{"id":11896,"date":"2006-06-03T16:21:00","date_gmt":"2006-06-03T14:21:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/integration-und-interessen\/"},"modified":"2021-08-31T10:14:04","modified_gmt":"2021-08-31T08:14:04","slug":"integration-und-interessen","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/174-vorgaenge\/publikation\/integration-und-interessen\/","title":{"rendered":"Integration und Interessen"},"content":{"rendered":"<p>Lobbyismus in der EU &ndash; zivilgesellschaftlicher Reichtum oder demokratisches Defizit? Aus: vorg&auml;nge Nr.174, (Heft 2\/2006), S. 68-78<\/p>\n<p>Die Europ&auml;ische Union scheint gegenw&auml;rtig an einem Wendepunkt angekommen zu sein. Das gescheiterte Verfassungsprojekt, die Osterweiterung im Jahre 2004 um 10 neue Staaten und die bevorstehende Erweiterung 2007 um Rum&auml;nien und Bulgarien haben die Einsicht reifen lassen, dass die Integration sich dadurch nicht vertieft hat oder vertiefen wird. Im Gegenteil, gegenw&auml;rtig sind Tendenzen einer Renationalisierung zu beobachten, die dem Ziel einer politischen Gemeinschaft zuwider laufen. Bei Beobachtern hat sich das Gef&uuml;hl eingestellt, einer &bdquo;&Uuml;berdehnung der Grenzen Europas&ldquo; beizuwohnen, die letztlich zum Scheitern des &bdquo;Projektes Europa&ldquo; als politischer Gemeinschaft f&uuml;hren wird.1 Damit w&uuml;rde Europa auf das Niveau eines reinen Binnenmarktes und einer wirtschaftsliberalen Freihandelszone zur&uuml;ckfallen. Das Projekt einer Demokratisierung Europas w&auml;re durch diese &Uuml;berdehnung gescheitert und notwendig w&auml;re nur noch effektives Lobbying der verschiedenen Interessengruppen in Br&uuml;ssel. Die M&auml;rkte haben sich durch das europ&auml;ische Recht liberalisiert und durch den gr&ouml;&szlig;er werdenden Wirtschaftraum hat die &bdquo;negative Integration&ldquo; gegen&uuml;ber der &bdquo;positiven Integration&ldquo;2 mit ihrem Fernziel einer europ&auml;ischen Solidargemeinschaft mit belastbarer politischer Identit&auml;t an Gewicht gewonnen.<br \/>Das Lobbying in der EU passt zur liberalen &ouml;konomischen Logik der negativen Integration und der Marktliberalisierungsbem&uuml;hungen der Europ&auml;ischen Kommission. Es ist zu beobachten, dass sich inzwischen Interessen grenz&uuml;berschreitend organisiert haben und sich ein eigenst&auml;ndiges EU- Lobbying herausgebildet hat. Das EU- Lobbying ist aber nicht Resultat des Demokratiedefizits der europ&auml;ischen Institutionen, sondern Ergebnis der Anpassung der Interessengruppen an die spezifischen Anreize, die ihnen das Institutionensystem, besonders die EU-Kommission, bietet. Die F&ouml;rderung des Lobbying der Interessengruppen durch die Kommission wird die Probleme mit den beiden Dimensionen der demokratischen Legitimit&auml;t, der Input-Dimension und der Output-Dimension, nicht grundlegend beheben k&ouml;nnen &ndash; auch wenn der Vizepr&auml;sident der EU-Kommission, Siim Kalles im Mai 2006 ein &bdquo;Gr&uuml;nbuch&ldquo; zur Europ&auml;ischen Transparenzinitiative3 vorgelegt hat, mit dem Spielregeln f&uuml;r das Lobbying definiert und die EU-Ausgaben transparenter gemacht werden sollen.<\/p>\n<h5><span id=\"lobbying-europaeisierung-und-demokratisierung\">Lobbying: Europ&auml;&shy;i&shy;sie&shy;rung und Demokra&shy;ti&shy;sie&shy;rung?<\/span><\/h5>\n<p>Die Gr&uuml;ndungsgeschichte der Europ&auml;ischen Wirtschaftsgemeinschaft zeigte einen sehr starken politischen Impuls, der auf eine voll entwickelte politische Gemeinschaft hin zielte. Die Entwicklung der europ&auml;ischen Integration verlief aber zun&auml;chst &uuml;ber die Vergemeinschaftung des Kohle- und Stahlbereichs, dann der Landwirtschaft und sp&auml;ter der weiteren Sektoren der Wirtschaft. Immer hoffte man, dass sich durch so genannte spill over- Effekte eine europ&auml;ische Gesellschaft entwickelt, die aus sich selbst dann die Strukturen einer demokratischen politischen Gemeinschaft herausbildet. Von diesem Ziel ist die EU nach wie vor weit entfernt, und das Scheitern des Verfassungsprojektes zeigte, dass dieser Weg, der &Auml;hnlichkeiten zur nationalen Staatswerdung aufweist, nicht Erfolg versprechend ist. <br \/>Trotzdem hat sich &uuml;ber die Jahrzehnte eine institutionelle Struktur der Vergemeinschaftung &uuml;ber den Markt herausgebildet, in deren Zentrum die Marktb&uuml;rgerschaft steht. Vor allem mit dem Binnenmarktprojekt 1992 wurde eine institutionelle Struktur ausgebaut, in der die Interessengruppen eine zentrale Rolle spielen. Im Zuge der Schaffung des Gemeinsamen Binnenmarktes war ein starkes Wachstum der organisierten Interessen auf der Br&uuml;sseler B&uuml;hnen zu verzeichnen. Dabei hat sich auch ein spezifisches Muster des Lobbying dieser Gruppen entwickelt. In dieses Muster wurden unterschiedliche Politiktraditionen integriert, insbesondere die angels&auml;chsische Art der Politikbeeinflussung.