren drei zentrale Felder der historiographischen Forschung und geschichtspolitischen Erinnerung benannt.<br \/>W&auml;hrend die Debatte um die SED-Unterlagen im Sommer 1992 beendet war und mit der Gr&uuml;ndung der SAPMO Anfang 1993 ein institutionell sichtbares Ende gefunden hatte &ndash; f&uuml;r die SED-Akten wie f&uuml;r alle anderen Unterlagen mit Ausnahme der Archivalien des DDR-Au&szlig;enministeriums, die im Ausw&auml;rtigen Amt liegen, gibt es keine drei&szlig;igj&auml;hrige Sperrfrist wie sie im Regelfall das Bundesarchivgesetz vorsieht &ndash; blieben die Auseinandersetzung um die MfS-Akten und die Unterlagen der DDR-Opposition bis in die Gegenwart hinein hochaktuell und politisch.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"geschichtspolitik-und-politische-kultur\">Geschichts&shy;po&shy;litik und politische Kultur<\/span><\/h2>\n<p>Die Anfang 1990 entz&uuml;ndete Geschichtsdebatte in der DDR hat die Geschichtskultur, Geschichtspolitik, Geschichtswissenschaft und die politische Kultur der Bundesrepublik mehr ver&auml;ndert als es viele Beobachter wahrnehmen. Die Gedenkkultur der Bundesrepublik hat erst nach 1990 allm&auml;hlich Pl&auml;tze und R&auml;ume gefunden, um die Opfer und Gegner des Kommunismus wirklich zu w&uuml;rdigen. Der seit den sechziger Jahren zunehmend sinnentleerte &bdquo;Tag der deutschen Einheit&ldquo; am 17. Juni ist zwar 1990 durch den eher technokratisch zustande gekommenen Feiertag am 3. Oktober abgel&ouml;st worden, das verhinderte aber nicht, dass in einem breiten gesellschaftlichen Diskussionsprozess der Opfer des Kommunismus intensiver, w&uuml;rdiger und inhaltsreicher gedacht wird als jemals zuvor. <br \/>Auch wenn dies noch l&auml;ngst nicht im gesellschaftlichen Bewusstsein verankert sein mag, das Gedenken etwa 2003 an den 50. Jahrestag des &bdquo;17. Juni&ldquo; hat eindr&uuml;cklich vor Augen gef&uuml;hrt, dass die Bundesrepublik eine neue, nicht nur um neue Varianten angereicherte Erinnerungs- und Geschichtskultur besitzt. [14] Bis dahin war es ein weiter und dornenreicher Weg, der hier nicht im Einzelnen nachgezeichnet werden kann. Entscheidend war jedoch dabei, dass die wichtigsten Impulse daf&uuml;r aus der Gesellschaft selbst kamen, in der Regel aus Kreisen, die als Opfer und Gegner des Regimes anzusprechen sind. Die beiden Enquete-Kommissionen des Deutschen Bundestages (1992-98) etwa, deren Wirkung kaum hoch genug veranschlagt werden kann, gingen auf eine Initiative ostdeutscher Abgeordneter zur&uuml;ck, die selbst aktiv in der DDR-Opposition t&auml;tig waren. <br \/>J&uuml;rgen Habermas hat 1994 vor dieser Kommission davon gesprochen, dass in Deutschland ein &bdquo;antitotalit&auml;rer Konsens&ldquo; unabdingbar f&uuml;r die weitere Entwicklung der Demokratie sei. [15] Das war vielen auch schon vorher klar. Die Bedeutung der Rede von Habermas liegt weniger im Inhalt als vielmehr darin, dass er diese Rede zu diesem Zeitpunkt hielt. Er hat damit nicht nur implizit seine Skepsis gegen&uuml;ber der Wiedervereinigung aufgegeben, er hat sogleich mit dem Schlagwort vom &bdquo;antitotalit&auml;ren Konsens&ldquo; die Totalitarismus-Theorie und die komparatistische Sicht auf Diktaturen f&uuml;r viele Linke und Linksliberale &bdquo;salonf&auml;hig&ldquo; gemacht und den Kalten Krieg gegen Antikommunisten beendet. Das war f&uuml;r die politische Kultur der Bundesrepublik wohltuend, weil au&szlig;erhalb dogmatischer Zirkel der Kommunismus endg&uuml;ltig seine angebliche Sozialutopie verlor.<br \/>Ein &auml;hnlicher Vorgang spielte sich ein paar Jahre sp&auml;ter ab. Es musste 2002 G&uuml;nter Grass im &bdquo;Krebsgang&ldquo; kommen, um eine Vertreibungsdebatte &uuml;berhaupt in all ihren Facetten f&uuml;hren zu k&ouml;nnen. Dass in diesen und allen anderen Debatten stets auch ideologische Annahmen und Vorurteile eine Rolle spielen, liegt auf der Hand, aber diese Vorg&auml;nge sind deshalb fundamental, weil sie die Themen von den R&auml;ndern der Gesellschaft dorthin holten, wohin sie geh&ouml;ren: in ihre Mitte. Und dies funktioniert in der Bundesrepublik nur, wenn Ikonen der Linken und Linksliberalen Themen &bdquo;frei geben&ldquo;. Das mag sich plakativ anh&ouml;ren, scheint aber der Realit&auml;t zu entsprechen. W&auml;hrend noch die &bdquo;Walser-Bubis-Debatte&ldquo; allein politisch und ideologisch zur Stellungnahme herausforderte, konnten die j&uuml;ngsten Einlassungen von Grass zu seiner eigenen Vergangenheit ein gesellschaftliches Differenzierungsverm&ouml;gen bef&ouml;rdern, das bei einem &auml;hnlichen Bekenntnis &ndash; wof&uuml;r es freilich keinen autobiographischen Anlass gibt &ndash; etwa von Ernst Nolte wohl kaum zu erwarten gewesen w&auml;re.