<br \/>Es gab insbesondere seitens der EU-Kommission Hoffnungen, das Demokratiedefizit durch die F&ouml;rderung der Interessenartikulation zu kompensieren, doch aus einer Marktb&uuml;rgerschaft erw&auml;chst nicht automatisch die politische B&uuml;rgerschaft. Umgekehrt gibt es aber ebenso wenig einen Effekt f&uuml;r die Demokratie, wenn dass Lobbying einged&auml;mmt werden w&uuml;rde. Durch eine St&auml;rkung der europ&auml;ischen Demokratie durch mehr direkte Demokratie, St&auml;rkung des EU-Parlaments, europ&auml;ische Parteien etc. w&uuml;rde nicht zwangsl&auml;ufig zur Folge haben, dass weniger private Interessengruppen auf die Politik der europ&auml;ischen Institutionen Einfluss aus&uuml;ben w&uuml;rden. Das spezifische EU-Lobbying ist untrennbarer Bestandteil des politischen Systems der EU und es ver&auml;ndern oder zur&uuml;ckdr&auml;ngen zu wollen, w&uuml;rde bedeuten, die institutionellen Strukturen zu &auml;ndern. Ergeben hat sich eine Europ&auml;isierung der nationalen Interessengruppen, die eher eine Anpassung denn eine Neugr&uuml;ndung &ndash; obwohl es diese auch gegeben hat &ndash; ist, nicht aber eine Europ&auml;isierung im politischen Sinne.<\/p>\n<h5><span id=\"lobbygruppen-und-ihr-stellenwert\">Lobby&shy;gruppen und ihr Stellenwert<\/span><\/h5>\n<p>Es gibt keine verl&auml;sslichen Zahlen &uuml;ber Lobbyisten in Br&uuml;ssel, sondern nur Sch&auml;tzungen. Die Sch&auml;tzungen schwanken zwischen 10.000 und 30.000 Personen, die mit EU-Lobbying besch&auml;ftigt sind. Verl&auml;sslicher ist die Zahl von rund 2.500 Interessengruppen, die Justin Greenwood erhoben hat.4 Diese Zahl umfasst die nationalen Verb&auml;nde mit europ&auml;ischem Ableger und die EU-Verb&auml;nde, Unternehmensb&uuml;ros mit Lobbycharakter, B&uuml;ros der Regionen und nationalen Interessengruppen, Law Firms, die die amerikanische Tradition des Lobbying nach Br&uuml;ssel gebracht haben und kommerzielle Public Affairs- Agenturen, die ihre Lobbyingdienste auf dem Markt anbieten. <br \/>Die Bedeutung der mehr als 10.000 Mitarbeiter der Lobbygruppen wird auch durch die Relation mit den 14.000 Beamten der EU-Kommission als Hauptadressat erkennbar. Es gibt zwar noch weitere 8.500 Mitarbeiter der Kommission f&uuml;r &Uuml;bersetzungen, Sekretariat und technische Dienste, doch es wird davon ausgegangen, dass auf jeden Beamten der Kommission ein Lobbyist kommt. <br \/>Diese Interessengruppen waren f&uuml;r die EU-Kommission immer von besonderer Bedeutung, weil sie in ihrer F&ouml;rderung einen Weg sah, das Demokratiedefizit zu beheben. Ganz besonders richtete sich daher das Augenmerk auf die zweitgr&ouml;&szlig;te Gruppe, auf die &bdquo;public interest groups&ldquo;, die eine Verankerung der EU-Politik in der Zivilgesellschaft erbringen sollten. Die Interessengruppen aus dem Wirtschaftsbereich sind aber nach wie vor, was ihre Ressourcen und ihren Einfluss angeht, die st&auml;rksten.<br \/>Einfluss ist einer der zentralen Kategorien beim Begriff der Lobbying. Alle diese Interessengruppen versuchen durch Lobbying die Entscheidungen der EU-Institutionen (EU-Kommission, Parlament, Ministerrat) in ihrem Sinne zu beeinflussen. <br \/>Die spezifische Art und Weise der Beeinflussung&nbsp; steht in einem Spannungsverh&auml;ltnis zu den formalen demokratischen Spielregeln und Verfahren. Denn Lobbying umfasst ein Set von Tools mit denen auf Beamte und politische Entscheider Einfluss ausge&uuml;bt wird, die abseits der formellen Wege eingesetzt werden. Die informelle Art der Beeinflussung vollzieht sich abseits &ouml;ffentlicher Aufmerksamkeit und f&uuml;r Lobbyingprozesse ist mediale Aufmerksamkeit auch unerw&uuml;nscht. Rinus van Schendelen spricht von &bdquo;unorthodoxen Methoden&ldquo; und &bdquo;ungew&ouml;hnlichen Mitteln&ldquo;5. Diese ungew&ouml;hnlichen Mittel unterscheiden sich von den demokratischen Partizipationsinstrumenten (Wahlen, Delegation, Beteiligung an Institutionen, Beteiligung am Willensbildungsprozessen in Parteien). Zu diesen informellen Methoden z&auml;hlen auch Kontaktnetzwerke und deren Pflege. Die wichtigsten Methoden von Lobbygruppen sind das Monitoring des politischen Prozesses und der Tausch von unterschiedliche Tauschg&uuml;tern: gut aufbereitete Informationen, Expertise, politische Unterst&uuml;tzung gegen Interessenber&uuml;cksichtigung. So ist der Erfolg der Lobbygruppen in Br&uuml;ssel immer abh&auml;ngig von der Ressourcenausstattung, der Pr&auml;senz vor Ort, den Kontaktnetzwerken und den eigenen organisatorischen Gegebenheiten, die schnelles Handeln erm&ouml;glichen sollen. Der spezifische Br&uuml;sseler Politikstil, die &bdquo;Betonung der Handlungsrationalit&auml;ten von Effizienz und Sachlichkeit&ldquo;6 beg&uuml;nstigt einen argumentativen Lobbyingstil, im Gegensatz zu den nationalen Traditionen, in denen die Lobbygruppen viel eher mit Drohpotenzialen arbeiten konnten. Durch ihre informelle Stellung scheinen Lobbyisten in allen politischen Systemen eine Scharnierfunktion zwischen dem Entscheidungssystem und den Interessengruppen zu haben. In der EU kommt aber noch ein besonderer Aspekt hinzu. Aufgrund der &bdquo;Kontingenzen, Br&uuml;chen und Unsicherheiten europ&auml;ischer Politik&ldquo; gibt es nach Christian Lahusen eine &bdquo;erh&ouml;hte Nachfrage nach Informationsmaklern&ldquo;7 <br \/>Diese Scharnierfunktion ist aber nur zum Teil den Demokratiedefiziten des EU-Systems geschuldet. In normativer Hinsicht ergeben sich daraus aber Probleme, wenn die Prinzipien der demokratischen Verantwortlichkeit, der Chancengleichheit der verschiedenen Interessengruppen und der Transparenz der Entscheidungen verletzt werden.<\/p>\n<h5><span id=\"strukturen-des-lobbying\">Strukturen des Lobbying<\/span><\/h5>\n<p>Dieses Ungleichgewicht zwischen den Interessengruppen zeigt sich auf der europ&auml;ischen Ebene. Nach Kohler-Koch u.a. w&uuml;rden rund 80 Prozent der Verb&auml;nde wirtschaftliche Interessen vertreten und nur 20 Prozent allgemeine Interessen.8 Diese Bevorzugung der Produzenteninteressen zeigt sich zwar auch auf der nationalen Ebene, sie gewinnt aber auf der europ&auml;ischen eine spezifische Dimension. F&uuml;r das Lobbying auf der europ&auml;ischen Ebene ist es daher nicht hinreichend, dass die Lobbygruppen als rationale Akteure beschrieben werden, die mehr oder minder professionell handeln.9 Hinzu kommen die besonderen institutionellen Bedingungen der europ&auml;ischen Union, die Anreize schaffen und Zugangsm&ouml;glichkeiten &ouml;ffnen oder auch verschlie&szlig;en. Diese besonderen institutionellen Bedingungen sind zugleich auch mit f&uuml;r das Demokratiedefizit der europ&auml;ischen Union verantwortlich und eine Beschr&auml;nkung des Lobbying allein w&uuml;rde daher das Demokratiedefizit nicht beseitigen.<br \/>Streeck und Schmitter haben bereits zu Beginn der 90er Jahre, wegen der beherrschenden Tradition der Vergesellschaftung &uuml;ber den Markt, das europ&auml;ische System der Interessenrepr&auml;sentation als pluralistisches Modell beschrieben.10&nbsp; Das politische Institutionensystem der EU ist durch die Vergemeinschaftung &uuml;ber den Markt und durch ein &bdquo;utilitaristisches Verst&auml;ndnis von Politik&ldquo;11, das statt des Gemeinwohls den Eigennutz als Leitlinie hat, gekennzeichnet. Von den M&ouml;glichkeiten und der Art und Weise des Lobbying unterscheidet es sich aber doch erheblich vom US-System, das ebenfalls als pluralistisch gilt. Denn im Unterschied zu den USA ist zum einen das System gegen&uuml;ber Lobbygruppen offen und geschlossen zugleich, je nach Phase des Politikprozesses und dem Verhalten der Kommission. Hinzu kommt &ndash; im Gegensatz zum Mehrheitsprinzip der USA &ndash; die spezifische Art der politischen Willensbildung, die aus der EU ein Verhandlungssystem macht und ein &bdquo;Regieren in Netzwerken&ldquo; zur Folge hat. F&uuml;r Lobbygruppen bedeutet dies, dass sie anders als in einem pluralistischen oder etatistischen System agieren m&uuml;ssen. Den Strategien der Lobbygruppen auf EU-Ebene kommen daher die Erfahrungen in korporatistischen Systemen wie dem der Bundesrepublik entgegen.<br \/>In j&uuml;ngerer Zeit hat sich daher f&uuml;r die komplexe Institutionenstruktur der europ&auml;ischen Union die Beschreibung als Modell eines Mehrebenensystems durchgesetzt. Es umfasst die spezifischen Bedingungen f&uuml;r die Organisations- und Konfliktf&auml;higkeit der verschiedenen Interessengruppen sowohl auf der nationalen als auch auf der europ&auml;ischen Ebene. In diesem Mehrebenesystem, verstanden als &bdquo;ineinander greifende Handlungssysteme&ldquo;12, hat die Exekutive &ndash; die Kommission und der Rat &ndash; Handlungsvorteile gegen &uuml;ber dem Europ&auml;ischen Parlament und den Interessengruppen. Denn die Kommission hat das Initiativerecht f&uuml;r alle politischen Projekte und versteht sich als die &bdquo;H&uuml;terin der Vertr&auml;ge&ldquo;, die mit ihrer Politik die Europ&auml;isierung und Integration vorantreiben will.