<br \/>Nat&uuml;rlich w&auml;re es v&ouml;llig abwegig, alle historischen Debatten der letzten 16 Jahre in Deutschland allein auf die ostdeutsche resp. europ&auml;ische Revolution zur&uuml;ckf&uuml;hren zu wollen. Aber deren Anteil daran ist wiederum auch nicht zu leugnen. Die Debatte etwa um die Verstrickung herausgehobener bundesdeutscher Historiker in die nationalsozialistische Diktatur [16] w&auml;re, so eine These, ohne die Debatte um die legitimatorische Arbeit der ostdeutschen Historiker f&uuml;r die kommunistische Diktatur nicht m&ouml;glich gewesen. [17] Man k&ouml;nnte eine ganze Reihe weiterer Geschichtsdebatten der vergangenen Jahre anf&uuml;hren und k&ouml;nnte immer wieder eine solche These behaupten. Dass dabei die ver&auml;nderte weltpolitische Rolle Deutschlands, die Suche nach einem angemessen Platz im Konzert der M&auml;chtigen und nach einem neuen weltpolitischen Selbstverst&auml;ndnis eine erhebliche Rolle spielen, ist unbestritten. Ebenso ist zu konstatieren, dass die Indienstnahme der Vergangenheit zur Konstruktion neuer Geschichtsbilder mit dem Ziel erfolgt, die Demokratie zu st&auml;rken und auszubauen. Dass dabei zuweilen Konstruktionen zu Verzerrungen f&uuml;hren, mag aufregen, ist aber kaum zu &auml;ndern.<br \/>Die wissenschaftliche und breite gesellschaftliche Besch&auml;ftigung mit der DDR-Geschichte und der Geschichte des Kommunismus hat ihre Wurzeln in der Revolution von 1989\/90. In der alten Bundesrepublik war die &bdquo;DDR-Forschung&ldquo; mehr Anh&auml;ngsel der Politik als im Wissenschaftsbetrieb verankert. Sie f&uuml;hrte ein Schattendasein, das allerdings stabil und gut subventioniert war. Verb&auml;nde von Opfern der kommunistischen Diktatur und von DDR-Fl&uuml;chtlingen galten gemeinhin als konservativ oder reaktion&auml;r. Ab den siebziger Jahren waren sie in der bundesrepublikanischen &Ouml;ffentlichkeit kaum noch wahrnehmbar. Die Fernsehsendungen von Gerhard L&ouml;wenthal galten vielen als nicht akzeptabel und nicht konsumierbar, als letzte Ausgeburt des Kalten Krieges. Wer sich heute unbefangen L&ouml;wenthals Sendungen anschaut, wird dies nicht verstehen k&ouml;nnen. Diese Abwehrhaltung aber symbolisiert deutlich einen in den siebziger und achtziger Jahren verbreiteten Zeitgeist, der in der DDR weder eine Diktatur noch das Teuflische an der kommunistischen Ideologie und Praxis erkennen konnte und wollte.<br \/>Das muss hier nicht vertieft werden. Es muss aber darauf hingewiesen werden, weil es wirkungsm&auml;chtig auch nach der Revolution blieb, zum Beispiel dort, wo den Ereignissen von 1989\/90 strikt der Revolutionscharakter abgesprochen wird. Oder dort, wo das MfS, die ostdeutsche Geheimpolizei, als ein Pendant des BND\/VS missverstanden wird. Oder auch dort, wo der freiheitlichen Gesellschaft arkadische Gleichheitsvorstellungen gegen&uuml;bergestellt werden.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"sed-diktatur-gesellschaftliche-aufarbeitung-und-wissenschaftliche-auseinandersetzung\">SED-Dik&shy;ta&shy;tur: Gesell&shy;schaft&shy;liche Aufar&shy;b&shy;ei&shy;tung und&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; wissen&shy;schaft&shy;liche Ausein&shy;an&shy;der&shy;set&shy;zung<\/span><\/h2>\n<p>Im Mai 2006 stellte eine von der Bundesregierung ein Jahr zuvor berufene zehnk&ouml;pfige Kommission unter Leitung des Potsdamer Zeithistorikers Martin Sabrow ihren Abschlussbericht zur Bildung eines Geschichtsverbundes &bdquo;Aufarbeitung der SED-Diktatur&ldquo; der &Ouml;ffentlichkeit vor. Die Kommission setzte sich aus Historikern, Journalisten, Museumsfachleuten und ostdeutschen B&uuml;rgerrechtlern zusammen. Hinter verschlossenen T&uuml;ren m&uuml;hte sich die Kommission ein Jahr lang, Ideen und Vorschl&auml;ge zu entwickeln und zu sammeln, um die Besch&auml;ftigung mit der SED-Diktatur in einen neuen strukturellen Zusammenhang zu stellen und so eine gewisse Dauerhaftigkeit zu erreichen. Kaum hatte die Kommission ihr Papier der &Ouml;ffentlichkeit pr&auml;sentiert, entwickelte sich eine heftige Debatte, die wohl Kommissionsmitglieder wie interessierte Beobachter gleicherma&szlig;en &uuml;berraschte. <br \/>Neben viel Berichtsprosa enth&auml;lt das Papier als zentralen Vorschlag die Schaffung von drei Aufarbeitungsschwerpunkten: &bdquo;Herrschaft &ndash; Gesellschaft &ndash; Widerstand&ldquo;, &bdquo;&Uuml;berwachung und Verfolgung&ldquo; sowie &bdquo;Teilung und Grenze&ldquo;. Im Kern geht es der Kommission darum, die gesellschaftliche Aufarbeitung der SED-Diktatur zu b&uuml;ndeln und zu zentralisieren und so die gewachsene Institutionenlandschaft neu zu sortieren. Au&szlig;er strukturellen und damit finanziellen Empfehlungen schl&auml;gt die Kommission