<br \/>Von dieser Seite hat das System pluralistischen Charakter und ist offen f&uuml;r Lobbygruppen, weil die Kommission die Lobbygruppen einl&auml;dt, bei &bdquo;Gesetzgebungsprojekten&ldquo; mitzumachen. Sie tut dies, einerseits um die eigene Position durch strategische Allianzen mit gesellschaftlichen Interessengruppen zu st&auml;rken, andererseits weil sie Expertisewissen, &bdquo;technical policy input&ldquo;13 braucht, um die politischen Programme durchf&uuml;hren zu k&ouml;nnen. <br \/>Die EU hat aber auch den Charakter eines Verhandlungssystems mit einer kaum mehr &uuml;berschaubaren Anzahl von Aussch&uuml;ssen, in denen die nationalen B&uuml;rokratien, aber auch die Lobbygruppen einbezogen sind. Van Schendelen nennt rund 1800 solcher Aussch&uuml;sse mit etwa 80.000 Fachleuten, die jeweils zur H&auml;lfte mit Experten aus den nationalen Regierungsapparaten und Privaten (Unternehmen, NGOs) besetzt sind. Diese Arbeitsgruppen sind f&uuml;r viele Lobbygruppen ein wichtiges Bet&auml;tigungsfeld. Sie suchen Zugang zu diesen Verhandlungsrunden und bieten dort ihr Expertenwissen an. Die Kommission bietet diese Zug&auml;nge und die Lobbygruppen geben daf&uuml;r politische Unterst&uuml;tzung und Expertise. F&uuml;r Beyers und Kerremans steckt darin ein Nukleus demokratischer Input-Legitimation, denn die EU-Politiknetzwerke k&ouml;nnen nicht auf Expertise-gest&uuml;tztes Verhandeln reduziert werden. Diese Politiknetzwerke fungieren in erheblichem Ma&szlig;e als &bdquo;Kan&auml;le durch die prinzipienorientierte Debatten flie&szlig;en und in denen &ouml;ffentliche Belange repr&auml;sentiert werden.&ldquo;14 Lobbying ist daher auf der EU-Ebene sehr stark argumentativ gepr&auml;gt und sachlich-n&uuml;chtern im Stil.<br \/>Diese Policy-Arenen k&ouml;nnen f&uuml;r Lobbygruppen bei aller Offenheit auch gleichzeitig gro&szlig;e Hindernisse im Zugang darstellen. Die Kommission versucht zum einen als &bdquo;gate-keeper&ldquo; den Zugang zu diesen Verhandlungsarenen zu kontrollieren und bestimmte Interessengruppen zu privilegieren. Zum anderen ist es f&uuml;r viele Lobbygruppen kaum m&ouml;glich in allen Arenen gleichzeitig pr&auml;sent zu sein oder auch nur alle Arenen mit gleicher Intensit&auml;t zu beobachten. Hier werden ressourcenstarke Lobbygruppen bevorzugt. Dar&uuml;ber hinaus tun sich Lobbygruppen aus Deutschland mit einem korporatistischer Politiktradition leichter als Lobbygruppen aus Frankreich mit der etatistischen oder Gro&szlig;britannien mit der pluralistischen Tradition. Die Europ&auml;isierung gelingt daher nicht allen Interessengruppen.<br \/>Weiterhin erh&ouml;ht die Komplexit&auml;t des Mehrebenensystems den Bedarf an Informationsbeschaffung, Analyse, Strategieplanung, Koalitionsbildung und Zielauswahl der Lobbygruppen. Viele Lobbygruppen versuchen durch Professionalisierung der Komplexit&auml;t der europ&auml;ischen Institutionen- und Entscheidungsstruktur Rechnung zu tragen, doch nicht allen gelingt dies auch in ausreichendem Ma&szlig;e.<br \/>Die Kommission ist traditionell die wichtigste Zielgruppe f&uuml;r das Lobbying, doch mit dem EU-Parlament ist in den letzten Jahren ein weiterer Adressat hinzugekommen. Die Einf&uuml;hrung des Mitentscheidungsverfahrens hat das Parlament zum attraktiven Adressaten f&uuml;r Lobbygruppen gemacht. Dabei zeigen sich in den Zug&auml;ngen und in der Struktur der Nachfrage charakteristische Unterschiede zwischen den beiden Institutionen. Die Kommission ist vor allem an Fachwissen interessiert, weil sie Gesetzesvorschl&auml;ge ausarbeiten muss. Sie ist in geringerem Umfang an umfassenden europ&auml;ischen Interessen interessiert. Das Europ&auml;ische Parlament versucht nach Cornelia Woll &bdquo;Spaltungen und Blockaden durch nationale Konflikte (zu) vermeiden&ldquo; und &ouml;ffnet sich daher st&auml;rker den umfassenden europ&auml;ischen Interessen. Aufgrund dieser &bdquo;Nachfragestruktur&ldquo; erkl&auml;rt sich, wieso Unternehmen mit technischen Informationen vor allem Zugang zur Europ&auml;ischen Kommission haben, w&auml;hrend Europaverb&auml;nde Kontakt mit dem Parlament und der Kommission pflegen&#8220;.15 Pieter Bouwen best&auml;tigt diesen Befund, wonach Einzelunternehmen und Beratungsfirmen kaum Zugang zu den Parlamentariern finden. Sie gelten entweder als wenig vertrauensw&uuml;rdig oder k&ouml;nnen keine umfassenden Interessen formulieren. Exzellente Zug&auml;nge hingegen haben nationale Verb&auml;nde. Bouwen erkl&auml;rt dies mit der immer noch bestehenden Verwurzelung der Parlamentarier in den nationalen Politiknetzwerken.16<br \/>Insgesamt ergibt sich durch verschiedene Studien und Befragungen der Eindruck, dass die Abgeordneten des Europ&auml;ischen Parlaments dem Lobbying positiv gegen&uuml;berstehen und an Lobbyisten das Angebot an gut aufbereitete Informationen sch&auml;tzen. Die eigenen Mitarbeiter gelten aber immer noch als die wichtigsten und zuverl&auml;ssigsten Informationsquellen, erst danach kommen die Informationsquellen der Lobbyisten. <br \/>Das Lobbying rund um die Chemikalienrichtlinie REACH hat aber j&uuml;ngst gezeigt, dass die B&uuml;hne des Europ&auml;ischen Parlaments f&uuml;r das Lobbying wichtiger wird. Wenn die Lobbyaktivit&auml;ten bei der Kommission nicht erfolgreich waren, so bietet sich nun beim Parlament eine zweite Chance, die Gesetzgebung zu ver&auml;ndern. Hinzu kommt, dass sich damit ein aggressiverer Lobbyingstil durchsetzt und dass in der Arena des Parlaments nationalen Lobbyakteuren besserer Zugang gew&auml;hrt wird.