vor, k&uuml;nftig st&auml;rker als angeblich bislang geschehen, den Alltag und die Alltagskultur in den Blick zu nehmen, um so das Interaktionsverh&auml;ltnis zwischen Staat und Gesellschaft, zwischen Herrschern und Beherrschten besser verstehen und abbilden zu k&ouml;nnen. <br \/>Der Kommission blies sogleich starker Gegenwind entgegen. Es war von &bdquo;parteipolitischer einseitiger Besetzung&ldquo; der Kommission ebenso die Rede wie ihr vorgeworfen wurde, eine &bdquo;Weichsp&uuml;lung der SED-Diktatur&ldquo; betreiben zu wollen oder wenigstens einer solchen dienlich zur Seite zu stehen. Vor allem aus der &bdquo;Provinz&ldquo; kam der Vorwurf, die Aufarbeitung &bdquo;verstaatlichen&ldquo; zu wollen und eine berlinzentristische Struktur installieren zu wollen. Wochenlang wurden Zeitungsseiten und Radiosendungen mit erhitzten Beitr&auml;gen gef&uuml;llt, ohne dass sich absehen lie&szlig;, wer mit wem wor&uuml;ber eigentlich stritt. Alte &bdquo;Frontlinien&ldquo; schienen nicht mehr zu existieren, neue taten sich auf, die nur wenige Wochen zuvor undenkbar schienen. Der Gro&szlig;tanker der Aufarbeitung, die Beh&ouml;rde der Bundesbeauftragten f&uuml;r die MfS-Unterlagen, kam gleich noch mit unter Beschuss. Die einen forderten vehement dessen Untergang und die &Uuml;bergabe der Akten ins Bundesarchiv bzw. die Landesarchive, die anderen verteidigten dessen Existenz und forderten ein dauerhaften Existenzrecht. Hinzu kamen Stimmen, die eine zu starke Fixierung auf die SED-Diktatur im bundesdeutschen Erinnerungskanon beklagten. Ihre Widersacher freilich &auml;u&szlig;erten ebenso lautstark, dass eine solche Wahrnehmung geradezu grotesk sei, da genau das Gegenteil zutr&auml;fe. <br \/>Worum geht es eigentlich? Ganz einfach: um einen Streit, der seit der Wiedervereinigung mit unterschiedlicher Intensit&auml;t immer wieder entfacht und gef&uuml;hrt worden ist und regelm&auml;&szlig;ig im Sande zu verlaufen schien, um jedoch genauso regelm&auml;&szlig;ig wieder zu entflammen. Er wies immer drei Dimensionen auf, die nicht immer scharf voneinander zu trennen waren: es ging erstens um juristische Aspekte der Aufarbeitung, die von Entsch&auml;digungen, &uuml;ber Renten und &Uuml;berpr&uuml;fungen im &Ouml;ffentlichen Dienst bis hin zu strafrechtlich relevanten Vorg&auml;ngen (z.B. &bdquo;Politb&uuml;roprozess&ldquo;, &bdquo;Mauersch&uuml;tzenprozess&ldquo;) reichten. <br \/>Hinzu kamen Rehabilitierungen f&uuml;r erlittenes Unrecht sowie als &uuml;berlagernder Dauerbrenner die Frage, wie mit MfS-belasteten Personen umgegangen werden sollte und welche beruflichen Positionen diese in einem freiheitlichen Gemeinwesen einnehmen d&uuml;rften. Dieser Komplex, der auch in der Gegenwart immer noch aktuell ist, wenn er auch seine Breitendimension aus den neunziger Jahren verloren hat, soll hier unbeachtet bleiben. Mit ihm hingen und h&auml;ngen aber die anderen beiden anzusprechenden Dimensionen der Aufarbeitung eng zusammen, weil von ihnen wesentliche Impulse zur Deutungsgeschichte der SED-Diktatur und DDR-Gesellschaft ausgingen und immer noch ausgehen.<br \/>Diese beiden anderen Dimensionen lassen sich einerseits mit &bdquo;gesellschaftlicher Aufarbeitung&ldquo; und andererseits mit &bdquo;wissenschaftlicher Auseinandersetzung&ldquo; umschreiben, ohne dass es immer m&ouml;glich ist, beide Bereiche scharf voneinander zu trennen.<br \/>Die &bdquo;gesellschaftliche Aufarbeitung&ldquo; wurzelt in der Revolution selbst. Nach der Erst&uuml;rmung und Besetzung der MfS-Zentralen bildeten sich &bdquo;B&uuml;rgerkomitees&ldquo;, die zun&auml;chst die Vernichtung von MfS-Akten zu verhindern suchten, sodann erste Dokumentationen mit MfS-Akten herausgaben und schlie&szlig;lich Projekte zur historischen Aufarbeitung der SED-Diktatur initiierten. B&uuml;rgerkomitees in Leipzig, Magdeburg oder Berlin haben sich dabei Meriten erworben, die kaum &uuml;bersch&auml;tzt werden k&ouml;nnen. Daneben bildeten sich in allen ostdeutschen Bundesl&auml;ndern unabh&auml;ngige Aufarbeitungsinitiativen und Vereine, die nichtstaatliches Material in unabh&auml;ngigen Archiven sammeln, Ausstellungen organisieren, Dokumentationen ver&ouml;ffentlichen und historische Darstellungen publizieren, die allesamt dem Anliegen verbunden sind, dem Verh&auml;ltnis von Staat und Gesellschaft in der SBZ\/DDR nachzusp&uuml;ren. Auch wenn die Geschichte von Opposition und Widerstand den zentralen Gegenstand dieser Bem&uuml;hungen darstellt, so sind doch in den vergangenen Jahren viele andere Themenbereiche aufgegriffen und debattiert worden. <br \/>Diese Initiativen, die den Anspruch einer selbstverwalteten Vergangenheit verk&ouml;rpern, werden zumeist von fr&uuml;heren Oppositionellen getragen, sind in ihrer personellen Gr&ouml;&szlig;e zumeist &uuml;berschaubar und stehen fast durchweg auf einem unsicheren finanziellen Boden. Ihr Idealismus hat viel dazu beigetragen, dass die Besch&auml;ftigung mit der SED-Diktatur in den letzten Jahren &uuml;berhaupt ein &ouml;ffentliches Thema wurde und blieb. Gerade die Nicht-Berliner Vereine sind oftmals die wichtigsten Motoren und Multiplikatoren in ihren Regionen, wenn es um die Besch&auml;ftigung mit der kommunistischen Vergangenheit geht. Gemeinsam mit Opferverb&auml;nden, die neben juristischen und politischen Anliegen auch Aufarbeitungsprojekte betreiben, haben diese Initiativen immer wieder dazu beigetragen, dass die Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur ein wichtiges Thema in der Erinnerungskultur und Geschichtspolitik blieb. <br \/>In Verbindung mit Politikern und Abgeordneten der SPD, CDU und B&uuml;ndnis 90\/Die Gr&uuml;nen, die selbst aus oppositionellen Zusammenh&auml;ngen vor 1989\/90 kamen, gelang es immer wieder, die gesellschaftliche Aufarbeitung der SED-Diktatur in &uuml;bergeordnete politische und staatliche Zusammenh&auml;nge einzuordnen. Dazu geh&ouml;ren als bekannteste Beispiele etwa die Verabschiedung des Stasiunterlagengesetzes und die Bildung der Beh&ouml;rde der Bundesbeauftragten f&uuml;r die Unterlagen des MfS, die zwei vom Deutschen Bundestag eingesetzten Enquete-Kommissionen (1992-98), deren insgesamt 33 Berichtsb&auml;nde mit Protokollen und Expertisen mittlerweile zur Grundlage der historischen DDR-Forschung &uuml;berhaupt geworden sind, oder die 1998 gegr&uuml;ndete Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, deren wichtigstes Arbeitsfeld die F&ouml;rderung von Projekten der gesellschaftlichen Aufarbeitung darstellt. Hinzu kommen vom Bund und den L&auml;ndern gef&ouml;rderte oder initiierte Museen, Gedenkst&auml;tten und Veranstaltungen. Es existiert ein weit verzweigtes Aufarbeitungs- und F&ouml;rderungsnetz, in das viele Institutionen und Verb&auml;nde involviert sind, so dass zuweilen auch erhebliche Kompetenzstreitigkeiten zu beobachten sind. <br \/>&bdquo;Gesellschaftliche Aufarbeitung&ldquo; in der offenen Gesellschaft umfasst aber nicht nur die bislang erw&auml;hnten autodidaktischen und erfahrungsges&auml;ttigten Profis, dazu z&auml;hlt&nbsp;&nbsp;&nbsp; ebenso der gesamte Medienbereich, der nicht nur skandalisierte und manchmal f&uuml;r&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &Uuml;berdruss am Thema sorgte, sondern auch viele seri&ouml;se und wichtige Beitr&auml;ge zur Auseinandersetzung mit der kommunistischen Vergangenheit lieferte. <br \/>Schlie&szlig;lich geh&ouml;rt dazu auch die in sich relativ abgeschottete postkommunistische Szene im Umkreis der SED\/PDS\/Linkspartei, die nicht nur eine erstaunliche Produktivit&auml;t auszeichnet, sondern es auch immer wieder versteht, die &ouml;ffentliche Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Allerdings w&auml;re es verfehlt anzunehmen, dass deren Geschichtsbilder ebenso milieuverhaftet blieben wie ihre Gruppenstruktur. Ganz im Gegenteil: in den letzten Jahren ist zu beobachten, dass zwar die Vertreter kommunistischer oder DDR-verkl&auml;render Geschichtsbilder im &ouml;ffentlichen Diskurs immer seltener in Erscheinung treten, daf&uuml;r aber scheinen ihre Theorien und Interpretationen, ihre Erkl&auml;rungen und Verkl&auml;rungen immer pr&auml;senter in den &ouml;ffentlichen Debatten zu sein. Eine freiheitliche Gesellschaft kann und muss das aushalten.<br \/>Neben der &bdquo;gesellschaftlichen Aufarbeitung&ldquo; existiert die &bdquo;wissenschaftliche Auseinandersetzung&ldquo; mit der kommunistischen Vergangenheit. Und es ist wirklich eher einen Neben- als ein Miteinander. Die so genannten &bdquo;Barfu&szlig;historiker&ldquo; k&ouml;nnen oft mit der Sprache, dem Denkstil, den Fragestellungen und erkenntnistheoretischen Zielen der Wissenschaftler nichts anfangen. Denen wiederum sind die Beitr&auml;ge aus der gesellschaftlichen Aufarbeitung oftmals zu moralisierend, methodisch zu unbedarft, zu politisch oder einfach nur zu &bdquo;naiv&ldquo;. Die existierende Grenze wird beidseitig nur selten&nbsp;&uuml;berschritten, das Interesse am Tun der jeweils anderen Seite ist eher gering. Es gibt nur ganze wenige Personen und Institutionen, die zielgerichtet, bewusst und systematisch zwischen den verschiedenen Ans&auml;tzen zu vermitteln suchen, die beide zu integrieren beabsichtigen und die &uuml;berhaupt die unterschiedlichen Herangehensweisen als nicht nur legitim und n&ouml;tig ansehen, sondern &uuml;berhaupt in ihrer Unterschiedlichkeit realisiert haben.