<\/p>\n<h5><span id=\"europaeisierung-des-lobbying\">Europ&auml;&shy;i&shy;sie&shy;rung des Lobbying<\/span><\/h5>\n<p>Als Verhandlungssystem mit pluralistischem Charakter zeigt das europ&auml;ische Institutionensystem sich offen gegen&uuml;ber den Lobbygruppen. Die Kommission l&auml;dt aber nicht nur die Lobbygruppen bei der Entwicklung von Policies ein, sondern f&ouml;rdert speziell die Bildung von europ&auml;ischen Interessengruppen. Hat nun diese lobbygruppenfreundliche Politik zur Europ&auml;isierung der Interessengruppen und insgesamt zur Integration beigetragen? <br \/>Europ&auml;isierung kann zum einen verstanden werden als die Ausbildung eines politischen Systems auf der europ&auml;ischen Ebene. Europ&auml;isierung kann zu zweiten auch verstanden werden als der Prozess durch den sich die nationalen Interessengruppen und Akteure auf den neuen europ&auml;ischen Handlungsrahmen einstellen. In diesem Falle w&uuml;rde es zu einer allm&auml;hlichen Konvergenz der nationalen Lobbytraditionen auf einer europ&auml;ischen Ebene kommen. Es kann aber auch sein, dass die Lobbygruppen in den nationalen Traditionen verharren und die Bindungen an die nationalen Institutionen nicht aufgeben wollen.<br \/>Um den Fortschritt in der Integration durch die F&ouml;rderung der Lobbygruppen bewerten zu k&ouml;nnen, ist zwischen den unterschiedlichen Ebenen des europ&auml;ischen politischen Systems und zwischen den Typen der verschiedenen Interessengruppen zu differenzieren. Beate Kohler-Koch u.a. haben das zun&auml;chst f&uuml;r die nationale Interessenrepr&auml;sentation entwickelte Modell der Mitgliedschafts- und Einflusslogik auf die europ&auml;ische Ebene &uuml;bertragen. <br \/>F&uuml;r viele Interessengruppen auf der nationalen Ebene ist mit der Europ&auml;ischen Union zun&auml;chst nur eine weitere Ebene der Politikbeeinflussung hinzugekommen. Ergebnis ist, dass die nationalen Verb&auml;nde &#8222;gleichzeitig in mehreren Welten leben&#8220; und trotz der zunehmenden grenz&uuml;berschreitenden Organisation von Interessen, k&ouml;nnen wir nicht von einer durchgehenden &bdquo;Europ&auml;isierung&ldquo; sprechen.17 Die Vielfalt der Lobbygruppen hat zugenommen und nationale Verb&auml;nde sind Teil eines europ&auml;ischen Verbandes und unterhalten in Br&uuml;ssel eine eigene Repr&auml;sentanz. Hinzu kommt, dass einige ihrer Mitglieder, gerade transnationale Firmen, wie Siemens oder BASF, sowohl auf der nationalen als auch auf der europ&auml;ischen Ebene eine Verbandsmitgliedschaft unterhalten und dar&uuml;ber hinaus eine eigene Konzernrepr&auml;sentanz haben. <br \/>Die Europ&auml;ische Kommission verfolgt nicht nur eine Politik des offenen Zugangs, sondern unterst&uuml;tzt auch die Gr&uuml;ndung von genuinen europ&auml;ischen Verb&auml;nden (EuroFeds). Diesen EuroFeds gew&auml;hrt sie auch privilegierten Zugang zu den verschiedenen Arenen. Solche EuroFeds wie die UNICE (Union of Industrial and Employers`Confederations of Europe), die sich bereits 1958 gr&uuml;ndete, und EUROCHAMBRES, der europ&auml;ische Zusammenschluss von Handelnskammern, sind aufgrund der heterogenen Mitgliederstruktur oft eher Foren f&uuml;r Diskussionen als schlagkr&auml;ftige Lobbygruppen. Drei Viertel der UNICE-Mitglieder unterhalten wie der BDI dar&uuml;ber hinaus eigene B&uuml;ros in Br&uuml;ssel und verfolgen eigenst&auml;ndige Lobbystrategien. Hinzu kommt, dass daneben auch noch mit dem ERT (European Round Table of Industrialists) ein Zusammenschluss der CEOs der 100 gr&ouml;&szlig;ten Unternehmen besteht. <br \/>Die Mitgliedschaft von nationalen Verb&auml;nden in EU-Verb&auml;nden ist nach Rainer Eising unabdingbar, denn alle Alternativen sind kostspielig. Dennoch habe die &bdquo;Europ&auml;isierung der Interessenvermittlung&ldquo; nicht dazu gef&uuml;hrt, dass sich in Deutschland &bdquo;EU-spezifische Interessengruppen&ldquo; gegr&uuml;ndet h&auml;tten.18 Vielmehr w&uuml;rde nur eine bestimmte, gut mit Ressourcen ausgestattete Gruppe von den M&ouml;glichkeiten des EU-Lobbying profitieren: &bdquo;Die EU hat somit die Macht von auf nationaler Ebene profilierten Organisationen gefestigt. Diese scheinen am ehesten in der Lage zu sein, aus den neuen politischen Gelegenheiten Kapital zu schlagen.