<br \/>Die Grenze ist kulturell und von unterschiedlichen Erfahrungen gepr&auml;gt. Denn w&auml;hrend die &bdquo;gesellschaftliche Aufarbeitung&ldquo; ziemlich eindeutig &bdquo;ostdeutsch&ldquo; gepr&auml;gt ist, erscheint der wissenschaftliche Diskurs &bdquo;westdeutsch&ldquo; dominiert. Das mag plakativ klingen. Aber der Elitentransfer und die Rekrutierungspraxis nach 1989\/90 haben nun einmal zur Folge gehabt, dass alle wissenschaftlichen Institutionen, die sich in den letzten Jahren mit der SED-Diktatur besch&auml;ftigten, ganz eindeutig von Wissenschaftlern gepr&auml;gt wurden, die bundesdeutsche Sozialisierungsmuster aufwiesen. Das hat zahlreiche Auswirkungen auf die Nachwuchsrekrutierung, die Debattenkultur, die Finanzierungspolitik, methodische Ausrichtungen und nicht zuletzt erkenntnistheoretische Fragestellungen gezeitigt. Das gilt im &Uuml;brigen f&uuml;r die universit&auml;re Lehre und Forschung ebenso wie f&uuml;r die au&szlig;eruniversit&auml;ren Forschungseinrichtungen (z.B. Zentrum f&uuml;r Zeithistorische Forschung Potsdam, Hannah-Arendt-Institut Dresden, Forschungsabteilung bei der BStU, Forschungsverbund SED-Staat). Es geht hier nicht darum, diese Entwicklung zu kritisieren oder zu beklagen, sie ist lediglich zur Kenntnis zu nehmen.<br \/>Die DDR- und Kommunismusforschung hat sich nach 1989\/90 methodisch, theoretisch und empirisch so breit und plural entwickelt, wie es f&uuml;r andere Zweige der Geistes- und Sozialwissenschaften auch typisch ist. Nach einer langj&auml;hrigen selbstgew&auml;hlten Verinselung scheint sich die DDR- und Kommunismusforschung nun auch immer st&auml;rker in den allgemeinen Wissenschaftsbetrieb zu integrieren, was sich zum Beispiel an der zunehmenden Zahl komparatistischer Studien zeigt, auch die Internationalisierung hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht.<br \/>Es ist nicht zu erwarten, dass gesellschaftliche Aufarbeitung und wissenschaftliche Besch&auml;ftigung zuk&uuml;nftig die Grenzen zwischen beiden Ans&auml;tzen flie&szlig;ender machen werden. Das w&auml;re zwar w&uuml;nschenswert, ist aber gar nicht n&ouml;tig. Denn die Selbstverwaltung der Vergangenheit folgt anderen Regeln als die wissenschaftliche Sezierung und Interpretation. Beide habe zwar zum Ziel, Geschichte zu konstruieren, aber ihre Erkenntnisinteressen unterscheiden sich so erheblich voneinander, dass &uuml;ber gelegentliche Ber&uuml;hrungspunkte hinaus ein Ineinanderaufgehen geradezu als herber gesellschaftlicher Verlust angesehen werden m&uuml;sste. Die Subtilit&auml;t wissenschaftlicher Ziele, Methoden und Interessen kann sich nicht an messbarer unmittelbarer gesellschaftlicher Wirkung ausrichten. Ebenso w&auml;re es verfehlt, gesellschaftliche Aufarbeitung ohne diese sofortige Wirkung betreiben zu wollen. Beide m&ouml;gen voneinander mehr profitieren k&ouml;nnen, als es in den letzten Jahren zumeist geschah. Und gewiss k&ouml;nnten auch bestehende gegenseitige Ressentiments, die manchmal zu einem Gegen- statt einem Nebeneinander f&uuml;hren, abgebaut werden. Aber mehr als ein konstruktives Nebeneinander k&ouml;nnte es nur zu dem Preis geben, dass ein Ansatz seine Regeln und Ziele aufgibt, was weder w&uuml;nschenswert noch auch nur denkbar oder machbar ist.<br \/>Die Sabrow-Kommission ist denn auch beredter Ausdruck eines solches Missverst&auml;ndnisses, dieses Nebeneinander aufheben zu wollen. Daf&uuml;r ist weniger die Kommission als vielmehr ihr Auftraggeber verantwortlich. Denn in dieser Kommission arbeiteten gestandene Wissenschaftler aus traditionellen Wissenschaftseinrichtungen und bis auf eine Ausnahme solche B&uuml;rgerrechtler, die nicht in der gesellschaftlichen Aufarbeitung institutionell fest verankert sind, mit dem Auftrag zusammen, Perspektiven f&uuml;r die gesellschaftliche Aufarbeitung zu entwickeln, ohne dabei die Forschungsperspektiven universit&auml;rer und au&szlig;eruniversit&auml;rer Wissenschaftseinrichtungen mit einbeziehen zu d&uuml;rfen. So kam denn auch ein Papier heraus, das die gesellschaftliche Aufarbeitung mit wissenschaftlichen Perspektiven versah und dabei &uuml;bersah, dass ein Gro&szlig;teil der Vorschl&auml;ge prinzipiell am Selbstverst&auml;ndnis der gesellschaftlichen Aufarbeitung vorbeizielte und eher im wissenschaftlichen Kontext zu verorten w&auml;re.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"geschichte-und-gesellschaft\">Geschichte und Gesell&shy;schaft<\/span><\/h2>\n<p>Es gibt weder richtiges noch falsches Erinnern. Objektive Wahrheiten stehen den Anspr&uuml;chen offener, freiheitlicher Gesellschaften entgegen. Kritik an Geschichtsbildern,&nbsp;-konstruktionen und&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; -deutungen hat nicht nur zum Ziel, andere Bilder, Konstruktionen und Deutungen &ouml;ffentlich ins Bewusstsein zu bringen, sondern diese zugleich &uuml;ber die Kritik an anderen Entw&uuml;rfen zu sch&auml;rfen und zu hinterfragen. Die Geschichtsl&uuml;ge und bewusste Geschichtsklitterung hat in der offenen Gesellschaft nur eine begrenzte Halbwertszeit. Man mag sie harsch als solche entlarven, man kann aber auch auf den Schultern der Muse Klio sitzend gelassen bleiben. Klio schl&auml;ft nie, auch wenn man manchmal Stillstand oder Endg&uuml;ltigkeit zu sp&uuml;ren vermeint.<br \/>Insofern ist die &ouml;ffentliche Debatte um die SED-Diktatur und die DDR-Gesellschaft notwendig, weil sie uns exemplarisch vorf&uuml;hrt, was ohnehin geschieht. Etwas anderes aber ist die Frage, f&uuml;r wen wirft sich Klio eigentlich ins Zeug; oder: f&uuml;r wen sollte sie sich ins Zeug werfen? Diese Frage ist nicht ganz so einfach zu beantworten und doch zeigt sie nochmals den unterschiedlichen Ansatz von Wissenschaft und Aufarbeitung. Denn die Aufarbeitung hat das Jetzt und Hier viel st&auml;rker im Blick als die Wissenschaft. Aufarbeitung will bewegen, erinnern, dem Vergessen entrei&szlig;en, rehabilitieren, Denkm&auml;ler errichten, Gedenkst&auml;tten unterhalten, sie will zeigen, wie Unterdr&uuml;ckung funktionierte, wer unterdr&uuml;ckte und wer sich wie warum wann und mit welchen Folgen dagegen zur Wehr zu setzen suchte. Sie ist st&auml;ndig auf der Suche nach dem Besonderen, dem Ungew&ouml;hnlichen, dem Au&szlig;ergew&ouml;hnlichen, dem Erregenden und dem Wiedergutzumachenden, sie bleibt bewusst regional verankert und auf Einzelschicksale, kleinere Gruppen und dem dann &uuml;berm&auml;chtig wirkenden Staat orientiert. In der Wissenschaft sind dies alles bestenfalls Nebenerscheinungen, zumeist durch Multiplikatoren erst bewirkt. Ihr Hauptanliegen ist die Rekonstruktion, die theoretische Einordnung, die Kontextualisierung, die Erkl&auml;rung, das Verstehen, Einzelnes geht als Exemplarisches im Gr&ouml;&szlig;eren auf. Mikrostudien, Biographien sind Bausteine f&uuml;r Synthesen. Das Besondere ist interessant, das Allgemeine aber erkenntnisleitend.<br \/>Insofern stellt der Streit um die SED-Diktatur, soweit es sich um Aufarbeitung und Wissenschaft, ihre Themen und Methoden handelt, ein ziemlich gro&szlig;es Missverst&auml;ndnis dar. Es ist eigentlich ziemlich egal, womit sich wie besch&auml;ftigt und wie dar&uuml;ber publiziert wird. Weniger egal freilich ist die Frage, wer was macht. Den regionalen Aufarbeitungsinitiativen etwa zentral vorschreiben zu wollen, was sie zu tun und zu lassen haben, w&auml;re absurd. Finanzielle Zuwendungen mit inhaltlichen Vorgaben zu verkn&uuml;pfen ist zwar unumg&auml;nglich, aber eben auch gef&auml;hrlich f&uuml;r die Aufarbeitung selbst. Genauso w&auml;re es auch grotesk, wenn etwa eine Forschungseinrichtung der &Ouml;ffentlichen Hand, die einen ganz spezifischen, gesetzlichen und privilegierten Auftrag hat, diesem nicht nachkommen w&uuml;rde und ihr Profil und ihre Projekte so ausrichten w&uuml;rde, als w&auml;re sie ein ganz normales Forschungsinstitut. <br \/>Mit anderen Worten: der Geld- und Auftragsgeber darf und soll bestimmen, wer sich womit auseinandersetzt. Es sollte aber tunlichst vermieden werden, dass andere als diese dar&uuml;ber zu befinden haben. So wie sich die DFG ihre Gutachter aus einem bestimmten Sample aussucht, so sollte auch die gesellschaftliche Aufarbeitungsszene nicht durch die Brille &bdquo;fremder&ldquo; Gutachter betrachtet werden, weil deren Empfehlungen fast zwangsl&auml;ufig vor einem Kriterienhintergrund entstehen, der das Eigene gut zu evaluieren, das Fremde aber einfach nicht zu erfassen vermag. <br \/>Die Debatte um die SED-Diktatur leidet nicht an &bdquo;falschen&ldquo; Themen oder &bdquo;falschen&ldquo; Methoden und Theorien, sie leidet aber sehr wohl daran, und dies nun schon seit &uuml;ber 15 Jahren, dass es offenbar bei vielen eine Sehnsucht nach &bdquo;Wahrheit&ldquo; und dem &bdquo;richtigen Weg&ldquo; gibt. Das &auml;u&szlig;ert sich in Zentralisierungsw&uuml;nschen und im Ansinnen, Geschichtspolitik, Geschichtsbilder, Erinnerung und Gedenken zu verstaatlichen. Respekt und Toleranz vor der prinzipiellen und vielgliedrigen Pluralit&auml;t und dem Neben- und Miteinander von Aufarbeitung und Wissenschaft erscheinen als der simple, aber zentrale Schl&uuml;ssel, um die vielschichtigen Debatten um SED-Diktatur und Kommunismusgeschichte verzahnen zu k&ouml;nnen. <br \/>Dann wird auch die Aufregung ausbleiben, ob nun Alltagsgeschichte wichtiger sei als Widerstandsgeschichte, MfS-Geschichte wichtiger als Konsumverhalten, Subkultur wichtiger als Staatskunst, Repressionsgeschichte wichtiger als Anpassungsstrategien. Wahrscheinlich wird dann leichter