&ldquo;19 Notwendige Voraussetzungen neben materiellen Ressourcen sind Spezialisierung und Professionalit&auml;t im Lobbying, was meist bei Verb&auml;nden auf dem oberen Segment der nationalen Verbandspyramide zu finden ist.<br \/>Die nationalen Verb&auml;nde sind aber nicht die einzigen, die sich auf die neue europ&auml;ische Dimension des Lobbying eingestellt haben. Die Europ&auml;isierung des Lobbying ist vor allem bei gro&szlig;en Unternehmen und bei Beratungsfirmen zu beobachten. Lahusen spricht daher von einer &bdquo;Entwicklung der europ&auml;ischen Beratungsindustrie&ldquo;20, mit denen der angels&auml;chsische Lobbyingstil in Br&uuml;ssel Einzug gehalten hat.<\/p>\n<h5><span id=\"kompensation-des-demokratiedefizits-durch-lobbying\">Kompen&shy;sa&shy;tion des Demokra&shy;tie&shy;de&shy;fi&shy;zits durch Lobbying?<\/span><\/h5>\n<p>In verschiedenen Sch&uuml;ben hat sich eine europ&auml;ische Lobbyingindustrie ausgebildet, die allerdings durch in Br&uuml;ssel t&auml;tige nationale Interessengruppen erg&auml;nzt wird. Durch die spezifischen Anreizstrukturen hat sich damit teilweise eine Europ&auml;isierung der Interessengruppen und ihres Lobbying ergeben. Aber diese Europ&auml;isierung der Interessenpolitik hat nicht automatisch Auswirkung auf die mangelnde demokratische Legitimation der EU. Die Hoffnung der Kommission war, die offene Flanke des europ&auml;ischen Institutionensystems, das Demokratiedefizit, durch eine st&auml;rkere Offenheit gegen&uuml;ber dem Lobbying der Interessengruppen zu kompensieren. Greenwood kann daher festellen, dass &ldquo;the EU&#8217;s democratic deficit has recently created a favorable environment for public intrests to operate in.&rdquo; Er schr&auml;nkt aber gleichzeitig die damit zusammenh&auml;ngenden Hoffnung auf damit einhergehende Effekte der Demokratisierung ein: &bdquo;Market power does not automatically translate to political power.&ldquo;21<br \/>Um das Ziel der politischen Gemeinschaft zu erreichen, sollen zum einen&nbsp; die Zug&auml;nge zur Kommission und zum Parlament verbessert werden. Daf&uuml;r hat die Kommission intermedi&auml;re R&auml;ume der Konsultation und Beratung geschaffen. Zum anderen soll die umfassendere Einbindung der Lobbygruppen auch eine effizientere Gestaltung des europ&auml;ischen Regierens erbringen. Im klassischen Fall der Out-put-Legitimation sollen die Probleml&ouml;sungen qualitativ verbessert werden. <br \/>Die Strategie der Kommission, die Lobbygruppen st&auml;rker in die europ&auml;ische Demokratie einzubinden und den Austausch mit ihnen als einen Zugewinn an Partizipation auszugeben, halten Eising und Kohler-Koch f&uuml;r &bdquo;inszenierte Diskurse&ldquo;22. Doch die Kommission hat eine Reihe von Anstrengungen unternommen, um dem Lobbying einen demokratief&ouml;rdernden Charakter attestieren zu k&ouml;nnen. Das wichtigste Dokument f&uuml;r die neue Politik der Einbindung der Interessengruppen zur Behebung des Demokratiedefizits ist das Wei&szlig;buch zum Europ&auml;ischen Regieren von 2001. Die Kommission hat dort eine Strategie der st&auml;rkeren &bdquo;Einbindung der Zivilgesellschaft&ldquo;23 in das europ&auml;ische Regieren entworfen. Unter Zivilgesellschaft versteht sie den gesamten intermedi&auml;ren Bereich der organisierten Interessen, d.h. Arbeitgeber- und Wirtschaftsverb&auml;nde ebenso wie Gewerkschaften und die traditionellen Gruppen der Non-profit- Organisationen und Public Interest- Groups. Diese Ausweitung und Umdefinition des Zivilgesellschaftsbegriffs erlaubt es der Kommission das Expertenwissen der Lobbygruppen f&uuml;r ihre Zwecke optimal nutzen und der Einbindung einen demokratischen, Partizipation f&ouml;rdernden Charakter geben zu k&ouml;nnen.24<br \/>F&uuml;r die Kommission ist es vor allem die &bdquo;organisierte Zivilgesellschaft&ldquo; &ndash; zu der sie aber auch Unternehmen und Unternehmensverb&auml;nde z&auml;hlt &ndash;&nbsp; mit der &bdquo;alle gesellschaftlichen Interessengruppen Gelegenheit haben sollen, ihre Meinung zu &auml;u&szlig;ern.&ldquo; In der Mitteilung der Kommission zum Konsultationsverfahren stellt sie die Einbeziehung der organisierten Interessen ausdr&uuml;cklich in einen demokratietheoretischen Zusammenhang: Die besondere Rolle der organisierten Zivilgesellschaft sei &bdquo;eng verbunden mit dem in Artikel 12 der EU- Grundrechtecharta verankerten Grundrecht der B&uuml;rger, Vereinigungen zu bilden, um ein gemeinsames Ziel zu verfolgen. Die Mitgliedschaft in einer Vereinigung bietet dem B&uuml;rger eine weitere M&ouml;glichkeit, sich neben der Mitarbeit in politischen Parteien oder durch Wahlen aktiv zu beteiligen.