erkennbar, dass alles seinen Sinn hat und alles eng miteinander zusammenh&auml;ngt. Und wenn die Universit&auml;ten und bestimmte Forschungseinrichtungen spezifische Themen aus welchen Gr&uuml;nden auch immer favorisieren, dann wird auch vor einem solchen Hintergrund f&uuml;r Skeptiker und Kritiker leichter verst&auml;ndlich, warum anderswo andere Thema gef&ouml;rdert werden. Am Ende werden alle Teilergebnisse zu gr&ouml;&szlig;eren Bildern zusammengef&uuml;gt, nur um sich erneut dekonstruieren zu lassen. Man h&uuml;te sich nicht vor jenen, die an selbst entdeckten Themen arbeiten und daf&uuml;r werben, selbst wenn es zuweilen penetrant sein mag, aber man h&uuml;te sich vor jenen, die einen K&ouml;nigsweg preisen und auch noch zu wissen glauben, was f&uuml;r Andere gut und f&uuml;r die Gesellschaft notwendig ist. Dahinter stehen ja nicht nur Denkverbote, sondern auch Sanktionsm&ouml;glichkeiten, meist &uuml;ber Projekt- und Stellenfinanzierung oder Rezensions- und Fu&szlig;notenkartelle. <br \/>Der Streit um die SED-Diktatur ist daher weniger ein Streit um Deutungen und Themen, sondern vielmehr ein Streit um Ressourcen. Wie in vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen wird auch in diesem Streit etwas gesagt, aber was ganz anderes gemeint. Insofern ist die &ouml;ffentliche Debatte um die Geschichte der DDR und den Umgang mit ihr ein Lehrbeispiel daf&uuml;r, wie unsere Gesellschaft der Gegenwart funktioniert. Um die SED-Diktatur und die DDR-Gesellschaft zu verstehen, braucht man diese &ouml;ffentliche Debatte jedenfalls nicht zu verstehen. Da kann man getrost auf jene Mittel zur&uuml;ckgreifen, die es erm&ouml;glichen, uns historischen Epochen und Prozessen mit all ihren Widerspr&uuml;chlichkeiten anzun&auml;hern, die niemand mehr selbst erlebt hat. Und daf&uuml;r haben gesellschaftliche Aufarbeitung und wissenschaftliche Debatten in den letzten Jahren so viel Material und Analysen bereitgestellt, dass man diesen Ann&auml;herungsprozess an die Vergangenheit auf gesichertem Terrain vollziehen kann. Die Geschichte des Kommunismus in Theorie und Praxis ist ungemein aufw&uuml;hlend, tragisch, spannend und lehrreich. Es hat nicht den Anschein, als w&uuml;rde dies k&uuml;nftig anders werden. Daf&uuml;r sorgen die heute und k&uuml;nftig an der Sache Arbeitenden, nicht die in Verteilungsk&auml;mpfen Verschanzten.&nbsp; <br \/>&nbsp;<br \/>1&nbsp;&nbsp; Wehler, Hans-Ulrich: Einleitung, in: Ders. (Hrsg.): Geschichte und Soziologie. 2. Aufl., K&ouml;nigstein\/Ts. 1984 (urspr&uuml;nglich 1976), S. 15.<br \/>2&nbsp;&nbsp; Vgl. Courtois, St&eacute;phane u.a.: Das Schwarzbuch des Kommunismus. Unterdr&uuml;ckung, Verbrechen und Terror. Mit einem Kapitel &bdquo;Die Aufarbeitung des Sozialismus in der DDR&ldquo; von Joachim Gauck und Ehrhart Neubert. M&uuml;nchen, Z&uuml;rich 1998; Courtois, St&eacute;phane u.a.: Das Schwarzbuch des Kommunismus 2: Das schwere Erbe der Ideologie. M&uuml;nchen, Z&uuml;rich 2004; als repr&auml;sentativer Reader ist anzusehnen: M&ouml;ller, Horst (Hrsg.): Der rote Holocaust und die Deutschen. Die Debatte um das &bdquo;Schwarzbuch des Kommunismus&ldquo;. M&uuml;nchen, Z&uuml;rich 1999; eher in den Bereich ideologischer Kampfschriften geh&ouml;ren: Mecklenburg, Jens; Wippermann, Wolfgang (Hrsg.): &bdquo;Roter Holocaust&ldquo;? Kritik des Schwarzbuch des Kommunismus. Hamburg 1998; Klotz, Johannes (Hrsg.): Schlimmer als die Nazis? Das &bdquo;Schwarzbuch des Kommunismus&ldquo; und die neue Totalitarismusdebatte. K&ouml;ln 1999; Roth, Karl Heinz: Geschichtsrevisionismus. Die Wiedergeburt der Totalitarismustheorie. Hamburg 1999.<br \/>3&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vgl. etwa: Winkler, Heinrich August: Der lange Weg nach Westen. Bd. 2;&nbsp;&nbsp; Deutsche Geschichte vom &bdquo;Dritten Reich&ldquo; bis zur Wiedervereinigung. M&uuml;nchen 2000; Kielmansegg, Peter Graf: Nach der Katastrophe. Eine Geschichte des geteilten Deutschland. Berlin 2000; Alter, Peter; Rohlfes, Joachim; Wolfrum, Edgar; Wolle, Stefan: Deutsche Geschichte. Wie wir wurden, was wir sind. 20. Jahrhundert: 1918 &ndash; 2000. Stuttgart, D&uuml;sseldorf, Leipzig 2002; Wolfrum, Edgar (Hrsg.): Die Deutschen im 20. Jahrhundert. Darmstadt 2004. Es gibt freilich eine Reihe von Beispielen, die dieses Pauschalurteil abmildern, als besonders gelungen auf europ&auml;ischer Ebene erscheint mir das Buch des niederl&auml;ndischen Schriftstellers: Mak, Geert: In Europa. Eine Reise durch das 20. Jahrhundert. M&uuml;nchen 2005.<br \/>4&nbsp;&nbsp;&nbsp; Daf&uuml;r gibt es viele Beispiele, vgl. j&uuml;ngst etwa: Burrichter, Clemens; Nakath, Detlef; Stephan, Gerd-R&uuml;diger (Hrsg.): Deutsche Zeitgeschichte von 1945 bis 2000. Gesellschaft &ndash; Staat &ndash; Politik. Ein Handbuch. Berlin 2006.<br \/>5&nbsp;&nbsp;&nbsp; Heller, Agnes; Feh&eacute;r, Ferenc: Ungarn &rsquo;56. Geschichte einer antistalinistischen Revolution. Hamburg 1982, S. 187.<br \/>6&nbsp;&nbsp;&nbsp; Alf&ouml;ldy, Geza: Ungarn 1956.<\/p>\n<p>Aufstand, Revolution, Freiheitskampf. Heidelberg 1997, S. 46.<br \/>7&nbsp;&nbsp; Vgl. dazu: Ash, Timothy Garton: Ein Jahrhundert wird abgew&auml;hlt. Aus den Zentren Mitteleuropas. 1980 &#8211; 1990. M&uuml;nchen, Wien 1990; Dahrendorf, Ralf: Der Wiederbeginn der Geschichte. Vom Fall der Mauer zum Krieg im Irak. Reden und Aufs&auml;tze. M&uuml;nchen 2004.<br \/>8&nbsp;&nbsp;&nbsp; Zum Samisdat vgl. nur: Hirt, G&uuml;nter; Wonders, Sascha (Hrsg.): Pr&auml;printium. Moskauer B&uuml;cher aus dem Samizdat. Bremen 1998; Samizdat. Alternative Kultur in Zentral- und Osteuropa: Die 60er bis 80 Jahre. Bremen 2000; Skilling, H. Gordon: Samizdat and an Independent Society in Central and Eastern Europe. Columbus 1989.<br \/>9&nbsp;&nbsp;&nbsp; Zur Bedeutung der historischen Debatten f&uuml;r den Umgestaltungsproze&szlig; siehe etwa: Davies, Robert W.: Perestroika und Geschichte. Die Wende in der sowjetischen Historiographie. M&uuml;nchen 1991; sowie auch: Geyer, Dietrich: Die Umwertung der sowjetischen Ge&shy;schichte. G&ouml;ttingen 1991.<br \/>10&nbsp; Als Beispiel f&uuml;r die Wahrnehmung innerhalb der Opposition siehe den Aufsatz von: Poppe, Gerd: &bdquo;Wir sind dabei, uns selbst zu erkennen&ldquo;. Die Zukunft der Vergangenheit der Sowjetunion (Juli 1989), in: Kowalczuk, Ilko-Sascha (Hrsg.): Freiheit und &Ouml;ffentlichkeit. Politischer Samisdat in der DDR 1985 bis 1989. Berlin 2002, S. 527 &ndash; 542.<br \/>11&nbsp; Die Textvariante ist auch als Buch in der Bundesrepublik erschienen. Die Samisdat-Publikation war hingegen gestalterisch aufwendig produziert worden, so dass im Prinzip jedes der etwa 500 Exemplar ein Unikat darstellt.<br \/>12&nbsp; Protokoll einer Podiumsdiskussion, abgedruckt in: Burrichter, Clemens (Hrsg.): Sozialgeschichte der Wissenschaften. Zur Methodologie einer historischen Wissenschaftsforschung. Erlangen 1991, S. 68.<br \/>13&nbsp; Mitter, Armin; Stefan Wolle: Aufruf zur Bildung einer Arbeitsgruppe unabh&auml;ngiger Historiker in der DDR (10. Januar 1990), in: Eckert, Rainer; Kowalczuk, Ilko-Sascha; Stark, Isolde (Hrsg.): Hure oder Muse? Klio in der DDR. Dokumente und Materialien des Unabh&auml;ngigen Historiker-Verbandes. Berlin 1994, S. 22.<br \/>14&nbsp; Dazu vgl. ausf&uuml;hrlich: Eisenfeld, Bernd; Kowalczuk, Ilko-Sascha; Neubert, Ehrhart: Die verdr&auml;ngte Revolution. Der Platz des 17. Juni in der deutschen Geschichte. Bremen 2004.<br \/>15&nbsp; Protokoll der 76. Sitzung der Enquete-Kommission &bdquo;Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland&ldquo;, 5. Mai 1994, in: Materialien der Enquete-Kommission &bdquo;Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland&ldquo; (12. Wahlperiode des Deutschen Bundestages), Band IX: Formen und Ziele der Auseinandersetzungen mit den beiden Diktaturen in Deutschland. Baden-Baden, Frankfurt\/M. 1995, S. 690.<br \/>16&nbsp; Vgl. als Einstieg: Schulze, Winfried; Oexle, Otto Gerhard (Hrsg.): Deutsche Historiker im Nationalsozialismus. Frankfurt\/M. 1999. Die Debatte ist seither &ndash; zumindest innerfachlich &ndash; nicht mehr abgebrochen, vgl. etwa: H&uuml;rter, Johannes; Woller, Hans (Hrsg.): Hans Rothfels und die deutsche Zeitgeschichte. M&uuml;nchen 2005.<br \/>17&nbsp; Vgl. dazu ausf&uuml;hrlicher: Kowalczuk, Ilko-Sascha: Warum erst jetzt?&ldquo; Deutsche Historiker in der Diktatur &ndash; Anmerkungen zu einer aktuellen Debatte, 1. 12. 1999 (<a href=\"http:\/\/hsozkult.geschichte.hu-berlin.de\/essays\/koil1299.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/hsozkult.geschichte.hu-berlin.de\/essays\/koil1299.htm<\/a>).&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[1885],"publikationen":[1437],"class_list":["post-11869","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-ilko-sascha-kowalczuk","publikationen-176-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Qualmende Vergangenheit - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/176-vorgaenge\/publikation\/qualmende-vergangenheit\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Qualmende Vergangenheit - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Zur Debatte um die SED-Diktatur, aus: vorg&auml;nge Nr. 176 (Heft 4\/2006), S. 108-125 Die Auseinandersetzungen um die SED-Diktatur, ihre Geschichte und Folgen, schlagen immer wieder in fast regelm&auml;&szlig;igen Abst&auml;nden hohe Wellen in der &Ouml;ffentlichkeit. 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