&ldquo;25 Auch im Entwurf des Verfassungsvertrages f&uuml;r Europa wurde im Artikel 46 diese Auffassung der Zivilgesellschaft und die demokratief&ouml;rderliche Funktion des Lobbyings niedergelegt. Im Abs. 2 hei&szlig;t es: &bdquo;Die Organe pflegen einen offenen, transparenten und regelm&auml;&szlig;igen Dialog mit den repr&auml;sentativen Verb&auml;nden und der Zivilgesellschaft.&ldquo;<br \/>Die von der Kommission betriebene fr&uuml;hzeitige Einbindung der Interessengruppen in die Politikformulierung geht einher mit der Aufforderung der Kommission an die Lobbygruppen, zu bestimmten Themen Stellung zu nehmen. Die Kommission stellt aber auch, wie am Beispiel der Konsultation zur Chemikalienkontrolle deutlich wird, technische Infrastruktur wie online-Konsultationsverfahren zur Verf&uuml;gung. Immer noch sprechen aber die Intransparenz und die F&uuml;lle der Beratungsgruppen (das Weissbuch nennt 700 beratende Ad-hoc- Gremien) gegen den demokratief&ouml;rderenden Charakter der Einbindung der Lobbygruppen.<br \/>Die Europ&auml;ische Kommission ging noch einen Schritt weiter und unterst&uuml;tzte die Gr&uuml;ndung ressourcenschwacher Interessengruppen und NGOs finanziell und organisatorisch. Insbesondere lag ihr die Bildung europ&auml;ischer Verb&auml;nde und NGOs am Herzen, die jenseits der nationalen Ebene eine europ&auml;ische Perspektive einnehmen sollen. Doch selbst bei den NGOs, die auf keine nationalen Interessentraditionen R&uuml;cksicht nehmen m&uuml;ssen, ist zu beobachten, dass die Nichtregierungsorganisationen, die f&uuml;r allgemeine Interessen lobbyieren, nicht den Prozess in Gang setzen, in dem aus den &bdquo;Marktb&uuml;rgern&ldquo; politische B&uuml;rger werden sollen. Stattdessen beobachtet Warleigh: &ldquo;NGOs supporters do not wish to use these organisations as a means of active citizenship&rdquo;26. Auch die NGOs verhalten sich wie Marktteilnehmer und betreiben Lobbying und tragen nicht dazu bei, dass Demokratisierungseffekte erfolgen w&uuml;rden.<\/p>\n<h5><span id=\"fazit\">Fazit<\/span><\/h5>\n<p>Die Politik der Kommission, &uuml;ber die F&ouml;rderung von Lobbygruppen die Europ&auml;isierung zu erreichen und das Demokratiedefizit zu mildern hat sich als unzul&auml;nglich erwiesen. Mit dem neuen Gr&uuml;nbuch zur Europ&auml;ischen Transparenzrichtlinie will der Vizepr&auml;sident der Europ&auml;ischen Kommission, Siim Kallas, einen anderen Weg beschreiten. Es soll mehr Spielregeln f&uuml;r das Lobbying geben, die im Sinne der Input-Legitimation mehr Transparenz schaffen und die demokratische Qualit&auml;t des Politikprozesses verbessern sollen. Weil das Lobbying zunimmt, so Kallas, m&uuml;sse es mehr Informationen dar&uuml;ber geben, wen die Lobbyisten vertreten, welche Ziele sie verfolgen und wie sie finanziert werden. Allerdings schl&auml;gt Kallas keine Registrierungspflicht wie im Amerikanischen Vorbild mit dem Lobbying Disclosure Act von 1995 vor, sondern ein System der freiwilligen Registrierung. Spezielle Zug&auml;nge zu Online-Befragungen bei EU-Initiativen sollen Anreize zur Registrierung schaffen. Flankiert werden soll die Registrierung durch einen gemeinsamen Verhaltenskodex f&uuml;r alle Lobbyisten.<br \/>Das Europ&auml;ische Parlament (EP) ist hier ein St&uuml;ck weiter. Es hat ein Akkreditierungssystem f&uuml;r Lobbyisten und die Liste der akkreditierten Lobbyisten wird auf der Website des EP ver&ouml;ffentlicht. Doch aus den Daten geht nicht hervor, welche Interessen ein Lobbyist vertritt.<br \/>Diese Ma&szlig;nahmen sind angesichts der generellen Tendenzen notwendig, aber sind kaum ein Beitrag die durch die &Uuml;berdehnung der Grenzen Europas heraufbeschworenen Problemen zu mildern oder gar zu l&ouml;sen. Vielmehr nimmt das Lobbying zu und auch der Stil des Lobbying, der immer noch als konstruktiv und konsultativ beschrieben wird, &auml;ndert sich zusehends. Mit angels&auml;chsischen Law firms, kommerziellen Lobbyagenturen und der wachsenden Heterogenit&auml;t der EU h&auml;lt auch ein kompetitiver und aggressiver Lobbyingstil Einzug. Mit dem EP w&auml;chst ein neuer relevanter Adressat f&uuml;r das Lobbying heran, so dass insgesamt die Komplexit&auml;t noch zunimmt. Ergebnis wird sein, dass Lobbyerfolge immer st&auml;rker von den finanziellen und organisatorischen Ressourcen abh&auml;ngig werden.<\/p>\n<p>1&nbsp;&nbsp;&nbsp; Sinia Grimm\/Wolfgang Merkel, Die Grenzen der EU: Erweiterung, Vertiefung und Demokratie, in: Jens Alber\/Wolfgang Merkel (Hg.), Europas Osterweiterung: Das Ende der Vertiefung?, (WZB Jahrbuch 2005), 183-206, hier: S. 202.<br \/>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Fritz Scharpf, Regieren in Europa. Effektiv und demokratisch? Frankfurt\/New York 1999.<br \/>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href=\"http:\/\/ec.europa.eu\/commission_barroso\/kallas\/doc\/com2006_0194_4_de.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/ec.europa.eu\/commission_barroso\/kallas\/doc\/com2006_0194_4_de.pdf<\/a><br \/>4&nbsp;&nbsp;&nbsp; Justin Greenwood, Interest Representation in the European Union, Basingstoke: Palgrave\/ Maxmillan 2003, S. 9. Rinus van Schendelen sch&auml;tzt die Zahl der Gruppen auf 3.000; siehe: Rinus van Schendelen, Br&uuml;ssel: Die Champions League des Lobbying, in: Thomas Leif \/ Rudolf Speth (Hg.), die f&uuml;nfte Gewalt. Lobbyismus in Deutschland, Wiesbaden, 2006, S. 136.<br \/>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Schendelen, Br&uuml;ssel: Champions League des Lobbying, S, 132,<br \/>6&nbsp;&nbsp;&nbsp; Beate Kohler-Koch, Thomas Conzelmann, Mich&egrave;le Knodt, Europ&auml;ische Integration &ndash; Europ&auml;isches Regieren, Wiesbaden 2004, S. 240.<br \/>7&nbsp;&nbsp; Christian Lahusen, Kommerzielle Beratungsfirmen in der Europ&auml;ischen Union, in: Rainer Eising, Beate Kohler-Koch (Hg.), Interessenpolitik in Europa, Baden-Baden 2005, 251-280, hier: S. 275<br \/>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Kohler-Koch, Conzelmann, Knodt, Europ&auml;ische Integration, S. 234.<br \/>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Siehe dazu: van Schendelen, Br&uuml;ssel: Die Champions Leagua des Lobbying.<br \/>10&nbsp; Wolfgang Streeck, Philippe C. Schmitter, From national Corporatism to transnational poluralism,&nbsp;&nbsp;&nbsp; Politcs and Society, Band 19, Heft, 2 (1991), S. 133-164.<br \/>11&nbsp; Kochler-Koch, Conzelmann, Knodt, Europ&auml;ische Integration, S. 175.<br \/>12&nbsp; Kohler-Koch, Conzelmann, Knodt, Europ&auml;ische Integration, S. 170<br \/>13&nbsp; Greenwood, Interest reppresentation in the European Union, S. 46.<br \/>14&nbsp; Jan Beyers, Bart Kerremans, B&uuml;rokraten, Politiker und gesellschaftliche Interessen. Ist die Europ&auml;i&nbsp; sche Union entpolitisiert?, in: Rainer Eising, Beate Kohler-Koch (Hg.), Interessenpolitik in Europa, Baden-Baden 2005, 123-149,S. 149.<br \/>15&nbsp; Cornelia Woll, Herrschaft der Lobbyisten in der Europ&auml;ischen Union?, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, 15-16\/2006, 33-38, hier: S. 37.<br \/>16&nbsp; Pieter Bouwen, Zugangslogik in der Europ&auml;ischen Union: der Fall des Europ&auml;ischen Parlaments, in: Rainer Eising, Beate Kohler-Koch (Hg.), Interessenpolitik in Europa, Baden-Baden 2005, 95-122, hier: S. 119.<br \/>17&nbsp;&nbsp; Kohler-Koch, Conzelmann, Knodt, Europ&auml;ische Integration, S. 237.<br \/>18&nbsp;&nbsp; Eising, Die Europ&auml;isierung deutscher Interessengruppen, S. 318f.<br \/>19&nbsp;&nbsp; Eising, Die Europ&auml;isierung deutscher Interessengruppen, S. 334.<br \/>20&nbsp;&nbsp; Lahusen, Kommerzielle Beratungsfirmen in der Europ&auml;ischen Union, S. 274.<br \/>21&nbsp;&nbsp; Greenwood, Interest representation in the European Union, S. 74.<br \/>22&nbsp;&nbsp; Eising, Kohler Koch, Interessenpolitik im europ&auml;ischen Mehrebenensystem, S. 56.<br \/>23&nbsp;&nbsp; Europ&auml;ische Kommission, Weissbuch. Europ&auml;isches Regieren Br&uuml;ssel 2001, S. 29.<br \/>24 &#8222;Partizipation hei&szlig;t nicht Institutionalisierung von Protest. Partizipation bedeutet vielmehr wir kungsvollere Politikgestaltung auf der Grundlage fr&uuml;hzeitiger Konsultationen&#8220;, hei&szlig;t es im Weiss-&nbsp; buch. Siehe: Kommission, Europ&auml;isches Regieren, S. 30. <br \/>25&nbsp; Die Europ&auml;ische Kommission, Mitteilungen der Kommission. Hin zu einer verst&auml;rkten Kultur der Konsultation und des Dialogs. Allgemeine Grunds&auml;tze und Mindeststandards f&uuml;r die Konsultation betroffener Parteien durch die Kommission, Br&uuml;ssel 2002, S. 5 (KOM (2002) 704 endg.).<br \/>26&nbsp; Alex Warleigh, Informal Governance: What Contribution to the Legitimacy of the EU?, in: Thomas Christiansen, Sinona Piattoni (hg.), Informal Governance in the European Union, Aldershot 2003, Edward Elgar Publicytions, 22-35, hier: S. 30.<br \/>&nbsp;<br \/>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[2238],"publikationen":[2815],"class_list":["post-11896","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-rudolf-speth","publikationen-174-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Integration und Interessen - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/174-vorgaenge\/publikation\/integration-und-interessen\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Integration und Interessen - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Lobbyismus in der EU &ndash; zivilgesellschaftlicher Reichtum oder demokratisches Defizit? 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